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vor 15 Jahren, 5 Monaten
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Lichtaloh

Pour Isabelle - une petite fille - deux petite fille

Startbeitrag von Lichtaloh am 24.03.2003 15:59

Klein und unscheinbar. Ich glaube, sie war gar nicht einmal so alt, als es passierte. In einem dunkelroten Kleidchen mit einer weißen Schürze, so stand sie da. Und doch, darunter die weiße Haut, blass und doch leicht rosig die Wangen. Die Augen zweien Kohlen gleich, schwarz und dunkel, unerkennbar, unmöglich auf den Grund der Seele zu schauen, die dort verborgen lag. Tief verborgen, unendlich tief. Sie hatte kleine Hände, zierliche kleine Hände, vom Unkraut ausreissen ganz aufgeschürft, von Trost spenden einsam. Zwei einsame Hände, die etwas leicht geballt waren, das Gesicht verzerrt, während still die Tränen rollten. In einem Lande, dass in uns allen schlummert - da war sie, stand sie auf dem großen Feld, voller roter Mohnblumen. So schön war es dort und doch stand sie dort - schien in ihrem roten Kleid darin unter zu gehen, gar zu ertrinken. Und während die Blumen blühten, da kämpfte sie mit den Tränen, kämpfte mit dem Wunsch den Schmerz zu zeigen, den ihr Gesicht bereits ungewollt preisgab.
Und sie stand den ganzen Tag so, stillschweigend sich ihrem Schmerz hingebend, während die Haustüren offen standen, rumherum die Menschen weit weg vom Felde gingen, den Tag durchlebten. Und die Wolken zogen davon, die Sonne begann schon langsam unterzugehen - sie stand immer noch da. Die Welt wurde ich rotgoldne Strahlen getaucht, als sie immer noch so allein dastand, die Mohnblumen bereits ihre Blüten schlossen und alles, was blieb, war etwas Hoffnung vermischt mit dem Duft dieser Blumen.
Und als der letzte rote Strahl unterging und die Welt sich nun in Dunkelheit tauchte, da brach das Tor, brachen ihre Lippen auf, brachen auf, die Augen verharrten nicht mehr. Und sie weinte, weinte laut, so laut durch diese stille Nacht, weinte und weinte, schrie und rief. Und alles, was eingesperrt gewesen ist, das kam heraus, bedeckte die Stille mit sehnenden Geräuschen. Und leer blieb das Feld, einsam das Mädchen dort auf diesem Felde. Alle Türen schlossen sich von den Häusern, schnell und laut. Jede Tür, eine nach der anderen schloss sich und keiner kam...


Nur eine Tür blieb offen, als noch so eine arm' Gestalt in bittren Tränen sich den Weg zu diesem Mädchen bahnte, fast schon rennend. Und als sie ankam, da waren auch ihre Lippen zittrig, auch ihre Fäuste geballt und sie weinte.

Während sie weinten, hatten sie längst erkannt, dass sie beide niemanden hier zu erwarten hatten. Und so weinten sie die Nacht durch, bis der morgen kam.
Dann stand niemand mehr da und keiner erinnerte sich an die beiden kleinen Mädchen, vor denen sie die Türen schlossen.


Ungeklärt bleibt jedoch, wieviele andere Kinder noch diese Nacht kamen, dastanden, blieben und erkannten, viélleicht sogar mitweinten. Ich glaube aber gehört zu haben, dass so einige verschwanden diese Nacht - Wohin? Das weiß keiner. Warum? Das weiß keiner. Wann? Das weiß keiner.

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