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vor 10 Jahren, 1 Monat
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Lichtaloh

Tagebuch einer Eva, limited edition

Startbeitrag von Lichtaloham 19.05.2003 20:47

^KlackKlackKlack^
Drei Schachfiguren kippen um in meinem Kopf. Die eine erinnert mich an dich, die andere erinnert mich an mich selbst. Ich stoße die dritte mit dem Fuß an und sehe tausende Bilder durch meinen Kopf rauschen. Es ist wie ein schneller Speed, mindestens 300km/h Geschwindigkeit, die die Bilder in meinem Kopf schnell zurücklegen, mich matern. Mein rechtes Auge zuckt leicht. Und mir ist schrecklich kalt und trotzdem , trotzdem schließe ich das Fenster nicht.
Irgendwie zucken Bilder der Gewalt, der Zerstörung durch meinen Kopf, doch die Augen von Menschen, die ich darin sehe, sind nicht mehr als gefüllt mit Angst und Verzweiflung.
Ich bin ein egoistisches kleines Kind, denke ich mir, und mich beruhigt der Gedanke, dass viele vielleicht so von sich denken. Aber ich bin es wirklich.
Stolz, Würde. Meine Güte, mein ganzes Leben baute immer wieder drauf auf, baute tausende von Burgen, und nur diese Grundmauern hielten es.
Stolz, Würde...
Und ich dachte bisher, ich würde nie meinen Stolz verlieren, ihn mit ins Grab nehmen. Aber nie ablegen, mich bloßlegen, bis auf die Knochen ausziehen und hinstellen. Der Wunsch und die Abscheu vor diesem Moment .. wie ein komischer Mischmasch aus braunen und weißen Farben.darin ein blutroter Stich. In meinem Kopf sehe ich blanke Knochen. Ich bin kein blanker Knochen. Ich bin ein vom Fleisch umgebener Knochen und mich nagt keiner ab.
Komicher Gedanke.
Alles rauscht an mir vorbei und ich möchte jetzt gern mich zusammenrollen.
Das Fenster ist offen und gibt mir etwas seiner kalten Luft, teilt sie mit mir.
Stolz. Aber mein Gott, verliere ich denn wirklich meinen Stolz?
Ich denke an diese ganzen Filme..ja, an Filme, wo die Familien keinen einzigen Penny mehr in der Tasche haben, aber stets nach aussen einen sauberen und vornehmen Eindruck vermitteln würden, nie in ihrer Not zu wem anderen kommmen würden und die schwere Zeit mit Stolz und Würde bestehen.
Wie bin ich darin? Nun gut, wenn es ums Geld geht, denke ich, wäre ich da nicht anders. Doch es gibt doch noch viel mehr als Geld. Gefühle. Stolz. Hat Stolz was mit Gefühlen zu tun...?
Ist es aber der Stolz, der sooft zurückhält? Wieso fühlt sich alles so schlecht an, wenn ich meine Kleider ablege und mit meinem ganzen Sein stehe, ohne etwas zu verstecken meine Gefühle ausbreite. Es liegt vielleicht an der Verletzlichkeit. Aber wie kann man noch verletzlich sein? Wenn man tausend Mal in solchen Momenten Schmerz spürte, kann man dann noch Angst haben? Es scheint dann nicht Mal mehr Risiko. "Achte auf dich Kind", habe ich mir früher selbst gesagt, als das, was mich am meisten schmerzte und ich es zugab später gegen mich verwendet wurde.." Achte auf dich und zeige niemals deine Schwächen, denn sie werden dich einmal zu Boden schlagen.." Und auch wenn Menschen kommen und dies nicht tun, bleibt stets dieses Zittern, die Angst.
Liegt das Gefühl im Stolz, zerbissen durch die Verletzlichkeit?
Oder liegt es eher in der ganzen Scham des Menschen selbst?
Wieso schafft es diese Welt eine Träne als etwas verwerfliches, schlechtes anzuerkennen? Sie ist doch reinstes Gefühl, egal, welcher Form.

^klackKlackKlack^
Ich will nicht mehr denken, ich will nicht mehr frieren. Und irgendwas scheint mir die Kehle zuzuschnüren in dem Moment. Und ich denke, es sind irgendwo Tränen, nur ich seh sie nicht. Sie kommen nicht.
Möchte füllen, möchte Liebe spenden, möchte geben, halten, böses zerstören, heilen, mein ganzes Ich schenken..
ohne mich dabei preiszugeben, ohne flüchten zu wollen, ohne mir schlecht dabei vorzukommen, wertlos oder unwürdig.
Das möchte ich.

Ich möchte fleissig sein, etwas für mein Leben tun. Ich möchte nicht im Dreck dieser Welt ertrinken. Aber...ach.
Was ist schon morgen? Morgen bin ich nur die Hand und Stimme, für viele nur Helfer und Tröster. So egoistisch von mir das mit einer gewissen Verbitterung zu sagen, wäre ich doch ohne dies nur eien leere Hülle, eine Marionette, der nie Leben eingehaucht wurde.

Ich habe mich oft wie eine Marionette gefühlt, die aus Holz in einer Puppenkiste liegt. Und ich warte nu auf den Puppenspieler. Wenn der Puppenspieler nicht wäre, würde ich nur Holz sein, nur Holzstücke in einer Kiste.
Irgendwie ist mir nach Denken zu mute..und irgendwie nach wegschließen und schlafen.



irgendwie fällt mir nichts mehr ein.

ich schließe mit meinem alten gedicht vom 24.06.2001


Der Puppenspieler

Er war beides. Schöpfer und Geschöpf der Welt.
Er drehte die Welt nach seiner Phantasie.
Drehtest du mich im Kreise, Puppenspieler -
ohne einen Ausweg?
Ich sah zu und war ein Geschöpf,
das du mit jedem Wort aus mir machtest.

Du lachtest mich an, Puppenspieler
Du wiesest mich ab, so kurzer Hand danach.
Du gabst mir süße Früchte, ließest mich kosten.
Du spielst meinen Schöpfer, Puppenspieler,
denn danach ließest du mich im Regen stehen,
auf dass mein Körper, der nur aus Holz
eingeweicht von Tränen weint.

Vielleicht sahst du es nicht, Puppenspieler.
Sage mir, dass ich nicht das mit meinen Konpfaugen sehe,
was mein Puppenherz mir sagt.
Du ließest mich auf der Bühne singen, Puppenspieler.
Dein fröhliches Gesicht ließ mich tanzen für dich.
Spieltest du unbemerkt Gott, Puppenspieler,
als du mich danach, als dir nicht nach spielen war -
wieder in die Kiste stecktest?

Er war beides. Schöpfer und Geschöpf der Welt.
Er drehte die Welt nach seiner Phantasie,
die auch zu meiner wurde.
Ich diente dir uns hüpfte für dich, damit
du aufmerksam auf eine kleine Puppengestalt wirst,
wie ich es bin.
Ich wunk mit hölzernen Armen, die zum Leben erwachten,
strahlte aus dem Puppenherz, das zu schlagen begann.
Sage mir, Puppenspieler - bitte, dass du dies sahst,
dass du nicht mit Freude sahst, wie ich sprang für dich.
Sage mir nicht, das es dein Wunsch nicht wahr,
sonst würdest du nicht die Fäden halten,
die mich führen.

Vielleicht sahst du es nicht, Puppelspieler.
Sage mir, dass ich nicht das mit meinen Konpfaugen sehe,
was mein Puppenherz mir sagt.



Bonne Nuit, Eve
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