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pfingsten
Beiträge im Thema:
6
Erster Beitrag:
vor 12 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 12 Jahren, 5 Monaten
Beteiligte Autoren:
Randaleur Frere, Erbspüree, Mama Jens, Steini, Michael Dahl

Zum Lied "Sag Nein" von Konstantin Wecker

Startbeitrag von Michael Dahl am 25.02.2002 13:13

Als Pfadfinder, die Demokratie leben und sich zu unserem demokratischen Rechtsstaat bekennen, sollen und wollen wir Nein sagen, wenn Nazihorden johlend durch die Straßen ziehen, menschenverachtende Parolen skandieren und die Grundsätze unseres Gemeinwesens verhöhnen. Das Lied „Sag Nein“ von Konstantin Wecker ist daher ohne Zweifel Ausdruck einer Haltung, die uns schon mit den Pfadfindergesetzen in die Wiege gelegt sein sollte.
Dennoch eignet sich das Lied nicht als Lagerlied!
Unser Verständnis von Demokratie und unser Verhältnis zur Demokratie kann sich nicht in einer Stellungnahme gegen Nazis und im Nein sagen erschöpfen. Das Lied „Sag Nein“ greift zu kurz, wenn es unserem Demokratieverständnis möglichst umfassend Ausdruck verleihen soll – zugleich birgt dieses Zukurzgreifen eine Gefahr in sich:
1. Die Welt aus demokratischer Perspektive einzuteilen in Nazis und ihre Gegner –also in Böse und Gute - suggeriert, daß jeder, der gegen Nazis ist auch automatisch ein guter Demokrat sei, scheint mir nicht wirklich in unserem Sinne zu sein. Diese Sicht der Dinge suggeriert vor allem uns selbst, wir wären gute Menschen und Demokraten –einfach so, weil wir gegen Nazis sind – und bräuchten uns um mehr nicht zu bemühen.
Nein sagen erfordert Mut – vor allem Aug‘ in Aug‘ mit prügelnden Skinheads -, doch fordert es einiges mehr, unserer demokratischen Grundhaltung positiv Ausdruck zu geben und dies auch zu leben und sich dazu zu bekennen.
Um es überspitzt zu formulieren: Nur mit antifaschistischem Credo gerüstet wurden, wie jeder weiß, Mauer, Stacheldraht und Schießbefehl legitimiert – und auch diese Herren, die das erdachten, hielten sich für gute Demokraten.
2. Demokratie bedeutet also mehr als bloßes Nein sagen gegen die Undemokraten.
Den Neonazis, Altnazis und ähnlichem Gesindel gebührt zuviel Ehre, wenn wir unser Demokratieverständnis nur als Reaktion auf deren Umtriebe formulieren können. Wir waren zuerst da!!!! Wir Pfadfinder haben bessere Möglichkeiten, unserer Haltung, unserer Weltoffenheit, unserer Toleranz, unserer Menschenfreundlichkeit und unserer Demokratie Gehör zu verschaffen.
Das Lied „Ob wir rote, gelbe Kragen...“ mag vielen als alter Schinken erscheinen. Trotzdem sagt es genau das, was wir wollen und wie wir unsere Demokratie, sei es im Staat oder in der Gruppe, zum Leben bringen können: Tun wir was dazu! Das ist – zusammen mit der Toleranz – der Kern des Ganzen. Das alte Bürgerlied ist aktueller als wir meinen. Mit ihm machen wir auch gröhlende Nazis stumm!

Würde mich freuen, wenn es einige Stimmen zu meiner Äußerung geben würde.

Gut Pfad

Michel, Altpfadfinderorden der Jomsburg-Pfadfinder
Antworten:
Ja, irgendwie schon.
Gegen rechts ist immer gut, aber nicht unbedingt das, was ich mir als Lagerlied vorstelle.
Generell ist "gegen rechts" sowieso zu einseitig. Die Linksradikalen leisten sich auch so einiges...
Gegen Extreme und deren Gewalt fände ich sinvoller.
Aber wie ihr ja inzwischen wißt, bin ich eh gegen alles (Ironische Selbstanklage für die *************** *********** unter euch)
Ich bin aber eigentlich dagegen, Politik ins Lager mit reinzutragen, weswegen mir das ganze Motto eigentlich schon nicht passt.
Demokratisch im Stamm zu leben ist ne Sache für sich, sich privat politisch zu engagieren ist auch in Ordnung, aber Pfadfinder sollten - meines Erachtens - bis zu einem gewissen Grade unpolitisch bleiben.
Klar sind Lieder wie "drei rote Pfiffe", "Edelweißpiraten" oder "Wölfe mitten im Mai" für ein Pfadfinderlager absolut legitim und es ist auch nicht verwerflich, den Jungs zu zeigen, was Demokratie ist, aber muß man da gleich ein Lagermotto draus machen?
Ich will auf einem Pfadfinderlager meinen Spaß haben (was durch das Alkoholverbot... ich schweife ab) und nicht jeden Tag über das Lagerlied hören, wie be******** diese Welt ist.
Versteht mich bitte nicht falsch - wir sollten (notfalls auch geschlossen) verhindern, dass es sowas wie damals nie mehr gibt, aber ich finde, man kann es auch übetreiben.
Es reicht doch, wenn wir im privaten Leben politisch agieren, wahrscheinlich sind es ja eh die gleichen Leute, mit denen ihr gemeinsam was unternehmen würdet (ihr Berufspfadfinder habt ja eh keine anderen Freunde - ironischer Seitenhieb - paff!).
Ich bin immer davon ausgegangen, dass "Pfadfinder-Sein" ein Lebensgefühl ist und nicht auf irgendeiner (egal welcher) Staatsform basiert.
Wir sind auch nur bedingt demokratisch.
Der Stammesführer wird gewählt, aber wählen die Jungs (und Mädels - schreib ich aber jetzt nicht jedesmal, ist mir nämlich zu doof...) ihre GrüFühs selber?
Hat "das Volk" irgendeinen Einfluß, jemandem mehr "Macht im Stamm" zu verleihen, der ihrer Meinung gerecht wird?
Also bei uns nicht.
Wir Pfadfinder existieren neben und entgegen jeglicher Staatsform.
Uns hat immer gegeben und wir lassen uns so schnell nicht unterkriegen, ganz gleich welches politische System gerade besteht, eben weil wir unpolitisch sind.

So, das war mein Senf (ist der gute "Düsseldorfer" - recht scharf....) zum Thema.
Viel Spaß beim Lesen, nicht-verstehen, nachfragen und antworten!


PS: Selbstzensur rulez... wolle ma den Marko mal nicht zu sehr belasten!

von Randaleur Frere - am 25.02.2002 18:46

Re: Zum Lied

Randaleur Frere, das ist wunderbar vom Inhalt her. Voll meine Linie
Ich finde es auch gut, dass du jetzt angibts an welchen Stellen sich der Leser auf einen gemeinen Ironischen hieb gefasst machen muss:rp:. Nicht dass es einen unvorbereitet trifft. So ein Ironieschlag kann gefährlich sein :-)

Steini

"...Eine Nacht, die man in einem Rausch verbracht, bedeutet Seligkeit und Glück..."

von Steini - am 25.02.2002 19:10

Re: Zum Lied

Super Signatur!
Die ist mal genau meine Linie!

Trotzdem schade, dass man Ironie kennzeichnen muß, aber schriftlich ist sie auch schwerer auszudrücken, als man das verbal kann...



von Randaleur Frere - am 25.02.2002 19:13
Hey klasse, endlich mal wieder eine ordentliche Diskussion.
Zufälligerweise bin ich der gleichen Meinung. Ich bin in der FREIEN Pfadfinderschaft und schon in unserer Eintrittserklärung steht:"Die Freie Pfadfinderschaft ist ein unabhängiger, überkonfessioneller Pfadfinderbund. ... Er ist frei von parteipolitischen Bindungen, da diese einem unverfälschtem Pfadfindertum widersprechen." Das ist auch genau der Grundsatz, den ich beim Lesen des Textes "Sag Nein" immer wieder im Kopf habe. Meiner Meinung nach kann ja jeder seine politische Einstellung haben, aber muss man die unbedingt in die Pfadfinderei tragen? Das Lied drückt doch wohl uneingeschränkt in eine polit. Ecke. Klar muss man sich gegen den braunen Mob engagieren, aber wie Randaleur das schon angedeutet hat finde ich links-extreme Aufmärsche eben so anstößig, wie rechte.
Die Aktion des letzjährigen evangelischen Kirchentages in Frankfurt war für mich optimal. Schals mit der Aufschrift : "Kirchentag gegen Gewalt" und " Die Würde des Menschen ist unantastbar", welches glaube ich ja ein Grundsatz unsrer Demokratie ist.
Ich würde mich auch mal für die Meinung der ca 470 Leute interessieren, die für "Sag Nein" gestimmt haben, was sie für eine Meinug von Pfadfinder und Politik haben, oder ist die Abstimmung schon wieder für´n Arsch?
Mit freundlichen Grüßen
Euer Mama Jens

von Mama Jens - am 26.02.2002 14:20
Der Fall hat sich ja jetzt erledigt...

von Erbspüree - am 09.05.2002 14:45
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