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8
Erster Beitrag:
vor 8 Jahren, 10 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 8 Jahren, 10 Monaten
Beteiligte Autoren:
Erik N., Rüdiger Schäfer, Des Khaa, Colin, ernestine, NobbyR

Persönlichkeitsrechte bei Confotos

Startbeitrag von Rüdiger Schäfer am 02.08.2009 06:55

Vor kurzem bekam ich (noch im Rahmen meines inzwischen beendeten Vorsitzes der PRFZ) Kontakt zu einem Fan, der sich an einen der in Garching tätigen Fotografen gewandt hatte und einige veröffentlichte Bilder, auf denen er zu sehen war, aus dem Internet entfernt haben wollte. Dieser weigerte sich jedoch. Wie seht ihr den Sachverhalt? Erklärt man sich durch einen Conbesuch automatisch damit einverstanden, daß Bilder, auf denen man zu sehen ist, veröffentlicht werden dürfen? Ist hier das Persönlichkeitsrecht betroffen oder die Presse- und Veröffentlichungsfreiheit?

Antworten:

Tja, das leidige Urheber/Persönlichkeitsrecht.
Ich bin da jetzt kein Experte (da gibt es seitenweise Material dazu wenn Du googelst), ich würde jedoch aus eigener Erfahrung sagen, daß 95% der Fans aus dem bekannten Conumfeld garantiert nichts dagegen haben, daß man auf den Confotos abgebildet ist, eher im Gegenteil ;)

Rein rechtlich gesehen, hat jeder aber, der ungefragt im Internet auf Bildern gezeigt wird, das Recht, diese Zustimmung zu widerrufen.

Vielleicht kann uns da Flocky genaueres sagen, da er ja auch meines Wissens als Pressefotograf ab und zu unterwegs ist ;)

von NobbyR - am 02.08.2009 08:47
Bin mir sicher, dass man auch bei Cons das Recht am eigenen Bild reklamieren kann. Ausnahme: man ist eine Person des öffentlichen Lebens. Da ist das Recht am Bild "eingeschränkt".

von ernestine - am 02.08.2009 12:41
Ich hab mich mal schlau gemacht. §22 des KunstUrhG sagt folgendes:

Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. Die Einwilligung gilt im Zweifel als erteilt, wenn der Abgebildete dafür, daß er sich abbilden ließ, eine Entlohnung erhielt. Nach dem Tode des Abgebildeten bedarf es bis zum Ablaufe von 10 Jahren der Einwilligung der Angehörigen des Abgebildeten. Angehörige im Sinne dieses Gesetzes sind der überlebende Ehegatte oder Lebenspartner und die Kinder des Abgebildeten und, wenn weder ein Ehegatte oder Lebenspartner noch Kinder vorhanden sind, die Eltern des Abgebildeten.

Aber jetzt kommen die Ausnahmen in §23:

(1) Ohne die nach § 22 erforderliche Einwilligung dürfen verbreitet und zur Schau gestellt werden:

1. Bildnisse aus dem Bereiche der Zeitgeschichte;
2. Bilder, auf denen die Personen nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeit erscheinen;
3. Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben;
4. Bildnisse, die nicht auf Bestellung angefertigt sind, sofern die Verbreitung oder Schaustellung einem höheren Interesse der Kunst dient.

(2) Die Befugnis erstreckt sich jedoch nicht auf eine Verbreitung und Schaustellung, durch die ein berechtigtes Interesse des Abgebildeten oder, falls dieser verstorben ist, seiner Angehörigen verletzt wird.


Nach meinem Verständnis muss man die Veröffentlichung von Conbildern, auf denen man in der Masse erkennbar ist (Punkt 1-3), also akzeptieren, sofern nicht berechtigte Interessen verletzt werden. Das lässt natürlich Raum für Interpretation.


von Rüdiger Schäfer - am 02.08.2009 13:24
Ich glaube, ich habe das an anderer Stelle schon mal geschrieben: Presseleute haben sich ein paar Krücken gebastelt, die versuchen, das leidige Thema "Recht am eigenen Bild" etc. etwas zu vereinfachen, um handbare Regeln für die eigene Arbeit zu haben.

1. Fotografieren (und entsprechend verwerten) kann man im Prinzip alles, was öffentlich einsehbar ist (zum Beispiel Häuser aus der Richtung öffentlich zugänglicher Straßen). Soll das Ganze aber im Sinne einer Werbung weiter verwendet werden- also mit dem Bild Geld verdient werden, und zwar mehr als das Bildhonorar des Fotografen - , ist die Zustimmung des Eigentümers/Besitzers/Veranstalters nötig.

2. Als Teilnehmer an einer öffentlich zugänglichen Veranstaltung oder Örtlichkeit muss ich es in Kauf nehmen, dass ich fotografiert und das Foto unter Umständen weiter verwendet wird. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich Eintritt zahle oder nicht: Ist die Veranstaltung öffentlich, hat die Öffentlichkeit auch ein Recht, etwas über sie (z.B. in Form von Fotos) zu erfahren bzw. hat der Veranstalter oder Besitezr das Recht, davon etwas an die Öffentlichkeit zu bringen. Ich muss i.d.R. auch nicht um Erlaubnis gefragt werden, obe ein Foto, auf dem ich zu sehen bin, veröffentlicht wird, es sei denn - jetzt kommen die Ausnahmen - :

a) ich bin ein Kind, da geht gar nichts ohne Erlaubnis der Erziehungsberechtigten
b) ich wurde in einer Situation fotografiert, die unvorteilhaft für mich ist (der Begriff ist natürlich dehnbar: wenn ich besoffen am Ballermann geknipst werde, habe ich eben Pech gehabt, weil wenn ich am Ballermann saufe, rechne ich damit, dass alle Welt mich sieht, sonst würde ich ja auch nicht am Ballermann saufen)
c) das Foto wird in einem Zusammenhang verwendet, der mit dem Ereignis, an dem es entstand, nichts zu tun hat

3. Wenn ich nicht will, dass mein Foto, das bei solchen Gelegenheiten entsteht, veröffentlicht wird, habe ich zwei Möglichkeiten: Ich sage es dem Fotografen (und hoffe auf sein Entgegenkommen bzw. kann einen der oben genannten Gründe geltend machen), oder ich gehe nicht hin. Ansonsten habe ich schlechte Karten: Bewege ich mich in der Öffentlichkeit, muss ich damit rechnen, dass die Öffentlichkeit es bemerkt, es sei denn, ich tue was dagegen (Mal überspitzt gesagt: Ich kann ja nicht zu Leverkusen gegen Bayern ins Stadion gehen und mich anschließend darüber beschweren, dass ich als jubelnder Fan bei BILD auf der ersten Seite abgebildet werde).

Offensichtlich ist das Problem aber weiter verbreitet: Vergnügungsparks haben, um jeden Streit aus dem Wege zu gehen, am Eingang Schilder zu stehen, auf denen auf Filmarbeiten im Park gewarnt wird: Wer nicht gefilmt werden will, soll da eben nicht hingehen. Gesehen habe ich aber nie jemanden. Muss 'ne Pauschalwarnung gewesen sein...

von Erik N. - am 02.08.2009 15:06
...ich habe irgendwas im Hinterkopf dass ich in einer Gruppe von X Leuten sein muss um das Recht am eigenen Bild zu verlieren. Sprich Einzelaufnahmen nein, aber Gruppe von....10+ Leuten ja....

Da war doch irgendwo was...

von Colin - am 02.08.2009 15:32
Ich glaube, eine Richtlinie oder eine Faustregel gibt es da eigentlich nicht. Nimm einmal eine x-beliebige Straße, die ein x-beliebiger Fotograf aus einem nichtigen Grund fotografiert. Theoretisch müsste er ja nun jede Einzelperson auf dem Bild um Erlaubnis fragen, ob er das Bild verwenden kann. Ist nicht praktikabel und wird auch nicht getan. Etwas anders ist es bei Veranstaltungen (Kirmes, Feste etc.), wo man häufig Menschen direkt fotografiert. Aber dass das problemlos erst bei 10+ gehen soll, wäre mir neu (ich meine, mal was von drei aufwärts gehört zu haben...)

von Erik N. - am 03.08.2009 05:31
Die Aufnahmen von einer Person in einer Gruppe auf einer öffentlichen Veranstaltung wie den Con in Garching ist erlaubt. Ich denke aber, wenn Einzelaufnahmen der Personen auf dem Con gemacht werden, kann hier wieder das Persönlichkeitsrecht wiederspiegeln !

Als Fotograf sollte man aber solchen Wünschen entgegenkommen. Heute werden ja nicht nur 24 Bilder auf dem Con gemacht, weil der Film so teuer ist, sondern dank großen Speicherchip doch einige mehr, da kann man auch Alternativen nehmen (zumindest in Onlinemedien !). Ein Auswahl ist eh interessanter, als 250 Bilder am Stück von dem auch einige Fehlschüsse dabei sind.



von Des Khaa - am 04.08.2009 06:25
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