Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
KBS 970 - Forum
Beiträge im Thema:
10
Erster Beitrag:
vor 5 Jahren, 4 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 5 Jahren, 4 Monaten
Beteiligte Autoren:
doku-des-alltags, ., RailServ, Stefan von Lossow, 210 005-5, 219 003-1, Lutz G

Der Bahnhof Gessertshausen im Mai 1991 (30 B)

Startbeitrag von doku-des-alltags am 04.05.2011 23:33

Hallo zusammen,

vor 20 Jahren gab es große Wandlungen in Gessertshausen. Zum einen stand am 31. Mai 1991 die "Angebotsumstellung" auf der nördlichen Staudenbahn (KBS 909, davor 907, 984, 405c) zwischen Gessertshausen und Markt Wald bevor, zum anderen liefen die Baumaßnahmen zur Linienverbesserung der Strecke Augsburg – Ulm und der damit verbundene Neubau des Bahnhofs Gessertshausen auf Hochtouren. Für einen modernen Bahnbetrieb selbstredend notwendig.
Dreimal war ich in Gessertshausen und auf der Staudenbahn unterwegs, 1988, 1990, 1991. Den Betrieb mit Akkutriebwagen habe ich leider nicht mehr erlebt. Dafür hab ich den Bahnhof Gessertshausen am Kilometer 16,6 im Mai 1991 noch weitgehend von allen Ecken und Enden dokumentiert.





1.) Der Bahnhof Gessertshausen im Mai 1991. Alles scheint beim alten zu sein. Aber nur fast. Der Bahnübergang wurde provisorisch in Richtung Empfangsgebäude verlegt, die Straße wurde in etwa schon dem neuen Verlauf zur Unterführung unter dem neuen Bahnhof hindurch angepasst.




2.) 103 123 kommt mit dem IC 611 "Chiemgau" von Wiesbaden nach Salzburg durch den Bahnhof Gessertshausen. Es ist kurz vor halb 12, um 11 Uhr 37 wird der Zug Station in Augsburg machen. Rechts ist schon die fertige Trassierung der linienverbesserten Strecke zu sehen. 103 123 vom Bw Frankfurt war zum Zeitpunkt gerade 21 Jahre jung. Nur noch knapp 9 Jahre hatte sie vor sich, ehe sie im Oktober 2000 ausgemustert und bald darauf zerlegt wurde.




3.) Aus der Gegenrichtung kommt 103 127 mit dem IC 694 "Kieler Förde", Abfahrt in Augsburg war um 11.17. Auch hier sieht man gut den Verlauf der neuen Trasse, sowie die alte und neue Position des Bahnübergangs.





4.) Dem IC 694 folgt der FD 1916 "Tegernsee" von Tegernsee nach Dortmund, der München 8 Minuten vor dem IC verließ, diesen aber in Augsburg während eines planmäßig 15-minütigen Aufenthalts vorbei ließ. Über den 3. Wagen bin ich mir nicht im Klaren. Links das bereits fertige neue Bahnhofsgebäude.







5. + 6.) Aus Günzburg kommt nun der E 3809, gezogen von 111 014. Seinen Zielort Augsburg wird er um 11.56 erreicht haben. Anschluss nach München bietet dort der Kurz-Intercity IC 883 "Hans Sachs" Nürnberg – München.





6a.) Schematischer Gleisplan der die Situation zeigt bis zum Beginn der Umbauarbeiten.




7.) Im August 1988 war von den Veränderungen noch nichts zu spüren. Der BÜ samt Wärterhäuschen befindet sich noch an der alten Stelle. Eine dreiteilige Schienenbusgarnitur steht auf dem Stumpfgleis und wird um 18.09 als Nto 6062 nach Markt Wald fahren. Der letzte Zug des Tages dorthin. Daneben rumpelt 212 179 mit der Üg 67229 Dinkelscherben 16.45 - 17.35 Augsburg Rbf durch Gleis 1. Die Hinfahrt fand dabei als Leerfahrt statt, da die Nebenbahn Dinkelscherben – Thannhausen nachmittags nicht bedient wurde: Lz 86218 Augsburg Hbf 14.50 - 15.11 Dinkelscherben.

Die weitere Bedienung dieser Strecke sah laut dem Laufplan der Baureihe 212 Bw Augsburg W(Sa) Jahresfahrplan 1987 so aus:

Üg 67222 Augsburg Hbf 5.32 - Dinkelscherben 6.07 
Üg 69905 Dinkelscherben 7.20 - Thannhausen 7.44
Üg 69906 Thannhausen 8.39 - Dinkelscherben 9.12



Und der Güterverkehr der Staudenbahn:

Üg 69804 Gessertshausen 8.46 – 8.56 Fischach (a) 
Üg 69804 Fischach 9.25 – 10.43 Markt Wald (1) + (3) + (5)
Üg 69805 Fischach 10.03 – 10.31 Gessertshausen (2) + (4)
Üg 69807 Markt Wald 11.03 – 12.30 Gessertshausen (1) + (3) + (5)





8.) Ehe der Nto 6062 seine 45 minütige Fahrt antreten wird, kommt um 16.58 aus Augsburg der Nto 6060 an, der aus 98 610, 998 262 und 998 906 besteht und um 17.01 nach Markt Wald weiter fahren wird.
Beide Garnituren übernachten in Markt Wald und fahren am Folgetag um 4.53 und 5.58 als Nto 6051 und 6053. Letzerer geht bis Augsburg.





9.) Zurück ins Jahr 1991. Wieder sind beide Bahnhofsgebäude im Blickfeld. In dem Anbau links im Bild befindet sich das Fdl-Stellwerk.




10.) In das wir jetzt zuerst einen Blick durch die Scheibe werfen. Aber auch nur wegen des Symbolcharakters: in der Scheibe spiegelt sich das neue Empfangsgebäude.





11.) Hier nun noch der entspiegelte Anblick: ein Krauss-Stellwerk mit kombinierter Hebel-/Kurbelbank.





12.) Es geht nun auf 11.44 zu, der Nto 6056 Augsburg – Mittelneufnach wackelt heran, angeführt von 798 532.





13.) Nun darf Gleis 1 überschritten werden.





14.) Der VS ist der 998 722 und dessen Schlussscheiben haben noch Metallringe.





15.) Hp 2 zur Staudenbahn.





16.) Um 13.11 ist die Rückkunft aus Mittelneufnach als Nto 6059. Auf Gleis 1 wartet der Anschlusszug nach Augsburg, der E 3813, der planmäßig um 13.15 weiterfährt.





17.) Nochmal der 998 722 vom ehemaligen BÜ aus gesehen.





18.) Keine Perspektive darf ausgelassen werden ;-)






19.) Am Ostkopf steht das zweite Stellwerk, ein bayerischer Einheitsturm in Backsteinbauweise.





20.) Kurz nach 13 Uhr kommt der E 3816 Augsburg – Ulm, der von 141 358 gezogen wird. Dass die Lok vor den Steuerwagen gespannt ist, scheint für diese Leistung planmäßig gewesen zu sein. Zumindest konnte ich das auf dieser Strecke auch in den Jahren zuvor mehrfach beobachten. Offenbar also kein defekter Steuerwagen.





21.) Der Zug fährt auf Gleis 3 ein das Ausfahrtsignal zeigt "Halt". Links im Bild lagern bereits die neuen Signale für den neuen Bahnhof.





22.) Nun dürfen die zusteigenden Fahrgäste zum Bahnsteig rübermarschieren und einsteigen.





23.) Weiter geht es noch nicht, denn es steht eine Überholung an.





24.) Kurz darauf braust die orientrote 103 170 mit dem IC 692 "Hohenstaufen" nach Hamburg auf dem Hauptgleis um die Kurve...






25.) ... an dem stehenden Eilzug vorbei, der erst um 13.18 wieder weiter darf. Der Fdl links von der Bildmitte hat alles im Blick. Schienengleiche Übergänge an einer solchen Strecke mit Fernschnellzügen kann man sich heute kaum noch vorstellen.





26.) Der schmucke Güterschuppen mit Anbau an der kopfsteingepflasterten Ladestraße.





27.) Blick durch den offenen Warteraum, der auch vom Zahn der Zeit nicht verschont blieb.





28.) Die Abfahrt des E 3816 habe ich leider nicht festgehalten, nur das Hp 2 zeigende Signal um 13.18. Der dreiteilige Uerdinger wird erst um 13.54 wieder losknattern. Und dann wiederum nur bis Mittelneufnach. Erst um 17.06, wenn der Nto 6060 aus Augsburg kommt, wird der einzige Zug des Tages um 17.52 Markt Wald erreichen.

Der Zaun links im Vordergrund entspricht dem vom Bild 7





29.) Mein definitiv letztes Bild des alten und noch in Betrieb befindlichen Bahnhofs Gessertshausen entstand im Juni 1992 aus dem Heck des IR 2198 Salzburg – Karlsruhe, als ich auf dem Weg nach Geislingen war. Eine 212 war offenbar gerade auf der personenverkehrsbefreiten Staudenbahn aktiv, rechts im Bild stehen einige Kesselwagen aus Fischach (?).





30.) Der neue Bahnhof Gessertshausen so wie man ihn heute kennt, Blick Richtung Augsburg. Nach rechts zweigt das Anschlussgleis ab, das auf den oberen Bildern hinter dem Stellwerk vorbeiläuft.



Viele Grüße,
Georg

Antworten:

Hallo Djosh,

vielen Dank für deinen sehr feinen dokumentarischen Bericht über Gessertshausen. Ich kenne den Bahnhof nicht anders als so, wie er heute ist und ich fragte mich oft, wenn ich in Gessertshausen vorbeifuhr, wie es da mal früher war, dank dir weiß ich es jetzt. ;) . Hast du auch heute abgebaute Strecken besucht? Mich würde mal die Strecke n. Haag interessieren, bzw. das Stück bis Isen.

Gruß, Matthias

von 219 003-1 - am 05.05.2011 13:01

Toller Bericht

Wieder mal ein klasse Bericht mit unwiederbringlichen Eindrücken.

Interessant zu erfahren daß die Staudenbahn erst 1991 eingestellt wurde im PV. Damals gab es doch schon Abkommen zwischen dem Freistaat und der Bundesbahn. Hatte der Freistaat kein Interesse an einer Erhaltung der Strecke für den Personenverkehr?

von Lutz G - am 05.05.2011 14:40
Servus Matthias,

von der Strecke nach Isen hab ich leider nix. Und bis nach Haag war schon vor meiner Zeit Schluss. Mein Aktionsradius war damals noch nicht so groß, um auch Strecken ohne Reisezugverkehr zu besuchen, sprich ich hatte noch keinen Führerschein ;-)

Das einzige Bild von mir, wo man zumindest den Streckenabzweig in Thann-Matzbach sieht ist dieses aus dem 1988:



Gleis 1 war nur von München her angeschlossen, dort lagen auch noch zwei Abstellgleise mit Umfahrmöglichkeit, die bis zu der Überführung bei den Ausfahrtsignalen richten. Die Strecke wurde noch von einer V 100 bedient.


Übrigens deine Bilder vom Besuch bei der Graz-Köflacher Eisenbahn find ich auch klasse! Bin in den letzten Tagen bloß nicht soviel zum kommentieren gekommen, deshalb hol ich das jetzt bei der Gelegenheit nach.


viele Grüße,
Georg


von doku-des-alltags - am 05.05.2011 14:43

Re: Gessertshausen

Hallo Georg,


da schließ ich mich an. Schöner Bericht mit interessanten Bildern.
Die "roten Brummer" sind einfach unvergesslich.
Fehlen nur noch die Steckdosen-IC. Die waren
auf der Staudenbahn doch auch mal im Einsatz.


Viele Grüße!

Thomas

von 210 005-5 - am 05.05.2011 16:38
@Thomas: Die ETA waren bis zum Sommerfahrplanwechsel 1988 eingesetzt. Und ich war erst im August das erste Mal dort :-(

Mit den Augsburger ETA hatte ich absolutes Pech. Ich hab in der ganzen Gegend erst das fotografieren angefangen, als sie abgezogen wurden. In Augsburg und Kaufering fuhren mir welche beinahe noch vor die Linse, aber ich stand jeweils so blöd, dass es nichts wurde. Und auch in Kaufering sah ich noch die wunderbare Kombination aus 627.1 + 815 abfahren, aber das ging wegen totalem Gegenlicht nicht. Ich darf gar nicht dran denken.


@So12: das ist eine gute Frage. Ich kann das nur aus meiner Sichtweise darstellen. Die gesamte Strecke war ja schon in den 80er Jahren auf der roten Liste und nachdem das Mittelstück stillgelegt war, ließ man auch den Rest langsam verlottern. Teilweise durfte nur in Schrittgeschwindigkeit gefahren werden. Damals war eben noch der Individualverkehr das Non-Plus-Ultra und es gab kaum Interesse, solche Strecken zu betreiben. Da ließ man lieber den Bus fahren, weil man das für zeitgemäßer und effizienter hielt. Wenn nicht irgendwann in den 90ern ein Sinneswandel eingesetzt hätte, und viele Strecken saniert wurden dann hätten wir heute noch viel weniger Nebenbahnen in Bayern.

Viele Grüße,
Georg

von doku-des-alltags - am 05.05.2011 17:03

zum Speisewagen im FD

Hallo Georg,

vergleiche mal mit diesem Bild von railfaneurope aus 1990.
Zeigt einen Wrtm 134
Klick hier

Gruß, Stefan

von Stefan von Lossow - am 05.05.2011 17:05

Genau, der WRtm134 lief damals im FD-Umlauf (owT).

.

von . - am 05.05.2011 17:17

Danke! Der ist mir jetzt auch erst beim Scannen aufgefallen (owt)

.

von doku-des-alltags - am 05.05.2011 17:23

Lief der nicht auch mal im D 308/309 (kurz nach der Wende)? (owt)

Gruß
Rüdiger

von RailServ - am 06.05.2011 14:29
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.