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L-NV - Straßenbahn, Bus und Eisenbahn in Leipzig
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18
Erster Beitrag:
vor 12 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 12 Jahren, 7 Monaten
Beteiligte Autoren:
carsten L.E., Lutz G., Andreas M, AGPL, Sascha Claus, vj0005, Jörg L.E., sfn, TLpz

Welche Zuggattungen im CT ?

Startbeitrag von sfn am 26.09.2005 13:29

Hallo Leute,

Vincent hat brennende DoStos angesprochen... :-(
was mich irritiert, ist, dass DoStos jetzt doch durch den CT fahren duerfen!? :confused:

Es hiess doch mal, dass wegen der Brandgefahr sogar extra Zuege konstruiert werden
muessten, weil keiner der aktuellen Zuggattungen die Brandschutzvorschriften erfuellen wuerde. Ich erinnere mich sogar, dass die Chemnitzer deshalb nie eine direkte CT-Verbindung bekommen sollten, sondern eigens in Geithain umsteigen muessten.

Ist schon ne Weile her, ist das alles obsolet?

Stefan

Antworten:

Re: Welche Zueggattungen im CT ?

Hallo,

die Wagen verursachen nicht das Problem, sondern die Lok. DB Regio fährt derzeit alle elektrisch betriebenen Nahverkehrszüge im mitteldeutschen Raum mit der Baureihe 143. Diese erfüllt aber nicht mehr die derzeitigen Brandschutzanforderungen für neu errichtete Tunnel, weil v. a. ihre Betriebsflüssigkeiten stark feuergefährlich sind. Deshalb mussten auch einige Dresdner 143 umgerüstet werden, um auf der neuen S2 zum Flughafen eingesetzt werden zu können, denn dort gibt es auch einen Tunnel. Somit werden auch im Leipziger City Tunnel alle Züge (egal welcher Gattung) fahren können, deren Triebfahrzeug dafür zugelassen ist. Ob dies nun umgerüstete 143, Neubauloks (etwa BR 145 oder 146) oder Triebwagen sind, ist damit letztendlich egal. Auch Dieselfahrzeuge können eine Zulassung erhalten; in Dresden wurde die S2 bis zur Elektrifizierung mit der BR 642 mit Sonderausrüstung betrieben. Damit kann theoretisch auch die nicht elektrifizierte Strecke nach Chemnitz an den CityTunnel angebunden werden.

MfG André

von AGPL - am 26.09.2005 14:14

Re: Welche Zueggattungen im CT ?

Mir ging es weniger um die Brandgefahr der Loks (spielt natürlich auch eine Rolle!), sondern mehr um die wenigen Aussteige in den Wagen. Wie weiter unten schon angesprochen wurde, dauert der Fahrgastwechsel bei derartigen Wagen recht lange. Und wenn man dann noch die Wendeltreppen in den Wagen mit einbezieht. Wenn da einer hinfliegt (Massenpanik z.B.), kann das verherend sein.

von vj0005 - am 26.09.2005 16:06
Zitat

Es hiess doch mal, dass wegen der Brandgefahr sogar extra Zuege konstruiert werden muessten, weil keiner der aktuellen Zuggattungen die Brandschutzvorschriften erfuellen wuerde.

Kaaa Wunna, solange die Zuggattung unabhängig vom Rollmaterial ist. Es fuhren sogar mal Nahverkehrstriebwagen als Zuggattung »IC«. :-) :-)

Dass die Trabbis (143) und evtl. Dostos nicht tunneltauglich sind macht ob ihrer Eignung für Tunnel mit viel Fahrgastwechsel nicht wirklich was aus.
Zitat

Ich erinnere mich sogar, dass die Chemnitzer deshalb nie eine direkte CT-Verbindung bekommen sollten, sondern eigens in Geithain umsteigen muessten.

So e Schruuuz kann ja nur unser Käseblatt aus dem halben Hause Springer verbreiten. Von Chemnitz kam man schon immer™ per Dieselzug über Geithain - Bad Lausick - Wolks - Mölkau direkt in den Hbf, ebenso kann man schon immer™ in Geithain in die elektrische Bahn über Borna nach Leipzig umsteigen, wenn's schee macht. Interessant, dass die LVZ das vor ein paar Jahren schon gemerkt hat, ging ja wirklich flott. Dass die Tunnel in München, Frankfurt und Stuttgart nicht für Dieselzüge gebaut wurden, merken sie wohl erst in 30 Jahren. Schade, dass ihnen schon aufgefallen ist, dass unser Tunnel ebenfalls nicht dieseltauglich wird.



von Sascha Claus - am 26.09.2005 16:34
Also man konnte noch nie und kann derzeit auch nicht in Geithain (Richtung Borna) "in eine elektrische Bahn" umsteigen. Der Fahrdraht muss erst noch von Borna bis Geithain gezogen werden.

Dass die LVZ und andere Postillien das gesamte Netz nicht durchschaut haben, liegt ja daran, dass sich so laut über den Sinn oder Unsinn der vier innerstädtischen Haltestellen ausgelassen wird. Recherchieren ist eben anstrengend....

Der Tunnel ist prinzipiell dieseltauglich. Allerdings würde bei längerem Betrieb ein permanenter Diesel-Gestank in den unterirdischen Stationen hängen bleiben, der alles andere als gewollt ist. Wenn ich mich recht entsinne sind 3 Wochen Notbetrieb mit Diesel machbar.

In Frankfurt / Main Flughafen fahren auch BR 612 unten herum, in Dänemärk rollen die Gumminasen unterm Großen Belt hindurch, also die Nachrüstungen an Fahrzeugen machen vieles möglich.

Zuggattungen werden S-Bahnen und RegionalExpress Züge sein. 12 Stück je Stunde und Richtung.

mfg

von carsten L.E. - am 26.09.2005 17:29
Mal eine ernsthafte Frage meinerseits:

Sind eigentlich auch Wendemöglichkeiten im Tunnel geplant? Also Gleiswechsel oder noch ein zusätzliches Gleis in der Mitte hinter den Stationen, um dort vielleicht Züge abzustellen oder wenden zu lassen?
Und wo enden Züge, die beispielsweise nur bis Hauptbahnhof fahren? Ich meine, sowas kanns ja ab und zu mal geben, und durch das elektronische Stellwerk sind die Möglichkeiten ja auch recht eingeschrenkt.

Außerdem höre ich immer wieder (eigentlich wirklich immer) von allen nicht-Eisenbahnern, die ich kenne (also so 95% ;) ), dass der Tunnel für Fernzüge gedacht ist. Ich konnte mir schon immer nicht vorstellen, auf welcher Relation das geschehen soll, liegt das wieder an der LVZ? Auch mein Vater als nicht-LVZ-Leser ist immernoch in diesem guten Glauben, dass dort ICEs langfahren sollen, und diese hinter S-Bahnen herkriechen.

Nagut, wir werden sehen, was aus unserem 5-Minutentakt wird...

von vj0005 - am 26.09.2005 17:59
Also Wendeanlagen wird es unterirdisch nicht geben, reineweg zwei Gleise, eines für jede Richtung, fertig aus. Jeder Kubikzentimeter Tunnel- und Stationsvolumen kostet nämlich richtig Geld.

Das Fernzugmärchen reicht bis München. Vermutlich rollen die ICEs mit Schwung von Reichenbach bis Regensburg. Oder glaubt allen ernstes jemand, dass man mehrere Hundert Millionen Euros bekommt um für einen mageren Takt (IR mit 4-Stunden Takt wurde eingestellt...) rund 200 km mit Oberleitung zu versehen. Die zahlreichen Güterzüge zahlreicher Privatbahnen kommen gut mit Diesel übers Gebirge. Und im Saaletal / Frankenwald GIBT es bereits eine schnelle Strecke (wird ab Dez. nochmal 45 schneller!) und über Erfurt kleckert man eine noch schnellere Verbindung zusammen, Dauer ungewiss. Wohin soll ein privat finanzierter Fernzug fahren?

Die Taktprobleme wollte man so lösen, dass es eine ca 12 Minuten lange Fahrplanlücke gibt, in der der Fernzug seelenruhig 5 Minuten am Hbf stehen kann und ansonsten durchzockelt. Nur in diesen 12 Minuten wurde das gesamte S-Bahn Gefüge angegriffen.... Ist eben alles eng verzahnt im Mischverkehr. Übrigens wird Berlin - Chemnitz (Zwickau) ernsthaft über Falkenberg dikutiert, weil auf diese Weise auch DD-Berlin (nämlich über Riesa) mit wenig Aufwand machbar ist.

Ohne Bedarf - kein Zug.

mfg

von carsten L.E. - am 26.09.2005 18:15
Vincent Ertel schrieb:

Zitat


Außerdem höre ich immer wieder (eigentlich wirklich immer)
von allen nicht-Eisenbahnern, die ich kenne (also so 95% ;)
), dass der Tunnel für Fernzüge gedacht ist. Ich konnte mir
schon immer nicht vorstellen, auf welcher Relation das
geschehen soll, liegt das wieder an der LVZ? Auch mein Vater
als nicht-LVZ-Leser ist immernoch in diesem guten Glauben,
dass dort ICEs langfahren sollen, und diese hinter S-Bahnen
herkriechen.


Ich glaube nicht, dass der Tunnel jemals einen Fernverkehrszug sehen wird, jedenfalls keinen der DBAG. Der Fernverkehr in südliche Richtung über Altenburg wurde im Jahr 2001 eingestellt, als der letzte, seinerzeit noch einmal täglich verkehrende Interregio von Oberstdorf über Plauen nach Berlin gestrichen wurde. Andere traditionsreiche Verbindungen wie den EXt/D Karlex hat man schon viel früher aufgeben. Seitdem spielen Westsachsen, das Vogtland und Oberfranken im Fernverkehr der DBAG praktisch keine Rolle mehr (wenn man vom noch 4-Stunden-Takt-Intercity auf der Sachsenmagistrale Dresden-Hof mal absieht). Das sind aber gerade die Regionen, die durch den Citytunnel von kürzeren Fahrzeiten profitieren würden. Leider fehlt aber nach wie vor ab Reichenbach der Fahrdraht, so dass das auf den ICE ausgerichtete Fernverkehrskonzept der DBAG dort eh nicht zur Anwendung kommen kann. Maximal Zwickau wäre, wie im Forum ja schon berichtet, damit erreichbar. Für eine Verbindung von Zwickau in Richtung Norden (z. B. Berlin) ist jedoch die Strecke über Chemnitz und Riesa etwas kürzer, weshalb ja auch schon zu DR-Zeiten der EX Sachsenring diesen Laufweg nahm, so dass der Tunnel da - außer dem Wegfall des Fahrtrichtungswechsels im Hbf- keinen wirklichen Nutzen bringt. Falls also bei Fertigstellung des Citytunnels der Vogtlandexpress noch fahren sollte, wird dies aus meiner Sicht der einzige überregionale Zug bleiben, der ihn evtl. benutzt.

André

von AGPL - am 26.09.2005 18:41
DD- Berlin über Riesa ????????????????????
Auch wenns nicht ganz hier rein gehört, wie soll das denn gehen? Mit Kopf machen in Riesa? Wie hoch sind denn dann die Fahrezeitverluste? Oder sollen die Diesel ICEs wieder flott gemacht und dann über Meisen - Nossen - Riesa fahren?:-)

Im Ernst; wo wird so was denn disskutiert. Und wie soll sich die Strecke dann gestalten. Ich weiß nur dass irgendwann der Fernverkehr von Riesa aus auf die Berliner Strecke geleitet werden soll oder sollte, damit braucht man nur einer dieser fast paralell verlaufenden Strecken für hohe Geschwindigkeiten tauglich machen.

Andreas M

von Andreas M - am 26.09.2005 18:48

off-topic DD - Berlin

Die Ausbaupläne sehen zw. beiden Städten bisher den Weg über Doberlug-Kirchhain vor. Für Berlin ist aber eine aufwändige Stadteinfahrt geplant. Der Weg über Doberlug führt außerdem durch geologisch extrem ungünstiges Gelände....

Da halten es erste Ideen mit den Chinesen: Wenn du es eilig hast, dann mache einen Umweg!

Der führt über Jüterbog, von dort weiter über Falkenberg nach, oder besser bei Riesa (ich hatte mich da sicher ungünstig ausgedrückt). Vorteile dieser Lösung: Jüterbog - Berlin ist demnächst fertig, weil ja die Leipziger ICEs dort lang gen Lehrter Bf rauschen. Jüterbog - Falkenberg ist fast schnurgerade, kaum belastet und ideal auf 300 auszubauen. Es gibt nicht mal gestörte Anwohner. Ab Falkenberg gehts Richtung Riesa (zynisch: der Nahverkehr stört nicht mehr) und ab da entweder gen Chemnitz / Zwickau (die würden echt profitieren) und vor Riesa bereits gen DD. Ob ab Röderau in die Bestandsstrecke eingebunden wird oder das VDE-Projekt 9 (Leipzig - DD) endlich mal zu Ende gebaut wird ist fast egal. Die Trassierung Röderau - DD ist als Schnellfahrweg ohnehin nicht mehr das Drama (schon von der Länge her nicht). Freuen würden sich auch Berlin - Prag - Budapest usw...

Vorgestellt wurden die Pläne, wie immer gleich mit Auslastungsdiagrammen etc in einer der letzten ERIs (Eisenbahn Revue International - mithin die beste Fachzeitschrift, kommt aus der Schweiz)

mfg

von carsten L.E. - am 26.09.2005 18:57

Re: off-topic DD - Berlin; Danke

Danke fürs schnelle antworten. Wenn die DDer ICEs vor Riesa die Kurve krazen, bekommt die Sache wirklich einen Sinn. Allerdings hoffe ich schon darauf das Riesa (Röderau)- DD noch deutlich schneller wird. Wie schnell ist man von LE in Riesa muss dann aber das gezuckel bis DD ertragen.

Andreas M

von Andreas M - am 26.09.2005 19:03
Zitat

Also man konnte noch nie und kann derzeit auch nicht in Geithain (Richtung Borna) "in eine elektrische Bahn" umsteigen. Der Fahrdraht muss erst noch von Borna bis Geithain gezogen werden.

Ist mir mittlerweile auch aufgefallen. :rolleyes: Aber der die Direktverbindung nach Chemnitz bleibt (bzw. kommt wieder). :-)



von Sascha Claus - am 26.09.2005 20:12
Hallo @carsten L.E.

Zitat

Die Taktprobleme wollte man so lösen, dass es eine ca 12 Minuten lange Fahrplanlücke gibt, in der der Fernzug seelenruhig 5 Minuten am Hbf stehen kann und ansonsten durchzockelt. Nur in diesen 12 Minuten wurde das gesamte S-Bahn Gefüge angegriffen.... Ist eben alles eng verzahnt im Mischverkehr.


In den uns vorgestellten Varianten wird leider bis heute an dieser Lücke für einen Alibi-Fernverkehr festgehalten, zumindest muß weiterhin so geplant werden. Der Fernverkehrszug ist dabei eher als politisches Alibi zu sehen, vielleicht hängen ja daran die Fördergelder für den m.E. sinnlosen Ausbau der langen Bahnsteige in der Tunnelstation Hbf, wo schon heute Witze kuriseren, was wohl passiert, wenn sich der Tf mal verbremst und mit seinen zwei bis drei Wägelein mal 100 m weiter vorn oder hinten hält als üblich.

Seitens des sächsischen Verkehrsministeriums wurde uns als Fernzugvariante ein IC/ICE von bzw. nach Dresden vorgestellt, der dann in Leipzig (ich schreibe jetzt mal ab) "nicht mehr "Kopf machen", d.h. zeitaufwendig umrangiert werden bzw. durch Besetzung des anderen Fahrerstandes in der Gegenrichtung weiterfahren muß". Das Pamphlet stammt noch aus der Ära Kajo Schommer, wird aber immer wieder neu und erschreckend aktuell mit anderem Namen in die Runde gestreut. So sollen die betroffenen Dresdener Fernzüge dann ab bzw bis Paunsdorf über die neue Südanbindung des CT (die aber derzeit aus Kostengründen noch in den Sternen steht) fahren, sich nach aktueller Kassenlage also über Abschnitte des Güterrings winden, nur um dann ohne "Kopfmachen" in bzw aus Richtung Norden weiterzufahren. Die Auswirkungen dieser Schnapsidee auf das Fahrplangefüge im CT, so sie doch noch umgesetzt wird, hat @carsten m.E. noch nicht dramatisch genug geschildert ... Warum nicht alle an Planung/Bau des CT Beteiligten mit einer Stimme sprechen oder ob bestimmte Dienststellen bewußt mit falschen/längst überholten Planungen überschüttet und belästigt werden, wage ich hier nicht einzuordnen ... Zumindest erzeugt jede Reaktion darauf erst einmal Irritationen - und nicht unerhebliche Kosten.

Ich befürchte außerdem, daß fehlende Mittel für Anpassungs- und Ergänzungsmaßnahmen auf dem "Restnetz", also alle Strecken jenseits des Leuchtturms CT, den erwarteten betrieblichen und verkehrlichen Nutzen des CT konterkarieren. Alle immer wieder positiv vorgestellten S-Bahn-Netze anderswo funktionieren doch nur, weil zeitgerecht ein zusammenpassendes und modernes NETZ geschaffen wurde. In LE kann ich außer den dann neuen vier Tunnelstationen und der einen in Rampenlage noch nicht viel wirklich Neues und vor allem Besseres erkennen. Die vielen Zehntausend Neukunden, die dann in urbanen Brennpunkten wie Connewitz, Semmelweisstraße oder auch Wilhelm-Leuschner-Platz (ich beziehe mich bei Ersteren bewußt nicht auf die Nachfragepotentiale der genannten Stadtteile, sondern auf die real zu erwartende Nachfrage an den vorhandenen bzw. zu bauenden Stationen mit ihren nicht unerheblichen Zugangszeiten gegenüber dort bereits vorhandener Straßenbahnverbindungen) aus Zügen welcher Bauart auch immer fallen sollen, existieren hoffentlich nicht nur in der Phantasie der Planer. Wenn ich mir die Frequenz aller neuen Zugangspunkte der S10 (ich habe die ursprünglichen Planungspotentiale und die realen Ein- und Aussteiger des letzten Quartals gerade vor mir liegen) ansehe, bleibt als Quintessenz nur die Forderung nach sofortigem Einsatz der XXL auf der SL 18 und die Wiedereinführung der SL 22 - natürlich ebenfalls mit XXL im 5-min-Takt. Ich glaube, in der Kosten-Nutzen-Analyse würden diese Forderungen im Moment mit traumhaften Werten gegenüber der Situation auf der S10 glänzen können - und vielfach billiger zudem. Wünschen wir dem CT trotzdem alles Gute, schließlich kann der Tunnel nichts für das, was sich jenseits seiner Portale abspielt.

PS. @Carsten: Ich bewundere Deinen sprichwörtlichen Optimismus in Bezug zum CT. Hoffentlich hast Du wenigsten teilweise recht.

MfG Lutz

von Lutz G. - am 27.09.2005 16:41
@Lutz G.

Zitat

Alle immer wieder positiv vorgestellten S-Bahn-Netze anderswo funktionieren doch nur, weil zeitgerecht ein zusammenpassendes und modernes NETZ geschaffen wurde.


Dieses NEUE NETZ ist ja auch für Leipzig und Umgebung in Planung bzw. schon ziemlich konkret. Und im Sinne des CT sollten wir optimistisch davon ausgehen, dass es so gebaut wird. Dann kommen zu den 4 Tunnelhaltestellen und der Semmelweisstr. Positive Neuerungen dazu. Da du jedoch das Potential des CT lediglich bis Connewitz ausdehnst, erliegst du wieder dem Irrglauben, dass der CT "für die Leipziger" ist. Mitnichten! Zieh das "Einzugsgewinn" des CT größer - von Halle bis Wurzen, von Dessau bis Geithain - und schon ist ein erheblich größeres Fahrgastpotential da. Und so ist der CT konzipiert, und nicht für die Leute aus Grünau, Connewitz oder Gohlis, die mal eben in die Stadt fahren wollen.

von TLpz - am 28.09.2005 07:02
Hallo,
Zitat

Da du jedoch das Potential des CT lediglich bis Connewitz ausdehnst, erliegst du wieder dem Irrglauben, dass der CT "für die Leipziger" ist. Mitnichten! Zieh das "Einzugsgewinn" des CT größer - von Halle bis Wurzen, von Dessau bis Geithain - und schon ist ein erheblich größeres Fahrgastpotential da. Und so ist der CT konzipiert, und nicht für die Leute aus Grünau, Connewitz oder Gohlis, die mal eben in die Stadt fahren wollen.

Ich dachte, dieses Wissen geht aus meinem Geschriebenen hervor. Der Bezug auf Connewitz ist so zu sehen, daß nun einige Züge aus dem Tunnel dort enden sollen. Nicht wegen des tollen Fahrtziels, sonderrn mangels geeigneter anderer Fahrziele hinter dem Südausgang des CT bzw um Zugkilometer zu sparen. Wenn Carsten schon sagte, ein dümmeres Ziel als Stötteritz könne es nicht geben, so erweitere ich diese Aussage auf Connewitz, da dessen Bahnsteige noch weiter abseits potentieller Fahrgäste (in der benötigten Menge!) als in Stötteritz liegen.

Das es im und um den Tunnel keine einzige Weiche mehr geben wird und auch die sonstige Anbindung gleismäßig äußerst spartanisch erfolgen wird, sei mal dahingestellt. Es entsteht ein betrieblich äußerst anfälliges Gebilde, daß den Pendlern bei mindestens einer prognostizerten Störung pro Woche (wo also der Arbeitsplatz u.U. nicht pünktlich erreicht wird) die Fahrt noch gehörig vergällen wird. Vor der Kündigung wird man also wieder das Auto nutzen - die Straßen werden ja gerade bestens ausgebaut.

Zu Geithain: Den Fahrdraht müßtest Du schon noch bis dahin ziehen, das ist derzeit keineswegs in trockenen Tüchern. Das Potential dort wird aber nie einen enormen Umfang erreichen. Wer mutet sich die Tippel-Tappel-Tour mit einer S-Bahn zu, wenn er mit dem RE in wesentlich kürzerer Zeit direkt zum Hbf fahren kann. Ich weiß, nun kommen wieder die ungeheuren Fahrgastpotentiale von Frauendorf (müßte erst wieder eröffnet werden, zuletzt 2-3 Fahrgäste täglich), Neukirchen-Wyhra und Petergrube hinzu, Frohburg liegt ja der Bahnhof leider ein wenig abseits (hier könnte man den Fahrradweg nach Kohren-Sahlis wieder zur Bahntrasse rückumwandeln, dann hätte Frohburg einen zentrumsnahem "Stadtbahnhof").

Abseits aller Lästerei: Der CT krankt einfach daran, daß es im Norden zu viele attraktive und im Süden zu wenig plausible Ziele gibt. Aus dem Raum Altenburg/Zwickau, derzeit immer als das Nonplusultra hingestellt, gibt es z.Z. etwa 600 regelmäßige Einpendler nach Leipzig, davon allein fast 50 (Versicherungsfirma) nach Stötteritz. Denen wird nun die Direktverbindung auch noch genommen. Selbst eine Verdopplung der Reisendenzahl, ein toller Wert wäre das, bringt demnach die Auslastung einer mittelprächtigen Buslinie in den Tunnel. Toll ! Für Reisende aus dem Raum Borsdorf/Wurzen verlängert sich dagegen die Fahrzeit, da ja im Zwange einer halbwegs plausiblen Auslastung der Südausfahrt CT von/ab Paunsdorf erstmal um die ganze Stadt gegondelt werden muß - nach derzeitigem Stand ohne Halt in einem noch nicht existenten Hp Paunsdorf (oben) mit 40 km/h über dicht belegte Gütergleise. Derzeit ist man über Sellerhausen in 6 min im Hbf ... Vorhersehbar dürfte in Borsdorf das große Umsteigen in die direkten Dieselzüge erfolgen, so diese nicht ebenfalls bewußt verschlechterte Fahrplanlagen erhalten, um der neuen Trasse eine Chance zu geben.

Wenn ich mir obiges Zitat noch einmal durchlese, scheinen ja die Reisenden von Halle bis Wurzen, von Dessau bis Geithain derzeit eine extrem schlechte Anbindung an Leipzig zu haben. Genau diese Aussagen sind es, die m.E. den Sinn des Tunnels zusätzlich entwerten. Jeder derzeitige Pendler kennt den Wert der jetzigen Anbindung und rechnet sinnvollerweise nach, was sich mit dem CT für ihn direkt und unmittelbar verbessert. Das Ergebnis wird wohl in den meisten Fällen allenfalls marginal erfaßbar sein, egal ob nach oben oder unten. Diese absolut überzogenen Vorschußlorbeeren, die auf die jetzige verkehrliche Wüste verweisen und einen wahren Quantensprung in den Verhältnissen für Einpendler vorhersagen, können doch im Endeffekt nach der Realisierung des CT nur für Verdruß und Ernüchterung sorgen, weil derartige Versprechungen für die Mehrheit einfach unerfüllbar sind. So wird dem CT letztendlich mehr Schaden zugefügt als durch vorhersehbare Verteuerungen und Zeitverzögerungen, mit denen eh schon jeder rechnet.

Bleiben die zahlreichen erwarteten Neukunden. Ich freue mich jetzt schon auf die zahlreichen neuen Besucher, die von Halle bis Wurzen, von Dessau bis Geithain auf einen schnellen und preiswerten Drink in die Leipziger Kneipenmeile einfallen, um anschließend nach einem kurzen Treppensturz wieder nach Hause zu flitzen. Polemik ?

MfG Lutz

von Lutz G. - am 28.09.2005 07:58

allein mir fehlt der Glaube

Na jeder darf mal ein wenig polemisieren, aber ich kann dir nur teilweise zustimmen.

Das von dir völig richtig geschilderte Grundproblem der Netzdemontage jeglicher Reserven und Spielräume ist der Dolchstoß der Börsenfetischisten. Daran ändert aber der CT nichts, im Gegenteil. Durch die Verbesserungen der Fahrgastzahlen kann schlimmeres verhindert werden. Kennst du die "Ohne-Fall-Szenarien"? Da wird nicht nur über fehlende Weichen wie zw. Leutzsch und Großkorbetha geredet, sondern da gehts an Eingemachte! Die Netzrückbauten wirken umso schlimmer, da nichts langfristiges feststeht, weder Farhplan noch Fahrzeuge. Ist erst mal ein guter (ITF)-Fahrplan geschmiedet, dann kann das Netz auch optimiert werden, zielgerichtet und ohne Einschnitte in die Zuverlässigkeit. Die SBB machens doch vor!

Es gibt noch einen anderen Grund, warum ich den Pessimismus nicht teilen kann und will. Es gibt überall in Europa, auch in Dtl, genug Beispiele dass es besser geht. Nur mal kurz an Usedom denken, an die S28 Kaarst- Mettmann und ganze Länder wie die Schweiz (erst wieder live erlebt und genossen). Wenn alle ernsthaft WOLLEN und sich Gedanken machen, wie Menschen in die Züge gelockt werden, dann sind volle Züge und ein voll ausgelasteter CT kein Problem.

Dass Ziele im Süden "fehlen" ist auch nur halbrichtig, es fehlt eine intelligente Anbindung. Was spricht z.B. gegen eine Anbindung von Zöbigker ab Großstädteln, anstatt im öden Gaschwitz zu verhungern? Dort ist doch x-fach mehr los! Um z.B. die zahllosen Scater in den ÖV zu lotsen (gilt ja auch für Tram und Bus in L.E.), müssten kleine Boxen für die Wechselschuhe aufgestellt werden, dann "muss" man nicht mit den eigenen vier Rädern anrollen. Scater gibt es unzählige! Andere Ziele im Südraum gibt es zuhauf: Rötha, Borna, Geithain, Altenburg, Zwickau, Zwickau ü. Meerane ;-) Gaschwitz, Markkleeberg, Zöbigker....Man muss nur wollen und nicht solchen Schruz faseln wie IC aus Dresden unten rum einschleifen, lächerlich allein wegen der Zuglänge!

Das Enden in Connewitz und Stötteritz ist den Zug-km-Kosten geschuldet und diese wiederum dem mangelnden Wettbewerb ohne Ausschreibungen. Nrgendwo in Dtl kostet der Zugkm so viel wie hier! Trotzdem fährt auf der E-Strecke außer S10 nur Schrott herum wenn man das Material mal mit dem Wettbewerber Auto vergleicht.

Ergo! Politik kräftig in den Allerwertesten treten, Ideen entwickeln und straff aufs Ziel hin loslegen.

mfg

von carsten L.E. - am 29.09.2005 18:43

Re: allein mir fehlt der Glaube

Stimme dem oben(carsten l.e) genannten zu.Wie gesagt ist das 2009 geschaffene Netz nur ein GRUNDNETZ und läßt Spielraum für viel mehr offen.Viel Wirkung könnte die "ewig geplante" Verlängerung von Grünau nach Markranstädt(und weiter nach Großkorbetha/Weißenfels) bringen.Eine Neubaustrecke ab Gaschwitz parallel zur B2 über Zwenkau nach Groitzsch(Richtungswechsel), von dort weiter nach Pegau bis Zeitz könnte wirklich was bringen(ca. 25 000 Einwohner haben Pegau,Groitzsch und Zwenkau zusammen).Auf der Rückmarsdorfer und Knauthainer Strecke sehe ich hingegen null Entwicklungschancen,eher im Gegenteil.Gerade solch eine Stadt wie Groitzsch die ÖPNV-technisch in der Relation nach/von Leipzig im totalen Niemandsland liegt könnte von einem Streckenneubau profitieren.



von Jörg L.E. - am 30.09.2005 14:43

Re: allein mir fehlt der Glaube

Hallo,

genau auf diese Entwicklung wollte ich eigentlich hinweisen, deshalb auch vor einiger Zeit schon meine Hinweise z.B. zu Grimma, Brandis (Trebsen?), Frohburg usw. usf.

Allerdings, wo bitte schön sind diese Pläne bzw. wie hoch ist die Minimalchance einer Realisierung und vor allem das nötige Kleingeld dazu? Das ist doch das, was ich kritisiere! Wenn der Tunnel fertig ist und dann als Torso ohne angemessene und moderne Anbindung bis weit in die Regionen dem Betrieb übergeben wird, wird er - ich wiederhole das noch einmal ausdrücklich - sowohl beim Nutzer als auch bei denen, die ihn in irgend einer Weise für ihr Renomee verwenden (mißbrauchen) können, statt Begeisterung eher für Frustation sorgen.

Noch einmal: Ich kann mit einem ersten Bauabschnitt, den der Tunnel für ein wirkliches S-Bahn-Netz im Prinzip nur darstellt, nicht bereits das Blaue vom Himmel versprechen und dann alles schleifen lassen. Genau diese Tendenz ist aber zu beobachten! Schon vor Jahren, teilweise Jahrzehnten bedachte Visionen und Gedanken, damals teilweise verlacht, als unfinanzier verworfen oder einfach als unerwünscht abgelehnt, jetzt aber als total neue Inovation oder gar als brandaktuelle Vision ins Spiel zu bringen, irritiert mich ein wenig. Die meisten der benannten Visionen kommen mir sehr bekannt vor. Kramt doch mal ein wenig, die Archive der Hochschulen, Bibliotheken usw. sind ergiebig!

Was ich aber am heftigsten kritisiere, ist die schon strafbar spartanische Ausstattung des nun in der Realisierung befindlichen Projektes. Da werden über eher unwichtige Design-Details mehr Betrachtungen angestellt (und Planungs- und Baukosten akzeptiert) wie über betriebliche Grundbedürfnisse, was z.B. Ausweich- und Überholmöglichkeiten, Umfahrungsmöglichkeiten und Szenarien für verschiedene Stufen diverserer Störungsfälle betrifft. Wenn sich ein Projektleiter hinstellt und auf die Frage der Praktiker, was denn im Störfall XYZ zu tun sei, nur antworten kann: "Dann fährt eben eine Weile nix mehr ...", dann bekomme ich irgendwie einen dicken Hals. Das aktuelle Baugeschehen in der Stadt kann doch z.B. die LVB nur leidlich verkraften, weil es noch Umleitungs- und Ausweichmöglichkeiten im Straßenbahnnetz gibt - wo gerade Leipzig dank weitsichtiger Vorväter (und ruhig auch dank der Fortführung durch noch amtierende Vordenker) eigentlich noch (?) fast aus dem Vollen schöpfen kann. Genau das fehlt aber in weiten Teilen beim CT-Projekt !!!!!

Auf diese Gedanken nun bitte nicht wieder die immer gleichen Worthülsen vom Studenten, der nun endlich aus Wurzen direkt zu einem Bier auf den Leipziger Markt fahren kann (bisher muß er ja scaten). Ich bin nicht gegen den Tunnel, sondern dagegen, was u.U. daraus gemacht wird - wenn nicht jetzt noch einige Korrekturen angeschoben werden.

An @Carsten:
Zitat

Es gibt noch einen anderen Grund, warum ich den Pessimismus nicht teilen kann und will. Es gibt überall in Europa, auch in Dtl, genug Beispiele dass es besser geht. Nur mal kurz an Usedom denken, an die S28 Kaarst- Mettmann und ganze Länder wie die Schweiz (erst wieder live erlebt und genossen). Wenn alle ernsthaft WOLLEN und sich Gedanken machen, wie Menschen in die Züge gelockt werden, dann sind volle Züge und ein voll ausgelasteter CT kein Problem.

Damit hast Du doch absolut recht! Aber schau Dir bitte Spurpläne und Rückbaumaßnahmen in der Schweiz oder auch auf Usedom an - und dann die Planungen - besser, was davon realisiert wird -im Knoten Leipzig an! Nur darauf gründen meine Vorbehalte. Weitere Tunnelpropaganda daher bitte an die zuständigen Politiker weiterleiten!

Zitat

Man muss nur wollen und nicht solchen Schruz faseln wie IC aus Dresden unten rum einschleifen, lächerlich allein wegen der Zuglänge!

Auch diesen "Schruz" faseln Politiker (die die Gelder "geben" - daß es Steuergroschen sind und nicht eigenes Bares ist, wird wohl oft vergessen), wie selbstverständlich wollen diese für "ihr" Geld dann auch eigene "Visionen" verwirklicht sehen, mit denen man glaubt, irgendwo punkten zu können. So sehen Eisenbahnvisionen von Flugzeugpassagieren und Autofahrern aus! Traurig nur, daß bis in Landes- und Regionalebene dieser Schruz weitergefaselt wird. Auch hier bleibt bei Praktikern nur ungläubiges Staunen.

Zitat

Ergo! Politik kräftig in den Allerwertesten treten, Ideen entwickeln und straff aufs Ziel hin loslegen.

Oh ja! Du trittst von der einen Seite, ich von der anderen. Aber eben bitte nicht gegenseitig vors Schienenbein! Im Prinzip scheinen wir doch in die gleiche Richtung zu wollen. Deshalb nochmal: Ich beglückwünsche alle Optimisten. Und hoffe selbst, daß sich alles zum Guten wendet. Aber - und hier sind wir wieder bei der Überschrift - mir fehlt eben auch dank praktischer Erfahrungen teilweise der Glaube ...

mfg

von Lutz G. - am 30.09.2005 21:21
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