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Erster Beitrag:
vor 13 Jahren, 2 Monaten
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Peter Burtchen

DIE CHRONIK: Heute vor 60 Jahren

Startbeitrag von Peter Burtchen am 26.05.2005 08:37

Am 26. Mai 1945, heute vor 60 Jahren, genehmigte die Militärregierung auf Drängen der Bremer Straßenbahn AG die Wiederaufnahme des am 22. April 1945 eingestellten Straßenbahnbetriebes.
Der durch Kriegseinwirkungen ohnehin stark eingeschränkte Betrieb konnte am 23. April 1945 nicht wieder aufgenommen werden, da die Stromversorgung wegen starker Beschädigung des E-Werkes ausgefallen war. Der letzte Wagen war am 22. 4. um 17.33 Uhr ab Markt gefahren (Linie 3).

Doch die Wiederaufnahme gestaltete sich äußerst schwierig und konnte nur mit primitivsten Mitteln in ganz kleinen Schritten erfolgen und nahm einen sehr langen Zeitraum in Anspruch.
Von ursprünglich vorhandenen 245 Trieb- und 319 Beiwagen im Jahre 1940 waren nur noch 18 Trieb- und 29 Beiwagen betriebsfähig. Betriebshöfe und Werkstätten waren zerstört, ebenso Arbeitswagen und andere Hilfsfahrzeuge. 80% des Fahrleitungsnetzes und 70% der Umformer- und Gleichstromanlagen waren beschädigt. Und was von den kostbaren Fahrleitungen noch übrig geblieben war, fiel Anfang Mai den Drahtscheren der Besatzungssoldaten zum Opfer, da die Fahr- und Spanndrähte den hohen Antennen der Militärfahrzeuge im Wege waren. Alle drei Weserbrücken waren zerstört und somit war das Straßenbahnnetz, ebenso wie die Stadt, zweigeteilt und sollte es für die nächsten 2 1/2 Jahre noch bleiben.

Am 2. Juni 1945 konnte erstmals Strom in größeren Mengen aus dem Verbundnetz der NWK (heute e.on) bezogen werden.

Am 13. Juni 1945 nahm die Linie 16N (N stand für Neustadt) auf einem 2,7 km langen Teilstück den Betrieb auf; ihr folgte am 22. 6. 45 die Linie 5A auf der Altstadtseite vom Bürgerpark über Hauptbahnhof bis Domshof und wurde drei Tage später über Markt und Faulenstraße bis zur Diepenau verlängert.

Am 9. Juli 1945 nahmen die Linien 3 und 11 vom Depot Gröpelingen aus auf Teilstrecken den Betrieb wieder auf und wurden nach und nach verlängert. Die "3" war die erste Linie, die ab 1. 9. 45 wieder auf ihrer vollen Länge von Gröpelingen bis Weserwehr durchgängig befahren werden konnte, gefolgt von der "11" am 6. 9. bis Norddeutsche Hütte.
Auch auf den Linien 4, 5, 7, 16 und 2 wurde nach und nach auf Teilstrecken der Betrieb wieder aufgenommen.
Am 4. Dezember 1945 war die durchgehende Verbindung der Linie 2 von Sebaldsbrück nach Gröpelingen wieder hergestellt (im Westen vorerst noch über AG "Weser", erst ab 9. 3. 46 wieder auf alter Strecke über Waller Heerstraße).

Ende 1945 konnten Gleis- und Fahrleitungsbau 40 km Straßenbahnstrecken als betriebsbereit melden (das waren 60% des Vorkriegsnetzes).

1946 erfolgte Schritt für Schritt die Wiederaufnahme auf den übrigen Linien und fand am 5. 10. 46 mit der Linie 8 von Gröpelingen nach Burg den vorläufigen Abschluss.

Mit der Freigabe der wiederhergestellten "Großen Weserbrücke" am 29. November 1947 war das Schienennetz endlich wiedervereinigt. Vier Linien wurden über die Brücke geführt: Linie 4 Horn - Arsterdamm; Linie 5 Flughafen - Hemmstraße; Linie 7 Rablinghausen - Hartwigstraße und Linie 15 Stephanibrücke - Hohentor - Pappelstraße - Markt - Hbf. - Bürgerpark - Hemmstraße. Die Linie 16 blieb vorerst auf den Abschnitt Brill - Hbf. - Wachmannstraße beschränkt.

Fast fünf weitere Jahre sollte es noch dauern, bis mit der Eröffnung der neuen Bürgermeister-Smidt-Brücke am 28. Juni 1952 auch der zweite Weserübergang wieder zur Verfügung stand und auch die Linien 6 und 16 wieder durchgängig fahren konnten.
Der dritte Weserübergang, die Stephanibrücke, war zwar bereits 1948 fertig geworden, konnte aber wegen der geringen Breite keine Straßenbahn aufnehmen, so dass der Abschnitt der Linie 15 bis zur Emder Straße eingestellt blieb, ebenso wie die Teilstrecke in der Hünefeldstraße und die der Linie 10 in der Bismarckstraße bis Friedrich-Karl-Straße.

Die Genehmigung zur Wiederaufnahme des Straßenbahnbetriebes erteilte die Militärregierung am 26. Mai 1945; heute - vor 60 Jahren.

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