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Nahverkehr Rhein-Neckar
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vor 8 Jahren, 7 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 8 Jahren, 7 Monaten
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Tw237, Frieder Schwarz, Führerbremsventil, Fabegdose, Jan N., jo-ke, Sandhase, Heinrich Fuchs, Fabrikant i.R., Lokleitung, Linie 6 - Zentralfriedhof

In Anbetracht des historischen Datums...

Startbeitrag von Lokleitung am 09.11.2009 07:47

...mal ein ganz persönlicher Rückblick.

Am 09. November 1989 kutschierte ich wie üblich die OEG durch die Landschaft. Mein Kalender zeigt Dienst von 12:45 Uhr bis 20:40 Uhr auf den Wagen 302, 83, 106 und 116.



Die außergewöhnliche Nachricht des "Mauerfalls" kam mir erst zuhause zu Ohren. Aber auch am nächsten Tag musste ich ja Fahrgäste durch das Rhein-Neckar-Dreieck befördern, so dass sich die fixe Idee "da müsste man eigentlich hinfahren" nicht in die Tat umsetzen ließ. Ein forenbekannter IM hatte besser geplant (!!!) und war just in dieser Nacht zu einem Besuch bei Bekannten nach Annaberg-Buchholz aufgebrochen, es kamen ihm ungewöhnlich viele Trabbis und Wartburgs entgegen.

Bis ich dann mal in die DDR fuhr sind noch einige Wochen vergangen, daher zeige ich Euch heute einfach ein paar "Vorher"-Bilder aus der Stadt, die damals die Welt bewegte. Die Bilder sind allerdings schon 1982 und 1983 entstanden...


Grenze mit Blickrichtung von West nach Ost (wie sonst?) in Berlin-Frohnau, 20. Oktober 1982:



Brandenburger Tor West, 22. Oktober 1982:



Um zur Ostseite zu gelangen waren für Wessis einige Umwege nötig - verbunden mit einem "Zwangsumtausch" von 25 D-Mark in 25 Mark der DDR. Weiter als bis zu dieser Absperrung kam man im Osten nicht - Brandenburger Tor Ost, 21. Oktober 1982:



"Interflor"-Blumenhaus Ost mit Bus, 21. Oktober 1982:



Um jetzt nicht völlig off topic zu bleiben hier noch ein wenig zeitgenössischer Nahverkehr:


Im Westen fast nur Busse - BVG 2551 auf dem Hardenbergplatz vor dem Bahnhof Zoo, 22. Oktober 1982:



Und natürlich die U-Bahn - Kleinprofilwagen 686 am Haltepunkt Hallesches Tor, 22. Oktober 1982:



Die einzige Straßenbahn im Westen fuhr auf stillgelegter U-Bahn-Trasse - Wagen 3344 an der Bülowstraße, 20. Oktober 1982:



S-Bahn-Viertelzug der Reihe 275 zwischen West und Ost, 18. August 1983:



Im Osten gabs natürlich Strab, aber im Stadtkern musste man ein wenig danach suchen. Hier die beiden niedrigst-genummerten Berliner Serien-KT4D 219 002 und 219 001 in Doppeltraktion, 21. Oktober 1982:



Und, etwas traditioneller, ein Dreiwagenzug aus Einrichtungs-Rekowagen, es führt der 217 301:



Soweit mein kleiner Rückblick, ich hoffe, es gefällt

Antworten:

Zitat
Lokleitung
Die außergewöhnliche Nachricht des "Mauerfalls" kam mir erst zuhause zu Ohren. Aber auch am nächsten Tag musste ich ja Fahrgäste durch das Rhein-Neckar-Dreieck befördern, so dass sich die fixe Idee "da müsste man eigentlich hinfahren" nicht in die Tat umsetzen ließ. Ein forenbekannter IM hatte besser geplant (!!!) und war just in dieser Nacht zu einem Besuch bei Bekannten nach Annaberg-Buchholz aufgebrochen, es kamen ihm ungewöhnlich viele Trabbis und Wartburgs entgegen.


Muss ja geplant gewesen sein. Bis zum 31. Dezember 1989 galt die Visa-Pflicht für die Einreise von Bundesbürgern in die De-De-Er.

Zitat
Lokleitung
S-Bahn-Viertelzug der Reihe 275 zwischen West und Ost, 18. August 1983:


Ist das am Humboldthafen?





Wir sind am ersten visafreien Wochenende 1990, genauer am 06. Januar, mit 50 Mann per Bus nach Eisenach auf die Wartburg gefahren.
Der Bus war eigentlich zu klein, ein Freund von mir lag im Gang. Wir waren zwar nicht die einzigen Wessis, aber Wartezeiten gab es noch keine.
Ein paar Wochen später sah das völlig anders aus...

Interessant war die Busfahrt. Zum einen war die A4 noch im Nachkriegszustand, also Umfahrung des "Thüringer Zipfels" bei Gerstungen zwischen
den Anschlussstellen Wildeck-Obersuhl und Wommen (die Strecke war kriegsbedingt nicht fertiggestellt worden, die Werrabrücke bei
Wommen ebenso). Zum anderen mussten wir ja zur Einreise noch über die Grenzübergangsstelle Herleshausen/Wartha. Wir bekamen alle akkurat
einen Einreisestempel in den Reisepass gedrückt.

Wir sind dann von Wartha weiter in das tiefer gelegene Eisenach gefahren, mitten hinein in eine gelbliche SMOG-Wolke aus Braunkohleabgas
- und genauso stank es auch. Zuerst Wartburg gucken, danach Eisenach selber. Dabei sind wir der Fremdenführerin etwas voraus gelaufen, am Lutherhaus
vorbeigegangen und scheinbar falsch abgebogen - alles Ruinen. Die Tante kam dann schnell angerannt und hat uns zurückgebracht zur üblichen
Touristenroute, wo alles renoviert war. Es war ihr schon etwas peinlich, dass wir etwas vom realen Eisenach gesehen hatten, was nicht für die Touris gedacht war.

Bei der Ausreise wollte man uns gar nicht kontrollieren. Einer aus der Reisegruppe - leicht angeschickert durch billige Ostalkoholika - protestierte
lautstark und bestand auf dem Ausreisestempel und bekam ihn nach etwas Diskussion mit dem Bauchladengrenzer auch.

Wir waren im Frühjahr 1990 dann auch noch mal in Erfurt, aber das war fast schon eine normale Tour.

von Sandhase - am 09.11.2009 09:14
Freundschaft,

ja da hat die Lokleitung recht.

Vor zwanzig Jahren befand ich mich zu dieser Zeit noch in einer Vorlesung der Kaderschmiede N`sau.
Nach einem Mittagessen mit fränkischen Spezialitäten begab ich mich am späten Nachmittag zu Bett, um gegen 22 Uhr gen Osten aufzubrechen. Eine Einladung in den wunderschönen Osten hatteich, da ich zu einer Geburtstagsfeier in das schöne Erzgebirge geladen war.

Auf der damals noch nicht überlasteten BAB nach Hof war schon ein Konvoi mit Übertragungswagen des BR unterwegs. Im Truckstop Berg bei Hof flimmerten schon die ersten Bilder von der offenen Mauer. Um 0 Uhr machte ich mich dann auf den Weg, um de Zwangsumtausch für den 9. zu sparen und meinen Aufenthalt erst am 10. beginnen zu lassen.
.
Überaus freundlich empfingen mich die Genossen im Arbeiter und Bauernstaat. Nach schnellster Grenzabferigung und einer Unterhltung über Bosch und Black und Decker Bohrmaschinen ging es dann zur Bank, um das ersehnte Ostgeld zu erhalten. Mit 75.- Mark der DDR Begrüßungsgeld ging es dann wieder auf die mit Geldern von Franz Josef Strauß rekonstruierte Autobahn.

An der ersten Ausfahrt nach dem Grenzsperrgebiet empfing mich auf der Überleitung ein Genosse und zwang mich zum Anhalten. Nachdem ich ihm versicherte, dass die Fahrt ins nichtsozialistische Nachbarland funktioniere und ich schon mehrere Fahrzeuge aus DDR Produktion bei der Grenzdurchfahrt gesichtet hätte, schwang sich der in Dederon gekleidete DDR Bürger in meinen Westwagen. Gemeinsam legten wir den kurzen Weg bis zur Landstraße zurück. Dort gab er einer kilometerlangen Fahrzeugschlange das Abfahrtsignal und nachts um 0:30Uhr umfing mich der löbliche Duft und das Geknatter der löblichen volkseigenen Fahrzeuge von AWE, Sachsenring und einiger Wagen aus sozialistischen Bruderstaaten. In Plauen war dann mehr oder weniger Rushhour gen Westen. Ein Kt4D zeigte sich mir auch noch und ich setzte meine Fahrt ins Erzgebirge fort.

Dort wurde ich am nächsten Tag von einem Hauptmann der Volkspolizei auf freundlichste Art und Weise zur Anmeldung geleitet und am 11. stellten mir die Genoosen der Volkspolizei, wahrscheinlich war es ein ABV, sogar noch eine Eskorte.
Der Volkspolizist, der es gut mit mir bin war mein Freund. Durch die feindliche Übernahme der DDR gelang es mir nicht mehr auch so ein Volkspolizist zu werden.

[www.youtube.com]

So kam ich dann auch noch zu meinem letzten Ein und Ausreisestempel.
Noch einige Fahrten mich bis zur Übernahme der DDR in diesen Staat, aber einen Stempel bekam ich nicht mehr, weil die Genossen an der Grenze meinten, dass ich schon genügend Einträge hätte und mich als Freund ihres Staates erkannten.




von Frieder Schwarz - am 09.11.2009 09:18
Erfurt August 1990:


von Heinrich Fuchs, Fabrikant i.R. - am 09.11.2009 09:43
da hat sich aber nicht viel geändert

von jo-ke - am 09.11.2009 12:51
Brandenburger Tor Ost:

Grüße an den jungen Mann in der Bildmitte,

der dann ziemlich genau 6 Jahre später (mit einer anderen Frisur) im Dunstkreis von Gleis 9 3/4 aufgetaucht ist. ;) :) :cool:

von Linie 6 - Zentralfriedhof - am 09.11.2009 13:06
Da hab ich ein etwas aktuelleres von 2006


@ Joachim , gern weitere Bilder aus meiner Heimat ;-)

von Jan N. - am 09.11.2009 15:44
Schon interessant, was man damals für Frisuren hatte...
;-)

von Führerbremsventil - am 09.11.2009 19:02
Oha - man hat schon angefangen, den Beiwagen zu verschrotten! :eek: :eek:

von Fabegdose - am 09.11.2009 19:56
Das sind wohl die Reste vom VBLu 59, die ein kleiner Ingenieur stiftete.

von Tw237 - am 09.11.2009 20:02

Gestern war die Wahrheit im ZDF

So war die DDR wirklich:

[www.zdf.de]

völlig anders als die sonstigen Lügen über das Arbeiter und Bauernparadies, die das Imperialisten-TV sonst verbreitet.

von Tw237 - am 10.11.2009 08:48

Re: Gestern war die Wahrheit im ZDF

Freundschaft,

war mir klar, dass auch das Westfernsehen eines Tages hinter den Zwanzigjahreplan von Erich kommen wird.

von Frieder Schwarz - am 10.11.2009 14:49
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