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Im Abstand von 3 KM 2 neue Straßen bei Selb in die CZ - keine Chance für Bahn

Startbeitrag von Neuenmarkt am 23.12.2005 07:42

23.12.2005
PROTESTE GEGEN STRASSENPROJEKT BEI REHAU Im Abstand von nur drei Kilometern sollen zwei fast gleichwertig ausgebaute Verbindungen nach Böhmen entstehen
Eine breite Schneise für Europas Zukunft?


VON RAINER MAIER
Nur wenige Kilometer nördlich des Grenzübergangs

Selb / Asch (A¨) soll eine weitere großzügig ausgebaute Straßenverbindung von Bayern nach Böhmen entstehen. Der bereits begonnene Ausbau erhitzt die Gemüter.

REHAU / ASCH – Für das, was da zusammenwachsen soll, musste erst einmal alles weg, was wächst: Eine an manchen Stellen fast dreißig Meter breite Schneise wurde für den Straßenausbau von Rehau nach Neuhausen durch den Forst geschlagen, ein meterhoher Fahrbahndamm aufgeschüttet, um eine gerade Verbindung ohne große Höhenunterschiede zu schaffen.

Dass das alles nicht mit der Erneuerung des verkehrstechnischen Anschlusses der Rehauer Ortsteile Neuhausen und Schönlind ans Stadtzentrum zu begründen ist, gibt Rolf Menke vom Straßenbauamt Kronach unumwunden zu. Für die knapp hundert Einwohner der beiden Dörfer hätte es des Baus eines derartigen „Highways“ nicht bedurft. Aber: Die Stadt Rehau, das Straßenbauamt und die bayerische Staatsregierung denken weiter – in die Zukunft, grenzüberschreitend.

„Wenn es diese Überlegungen nicht gäbe, wäre die Straße nach Neuhausen vielleicht nicht in dieser Qualität ausgebaut worden“, sagt Menke, der für Staats- und Bundesstraßen im Kreis Hof zuständige Abteilungsleiter.

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Im „Grünen Band“

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Die Qualität: 6,50 Meter breite Fahrbahn, je 1,50 Meter befestigter Seitenstreifen links und rechts. Das ist so in etwa der „Querschnitt“, den eine Bundesstraße braucht. Eine verlängerte B 289, die zu einem künftigen Grenzübergang Rehau / Asch führt. Denn genau darum geht es in den „Überlegungen“.

Inzwischen formieren sich auch die Gegner dieser Verbindung, allen voran der Bund Naturschutz in den Kreisgruppen Hof und Wunsiedel sowie in den Ortsgruppen Rehau und Selb / Schönwald. Sie kritisieren nicht nur, dass eine solche Trasse das schützenswerte „Grüne Band“ durchschneiden würde. Sie verstehen vor allem nicht, dass in nur etwa drei Kilometern Abstand mit Millionenaufwand zwei ansehnlich breite Straßenverbindungen nach Böhmen entstehen sollen. Denn: Keine fünf Autobahn-Minuten weiter südlich wird derzeit die Ortsumgehung von Selb-Erkersreuth gebaut, mit direktem Anschluss von der A 93 zum Grenzübergang Selb / Asch.

Udo Benker-Wienands, Vorsitzender des Bund Naturschutz (BN) im Kreis Hof, ringt nach Worten, als er an der Baustelle bei Neuhausen die Dimension des Projekts zum ersten Mal in natura sieht: „Das ist doch pervers. Hier wird Landschaft im großen Stil vernichtet.“ Der deutsch-tschechische Grenzstreifen habe sich über Jahrzehnte zu einem hervorragenden Biotop entwickelt und sei Teil des schützenswerten Flächenverbundes „Grünes Band“, des größten zusammenhängenden Naturschutzgebiets Europas, das von Finnland bis zum Schwarzen Meer führen soll. „Dieses Band wird durch den Straßenbau und eine Weiterführung nach Asch ohne Not erneut durchschnitten und teilweise zerstört.“

Ein Bau von zwei gleichwertigen Verbindungen in unmittelbarer Nähe sei weder nachvollziehbar noch sinnvoll. Außerdem werde der in Rehau offiziell groß geschriebene Schutz der Flussperlmuschel durch diesen Straßenbau nahe am Wasser- und Naturschutzgebiet mit Füßen getreten, wettert Benker-Wienands.

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Politischer Wille

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Rolf Menke vom Straßenbauamt zeigt sich ob des Aufschreis etwas verwundert: „Die politische Entscheidung dazu ist schon vor Jahren im Ausbauplan für die bayerischen Staatsstraßen gefallen.“ Darin sei bereits im Januar 2001 der Wille formuliert worden, alle ehemaligen Übergänge von Bayern nach Böhmen zu reaktivieren und alte Verbindungen wieder aufzunehmen. „Das ist für uns eine klare Vorgabe: Im Ausbauplan ist eindeutig vorgesehen, beide Verbindungen zu schaffen.“ Ob das auch sinnvoll sei, mag Menke nicht bewerten: „Die bayerische Staatsregierung und die oberste Baubehörde haben das so beschlossen.“

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Goethes Reiseroute

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Für Bürgermeister Edgar Pöpel aus Rehau ist es keine Frage, dass man „diese jahrhundertealte Straße von Hof über Rehau, Asch und Eger bis nach Karlsbad, die schon Goethe mit der Pferdekutsche bereiste, heute auf den neuesten Stand der Technik bringt“. Im neuen Europa der Regionen sei das unproblematische Zusammenkommen der Menschen wichtig, die Anpassung an den künftigen Verkehrsfluss unabdingbar und die schnellere Durchfahrt in Richtung Eger sinnvoll. Für die „Überlegungen“ in München sei er dankbar, sagt der Bürgermeister: „Wir werden diese Konzeption unterstützen und fördern.“

Durchaus verständlich, denn die beachtliche Ausbau-Qualität ihres Ortsteil-Anschlusses kostet die Stadt Rehau keinen Cent. „Historisch bedingt“, so sagt Rolf Menke vom Straßenbauamt, sei die Straße nach dem Zweiten Weltkrieg nie zu dem herabgestuft worden, was sie seit Ziehung des Eisernen Vorhangs de facto war: eine Gemeindeverbindungsstraße. Die St 2192 blieb all die Jahre im Rang einer Staatsstraße, „wie andere frühere Verbindungen auch, die nun an der Grenze endeten“.

Jetzt hat der Staat als Bauträger investiert: Rund drei Millionen Euro in den 3680 Meter langen Ausbau bis Neuhausen, der im Frühjahr 2006 fertig sein soll, eine weitere siebenstellige Summe für eine 1,5 Kilometer lange Umfahrung von Heinersberg mit neuem Anschluss an die A 93, für die nächstes Jahr der Bau beginnen soll. Und all das wohl ganz gezielt im Blick auf eine später grenzüberschreitende Trasse. „Man könnte sich schon vorstellen“, formuliert Menke vorsichtig, „dass eine derart gut qualifizierte Verbindung den Rang einer Bundesstraße erhält. Aber so etwas ist ferne Zukunft und heute noch längst nicht spruchreif.“ Derzeit endet die B 289, von Untersiemau bei Coburg kommend, gleich hinter der Stadtgrenze an der A 93-Auffahrt „Rehau-Süd“ .

Auf tschechischer Seite können sich die Verantwortlichen auch so einiges vorstellen. Sie haben beantragt, die bereits gebaute Südwest-Umgehung von Asch, die derzeit am Übergang Selb / Asch endet, fortzuführen. „Am liebsten bis nach Hranice“, sagt Aschs zweiter Bürgermeister Jírí Knedlik. Dort sieht er den nächsten Grenzübergang, diesmal Richtung Plauen. „Der wird dringend benötigt.“

Immerhin: Vom Bezirk Karlsbad habe die Stadt Asch schon eine Absichtserklärung erhalten. „Man hat uns versprochen, das Projekt in die Planung aufzunehmen“, sagt Knedlik. „Wann es schließlich verwirklicht wird, steht aber nicht genau fest.“ Keine Frage ist für den Kommunalpolitiker aus Asch: Wenn die Nordwest-Umgehung kommt, dann wird es auch eine neue Verbindung hinüber nach Rehau geben. So jedenfalls habe er die Signale aus Deutschland verstanden. Deutliche Signale: „Es heißt ganz klar, dass die Straße da angeschlossen werden soll. Man hofft, dass das bis 2010 gemacht ist.“

Straßenbauer Menke ist etwas vorsichtiger: „Baulich werden wir 2010 wohl nicht fertig sein, aber planerisch ist vielleicht schon etwas da.“ Sobald die Trasse für die Ascher Umgehung festliege, werde man den Anschlusskorridor für die Verbindung nach Rehau aussuchen. Nördlich um Neuhausen herum, südlich herum, oder gar mittendurch? Momentan seien alle Varianten offen, heißt es aus Kronach. Der jetzige Verlauf lasse ein Abschwenken in alle Richtungen zu.

Vom 6,50 Meter breiten Ausbau geht es derzeit kurz vor dem Neuhausener Ortsschild zurück auf die alte Straße. „Vom Highway auf den Schwammerlsuchweg“, witzelt Udo Benker-Wienands bitter. Sein Bund Naturschutz konnte diesmal nicht mal eine offizielle Protestnote einbringen, denn für den Ausbau war eine Befragung der so genannten Träger öffentlicher Belange nicht notwendig.

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Ohne Raumordnung

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Es gab keine Planfeststellung und keine Raumordnung. Bei einem lediglich „bestandsorientierten Neubau unter Beibehaltung der bestehenden Trassenführung“, noch dazu fast ausschließlich auf staatlichem Grund, war ein „straßenrechtliches Planfeststellungsverfahren entbehrlich“, heißt es offiziell.

Vertreter des BN und des Fichtelgebirgsvereins haben dieser Tage vor Ort die Pläne kritisiert und die Staatsregierung aufgefordert, auf den Ausbau der St 2192 zu verzichten.

Die stellvertretende Vorsitzende des BN im Kreis Wunsiedel, Inge Heinrich, verwies auf die nur wenige Kilometer südlich verlaufende Verbindung von der A 93 zum Übergang Selb / Asch mit Ortsumgehung Erkersreuth. „Hier werden von 2003 bis 2006 rund zehn Millionen Euro verbaut. Für die 3500 Meter lange und 7,5 Meter breite Straße wurden fünf Brücken und ein Durchlass geschaffen.“

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In den Sand gesetzt

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Wenn nun eine weitere, fast gleichwertige Verbindung bei Neuhausen gebaut werde, zeuge dies von inkompetenter Planung. „Zehntausende Quadratmeter Flächen werden sinnlos überbaut und viele Hunderttausend Euro sprichwörtlich in den Sand gesetzt.“ Inge Heinrich: „Die umweltfreundliche und wesentlich billigere Alternative, die Wiederinbetriebnahme der bestehenden Bahnlinie nach Asch, wird dagegen nicht in Erwägung gezogen.“ (Siehe Artikel rechts).

Rehaus Bürgermeister Edgar Pöpel will von einem Ausbau-Verzicht nichts wissen und scheint sich der zukunftsgestaltenden Macht vollendeter Tatsachen sicher. Bereits im August schrieb er an Neuhausener Bürger: „Die jetzige St 2192 wird als künftige B 289 grenzüberschreitend bis nach Eger (...) gebaut.“ Das „kostbare Gut Natur“ solle dabei aber „nicht zu stark in Mitleidenschaft“ gezogen werden.

An der Baustelle der neuen Straße sorgte diese Formulierung bei den Vertretern von BN und FGV für fassungsloses Kopfschütteln.

Momentan noch ein „Highway“, der lediglich zwei Ortsteile ans Stadtzentrum anbindet. In einigen Jahren schon könnte die Staatsstraße 2192 bei Rehau-Neuhausen zur wichtigen grenzüberschreitenden Bundesstraßen-Trasse werden. Der millionenschwere Ausbau, nur drei Kilometer nördlich vom nächsten Grenzübergang, erregt die Gemüter.

Antworten:

Pöpel und Knedlik haben Recht

In wenigen Jahren gibt es nach dem Schengen-Beitritt keine (bewachten) Grenzübergänge mehr. Beide Straßen haben doch ein ganz anderes Reisepublikum, wenn ich von Westen und Norden komme nutze ich doch Goethes Reiseweg (war immer die wichtigste Verbindung Böhmen/Bayern dort, selbst mit Auswirkungen auf die Anlage der Localbahn) und erspare den Selbern meine Anwesenheit. Dazwischen kann der Schwammerl-Weg schon bleiben. :-) Roßbach/Hranice gehört längst aufgemacht und würde für die abgelegene Ecke Anschluß an die Welt bedeuten. Vom sächsischen Vogtland kommend fährt man immer erst den Zipfel runter und dann wieder rauf. Keine Umweltbeeinträchtigung? Vervollständigt würden die Verkehrsbauten dort natürlich sinnigerweise noch durch die Wiederherstellung der Bahn. Wie ich dem bayerischen Staatsfernsehen dieser Tage entnahm, lernen oberpfälzer Verkäuferinnen jetzt tschechisch, um ihre neuen Kunden richtig bedienen zu können. Recht so, das ist der Fortschritt und Aufschwung für den Handel! Die nächste Generation ist dann richtig zusammengewachsen in Europa und die zeitweise beeinträchtige Flohpopulation hat sich erholt. Mann, was waren seinerzeit die Bahnbauten für gravierende Eingriffe in die Umwelt, obgleich staatlicherseits durchaus Auflagen und Ersatzmaßnahmen bei Pflanzungen angeordnet wurden. Schauts euch mal die alten Aufnahmen an. Kein einziger Kilometer würde heute existieren, wenn die Doppelnamen auch damals immer gleich Zeter und Mordio geschrien hätten. Aber heute sind Bahnlinien ökologischer...

von awp - am 23.12.2005 08:37

Kirchturmsdenken

Hallo,

und weiter geht das damit.
Man rechnet bis 2010 mit weiteren Verkehrssteigerungen. Mit welchen?
Mit weiter boomenden Tanktourismus? Mit weiteren, noch größeren Fitschi-Märkten in der böhmischen Grenzregion, wo sich Personen aus den Lkr PL, V, WUN, HO, BT, KC mit billigen Glimmstengeln eindecken können? Was ist in 10 Jahren? Was kostet dort der Sprit? Was die Stange Marlboro? Bis dort hin ist die BRD längt untergegangen, pleite. Die Kaufkraft gleich Null. Dann kommen Tschechen zu uns. Vielleicht zielen sie auf diese Klientel? ;-) Man rechnet auch mit dem automatischen Zunehmen des Verkehrs. Warum? Es wird rückwärts gehen. Gehen müssen! Öl ist nicht ewig da. Und Alternativen? Völliger Blödsinn. Es hilft nur Dezentralisierung angeblich "moderner" Produktionsmethoden. Anlastung der wahren Kosten an den Verursacher. Dann regelt sich das von selbst zurück.

Aber lassst sie die Pisten bauen. Die von Selb direkt, die von Rehau/Neuhausen, die von Plauen/Ebmath. Was fehlt ist noch Bad Elster direkt. Und dann gibt es das Chaos in Asch. Haha.

Gruß,
Markus

von malo - am 23.12.2005 09:51

Ach, hat der BUND ausgeschlafen? ;-)

Mal ungeachtet der verkehrlichen Auswirkungen und dem nötigen(?) Ausbau, aber ist das nicht nur eine Alibi-Wortmeldung der "Umweltschützer"? Jetzt wo die Schneisen längst geschlagen sind und die Natur eh schon die Narbe hat, wachen diese Herren auf und melden sich zu Wort?! Das sind doch auch alles nur Marionetten in unserem Auto-Lobby-Staat und existieren nur zur Zierde und Gewissensberuhigung.

Ob der Rest wirklich so eintritt, wie kalkuliert oder befürchtet, weiß jetzt eh keiner. Aber mit ein paar Milliönchen sich zu verspekulieren gehört doch heute fast zum guten Ton. Also raus mit dem Geld, was eigentlich gar nicht da ist! :D

MfG Cargonaut

von Cargonaut - am 23.12.2005 10:02

zum Kotzen!

Der Raubbau an der Natur begann bei uns mit der Industrialisierung. Damals rief keiner nach Schützenswerten Arten. Man griff hemmlungslos ins Ökosystem ein, ohne sich über die Folgen bewusst zu sein.
Heute haben wir diese Phase einigermaßen überschritten, möchte ich mal behaupten. Andere Länder, die jetzt gerade ihre Industrie-Aufbruchsstimmung erleben, sind noch mitten drin, z.B. Indien oder China.

Die Menschheit zeichnet es scheinbar aus, dass sie nicht um die Ecke denken kann. Die Grundlage unserer Existenz wird durch den allumfassenden Raubbau vollzogen.
Für international agierende Unternehmen, z.B. VW, ist einzig und allein die Tatsache wichtig, wo sie günstig Autos produzieren können, die sie dann anderorts teuer verkaufen können.

Die Frage, wie viele Autos die Welt verträgt, wie lange die Rohstoffe dafür noch reichen, wie die Entsorgung vorstatten geht, wie sich der CO2 Ausstoß auf der Erde verändert. All das interessiert die Wirtschaft nicht.

Wichtig ist nur, wie viel Geld verdient werden kann. Zu Weihnachten jetzt in die Kirche gehen und ein paar Euro für Brot und die Welt spende, ja. Damit hat man seinen Moralanspruch voll erfüllt.

V.a. die letzten 15 Jahre haben gezeigt, in welche Richtung es geht.
Der rasante Straßenbau ist nur eine Folge der globalisierten verantwortungslosen Wirtschaft.

Um es vorwegzunehmen: Keiner kann denke ich vor mir verlangen, dass ich eine Lösung auf dieses Problem habe; ich weiß nicht einmal, ob die Menschheit diese Masse an Problemen (Wasserversorgung für alle Menschen sicherstellen, Energieversorgung, wachsende Ungerechtigkeit etc.) überhaupt besiegen kann. Ich weiß nur, dass es sehr wichtig ist, in den Bereichen, auf die man einwirken kann auch Einfluss zu nehmen und zwar in die richtige Richtung. Das beutet hier beim Straßenbauprojekt konkret, sich für einen sinnvollen Verkehrswegeausbau einzusetzen.

Fakt ist ja, wie schon gesagt wurde, dass die Route Asch - Rehau die klassische Route ist und über Selb nur eine Ausweichroute prinzipiell. Die einzige Möglichkeit hier besteht darin, sich für eine sinnvolles Verkehrs- und Transportkonzept stark zu machen, welches auch vorsieht überhaupt nicht so viel Straßenverkehr zu produzieren.

Wichtig ist meiner Meinung nach auch, diese klassische Route für den Verkehr wieder freizugeben, aber bitte in vernünftigen Dimensionen. Wer Straßen säht, wird Verkehr ernten.

Was soll der internationale Schwerlastverkehr (den es übrigens zu Goethes Zeiten nicht gab) denn machen, wenn er in Asch Predmesti (Bayerische Straße) rauskommt? Will man da auch gleich eine Umgehung bauen?
Warum kann man den Schwerlastverkehr nicht über Selb leiten, wo er dann ohnehin auf die Umgehung kommt? usw.

Zur Flohpopulation: Das Hranicer Gebiet ist bekannt als ein letztes Rückzugsgebiet der Fränksichen Flussperlmuschel, die hierzulande schon lange ausgerottet ist.


[www.wwa-ho.bayern.de]

von derSchlömener - am 23.12.2005 11:37

so böse Wörter

Nein, Hannes, der Bergbau und vor allem die Verhüttung zu Zeiten des Mittelalters sind als Zäsur zu sehen. Warum sind wohl Erzgebirge, Harz so kahl auf alten Stichen? Noch heute werden dort Schwermetallbelastungen gemessen, die um die 500 Jahre alt sind. Gerade im Zeitalter der Industrialisierung begann jedoch der Umweltschutzgedanke in den bürgerlichen Kreisen aufzublühen, man nannte sich oft "Verschönerungsverein". Deine 1. These, Hannes, stimmt so nicht. Auf Initiative des Sächsischen Heimatbundes wurden bereits um 1900 Flächennaturdenkmale unter staatlichen Schutz gestellt. Tut mir leid, wenn ich nur passende Beispiele aus Sachsen belegen kann, damit hatte ich mich auch während meiner Forschungen beschäftigt. Aber vielleicht kennen die "heimatvertriebenen" Arbeiter bei der DB in Nürnberg ja noch die Scheibenberger Orgelpfeifen. Dort wurde 1903 der Steinbruchbetrieb auf staatliche Anordnung eingestellt, um sie nicht weiter zu schädigen. Auch wenn es unwirklich klingt, aber das erste Naturschutzgesetz in Deutschland wurde im 3. Reich verabschiedet. Und die Flußperlmuschel wird schon seit 100 Jahren geschützt - nur gibt es entlang der Trasse kein Gewässer mit Muscheln, wohl aber im Tal, in dem die Localbahn nach Adorf fuhr und der Elster. Ex Minister T gab noch während seiner Amtszeit ein Gutachten in Auftrag, die zu dem Ergebnis kam, daß die Mitglieder der frühen Natur-, Wanderbewegung nicht der Kollektivschuld unterliegen.

Tja, die sogenannte Globalisierung. Dürfen wir denn den Chinesen einen ihrer Bevölkerungsgröße entsprechenden Anteil an Pkw verbieten? Ist das nicht sonst schon Kolonialismus? ich denke auch, daß es einen direkten Zusammenhang zwischen unserer, durch Verlust von eigenen Industriearbeitsplätzen, geprägten, bedingten Sparmentalität und der Kinderarbeit in Südamerika/Südasien gibt. Henry Ford sen. erkannte klugerweise, daß Autos keine Autos kaufen und kümmerte sich um seine Belegschaft, damit sie sich wenigstens sein T-Mobil leisten konnte. Auch die großen Industriekapitände in Deutschland haben sicher fetten Reibach gemacht - dennoch Werkssiedlungen, Kulturhäuser, Bibliotheken, Kirchen gestiftet. Kennt jemand ein ähnliches Beispiel der Gegenwart (außer Buchheim)? Gerade deshalb gerät doch der Fall A. von der Bank so in den Blickwinkel, in einem Atemzug 2,5 Mrd. und Entlassungen Tausender zu nennen. Auch muß man mal die immsen wirtschaftlichen Belastungen benennen: 105 Mrd. an Wiedergutmachung nach 1945, 140 Mrd. für die Einheit, das muß eine Vowi erst mal schaffen bzw. verkraften. Und so schlimm kann es nicht sein, wenn wir jetzt wieder zwei U-Boote quasi verschenken können. Das entspricht in etwa der Summe, die duch Streichung der Eigenheimzulage, Kürzung Weihnachtsgeld beim Bund usw. wieder aufgebraucht werden muß.

Im übrigen, ist es überhaupt politisch korrekt, so in der breiten Öffentlichkeit das Weihnachtsfest zu begehen? Verletzen wir damit nicht die Gefühle von Millionen Deutscher mit Migrationshintergrund? Die USA können da durchaus Vorbild sein - aller Klimbim in öffentlichen Einrichtungen ist untersagt, jeder feiert in Familie und entsprechend seiner Religion..

von awp - am 23.12.2005 12:40
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