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ADHS ADS Selbsthilfe
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11
Erster Beitrag:
vor 7 Jahren, 2 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 7 Jahren, 2 Monaten
Beteiligte Autoren:
Nicole Z., Rosenfan, Miss Piggy, Marylou, matata, Protea, Agnes69, Mareksmama

Medis, ja oder nein???

Startbeitrag von Nicole Z. am 15.10.2007 20:51

Hallo

heut hab ich mal ein Problem mit meiner Großen und nicht mit Junior.
Sie ist 9 Jahre, geht in die 4. Klasse Grundschule und hat die Diagnose ADS.
Bisher hab ich mich gegen Medis gestellt, da Sie leider nur 23 kg wiegt und richtig zierlich (dünn) ist und auch kaum isst.
Heute hatten wir das Thema Schule, sind zwar Ferien, aber sie braucht die Hilfe.
Nun gut, sie ist wahnsinnig langsam, wenn Sie sauber schreibt, kann Sie nach 5 Min. nicht mehr, dann tut ihr die Hand weh und sie braucht eine Pause.
Da dies in der Schule aber nicht geht, kann man ihre Schrift kaum lesen, sie schafft es sonst nicht. In Diktaten schreibt sie fast nur vierer und fünfer und ist natürlich auch deprimiert darüber. Lesen tut sie wahnsinnig gern, hat sie von mir, aber das Schreiben und die Rechtschreibung sind ein Grauen.

Mathe genau dasselbe Problem, sie schafft es nicht. Für mich wahnsinnig schwer zu verstehen, da ich Mathe liebte und da nur einser hatte.
Wir haben soviel probiert, 3mal wöchentl. Nachhilfe, selbst geübt usw.

Nun bin ich an einem Punkt angelangt, wo ich nicht mehr weiß, schaffst sie es noch.
Die Anforderungen werden ja immer größer, sie hat zwar die Empfehlung zur Realschule, aber schafft sie es auch?
Sie ist selbst deprimiert, weil sie so langsam ist und da sie eh schon wenig selbstbewusstsein hat, zieht dies natürlich noch mehr runter. Dann ständig die Einträge wegen Ordnung, zu langsam und verträumt usw.

Bisher wollte ich wegen ihrem Gewicht und da sie so wenig isst, keine Medis für sie haben, hab alles abgelehnt.

Wer hat Erfahrung damit, bei dem niedrigen Gewicht, doch Medis geben?
Ich hab richtig angst davor, dass sie noch schmaler wird und noch weniger isst.

Über Ratschläge wäre ich sehr dankbar.

Bitte nicht falsch verstehen, ich weiß, ich darf nicht von mir ausgehen, wie ich in der Schule war, aber es ist für mich sehr schwer, da Deutsch, Mathe und Sprachen alles für mich waren und sie damit gar nicht klar kommt.

LG Nicole
Antworten:
Hallo Nicole,

alles, was Du da schreibst, trifft auch auf meinen Sohn (9 1/2 J.) zu. Allerdings ist er mittlerweile nicht mehr so dünn wie früher, kommt bei ihm vom vielen und heimlichen Naschen.

Nächsten Montag haben Göga und ich einen Termin bei der Kipsy. Da will sie mit uns die Medikamentenaufklärung machen. Danach soll es dann endlich losgehen. Mittlerweile kann ich es kaum noch erwarten. Letzten Freitag war er alleine bei ihr drin. Sie sagte, es wäre ganz gut gelaufen, aber er bräuchte die Medis doch recht dringend.

Ich denke, wenn die Probleme bzw. die Auswirkungen so gravierend sind, dann sollte das Gewicht eher zweitrangig sein. Vielleicht denken die anderen hier etwas anders darüber, jedenfalls die, die schon Erfahrungen damit haben.

Ich verspreche mir jedenfalls für den Moment sehr viel davon, auch wenn der Anfang sicher nicht leicht sein wird, Dosierung usw. Wir haben uns vorher auch sehr schwer damit getan, merken aber mittlerweile, daß es nicht mehr anders geht.

Liebe Grüße, Conny S.




von Rosenfan - am 15.10.2007 21:11
Liebe Nicky!

Erfahrungen mit extrem leichtgewichtigen Kindern und Medis habe ich zwar nicht, aber zu der Sache mit dem Schreiben ist mir etwas eingefallen:

Der Sohn einer Freundin hat - soweit ich so eine "Gefühls"-Diagnose stellen kann - ziemlich sicher ADS, hat aber keine Diagnose und deshalb natürlich auch keine Medis.
Auch bei ihm besteht das große Problem, dass er viel zu verkrampft und deshalb auch zu langsam und unleserlich schreibt.

Es gibt hier bei uns eine sehr gute Ergotherapeutin, die ihm mit einigen Übungen ganz deutlich helfen konnte.
Allerdings - als sie meinte, ihr Therapie-Ziel sei nun erreicht, und müsse nun auch konstant bleiben, zeigte sich, dass sich die Situation sofort verschlechterte, sobald er mit dem Übungen aufhörte.
Ich nehme an, wenn er Medis bekäme, wäre die Chance größer, dass das Muskelgleichgewicht beim Schreiben auch ohne Training gehalten werden könnte.
Seine Mutter setzt nun eben die Übungen konsequent fort.

Was ich daraus für Dich schließe: Sollte es sich herausstellen, dass Medis bei Deiner Tochter wirklich ungeeignet wären - vielleicht findet Ihr ja auch eine gute Ergotherapeutin. Das könnte bei DIESEM Problem schon etwas helfen.
Leider könnte sich Deine Große dann aber wahrscheinlich nie auf dem Erreichten ausruhen, sondern müsste ständig in Übung bleiben.

Weiß nicht, ob Dir das jetzt wirklich etwas hilft, aber ich habe diese Erfahrung mal sicherheishalber weitergegeben... ;-)

Liebe Grüße!

Agnes

von Agnes69 - am 15.10.2007 21:13
Liebe Nicole
Mein Sohni ist auch ein Fliegengewicht und ich hatte am Anfang auch Angst, er würde mir mit den Medis vom Fleisch fallen. Ist zum Glück nicht der Fall :-). Da wir (bis jetzt) kein Retardprodukt benutzen, isst er normal Frühstück, nimmt die Tablette, hat Mittags - nachdem die Wirkung nachgelassen hat - normal Hunger, bekommt die nächste Tablette und Abends kann er dann wieder essen. Nur die "zwischendurch"-Mahlzeiten, wie mal ein Apfel oder Stück Kuchen, sogar Eis!, die lehnt er ab, weil das noch in die Wirkzeit des Medikamentes fällt.
Warum versuchst Du es nicht einfach mal? Wenn Du merkst, dass sie stark an Gewicht verliert, kannst Du ja absetzen. Ich finde, einen Versuch ist es allemal Wert, wenn man bedenkt, wie sehr sich ihre Situation eventuell verbessern könnte.
Ich wünsch Dir viel Glück, Protea

von Protea - am 15.10.2007 21:47
Hallo Conny

Meine kann naschen usw, aber sie nimmt einfach nicht zu. Bei ihr ist es so, dass ich extra nur für sie das koche, was sie gern ist, sie darf auch abends und zwischendurch immer wieder.
Aber wir haben das Problem von klein auf, sie will einfach nicht zu nehmen.
Ist schon komisch bei den Hosen kaufen, sie hat zwar lange Beine, aber oben sind sie dann zu weit.

Werd ich mich wohl doch durchringen müssen und mir wieder einen Termin bei der Kipsy holen, bisher hat es ja einigermaßen funktioniert, aber ich merke, dass sie leidet, schon wegen ihrem Bruder und da Sie ja sowieso nah am Wasser gebaut ist und deshalb schon sehr viel gemobbt wurde, muss ich was tun...

Und wenn es nur mit Medis funktioniert, muss es wohl sein.

LG Nicole

von Nicole Z. - am 16.10.2007 06:27
Hallo Nicole.
Ich bin zwar hier noch nicht so oft zu Wort gekommen, aber mein Sohn (8) hat eine Zeit lang auch nur morgens Medikinet (kein Retard) bekommen. Für die Schule. Morgens hat auch er normal gefrühstückt (wegen der Tabl.), Mittags hatte er noch keinen Hunger, aber am frühen Nachmittag wo die Wirkung vorbei war hatte er auch wieder normalen Hunger.
Also, wenn Du ihr dann nur morgens eine Tabl. für die Schule gibst, kommt der Hunger schon wieder.
Mein Sohn bekommt jetzt morgens eine Retard 20mg und mittags eine Retard 10mg und hat am späten Nachmittag sogar schon wieder großen Hunger.

Viele liebe Grüße
Katja

von Mareksmama - am 16.10.2007 06:29
Hallo Agnes

Ergo hatte meine Große schon, da ging es haupsächlich um die Konzentration und dann um ihr Selbstwertgefühl, war eine Art Gruppentherapie damals.

Diese hatte ihr damals geholfen, es wurde da auch festgestellt, dass sie nicht soviel Kraft hat.
Leider haben wir nach dem 3. rezept keins mehr bekommen, obwohl ich so gehofft hatte, es geht weiter.

Muss nochmal nachfragen.

LG Nicole

von Nicole Z. - am 16.10.2007 06:29
leider kann dir niemand die entscheidung abnehmen ob deine tochter medis nehmen soll oder nicht.
DU kennst dein kind...du weist was geht...kein aussenstehender weis das.
ich kann dir nur sagen wie ich es gemacht hab..meinem sohn ging es ähnlich wie deinem kind
er ist auch so ein fliegengewicht.
ich hab es erst 2 jahre ohne medikation versucht und dann doch eingewilligt weil ich mir nichtmehr ansehen konnte wie er mehr und mehr aussenseiter wurde und traurig war das keiner ihn mag.
wir haben uns gemeinsam mit kinderarzt und ergo auf ein NICHT retardieres medikament geeinigt.dann einen plan erstellt wielange genau die medis jeweils wirken und danach das essen gerichtet.in der schule dann haben wir es so angepasst das die nächste medigabe immer am ende der großen pause war..so hatte er in der pause auch hunger.
man muss immer die zweiten zwischen den medigaben zum essen nutzen...und klar am morgen VOR den ersten tabletten essen lassen.
abends dann warmes essen..schöööön reichhaltig.
so kann man das gewicht gut auffangen.

von matata - am 16.10.2007 09:11
Hallo Nicole,

kann mich nur anschließen, da wir alle die Situation mit Deiner Tochter nicht so einschätzen können, denke ich, musst Du da Dein Bauchgefühl entscheiden lassen.

Was sagt denn die Lehrerin dazu? Wie sieht sie die Lage?Wie sehr leidet Deine Tochter? Sind alles so Fragen, die musst Du mit Dir abklären - und dann mit der Ärztin/Therapeutin.

Aber wenn ich sehen würde, sie leidet extrem darunter, dann würde ich es wohl versuchen.

Ich weiß, ich hab leicht reden, weil wir das Problem andersherum haben - unserer ja eher der gute Esser ist.

Aber auch wir hatten Anfangs das Problem, oder hätten es noch, aber man lernt mit der Zeit das umzustellen.

Ich richte mich nun mehr auf ihn ein. Wenn er keinen Hunger hat, wenn wir essen, weil die Medis da grade noch so wirken, dann darf er später essen.

Früher gab ich ihm die Tabl. gleich nach dem Aufstehen, damit sie nur ja gleich in der Schule wirkt. Nun muss er halt paar Min. früher aufstehen - gleich frühstücken, dann erst Tablette.
Und in der Pause soll er auch erst seine Brotzeit essen - danach die Tablette. Mittags das gleiche. Und Abendessen ist weniger das Problem, wenn er da wirklich nichts mag - auch o.k., oft holt er sich dann nur noch einen Joghurt oder einen Apfel. Bei ihm kein Problem - er fällt ja nicht gleich vom Fleisch.

Aber Nicole, man lernt mit der Zeit sich da genau auf die Bedürfnisse des Kindes einzustellen.

Und es ist ja nicht so, dass Du dann, falls es echt nicht geht - sie extrem zusätzlich abnehmen würde, das Medikament nicht auch wieder absetzen könntest.

Wenn ihr erst mal mit einem nicht retadierten - was ja in der Regel eh so gemacht wird - anfängt, sowieso langsam einschleicht, dann siehst Du ja, wie sie reagiert.

LG Rita

von Miss Piggy - am 16.10.2007 09:38
Hallo Nicole,

so wie Deiner Tochter ging es mir früher auch. Ich konnte essen, was ich wollte und soviel ich wollte. Ich nahm nicht zu. Das hielt bis zur 1. Schw.schaft an, da war ich Mitte 20. Ich mußte mir als Kind immer anhören, du mußt mehr essen, bei dir kann man ja die Rippen zählen. War auch zur Kur, um mich aufzupäppeln. Brachte aber alles nichts.

Heute ist bei mir leider das ganze Gegenteil der Fall. Wenn ich manche Sachen nur anschaue, nehme ich schon zu. Heute kämpfe ich gewaltig mit Übergewicht.

Mach Dir da mal keine Sorgen, lieber etwas dünner als zu dick.

Liebe Grüße, Conny S.



von Rosenfan - am 16.10.2007 17:11
Hallo Nicole,

unser Sohn war auch immer so ein Spargeltarzan, aber es war vor den Medis nicht anders als danach. Er bekommt seit 7 Jahren Medikamente, wächst altersgerecht, ist immer noch auf der ca. 6% Linie beim BMI (also 94% der Kinder seiner Altersklasse haben einen höheren BMI...), aber es geht ihm gut dabei, auch schulisch war es das einzig richtige.

Wenn die Kinder so leiden, und so deutlich mitkriegen, was sie eigentlich können müssten (und fühlen, dass es vielleicht auch ginge) und dem, was sie wirklich schaffen, und das Selbstwertgefühl im Keller ist, dann sind nach meiner Erfahrung Medikamente die einzig wirklich funktionierende Lösung.

Mit Hilfe der Medikament (und begleitender Therapien) schaffen es die Kinder dann endlich, das wozu sie fähig sind auch zu verwirklichen. Sie können diesem ewigen Teufelskreis aus Misserfolg und sinkender Hoffnung entkommen.

Viel Erfolg und alles Gute für deine Entscheidung,

Marianne

von Marylou - am 17.10.2007 14:19
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