Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
7
Erster Beitrag:
vor 8 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 8 Jahren, 8 Monaten
Beteiligte Autoren:
Meli78, Sternchen*, silkesluka, Zeusi, Agnes69

Kann mir jemand die Angst vor den Medikamenten nehem :-( ?

Startbeitrag von Meli78 am 16.10.2009 13:06


Hallo,

ich habe ja schon mehrmals über meinen Sohn gebrichtet.

Heute waren wir bei der Kinderpsyhologin um mit ihr über die Probleme in der Schule zu berichten. Er steht im Unterricht auf und fällt auch durch Zwischenrufe auf. Er geht erst seit August in die Schule und es ist bereits sehr problematisch.
Zu Hause ist er im Gegensatz dazu völlig normal.

Die Ärztin meinte, es gibt ADHS Kinder die zu Hause wie ausgewechselt sind. Da hätten sie die Ruhe und wäre nicht so überreizt. Sie teste ihn im November ein zweites mal. Das erste mal wurde er mit knapp 5 Jahren getestet und der Test war negativ.
Nach unseren aktuellen Erzählungen vermutet sie, er könnte warscheinlich doch eine leichte Form von ADHS haben.

Ich habe eine riesengroße Angst vor den Medikamenten. Sie hat uns bereits angekündigt, falls der Test positiv ist, das er welche bekommt.
Ich kenne mich mit Ritalin usw. nicht aus. Bitte verzeiht mir meine naiven Fragen.
Machen diese Medikamente abhängig? Muß er sie dann ein Leben lang nehmen oder besteht die Möglichkeit das er irgendwann ohne auskommt? Steigt dadurch das Suchtrisiko für andere Dinge?

Ich wäre über eine Antwort sehr erfreut.


Danke


LG,Meli

Antworten:

Hallo Meli!

Ich möchte Dich einwenig beruhigen,mein Sohn hat bis zu seinem 18.Lebensjahr Ritalin(versch.Formen) bekommen.
Er ist NICHT abhängig geworden und ist kern gesund,trotz Herzklappenfehlers.

Meine Erfahrung hat gezeigt,daß das Suchtrisiko GRÖSSER ist,wenn man unbehandelt bleibt,es beugt also vor.
Das aber fast alle irgendwann mal Suchtmittel ausprobieren(dazu gehörte auch unserer),daß kann man nicht verhindern,aber bei uns WARS auch nur mal probieren. Und ich habe dann gleich reagiert.

Jetzt wo er fast 20J.alt ist,bin ich nicht ganz so zufrieden mit ihm,da er keine Ritas mehr nimmt,kommt auch schon mal Alkohol ins Spiel,was ich überhaupt nicht gut finde,aber da arbeitet er dran.

Ich denke,es ist auch wichtig,daß dem Kind gut geholfen wird,damit es aus der negativen Phase rauskommt,ich bin froh,daß ich meinem damals die Chance gegeben habe,wer weiß,was sonst aus ihm geworden wäre.

Gute Hilfen für uns waren noch:
Verhaltenstherapie in der Ritazeit,Familienreha und Familienhelfer/Erziehungsbeistand.

Achso,wenn dein Kind dann Ritas bekommt,muß es 1/2Jährlich zur Blutuntersuchung als Kontrolle.Bei uns war immer alles ok.

Er hat immer wenig oder nur seine Lieblingsspeisen gegessen,aber heute isser wie ein Schrank,breite Schultern langer Kerl,lange Latschen gr.46 lach.Noch Fragen?

Wie er damit klar kommt,wenn er älter ist,kann man heute noch nicht sagen,wenn ich mein Sohn wäre,würde ich sie wieder nehmen,aber nicht mehr soviel wie früher,da er auch nicht mehr groß wächst.
Manche brauchen etwas mehr,weil sie es so schnell verstoffwechseln,daß muß man dann sehen.

Was zur Abhängigkeit:
Mein Göga war mal 13J.Betrieblicher Suchtkrankenhelfer und wir haben uns damit befaßt,daß unsere Kinder(vorrausgesetzt ADHS wurde diagnostiziert)
nicht davon abhängig werden,daß kann man schon daran sehen,daß sie nicht förmlich,wie z.b.ein Drogenabhängiger danach suchen.
Also,hätte ich sie ihm nicht immer gegeben,hätte er es vergessen.

Und gerade weil mein Göga damit zutun hatte,haben wir es uns nicht einfach gemacht,aber als Gegenargument nimmt man einem Diabetiker auch nciht das Insulin weg bzw.dem der schlecht sieht die Brille ect.

Ich hoffe,ich habe dich ein bißchen beruhigt.

Liebe Grüße von Sternchen*

von Sternchen* - am 16.10.2009 13:52
Liebe Meli,

auch ich kann Dir die Angst vor den Medis nehmen. Ich gehöre auch zu denen, die sehr sehr skeptisch dem Zeug gegenüber standen. ABER: es gibt kein besseres Mittel. Das müssen wir immer wieder feststellen.

Bedauerlicherweise haben wir den Fehler gemacht und haben die Medis in den Ferien abgesetzt - das soll man schonmal tun, um zu gucken, wie es ohne ist. In den Ferien funktionierte es ganz gut und so haben wir zum Schulbeginn nicht wieder angefangen. Der Schuss ging leider nach hinten los. Nach gut 4 Wochen war das Chaos perfekt und es hagelte nur noch Beschwerden, Ausgrenzungen, Suspendierung vom Unterricht etc.

Nun haben wir über die Herbstferien keine Pause gemacht und ab Montag werden wir ihn wieder hochdosieren. Wir können dann nur hoffen, dass wieder Ruhe einkehrt.

Einen Familienhelfer haben wir jetzt auch bekommen und in absehbarer Zeit wird unser Sohn nachmittags in eine heilpädagogische Gruppe gehen. Diese Dinge sind einfach erforderlich, wenn man ein solches Kind hat. Man kann die psychologische Kleinarbeit als Eltern nicht erbringen. Wir sind froh, dass wir nun endlich nach 2 Jahren diese Maßnahme über das JA bekommen haben.

Ansonsten kann ich mich nur Sternchen anschließen. Sucht - nö! Ein Absetzen ist immer möglich, weil die Medis keinen Spiegel hinterlassen. Aber man sollte ein kurzzeitiges Absetzen z.B. über WE vermeiden. Obwohl hier im Forum einige sind, die das tun und gut damit klar kommen. Das muss jeder für sich ausprobieren.

So, nun hoffe ich, dass ich Dich ein wenig beruhigen konnte.

Zeusi

von Zeusi - am 16.10.2009 14:32
Liebe Meli!

Schau mal hier:

[de.wikipedia.org]

Ich weiß, dass Wikipedia nicht den Anspruch erheben kann, dass alles, was darin steht, hundertprozentig wissenschaftlich fundierte Tatsachen sind. Es kann ja, soviel ich weiß, jeder mitschreiben.
Aber andererseits lesen es auch sehr viele, die Falschaussagen ihrerseits korrigieren können. So kommt - denke ich - am Ende ein ganz brauchbares Bild heraus.

Folgender Absatz aus dem oben verlinkten Artikel deckt sich jedenfalls mit allen vernünftigen Aussagen, die ich zu diesem Thema gehört habe, und mit unzähligen Erfahrungen der Betroffenen:

Abhängigkeitsgefahr

Methylphenidat wird seit Jahrzehnten in der Therapie von ADHS verwendet. Bei fachgerechter medikamentöser Therapie von ADHS mittels Methylphenidat konnte bisher kein Fall von Abhängigkeit festgestellt werden. Das plötzliche (eigenmächtige) Absetzen von Methylphenidat sollte jedoch unterlassen werden, da dies unter Umständen zu so genannten Absetzerscheinungen wie etwa verstärkter Hyperaktivität, Gereiztheit oder depressiver Verstimmung führen kann. Vor allem nach einer langfristigen und hochdosierten Behandlung sollte Methylphenidat daher nach ärztlicher Anweisung ausschleichend dosiert werden.

Studien zeigen, dass der Einsatz von Stimulanzien wie Ritalin die Suchtgefahr bei AD(H)S-Kindern senkt.

Bei ADHS-Betroffenen wird teilweise eine generell erhöhte Suchtneigung angenommen. Ursächlich hierfür ist jedoch nicht die Behandlung mittels Methylphenidat, sondern der gestörte Dopaminhaushalt. Die Betroffenen versuchten, sich mittels Nikotin und anderer Drogen, die sich auf den Dopaminhaushalt auswirken, selbst zu behandeln.


Ich finde, das bringt's auf den Punkt.

Was das spätere Auskommen ohne Medikamente betrifft - unser ADS-Coach (sie wurde erst als Erwachsene diagnostiziert) hat es nach sieben Jahren geschafft. Jetzt muss sie nur noch was nehmen, wenn die Anforderungen besonders groß sind (lange Seminar-Tage, Großfamilien-Treffen,...)

Ihr Gehirn, sagt sie, hat in den letzten sieben Jahren mit Hilfe der Medis die "Daten-Autobahnen" bauen können, die sie für ihre alltäglichen Bedürfnisse braucht, was in ihrer Jugend ohne die medikamentöse Hilfe nicht möglich war.

Noch etwas:
Du wirst mit Sicherheit immer wieder auf Aussagen stoßen, in denen behauptet wird, dass Methylphenidat sehr wohl abhängig macht.
Lass Dich davon bitte nicht erschrecken und schau Dir genau an, wer das ist, der das schreibt. Meistens wird gleichzeitig für irgendein Wundermittelchen geworben, oder derjenige ist selbst schlecht informiert und plappert nur was nach.
Sogar Scientology hat Interesse daran, die Medikamente zu verleumden.
Also nur nicht irre machen lassen!

Ich wünsche Dir und Deinem Junior alles Gute!

Liebe Grüße!

Agnes



von Agnes69 - am 16.10.2009 15:18
Hallo nochmal!

Stimmt Zeusi.
Wir hatten es damals auch öfters probiert am WE die Ritas weg zu lassen,aber jedes Mal war es ein Neuanfang für unseren Sohn und ein Qual für alle.
Wir hatten dann am WE reduziert,daß ging dann so gerade.

Gratulation und viel erfolg mit dem FH.

Gruß von Sternchen*

von Sternchen* - am 16.10.2009 15:20

Danke.....


Hallo und danke,

ich danke euch für eure Antworten. Ich bin jetzt wirklich viel beruhigter.

Ich werde versuchen positiv damit umzugehen falls es dazu kommt.

Ich freue mich momentan sehr darüber das endlich etwas passiert und wir warscheinlich im Dezember schon Gewissheit haben was mit ihm los ist. Diese Ungewissheit ist wirklich unerträglich. Jetzt kann es nur besser werden.
Ich würde mich so sehr freuen wenn er endlich nicht mehr so viele negative Erfahrungen machen müßte und einfach Kind sein dürfte.


Viele liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
Meli

von Meli78 - am 16.10.2009 17:31
Hallo

Ich hatte vor 3 Monaten genau das gleiche Problem wie Du!!
Unser Großer bekommt erst seit etwa 3 Monaten die Medis.

Nochmals vielen Dank an alle hier, für Euren Zuspruch!!!

Ich hatte Angst und habe mir Vorwürfe gemacht, weil ich immer das Gefühl hatte, einfach nicht alles ausprobiert zu haben, obwohl wir wirklich alles durch hatten. (wie wahrscheinlich alle hier)

Richtig "sicher", das es die richtige Entscheidung war, bin ich, seit wir diese großartigen Erfolge hatten.

Viele Grüße,
Silke





von silkesluka - am 17.10.2009 13:03
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.