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ADHS ADS Selbsthilfe
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vor 2 Wochen, 1 Tag
Letzter Beitrag:
vor 4 Tagen, 2 Stunden
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Dagmar D., QueenF

ADHS bei Kleinkind?

Startbeitrag von QueenF am 02.01.2018 18:37

Hallo, ich schreibe aufgrund eines Verdachtes.

Mein Kleiner wurde im 7. Monat (SSW 30+0) per Kaiserschnitt auf die Welt geholt, da er zu klein und leicht war, nur 995 Gramm schwer. Er war 2 Monate auf der Frühchenstation, bis auf einen Leistenbruch inkl. OP war aber alles ok soweit.

Er war ein sehr unruhiges Baby, hat sehr viel geschrien und geweint und war nur - wenn überhaupt - im Tragetuch ruhig. Den Kinderwagen haben wir so gut wie nie verwendet, da er darin nur geweint hat. Wir waren mit ihm direkt im SPZ angebunden, weil man uns dies auf der Frühchenstation empfohlen hat, da dort alle Kinder mit einem Geburtsgewicht unter 1500 Gramm angebunden würden. Im SPZ meinte die Ärztin, er könne sich schlecht regulieren und ginge schon in Richtung Schreibaby. Ich fand die Diagnose damals aber nicht gut, da sie ihn dort ja nur ganz selten für eine kurze Untersuchung sehen und er dabei ja mit diversen Vojta-Griffen durch die Luft geschleudert wurde. Für mich war es kein Wunder, dass er schrie wie am Spieß. Ich wusste, dass er sehr viel weint, aber für mich war das irgendwo für ein Baby - gerade eine Frühchen - auch normal. Auch dass er so extrem viel Nähe im Tragetuch braucht, hat mich nicht weiter beunruhigt. Vom SPZ aus hat er nur Physiotherapie gemacht (wir haben uns für Bobath entschieden, obwohl man Votja empfiehl, da er eh immer schon die meiste Zeit schrie und ich Bobath nur noch mehr belastend fand).

Er ist ein extrem anhängliches Kind und wir haben es bereits mit Kinderkrippe versucht im August 2017 (da war er korrigiert 13 Monate). Er hat fürchterlich geschrien und die Methoden des Erziehers waren unmöglich und er selbst mir auch mega unsympathisch, sodass ich ihn wieder abgemeldet habe dort. Es war ja Sommer und ich bin immer mit ihm raus und auch öfters ins Freibad. Unruhig war er immer und auch direkt trotzig, wenn es nicht so lief, wie er wollte. Ich hatte das Gefühl, dass bei ihm die Trotzphase bereits mit 11 Monaten begonnen hat. Ich dachte jedoch, dass es daran liegt, dass er noch nicht selbstständig laufen konnte und es ihn frustriert. Wie vor jedem Entwicklungsschritt dachten wir, dass es besser wird und er sich auch mal selbst beschäftigen kann, sobald der nächste Schritt erreicht ist. Er konnte dann mit 18 Monaten (korrigiert 16 Monaten) selbstständig ohne Hilfe laufen. Er ist dadurch aber nicht unabhängiger oder selbstständiger geworden. Ich weiß, er ist natürlich noch sehr klein (jetzt ist er 20 Monate alt), aber er spielt wirklich absolut nie mit seinem Spielzeug auch nur einen kurzen Moment alleine. Er bekommt immer sofort wegen jeder Kleinigkeit Wutanfälle und ist extrem unruhig. Ein Buch kann man sich auch nicht in Ruhe mit ihm anschauen, geschweige denn etwas vorlesen. Er kann sich einfach nicht darauf konzentrieren und blättert wild durch die Seiten. Er liebt aber Musik und tanzt direkt, sobald welche ertönt. Ansonsten hängt er aber wirklich nur an mir dran. Er will ständig getragen werden, schreit viel rum und dann ständig diese Tobsuchtsanfälle, wenn es nicht nach ihm geht. Sie kommen immer wie aus heiterem Himmel und niemand weiß, was überhaupt Sache ist. Er ist dann eigentlich nicht zu beruhigen, lässt überhaupt nicht mit sich reden. Er rennt wie wildgeworden los und man muss ständig aufpassen, dass er sich nicht verletzt. Er ist so extrem anstrengend. Natürlich sind das alle Kleinkinder, aber wenn ich ihn in Gegensatz zu den anderen Kleinkinder sehe, merke ich, dass er extrem ist und mache mir ernsthaft Sorgen, dass etwas nicht mit ihm stimmt. Wir haben ihm nun auch ein BobbyCar geschenkt, er kann nicht damit fahren und ist direkt frustiert und steigt ab oder wütet rum. Man kann es ihm ständig zeigen, es bringt nichts.

Er quengelt den kompletten Tag rum und man kann nie etwas kurz ungestört machen. Wenn ich z.B. Schriftkram am PC erledigen muss, kommt er ständig quengelnd an, will an die Tastatur und Maus. Will ich kurz am Handy eine Nachricht beantworten, reißt er es mir aus der Hand. Man kann ungelogen nicht mal kurz eine WhatsApp-Nachricht beantworten (und ich bekomme nicht den ganzen Tag welche). Er will immer genau das haben, was man in dem Moment hat. Er spielt nicht mit seinem Spielzeug, stattdessen quengelt er in einer Tour. Ich kann und will aber nicht den kompletten Tag mit ihm spielen, sondern auch mal kurz Ruhe bzw. muss ich auch den Haushalt erledigen oder mal was kochen. Wenn ich dusche, wartet er im Bad auf mich (mache dann immer Radio an, da er ja gerne Musik hört und tanzt), da quengelt er zum Glück nicht ganz so extrem (außer wenn ich wieder raus aus der Dusche bin).

Andere Kinder in dem Alter spielen doch auch mal kurz alleine, oder? Wir haben hier auch leider keine Großeltern oder sonstigen Verwandten, die mal für Entlastung sorgen könnten.

Ich finde ihn echt nur noch unglaublich anstrengend und belastend, obwohl ich ihn natürlich über alles liebe. Ich kann mir mein Leben ohne meinen Kleinen nicht vorstellen, aber ich hätte gerne mal einen Tag Ruhe. Er war noch nicht einen Tag seit Geburt ohne seine Eltern. Babysitter geht ja auch nicht, da er wirklich wie am Spieß schreit, sobald ich nicht mehr in Sichtweite bin. Bin echt gespannt, wie es mit der Krippe klappen soll. Wir sollen bald einen Krippenplatz haben, in einer anderen Krippe. Ich hoffe, die Eingewöhnung klappt und dass er einfach nur mehr Auslastung benötigt und sich alles normalisiert.

Sind das schon Anzeichen für ADHS? Also dass er sich nicht alleine beschäftigen kann, ständig in ohrenbetäubender Lautstärke schreit und Wutanfälle bekommt, eine niedrige bis gar keine Frustationsgrenze hat etc? Mir macht es echt Gedanken... Mit 2 wird er ins SPZ eingeladen, ich werde es da auch mal ansprechen. Oder sollte ich es schon vorher? Sind ja noch 4 Monate. Kann man ADHS bei Kleinkindern überhaupt schon diagnostizieren?

Sorry, ich weiß, ich habe viel geschrieben, aber es ist einfach alles zu viel momentan... Danke schon mal für Antworten und euch allen ein gesundes und frohes neues Jahr.

Antworten:

Hallo,

ich sende dir erst mal ein dickes Kraftpaket.

Was du beschreibst, erinnert mich sehr an meinen Ältesten. Auch er war nur im Tragetuch zu beruhigen und konnte sich nicht alleine beruhigen. Das ist sehr anstrengend.

Lässt sich dein Sohn noch mittags hinlegen? Evtl. mit etwas ruhiger Musik? So hättet ihr beide eine Zeit zum Durchschnaufen.

Du beschreibst deinen Sohn als sehr trotzig, es liest sich fast so, als würde er in einzelnen Situationen die Oberhand haben und du bist gezwungen ihm nachzugeben. Falls ich das richtig lese, wäre das für seine weitere Entwicklung nicht förderlich, denn er ist darauf angewiesen, dass du ihm Grenzen setzt, diese durchhälst und ihn so in seiner Gesundheit schützt.

Deshalb würde ich dir empfehlen an einem Elterntraining teilzunehmen. Das Triple-P-Elterntraining richtet sich an Eltern solch kleiner Kinder und ist gut anzuwenden.

Eine ADHS-Diagnose ist in dem Alter noch nicht möglich. Aber wenn ich das richtig verstanden habe, gibt es noch weitere Therapieoptionen aus der Tatsche heraus, dass er ein Schreikind war. Da könntest du noch mal drauf zurückgreifen.

Gibt es einen Vater? Da es keine Großeltern in der Nähe gibt, müsst ihr beide euch abwechseln in der Betreuung, d.h. wenn der Vater nach hause kommt, übernimmt er den Kleinen mal oder auch am WE. Einer von euch beiden verlässt dann die Wohnung, entweder du und der Papa bleibt mit Sohn zu Hause oder die beiden gehen zusammen zum Spielplatz/ins Schwimmbad/ etc. und du bleibst zu Hause. Auch wenn dein Sohn sich nicht von dir lösen will. Erstens brauchst du mal die Ruhe und zweitens ist das schon ein Punkt, an dem dein Sohn lernen kann, dass es nicht immer nach seinem Willen geht.

In diesen Situationen kannst du dann auch deine Arbeiten an den elektronischen Medien erledigen. Dann hast du Ruhe dazu.

Im SPZ kannst du ja mal anrufen und eure Situation schildern. Dann bekommst du eine Beratung, ob der Termin vorgezogen werden sollte oder ob es bei der Einladung rund um den 2. Geburtstag bleibt.

von Dagmar D. - am 14.01.2018 11:51
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