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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
36
Erster Beitrag:
vor 13 Jahren, 1 Monat
Letzter Beitrag:
vor 13 Jahren, 1 Monat
Beteiligte Autoren:
Hans-Reinhard Schmidt, addi, Friedo, Rike, Dagmar, Jürgen, anne05, Bernhard, Hilde, mami-maus, ... und 6 weitere

Und nu?... Geht's weiter

Startbeitrag von Rike am 22.06.2001 09:17

Hallo zusammen,
ich hatte ja erzählt, dass mein Sohn jetzt die Diagnose hat und uns sein Arzt zu Ritalin direkt bei Schulbeginn geraten hat, was uns erst mal total geschockt hatte. Letzte Woche wurden in der Schule die Lehrer für die ersten Klassen vorgestellt, was uns noch mehr schockiert hat. Lukas bekommt wahrscheinlich den Konrektor, der besonders durch seine kollerischen Anfälle auffällt. Lukas kennt ihn schon (ist ja schon in der Vorschulklasse der Schule) und hat ziemliche Angst vor ihm.
Nach viel Grübelei haben wir uns zu folgendem entschlossen:
Wir warten die ersten 4-6 Wochen ab, und sprechen dann mit dem Lehrer über seine Einschätzung. Wir wollen ihn dann gleichzeitig über Lukas ADS informieren.
Je nachdem wie seine Einschätzung ausfällt und wie er zu ADS steht, werden wir Lukas dann in den Herbstferien evtl. auf Ritalin einstellen.
Gleichzeitig suchen wir für Lukas (und uns) einen Therapieplatz und fangen jetzt ganz gezielt mit der Umsetzung der Methoden von Döpner (Wackelpeter und Trotzkopf) an.
Und weil sich das alles soooo schön anhört, aber gar nicht so leicht ist, habe ich ein paar Fragen an Euch:
Wenn der Lehrer Lukas noch nicht kennt, sollte man ihn dann direkt informieren, oder ihn sich erst mal selbst eine Meinung über Lukas bilden lassen?
Wie finden wir einen Therapeuten? (SHG habe ich im Raum Düsseldorf noch nicht gefunden und der Schulpsychologische Dienst kann mir auch nicht weiterhelfen)
Und als letztes: Hat einer schon nach dem Buch von Döpner gearbeitet und welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Vielleicht hat ja noch einer von Euch vor damit zu beginnen, dann könnte man sich ja gegenseitig ein bischen unterstützen.
So ihr Lieben, ich hoffe, ich habe Euch mit dieser geballten Ladung nicht zu sehr genervt (sonst bin ich hier ja eher 'ne Stille).
Ich würde mich riesig freuen, wenn Ihr ein paar Tips habt!!!
Liebe Grüße, Rike
Antworten:

Re: Schule informieren?

Hallo,

So wie du den Lehrer beschreibst, tut mir dein Sohn leid.

Unserer Erfahrung nach ist eine Information der Schule oder des Lehrers in der Regel nicht empfehlenswert. Bei dem beschriebenden Lehrer würde ich es sogar deutlicher sagen: "Um gottes Willen: Halt den Mund!!!!"

Zum Thema: Warten mit der Einnahme von Retalin:
Mein Sohn hat es erst imn 2.ten Halbjahr begonnen. Es hat 2 Jahre gedauert bis der 1.te Eindruck der Lehrerschaft vergessen wurde. Tue das deinem Kind bitte nicht an! Ich würde besser empfehlen sofort anzufangen. In den nächsten Wochen kann dein Sohn den eingestellt werden und sich daran gewöhnen

Gruß Jürgen

von Jürgen - am 22.06.2001 10:01
Hallo Rike,

ich würde mir diese Entschidung noch mal genau überlegen.

Unser Sohn ist in der ersten Klasse. Er bekommt seit Weihnachenten Ritalin. In den ersten Monaten hat er schon jede Menge schlechte Erfahrungen gesammelt: Er störte andere Kinder, war so unruhig, dass er allein sitzen musste und kam auch im Unterricht nicht mit. Sofort nach Weihnachten verschwand ein großer Teil dieser Probleme. Vielleicht kannst du deinem Kind die Erfahrung ersparen, erst einmal menschlich und in bezug auf Leistungen völlig zu versagen.

Es ist nicht immer gut, den Lehrer über das ADS zuinformieren. Bei uns weiß die Klassenlehrerin Bescheid, sonst niemand. Es ist natürlich wertvoll, wenn du mit dem Lehrer über die besonderen Bedürfnisse dieser Kinder reden kannst. Es ist auch nicht schlecht, wenn er dich darauf hinweist, dass die Dosis in der Schule nicht mehr stimmt.
Es gibt aber auch Lehrer, die ADS generell für Unfug halten. Die wenigsten davon lassen sich eines Besseren belehren. Andere sind ganz besonders „aufgeklärt“ und halten nun jede Lappalie für ein untrügliches ADS-Symptom. Jedes andere Problem existiert nicht mehr. Ich habe gegenüber einer solchen Dame (für uns nur Musiklehrerin) sogar mal abgestritten, dass mein Kind ADS hat. Die Klassenlehrerin von Max ist sehr engagiert und hat sich sogar schlau gemacht. Das ist wunderbar, aber in ihrem Eifer dem Kind Struktur zu geben, kontrolliert und reglementiert sie ihn viel mehr als die anderen Kinder. Es sei einmal dahingestellt, ob er das wirklich braucht, aber es gefällt ihm verständlicherweise nicht sonderlich. Es entspricht zwar den Vorschlägen der gängigen Bücher, ein ADS-Kind nach vorne und neben ein sehr ruhiges, intelligentes und ordentliches Kind zu setzen, aber Max hat sich neben diesem Jungen oft auch verdammt klein gefühlt und der andere Kleine war auch oft entsprechend überheblich. Außerdem sind im Grundschulalter oft Kinder aus alternativen Glaubensgemeinschaften besonders ruhig und ordentlich, weil sie an langes Ruhigsitzen und rigorose Strukturen gewöhnt sind. Bei diesen Kindern führt das zu Konflikten.

Wenn ich diese Entscheidung noch einmal treffen müsste, würde ich jetzt mit der Einstellung beginnen, das Kind mit Ritalin in die Schule schicken, aber erst dann mit dem Lehrer sprechen, wenn ich ihn etwas kenne. Wenn du Glück hast, fällt dein Sohn gar nicht besonders auf und sämtliche Sonderbehandlungen inklusive der gut gemeinten, entfallen.

von Mimi - am 22.06.2001 12:02
Hallo Rike,
ich kann dir auch aus eigenen, noch sehr aktuellen Erfahrungen berichten, wir haben das Ganze im letzten Jahr durchexerziert. Ich war Ritalin gegenüber bis zur Einschulung sehr zögerlich eingestellt und habe das Kind ohne Medis in die erste Klasse geschickt. Ich habe auch niemandem in der Schule irgend etwas gesagt. Am dritten Tag hat die Lehrerin mich schon das erste Mal beiseite genommen, und danach riss der Ärger nicht mehr ab. Ich war dann gezwungen, ihr zu sagen, dass er ADS hat - sie hat ihn nämlich total abgelehnt. Nach ca. 6 Wochen (ich war schon verzweifelt) habe ich mir dann das Ritalin-Rezept besorgt. Danach ging es wesentlich besser. Zu Beginn des 2. Halbjahres hat er dann noch die Klasse gewechselt (ist wegen Unterforderung in die zweite Klasse gesprungen) und hat eine junge, aufgeschlossene Lehrerin bekommen, mit der ich offen sprechen kann.
Fazit meiner Überlegungen und Erfahrungen: unbedingt schon vorher mit Ritalin beginnen und hoffen, dass die Wirkung so gut ist, dass er vielleicht unauffällig ist und du gar nicht mit dem Lehrer sprechen musst. Ansonsten erst mal abwarten, wie der Lehrer sich verhält und wie er eingestellt ist. Bei uns ist es eben so, dass das Kind so massiv hyperaktiv ist, dass er trotz Ritalin noch mit Klassenregeln usw. grosse Probleme hat (wir haben gerade das Zeugnis bekommen...)

von Brigitte - am 22.06.2001 13:37
Hallo,
ich bin immer wieder erstaunt, wie sicher Sie sich jeweils sind, dass die Diagnose ADS bei Ihrem Kind überhaupt stimmt. Man kann ja angesichts der unspezifischen Diagnosekriterien von einer hohen Fehlrate in der Diagnostik ausgehen. Streng genommen dürfte man ADS eigentlich nur diagnostizieren, wenn die entsprechende Hirnstoffwechselstörung nachgewiesen wäre. Das geschieht natürlich bei Kindern meistens nirgends. Hinter der angeblich ADS-typischen Symptomatik können sich eine Vielzahl anderer Störungen versammeln, die oft nicht sorgfältig ausgeschlossen werden, bevor ADS diagnostiziert wird (z.B. Depressionen, Neurosen, eine Reihe anderer Hirnfunktionsstörungen, Autismus, affektive Störungen, Angststörungen, psychoreaktive Störungen. Bei all diesen Srörungen sind die Symptome meist gar nicht zu unterscheiden, eben auch nicht von ADS). Über die diagnostischen Kriterien für hyperkinetische Störungen besteht in der Wissenschaft keine Einigkeit. Ich fände es sehr interessant, wenn hier mal einige betroffene Eltern darstellen würden, wie die Diagnose bei ihrem Kind genau gefunden wurde. Ich behaupte schon mal vorab, dass in den meisten Fällen der psychosoziale Risikofaktor (z.B. eine gestörte Familiendynamik) nicht sorgfältig mit einbezogen wurde. Dabei ist nachgewiesen, dass sich "anlagebedingte" Störungen wie ADS mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit im Verhalten zeigen, wenn das psychosoziale Milieu nicht stimmt. Wenn es stimmt, fallen viele solche Menschen überhaupt nicht weiter unangenehm auf. Der Umstand, dass "ein Arzt" die Diagnose trifft, garantiert zunächst mal nichts. Es gibt auch leichtfertige Ärzte.
Mit Gruß, H.-R. Schmidt

von Hans-Reinhard Schmidt - am 22.06.2001 17:15

http://www.myphorum.de/forum/read.php?f=2306&i=216&t=192

[www.myphorum.de]

von Passt auch hier - am 22.06.2001 17:33
>Ich behaupte schon mal vorab, dass in den meisten Fällen der psychosoziale Risikofaktor (z.B. eine gestörte Familiendynamik) nicht sorgfältig mit einbezogen wurde.

Och ne, das ist ja schon fast komisch.

Ich und einiges an Therapeuten haben in den letzten Jahren nichts anders als meine psychosozialen Risikofaktoren beackert.

Da beschäftige ich mich doch mal zur Abwechslung lieber mit meinem Hirnstoffwechsel.

Ist auch für meine Dipl. Psych. interessant. So können wir uns manche Dinge von ganz neuer Seite ansehen und einiges beginnt sich zu lichten.

Pia (psychotherapeutisch irre ausgeforscht)

von Pia - am 22.06.2001 17:37
Hallo Rike,

es ist sehr schwer einen ramponierten Ruf wieder zu reparieren. Auch mit Medikamenten haben unsere Kinder ziemliche Schwankungen wie du hier immer wieder lesen kannst.
Wenn man also erst mal abwartet, wie das Kind sich entwickeln wird und erst eingreifen will, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, kann es kaum wieder da herauskommen. Die Verbesserung fällt -ohne Vorwissen- in das Raster: Der kann doch wenn er will. Das Kind wird dann schnell nur noch an seinem schwierigen Verhalten gemessen.

Es gab in den USA eine Studie, die in einem großen Feriencamp durchgeführt wurde. Man hat festgestellt, dass die unbehandelten ADS-Kinder schon in den ersten Wochen sowohl bei Betreuern, als auch den anderen Kindern auf Ablehnung stießen. Auch die anschließende Behandlung konnte daran nichts ändern. Der erste Eindruck zählte und war kaum umkehrbar.

Es ist eine schwere Entscheidung, die du vor dir hast. Informiere dich bei Leuten, die Erfahrung und Ahnung haben. Du wirst immer wieder auf Menschen treffen, die deine Entscheidung nicht verstehen wollen oder deren Ziel es ist, dich zu verunsichern. Je besser du informiert bist, desto sicherer wirst du in deiner Entscheidung. Die Festigkeit, die du dadurch auch auf dein Kind ausstrahlst, wird auch ihm helfen.

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 22.06.2001 17:43
Lieber Herr Schmidt,
natürlich gibt es leichtfertige Ärzte, wie es auch demotivierende Beiträge in diesem Forum gibt. Was bringt den betroffenen Familien ihre pauschalen Verdächtigungen? Mir helfen sie nicht. Seit unser Sohn aber Ritalin SR nimmt, geht es ihm besser.
Ich würde nicht erst die Herbstferien abwarten, sondern mit einer leicht ansteigenden Dosis anfangen und abwarten, was passiert. Wenn Ritalin nicht hilft, kannst du jederzeit absetzen, ohne Probleme. Das Zeug macht nicht abhängig, im Gegenteil.
Hein

von hein - am 22.06.2001 17:46
Lieber Hein,
ich will wirklich niemanden unbegründet verunsichern oder verdächtigen. So leicht können Sie meine Argumente nicht abtun, finde ich. Gehen Sie doch mal auf meine Argumente inhaltlich ein! Zu Ihrer Aussage zu Ritalin: Wenn jemand starken Liebeskummer hat und sich deshalb jeden Tag betrinken und sagen würde, nun gehe es ihm besser: Würden Sie dann auch überall Alkohol bei Liebeskummer empfehlen?
Mit Gruß, H.-R. Schmidt

von Hans-Reinhard Schmidt - am 22.06.2001 17:56

Re: Es liegt an uns...

wie es weitergehen wird :-)))

Packt das Bömbchen bruchsicher ein stellt es auf ein Schiff, das einen weiten Weg hat.

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 22.06.2001 18:01
Hallo Herr Schmidt.
Natürlich sollten wir bei der Gabe von Ritalin ect. auch die Familiensituation und Problematiken im Umfeld nicht übersehen und mit einbeziehen und natürlich auch aufarbeiten/verarbeiten. Aber das Beispiel mit dem Liebeskranken verstehe ich nicht wirklich. Ein Liebeskummerkranker Mensch, der meint die Probleme mit Alkohol lösen zukönnen, wird bestimmt nicht noch nebenbei ein VT oder sonstige
Situationsverbessernde Unternehmungen machen.Oder ?
Mit freundlichem Gruß
Addi

von addi - am 22.06.2001 18:32
Hallo Addi,
das kann ja sein, dass er daneben noch Therapien und so macht. Aber er trinkt und sagt, es gehe ihm mit Alkohol besser. Ich lese hier im Forum oft, dass es besser gehe, seit man Ritalin nehme. Und damit wird dann begründet, dass alles seine Ordnung hat. So meine ich den Vergleich.
Mit Gruß, H.-R. Schmidt

von Hans-Reinhard Schmidt - am 22.06.2001 18:38
Okay, Herr Schmidt. Beispiel verstanden.
Warum Sie so oft lesen, daß es besser geht, ist klar. In der Zeit wo das Medikament wirkt entsteht natürlich auch, in der Familie für Mutter,Vater oder eben bei der Hauptbezugsperson, eine etwas entspanntere Situation. Bevor kein Medikament im Einsatzt war/ist bestand/besteht einfach nicht die Möglichkeit
irgend etwas zu erkennen,verändern,verarbeiten, verstehen oder auch bewirken.
(Ich für meine Teil habe einfach nur geglaubt, daß ich mir einen kleinen, lieben ,süssen, liebenswerten Volltrottel heranziehe).
Positives Verzweiflungsdenken.
Erst nach der Eingabe von z.B. Ritalin entspannt sich die über vielleicht Jahre andauernde Situation soweit das viele von uns Betroffenen erst in der Lage sind Familiensituationen zu überdenken, erkennen und damit offen werden für Neues.
Deshalb finde ich es gut das es Ritalin ect.gibt. Denn erst wenn wir alle etwas
klarer und offener,unangespannter und freier denken können, erst dann können wir neue Wege erkennen um mit ADS oder ohne ADS in unseren Familien weiter zukommen.
Gruß -Addi-

von addi - am 22.06.2001 19:04
Hallo Herr Schmidt,
wir haben die Diagnose bei einem Arzt für Kinder und Jugendpsychiatrie durchführen lassen. Wir sind der Meinung, dass ein Mediziner dieser Fachrichtung fundierte Kenntnisse über alle möglichen Hirnfunktionsstörungen besitzt und aus diesem Grund haben wir uns nicht für einen Diplom Psychologen, sondern für diesen Arzt entschieden.
Mir ist durchaus bewusst, das eine solche Diagnose sehr sorgfältig durchgeführt werden muss, was mein Erachtens bei unserem Arzt geschehen ist.
Das jeder Betroffene erst mal bei sich selber schaut (siehe soziales Milieu), inwieweit sich die Problematik auch durch familiäre Belastungen entwickelt haben könnten, setzte ich voraus. Das dieses Thema auch in die Diagnostik gehört, ist wohl jedem (uns auf jeden Fall) klar.
Wir sind aber nun mal (leider?? bezüglich Ihrer Theorie) eine glückliche Familie.
Ganz davon abgesehen, halte ich es für absolut kontraproduktiv, sich an der Benennung dieser Diagnose festzubeißen.
Fakt ist: Mein Sohn hat ein großes Problem, und unabhängig davon, wie wir es nennen, brauchen wir nur eins: Hilfe!!! und Lösungen
M.f.G. U.Ulrich

von Rike - am 22.06.2001 19:10
Hallo Addi,
das kann ich gut nachfühlen, was Sie schreiben. Ich kann natürlich Ihren persönlichen Fall nicht beurteilen, will mich auch sonst nicht auf Einzelfälle in diesem Forum beziehen. Um das zu können, müsste ich natürlich jeweils viel, viel mehr wissen, aber das ist ja nicht Sinn eines Forums. Meine Kritik ist allgemein. Dass Ritalin wirkt, steht ja ausser Zweifel (Alkohol wirkt ja auch). Aber das beweisst eben zum Einen nicht die Existenz von ADS, und es heilt zum Anderen die Störung (wenn denn eine da ist) auch nicht. So wie der Alkohol beim Liebeskummer. Ich weiss selbst, dass Ritalin in wirklich sorgfältig begründeten Fällen auch eine durchaus segensreiche Wirkung haben kann. Ich gebe einfach zum Nachdenken, ob nicht sehr oft zu schnell mit der Ritalin-Wirkung argumentiert wird und dabei nicht genauer hingeguckt wird, was sonst noch vorliegen könnte. Ich kenne solche Fälle vorschneller Ritalingaben leider aus meiner eigenen Erziehungs- und Familienberatungsstelle und frage auf diesem Forum, ob hier nicht auch einige solche Fälle dabei sind. Haben Sie in dem weiter unten zu findenden Zeitungsartikel gelesen, dass man in den USA angeblich bereits 20 Prozent der Schulkinder täglich in der Schule (!) Ritalin verabreicht? Ich kann das fast nicht glauben.
Mit Gruß, H.-R. Schmidt

von Hans-Reinhard Schmidt - am 22.06.2001 19:30
Hallo zusammen,
danke für die vielen Antworten.
Aber einige haben mich glaube ich nicht ganz verstanden.
Wir sind nicht gegen die Gabe von Ritalin!!
Aber die Wochen bis zu den Herbstferien (sind in NRW nur 6) wollen wir uns Zeit lassen. Wahrscheinlich auch, um unser Gewissen etwas zu beruhigen, ich weiß es nicht?
Aber uns ist eben eine ZUSÄTZLICHE Therapiemöglichkeit auch sehr wichtig.
Und das ist ja fast unmöglich. Bei unserem zuständigen Schulpsych. Dienst ist man sich der Problematik wohl bewußt, aber , Originalton Mitarbeiter "Eine solche intensive Therapie für ADS-Kinder ist zu aufwendig".
Wenn man dann in der Literatur liest, dass der Großteil an Auffälligkeiten bei Kindern Hyperaktivität ist, dann wurde da eine Entwicklung wohl total verschlafen.
Deshalb meine Frage, ob einer von Euch einen auf ADS spezialisierten Therapeuten für Verhaltens- und/ oder Lerntherapie kennt.
Liebe Grüße, Rike

von Rike - am 22.06.2001 19:34
Herr Schmidt, vielleicht versuchen Sie sich einfach einmal sich in die Lage dieser angespannten Eltern/teile zu versetzen. (vor der Ritalingabe). Dann merken Sie doch warum so schnell eine positive Reaktion auf Ritalin kommt. Das bedeutet doch aber noch lange nicht, das wir ,,RITA'' einfach nur so geben. Wir alle haben doch damit zu kämpfen unseren Kindern Medikamtente zu geben.Wenn wir sorglose Elternteile wären, dann würden wir nicht hier sein. Aber erste nachdem sich die angespannte Situation in unserem Familienleben gelegt hat, sind wir Eltern doch erst in der Lage uns mit der Möglichkeit ,,Verhaltensauffälligkeiten (ADS....) ,, auseinander zusetzen und daraufhin zuarbeiten ohne Medikament auszukommen und sich die Frage zustellen: warum wieso,weshalb? Ob das Kind nun ADS hat oder nicht.Sei eine ganz andere Frage.
Im Übrigen kann ich es auch nicht glauben.( USA 20 %).Allerdings möchte ich Deutschland auch nicht mit der USA vergleichen. Das wäre mir etwas zuweit hergeholt.
Herr Schmidt, noch eine Frage. Was bedeutet denn Ihr Satz,, wenn denn eine da ist?
Gruß -addi-

von addi - am 22.06.2001 20:05
Hallo Addi,
damit meine ich diejenigen Kinder, die Ritalin kriegen, obwohl nicht sie selbst, sondern ein oder beide Elternteile krank sind. Ich kenne einige Familien, in denen zum Beispiel eine krankhaft nervöse (wahrscheinlich schizophrene) Mutter ganz normale Aktivitäten ihres kleinen Sohnes nicht erträgt und einen Arzt gefunden hat, der dem Kind Ritalin verschrieb.
Mit Gruß, H.-R. Schmidt

von Hans-Reinhard Schmidt - am 22.06.2001 20:12
Okay:Frage beantwortet (wenn den eine da ist?)
Aber was ist wenn die Mütter nicht nervös(ect.) sind. Haben Sie auch die anderen Zeilen in meinem letzten Text gelesen, Herr Schmidt. Warum schreiben Sie nicht dazu?
Und wieder mit Gruß -addi-

von addi - am 22.06.2001 20:32

Re: Und nu?... Vorsicht ! - nicht den Troll füttern ;-)

don´t feed the trolls - just ignore :-P
ADS Elterngruppe Hainburg


von C.Classen - am 22.06.2001 20:35
Hallo Addi,
natürlich habe ich alles gelesen und finde es auch sehr interessant, was Sie schreiben. Aber ich bitte um Verständnis, dass ich mich nicht immer wiederholen kann. Ich habe in vielen Beiträgen in diesem Forum (eine ganze Menge wurde leider gelöscht) auch dazu schon meine Ansicht erläutert. Ich kann mich natürlich auch nicht auf Ihren persönlichen Fall beziehen. Ich beziehe mich immer allgemein auf das Thema ADS, anders geht es ja in solch einem Forum für mich gar nicht.
Mit Gruß, H.-R. Schmidt

von Hans-Reinhard Schmidt - am 22.06.2001 20:41

Re: Und nu?... Geht's weiter und nimmt kein ende o.t.

:...-(((((

von mami-maus - am 22.06.2001 20:45
Herr Schmidt, sie sollen sich garnicht wiederholen (das passiert schon automatisch) Das bestimmte Sachen gelöscht wurden, wird seinen Grund gehabt haben.(Denke ich nur, weil nicht gelesen.) Weiterhin brauchen Sie auch nicht auf meinen persönlichen Fall eingehen. (Wir sind in guter Beratung).
Der letzte Satz ,den Sie geschrieben,ist interresant.,,allgemein'' .
Allgemein sollte jeder hier versuchen die verschiedenen Problematiken und Standpunkte des Anderen zu akzeptieren und seine Meinung einzubringen.Was aber nicht bedeutet alles schlecht zumachen ohne es am eigennem Leib erfahren zuhaben.Leider komme ich mit Ihren Komentaren nicht weiter.
Mit freundlichen Grüßen
-ADDI-

von addi - am 22.06.2001 21:23

Re: Und nu?... Geht's nicht weiter

Schluß mit Füttern. Man muß sonst spucken. Weil was zuviel ist zuviel. Meistens merkt man es zuspät!

von addi - am 22.06.2001 21:39

Re: Und nu?... Geht's weiter ("schwammige Diagnose")

Herr Schmidt,

Sie schrieben
"ich bin immer wieder erstaunt, wie sicher Sie sich jeweils sind, dass die Diagnose ADS bei Ihrem Kind überhaupt stimmt" (an die Eltern gerichtet)
und
"Man kann ja angesichts der unspezifischen Diagnosekriterien von einer hohen Fehlrate in der Diagnostik ausgehen." (ein Satz der an die Ärzte geht)

Und das ist genau der Knackpunkt zum Thema "unscharfe Diagnose".

Als ich vor ca. 10 Jahren zum ersten mal in unsere Selbsthilfegruppe ging, glaubte ich meinen Ohren nicht zu trauen. Ich dachte: "Das gibt es doch nicht! Die müssen einen Spion bei uns eingebaut haben, und erzählen jetzt einer nach dem anderen, was sie da bei uns so beobachten konnten." Und zwar lauter Dinge, die man zwar anderen erzählen konnte, die einem aber nie jemand glaubte.

Inzwischen habe ich von ca. 1000 Eltern die Lebensgeschichten ihrer Kinder in dieser Selbsthilfegruppe gehört. Glauben Sie mir, es ist eine Gebetsmühle. Natürlich gibt es Unterschiede, aber die charakteristischen/"verrückten" Sachen, die gleichen sich, wie ein Ei dem anderen.

Damals war mein großer Sohn 14. Mit 4 waren wir mit ihm zum ersten male in der Kinder-und-Jugendpsychiatrie gewesen, und dann alle paar Jahre wieder, mal mit dem ersten, mal mit dem zweiten Kind. Und immer gab es sehr fachlich exakte Diagnosen, von denen ich nur mal eine zitieren möchte: "...Bei der Untersuchung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie fand man auch erhebliche Störungen des Sozialverhaltens und emotionale Störungen, hervorgerufen durch intrafamiliäre Konflikte..."

Als ich einige Jahre später auf das ADS meiner Kinder stieß - inzwischen waren wir wirklich geschieden - fühlte ich mich als Vater von diesen Fachleuten schlichtweg verarscht und betrogen. (Einschub: Traurig aber wahr ...u nd wenn sie nicht gestorben sind, verarschen sie noch heute!) Jedenfall, wenn Sie jemanden in meiner damaligen Situation etwas von "unschafter Diagnose" erzählen, geht er Ihnen an den Kragen. Ist doch klar! Oder?

In der Gruppe ist es so, daß Eltern, die selbst so ein Kind haben, schon nach drei Sätzen genau wissen, wovon die anderen sprechen. Doch wer nicht so ein Kind hat - und ist er auch noch so um Verständnis bemüht - dem kann man tagelang lang etwas erzählen, und dann stellt er eine Frage, und man das Gefühl: "Der hat kein Wort verstanden." Zu letzteren gehören eben auch sehr sehr viele Kinderärzte. Und daraus ergibt sich sicherlich eine gewisse Problematik.

Wer selbst so ein Kind hat, weiß genau wie das "Fleisch" aussieht, das zu dem "Gerüst" der DSM-IV Kriterien gehört. Für 80% der Eltern ist die Diagnose extrem schaft! Denn wenn sich mal einer in die Gruppe verirrt hat (

von Friedo - am 22.06.2001 23:01

Re: Und nu?... Geht's weiter ("schwammige Diagnose")

Lieber Herr Pagel,
Ihre Darstellung kann ich gut nachfühlen. Dass es Kinder mit Verhaltensstörungen, wie Sie sie beschreiben, gibt, ist ja auch mir völlig klar. Das ist nicht der Punkt. Der Punkt für mich ist immer die Frage, was die Ursachen sind. Interessant finde ich an Ihrer Darstellung, dass bei Ihrem Kind offenbar schon recht früh innerfamiliäre Konflikte (Eheprobleme? Scheidungsmilieu?) als Ursache diagnostiziert wurden. Sie schreiben dann aber, dass sie später auf ADS gekommen seien und sich dann "verarscht" von den früheren Ärzten gefühlt hätten. Habe ich das richtig verstanden? Wenn ja, meine Frage: Wie kam es, dass Sie von der ersten Diagnose abgekommen und zu ADS gekommen sind? Das fände ich interessant.
Mit Gruß, H.-R. Schmidt

von Hans-Reinhard Schmidt - am 23.06.2001 07:52

Re: Und nu?... Geht's weiter (

Herr Schmidt

seine erste Diagnose des Großen mit 4 waren nicht Eheprobleme. Die wurden erst angeführt als er 11 und der zweite 7 waren. Mit 4 hieß es: "Eifersucht auf den neugeborenen Bruder". Und diese Art Begründungen ziehen sich 10 Jahre lang wie ein roter Faden durch die Diagnosen meiner Kinder.

Besonders heftig wurde es erst, als meine (damalige) Frau für die Probleme der Kinder angeschuldigt wurde. Denn das war ja genau auch mein damaliger Eindruck. Daß ihre "Vernachlässigungen" eigentlich ADS typisches Vergessen waren, und das Reinsteigern in ihr Hobbie eine Flucht vor der heimischen Situation (Kinder gingen nach der Schule wie Streithähne aufeinander los / abends bei mir waren sie ganz normal), das hat damals niemand diagnostiziert.

So wie ich, fand natürlich auch sie ihre Schulterklopfer, die dann Gameboy und Computerspiele als Ursache der Probleme diagnostizierten. Und so hat man uns einige Jahre aufeinander gehetzt bis wir schließlich wirklich geschieden waren, und ich Alleinerzieher meiner drei Jungen.

Erst als die Alltagsroutine der Kinder ausschließlich an mir hing, und ich die ihnen emotional am nächsten stehende Person wurde (meine Frau hatte inzwischen Angst vorm Streit der Kinder und hat fast ein ganzes Jahr lang nur noch zu dem Jüngsten gelegentlich Kontakt aufrecht erhalten), erst da merkte ich, was eigentlich all die Zeit abgegangen war.

Ja, und wie kam der plötzliche Umschwung? Mein zweiter Sohn war starker Legastheniker und ich versuchte hier in Nürnberg eine Elternselbsthilfegruppe im Bundesverband Legasthenie aufzuziehen. Da riefen mich so manche Eltern an, die vor allem von der KISS Beratungsstelle geschickt wurden. Und so kam es, daß auch mal eine Mutter eines rechenschwachen Kindes anrief. Für mich als Dipl. Mathematiker war dieses Phänomen neu und eine richtige Herausforderung. Deshalb besuchte ich diese Familie des öfteren, wobei ich auch von meinen Kindern erzählte.

Auf Anhieb sagte mir diese Frau mit Hauptschulabschluß und ohne Berufsausbildung ins Gesicht, daß meine Kinder "hyperaktiv" seien. Ich werte ab, und verulkte sie: "Meine Kinder und hyperaktiv? Die sind hyperpassiv! Denen ist doch immer langweilig, und die wollen dauernd bespielt werden." Monate später hatte ich Kontakt zu einer anderen Familie mit einem legasthenischen Kind. Und diese Mutter sagte: "Ich habe erst gedacht, er sei hyperaktiv. Da habe ich mir ein Buch geholt und gelesen, aber jetzt weiß ich, das ist es nicht."

Ich bat sie, mir dieses Buch auszuleihen, denn das rechenschwache Mädchen mit seiner Hyperaktivität interessierte mich ungemein. Sie schrieb mit ihren 9 Jahren Gedichte wie ein Goethe, hatte ein darstellerisches Talent, dagegen ist Gottschalk langweilig. Aber wenn sie gefragt wurde: "Was ist 12-5= ?", dann brach sie in Panik aus. Ich war einfach neugierig und wollte mit Hilfe dieses Buches ("Unkonzentriert" von Eichlseder) mehr über dieses phantastische Mädchen erfahren. Und? ... Ich fand dort weniger sie als meine eigenen Kinder beschrieben, alle drei - und zwar gar nicht unscharf, sondern sehr sehr exakt. Wo der Bericht über den einen endete, begann die Beschreibung des nächsten.

Gut, ganz so kraß sind die Odysseen heute, ca. 10 Jahre später, wohl nicht mehr. Ich hoffe, Sie begreifen jetzt dennoch etwas besser, warum Ihre Beiträge hier so oft bei so manchen Eltern als reiner Hohn und Spott, bzw. als unverbesserliche Besserwisserei ankommen.

Als positiv eingestellter Mensch setze ich aber auf die Lernfähigkeit gutwillig eingestellter Menschen. So macht heute bei uns eine Psychologin das THOP Programm, und arbeitet gut mit den Ritalin verschreibenden Ärzten zusammen, die noch vor 10 Jahren in Volkshochschulvorträgen zum ADS verkündete: "Das Eichlseder Buch gehöre verbrannt, denn es führe nur dazu, daß Eltern ihre Kinder unter Drogen setzten."

Und deshalb gilt für mich auch bei Ihnen: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

friedo pagel
Friedo\\\'s Hunter Homepage


von Friedo - am 23.06.2001 11:05

Re: Und nu?... Geht's weiter (

Hallo Friedo,

ich danke Dir für diesen Beitrag.

Lieber Gruß
Anne05
Eigen-Sinn - Seiten für hochbegabte Kinder mit ADS


von anne05 - am 23.06.2001 11:51

Re: Und nu?... Geht's weiter (

Lieber Friedo,
habe ich Sie richtig verstanden: Nach jahrelangen massiven innerfamiliären Be- und Erziehungsproblemen zwischen der Mutter und den Kindern haben Sie nach der Scheidung die Söhne bekommen, und später hat dann die Frau "mit Hauptschulabschluss" sowie das Buch von Eichlseder zur Diagnose ADS geführt?
Wenn das so war (aber vielleicht habe ich es falsch verstanden), kann ich nur sagen: Sic!
Mit Gruß, H.-R. Schmidt

von Hans-Reinhard Schmidt - am 23.06.2001 14:31

Re: Und nu?... Geht's weiter (

Hans-Reinhard Schmidt schrieb:
>
> Lieber Friedo,
> habe ich Sie richtig verstanden: Nach jahrelangen massiven
> innerfamiliären Be- und Erziehungsproblemen zwischen der Mutter
> und den Kindern haben Sie nach der Scheidung die Söhne
> bekommen,

Das haben Sie zum größten Teil mißverstanden (oder wollten Sie mißverstehen?)

In den ersten Jahren gab es weder Be- noch Erziehungsprobleme. Der Kinderarzt schickte uns in die Kinder- und Jugendpsychiatrie (1981) wegen regelrechter Kuriositäten: Der Große quälte mit 4 das damals 3-jährige Mädchen der Nachbarn wo er konnte. Ansonsten haben wir an ihm damals nichts auszusetzen gehabt. Der zweite Anlaß (1985) war das Einässen des zweiten und das Einkoten des großen. Der dritte Anlaß (1986) war dann der extreme Streit zwischen den beiden großen, zu einer Zeit, wo wir inzwischen ein drittes Kind hatten (geb 1985). Mit dem permanenten Geschwisterstreit kam es zum ersten male zu wirklichen Erziehungsschwierigkeiten bei meiner Frau - ich hielt mich da raus, denn bei mir funktionierten sie ja. Als dann bei den beiden großen die Schulschwierigkeiten dazu kamen (1987), fing ich an mitzumischen, und von da an gab es auch regelmäßig Beziehungsprobleme. Trennung 1989, Scheidung 1990.

> und später hat dann die Frau "mit
> Hauptschulabschluss" sowie das Buch von Eichlseder zur Diagnose
> ADS geführt?

Gleich nach der Lektüre seines Buches habe ich den Eichlseder angerufen, und der hat mich zu Dr. Skrodzki geschickt. (1991)

> Wenn das so war (aber vielleicht habe ich es falsch
> verstanden), kann ich nur sagen: Sic!

Natürlich war meine Frau damals mit den Kindern überfordert. Aber das hat die Verhaltensstörungen der Kinder weder verursacht noch ausgelöst. Umgekehrt: Die Verhaltensstörungen der Kinder waren die Ursache für die Überforderung meiner Frau bei ihrer Erziehungsaufgabe. Und die Schulschwierigkeiten der Kinder waren die Ursachen für mein negatives Einwirken auf meine Frau, das letztlich zur Scheidung führte.

Ich kann nicht verstehen (und schon gar nicht akzeptieren), wenn diese ganzen Erziehungs- und Eheberater, Familienhelfer, Famlientherapeuten und hier sogar die Kinder- und Jugend-Psychiater das ADS und seine Auswirkungen schlichtweg ignorieren. So lösen sie keine Probleme, sondern betätigen sich geradezu als Katalysator für die Probleme, die sie anschließend den Eltern vorwerfen als Ursache für die Schwierigkeiten ihrer Kinder. Die schlauen Erklärungen und exakten Diagnosen dieser Leute haben die Überforderung der Familie nicht gemildert sondern verstärkt, und dazu noch zusätzliche Probleme geschaffen.

Und bedenken Sie, wie schwer es ist, überhaupt über solche Probleme zu reden, solange man im dunkeln tappt sich für das Verhalten seiner Kinder und sich für sein vbermeintlich eigenes Erziehungsversagen schämt.

So erfuhr ich erst Jahre nach unserer Scheidung wie die Nachmittage abliefen, die ich so erlebte:
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Regelmäßig, man konnte fast die Uhr danach stellen, bekam ich mittags Anrufe auf der Arbeit. Der erste Junge mit kreischender, kaum verständlicher Stimme: "Der hat das, uäääähhh, und das, uäääh, und das gemacht!" "Stimmt nicht!" das Gebrüll des Beschuldigten im Hintergrund. Krach, aufgelegt! Fünf Minuten später das Dementi, noch höher, noch schriller. Nach weiteren fünf Minuten meine Frau: "Komm sofort nach hause! Ich halte das nicht mehr aus! Ich gehe weg!" Doch dieser Hilferuf kam als solcher nicht bei mir an.
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und zu hause muß das gleiche so ausgesehen haben:
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Dem Streit der beiden großen nicht mehr gewachsen, schlug meine Frau ... vor allem sich selbst. Sie schlug sich mit den Fäusten ins Gesicht oder haute ihren Kopf gegen die Wand, weil das offenbar half, die Kinder von ihrem Streit zu trennen, und sie damit auch verhindern wollte, die Kinder zu schlagen. Was natürlich auch gelegentlich vorkam, aber nicht so oft. Der Kleine, gerade mal zwei oder drei Jahre alt, wurde davon auch noch angesteckt. Er begann dann ebenfalls, wenn die anderen unter sich oder mit ihrer Mutter zu arg stritten, seinen Kopf auf den Boden zu schlagen. Heute lachen die anderen, wenn sie sich erinnern, wie sie ihm damals zum Schutze ihre Hand unterlegen mußten.
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Was wollen Sie noch alles wissen? Ich bin hier nicht in der Fernsehplauderstunde für Seelenstiptease und Voyeure! Ich bin sicher, jeder dritte hier in der Liste kann ähnliche Stories erzählen. Nehmen Sie das doch bitte einfach mal zur Kenntnis!

Danke
Friedo Pagel
Hunter Homepage


von Friedo - am 23.06.2001 16:01

Re: Und nu?...

Hallo Friedo,

genausogut kannst Du mit der Wand reden ("Hallo Wand..."). Ein gemeinsames Auftreten (Korrelation) bedeutet halt keine Kausalität (Ursache).

Es ist so häufig so, dass durch kindliche Hyperaktivität sekundär Eheprobleme, Beziehungsprobleme zum Kind, und sonstige Spannungen ausgelöst werden.

Es muss natürlich nicht immer so sein, Berichten von Betroffenen sollte jedoch mit größerer Akzeptanz begegnet werden.

schönen Gruss zum Abend


Bernhard
Was ist HKS-ADS?


von Bernhard - am 23.06.2001 20:19

Re: Und nu?...

Hallo Bernhard

du schreibst:
> Ein gemeinsames Auftreten (Korrelation) bedeutet halt keine Kausalität (Ursache).

Genau das ist mein Reden !!!!!!!!!!!

hierzu nur kurz zwei Aspekte:

1. Den schlauen Psychologen habe ich die zeitliche Reihenfolge damals natürlich auch aufgedröselt. Ihre Antwort: "Die bereits latent vorhandenen Eheprobleme zeigten sich als erstes in Form von Lernstörungen am schwächsten Glied der Familie, dem mittlersten Kind." Was soll ich da noch anderes drauf sagen als "die sind doch nicht ganz dicht" oder "die sind doch noch 'verrückter' als unsere Kinder" ?

2. Die Uni Bielefeld (Hurrelmann, Heitmeyer und Co. / Gesundheit von Kindern und Jugendlichen) sowie die Uni Hannover (Pfeiffer / Kriminalität von Kindern und Jugendlichen) haben hervorragende Zahlensammlungen, die unter streng wissenschaftlichen Kriterien zustande gekommen sind. Nur wenn es darum geht, diese Korrelationen zu interpretieren, dann hört ihre Wissenschaftlichkeit auf und sie bemühen das "Lieschen Müller" in ihnem Herzen. Und das wird dann tausendfach nachgebetet (bis hin zur Kanzlergattin) und in den Medien wiedergekaut (siehe DIE ZEIT/Bullerbü).

> genausogut kannst Du mit der Wand reden ("Hallo Wand...")

na klar doch - aber ich werde auf jeden Fall mit daran arbeiten, diese Wand irgendwann einmal zum Einsturz zu bringen.

Schönen abend noch
Friedo
Hunter Homepage


von Friedo - am 23.06.2001 21:19

Re: Und nu?... Geht's weiter (

... und ich kenne eine Familie, in der ein ADS-Kind und ein Psychologe, der ADS als nicht existent ablehnte, die Mutter bis kurz vorm Suizid getrieben hat. Auch eine Möglichkeit, den Psychologen Arbeit und Brot zu verschaffen!!!

Hilde

von Hilde - am 24.06.2001 12:09

Re: Und nu?... Geht's weiter (

Hallo,
für diesen Fall würde ich mich ausführlicher sehr interessieren. Schildern Sie ihn doch bitte mal ausführlich (wenn Sie möchten, auch als E-Mail). Danke.
Mit Gruß, H.-R. Schmidt

von Hans-Reinhard Schmidt - am 24.06.2001 18:28

Re: Achtung Leute !!!!!!!!!!!!!!!

Hallo,

in letzter Zeit liest man immer wieder Postings mit dem Inhalt "Schildern Sie doch mal genauer, geht auch per Mail".

Passt auf euch auf, die Masche ist bekannt. Es sind Leute, die keine Fragen beantworten, aber alles von anderen ganz genau wissen wollen. Angeblich um die Dinge besser zu verstehen. Alles schon oft dagewesen. Die Masche ist immer die selbe, nur die Anbieter wecheseln.

Die Erfahrung ist folgende: Hier in der Gemeinschaft seit ihr geschützt, hier können andere mitlesen und ihr seid nicht so manipulierbar. Seit ihr erst mal in Mail-Einzelkontakt, kann euch ganz sanft auf Linie bringen. Niemand drumherum, dem es auffallen könnte.

Es gibt Leute, die haben es schon ausprobiert. Es sind sehr erfahrene Leute gewesen und selbst sie waren erschrocken, wie selbstverständlich sich alles anhörte in den PM's. Und dies, obwohl ihnen vorher bewusst war auf was sie sich einlassen und dies bewusst ausprobieren wollten.

Selbstverständlich seid ihr frei zu tun was ihr wollt, versteht mich nicht falsch. Ich wollte euch nur eine oft gemachte Erfahrung schildern, die auf Aufforderungen wie oben oft folgt.

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 24.06.2001 20:04
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