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Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
6
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren
Beteiligte Autoren:
Susanna P., manic, Cat1964, Benni1, ErichW

ads-aufklärung?

Startbeitrag von Susanna P. am 01.05.2003 16:03

hallo ihr lieben!


nachdem ich der meinung bin, dass gar nicht genug menschen (vor allem solche, die mit kids arbeiten) über ads aufgeklärt werden sollten, stellt sich mir eine frage:

wie offen geht ihr mit dem thema um?

zum beispiel in der schule: wenn bei einem elternabend, dieses thema aufkommt, sprecht ihr es dann an? viele, wenn nicht alle, unserer kinder haben schon verdammt viele schlechte erfahrungen im sozialbereich hinter sich und wir wissen alle, dass viele eltern der "normkinder" hinter unserem rücken tuscheln und mit dem finger auf uns zeigen. wird das durch die aufklärung nicht noch schlimmer? werden die kinder dann gleich als "geisteskrank" abgestempelt und der horror geht in verstärkter form weiter? oder ist die akzeptanz gegeben?

gibt es einen unterschied zwischen einzelnen wohnbereichen (stadt/land)?

haben wir alle überhaupt einen funken chance auf ein leben ohne spießrutenlauf?

es sind viele fragen, die mich derzeit beschäftigen und mich würde eure meinung dazu sehr interessieren.

lg und danke jetzt schon

susanna

Antworten:

Sallo Susanna,

wir sind immer offen mit dem Thema umgegangen, hatten allerdings dadurch, daß unsere Tochter schon 16 war, als ADS entdeckt wurde, wohl nicht die übliche Situation. Es hat natürlich auch Irritationen und Nachfragen gegeben, aber das flaute sehr schnell wieder ab. Mittlerweile wissen wir nicht mal mehr, wer was drüber weiß und wer nicht. Und es interessiert uns eigentlich auch nicht.

Ärger, Abwehr und Verwunderung gab es gelegentlich durch die "missionierenden" Mutter (Hypo), während Tochter und Vater (Hypies) ihre ADS eher beiläufig erwähnen, wenn überhaupt, so wie man über seine Kurzsichtigkeit oder Migräneneigung redet.

Sinnvoll war es immer, mit Lehrern werbend umzugehen, ihnen auch Hilfe anzubieten, falls sie sich mit dem Thema noch nicht beschäftigt haben sollten. Dazu sollte man sich selbst aber tatsächlich auch mit ADS selber auseinandergesetzt haben.

Auf Elternabende gehört das m.E. nicht hin. Wenn das Thema aufkommen sollte, würde ich immer gleich mit dem Vorschlag kommen, kompetente Leute zu bitten, darüber etwas zu sagen. Wenn man sich als Eltern da hineinhängt, wird man leicht in eine unglückliche Position innerhab der Elternschaft kommen. Also bestenfalls ein paar erklärende Worte.

Damit sind wir bestens gefahren.

FG Erich Witte

von ErichW - am 01.05.2003 18:19
Hallo Susanne!

Ich stimme hier voll und ganz den Ausführungen von Erich zu.

Ich stehe lediglich mit der Lehrerin meines Rackers (1. Klasse), die von Anfang an eingeweiht wurde, da sie ja auch die Alarmglocken zum läuten brachte, im ständigen vertrauensvollen Informationsaustausch.

Ansonsten habe ich noch mit einigen Eltern, zu denen ich engeren Kontakt habe und denen ich auch die entsprechende soziale Kompetenz und Aufgeschlossenheit zutraue, darüber gesprochen und sie aufgeklärt.

Außerdem möchte ich meinen Racker nicht als "besonderes" oder auch "andersartiges" Kind vor der gesamten Elternschaft und letztlich dann auch vor seinen Mitschülern outen und ihn hier in eine besondere Rolle drängen.
Denn sozial ist er vor der Gabe von Medis nicht sehr aufgefallen, dazu war die Zeit zu kurz. Das, was in den "schlimmen" 5 Monaten vorgefallen ist, haben die anderen 1.-Klässler inzwischen vergessen und kreiden es meinem Racker auch nicht mehr an, da er sich ja jetzt nicht mehr negativ auffällig verhält, sonder eher positiv auffällt.

Ferner fehlt mir die fachliche Kompetenz und dadurch die Überzeugungskraft, um absolute Negativdenker aufzuklären.

Liebe Grüße,
Benni

von Benni1 - am 01.05.2003 21:07
Hallo Susanna,

Zitat

wie offen geht ihr mit dem thema um?


... sehr offen...

Mein Großer war ein so auffälliges Kind als die Schulzeit anfing (KiGa war noch unauffällig), dass er so und so allen aufgefallen ist. Dann ist unser Dorf relativ klein, so dass fast jeder jeden kennt - da war das Lauffeuer vom "unerzogenen Sohn" eh nicht zu stoppen.

Deshalb war ich vor 2 Jahren im nachhinein schon ganz froh, dass ich vor fast allen Müttern darüber sprechen konnte - das Problem damals war nur, dass ich mich selber auch noch nicht so gut auskannte.

Was auch total toll geklappt hat, das war die Information der Mitschüler durch die Lehrerin - denn es war damals bereits so weit eskaliert, dass seine Mitschüler sehr ablehnend auf meinen Sohn reagiert haben. Die Lehrkraft hat dann während der Abwesendheit meines Sohnes (Voruntersuchungen wg. Ritalin) die Gelegenheit genutzt mit den Schülern über ADS zu sprechen und so wußten die Kinder, dass mein Sohn nicht aus Bösartigkeit oder Dummheit den Unterricht stört. Sie haben dann als er mit den Medis wieder ruhiger war ganz toll reagiert und ihn wirklich auch unterstützt. Einmal wollten Schüler aus einer anderen Klasse ihm etwas in die Schuhe schieben, was er nicht gemacht hat - die ganze Klasse und die Lehrerin hat protestiert und ist hinter ihm gestanden (fand ich echt total begeisternd).

Gegenüber den Personen die mit ihm zu tun haben (Lehrer, Eltern von Freunden, Verwandten sowieso) nehme ich mir überhaupt kein Blatt vor den Mund - und bin bisher super gut damit gefahren.

Und immer wenn es sich ergibt, dass sich ein Gespräch zum Thema ADS entwickelt, dann versuche ich die Vorurteile (vor allem das in den Köpfen der Leute vorherschende Bild von Ritalin als Ruhigstellung) durch Information auszuräumen.

Einen direkten "Auftritt" bei einer offiziellen Schulversammlung oder so was ähnliches hatte ich zwar noch nicht - und ich würd mich wohl auch nicht so direkt trauen (bin ein schlechter Redner), aber wenn es spontan wäre, dann würde ich wohl auch da meine Klappe nicht halten (können).

MfG


Cat

von Cat1964 - am 02.05.2003 06:45
Hallo Susanna,

wir verheimlichen zwar das ADS ohne Hyperaktivität unserer Kinder nicht, aber wir reden eigentlich öffentlich nicht mehr darüber. Vielleicht liegt das am ländlichen Bereich.
Unsere Erfahrungen waren in Familie und Freundeskreis keineswegs positiv. Das positivste war eigentlich, wenn gar nichts dazu gesagt wurde.
In der Schule gehen wir sehr offensiv vor. Meiner Meinung nach ist das die Pflicht der Lehrkräfte, sich über diese Problematik zu informieren, wenn sie ein betroffenes Kind haben. Da bin ich aber auch sehr kooperativ und biete Informationen und Bücher an. Trotzdem ist die Offenheit schon einmal kräftig "in die Hose" gegangen. Ein Grundschullehrer brachte ADS gleich mit Sonderschulbedarf in Verbindung.
Jetzt in der weiterführenden Schule zeigt man zwar Interesse, die Gespräche mit den unterrichtenden Lehrern kommen aber immer sehr schnell auf die medikamentöse Therapie zu sprechen. Dabei würde ich lieber mehr über die Fortschritte hören, die mein Sohn macht.

Prinzipiell wäre ich aber der Meinung, dass man ganz offen damit umgehen sollte. Wie sollen sich denn die Kinder fühlen, wenn wir Eltern uns scheinbar schämen, darüber zu reden?

schönes wochenende

manic
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Nur wer gegen den Strom schwimmt, kommt zur Quelle.

von manic - am 02.05.2003 21:28
danke für eure antworten, sie waren für mich sehr aussagekräftig.

es ist nur oft verdammt schwer, seine impulsivität zurückzuhalten, wenn die supereltern wiedermal auf kids rumhacken, die anders sind, als der grosse strom.... aber das kennt ihr ohnehin. *g*

von Susanna P. - am 04.05.2003 10:49
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