Ausschluß von Klassenfahrt, wg. mph?

Startbeitrag von momfor4 am 19.01.2004 07:34

hallo

Ich bräuchte mal einen Rat.

Mein Sohn, fast 10, 4. Klasse kam Freitags heulend und zu Tode betrübt nach Hause.

Sie haben den Termin für die Klassenfahrt im Mai bestätigt bekommen, sie fahren für eine Woche nach Wangerroge.

Ohne meinen Sohn. Das teilte die KL ihm mit. Wir haben schon mehrfach darüber gesprochen, aufgrund 2 Vorfälle in der Schule, wo er nach ewigem Triezen seiner Klassenkameraden *ausgeflippt* ist, äusserte sie große Bedenken, wegen der Verantworungsübernahme.

Nun am Freitag lieferte sie ihm die Begründung: Sie wisse ja nicht, wie das mit den Tabletten sei. wann und wie und das wäre ihr zur kompliziert und deswegen dürfe er nicht mit.

Diese Begründung macht mich sowas von stinkesauer- das ist Diskriminierung höchster Güte.

Mein Mann wird morgen mit der Lehrerin reden. Für die Zeit der Klassenfahrt hat er Urlaub , er würde gerne als Begleitperson mitfahren.

Nun meine Frage:

Kann sich die Schule rechtlich weigern, ihn aus o. g. Gründen mitzunehmen, wenn mein Mann bereit ist, auf eigene Kosten die Verantwortung für Medikation und als *eskalationshelfer* mit zu fahren? Was an sich ein totaler Blödsinn ist, mein Sohn ist ein kleiner schmächtiger 10-jähriger, der seit Monaten keinerlei *Ausfälle* in der Art mehr hat, nur auch ihm wird halt, was zu viel ist ab und zu zu viel.

Muss eine Klassenkonferenz dahingehend stattfinden, die 1. den Ausschluß beschließt?

2. Die Bereitschaft, meinen Mann als Betreuungsperson zu akzeptieren?

3. Was, wenn nicht?

Findet die Schule Gründe, die Betreuunungsperson nicht zu gestatten, werden wir rechtliche Schritte erwägen. Welche?

Durch die Begleitung meines Mannes sind sämtliche Bedenken ja aus dem Weg geräumt- ich weiß nur nicht, warum ich so ein komisches Gefühl habe, dass dem nicht stattgegeben werden wird.

Ich selber werde NICHT in die Schule gehen. Um eine Eskalation dahingehend zu vermeiden. Selbst mit Überdosis mph werde ich nicht unvoreingenommen und ohne Bissigkeit und Vorwürfe auf diese Unverschämtheit reagieren können.

Mir leuchten ihre Bedenken schon ein. Ich kann es verstehen. die Verantwortung ist nun mal groß.

Nur. die Begründung ist unter aller Kanone.

Sollte mein Sohn aufgrund dieser Aussage , weil ihm ja ganz offensichtlich erklärt wurde, dass er, weil er Medikamente nimmt, einen Nachteil hat, diese in Zukunft verweigern, dann weiss ich nicht, was auf diese Lehrkraft zukommen wird.

Vielleicht haben unsere Lehrkräfte hier einen Rat für mich. Ich selber tue mir im Moment wirklich sehr schwer und muß mich sehr zusammenreissen, um der Lehrkraft nicht meine ganz offene Meinung zu sagen.

Und ich glaube nicht, dass ich da so falsch liege, oder?

stinkige Grüsse

mom

Antworten:

Hallo mom!

Deinen Ärger kann ich gut verstehen, vor allen Dingen mit dieser fadenscheinigen Begründung.

Bei unserem Fuzzi war vor etlichen Jahren mal ein Kind in der Klasse, dass eine ganz spezielle Ernährung brauchte wegen einer Stoffwechselerkrankung.
Eigentlich kein Problem, die Klasse fuhr schließlich in ein Kurheim, wo geschultes Personal zur Verfügung stand.
Das reichte der Mutter aber nicht, sie wollte unbedingt die Klassenfahrt begleiten.
Da diese Mutter aber zuvor schon etliche Male Kinder aus unserer Klasse tätlich angegriffen hatte (ja, Ihr lest richtig!) und sie deswegen nicht gern gesehen war, wollten die Kinder und Eltern diese Begleitung nicht.
Der gefundene Kompromiss sah so aus, dass die Mutter morgens und abends ein Futterpaket bringen durfte, und sich ansonsten nicht blicken lassen durfte.
Die Begründung der Schule:
Klassenfahrt ist Unterricht, und ein Ausschluss vom Unterricht ist nur in besonderem Fall möglich.
Um das Kind nicht zu diskreminieren und die Klassenfahrt zu ermöglichen, wurde der Mutter die Begleitung für die Medikation und Ernährung gestattet.

Da sich bei Euch die Situation lediglich auf die Unsicherheit der Lehrerin in Bezug auf die Tabletten bezieht, sehe ich keine Handhabe der Schule, das Kind nicht mitzunehmen.

Sag diesen Ignoranten den Kampf an, was muss das Kind sich miserabel fühlen!!! Dagegen kommt man nicht mehr mit Freundlichkeit an, sondern nur noch mit harten Bandagen.

Artikel 1 [Menschenwürde - Menschenrechte -
Rechtsverbindlichkeit der Grundrechte]

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.

Artikel 3 [Gleichheit vor dem Gesetz]

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Angelika (TanteGela)



von Angelika (TanteGela) - am 19.01.2004 08:22
Hallo Mom,

die Begründung ist sehr ärgerlich, ich denke, die würde ich auch nicht akzeptieren.

Um einen Schüler von einer Klassenfahrt ausschließen zu können, muss eine Klassenkonferenz stattfinden. Ausschluss von der Klassenfahrt ist eine Ordnungsmaßnahmen.
Die Klassenkonf. beschließt diese Ordnungsmaßnahme bei der Schulleitung zu beantragen, die sie dann verhängt. Zuvor müssen die Eltern angehört werden. Der Beschluss ist den Eltern schriftlich mitzuteilen.

Soweit das Procedere für Hessen.

Klassenkonferenzen müssen zeitnah zu den beklagten Vorfällen stehen. Also, jetzt eine Klassenkonf. durchzuführen und sich auf Vorfälle zu beziehen, die einige Monate zurückliegen, geht nicht, es sei denn der Lehrer hat jetzt erst davon Kenntnis erlangt, das kommt z.B. bei Erpressung oder Mobbing vor.

Wegen der Medis ist es eine schwierige Situation. Kein Lehrer kann gezwungen werden, einem Kind ein Medikament zu verabreichen. Wenn der Lehrer das nicht möchte, das heißt die Verantwortung dafür ableht, und das Kind die Medis wirklich braucht, kann das Kind nicht mitfahren.

Da nun dein Mann mitfahren kann und die Lehrerin keine Medis geben muss, entfiele dieser Grund.

Meist ist man froh, wenn Eltern sich anbieten, eine KLassenfahrt zu begleiten, wenn man allerdings das Gefühl hat, dass Eltern den Ablauf eher stören könnten (z.B. weil ihnen im Konfliktfall die Objektivität fehlt oder weil ohnehin kein gutes Verhältnis besteht), dann kann Schule die Teilnahme dieser Eltern ablehnen.

Zusammengefasst heißt das, man kann nichts erzwingen, sondern es nur mit Überzeugung versuchen.

Ich drücke euch und deinem Sohn feste die Daumen :-))))



von Dagmar D. - am 19.01.2004 19:24
Hallo,

da geht einem ja der Hut hoch. Das arme Kind. So eine bodenlose Ungerechtigkeit ist ja kaum auszuhalten.

Mein Sohn ist auch in der 4. Klasse und auch unsere KL will mit den Kindern eine Abschlussfahrt machen. Wie das mit den MEDIS ist, daran habe ich noch gar nicht gedacht. Da muß ich mal die KL ansprechen.

In unserer Klasse sind mehrere auffällige Kinder. Unser Sohn ist als Hypo noch eher unauffällig. Die KL hat den Eltern erklärt, dass sie entweder mit der ganzen Klasse fährt, oder gar nicht.

Mein Bauch sagt, hier muß man hart durchgreifen, aber mein Verstand rät zur Vorsicht. Lehrer sind auch nur Menschen und allzuviel offene Kritik vertragen die wenigsten von uns.

Vielleicht machen dein Mann und du vor dem Gespräch mit der Lehrerin ein "Rollenspiel". Versucht euch in die KL hineinzuversetzen. Stellt euch Fragen wie:

Sind denn noch andere "besondere" Kinder in eurer Klasse?
Ist das der wirkliche Grund, warum er nicht mitfahren darf?
Wenn nein, was könnte der wahre Grund sein?
Wie könnte man ihn entkräften?
Wie bietet ihr der KL deinen Mann als Hilfe an und nicht als Störenfried, denn eigentlich sollen/wollen die Kinder ja mit ihrer Leherin alleine wegfahren. Sie könnte argumentieren, dass die Eltern der anderen Kinder ja auch zu Hause bleiben. (Unsere KL hat z.B. klar gesagt, dass sie keine Besuche der Eltern dort wünscht.)
Wer von euch beiden ist der ruhigere. Der sollte hauptsächlich das Gespräch führen.

Viel Erfolg.
Meli

von Meli_Mum - am 20.01.2004 09:48
hallo meli mum

was meinst du, warum mein mann dieses gespräch führen wird.... ggg

wegen dem * wer der ruhigere ist und so...*

ich habe vorhin noch einmal mit der sozialpädagogin telefoniert, die ihn im rahmen der rückschulung ja bis dato betreut hat- was von seiten der grundschule ja mit einem * muss das eigentlich sein* bewertet wurde.

Nun. seit einigen tagen, gesamtkonferenz steht fest, diese regelschule hat entschieden, dass er fester bestandteil dieser schule und damit dieser klasse ist.

alle nachfragen nach den vorfällen )2 stück im NOVEMBER) und nachfragen der sozpäd, um eine vereinbarung, was in gesprächen geklärt werden sollte, welche dinge notwendig sind, damit einer teilnahme an der klassenfahrt nichts mehr im wege steht, wurden ausgeblockt.

ohne redebedarf. die entscheidung stünde seit november bereits fest und ist unumstösslich.

da die klassenleiterin heute nicht in der schule war, hat mein mann im sekretariat nachgefragt, wie denn normalerweise so die *policy* in punkto klassenfahrt geregelt sei. es wurde ihm mitgeteilt, dass sowieso eltern als begleit- bzw putz- und essensdienst nötig sind. nur sucht diese die kl aus.

wohl aus den reihen der seit 4 jahren inoffiziell ernanntetn- neuwahlen standen im letzten schuljahr wohl nicht an.... elternvertretern. diese art vorgehensweise ist mir zwar gänzlich unbekannt, zumindest eine bestätigung der bisherigen vertreter sollte eigentlich gemacht werden.

andre länder- andre sitten? d. h. nimmt sie unsere bereitschaft zur begleitung aufgrund der von ihr vorgebrachten begründung, warum sie unseren sohn nicht mitnimmt, nicht an- bedeutet das im klartext- sie will ihn nicht dabeihaben.

da auch ein diabetikerkind in dieser klasse ist, und das, wie ich heute erfahren habe, auch nicht mitfährt, aufgrund der diabetis.... kommen mir da solche gedanken der diskriminierung schon hoch....

wir werden sehen. ein gespräch morgen wird es wohl zeigen, wie die lage ist.

lg

mom

von momfor4 - am 20.01.2004 13:28
Hallo !

Bei uns ist es genau umgekehrt. Ich wollte nicht das mein Sohn mitfährt, aber die Klassenlehrerin will ihn unbedingt dabei haben.

Liebe Grüße
Alexandra

von Sandra F. - am 20.01.2004 21:06

Re: @ mom

Moin mom,

toi toi toi für das Gespräch heute,

daumendrückenden Gruß
von Inge

von Inge1 - am 21.01.2004 07:21

Viel Glück für das Gespräch

Drücke euch die Daumen.
Gruss
Meli

von Meli_Mum - am 21.01.2004 07:43
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