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Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
6
Erster Beitrag:
vor 10 Jahren, 3 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 10 Jahren, 2 Monaten
Beteiligte Autoren:
pika, AnnaS, Dagmar D., Marisa, Pflegemutti Birgit

weiterführende Schule???

Startbeitrag von pika am 25.05.2004 09:27

Hallo!
Bei meiner Tochter (10) ist vor kurzem ADS diagnostiziert worden und nach einigen Überlegungen haben wir uns für die medikamentöse Behandlung entschlossen.
Außerdem ist sie Legasthenikerin. Der Verdacht meinerseits war schon länger vorhanden, aber nun wissen wir wenigstens woran wir sind.
Wir haben nun das Problem mit der weiterführenden Schule... Sie hat eine Empfehlung für die Hauptschule, möchte aber gerne auf die Realschule. Zumindest will sie es versuchen. Von ihrer zukünftigen Lerntherapeutin haben wir den Rat bekommen, dass sie die 4. Klasse wiederholen soll, was seitens der Schule angeblich nicht möglich ist, meine Tochter will aber partout nicht auf dieser Schule bleiben. Und ich möchte es ehrlich gesagt auch nicht. Die Schule hat uns bisher nicht viel helfen können und ich denke, meine Tochter hat ihren Stempel auch aufgedrückt bekommen.
Zu Hause macht sie ihre Arbeiten mehr oder weniger ordentlich und fehlerfrei, und ich hatte sehr selten den Eindruck, dass sie etwas nicht verstanden hat. Mathe klappt gut, leider die Arbeiten aufgrund (ebenfalls diagnostizierter) Prüfungsangst dann nicht. Gott sei Dank hat sie einen sehr verständnisvollen Klassenlehrer, der Mathe unterrichtet. Das aber auch der einzige Lehrer. Die Deutschlehrerin macht eher Vorwürfe und hat von ADS und LRS auch sehr wenig Ahnung. Sie hat sich bisher mit Vieren im Zeugnis in den Hauptfächern „durchgeschlagen“. Ich habe die Hoffnung, dass sie mit dem Ritalin dann besser arbeiten kann und dann auch auf der Realschule klar kommt. Ich würde mich freuen, wenn mir jemand seine Erfahrungen mitteilen, bzw. einen Rat geben kann. Auch über einen Austausch mit „Betroffenen“ würde ich mich sehr freuen.
Viele Grüße Pika
Antworten:
Hallo,

nur mal im Vorfeld ich habe auch zwei solche Spezialisten, wobei der eine schon bald18 wird und erst in der 9. Klasse auf Lega. diagnostiziert wurde. Er ist auf die Gesamtschule gegangen, lesen und schreiben ist noch heute eine Katastrophe aber er überlebt.
Meine Jüngste ist 8 und hat auch noch die Dyskalkulie dazu, wir stecken mitten in der Diagnostik.

Eine Lega dürfte niemals ein Grund sein, eine bessere Schulform verschlossen zu bekommen. Da sich aber die Wissenslücken logischer Weise mittlerweile auf viele Gebieten erstrecken könnte die Realschule schwer werden. Aber versucht es durchzuziehen. Nichts kann ein Kind mehr motivieren als der eigene Wille.
Die Klasse zu wiederholen bringt im Bezug auf Lega gar nichts, es sei denn die Zeit wird genutzt um ein direktes Legasthenietraining aufzubauen. Das solltet ihr sowieso in Angriff nehmen.

Und wieder mal hat ein Deutschlehrer keine Ahnung von Legasthenie, das k.... mich mittlerweile maßlos an, ich hatte immer die Hoffnung, dass es bis zu den Lehrern durchgedrungen ist.

Du kannst mich gerne auch anmailen wenn du möchtest.

Liebe Grüße Birgit

von Pflegemutti Birgit - am 25.05.2004 09:53
Hallo Pika,

pika schrieb:
Zitat

Von ihrer zukünftigen Lerntherapeutin haben wir den Rat
bekommen, dass sie die 4. Klasse wiederholen soll, .....


Hier an genau diesem Rat würde ich ansetzen.
Ich spreche aus Erfahrung, da ich meinen Sohn trotz hoher Intelligenz das 2. Schuljahr habe wiederholen lassen. Außerdem haben wir zu diesem Anlaß die Schule gewechselt. Weder die alte Schulleiterin noch Freunde oder andere Pädagogen haben uns unterstützt. Die neue Schulleiterin allerdings verstand mein Anliegen: ich wollte meinem Sohn - noch bevor zu hohe Erwartungen an ihn gestellt werden - lieber jetzt noch einen Schonraum geben, in dem er sich bei leichterem Unterrichtsstoff (wg. Schuljahr-Wiederholung) auf die Aufarbeitung von Sozialverhalten und von Legasthenie konzentrieren kann. Außerdem war mir wichtig, daß er aus seinem alten unangenehmen Umfeld rauskommt und eine neue Chance zum Kennenlernen eines besseren/anderen Umfeldes erhält. Meine Intension war das Aufbauen von Vertrauen, ohne das ein Kind in seiner Schullaufbahn nicht wirklich seine(!) Fähigkeiten einsetzen kann.

Soweit unsere Erfahrung, die allesamt supergut und erfolgreich sind.

Nun zum Praktischen: Könnt Ihr Eure Tochter in einer anderen Grundschuele anmelden und dort die 4. Klasse wiederholen lassen? Ein Tipp am Rande: ich selber spreche nicht so gerne von "Wiedeholung" , da Kinder diese Formulierung evtl. intuitiv selber verwenden und sich innerhalb ihrer Gruppe ins Aus setzen. Ich sprach immer von "neuen Chancen" in einer interessanten Klasse, in der das Kind einiges an Unterrichtsstoff wiederholt - und somit festigt - und Neues dazulernt. Denn nicht allle Lehrer unterrichten im selben Stil und jedes vorgegebene Thema in der gleichen Intensität.

Wäre ich in Eurer Situation, würde ich alle nur erdenklichen Termine mit den verschiedensten Schulleitern machen und in offenen Gesprächen genau und präzise das Anliegen angeben und um Unterstützung bitten. Das Argument "Das Kind muß auch an Reife nachholen" könnte ebenfalls helfen.

Nur Mut!!
Ich kenne einige Kinder, die innerhalb ihrer Klasse 1 Jahr älter waren und dadurch auch etwas reifer oder gelassener mit unangenehmen Situationen umgehen konnten.

Welchen Weg Du auch gehen willst: ich wünsche Euch viel Erfolg!!

Marisa



von Marisa - am 25.05.2004 10:51
Hallo Pika,

du schreibst:
>meine Tochter will aber partout nicht auf dieser Schule bleiben>

Wenn deine Tochter nicht auf der derzeitigen Schule bleiben will, dann widerspricht eine Klassenwiederholung doch diesem Wunsch.

>leider die Arbeiten aufgrund (ebenfalls diagnostizierter) Prüfungsangst dann nicht>

Wenn deine Tochter jetzt schon unter Prüfungsängsten leidet, werden diese um so stärker, je höher die Anforderungen werden, d.h. je geringer die Aussicht auf gute Noten sind.

Ist das Anforderungeniveau geringer, kann deine Tochter ihre entstandenen Defizite aufholen, ohne eine Schuljahr zu verlieren und sie kann gleichzeitig Erfolgserlebnisse haben und ihre Prüfungsangst abbauen.

Wenn sie nach 1-2 Jahren fit ist, kann sie dann zur Realschule wechseln. Nach dem 9. Schuljahr kann sie über die Berufsfachschule den Realschulabschluss machen, wenn sie es dann möchte.

Wenn sie jetzt allerdings überfordert wird, kann es sein, dass ihre Prüfungsängste immer stärker werden. Ich kenne einige hochintelligente Kinder, die aufgrund dieser Prüfungsängste keinen Schulabschluss geschafft haben, weil sie entweder so blockiert waren oder schon vorher die Flinte ins Korn warfen.

Ich kann also von einer Wiederholung nur abraten (das wäre eine Erholung für kurze Zeit, aber der Effekt wird aufgebraucht). Gib deinem Kind die Chance Erfolgserlebnisse zu haben.

Den Rat der Lerntherapeutin kannst du in der Pfeife rauchen. Die Frau lebt davon, dass möglichst viele Kinder in der Schule Schwierigkeiten haben. Sie gibt euch doch keine Empfehlung, die ihre Hilfe nicht mehr nötig macht. Wer sägt sich schon den Ast ab, auf dem er sitzt?



von Dagmar D. - am 25.05.2004 17:53
Hallo!
Toll! Vielen Dank für die Antworten!! J
Die „Wiederholung“ der 4.Klasse auf einer anderen Schule wäre eine Idee wert, wenn wir hier nicht auf dem Dorf wohnen würden, und sie ohne Wohnortwechsel auf einer anderen Schule unterkommen könnte. Ein neues Umfeld wäre bei uns nicht so toll, denn sie geht mit ihren Freundinnen und Freunden gerne zusammen zur Schule und hat keine Probleme.

In der Vergangenheit sind an der Grundschule Dinge abgelaufen, die mich davon abgehalten haben, sie wiederholen zu lassen. In der 2. Klasse habe ich mit der Klassenlehrerin über ADS gesprochen. Ich hatte mir (weiß nicht mehr warum) ein Buch über ADS gekauft und ein wenig darin gelesen (unter Tränen). Dann habe ich die Lehrerin daraufhin angesprochen:
Ihre Antwort war, das dass eine Modeerscheinung wäre!!! und das sollte man nicht so ernst nehmen (Sie hat übrigens heute auch nicht viel mehr Ahnung...) Ich war dann bei einem Kinderpsychologen, weil mir das doch keine Ruhe gelassen hatte, dieser Mann war ein Reinfall. Dann waren wir bei der Ergotherapeutin und dann ging es richtig los, endlich habe ich mich gut aufgehoben gefühlt. Ich habe dann angefangen mich mit dem Thema ADS richtig auseinander zu setzen und bin heute „stolz“ darauf, dass mir bisher kein Arzt etwas Neues erzählen konnte. Letztes Jahr, noch vor einer Verdachtsäußerung der Ergotherapeutin (auf ADS), habe ich sie dann im SPZ angemeldet, leider dieses Jahr aber erst einen Termin bekommen. Seit dem ging dann alles recht schnell.
Der neue Klassenlehrer ab der 3. war völlig anders und verstand gar nicht, warum sie die 2. wiederholen sollte. Leider hatte er von der LRS auch nichts gemerkt. Der „Wiederholungstrouble“ ging dann im ersten Halbjahr der 4. wieder los, alles hinter meinem Rücken und auch hinter dem Rücken des Klassenlehrers, ausgehend von der ersten Klassenlehrerin und einer Referendarin. Dann hatte ich auch das erste Mal die Frage gestellt, ob vielleicht eine LRS vorhanden sein könnte. Das hatte aber keiner geglaubt und gekümmert hat sich auch keiner. An dieser Schule gab es bisher nur ein Fall von ADS: Der Junge ist auf der Sonderschule gelandet?! Zur Zeit, außer meiner Tochter, ist noch ein Mädchen, welches schon medikamentös behandelt wird, aber das beruht nur auf Gerüchten, Dorf halt... Meine Tochter bekommt Ritalin wohl ab nächster Woche...
Das war jetzt alles sehr lang und trotzdem fehlen immer noch Details zu dem was wir in Sachen Wiederholung oder Rückstufung mitgemacht haben. Aber ich denke, dass die meisten von Euch das ja selber alles kennen.
Zudem kommt mein Sohn dieses Jahr auf diese Schule und ich hoffe nur, dass er nicht schon den „Stempel“: Wenn deine Schwester, dann du auch! bekommen hat. Alles Gründe dafür, dass sie „dort weg muss“. Vor zwei Wochen ist mir auch noch vorgehalten worden, warum ich jetzt erst ankomme???!!!
Ich habe noch eine Frage: Wird die Prüfungsangst durch Ritalin weniger?
Noch mal vielen Dank für Eure Antworten! Liebe Grüße Pika

von pika - am 26.05.2004 09:14
Hallo Pika,

bei meiner Tochter fielen Medigabe und Schulwechsel fast zusammen.

Ihre vorherige furchtbare Prüfungsangst, die dazu geführt hatte, dass auch Dinge, die sie zu Hause 100%ig beherrschte, bei Arbeiten voll in die Grütze gingen, hat sich mit Ritalin gelegt, weil sie erstmals in der Lage war, Gelerntes zu behalten und auch zu überlegen und ihr Wissen durchzusortieren.

Beide Faktoren, Schulwechsel und Medigabe haben zu einer rasanten Aufwärtsrallye geführt, stellen aber immer noch wegen der ADS-typischen Besonderheiten ein relativ instabiles System dar. Ob sie mehrere Misserfolge hintereinander verkraften könnte, wage ich zu bezweifeln.

Aus meiner Erfahrung kann ich Dagmar nur beipflichten, nichts ist für einen ADS-ler so wichtig wie Erfolgserlebnisse. Dann kommt das Interesse und der Ehrgeiz ganz von allein, je besser der Start umso größer die langfristigen Erfolgsaussichten.

Viel Erfolg und liebe Grüße
Anna

von AnnaS - am 26.05.2004 11:36
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