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ADHS ADS Selbsthilfe
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7
Erster Beitrag:
vor 9 Jahren
Letzter Beitrag:
vor 9 Jahren
Beteiligte Autoren:
hypiemama, Apfelsine, Cornelia, Alex.Knuffel, Freudi, Andre@

auch neu hier und muss gleich jammern

Startbeitrag von hypiemamaam 11.04.2005 18:16

hallo zusammen,

ich glaube, hier bin ich an der richtigen adresse. unser sohn tom, 4,5 jahre alt, ist ein adhs-kind, wie man uns letzte woche eröffnete beim kinderpsychologen. übermorgen letzte sitzung, dann nächste woche das elterngespräch mit großer wahrscheinlichkeit des vorschlages zur medikamentengabe.

mittlerweile bin ich echt am ende. tom macht uns fertig. es sind hier nur noch kämpfe, kämpfe, kämpfe. heute im penny ist es total eskaliert. wir haben dort erik und vardan (freunde aus dem kindergarten von tom) getroffen mit mamis. die kinder waren natürlich hoch erfreut, einander zu sehen, fingen an quatsch zu machen und waren ziemlich laut, die leute schon am gucken. tom wurde dann immer lauter und fing an zu schubsen. nach kurzer zeit trennten wir uns dann lieber und tom ist total ausgeflippt, dass er nicht mehr mit erik und vardan rumtoben konnte. es war superschwierig, ihn beim wagen zu halten, musste ständig anzählen, fernsehverbot und so weiter. voll ätzend, und alle leute bekamen das natürlich mit. zum glück hat mich niemand angesprochen, sonst wäre ich garantiert explodiert. an der kasse standen die beiden dann 2 hinter uns und tom lief hin. ok hab ich gedacht, vielleicht klappt es ja. dann fingen sie aus spaß an, wie in einer kampfsportart zu kämpfen. tom war dann wieder der jenige, der nach ner zeit richtig zutrat. man, das ist echt so zum kotzen. ich hab ihn dann wieder mit mühe und not zum wagen geholt (ich war schon am auspacken aufs fließband) und musste unentwegt ermahnen und ihn festhalten, weil er sich auf den boden schmeißen wollte. total am ausflippen eben. er rief dann nach erik und vardan, eine zeit später waren die beiden auch da, schon fing tom wieder an zu schubsen. mir kam es in dem ganzen stress überhaupt nicht in den sinn, die mamas anzupfeifen, warum sie dann noch die kinder zu tom lassen . an der kasse musste ich dann tom festhalten, einpacken und unterschreiben. ganz toll.

im auto kam dann das beste. auf dem weg dorthin rauschte übrigens toms kigaleitung an uns vorbei. bin gespannt, ob die was erzählt, die muss ja auch hinter uns gestanden haben. im auto ist tom dann nochmal so richtig ausgeflippt, sagte immer, dass er zu erik und vardan will. zum hundertsten mal hab ich geantwortet, dass es nicht geht, wir nach hause müssen und er morgen im kiga wieder mit ihnen spielen kann. da machte er dann seine hand zur pistole, zielte auf mich, drückte ab und sagte, dass ich sterben soll. eim paar mal. ich musste voll schlucken. und er setzte noch hinterher, dass papa und timo (sein 2,5 jahre alter bruder, der übrigens völlig pflegeleicht ist) auch sterben sollen. tom weiß übrigens sehr genau, was sterben heißt, weil er sich schon länger mit dem thema tod auseinander setzt. ich war so perplex, dass ich zu ihm sagte, wenn wir schon nicht mehr bei ihm sein sollen, dann kann er auch hier jetzt aussteigen und ich fahre ohne ihn los. da fing er dann wieder an zu heulen, wollte er auch nicht. war wohl auch nicht besonders pädagogisch wertvoll. letztendlich wurde ich dann noch als blödmann betitelt. als ich sagte, selber blödmann, ist er wieder voll ausgetickt und sagte, ich würde immer das falsche zu ihm sagen. ich hinterfragte und er sagte, ich soll nicht blödmann zu ihm sagen (ich schwöre, sowas hab ich zum ersten mal zu ihm gesagt!!). da meinte ich nur, dass ich das auch einfach zu ihm sagen werde, wenn er meint, mich so nennen zu müssen.

ich bin aber die ganze zeit die ruhe in person geblieben. das hat mich echt scheiß nerven und beherrschung gekostet. zuhause hab ich ihn dann erstmal in den arm genommen und ihm gesagt, dass ich weiß, dass es alles etwas schwierig für ihn ist und so weiter. dann fing er auf einemal an zu sagen, dass er von keinem kind der freund im kindergarten ist (ich weiß von den erzieherinnen aber, dass tom dort wohl ganz gut mit den kindern spielt), ihn keiner zum geburtstag einlädt. na toll, genau sowas hab ich ja irgendwann mal erwartet. es ist dort ja so, dass die kinder am geburtstag sich 9 kinder aussuchen dürfen und dann mit einer erzieherin separat feiern oder eben mit allen zusammen. tom ist dann das kind, was nie eingeladen wird. ich find das so zum kotzen und werd das da auch nochmal ansprechen und fragen, ob tom wirklich nie eingeladen wird. sowas ist dann nämlich schon ausgrenzung, wenn der kiga sowas anbietet *piepvogel zeig*. ich hab dann zu tom gesagt, dass er bald in den neuen kiga (er wechselt im august in den i-kiga als i-kind) gehen darf und er dort ganz tolle neue freunde finden wird, mit denen er geburtstag feiern kann. andré hat ihn dann auch nochmal auf den schoß genommen und versucht, ihn zu beruhigen. er ist aber nicht wieder wirklich zu ruhe gekommen.

als peggy (patentante) dann hier war, ist er nochmal voll ausgeflippt. streit um spielzeug und er fing an, timo zu hauen. daraufhin hab ich ihn dann auf dem wohnzimmer verweisen wollen, wobei er natürlich nicht gegangen ist. ich hab ihn dann rausgetragen. auf dem weg kam uns timo entgegen. tom trat ihn mit voller wucht gegen die wand. da hab ich ihm dann echt richtig eine geklatscht. das war zuviel und dann hab ich auch kein verständnis mehr. im kinderzimmer ist er dann so richtig ausgetickt und hat poster von der wand gerissen, an die tür getreten, gegenstände geschmissen, geschrien, geheult, gekreischt.

nach etwa 10 minuten kam er wieder raus. ich fragte ihn, ob er wieder hier ärgern will. nein, er will artig sein und was spielen. also spielte peggy mit den kindern was, was auch ganz gut klappte. er drehte dann aber auch wieder voll auf nach ner weile, was sich bis eben zum schlafengehen hinzog. jetzt im bett ist er immernoch voll am erzählen und geräusche machen.

wenn ich die kinder abends ins bett bringe, nehme ich jeden nochmal für eine weile in den arm, sage, dass ich sie lieb habe und so weiter. als tom dann eine weile bei mir im arm war, musste ich voll heulen. ich hab echt keine kraft mehr. mich macht das alles fertig. tom fragte, warum ich weine. ich sagte ihm direkt, dass ich nicht mehr kann, weil er immer so unartig ist, mir sagt dass ich sterben soll, mich als blödmann betitelt, er nie händewaschen und auf die toilette will, er immer ganz viel lügt, sein zimmer nie aufräumt und er immer wegläuft, wenn papa ihn aus dem kiga abholt (waren die sáchen, die mir spontan einfielen). er sagte dann ganz leise, dass er das dann nicht mehr sagt. ich hab darauf nix gesagt.

mein mann dreht hier mittlerweile auch gut am rad. normalerweise ist er ja die ruhe selbst. aber wir haben auch fast nur noch stress miteinander. wenn das so weiter geht, seh ich uns schon beim scheidungsanwalt.

jetzt meine frage: gibt es hier eltern, die in dem alter schon ihre kinder haben auf medikamente einstellen müssen? welche haben die kinder bekommen und wie sind die erfolge zu verzeichnen? ich hab dabei ein total schlechtes gewissen, weil er noch so klein ist und ja nichts dafür kann, dass er so ist, wie er ist (war übrigens eine schwere geburt über 24 stunden, er musste dann mit der zange geholt werden, sterngucker). aber andererseits habe ich das gefühl, dass wir es sonst nicht schaffen werden. wir waren schon bei der erziehungsberatung und haben glaub ich alles versucht, was es so gibt.

frustrierte grüße von
merrit
Antworten:
Hallo Merrit,

erst mal soviel:

hier werden Sie geholfen!

Ich selber hab erst seit kurzem Kontakt zu einem ADS-Kind (Pflegesohn), aber es gibt hier sehr viele kompetente Gesprächspartner.

Ich dachte erst, Du seiest die Mutter des Tom, der mit meinem Jüngsten im Kindergarten ist. Aber die hat 3 ADS- Kids, und einen Vardan gibt's da auch nicht. Aber die Probleme sind wohl überall gleich!

Halt durch, Hilfe ist nah!

Georg

von Freudi - am 11.04.2005 18:32
Guten Nabend!!Ich glaube das was du soo schreibst kennen wir alle...
es kostet sehr viel kraft...Also zum thema medikamente kann ich nur sagen das unsere Kinderpsychologin sagte das kinder ab 6 jahren erst medikamente verschrieben bekommen...Ich selber habe auch noch nicht sehr große erfahrungen was ads betrifft...Bei unserem sohn wissen wir es jetzt seid 4monaten..

Wir machen jetzt eine Elterntherapie und unser sohn eine ergotherapie....

Ich wünsche dir viel Kraft und alles liebe...liebe grüße Alex...



P.s...Kann dich sehr gut verstehen!!!

von Alex.Knuffel - am 11.04.2005 19:07
Hallo hypiemama,

mein Sohn hat mit sechs Jahren Medikamente bekommen.
Wenn man es eng nimmt, war es vorher auch nicht wirklich nötig - es ging ohne im Alter von fünf bis sechs auch ganz gut. (Davor war es teilweise katastrophal.)
Auf der anderen Seite denke ich manchmal, daß man ihm eventuell was gutes getan hätte, wenn er die Medikamente doch schon früher bekommen hätte. Er hätte in der Zeit vor der Schule dann einfach schon so viel aufholen und verarbeiten können.
Bei uns gab es durch die Medikation eine Rießenveränderung.
Zuvor konnte er z.B. nur rennen oder in Zeitlupe gehen. Danach hatte er zum ersten Mal ein normales Tempo. Die Wutanfälle hörten auf. Die Frustrationstoleranz stieg gewaltig. Er wurde Gesprächen zugänglich und sah mir erstmals direkt in die Augen. Plötzlich ging er ohne zu albern durch die Tür beim Kindergarten. Er weinte das erste Mal (vorher gab es nur Wutattacken wenn er traurig war) und zeigte erstmals Angstverhalten (woran er dann ziemlich zu knabbern hatte- kannte er das bisher doch gar nicht). Regeln und Ordnung waren auf einmal keine Fremdworte mehr. Er zog sich sogar in sein Zimmer zurück um zu spielen :-). Und er hatte endlich nicht mehr das Gefühl, daß nur er im Kiga alles falsch macht.
Es dauerte eine Zeitlang bis er mit seiner neuen Wahrnehmung richtig klar kam - das hätte man ihm bei früherer Verschreibung in Ruhe gewähren können.
Mit einem Schlag konnte ich mir vorstellen wie Erziehung und Familienleben für andere Familien ist und mir wurde klar, daß sie gar nicht verstehen KÖNNEN, wie es ist mit einem hyperaktiven Kind.
Auf sein persönliches Befinden befragt antwortete er damals: "Davor war mir ständig langweilig."
Anfangs mußt Du mit Einstellungsproblemen rechnen, mit Appetitlosigkeit und Einschlafschwierigkeiten. Kann (muß aber nicht) alles vorkommen. Ich kann nur dazu raten. Mir sind mittlerweile zu viele Familien bekannt die jahrelang versucht haben diesen Schritt zu vermeiden und die dann irgendwann doch darauf zurückkamen weil die Situation vollkommen eskaliert ist. Und dann hat man etliche hinzugekommene Schäden zusätzlich aufzuarbeiten.

von Andre@ - am 11.04.2005 20:01
Hallo Haypiemama,

ich bin hundemüde nach einem Schlafentzug und schreibe darum nur ganz kurz:

Mein Sohn hat mit 5 Jahren erstmals Ritalin bekommen und wenn ich vorher davon gewusst hätte, hätte er es auch früher bekommen.

Das mit den 6 Jahren ist eine Empfehlung, mehr nicht. In Ausnahmefällen geht es auch früher. Ob dein Sohn ein solcher Ausnahmefall ist, aknn ich von hier natürlich nicht beobachten.

Wichtig ist zunächst mal, zuversuchen, die Erziehung zu "optimieren", dich also zu informieren, mit welchen Methoden und Strategien du deinen Tom am besten unterstützen kannst und wie du selbst am besten mit den Aggressionen und dem Frust umgehen kannst.

Oft macht das schon ganz viel aus. Wenn es aber damit (auch nach einiger Zeit der Umgewöhnung usw.) immer noch zu wirklich schwerwiegenden Problemen kommt und du z.B. den Eindruck hast, der Junge rutscht in eine Depression ab o.ä. oder er gefährdet sich selbst usw., dann würde ich dir raten, nicht zu zögern, es auch schon bevor er 6 Jahre alt wird mit einer medikamentösen Unterstützung zu versuchen.


Wie gesagt, das Alter ist ein Richtwert, keine absolute Grenze und einem Kind in echter Not kann und soll auch früher schon die Medikation offen stehen.


Alles Gute und viel Kraft wünscht dir
Cornelia



von Cornelia - am 11.04.2005 23:55
Hallo Merrit,

erst einmal herzlich willkommen. Solche Szenen, wie du sie beschrieben hast, kennen auch wir zur Genüge. Und wenn dann eine Vielzahl von ihnen am einem Tag zusammen kommen, dann ist man verständlicherweise völlig fertig. Auch die Ablehnung durch andere Kinder tut schrecklich weh - sowohl dem Kind als auch den Eltern.

Bezüglich deiner Medikamentenfrage kann ich dir leider noch keine Antwort geben, da wir erst diese Woche mit einem Medikamententest (unser Sohn ist 6) beginnen und ich noch keinerlei Erfahrung mit Medis habe. Ich wünsche mir nur so, dass sie unserem Sohn helfen. Natürlich heißt das noch lange nicht, dass wir auf begleitende Maßnahmen verzichten, so geht unser Sohn z. B. zur Frühförderung (Einzelförderung und demnächst auch Marburger Konzentrationstraining in der Gruppe). Und andere Maßnahmen sind auch schon angedacht bzw. in Vorbereitung. Beispielsweise würde ich auch gerne zusätzlich an einem Elterntraining teilnehmen, um unseren Sohn besser unterstützen zu können.

Ich wünsche euch, dass der Wechsel in den anderen Kindergarten einiges bringt (unser Sohn hat auch den Kiga gewechselt) und ihr hinsichtlich der Medis eine gute Entscheidung trefft. Ich denke - wie die anderen auch -, dass es sinnvoll ist, so früh wie möglich Maßnahmen zu ergreifen, um es dem Kind nicht noch schwerer zu machen, denn z.B. die Ablehnung durch andere kann das Selbstwertgefühl doch stark beeinträchtigen.

Liebe und mitfühlende Grüße

Simone

von Apfelsine - am 12.04.2005 11:23
vielen dank für die lieben antworten! ich muss hinzufügen, dass tom seit august letztes jahr frühförderung bekommt und diese von 2 auf ein mal die woche reduziert werden musste, weil seine defizite erstmal duch ergo (seit november 04) behandelt werden sollten. die arbeit von der frühförderin baut ja auf die ergo auf. wir haben aber schon durchaus fortschritte erlangt. zb. kann tom jetzt den stift richtig halten, während er vorher den faustgriff machte. auch ist seine konzentrationsspanne schon länger geworden (lag im november noch bei 5 minuten).

wir versuchen zur zeit uns viele inseln um das ganze drama rum zu bauen, in denen wir entspannte zeiten mit tom haben, versuchen, das positive aus ihm rauszuholen. er ist ein ganz cleveres kerlchen und zeigt das immer wieder bei spielen. aber das wird immer schwerer, wenn der schub so lange dauert (geht jetzt etwa 3 wochen wieder so).

von der erziehungsberatung (erfolgt über den kinderschutzbund), die wir ja immernoch aufsuchen, wurde uns angeraten, mal einen judoverein aufzusuchen, von wegen regeln einhalten und disziplin. das machen wir am donnerstag. tom freut sich schon drauf. ich bin gespannt, wie es wird.

von hypiemama - am 12.04.2005 17:29
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