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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
8
Erster Beitrag:
vor 13 Jahren, 4 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 13 Jahren, 4 Monaten
Beteiligte Autoren:
Apfelsine, Mottensprotte, 1997, ini 2

Positives und eine weitere Frage ...

Startbeitrag von Apfelsine am 20.04.2005 18:17

Hallo,

nachdem ich letztens meine Sorgen wegen des Tests zur sonderpädagogischen Einzelförderung hier ausgebreitet hatte (fürchtete, dass mein Sohn nicht mitspielen würde), kann ich jetzt berichten, dass alles prima geklappt hat - vor allem deshalb, weil er ne sehr, sehr nette Lehrerin hatte, die mit ihm den Test durchgeführt hat. Sie sieht in jedem Fall Förderbedarf für unseren Kurzen und jetzt hoffe ich, dass im Sommer zur Einschulung auch eine Extrakraft zur Verfügung steht, die unseren Sohn stundenweise in den Schulalltag begleitet und ihm zusätzlich zum Klassenlehrer unterstützend zur Seite steht.

Am Wochenende beginnen wir dann mit der Gabe von Medikinet. Ich hoffe sehr, dass es ihm etwas weiterhelfen kann.

Die Selbsthilfegruppe hier in der Nähe habe ich auch endlich aufsuchen können und es war eine große Erleichterung, endlich auch mal Eltern "live" zu treffen, die ähnliche Probleme haben.
Alles in allem also alles recht positiv.

Jetzt aber zu meiner Frage: Was macht ihr, wenn ihr direkt mitbekommt, dass euer Kind von anderen abgelehnt, angegriffen, gehänselt oder gemobbt wird? Also daneben steht oder in der Nähe seid. Greift ihr dann ein?

Unser Sohn (6 J.) kann sich verbal nicht so recht wehren, weil er immer zu rasch hoch geht. Wenn er sich wehrt, dann mit Taten, was die anderen noch mehr reizt. Ich sage dann schon etwas zu den Kindern, wenn ich mitbekomme, dass sie ihn ärgern. Heute hat z.B. ein Mädchen aus unserer Nachbarschaft angefangen, ihn zu ärgern, als wir aus dem Auto stiegen. Zunächst habe ich noch nichts gesagt, als es um altersspezifische Hänseleien ging ("ich bin aber eher zuhause als du" usw.), nur als sie eigentlich nur noch mir gegenüber durch entsprechende Gesten (Zunge raus und Finger in den Hals) ihre Ablehnung meines Sohnes zeigte, habe ich ihr ruhig, aber bestimmt gesagt, dass ich das nicht in Ordnung fände und es Folgen hätte, wenn sie so weitermache. Da ist sie dann auch schnell weggefahren.

Ich habe immer das Gefühl, eingreifen zu müssen, wenn unser Sohn hilflos ist und ich dabei bin, denn wer soll es sonst tun?
Was meint ihr?

Liebe Grüße

Simone

Antworten:

Hallo Simone,

oh ja, das kenne ich!
Und ich greife auch ein, wenn ich das Gefühl habe, eine Grenze ist überschritten. Bei den "normalen" Kindern sage ich, dass ihr Verhalten gemein und verletztend ist und ob sie gerne möchten, dass man soetwas mit ihnen macht. Bei der "halbgescheiten" baue ich mich drohend auf und mache ihnen klar, dass sie mein Kind nicht angreifen werden.

Ich denke, unsere Kids sind so oft Angriffsfläche. Das ist schon schwer genug für sie. Aber sie damit allein zu lassen, wäre Verrat. Ich würde das als Kind nicht vergessen und würde bestimmt denken, wenn meine Mama mich nicht schützt, haben die anderen vielleicht recht.

Ich greife manchmal auch bei fremden Menschen ein, wenn ich das Gefühl habe, der schwächere kann sich nicht wehren. Als ich mal mitbekam, dass einige Studenten (ca. 25 Jahre alt, ich selbst war 27) an der Mensakasse ihren stark übergewichtigen Kumpel wegen seines Gewichts so ärgerten, dass ich sogar schon vom zuhören Magenschmerzen bekam, habe ich mich du dem "Anführer" umgedreht und ihn gefragt, was er denn für ein armes Licht sei und den Gehänselten habe ich gefragt, wieso er sich mit solchen Leuten abgibt. - Ruhe an der Kasse, selbst unbeteiligte haben kein Wort mehr gesagt. - Aber es musste einfach raus.

In diesem Löwen-Mama-Sinne,

Mottensprotte

von Mottensprotte - am 21.04.2005 04:05
Hallo Simone!

Toll, dass es bei der Testerei so gut für Euch gelaufen ist!

Ich hoffe auch sehr für Euch, dass Ihr mit der Medikation Erfolg haben werdet. Unser Sohnemann ist letztes Wochenende auf Concerta umgestellt worden und wir sind bis jetzt sehr zufrieden damit.

Was Deine Frage betrifft:
Ich würde erst einmal abwarten und wenn sich die Situation zuspitzt (so wie du es geschildert hast) natürlich auch eingreifen! Auch ich habe schon mehrmals eingreifen müssen, weil Sohnemann sich einfach nicht wehrt.

Einmal haben ihn die Kinder vom Kindergarten so sehr traktiert, dass wir uns mit den Eltern der "Bösewichte" in Verbindung gesetzt haben, auch, weil die Erzieherin total überfordert war und dem ganzen Treiben hilflos gegenüber stand.

Ich denke, wir müssen immer gut abwägen und nicht bei jeder Kleinigkeit eingreifen. Schliesslich sollen sie ja auch lernen sich zu wehren!
Aber wenn es nicht mehr anders geht, brauchen gerade unsere Kids unsere volle Unterstützung.

So, jetzt drücke ich Euch die Daumen für das Wochenende....

Alles Liebe
Ini

von ini 2 - am 21.04.2005 17:33
Hallo Mottensprotte,

es tut gut zu hören, dass andere es auch so sehen. Wenn möglich versuche ich auch, Erklärungen zu geben, aber so zwischen Tür und Angel ist das immer ein wenig schwierig - leider.

Schön, dass du auch in anderen Situationen eingreifst, geht mir auch ähnlich.

Liebe Grüße

Simone

von Apfelsine - am 21.04.2005 18:26

P.S.

Schön, dass du deinen Termin heute gut überstanden hast. Und vor allem freue ich mich über die Äußerungen der Lehrerin - das macht Mut!

Nochmal liebe Grüße

Simone

von Apfelsine - am 21.04.2005 18:27
Hallo Ini,

lieben Dank für deine Antwort und die Daumen! Ich bin manchmal sogar am Überlegen, im Kindergarten einen Vortrag über Kinder zu halten, die anders sind (insbesondere, weil unser Sohn in einen integrativen Kiga geht), damit die Kinder ADS besser verstehen und besser damit umzugehen lernen. Ich denke, man könnte so etwas sehr kindgerecht aufziehen - z. B. mit einer kleinen Geschichte vorweg. Falls ich das bis zum Ende der Kiga-Zeit nicht mehr schaffen sollte, nehme ich es mir vielleicht für die Schule vor. Denn ich glaube, es herrscht noch viel Aufklärungsbedarf.

Aber dennoch wird es unter Kindern immer wieder diese Probleme geben, denn selbst wenn man von den Schwierigkeiten der ADSler weiß, ist es oft schwer, ihr Verhalten hinzunehmen oder gar zu akzeptieren. Also werden wir noch weiter für unsere Kinder eintreten müssen und immer gut abwägen, wann ein Eingreifen angebracht ist und wann nicht.

Liebe Grüße und viel Erfolg weiterhin mit Concerta wünscht euch

Simone

von Apfelsine - am 21.04.2005 18:33

Re: P.S.

Hallo Simone,

Danke für Deine Anteilnahme!

Liebe Grüße,

Mottensprotte

von Mottensprotte - am 22.04.2005 07:03
Hallo,
Eingreifen ja oder nein ist immer wieder die Frage.
Ich denke es kommt darauf an (sehr hilfreich, ich weiß).
Sind es Kinder zu denen dein Sohn den Kontakt sucht, dann darfst du nicht eingreifen denn er sucht ja den Kontakt. Auch wenn es schlecht für ihn ist (in deinen Augen) er will es so.
Wenn es jedoch "fremde" Kinder sind, dann kannst du dich schützend vor ihn stellen.
Ich habe vor unserem Umzug mit allen Kindern in der Nachbarschaft Krieg gehabt. Wohlgemerkt ICH hatte den Krieg. Ständig meinte ich meine Tochter schützen zu müssen. Sie wurde gemobbt, geschubst, mit Äpfeln beworfen ..... Ich habe geredet, gemeckert, getobt... Ich habe so gelitten!!!
Und es hat lange gedauert bis ich begriffen habe, daß sie ja immer wieder freiwillig raus geht. Also sie hatte noch nicht "gelernt", daß es schlecht für sie war.
Nun sind wir GOTT SEI DANK umgezogen und ich halte mich raus. Das ist für alle Beteiligten besser. Ich bin nicht mehr die "Mecker-Mutter", Lara steht für sich alleine ihre Frau und ich sage ihr immer wieder, das sie jederzeit wieder rein kommen kann. Es klappt nun viel besser. Sie geht wenn es ihr zuviel wird, dann tröste ich und beim nächsten Mal kann sie es unbeschwert wieder neu versuchen.
Vielleicht hilft dieser Bericht dir etwas weiter?
LG 1997

von 1997 - am 22.04.2005 08:18
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