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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
9
Erster Beitrag:
vor 8 Jahren, 11 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 8 Jahren, 11 Monaten
Beteiligte Autoren:
marion3, bockile, doroH, Emma N., ErichW, Chris G

Ich blick da nicht mehr durch!

Startbeitrag von marion3 am 13.11.2005 18:04

Hallo erstmal !
Ich muss jetzt mal was schreiben ,denn ich blicke langsam nciht mehr durch.
Mein Sohn ist zehn Jahre und wurde vor 4 Jahren nicht in die Regelschule eingeschult ,weil er beim Einschulungstest durchgefallen ist. Wir haben ihn dann auf die Förderschule tun müssen und sind dann durch die ganze Psychologenmühle : Ergo ,IQ-Tests, andere Tests ..na ihr kennt das sicherlich .
Am Schluss sagte die Ärztin : ich bin mir nicht sicher ob er es hat (wenn dann ADS ohne H) ,wir wissen es erst wenn wir Medis nehmen würden.
Ich lehnte das ab und habe das ganze mal ein paar Jahre verdrängt. Mittlerweile ist Daniel in der Regelschule und naja jeder Lehrer sagt er habe Ads und er bräuchte was aber die Noten waren noch einigermassen in Ordnung bis jetzt . So das ich noch nichts gemacht habe.
Im Frühjahr haben wir dann Medikinet angefangen und naja es half nciht wirklich (allerdings war die höchste dosis 15mg bei 40kg ,was sicherlich zu wenig war) .Daniel wurde weinerlich und ich hörte auf ,da ich keinen Erfolg sah (wir haben es 3 Monate gegeben)
Jetzt bin ich wieder zur psychologin weil ich merkte das die Kinderärztin nicht mehr weiter weiß und die will jetzt wieder alles von vorne beginnen : EEG ,IQ-Tests usw.
Ist denn das alles wirklich nötig ? Bin ich beim falschen Arzt oder wieso kann mir niemand sagen was los ist mit meinem Sohn?
Die Ärztin meinte er macht das mit dem träumen absichtlich und die Lehrerin macht Druck ich solle was unternehmen .
Ich weiss gar nicht mehr was ich tun soll.
Ich habe auf Drängen jetzt Ritalin bekommen und komischerweise hat er da keine Weinerlichkeit und auch sonst keine Reaktion gezeigt . Aber Ritalin und Medikinet ist doch dasselbe oder?
Jetzt hab ich soviel geschrieben ,aber ich würde mich freuen ,wenn der eine ohne andere mir nen Rat geben kann.
Ach so und was ich noch fragen wollte ist : Was passiert bei einem Kind das kein Ads hat wenn es Ritalin bekommt.
Wie ist die Wirkung bei den Träumern (also ausserhalb der Schule ) ,wie kann ich eine Veränderung erkennen?
Danke euch im vorraus!
Antworten:
Hallo marion,

sorry, aber deine Fragen kann ich leider nur als Laie und ansatzweise beantworten, habe aber auch eine weitere Frage an dich.

Erstmal: Nach meinem Wissenstand ist Ritalin und Medikinet tatsächlich das gleiche. Ich nehme selbst Ritalin und kann von mir sagen, dass die Wirkung nicht immer gleich ist. Es gibt Phasen, da scheint die normale Dosierung gar nichts zu bewirken, aber eben auch solche, bei denen mir meine normale Dosis schon zu viel erscheint. Das ist für mich mittlerweile gut zu praktizieren, sehe aber, das eine fremdbestimmte Dosieranleitung wirklich problematisch sein kann.

Nun zu meinen Fragen:

Ich hatte irgendwo in einem Beitrag von Dir gelesen, dass sich nach der ersten Medi-Gabe doch einige Zeit tatsächlich die schulische Situation verbessert hatte, dann sich aber alles wieder "wie gehabt" einfand. Schwierig zu beurteilen, ob nun die Medis oder die "Erwartungshaltung" diese positive Zeit bewirkt haben.

Hatte dein Junge selbst denn das Gefühl, das er besser klar kam, weil er "anders" war oder weil die Lehrer mit ihm anders umgingen?

Was mich sehr interessiert ist, wann die Weinerlichkeit auftrat? Direkt unter der Wirkung des Medikinets (ca. 3 - 4 Std. nach Einnahme) oder nach Abklingen der eigentlichen Wirkung?

Das frag´ ich, weil unser Junge auch weinerlich und depressiv reagierte. Wir gaben nur kurze Zeit Ritalin, nach den ersten Gaben meinte unser damals 11jähriger Sohn, dass es z. B. während einer Geburtstagsfeier bei der Oma, richtig gut gewesen sei. Er hätte richtig interessiert zuhören und mitreden können (mit seinen Lieblingstanten) und es wäre gar nicht langweilig gewesen, wie sonst immer!

Das erlebte er als sehr positiv, allerdings sollten wir 2 x 5 mg, geben und dies hatte natürlich zur Folge, dass er wahrscheinlich heftig den Rebound zu spüren bekam. Am Abend bzw. nachmittags weinte er oder reagierte aggressiv, nach wenigen Tagen weigerte er sich komplett die Medis zu nehmen, er erklärte, er würde davon ganz verrückt und depressiv.

Jo, das brachte er so heftig und klar rüber, dass wir die ganze Sache ruhen ließen. Sein Klassenlehrer war nicht direkt über das Absetzen informiert und befand auch tatsächlich weiterhin eine Verbesserung in der schulischen Situation. Hm...mh...?
Das alles ist zwei Jahre her, es geht bislang mal bergauf, mal bergab ...

Insgesamt klappt es ganz gut, aber für mich ist klar, es ist einen weiteren Versuch wert, falls die Situation sich für unseren Jungen wieder deutlich verschlimmert und er bereit sein sollte, Hilfe von außen anzunehmen. Gegen ihn kann und will ich nicht arbeiten!

Lieben Gruß
bockile



von bockile - am 13.11.2005 20:40
Die Erklärung für die unterschiedlichen Wirkungen wird gemeinhin in den verschiedenen Trägerstoffen gesucht. Es ist in der Tat verblüffend, wie der gleiche Wirkstoff durch unterschiedliche Zubereitungen unterschiedlich Effekte hat.

Bei Menschen ohne ADS/ADHS wirkt MPH so, wie man es von einem Aufputschmittel erwarten kann. In kleinen Dosierungen aufmunternd und auch konzentrationssteigernd, in höheren Dosierungen unangenehm, das sind allerdings Infos aus der Quelle "Hörensagen".

Die Wirkung bei Träumern ist zwar etwas anders, aber die gewünschten Effekte sind gleich wie bei Zappelphilippen.

FG Erich

von ErichW - am 13.11.2005 21:50
Hallo Marion, hallo Ihrs,

Marion, im Prinzip spricht es nicht für Euren Arzt, wenn er behauptet, einen "Träumertyp" kann man erst dann herausfiltern, wenn Medikamente Wirkung zeigen...Das kann man heute auch vorher rausfiltern!

Des weiteren, es bestehen tatsächlich oft grosse Unterschiede hinsichtlich der Wirkung eines Medikamentes, da nicht immer der gleiche Wirkstoff die Frage der Wirksamkeit bestätigt, sondern oftmals die Frage, mit welchen Hilfsträgerstoffen wird er rübergebracht, wichtig ist. So kann ein Kind manchmal Ritalin bestens vertragen, aber ein anders nicht, das verträgt und spricht nur auf Medikinet an.

Ich persönlich würde mich über die Beantwortung folgender Frage freuen:

Du schreibst:
>Mittlerweile ist Daniel in der Regelschule und naja jeder Lehrer >sagt er habe Ads und er bräuchte was aber die Noten waren >noch einigermassen in Ordnung bis jetzt . So das ich noch >nichts gemacht habe.

dann schreibst Du weiter:

>Im Frühjahr haben wir dann Medikinet angefangen und naja >es half nciht wirklich (allerdings war die höchste dosis 15mg >bei 40kg ,was sicherlich zu wenig war) .Daniel wurde >weinerlich und ich hörte auf ,da ich keinen Erfolg sah (wir >haben es 3 Monate gegeben

Warum habt Ihr eine Medikation begonnen, wo doch für Euch alles tragbar und ok war????


Viele Grüsse, Chris G

von Chris G - am 14.11.2005 01:54
Danke für eure Antworten:

Also erstmal zu bockile : Das weinerliche trat eigentlich gleich nach der Gabe von Medikinet auf .
Daniel hat damals eine Verbesserung gespürt ,wobei ich finde das es sehr schwer ist aus ihm was rauszubekommen *g* .Er merkt ja nicht mal das er sooo viel träumt . Er findet sich in Ordnung und naja leidet nicht drunter oder tut so als leide er nicht drunter. Meiner Meinung nach überspielt er alles ,macht einen auf cool.
Die Lehrerin sagte wirklich damals es wäre besser (auch eine zweite Lehrerin sagte das) : ER wäre schneller und konzentrierter doch nach einigen Wochen rief sie an und fragte mich ob ich die Tabletten noch geben würde,sie merke nichts mehr. Auch Daniel sagte nach einiger zeit es würde nicht mehr wirken.Die Noten und Hefführung waren wie immer ,also ich konnte von zuhause nichts bemerken.

@chris: zu deiner Frage warum ich es angefangen habe:
Erstmal musste ich dauernd bei Lehrern und Erziehern antreten ,seit Daniel drei Jahre alt war. Das zehrt unwahrscheinlich an den Nerven . Alle drei Lehrer die er bis jetzt hatte ,sagte das gleiche: Er hat Ads und tun sie was blabla
Naja auch hinsichtlich einer weiterführenden Schule dachte ich ,ich müsste es mal ausprobieren ,denn ich wollte ihm den Weg durch meine Ablehnung gegen Medis nicht verbauen.

Mittlerweile ist er in der vierten und bringt nur noch vierer mit nach Hause. Er kann seinen Stoff ,lernt unwahrscheinlich leicht und sollte eigentlich ein zweier Kandidat sein und verhaut alle Proben durch Leichtsinnsfehler ,nciht richtig gelesen ,überlesen und solche Sachen .
Ich finde es einfach schade und naja ausserdem bekomm ich halt Druck vom Lehrer deshalb hab ich mit den Medis angefangen .
Liebe Grüße marion

von marion3 - am 14.11.2005 07:32
Zitat

Mittlerweile ist er in der vierten und bringt nur noch vierer mit nach Hause. Er kann seinen Stoff ,lernt unwahrscheinlich leicht und sollte eigentlich ein zweier Kandidat sein und verhaut alle Proben durch Leichtsinnsfehler ,nciht richtig gelesen ,überlesen und solche Sachen .
Ich finde es einfach schade und naja ausserdem bekomm ich halt Druck vom Lehrer deshalb hab ich mit den Medis angefangen .

Hallo Marion,

wenn ich das lese, denke ich auch, das sind typische ADS-Symptome. Ich habe auch so ein Träumerle. Erstaunlicherweise wird er fixer und konzentrierter im Denken, wenn die Aufgaben schwieriger werden.

Mein Kind bekommt Concerta 54mg und ich habe hin und wieder das Gefühl. das ist zu wenig. Ritalin und Medikinet sind übrigens nicht ganz das selbe, der Trägerstoff ist verschieden. Und es gibt Leute, die sagen, dass sie von Medikinet doppelt so viel brauchen wie Ritalin. Jedenfalls sind die Medikamente auch nur Krücken, die die ADS-Probleme mildern, aber nicht unbedingt abstellen können.

Wie sieht es eigentlich mit der Differentialdiagnostik aus. Wurden mögliche andere Erkrankungen (Schilddrüse etc.) ausgeschlossen?

Grüße von Emma

von Emma N. - am 14.11.2005 08:34
Liebe Marion,

was geschieht da manchmal mit uns?

Wir lieben unsere Kinder mit ihren Eigenarten, sehen ihre Probleme, wollen sie beseitigen und wissen doch gleichzeitig "noboby ´s perfect"!

Dein Junge ist ein Träumer, meiner meist hyperaktiv, selten in sich gekehrt, die meiste Zeit "rauscht" alles viel zu schnell an ihm vorbei (so meine und Ansicht der Lehrer)!

Und auch ich weiß, dass er "Begabungen" hat, diese aber oft nicht rüberbringen kann (Flüchtigkeitsfehler, falsch aufgefasste Aufgabenstellung etc.), dass er durch sein hektisches Verhalten und seine Empfindlichkeit immer wieder Probs bekommt, nicht viele Freunde hat, aber doch einen "besten", seit seiner Kindergartenzeit!

Muss er anders sein? Muss er das leisten, was er könnte?
Leisten wir immer das, was wir könnten???

Wir hatten große Hilfe durch eine Kinder- und Jugendtherapeutin, deren Mann selbst Lehrer ist.

Sie hat uns/mich gestärkt im "Annehmen" unseres Kindes.
Sie hat das GEWICHT aus den Forderungen der Lehrer genommen, in dem sie versuchte uns klar zu machen, dass es nicht nur um den "Frieden" (oder die Befriedigung der Ansprüche) der Lehrer, sondern erst einmal um den "Frieden" unseres Jungen geht.

Sie hat uns seine Stärken besser erkennen lassen und unser Gefühl verstärkt, der Junge ist gut!!! so wie er ist.

Natürlich soll er kein "Leid" für andere sein und werden, er muß Grenzen einhalten, wie jeder andere Mensch auch!!!

Ich will nicht über seine Schwächen hinwegsehen, ich kann sie besser annehmen!

Jede Art von Hilfe ist o.k., auch Medikamente, wenn es dem KIND hilft, wenn er es annehmen kann !!! aber nicht, wenn nur andere es vorschreiben!

Ich glaube fest an ihn, und dass er seinen Weg findet.

Dieser kann ganz anders aussehen, als die Wege, die wir für richtig halten.


Wünsche dir und allen ganz viel liebende Kraft


bockile



von bockile - am 14.11.2005 14:10
Vielen Dank für eure zahlreichen Antworten ,das hat mir wirklich sehr weiter geholfen.
Andere Erkrankungen wurden schon untersucht Emma und nachdem ich mich auch mit ADS beschäftigt habe ,bin auch ICH der Meinung das mein Sohn das hat.
Allerdings bin ich gegen Medis gewesen (wie alle hier wahrscheinlich ) und habe auch erstmal alternative Medikamente gesucht .
Ich selber habe meinen Sohn tsja gelernt zu akzeptieren sag ich mal (denn immer gelingt mir das auch nicht),doch leider gibts da noch ein Leben ausserhalb des Elternhauses .
Wir wohnen in Bayern auf dem Land . Es gibt nur eine Regelschule ,weiterführende Schulen und eine Sonderschule . Keine besonderen Schulen für besondere Kinder wie oft in den Großstädten .
Die Förderschule ist für mich ein Jahr okay gewesen ,dann habe ich ihn gegen den Rat des Lehrers raus ,der mich mit den Worten verabschiedete: Dieses Kind wird nciht mal die erste klasse geschweige denn die zweite oder die dritte schaffen.
Mit viel Arbeit und Mühe und dem Aufgeben meines Berufes konnten wir ihm das Gegenteil beweisen .
Was das aber für einen Druck auf die ganze Familie bedeudet könnt ihr euch denken .Trotzdem sackt er zunehmend ab und ich werde dagegen ankämpfen das er wieder in diese Schule zurück muss ,denn da hat er nichts zu suchen .
Was ich dazu sagen muss ist ,dass in dieser Schule wirklich sehr viele gewalttätige ,schwer erziehbare,aus assozialen Familien stammende Kinder sind.
Könnt ihr jetzt meine Entscheidung verstehen? Ich habe vier Jahre gebraucht um mich für Ritalin zu entscheiden ,ich glaube das ist lange genug.
Liebe Grüße marion

von marion3 - am 15.11.2005 07:01
Hallo, bockile...
das spricht mir richtig aus der Seele, was du da schreibst.
Mir ist nämlich aufgefallen, dass der meiste Druck, den wir uns und unseren Kindern machen von aussen kommt.
Wenn unsere Psychologin fragt, wie wir so klarkommen, kann ich immer sagen:"Na ja, er ist unser Kind, wir kennen ihn und können ihn gut handlen." Im Prinzip krieg ich immer nur von Lehrern Gequengel zu hören. Klar, manchmal könnte ich ihn auch...ach, aber er ist doch meiner. Ich lieb ihn doch und deshalb nehm ich ihn mit allen Fehlern.
Grüsse doroH

von doroH - am 21.11.2005 16:09
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