Startbeitrag von Jessicaam 15.12.2001 00:17
Hat jeder Mensch das alleinige Entscheidungsrecht sich selbst zu töten oder soll man ihn immer und auf jeden fall davon abhalten?
Wollen sich Menschen mit Suizidgedanken wirklich töten oder ist es doch nur ein Hilfeschrei?
Und wie sieht es mit Suizidgedanken bei Kindern und Jugendlichen aus?
Ich habe nachfolgenden Bericht gefunden suche aber auch noch nach Studien die besagen das Mädchen weitaus häufiger betroffen sein sollen als Jungs...wer was dazu findet, bitte her damit.
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Ist alles zu spät?" - Suizidgefährdung bei Jugendlichen
Unter diesem Titel führten wir im Frühjahr 1997 einen gut besuchten Gesprächsabend durch, an dem hauptsächlich Erwachsene teilnahmen, die privat oder beruflich von der Selbsttötungsgefährdung Jugendlicher betroffen waren. In der sehr persönlichen Runde und ausgehend von eigenen Erfahrungen ging es u.a. darum, was Suizidgefährdung Jugendlicher bei den Bezugspersonen auslöst, wie die Lebenslagen suizidgefährdeter Jugendlicher aussehen können, welche Alarmzeichen es geben kann und wie die Mitmenschen mit gefährdeten Jugendlichen umgehen können. Am Schluß des Abends wurde von mehreren TeilnehmerInnen der Wunsch nach weitergehenden Gruppenangeboten zu dieser Thematik geäußert. Dieses übersteigt den Rahmen der Möglichkeiten einer Jugendberatung. Hier sind Beratungsstellen für Erwachsene oder Einrichtungen der Erwachsenenbildung gefordert. Für gefährdete junge Menschen und auch für sich sorgende Angehörige und sonstige Bezugspersonen steht die BiB jedoch auf jeden Fall mit kurzfristigen Beratungsangeboten zur Verfügung.
Anzeichen für eine Suizidgefährdung können sein, wenn ein junger Mensch
das Gefühl hat, einer Situation vollkommen ausgeliefert zu sein
das Gefühl von Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung hat
sein Selbstwertgefühl verliert und nicht mehr an sich glaubt
seine Aggressionen zunehmend gegen sich selbst richtet und nicht mehr gegen andere oder gegen Gegenstände
sich in andere Zustände hineinphantasiert, sich mit dem Totsein beschäftigt oder sogar konkrete Selbsttötungsabsichten schmiedet
Die Alarmzeichen, die auf eine Suizidgefährdung hindeuten können (nicht müssen!) sind
auffälliges Verhalten
Weglaufen, Schuleschwänzen, auf Trebe gehen, Rückzug, Veränderung der Eßgewohnheiten, Alkohol-, Drogen- und Medikamentenmißbrauch, Verwahrlosungstendenzen, Selbstverletzungen
Auffälligkeiten auf der sprachlichen und bildlichen Ebene
verbale Äußerungen (häufig verschlüsselt, FreundIn wird vorgeschoben), philosophisches Interesse (wollen Gegenargumente hören), schriftliche Äußerungen (Testament, Abschiedsbrief, z.T. verschlüsselt, symbolisch, demonstrativer Hinweis), Zeichen bildlicher Art (schwarze Kleidung, Kreuze, Gräber, Abdecken des Spiegels)
Psychische Veränderungen
Konzentrationsschwierigkeiten, Gleichgültigkeit (z.B. abruptes Abbrechen von lang gepflegten Tätigkeiten), niedriges Selbstwertgefühl (z.B. kein Lob oder Belohnungen annehmen können), Stimmungsschwankungen (depressiv, dann wieder ein Hochgefühl)
Somatische (körperliche) Beschwerden
z.B. Kopfschmerzen, Durchfall, Fieberschübe, Verstopfung, Übelkeit, Ruhelosigkeit, Müdigkeit, Schlafbeschwerden
Verlusterfahrungen
z.B. durch Tod eines Angehörigen oder eines Haustieres, Suizid in der Umgebung (Nachahmeffekt)
Realpraktische Schritte
z.B. Sammeln von Tabletten, Verstecken von Rasierklingen, Waffenbesitz
Sollten Bezugspersonen (Eltern, LehrerInnen, FreundInnen u.a.) solche Alarmzeichen auffallen, sollten sie in jedem Fall den Kontakt und das Gespräch mit dem jungen Menschen suchen. Auch wenn nicht unbedingt eine Suizidgefährdung vorliegen muß, sind diese Zeichen doch häufig Ausdruck einer persönlichen Krise, in der Unterstützung durch andere sehr wichtig sein kann. Diese Unterstützung darf weder aufgedrängt noch aufgezwungen werden. Wichtig ist es, dem jungen Menschen zu signalisieren: "Ich merke, daß es Dir nicht gut geht. Ich bin für Dich da. Du kannst mit mir reden. Ich höre Dir zu und versuche Dich zu verstehen." Wenig hilfreich dagegen sind Unverständnis ("Du willst mich ja nur erpressen"), und voreilige Ratschläge und Belehrungen ("Nun reiß Dich mal zusammen, laß Dich nicht so hängen"). Auch Panik der Bezugspersonen führt sie leicht dazu, daß sich die Jugendlichen noch weniger mitteilen. Wenn Angehörige, Bekannte oder FreundInnen sehr beunruhigt sind, sollten sie sich nicht scheuen, sich in einer Beratungsstelle (Erziehungsberatung, Jugendberatung, Krisenberatung) Rat zu holen, wie sie am besten mit ihrer Beunruhigung umgehen können.
In der Beratung von suizidgefährdeten jungen Menschen bemühen wir uns, auf ihre Gefühlslage einzugehen, sie mit ihren Gefühlen nicht allein zu lassen, allmählich die gedanken- und gefühlsmäßigen Einengungen wieder zu erweitern und ihnen dabei zu helfen, wieder mehr und andere Perspektiven zu entwickeln. Ganz wichtig ist es für uns dabei, dem Gefühl von Wert- und Sinnlosigkeit unsere Wertschätzung des jungen Menschen entgegenzusetzen, ihn auf diese Weise erfahren zu lassen, daß er und sein Leben wertvoll ist. In akuten Krisensituationen versuchen wir Verabredungen für Kontaktmöglichkeiten (z.B. Telefonate zwischen den Beratungsterminen) zu treffen und auch einen "Vertrag" zu schließen ("Bevor ich mir wirklich etwas antue, nehme ich Kontakt zu meiner BeraterIn auf"). Diese konkreten Hilfsmöglichkeiten sind häufig sehr nützlich. Eine absolute Gewißheit, daß ein junger Mensch sich nicht selbst tötet, kann jedoch trotz aller Aufmerksamkeit und Zugewandtheit nicht erzielt werden. Letztendlich hat jeder Mensch die Entscheidung darüber, ob er für sich eine Perspektive im Leben sieht oder nicht. Wir können ihm nur die Hand reichen, er selbst entscheidet darüber, ob er zugreift oder nicht. Diese Erkenntnis, die auch am Ende des Gesprächsabend stand, ist be- und entlastend zugleich: Sie macht einerseits schmerzlich die Grenzen unserer Einflußmöglichkeiten deutlich und hilft gleichzeitig dabei, uns nicht für alles, was geschieht, verantwortlich fühlen zu müssen.
Quelle: Jugendberatung BiB
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Gruß
Jessi
es gibt Studien, welche belegen, dass die Überzahl Suizidgefährdeter Mädchen sind. Du könntest mich jetzt erschlagen, aber ich weiß nicht mehr wo und wann ich das gelesen habe, es ist jedoch schon Jahre her.
Im Gespräch mit Mitarbeitern der Notrufzentrale habe ich vor kurzem folgendes erfahren:
- die meisten Personen, die eindeutige Signale aussenden wollen gerettet werden
- die Personen die sich jedoch ernsthaft töten wollen, blocken alles ab, in diesem Fall hilft nur die genaue Beobachtung, sowie man merkt die Person zieht sich von allem zurück.
- das A und O in der Betreuung ist Verständnis
- um das Problem Suizidgefährdung eindeutig zu erkennen, und dementsprechend zu agieren, muss die einzelne Situation genau betrachtet werden. Nur wenn man die Ursachen des Todeswunsches einigermaßen einschränken kann bestehen sinnvole Möglichkeiten dauerhaft zu helfen.
- Kinder und Jugendliche, welche einen Suizidgedanken äußern schreien um Hilfe:Immer!
Hoffe ich konnte dir etwas weiter helfen.
Gruss Wildcat
von wildcat - am 15.12.2001 08:24
ich kenne diese Problematik "nur" aus der Erzählung meiner Freundin die als Jugendliche Suizidversuche hinter sich gebracht hat...und heute zugibt das sie froh ist gerettet worden zu sein und das sie auch nach Hilfe "geschrien" hat.
Sie schreit heute wieder, ist nicht ganz so gefährdet wie früher, da sie Kinder hat die ein "irdisches Band" bilden. Trotzdem mache ich mir oft Sorgen. Sie sagt dazu: " Solange ich noch drüber rede, suche ich Hilfe..wenn ich mal nix mehr sag, dann wirds eng."
Soviel aus 2. hand aus der Sicht betroffenerr Menschen
Petra
von Hexe:-) - am 15.12.2001 08:37
Statistik zu Suiziden und Suizidversuchen
Selbstmorde
Es sterben deutlich mehr Männer als Frauen durch Selbstmord. Suizidrate nach Bundesländern und Geschlecht getrennt:
"Alte Bundesländer (1996): Insgesamt: Männer: 20,5 Frauen: 8,0
Neue Bundesländer (1996): Insgesamt: Männer: 27,8 Frauen: 9,6"
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Selbstmordversuche
"Im Gegensatz zu Suiziden werden Suizidversuche aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht erfaßt. Angaben über die Häufigkeit sind daher Schätzungen aus wissenschaftlichen Studien. Im Vergleich zu den Suiziden gibt es erhebliche Unterschiede:
Suizidversuche werden häufiger von Frauen als von Männer durchgeführt."
(...)
"Bislang nach unserer Kenntnis überhaupt nicht untersucht wurde die Häufigkeit von Suizidalität in Form von suizidalen Gedanken und Erlebensweisen, die sich noch nicht in einem Suizidversuch ausgedrückt haben.
Suizidversuche und suizidale Gedanken sind immer ernst zu nehmen."
Quelle: [www.uke.uni-hamburg.de]
von Pia - am 15.12.2001 12:14
Re: Statistik zu Suiziden und Suizidversuchen
Was sagt uns das dann?
Also Mädchen und Frauen versuchen es öfter aber Männer führen es auch aus?
Also gestern ging es darum das Mädchen öfter betroffen sein sollten weil sie sensibler als Jungen in der Pubertätsphase reagieren?
Aus eigenen Beobachtungen kann ich das so nicht bestätigen. Ich glaube das ebenso viele Jungen wie Mädchen übersensibel in der Pubertätsphase reagieren und in gleichen Maßen gefährdet sind.
Jungen hatten bisher nur eine andere Art mit Enttäuschungen und Verlusten umzugehen...nämlich in verbal agressiver Form. Was nicht heißen mag das sie nicht auch Zuhause weinen...ebenso wie Mädchen.
Mädchen in der heutigen Zeit hingegen reagieren mittlerweile ähnlich wie die Jungen...auch sie gestatten sich oft nur noch Zuhause für sich selbst zu weinen.
Ich komme daher zu der Schlußfolgerung das beide...sowohl Mädchen als auch Jungen oft mit ihren Gefühlen und Enttäuschungen immer öfter nicht fertig werden und sich mit Suizidgedanken befassen.
Apropos Pubertätsphase. Dazu habe ich auch noch eine Frage eröffne aber dafür einen eigenen Tread.
Gruß
Jessi
von Jessica - am 15.12.2001 13:42
Also meine Meinung dazu:
ich kann mir schon vorstellen, dass Mädchen gefährdeter sind- vor allem, wenn man sich die Situation bei ADSlern ansieht.
Mädchen sind eher Hypo- d.h. Probs werden meist nicht erkannt, sie sind weitaus gefährdeter, was Misshandlung und Missbrauch angeht, sie können sich nicht so gut wehren, ihre Fähigkeiten bleiben oft unerkannt, sind sensibel ........
So "fressen" sie schön brav alles in sich hinein, bis es halt nicht mehr geht....
Ich halte das reden über das Sterben wollen auch als Hilferuf- aber einen, den man nicht so schnell als unbegründet sehen sollte. Die , die nach Hilfe rufen, werden (nach meiner Erfahrung) es nicht so schnell tun. Wenn sie allerdings merken, dass sie keiner ernst nimmt, dann ziehen sie sich zurück und dann wirds gefährlich!!!
Die 2. Gefahr ist im "nicht geplanten Selbstmordversuch", da schreit man nach Hilfe, weiß nicht mehr weiter, alles versinkt im dunkel, man ist so allein, bzw. fühlt nicht mehr, dass es da Menschen gibt, die einem nur helfen wollen ...... und so ganz plötzlich (Impulsives Verhalten ADSler) sitzt man im Auto und gibt Gas, oder steht auf der Brücke und springt..........
Also meiner Meinung nach sollte man jedes Mal jedes Reden ERNST nehmen, aber trotzdem ruhig reagieren.
Susi
von Susi - am 15.12.2001 19:57
Re: Statistik zu Suiziden und Suizidversuchen
Ja das kann ich bestätigen. Mein Sohn hatte mit 5,5 Jahren so eine Phase- aus heiterem Himmel sagte er öfters er möchte nicht mehr leben (wir hatten da noch keine Diagnose) weil ihn einfach keiner glaubt und ihn versteht. Ich habe versucht auf ihn einzugehen-aber er blockte alles ab.
Ich denke mit Mädchen hätte man eher darüber sprechen können.
2 Wochen später schmiss er ein Regal auf sich- Gott sei Dank ist nichts passiert.
Daraufhin gingen wir zur Erziehungsberatung-die uns leider nicht helfen konnte und zum Kinderpsychologen- der dann endlich die Diagnose stellte. Seitdem gab es keine solchen Zwischenfälle mehr.
Gruß Nita
von Nita - am 16.12.2001 21:16
Ich habe mir lange überlegt ob ich meinen Eintrag hierzu mache oder nicht. Aber ich mach in einfach. Ich habe selber mit 15 Jahren einen Suizidversuch hinter mir. Ich hatte eine sehr schwere Kinder u. Jugendzeit. Meine 2 Geschwister wurden aber verwöhnt u. durften alles! Ich stand völlig alleine da und nimand hilft Dir nicht mal das Jugendamt. (So war es zumindest damals bei mir)
Das Jugendamt sagte mir damals als ich um hilfe suchte hast Du blaue Flecken kannst Du uns das beweisen (Ich wurde jeden Tag verbrügelt u. durfte nur in die schule nie nach draußen usw. wurde eingesperrt!) Meine Eltern hatten Gespräche mit Lehren, Familiestelle usw. aber sie schafften es immer sich raus zu reden. Ich kündigte dortmals mein Vorhaben an aber es hörte niemand also tat ich es mit sammeln von Tabletten und dann einnehmen. Man fand mich dortmals noch rechtzeitig! Und plötzlich ging alles man hätte sogar einen Heimplatz für mich gehabt. Heute bin ich so dankbar und glücklich das man mich gefunden hat. Was Du oben alles schreibst kann ich bei fast allem nur sagen so ist es man muß hin hören und helfen!!! Ich könnte Dir noch viel mehr darüber berichten.
Grüße
Conny
von Conny - am 16.12.2001 21:45