träumer ADS

Startbeitrag von Hoffnungam 09.03.2012 09:11

Ich bin neu hier und hoffe auf ernstgemeinten austausch von Erfahrungen mit betroffenen Eltern.
Bei meiner Tochter(9Jahre) wurde vor ein paar Wochen träumer ADS mit verdacht auf legastenie diagnostiziert.
Seit einer Woche nimmt sie nun Ritalin.
Was mich im moment aber am meisten beschäftigt ist die Zeit vor der Diagnose.
Meine Tochter ist durch die Hölle gegangen.
Es begann im Kindergarten wo sie abgestempelt wurde von den Erzieherinnen als Heulsuse die sich nicht von der Mama trennen kann.
Regelmäßig übergab sich meine Tochter auf dem Weg zum Kindergarten.
Erzieherin meinte meine Tochter will mich damit in die Knie zwingen sie nicht mehr in den gehassten Kindergarten zu bringen.
Mit eintritt in die Grundschule legte sich das übergeben ein wenig aber alle anderen Symptome des ADS blieben.
Unsere Grundschullehrerin (eine super liebe Lehrerin)konnte meiner Tochter aber auch nicht helfen und ich hörte mir drei Jahre immer das gleiche an.
"Das gibt sich bald."
Nun endlich die Diagnose.Träumer ADS
Ich mache mir unwarscheinlich vorwürfe nicht vorher erkannt zu haben was mit meiner Tochter los ist.
Durch immer wieder falsche Erziehungsmethoden die mir nahegelgt wurden durch Erzieher und Lehrer habe ich nun heute ein scheues Reh als Kind das vor jedem und allem Angst hat.Sie entschuldigt sich 20mal am Tag für ihr verhalten obwohl ich heute endlich weiß das meine Tochter für ihr handeln keine schuld trägt.
Wer hat ähnliche Erfahrungen gemacht?
Antworten:
Hallo Hoffnung,
ein herzliches Willkommen hier im Forum.
Ich selbst habe einen Jungen der jetzt 7 Jahre alt ist und die erste Klasse besucht. Bei ihm wurde vor ca 2 1/2 ADHS (also mit Hyperaktivität) dagnostiziert. Uns wurde natürlich sofort geraten ihm Ritalin zu geben, dagegen haben wir uns sehr lange gewehrt (wollten unser Kind nicht ruhigstellen) und haben uns auch für die Diagnose geschämt, wir dachten immer es sei unsere Schuld, dass unser Junge nicht "richtig erzogen" ist. Das bekommen wir im übrigen noch heute sehr oft zu hören...
Ja wir haben einen langen Leidensweg hinter uns. Im Herbst letzten Jahres wurde unser Kleiner eingeschult und wir haben bis dato niemanden von der Diagnose erzählt (ausgenommen Familie), doch schon nach kurzer Zeit bat uns der Lehrer zu einem persönlichen Gespräch geladen bei dem die Problematik unseres Jungen offen ausgesprochen wurde (lasse sich leicht ablenken, läuft im Klassenzimmer umher und, und...). Seit gut drei Monaten bekommt er jetzt Ritalin, und ich muss sagen ich bin positiv überrascht und hätte nie gedacht was ein Medi bei einem Menschen bewirken kann (ist im übrigen auch die Meinung des Lehrers).
Hätten wir uns schon vor 2 Jahren dazu entschlossen, ihm das Medi zu geben, wäre ihm (und uns) ein großer Leidensweg erspart geblieben. Was ich damit sagen möchte ist, mach dir keine Gedanken und vor allem keine Vorwürfe du bist ihre Mutter und du handelst instinktiv richtig und immerhin seid ihr jetzt auf dem richtigen Weg, alles andere braucht seine Zeit.
Liebe Grüße
Emmi

von Emmi78 - am 09.03.2012 12:08
Hallo,

ich bin sicher, jeder von uns hat genau die gleichen Gedanken gehabt, als nachdem die Diagnose "rauskam".

Ich denke aber auch, vor allem bei den Träumern ist es noch einen Zacken schwerer richtig einzuschätzen ob es nur eine Trotzreaktion oder schon ein ADS ist.
Eben weil sie fast immer ruhig und still sind. sie fallen ja kaum auf.
(Ich habe noch nie ein ruhiges Kind gehabt, ich weiß nicht wie das ist ;0))

In der Schule ist das auch für die Lehrer nicht unbedingt ein Zeichen, dass das Kind Hilfe benötigt.
Die Klassen sind ja mittlerweile so groß, dass sich jeder Lehrer über ein "ruhiges Kind" freut und teilweise auch nicht mehr die Zeit hat, der Stille auf den Grund zu gehen.

Bei den Hypies geht ja irgendwann alles lautstark den Bach runter und die Lehrer kommen gar nicht umhin darauf zu reagieren.
Dummerweise kommen von da auch dann schon mal die "Diagnosen", so nach dem Motto: vertrauen Sie mir, ich mach das ja schon so und so viele Jahre.

Die Vorwürfe von außen sind zwar fast immer die Selben, aber ich kenne ehrlich gesagt nur sehr wenige Träumer und die Literatur hat sich irgendwie auch vorwiegend auf die Hypies eingeschossen.

Nur eines noch zum Schluss:
Selbstvorwürfe bringen Euch jetzt nicht weiter, sie zermürben. Ich weiß das.
Sucht Euch jetzt Hilfe und mit ein wenig Glück und Vertrauen kann alles bald besser werden.
Vielleicht nicht alles gut, aber besser.

Ganz liebe Grüße,
Silke

von silkesluka - am 09.03.2012 12:43
Hallo Hoffnung,

ich finde auch, dass es keinen Grund gibt, Dir Vorwürfe zu machen.
Erstens ist es ohnehin nicht leicht, in unserer Zeit, in der die Existenz von ADS noch so oft geleugnet wird, auf die richtige Spur zu kommen und dann auch noch die Fachleute zu finden, die kompetent genug sind, die richtige Diagnose zu stellen.
Und zweitens ist es bei Träumerchens besonders schwer. Sie fallen nicht so stark auf wie die Hypies, und der Schaden wirkt sich vor allem auf sie selbst aus, sodass es nur sehr nahestehende Menschen überhaupt bemerken.

Ich weiß, wovon ich rede, denn ich war/bin selbst ein Träumelinchen, und meine Kleine fällt ebenfalls eher in diese Kategorie (auch wenn sie - zumindest in der Familie - durch heftige Wutausbrüche aufgefallen ist).

Okay - man kann nicht leugnen, dass Deine Maus viel durchgemacht hat.
Das mit dem Übergeben finde ich ziemlich erschütternd, und die "Erklärung" der Erzieherin unglaublich. - Wer übergibt sich schon freiwillig oder absichtlich??? (Von Bulimie-Patienten mal abgesehen...)
Also ich versuche es immer hinauszuzögern und möglichst zu vermeiden, wenn ich's mal mit dem Magen hab!
Zumindest hätte sich die Erzieherin vielleicht mal fragen sollen, warum dem Mädel der Kindergarten derartig verhasst ist, dass es sowas Unangenehmes in Kauf nimmt - oder?

Aber wie auch immer...
Auch wenn Deine Tochter wohl einige Verletzungen mit sich rumträgt - es hat keinen Sinn, über das Vergangene nachzugrübeln. Das "hätte, wäre ..." nützt niemandem.
Schau nach vorne!
Endlich wisst Ihr, was Sache ist (für mich war damals die Diagnose eine Riesenerleichterung). Die Kleine bekommt nun Therapie und hat eine Chance, das Vergangene zu verarbeiten. Die Wunden können heilen, und sie kann die negativen Erfahrungen durch positive ersetzen.
Konzentriere Dich darauf, durch Liebe, Geborgenheit, aber auch klare Orientierung und Strukturen ihre Heilung voranzutreiben!

Ich wünsche Euch alles Gute!
Liebe Grüße,

Agnes

von Agnes69 - am 09.03.2012 23:09
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.