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Geschichte und Gegenwart der Zeugen Jehovas
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Erster Beitrag:
vor 3 Jahren, 1 Monat
Letzter Beitrag:
vor 3 Jahren, 1 Monat
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Drahbeck, X ~ mysnip

Merkwürdige Dünnhäutigkeit

Startbeitrag von Drahbeck am 09.09.2011 17:18

Im Zeitspiegel
Merkwürdige Dünnhäutigkeit gewisser kirchlicher Kreise

Der anvisierte Besuch des Herrn Papst in Deutschland, wirft seine etwas merkwürdigen Schatten voraus.
Da gibt es in der kirchlichen Presselandschaft auch eine Zeitschrift betitelt "chrismon".
Nachfolgezeitschrift des nicht mehr existenten "Deutschen Evangelischen Sonntagsblattes".
Und in dessen aktuellen Heft (September 2011), rührt dessen Chefredakteur auch die Werbetrommel für ein von ihm geschriebenes Buch, wozu ihn insbesondere der anstehende Papstbesuch inspirierte.

Auf dessen Titelbild sind ja einige Persönlichkeiten abgebildet, teilweise mit durchaus als profiliert zu bezeichnenden Positionen.
Fünf Köpfe sieht man dort abgebildet.


Und auf der Doppelseite 14/15 genannter Zeitschrift, die diesem Buch gewidmet, werden sie alle nochmals namentlich genannt, für diejenigen, welche sie als Bild, so nicht zu erkennen mögen.
Und diese fünf Namen sind:
Martin Luther
Dom Helder Camara
Dorothee Sölle
Rudolf Bultmann
Jan Hus.

Stellvertretend greife ich meinerseits nur die Namen Sölle und Bultmann daraus heraus.
Sölle machte unter anderem Furore mit der "Gott ist tot-Theologie".
Wobei man bei solcher Position allerdings rückfragen kann:
Und wieso soll das ausgerechnet noch "Theologie" sein?
Sie zumindest wähnte, es sei so. Andere wohl etwas, bis bedeutend weniger.

Bultmann machte auch Furore mit seiner These (sinngemäß). Man könne nicht elektrisches Licht nutzen und gleichzeitig einem vorwissenschaftlichen Weltbild verhaftet sein. Sein Begriff der Entmythologisierung, mit dem er wähnte, "trotzdem", nach wie vor Theologe zu sein, würde ich meinerseits mit einem ähnlichen Kommentar bedenken, wie im Falle Sölle.

Damit hat Brummer mit dieser Auswahl, den nicht wenigen Dogmatikern in seiner Kirche, die liebend gerne auch Zeugen Jehovas sein würden, unter der nicht gegebenen Voraussetzng, sie könnten auch dort einen besoldeten Posten (möglichst hoch dotiert) ergattern, schon mal den Fehdehandschuh hingeworfen.
Da das aber mit den besoldeten Posten so bei den Zeugen nicht klappt, bleiben sie schon mal in ihren angestammten Kirchen, solange sie dort "abkassieren" können,

es sei denn eines Tages erwischt sich auch das Schicksal eines Pfarrers Jatho.
Dann ist es vorbei, mit dem abkassieren.

Zum Fall Jatho siehe:
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,89649,109086#msg-109086
17. August 2011 17:28

Wenn also Dogmatikern so der Fehdehandschuh hingeworfen wird, braucht man sich eigentlich nicht zu wundern, dass die dann auch "zurückschlagen".
Ein Pressebericht kündet jetzt auch davon:

www.rp-online.de/panorama/deutschland/EKD-distanziert-sich-von-Katholiken-Kritik_aid_1022051.html

Aufschlußreich auch dieser Link

www.evangelisch.de/themen/religion/arnd-brummer-will-katholische-religionspraxis-nicht-kritisieren48097

Und vergleichsweise zum ansehen mit empfohlen dieses Video

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=bXBZGlrsLPk

Da das ganze nun eigentlich mehr auf die katholische Kirche zugespitzt ist, mag dann noch aus dem genannten Heft von der Seite 19 die nachfolgende Passage zitiert werden, welche die Banalität dieses Streites in Kulturchristen-Kreisen vielleicht verdeutlichen kann.
Ich verwende bewusst den Begriff "Kulturchristen" ("Gott ist ein guter Mann" und das war es dann auch schon), denn von den Dogmatikern im Stile der Zeugen Jehovas, oder bornierter Evangelikaler, von den Papisten erst recht nicht zu reden, ist in der Tat Herr Brummer Lichtjahre entfernt!

Antworten:

Papstbesuch - I

Lesefrucht zum Papstbesuch:


Zitat

Es gibt somit keine Religion, die mehr zum totalen Staate paßt als die katholische. Was der totale Staat fürs Diesseits erstrebt, das lehnt die katholische Kirche nicht ab; sie ergänzt und vervollständigt es fürs Jenseits. So sind Staat und Kirche zwei Totalitäten, aber eigener Art.
Man sollte meinen, daß überall, wo diese Einsicht durchdringt, das gegenseitige Verstehen erleichtert würde. Handelt es sich ja um zwei Ähnlichkeitsformen; auch ein Verwandtschaftsverhältnis zwischen Staat und Kirche."

In: Bernhard Bartmann
"Positives Christentum in katholischer Wesensschau"
"Der Christ in der Zeit" Heft 8
Paderborn 1934 S. 33, 34

Zum thematischen Weiterlesen auch:
Mysnip.97316

von Drahbeck - am 17.09.2011 00:39

Re: Papstbesuch - II

Der erste Bischof von Rom, welcher sich selbst "Papst" (d. h. "Vater") nannte, war Leo I. (440 - 461). Er maßte sich die oberste Befehlsgewalt über alle anderen Bischöfe an und erklärte sich als Oberhaupt der gesamten Kirche.
Leo I. führte 450 für das Papsttum die neue (zusätzliche) päpstliche Titulatur Patriarcha Occidentis – Patriarch des Abendlandes – an, die alle Päpste bis 2006 übernommen haben.
Seinem Einfluß war es zuzuschreiben, daß Kaiser Valentinian III. in einem besonderen Gesetz sämtliche Bischöfe des Reiches als Untergebene des Papstes erklärte.
Der Nachfolger Leos I. Hilarius (461 - 468), war bestrebt, die weltliche Macht des Papstes weiter auszubauen. Er zwang die Bischöfe Galliens (so hieß damals das heutige Frankreich) zur Unterwerfung unter seine Herrschaft.
Gelasius I. (491 - 496) erklärte, der Papst habe die "Vollgewalt" über die Kirche. Die Überordnung des Papstes über die weltlichen Herrscher sei "gottgewollt".
In einem an den Kaiser Anastasius gerichteten Brief des Papstes finden sich die berühmten Worte:
"Zwei sind es, durch welche diese Welt regiert wird: die geweihte Autorität der römischen Bischöfe und die königliche Gewalt.Von diesen Ämtern überwiegt das das der Priester um so mehr, als sie beim göttlichen Gericht auch für die Könige werden Rechenschaft geben müssen."
In der Papstgeschichte spielte dann wohl als nächstes Stefan II. (752 bis 757) einen weiteren relevanten Part. Über ihn vernimmt man auch die Sätze:
Stephan und (und der Frankenkönig) Pippin trafen am 6. Januar 754 bei Ponthion aufeinander. Dort warf der Papst sich Pippin in Büßerkleidern zu Füßen und bat ihn, dem Volk von Rom im Kampf gegen die Langobarden beizustehen. .... Pippin und seine Söhne verpflichteten sich zur Sicherung Roms und einiger weiterer Gebiete und bestätigten diese als Eigentum des Heiligen Petrus. Der daraus folgende Vertrag wurde in Anlehnung an die Konstantinische Schenkung Pippinsche Schenkung genannt. Mit dieser Schenkung wurde der Kirchenstaat begründet, dessen letzter Rest bis heute als Staat der Vatikanstadt fortbesteht. ... Als Gegenleistung salbte Stephan am 28. Juli 754 den König und seine Familie und verlieh ihm und seinen Nachkommen den Titel "patricius romanorum". Damit war die Basis für die enge Verbindung des römischen Papsttums mit dem fränkischen Königshaus gelegt. Auf diesem Fundament wurde später das römisch-deutsche Kaiserreich errichtet.
Der Papst war nun ein weltlicher Herrscher über ein bedeutendes Landgebiet geworden. Allein es paßte ihm nicht, den Frankenkönig als seinen "Herrn" anzuerkennen und so betätigte er sich als Urkundenfälscher. Er ließ in seiner Kanzlei eine Urkunde herstellen, welche die Übergabe des "Exarchats" an den Papst als bedingungslose Schenkung erklärte.
Aber schon vorher hatte sich der Papst als Urkundenfälscher erfolgreich versucht. Er hatte eine Urkunde anfertigen lassen, in welcher Konstantin feierlich erklärt, dem Papste Sylvester I. die weltliche Herrschaft über das gesamte Abendland zu schenken.
Und dazu gibt es dann den Kommentar:
Dieser ungeheuerliche Betrug des "Nachfolger Petri" ist heute einwandfrei festgestellt und mußte sogar von katholischen Schriftstellern zugegeben werden.
Als nächstes in der Papstgeschichte muss man sich dann wohl besonders dem Gregor VII. zuwenden. Über ihn gilt es dann ja noch einiges zu sagen. Unter anderem auch dieses;
Um den Klerus zu einem gefügigen Instrument seines Willens zu machen, ging Gregor VII. besonders scharf gegen die Priesterehe vor. Bis zu dieser Zeit waren nur die Mönche zur Ehelosigkeit verpflichtet, während den Weltgeistlichen die Ehe erlaubt war. Aber seit der Papst Siricus im Jahre 385 erklärt hatte, daß "die schmutzige Leidenschaft" (so nannte er das "Sakrament" der Ehe!) die Verwaltung des geistlichen Amtes hindere, fanden sich immer wieder Päpste, welche die Priesterehe untersagten und bei der Ernennung von höheren geistlichen Ämtern nur ledige Kleriker berücksichtigten. Trotzdem waren noch zur Zeit Gregor VII. die meisten Geistlichen, ja selbst viele Bischöfe verheiratet; ja, es hatte sogar verehelichte Päpste gegeben.
Im Jahre 1074 erließ nun Gregor VII., das Zölibatsgesetz, welches alle Priesterehen für ungültig erklärte und die verheirateten Geistlichen aufforderte, ihre Frauen und Kinder davonzujagen.
Und weiter:
Der erfolgreiche Kampf gegen die Priesterehe hatte dem Papst die absolute Herrschaft über die kirchlichen Kreise gesichert.
Nun ging Gregor daran, auch die Oberhoheit über die weltlichen Fürsten zu erobern.
Willkommenen Anlaß, den Kampf aufzunehmen, bot ihm die von den deutschen Kaisern schon seit Jahrhunderten geübte Gewohnheit der Laien-Investitur.
Zu ihr vernimmt man:
Die Kaiser ernannten nämlich die Bischöfe und überreichten ihnen in feierlicher Zeremonie die Zeichen der bischöflichen Würde, Ring und Stab. Gleichzeitig wurde den Bischöfen, welche auf diese Weise zu weltlichen Beamten des Kaisers geworden waren, die Herrschaft über ein bald größeres, bald kleineres Landgebiet übertragen.
Gregor VII. verbot nun die "Laien-Investitur" und ordnete an, daß nur der Papst oder von ihm bestimmte Stellvertreter das Recht haben, dem durch die Geistlichkeit gewählten Bischof als Zeichen seiner Würde Ring und Stab zu übergeben."
Da allerdings, musste der Herr Hildebrand alsbald deutlichen Widerstand zur Kenntnis nehmen; und zwar in der Form des Königs
Heinrich IV .
Ein Kommentar zu ihm vermerkt:
Der junge Heinrich IV., welcher damals das deutsche Reich beherrschte, fühlte sich durch dieses Vorgehen des Papstes in seiner Machtstellung bedroht, und so kam es zwischen Kaiser und Papst zu jenem langwierigen, erbitterten Kampf, welchen man als den "Investiturstreit" bezeichnet.
Heinrich IV. hatte sogleich erkannt, daß der Papst mit dem Verbot der "Laien-Investur" die Unabhängigkeit der deutschen Bischöfe und damit die Oberhoheit des Papstes über den Kaiser herbeiführen wollte. Als nun Heinrich, ohne sich um das Verbot des Papstes zu kümmern, nach wie vor Bischöfe ernannte, drohte ihm Gregor mit dem Kirchenbann.
Da berief Heinrich im Jahre 1976 die deutschen Bischöfe nach Worms zu einer Versammlung, deren Zweck es war, den Papst abzusetzen. Tatsächlich faßte die Versammlung diesen Beschluß und verständigte Gregor davon in einem Briefe, der "an den Bruder Hildebrand" gerichtet war.
Schon durch diese Überschrift wollten die deutschen Bischöfe andeuten, daß Gregor sich auf unrechtmäßige Weise die Papstwürde erworben habe. In diesem Schreiben warfen die Bischöfe dem Papste auch seine ehebrecherischen Beziehungen zur Gräfin Mathilde vor.
Der Bericht geht wie folgt weiter:
Auch König Heinrich schickte dem Papst einen Brief, in welchem er als "Patricius von Rom", ihn beauftragte, seine Würde niederzulegen.
Als Antwort auf diese beiden Briefe schleuderte der Papst gegen Heinrich den Bannstrahl und belegte Deutschland mit dem "Interdikt".
Die letzterwähnte Verfügung untersagte namentlich das lesen der Messe und die Ausspendung sämtlicher Sakramente (mit Ausnahme der Taufe und der letzten Ölung.
Was Gregor mit diesem Vorgehen bezweckte, erreichte er auch; es entstand im ganzen deutschen Volke eine erbitterte Stimmung gegen den König und die meisten deutschen Fürsten fielen von Heinrich ab und wählten den Herzog Rudolf von Schwaben zum Gegenkönig.
Der Papst indes hatte nichts eiligeres zu tun, als sofort diese Wahl eines Gegenkönigs anzuerkennen. Er begünstigte den neuen König in jeder Weise. Ja, Gregor erhob nicht einmal Widerspruch gegen die Tatsache, daß Rudolf gleichzeitig mit drei Frauen in "rechtmäßiger, christlicher Ehe" lebte.
An diesem Punkt angelangt, kann der Kommentator es sich doch nicht versagen, dazu die Anmerkung einzuflechten:
Die Kirche hält eben bis zum heutigen Tage nur dem Volk gegenüber an der Unauflöslichkeit der Ehe fest, während sie bei "hohen Herren" immer wieder Ausnahmen von diesem menschenunwürdigen Grundsatz zulässt.
Aber zurückkehrend zur nun mißlichen Lage des Königs Heinrich. Heinrichs Lage war unhaltbar geworden. Daher entschloß er sich, nach Italien zu ziehen und den Papst zu bitten, ihn vom Bann und sein Land vom Interdikt zu befreien.
Gregor hielt sich damals in der Burg Canossa auf, welche seiner eben Witwe gewordenen Freundin Mathilde gehört. Drei Tage lang stand der König trotz der strengen Winterkälte barfuß und im leichten Büßerkleide, im Burghof, bis endlich der Papst ihn vom Banne lossprach.
Damit hatte diese Geschichtsepisode immer noch nicht ihr Endstadium erreicht. Wie es weiter ging vernimmt man in den Sätzen:
Nun aber entschloß sich Heinrich zur Gegenwehr. Er ließ durch die ihm treu gebliebenen Bischöfe den Patriarchen Wibert von Ravenna als Klemens III. zum Papst wählen und zog nach der Niederwerfung des Gegenkönigs Rudolf mit einem starken Heere nach Rom, wo er allerdings erst nach heftigen Kämpfen, am 21. März 1084 einrückte. Zehn Tage später ließ er sich von Klemens III. zum Kaiser krönen.
Gregor aber mußte nach Salerno in die Verbannung gehen, wo er ein Jahr darauf starb.
Der Kommentator fasst zusammenm dass letztendlich keiner der Kontrahenten, ungeschoren, seine Ziele erreichen konnte.
Über den weiteren Geschichtsverlauf vernimmt man:;
Klemens III. (1084 bis 1100) wurde nun von den meisten Bischöfen als Papst anerkannt. Da er dem Kaiser seine Wahl zu verdanken hatte, wagte er keinen Widerspruch, als Heinrich IV. auch weiterhin die deutschen Bischöfe ernannte.
Aber, Schließlich aber gelang es den Anhängern des verstorbenen Gregor, Klemens III. aus Rom zu verjagen, und nun wurde Viktor und nach dessen baldigem Tode Urban II. (1088 bis 1099) zum Papste gewählt. Dieser von Kaiser Heinrich IV nicht anerkannt, predigte offen die Revolution und hetzte den älteren Sohn Heinrichs, Konrad, zur Empörung gegen den eigenen Vater auf.
Beim Thema Urban II. angelangt wird noch vermerkt:
"Urban II. war es auch, der die von den Päpsten schon lange gehegte Idee der Kreuzzüge in die Wirklichkeit versetzte.
In Clermont forderte er in einer zündenden Rede die versammelten Bischöfe und Adeligen sowie das zahlreich anwesende Volk auf, Palästina den Händen der "Ungläubigen" zu entreißen.
Bald darauf kam tatsächlich der erste Kreuzzug zustande, dessen größte Erfolg, die Eroberung Jerusalems, Urban nicht mehr miterlebte.
Die Kreuzzüge, welche bekanntlich auch unter den folgenden Päpsten wiederholt unternommen wurden, haben zur Stärkung der weltlichen Macht des Papsttums wesentlich beigetragen.
Noch war das Verhältnis zwischen Papsttum und König sehr gespannt. Die nachfolgende Entwicklung wird mit den Worten beschrieben:
Durch Vermittlung der deutschen Fürsten kam es nun zu Verhandlungen zwischen Papst und Kaiser und endlich im Jahre 1122 zum Friedensschluß. Die im sogenannten Wormser Konkordat niedergelegten beiderseitigen Vereinbarungen bestimmten, daß in Hinkunft die deutschen Bischöfe nicht mehr vom Kaiser ernannt werden durften. Sie wurden vielmehr durch das geistliche Kapitel gewählt, worauf der Papst, meist durch einen Stellvertreter, die Weihe vornahm und ihnen die Zeichen ihrer geistlichen Würde, als Ring und Stab, übergab.
Dem Kaiser sollte nun jeder Einfluß auf die Besetzung der Bistümer entzogen sein; er hatte nur das Recht, dem durch die Geistlichkeit gewählten Bischof den damals mit dieser Würde verbundenen Landbesitz zu übertragen und ihm als Zeichen dieses weltlichen Amtes das Zepter zu überreichen.
So hatte also der langwierige Investiturstreit mit dem Sieg des Papsttums geendet. Die Päpste hatten nun tatsächlich die Oberhoheit über die weltliche Macht errungen. Sie waren dem Ziele sehr nahegekommen, das die ehrgeizigsten unter ihnen, Leo I. und Gregor VII. sich gesteckt hatten.
Vorstehende Referierung wurde der im Jahre 1928 erschienenen Broschüre von Ferdinand Boruta (1883 - 1962 Berufs- und Mittelschullehrer), entnommen mit dem Titel: "Das Papsttum auf dem Wege zur Macht.
Aus der Geschichte der frühmittelalterlichen Päpste", herausgeben vom Freidenkerverband Österreichs.
Die nachfolgende Entwicklung hat Boruta bei seinen Ausführungen dann nicht mehr im Blick. Sie hätte wohl auch den Platzbedarf der für diese Broschürenserie vorgegeben war, bei weitem überschritten.
Auf sie kann auch hier nur mit ganz wenigen Stichworten hingewiesen werden.
Etwa die "Delle" welche die Reformation der Catholica verpasste.
Oder auch ihr relativer Tiefpunkt, dass Napoleon einen Papst sogar ins Exil schicken konnte.
Das der sich bildende italienische Nationalstaat, auch dem Kirchenstaat ein Ende bereitete, bis getreu dem Motto "Mit Gott und den Faschisten", Mussolini diese Delle wieder ausbeulte.
Namentlich für den Verlust des Kirchenstaates, wähnte die Catholica noch einen besonderen Gegner haftbar machen zu sollen (ob zu recht oder nicht, sei mal völlig dahingestellt). Die ach so schlimme Freimaurerei, die Papsttypisch zur "Synagoge des Satans" erklärt wurde.
Die Catholica hätte ja auch ebensogut von einer "Kirche des Satans" für ihren Widerpart reden können. Sie tat dies aber nicht. Der Begriff Synagoge wurde mit Vorbedacht gewählt, dieweil sich so gleich "zwei Fliegen mit einer Klatsche" treffen ließen.

Exkurs.
Aus einer zusammenfassenden Referierung von Karlheinz Deschner:
Hatte die unterdrückte Kirche der vorkonstantinischen Zeit mit Engelszungen Religionsfreiheit erfleht, so forderte die triumphierende des 4. Jahrhunderts bald die Ausrottung der Konkurrenz.

Und die Kaiser, von den Kirchenvätern gedrängt, bedrohten gesetzlich immer rigoroser die alte Religion. Ihre Einrichtungen wurden systematisch zu Fall gebracht, nach 394 die Olympischen Spiele als "Fest des Teufels" nicht mehr begangen, 396 den heidnischen Priestern jedwede Privilegien entzogen,
418 alle antichristlichen Schriften verbrannt (auch Porphyrius 15 Bücher „Gegen die Christen").
529 schloß man die Universität von Athen und erklärte noch im selben Jahrhundert sämtliche Heiden für besitz- und rechtlos.
Die größten Autoritäten der antiken Kirche, Hieronymus, Johannes Chrysostomus, Ambrosius und Augustinus, riefen zu Untaten auf, die unvergleichlich grausamer waren als je eine Christenverfolgung durch die Heiden.

Im Anschluß an das Neue Testament, besonders an die Schriften des Paulus und des Johannesevangelium attackierten fast alle antiken Kirchenväter leidenschaftlich die Juden.
Bereits die ersten christlichen Kaiser ergriffen entsprechende Maßnahmen. Es kam zum Ausschluß aller Juden aus öffentlichen Ämtern, zur Zerstörung vieler Synagogen. Zahlreiche Synoden erließen scharfe judenfeindliche Bestimmungen.
Ein Konzil in Toledo befahl 638 die Zwangstaufe aller in Spanien lebenden Juden,
ein weiteres 694 die Versklavung sämtlicher Juden.
Ihre Vermögen wurden konfisziert, ihre Kinder vom siebten Lebensjahr an weggenommen.

Die Christen ermordeten in diesem einzigen Jahr (1349) weit mehr Juden als die Heiden Christen während der über zweihundertjährigen antiken Christenverfolgung!

Die Reformation verschärfte den Antisemitismus noch.
Über all dies führt ein gerader Weg in die Gaskammern Hitlers, der selber ein Produkt des christlichen Antisemitismus war.

Und wie die Heiden-, Juden- und Ketzerbekämpfung dem Wesen dieser Kirche entsprach, ihrer Intoleranz, ihren Absolutheitsanspruch und grenzenlosen Machthunger, so resultierte auch der Hexenwahn aus typisch großkirchlichen Elementen. Die Grundlage bildete ein grotesker Teufels und Dämonenglaube, den die berühmtesten Kirchenlehrer wie Augustinus und Thomas von Aquin ausdrücklich vertraten:

Psychologisch gesehen nicht zuletzt Folge einer umfassenden Frauenverachtung. Galt die Frau, durch die "Sünde" in die Welt gekommen, doch als "Gefäß der Unreinheit", als höllischen Einflüssen besonders zugänglich.
Ja man glaubte, eine Frau könne mit dem Satan sexuell verkehren, wodurch sie buchstäblich zur "Teufelshure" wurde. Diesen und ähnlichen Unsinn haben scholastische Theologen in ausführlicher Form "wissenschaftlich" begründet. Doch spielte bei der Beseitigung der Hexen auch die Geld- und Besitzgier des Klerus eine beträchtliche Rolle.

Die Reformation hat am Hexenwahn so wenig geändert wie am Antisemitismus. Im Gegenteil in vielen protestantischen Gegenden starben mehr Zauberer und Hexen als in katholischen; ja erst in nachreformatorischer Zeit kulminierte die Verfolgung, und noch im 17. Jahrhundert fielen ihr in Europa Hunderttausende, vor allem Frauen, zum Opfer.

Religionskritik

von Drahbeck - am 17.09.2011 00:53

Re: Papstbesuch - III

Der Papstkritiker Mynarek (sicherlich nicht als Co-Referent eingeladen) zur salbungsvollen Selbstdarstellung des Herrn Papstes im Deutschen Bundestag, meint unter anderem werten zu können:
Zitat

"Opus Dei", das deshalb auch im Vatikan über den größten Einfluss verfügt. Dieses "Werk Gottes" hatte bereits entscheidenden Einfluss auf die Wahl Papst Johannes Pauls II., der schon als Erzbischof in Krakau von ihm unterstützt wurde. Auch Josef Ratzinger wurde Papst, weil das "Opus Dei" das so wollte und die vielen Kardinäle, die zum Opus gehören oder ihm nahestehen, in die Richtung seiner Wahl dirigierte. ..."

www.kirchenopfer.de/profmynarekspricht/5349889827123bc01.html
(Anmerkung: wenn ich denn mal ausnahmsweise Mynarek zitiere, ist das nicht identisch, mit einer "Bejublung" aller seiner Thesen. Lediglich Anerkennung des Umstandes, das die katholische Kirche Herrn Mynarek arg mitgespielt hat, und das er bezogen auf die katholische Kirche, substanzielles mitzuteilen hat).

Bemerkenswert auch dieser Satz in einem Beitrag der Wikipedia:
Zitat

"In Francos letzten Regierungsjahren gehörten 10 der 19 Kabinettsmitglieder dem Opus Dei an"

http://de.wikipedia.org/wiki/Opus_Dei

Noch ein bemerkenswertes Zitat aus dem 1987 erschienenen Buch von Jürgen Roth und Bernd Ender
"Das zensierte Buch. Geschäfte und Verbrechen der Politmafia".
Darin auch dieses Detail:
Zitat

"Anfangs scharte Escriva (Opus Dei Gründer) eine kleine Gruppe von gleichgesinnten Freunden in Madrid um sich und arbeitete von 1931 bis 1939 im verborgenen. Nach Francos Sieg konnte sich sein religiöser Wahn ungehindert in ganz Spanien ausbreiten - eine religiöse Kreuzrittergesellschaft [Hervorhebung nicht im Original], die in Europa trotzdem unbekannt blieb.
Escriva, der junge Erleuchtete, sah Hitler denn auch als Verwandten im Geiste - als einen Mann, der einen Kreuzzug gegen den Marxismus führt. Jedes einzelne Mitglied des Opus Dei meldete sich damals freiwillig für die Blaue Division (eine spanische Freiwilligengruppe, die auf deutscher Seite im zweiten Weltkrieg gegen die UdSSR kämpfte)."

http://books.google.de/books?id=8uYtAAAAYAAJ&q=Opus+Dei+Blaue+Division&dq=Opus+Dei+Blaue+Division&hl=de&ei=iBRwTqqUFYXNswan2MyfBw&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=2&ved=0CDYQ6AEwAQ

Auch darüber wird der Herr Papst in seiner nicht geschätzten salbungsvollen Rede im Deutschen Bundestag wohl nicht reden.

von Drahbeck - am 17.09.2011 01:01

Ein geschlossenes Weltbild

wie Sektierer es so zu haben pflegen.
Allenfalls wäre festzuhalten.
Es gibt nicht nur numerisch kleine Sektierer, sondern auch numerisch große bis sehr große

Zitat

Einen „Plan Gottes mit der Menschheit“ hat zum Beispiel auch ein gewisser Charles Taze Russel entdeckt,


www.freitag.de/positionen/1138-der-balken-im-eigenen-auge

von Drahbeck - am 24.09.2011 07:33

Re: Ein geschlossenes Weltbild

Ellen G. White:

Zitat
[url=http://www.der-grosse-kampf.de/html/gk09.htm
DER GROSSE KAMPF ZWISCHEN LICHT UND FINSTERNIS[/url]]
Es liegt im Plan Gottes, sich bescheidener Mitarbeiter zu bedienen, um grosse Erfolge zu erreichen.

Russells Nachfolger meinte deshalb "bescheiden":

Zitat
[url=http://www.manfred-gebhard.de/7072.HTM
DAS VOLLENDETE GEHEIMNIS[/url] S. 72]
Es ist gar nicht zu glauben, ein wie großes Maß von Arbeit Pastor Russell verrichtete, und es ist zweifelhaft, ob je ein menschliches Wesen ihm darin gleichgekommen ist.

Angesichts der verwirrend vielen "Mitarbeiter" Gottes ist die Frage berechtigt:

Zitat
NWÜ - JOHANNES 6:68
,,Herr, zu wem sollen wir gehen?"



von X ~ mysnip - am 24.09.2011 09:40
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