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Geschichte und Gegenwart der Zeugen Jehovas
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Drahbeck, Frau von x

Der Weltuntergang - Eine amerikanische Dorfgeschichte

Startbeitrag von Drahbeck am 20.10.2011 22:32

Heute vor Eineinhalb Jahren, wurde in der Serie
Im Zeitspiegel
notiert:

Zitat

Wieder mal eine Sekte mehr, die auf dem verstimmten Klavier Jaultöne hervorzaubert

www.ebiblefellowship.com/de/may21_de.html

Es dürfte sich dann wohl empfehlen, genau ein Jahr später (2011) sich diese Webseite dann nochmals anzusehen."


Siehe auch das entsprechende Bildschirmfoto

Mysnip.60737

Und nun, was vernimmt man auf der zitierten Webseite in der Sache dazu jetzt???
Jetzt kann man auf dieser Seite unter anderem auch diese "markigen" Worte lesen:
Zitat

Wir können also sicher sein, daß die ganze Welt, ... unter Gottes Gericht steht und zusammen mit der ganzen Erde am 21. Oktober 2011 ausgelöscht wird. An diesem Tag werden die wahren Gläubigen (die Erwählten) entrückt.


worldwide.familyradio.org/de/what_happened.html

Offenbar gibt es immer noch genügend Dumme, welche die finanziellen Taschen dieser Dummheitsverkäufer aufzufüllen bereit sind.
Da kann man dann wohl bloß noch sagen.
"Wem nicht zu raten - dem ist nicht zu helfen!"

www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2011/10/weltuntergang-reloaded-das-jungste-gericht-findet-am-21-oktober-statt.php

www.focus.de/panorama/welt/angeblicher-weltuntergang-wenn-der-zombie-zweimal-klingelt_aid_629620.html

Der Weltuntergang - Eine amerikanische Dorfgeschichte

Antworten:

Dreieinhalb Jahre nach einer Fernsehsendung - Harmagedon

Wer es noch nicht wusste. In der evangelikalen Szene Deutschlands, ragt auch besonders unrühmlich (es sei denn das mit dem Brett vorm Kopf durch die Weltgeschichte marschieren, will man nicht als unrühmlich bezeichnen).
In besagter Szene ragte auch unrühmlich der
Verlag Hermann Schulte in Wetzlar hervor.
Nun hat besagter Verlag noch einige Metamorphosen durchgemacht. Hier und jetzt interessiert nur der Abschnitt seiner Geschichte wo er als Verlag Hermann Schulte firmierte. bzw. auch als Verlag Schulte-Gerth.
Ein hoher Prozentsatz seiner Autoren entstammt dem US-Evangelikalen Bereich, deren "Ergüsse" man in besagtem Verlag, auch in deutscher Übersetzung "bewundern" konnte.
An Borniertheit noch die WTG vielfach überflügelnd, und das will schon einiges heißen.

Eine Kostprobe davon auch die 1974 in jenem Verlag erschienene Publikation mit dem Titel:
"Wird der dritte Tempel gebaut?"
Als Autoren werden genannt die Herren Thomas McCall und Zola Lewitt.
Offenbar wieder mal dem US-Evangelikalen Milieu entsprossen.
Aufhänger jener Publikation ist der Umstand, dass im Jahre 691 durch Araber in Jerusalem der Felsendom errichtet wurde.

http://de.wikipedia.org/wiki/Felsendom

Da christliche Kreuzfahrer (in der Geschichte) zeitweilig besagtem Felsendom schon mal in ihren Besitz nahmen. Und in der Gegenwart Israel die Geopolitische Herrschaft in diesem Bereich ausübt, ist das für Evangelikale Stoff genug darüber zu spekulieren, was so alles da noch passieren könnte (oder auch nicht).
Zu diesen Spekulationen gehört dann auch (zumindest für Evangelikale), die Israelis könnten ja nun ihrerseits den "Dritten Tempel" dort errichten.

Aber o weh, dann begänne sich das Endzeitkarussell aber mächtig zu drehen.
Und da meinen besagte Autoren gar zu wissen:
Die Christen würden auf geheimnisvolle Weise (Entrückung) verschwinden und dies könne
Zitat

"zeitlich vor oder nachdem Bau des Tempels stattfinden."
(S. 131f.)
Damit ist aber die Jokerkarte des Endzeit-Szenario noch nicht voll ausgereizt.
Es geht dann weiter mit der Ankündigung des Auftreten des "Antichristen". Und weil er ein solcher sei, würde er besagtem "dritten Tempel", "entweihen".
Und besagte "Entweihung" würde
Zitat

"sicherlich im Fernsehen übertragen" werden.

Und der Clou dieser Darstellung ist dann die Behauptung (kraft der eigenen Wassersuppe entweder aus der Bibel, den Sternen oder dem Kaffeesatz entnommen)
Zitat

"Dreieinhalb Jahre nach der Tempelentweihung wird Harmagedon fällig sein."

Nur ein Jahr später (also 1975) "beehrten" die gleichen Autoren, im gleichen Verlag mit einem weiteren Buch. Diesmal fühlten sie sich bemüßigt über "den König des Nordens.
Greift Russland Israel an?" zu schwadronieren.
Zu den "Weisheiten" die da verkündet wurden gehörten dann auch die:
Zitat

"Als wir im Sommer des Jahres 1972 mit der Niederschrift dieses Buches begannen, lag der Gedanke an einen sowjetischen Einfall in Israel noch fern, obgleich schon damals viele die Möglichkeit einer russischen Invasion ins Auge faßten. Im Verlauf der Niederschrift im Herbst 1973, brach jedoch im Nahen Osten der Yom-Kippur-Krieg aus. Die amerikanischen Streitkräfte wurden in Alarmbereitschaft versetzt, weil mit der Möglichkeit eines russischen Einmarsches im Kampfgebiet gerechnet werden mußte.
Als die Verfasser 1972 Vermutungen darüber anstellten, daß das Öl des Nahen Ostens eines Tages eine entscheidende Rolle in der Weltpolitik spielen könnte, hätten sie es sich nicht träumen lassen, daß sie bereits ein Jahr später in Texas nach Benzin Schlange stehen würden!"
(S. 11)
Und da diesen Herrn das anstehen nach Benzin in Texas offenbar sehr mitgenommen hat, wähnt er, nachdem er sich von dieser Tortur wieder erholt hat, der "wartenden" Menschheit als Lehre daraus verkünden zu sollen:
Zitat

"Wir glauben aber, daß zwischen der russischen Invasion und dem Krieg von Harmagedon genügend Unterscheidungsmerkmale bestehen, um sie als zwei getrennte Konflikte betrachten zu können. Andererseits glauben wir auch, daß mit der Russischen Invasion und ihren Folgen die Weichen für Harmagedon gestellt sein werden. ...
Die Schlacht von Harmagedon ist eine Folge der russischen Invasion in Israel."
S: 58, 61)
Aber für die Seinigen hat er dann auch noch gleich einen "Trost" parat. Etwa den:
Zitat

"Nicht eindeutig feststellbar ist, ob die Gläubigen noch die kommende russische Invasion in Israel erleben werden. Wir haben sie zeitlich an den Anfang der Großen Trübsal gesetzt. Vielleicht findet der russische Einfall aber auch kurz davor statt."
(S.101)
Aber des Herrn "Seinige" würden dann ja ohnehin selig, durch eine wundersame "Entrückung".
Wer's glaubt - wird "selig".

Und weil er gerade beim "Trost" austeilen ist, hat er in seiner "Güte" sogar für Ungläubige Ratschläge parat. Denen etwa empfiehlt er:
Zitat

"Sie wären also gut beraten, wenn sie sogleich daran gingen, sich einen atombombensicheren Luftschutzbunker zu bauen. Ihre Nachbarn werden sie vielleicht für ein bißchen verrückt halten, aber Noah hat man auch verspottet, - bis es anfing zu regnen.
Glücklicherweise ist der russisch-Israelische Krieg rasch zu Ende. Die Zerstörung wird freilich vorhanden sein, aber das Leben geht weiter. Angenommen, Sie haben unseren Rat befolgt, sich einen Bunker gebaut und überlebt. Was kommt dann?
Als nächstes sollten Sie auf die Entrückung der Gemeinde Jesu achten. Sie wird unübersehbar sein. Die Christen werden einfach verschwinden. Da sie dem Sohn Gottes alle im Luftbereich begegnen, werden sie in einem Augenblick nicht mehr da sein."
(S. 109)
Schon wäre es, diese Sorte "Christen" würde tatsächlich mal verschwinden, was aber, nach allem was man so vernimmt, immer noch nicht der Fall ist.

Schon der Weltkrieg I. hatte die politische Landkarte bedeutend verändert. Der türkische Sultan in Koalition zum kaiserlichen Deutschland stehend, musste es hinnehmen, dass seine Herrschaft in Palästina ihr Ende fand (auch Deutschland gehörte zu den Weltkriegs-Verlierern).
Als relevanter Stichtag kann dabei die Eroberung Jerusalems durch den britischen General Allenby angesehen werden. Damit war das Ende der türkischen Herrschaft in Palästina besiegelt, und England nahm nunmehr als "Mandatsmacht" diese Rolle war.

Die Balfour-Erklärung seitens des britischen Außenministers vom 2. 11. 1917, stellte auch ein jüdisches Reich in Palästina in Aussicht, welches es zu türkischen Zeiten noch nicht gab.
Allein es blieben - einstweilen noch - Worthülsen. Ein tatsächlicher jüdischer Staat (mit allem was man unter einem Staatsgebilde versteht) wurde zu jenem Zeitpunkt noch nicht begründet. Gleichwohl gab es eine verstärkte jüdische Einwanderung.
Für das Jahr 1915 wird der Anteil jüdischstämmiger in Palästina auf etwa 12 Prozent beziffert. Die Araber bildeten nach wie vor die Majorität.

Zunehmende jüdische Einwanderung fand nicht unbedingt deren Wohlwollen. Schon 1921 gab es dieserhalb erste kriegerische Auseinandersetzungen.
Die Briten beschlossen unter Führung von Winston Churchill (damaliger britischer Staatssekretär für die Kolonien) die Teilung Palästinas. Vier Fünftel des Landes wurden als Transjordanien den Arabern zugesprochen, und im Jahre 1922 ließ sich Großbritannien diese Teilungsentscheidung durch den Völkerbund auch noch absegnen.
Sicherlich mischte dann nach 1945, der vorangegangene nazistische Holocaust die Karten neu.

Da gab es dann mal in der Geschichte, einen besonders "frommen" Husarengeneral namens Hans Joachim von Ziethen (1699 - 1786). In dieser Eigenschaft dem Friedrich dem Großen dienend. Wie die Jahreszahlen seiner Lebensphase verdeutlichen, hatte er keinerlei Kontext zu den skizzierten palästinensischen Entwicklungen.
Indes religiös gestimmt war er sicherlich, wie man dies auch nachfolgenden Links entnehmen kann.

www.grosser-generalstab.de/biograph/a0001zieten.html

www.weg-zum-leben.de/general.htm

Und besagter General hatte in seinem religiösen Wahn offenbar auch eine Philosemitische Komponente. Er wähnte weiter die Juden seien Gottes Volk.
Seine isolierte Aussage dazu indes für den Konflikt in Palästina zu bemühen, ist eine gewaltsame Steinbruch-Apologetik, die vorne und hinten nicht passt.
Ob dieser Menschenschlächter namens General da nun eine gute oder gar keine Meinung über die Juden hat, rechtfertigt es keinesfalls, ihm quasi den Status eines "göttlichen Propheten" anzudichten!

Die Verfechter vorgenannter These sind dann wahrlich nicht weit entfernt von der
Fischer/Jäger-These
gewisser christlicher Kreise.
Gemäß letzterer These waren auch die brennenden Auschwitzöfen "Gottes Werkzeug", um die Juden nach Palästina zu jagen.

"Passend" dazu gab auch der frühere amerikanische Präsident Ronald Reagan zu Protokoll.
Auch er glaube, wir (seine Zeitgenossen) könnten die "letzte Generation" sein. Wenn schon ein US-Präsident derart seine Unbedarftheit zu Protokoll gibt. Was soll man da schon von den Geschäftemachern der Verblödungsindustrie, viel anderes erwarten?!
Zu Reagan kann man vergleichen die 1984 erschienene Schrift von Gerhard Marcel Martin mit dem Titel "Weltuntergang
Gefahr und Sinn apokalyptischer Visionen", wo Reagan im genannten Sinne mit erwähnt wird.

Noch ein Exkurs zu Reagan, entnommen der seinerzeitigen in der DDR erschienen Zeitschrift "Standpunkt" (Nr. 2/1984)
Zitat

"Der schwarze Prophet
In der "Frankfurter Rundschau" ist vor einiger Zeit (am Reformationstag 1983) folgender Bericht veröffentlicht worden:
"US-Präsident Ronald Reagan hält es nach Darstellung eines Washingtoner Lobbyisten für durchaus möglich, daß sich die Welt gemäß der Offenbarung Johannis dem Jüngsten Gericht und der Entscheidungschlacht von Armaggedon zwischen Gut und Böse nähert. Thomas Dine, Geschäftsführer eines für gute Beziehungen zwischen den USA und Israel werbenden Komitees, sagte am Wochenende, daß der Präsident ihm am 18. Oktober erzählt habe, daß er Reagan, am Abend zuvor mit den Eltern eines in Beirut ums Leben gekommenen US-Marineinfanteristen gesprochen hat. Der Präsident habe das Gespräch mit den Worten fortgesetzt:

Zitat

Wie Sie wissen, gehe ich immer wieder auf Eure alten Propheten im Alten Testament und auf die Anzeichen zurück, die Armaggedon ankündigen. Ich ertappe mich dabei, daß ich mich frage, ob wir die Generation sind, die erlebt, wie das auf uns zukommt. Ich weiß nicht, ob Sie in letzter Zeit eine dieser Prophezeiungen wahrgenommen haben ...
Aber glauben Sie mir, sie beschreiben ganz gewiß die Zeit, die wir jetzt erleben." ...

Zitat

Wir haben 1983 genügend Beispiele des Mißbrauchs des Christentums durch Reagan und der Bibel im besonderen erlebt, doch diese Beschwörung Harmagedons muß wohl als der Gipfelpunkt solchen Sakrilegs bezeichnet werden, versucht doch Reagan, sich mit den von ihm und seinen Anhängern selbst heraufbeschworenen "Zeichen" zum Exekutor von biblischen Prophezeiungen zu machen ...

Eine andere Publikation im Kontext des Ronald Reagan notiert (Russell Chandler - "Der Tag X")
Zitat

"Aber (Hal) Lindsey (ein weiterer US-Evangelikaler) hat mehr getan als nur eine populistische Bewegung in Gang gesetzt; er hat seine Botschaft von der Bibel, den Weltereignissen und dem bevorstehenden Weltuntergang vor Teile des Innenministeriums der Vereinigten Staaten und des Pentagon gebracht und unter einflußreichen Kongreßmitgliedern und Senatoren verbreitet.

Und er hat einen Präsidenten der Vereinigten Staaten erreicht. Ronald Reagan verliebte sich in Lindseys Buch "Alter Planet" und erwähnte in seinem Wahlkampf 1980 mehrfach, »dies sei vielleicht die letzte Generation«.
Vier Jahre später erregte Reagan großes Aufsehen in den Medien, als er versicherte, die Welt könnte tatsächlich auf eine Art atomares Harmagedon zusteuern. Reagans Gedanken über Prophetie waren »beängstigend nahe am Puls der Öffentlichkeit«, und Lindseys sind es
natürlich auch.
Bis zu Lindseys Durchbruch standen Bücher über Prophetie gewöhnlich nur in evangelikalen christlichen Buchhandlungen. Dann kamen plötzlich "Alter Planet" und seine Fortsetzungen in Kaufhäuser, Supermärkte, auf Flugplätze und an die Ausgänge der Filialläden - »gleich neben Gruselgeschichten, billigen Wildwestromanen und den neuesten Modebüchern: Abnehmen, biologisches Gärtnern, Privatleben und Liebschaften der Hollywoodstars und UFOs«, kommentiert Weber.

"Alter Planet wurde der Sachbuch-Bestseller der 70er Jahre, und Anfang 1978 wurde das Buch im Stil eines Dokumentarfilms verfilmt.
Erzählt von Orson Welles, lief er in den kommerziellen Kinos im ganzen Land und
verbreitete Lindseys Vor-dem-Reich-Endzeitbotschaft noch weiter.

Übrigens in welchem Verlag findet man als deutsche Übersetzungen auch die Bücher des Lindsey?
Genau, der "Kandidat hat hundert Punkte" der da tippt in jenem bereits genannten Verlag in Wetzlar (respektive Asslar nach entsprechendem Umzug).

Noch ein Wort zum in Rede stehenden Verlag.
Die Zeugen Jehovas bezügliche Schrift des seinerzeitigen Vorsitzenden der "Partei Bibeltreuer Christen", Gerhard Heinzmann, wurde auch dort verlegt.
Siehe auch
Parsimony.3142
Parsimony.3153

Damit dürfte schon mal das "Segment" der Religionsindustrie veranschaulicht sein, für das jener Verlag sich im besonderen zuständig fühlt.

Eine DDR-Publikation aus dem Jahre 1987
Ursula Bergman:
"Hexeneinmaleins Medien, Mythen, Manipulation
Hintergründe des Aberglaubens"
Urania-Verlag, Leipzig 1987
formuliert bezüglich des mit erwähnten Hal Lindsey, und wie mir scheint zutreffenderweise:
Zitat

Extremisten wie Lindsey halten die Lunte an das Pulverfaß Nahost.
Selbst der wortgewaltigste Prophet des Alten Testamentes hätte wohl nicht in Worte fassen können, worauf sich seine angeblichen Jünger da einlassen.

Zwei Männer sind im Auto unterwegs. Ihre Fahrt führt sie vom Flughafen New Orleans zum Kongreßzentrum der Stadt. Der ältere von beiden wendet sich dem jüngeren zu; ihn beschäftigt ein Gedanke:

Zitat

"Jerry, mir scheint manchmal, daß wir jetzt sehr schnell einem Harmagedon entgegengehen.

Zitat

Der auf diese Weise um seine Meinung Gebetene weiß, wovon die Rede ist. Für ihn steht das nächste
Ereignis in Gottes Kalender, wie er sich auszudrücken pflegt, fest.
Die Schlacht Harmagedon findet statt. Er hat sie visionär vor Augen:
Die Kräfte der Finsternis - sie können aus Rußland kommen, möglicherweise auch aus Rot-China - marschieren auf Jerusalem zu.
Doch noch vor der Stadt erwartet die Bösen aus dem Norden eine seltsame Strafe für ihr Vorhaben. Jesus persönlich steigt vom Himmel herunter, alle Heiligen hinterdrein. Im Tal von Esdrolin vernichten die himmlischen Heerscharen die Feinde. So steht es geschrieben.
Millionen von denen werden geschlagen. So muß es kommen.

Zitat

"Ich glaube nicht, daß uns noch fünfzig Jahre bleiben
Zitat

, sagt schließlich Pater Jerry Falwell zum Kandidaten der Republikaner Ronald Reagan.
Die Episode erzählt von einem Ereignis, das sich während der Kampagne zu den US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen im Jahre 1980 zugetragen haben soll.
Vier Jahre später nahm "Der Spiegel in einem Interview mit Jerry Falwell auf jenes Gespräch unter vier Augen Bezug.

Zitat

"Gibt es einen geheimen Konsens zwischen Prediger und Präsidenten
Zitat

, daß ein nuklearer Holocaust nicht vermieden werden kann? Befragte das Nachrichtenmagazin den Visionär. Falwell konnte sich gut erinnern:

Zitat

"Als er von Harmagedon sprach, habe ich das nicht so interpretiert, als meine er den nuklearen Holocaust, sondern den ideologischen
Konflikt zwischen Freiheit und Sklaverei, Demokratie und Marxismus, der in eine Sackgasse führt.

Zitat

Er aber bleibe bei seiner Vision:

Zitat

"Wenn die Kräfte der Finsternis auf Jerusalem marschieren, wie in der Bibel beschrieben, wird Christus sie vernichten und für tausend Jahre sein Königreich errichten. Ich weiß nicht, wie er seine Feinde vernichten wird, aber ich interpretiere es nicht als Atomkrieg. Denn wir werden diese Erde dann ja bewohnen ...

Zitat

(Nach "Der Spiegel 10/1984)
"Wir, das sind die Guten, und wer zu diesen Auserwählten nicht gerechnet werden darf, darüber hat Jerry Falwell ebenfalls unumstößliche Ansichten. Aus dem "wir sind selbstverständlich die Monster im Kreml ausgenommen: überhaupt Marxisten und andere Linke.
Falwell bemühte sich zwar, aber es wäre vergeblich bei denen
irgendwelche Hinweise dafür zu entdecken, "daß sie viel Engagement
für die Würde des menschlichen Lebens haben."

Und weiter notiert genannte Publikation:
Zitat

Mitte der 80er Jahre befinden sich in den USA 30 Fernsehstationen im Besitz von Religionsgemeinschaften. Darüber hinaus strahlen sämtliche Fernsehsender religiöse Programme unterschiedlicher Art aus.
Die Einnahmen der Medienkirche sind Mitte der 80er Jahre auf jährlich 500 Millionen Dollar geschätzt worden.
Zu dieser Zeit kann Jerry Falwell frohen Mutes verkünden, daß 82 Prozent aller religiösen Fernseh- und Rundfunksendungen in den USA
bereits "ihrer Natur nach fundamentalistisch und biblisch seien". Das heißt für ihn, sie senden die rechte Botschaft.

Was einen rechten Fundamentalisten außer strammen Antikommunismus auszeichnet, ist eben seine wortwörtliche Treue zur Bibel und zu den ihm "heiligen Werten Amerikas". Er glaubt daran, daß die Schlange im Paradies mit Eva geredet hat, daß die Welt, so wie sie ist, erschaffen wurde und daß die Kräfte der Finsternis die Welt erobern wollen.

Jim Jones Sekte "Tempel des Volkes", deren 900 Anhänger im Jahre 1978 in Guayana Massenselbstmord begingen - oder dazu vermutlich von Jones gezwungen worden sind -, gilt Jerry Falwell nicht als mahnendes Beispiel für das Sektenunwesen. Diese amerikanische Tragödie bestätigt ihm nur die freiheitlichen Werte Amerikas:

Zitat

"Es ist weit besser, hin und wieder eine Verwirrung wie Jim Jones zu haben als die Alternative, nämlich die Sowjetunion, wo so etwas nie passieren könnte."


Was nun das Lindsey-Buch "Alter Planet Erde - wohin" anbelangt, ist vielleicht die nachfolgende Stelle schon im ersten Kapitel in ihm charakteristisch:
Zitat

"In den USA gibt es mehr als 40 Hochschulen, die das Fach Parapsychologie lehren. Das Interesse an diesem Fach wächst ständig und nimmt in dem Maße zu, wie die Astrologie und Wahrsagekunst immer mehr Anhänger gewinnt."

Das ist es was ihn "inspiriert"; er möchte das Geschäft mit diesem Aberglauben, wieder vorrangig unter "christlicher Fahne" praktiziert wissen. Aus dieser Interessenlage bewertet er die Esoterik-Szene, welche vom gleichen Geschäft lebt, kritisch und sucht ihr, wo immer möglich das "Wasser abzugraben".

Er möchte also genannte Konkurrenten aus "dem Felde boxen", um dann allein das Geschäft des Dummheitsverkaufs praktizieren zu können.
Es geht ihm also primär um eine (nicht erreichte) Hegemonie - Vormachtstellung.
Was die übrigen "Zugaben" zu seiner Weltsicht anbelangt, ist er sicherlich nicht originell. Billige Dutzendware, auch andernorts vorfindlich. Einige Beispiele von andernorts, wurden hier ja auch bereits zitiert.

Zum Weiterlesen unter anderem auch:
http://www.payer.de/fundamentalismus/fundamentalismus063.htm

www.bibelbund.de/htm/2002-2-27.htm

(Letzterer Link wird zwar meinerseits genannt, eine Direktverlinkung indes muss ich ablehnen. Analog dem Beispiel Lindsey. Attackiert selbiger Esoteriker, kann man ihm im Detail zustimmen. Jedoch nicht in seiner "Gesamtkomposition").

Nachtrag:
Der Hinweis auf den Link des Bibelbundes hat sich wohl erledigt. Ausgehend vom Stand des heutigen Tages, weist ihn Google zwar noch nach

Indes, verscht man ihn dann aufzurufen, ist eine Fehlanzeige registrierbar.
Nun ja das kennt man auch andernorts den Grundsatz vom "Pelz waschen - ohne dabei nass werden zu wollen".
Eine dauerhaft kritische Bewertung des Lindsey auf den Seiten des Bibelbundes, erscheint den dortigen Machern wohl nicht mehr opportun

von Drahbeck - am 20.10.2011 23:29

Meinung

Eine Meinung aus dem Jahre 1923
Robert Plöhn: "Stimmen des Sturmes"

Und hieltest da oben ruhig du Stand
Dem Hinschlachten so vieler Braver?
Und fuhrst nicht herunter mit Donner und Blitz
Die Mörder-Fürsten zu strafen?
Nein, es genügte dein Herz sich und Witz
Gleichgültig weiter zu schlafen.
Dann bist du kein Gott - ein Teufel du bist,
Der Elendste aller Verbrecher

Gott Mammon, so heißt der Herrscher der Welt,
Der noch immer nicht ist vertrieben.
Sein goldner Thron ist noch lang nicht zerschellt,
Die Herrschaft des Golds ist geblieben.
Es stehen in seinem Dienste und Sold
Die Kirchen alle und Banken

Ja, wir freien Denker sind berufen
Die Welt von ihren Götzen zu befreien
Was Jahwe, Mammon, Mars und Moloch schufen
Dem wohlverdienten Untergang zu weihen


http://books.google.de/books?id=gMfnHAAACAAJ&dq=Robert+Pl%C3%B6hn&hl=de&ei=dXOeTrjVEoiPswbas42ICQ&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=6&ved=0CEcQ6AEwBQ

von Drahbeck - am 21.10.2011 00:22

Allein, diese Kunde kam nicht

James Crookes saß in seinem Lehnstuhle und las im "New York Herald"
Plötzlich aber schien es, als ob einer der Artikel es doch vermocht hätte, die Beachtung James Crookes zu erregen. Nicht, als ob die Sache an sich sonderlich interessiert hätte, mein Gott, nein, davon sprach man ja mindestens alle fünf oder sechs Jahre einmal, und kein vernünftiger Mensch glaubte mehr an die Prophezeiung, aber, was in der letzten Zeile der Überschrift stand, das war es, was der Sache erst wirkliche Bedeutung gab, und dieselbe Wert machte, auch von ihm, von James Crookes, gelesen zu werden.
Da stand nämlich:

Der Weltuntergang 1899

Der erste Komet vom Jahre 1866 stößt mit der Erde zusammen. - Der Untergang trifft bestimmt am 13. November 1889 ein. - Schwarz sagt es.
Dieses "Schwarz sagt es" war es, was dem Artikel Wichtigkeit verlieh und was es erklärte, daß der "Herald" sich die Sache kabeln ließ, denn wer konnte Schwarz sonst sein, als Friedrich Schwarz, jener deutsche Professor, dessen Theorie über Erdbeben so ungeheures Aufsehen erregte, und auf Grund deren jedes Erdbeben, mit nahezu mathematischer Genauigkeit für eine bestimmte Region vorausgesagt werden konnte.

James Crookes hatte sich natürlich nicht getäuscht.
Friedrich Schwarz hatte wirklich in Stuttgart einen Vortrag gehalten, der den "Weltuntergang" behandelte und der da im "Herald" wortwörtlich vorlag.
"Unter allen Kometen", so begann der Artikel, "bei welchem ein Zusammentreffen mit der Erde in Betracht kommen kann, steht bezüglich des Zeitpunktes eines Zusammentreffens, der Komet I vom Jahre 1866 im Vordergrund. Seine Bahnlage ist nämlich so gestaltet, daß sie die Bahn der Erde dort schneidet, wo die Erde am 13. November sich befindet. Wenn also ..."

Und nun hatte Schwarz ausgeführt, daß ein Zusammenstoß mit der Erde unvermeidlich sei, wenn der Komet einmal, am 13. November, sich genau im Schnittpunkte der beiden Bahnen befinden würde.
Dieses Ereignis konnte nun "möglicherweise" am 13. November 1899 zwischen ein bis vier Uhr morgens, oder auch in den späteren Stunden, eintreten.
Bis dahin war James Crookes den Ausführungen aufmerksam gefolgt und hatte den Artikel mit sichtlichen Interesse gelesen. Dieses "möglicherweise" paßte ihm aber so ganz und gar nicht, das vertrug sich weder mit seinen Anschauungen, noch mit seinem Charakter. Er liebte das Positive, und wenn jemand mit einer Ansicht heraustrat, dann sollte er's auch rund heraussagen:

"Die Welt geht am 14. November 1899 um ¾ auf 3 Uhr früh unter." Punktum.
Aber - "möglicherweise!..." Nein.

Angesichts der unumstößlichen Tatsache, daß am 14. November 3 Uhr 17 Minuten 26 Sekunden die Erde mit dem Kometen zusammenstoßen mußte.

"Die Möglichkeit des Eintretens der Weltkatastrophe in diesem Jahrhundert wird erst dann zugegeben werden können, wenn der Komet 1866 I etwa Mitte Oktober zuerst sichtbar wird.
"Die Möglichkeit, wohlverstanden; noch immer nicht aber die Wahrscheinlichkeit."
"Diese Wahrscheinlichkeit würde erst dann eintreten, wenn der Komet sich in seinem Laufe am Himmel mehr und mehr gegen den Stern Gamma im Löwen bewegte, und würde sich nahezu zur Gewißheit steigern, wenn die tägliche Ortsveränderung des Kometen am Himmel immer kleiner, sein scheinbarer Durchmesser aber immer größer würde."

So ungefähr lautete die berühmte Auskunft, die der Direktor der Sternwarte von Chicago auf das Rundinterview der "Buffalo Times" am 8. April 1896 zuerst unter allen gegeben hatte. So ungefähr lautete das Urteil, das nun in allen Zeitungen, in allen Blättern der Welt immer wieder und wieder breitgetreten wurde, bald um den Lesern die Hoffnung zu nehmen, bald um ihnen Hoffnung zu geben. Und je näher man der fatalen Zeit kam, in welcher das Erscheinen des Kometen die bloße Möglichkeit der Weltkastrophe schon zu einer Wahrscheinlichkeit machte, um so lähmender wirkte dieses Bewußtsein.
Wie auf ein erlösendes Wort harrte man auf die Kunde, der Komet sei gefunden. Allein, diese Kunde kam nicht

(Auszugsweise) gelesen in einem im Jahre 1899 erschienenen Roman von:
Rudolf Falb und Charles Blunt mit dem Titel "Der Weltuntergang".
Wenn es sich erklärtermaßen auch um einen Roman handelte, so ist seine Detailschilderung sicherlich bemerkenswert, mag man über sie nun lachen oder auch nachdenklich sein.

Zum thematischen Weiterlesen unter anderem empfohlen:


Mysnip.60737

"Zahlen lügen nicht", sagte der Kirchenvorsteher Hankins ...

von Drahbeck - am 25.10.2011 04:06

Und ein Auge auf die schweren Thaler zu haben ...

... wurde durch das Gewicht der Geldsäcke niedergedrückt ...

Als die Gesellschaft ... Bankrott wurde, wurde das Tabernakel verkauft und zum Theater eingerichtet.









http://books.google.de/books?id=emhCAAAAcAAJ&printsec=frontcover&dq=Lyell+Zweite+Reise&hl=de&ei=zSWpTuSkNJGM4gTy5OwU&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=1&ved=0CC4Q6AEwAA#v=onepage&q&f=false

Ach ja bevor es vergessen wird.
Diese "markigen" Worte meinte der "Kanzelprediger Charles T. Russell" in einer seiner kommerziell bezahlten Predigten, im in Strehlen (Schleseien) erschienenen "Volksboten" vom 10. 10. 1914 zum besten geben zu sollen:
Zitat

"Viele Bibelforscher glauben, daß dieses Gleichnis anfing erfüllt zu werden in der Miller-Bewegung, deren Gipfelpunkt im Jahre 1844 in einer Enttäuschung erreicht wurde. Während etwa vierzehn Jahren von jener Zeit war ein Ruf durch die ganze Kirche erschallt, daß die Zeit des zweiten Kommens Christi gekommen sei."

Oder auch diese "markigen" Worte aus Schriftstudien" Band 7 (Ausgabe 1925)
Zitat

Im Jahre 1829 war es William Miller vergönnt, (annähernd) den richtigen Zeitpunkt des Beginns des Greuels der Verwüstung zu sehen (539 n.Chr.) und den Zeitpunkt des Anfangs der Zeit des Endes (1799).

(S. 75)
Siehe auch:
Parsimony.19647

von Drahbeck - am 28.10.2011 01:12

Re: Die Geschichte wiederholt sich

Zitat

Das erwähnte Tabernacle ...bloß zu einem zeitweiligen Gebrauch dienen sollte ...
Als die Gesellschaft der Milleriten Bankerott wurde, wurde das Tabernakel verkauft und zum Theater eingerichtet ...http://books.google.de/books?id=emhCAAAAcAAJ&printsec=frontcover&dq=Lyell+Zweite+Reise&hl=de&ei=zSWpTuSkNJGM4gTy5OwU&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=1&ved=0CC4Q6AEwAA#v=onepage&q&f=false

WTG-Buch JEHOVAS ZEUGEN VERKÜNDIGER DES KÖNIGREICHES GOTTES S.59 u. 61:
Man dachte auch, daß Russells Predigten, wenn sie aus einer größeren, bekannteren Stadt stammten, in mehr Zeitungen abgedruckt würden. Aber welche Stadt kam in Frage? Im Wacht-Turm vom Februar 1909 (engl.: 15.Dezember 1908) wurde erklärt: "Göttliche Leitung, die wir suchten, [schien uns] dahin zu führen, uns für die Verlegung des Bibelhauses nach Brooklyn (New York) zu entscheiden, ... - eine Stadt, die wegen ihrer vielen 'Kirchen' sehr gut bekannt ist. Dies schien uns für unsere Arbeit in den noch wenigen übrigen Jahren ein guter Mittelpunkt zu sein."
... mehrere Beauftragte der Watch Tower Society ... kauften das alte "Plymouth Bethel" in der Hicks Street 13-17 in Brooklyn. Es hatte zuvor der nahe gelegenen Kongregationalistenkirche ... als Missionsgebäude gedient. ...
Das Gebäude ... wurde umgebaut und "Brooklyn Tabernacle [Stiftshütte]" genannt.

Es gab allerdings viele Probleme. ... Daher verkaufte der geschäftsführende Ausschuß ... das "Brooklyn Tabernacle" ...


von Frau von x - am 03.11.2011 09:46
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