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Geschichte und Gegenwart der Zeugen Jehovas
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vor 4 Jahren, 8 Monaten
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Re: Im Bethel (2) - Dienstag - Jenseits von Aftrika

Startbeitrag von . +am 27.09.2008 18:58

Der letzte vorangegegangene Teil unter:
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,12980,13972#msg-13972


Dienstag der 14 Tag

“21:08 Uhr - Immer wenn ich hier im Tagebuch schreibe falle ich in eine grenzenlose Traurigkeit”

Zwischen dem dreizehnten und vierzehnten Tag notierte ich auf einer extra Seite in meinem Tagebuch Noten einer Melodie die mich seit drei Wochen begleiteten.

Mozart Klarinetten Concert K622 ( manche kennen es vielleicht durch den Film „Jenseits von Aftrika“ )

Man muss dabei erwähnen dass ich zu der Zeit keine Musik hörte.
Es war die Zeit in der die Brüder ihre weltlichen Schallplatten Containerweise entsorgten.

Am vierzehnten Tag vergleiche ich das Bethel mit „früher“.
Ich schreibe:

„Vergleichbar ist dies mit dem schlafenden Gesicht von Puschel (der Name unserer Katze) und dem Bohrer eines Zahnarztes.“

Ich beschreibe meine Arbeit in Haushalt Verwaltung.

Ich schreibe wörtlich:

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• Toiletten abschrubben,
• Waschbecken reinigen,
• Spiegel reinigen

Besichtigungsgruppen werden vorbeigeschleust –
„Guten Tag! Hallo!“

• Spiegel polieren,
• Bodenwischen,
• Plastikhandschuhe an und aus

„Hallo!, Guten Tag!, Bethellächeln!“

• Fahrstuhl rauf,
• Fahrstuhl runter,
• Gestank von Reinigern und Toiletten

Und zwischen allen Wortfetzen, die salbungsvolle, einschläfernde Stimme der Dauerschleife des Bethelbsucherbegrüßungsfilmes aus dem kleinen Saal:

„…Wenn sie zurückkehren, möchten sie die herzlichen Grüße vom Bethel…“

• Toilettenspülung,
• Gogetta (Toilettenreinigungsmittel),



„Nein die Toiletten sind gleich wieder frei…“

Musik Salat, eine traurige Gitarre,
jemand pfeift eine Melodie,
man hört draußen Menschen auf dem Platz.

Der Gong läutet drei Mal mit einem Dreiton.

Essen innerhalb 20 Minuten.
Aufstehen zum Tafelaufheben

„…das Eis bitte…“
„…darf ich bitte die Brötchen haben…“
„…Woher kommst Du?...“

>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>
Dann schreibe ich dass der „Naturbursche“ der Pionier aus meiner Gegend zum letzten Mal an meinem Tisch saß.
Seine Sachen waren schon im Auto – er nahm nur noch das Mittagessen ein.
Ich schrieb in Anspielung auf den gestrigen Satz von Bruder „Beobachter“:

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„Das habe ich sehr wohl gemerkt“
XXX (sein Name) streut Salz auf seine Kartoffeln.
Big Brother schmeißt ihn raus.
Die Maschine hat ihn nicht vereinheitlicht.
Ihm passt die Uniform nicht.
Auswurf.
Ausschuss.

Alle hinter ihm Rücken eine Position höher (er hatte sehr viele Dienstjahre)

12:55 Musik hört auf (nach dem Tafelaufheben spielte Königreichsmusik)
Türen schlagen.
Big Brother ruft.

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Wohl gemerkt.
Das war der 14 Tag.
Das lässt ja nun an Deutlichkeit kaum mehr zu wünschen übrig.
Ich war mir nicht bewusst dass mein abwertendes Urteil so schnell und so unmissverständlich war.
Den Text schrieb ich auch nicht auf Kyrillisch.

Die beiden Brüder hatten ein Auto.
Der, der das Bethel sofort verlassen musste nahm das Auto mit.
Den anderen nahm ich dann später bei meiner ersten Heimfahrt mit.
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Ich habe mich gestern erkundigt was aus den beiden „Naturburschen“ geworden ist.
Unter anderem sprach ich mit der Mutter der beiden.

Der, der das Bethel sofort verlassen musste starb vor 15 Jahren in einem Autounfall.

Der andere heiratete später eine Interessierte und bekam auch ein Kind mit ihr.
Die Interessierte wollte aber bald nichts mehr von der Wahrheit wissen und hat sich von ihm samt Kind getrennt.
Interessanter weise scheint er zwar nicht Ausgeschlossen zu sein, aber auch von der Wahrheit nicht mehr so viel zu halten.
Er hat sich in der Landwirtschaftsbranche selbstständig gemacht und hat mehrere Angestellte.

Zwei seiner Schwestern haben die Wahrheit verlassen.
Ihn selber habe ich noch nicht erreicht, aber seine Mutter meinte bedauernd wie schade es doch wäre, dass sie mit ihren Töchtern und Enkeln, die nicht in der Wahrheit sind, keinen Kontakt mehr haben kann.

Die ganz normale Historie einer von der Wachtturm Gesellschaft zerstörten Zeugen Familie eben.
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Vor meinem Fenster stand ein kleiner Baum.
Ich sehnte mir den Winter herbei und mit ihm einen Alltag.
Einfach nur einen funktionierenden Alltag.
Meine Eltern wollten um 22:00 Uhr anrufen und ich lenkte mich erfolgreich ab in dem ich mir ein leckeres Essen machte.

Es ging mir gut – und das erwähnte ich extra im Tagebuch.
Mein Abendbrot ist eine Orange, 2 Schüsselchen Erdbeeren, ein Stück Käse und ein Glas Orangensaft.
Auch war mein Zimmerpartner noch im Urlaub unterwegs.

Bei dem Telefonat mit meinen Eltern gab ich eine Liste der Sachen durch, die ich noch benötigen würde.
Zum Beispiel Kaba.

Der Kreisaufseher (von uns nicht sonderlich geschätzt) schrieb in seinen Bericht über seine Kreiswoche:

„Die Versammlung XXX hat nur XXX Pioniere weil einer ins Bethel gegangen ist. XXX (mein Name) hat seine vielen Studien an andere Brüder abgegeben.“

Meine Eltern fragten ob sie die Nacht von Samstag auf Sonntag im Bethel übernachten könnten.

HA!
Und dann schreibe ich dass ich meiner Mutter sagte dass ich übers Heiraten nachgedacht habe.
!Und meine Mutter wiegelte ab!
Vielleicht sollte ich erwähnen dass ich weder jemanden zum Heiraten kannte noch bis dahin danach suchte.

Gestern erwähnte ich zusammenhanglos Br. Pfitzmann
Die von der älteren Garde waren nicht nur unnahbar sie waren hochnäsige eitle Pfauen.
Bruder Pfitzmann genauso wie Br. Anstadt
Ein Beispiel:
Meine Eltern kannten Bruder Anstadt und seine Frau aus ihrer gemeinsamen Zeit im Vollzeitdienst.

Nun kamen meine Eltern wieder einmal ins Bethel um mich zu Besuchen.
Im Speisesaal sah mein Vater Bruder Anstadt und ging naiv und ehrlich auf ihn zu um ihn zu begrüßen – mich im Schlepptau.
Bruder Anstadt ließ seine ganze Überheblichkeit und Überlegenheit raushängen in dem er mir an die Schulter klopfte und sagte:

„Na men jung, und wann kommst Du ins Bethel?“
Der fiese Knopf wusste ganz genau wer ich war und schaute mir dabei auch in die Augen.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich wegen meiner Zuteilung mit ihm zu tun.
Er wollte aber nicht dass ein Emporkömmling in seine erlauchten Sphären aufsteigt.
Mein Vater merkte diesen Tiefschlag nicht und ging ihm in die Falle.
Er Antwortete Eilfertig ich wäre schon über ein Jahr im Bethel.

Ich habe dies meinem Vater nie erzählt.
Er sah die Beleidigung nicht die hinter der Frage steckte.



Fortsetzung unter:

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