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Geschichte und Gegenwart der Zeugen Jehovas
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Erster Beitrag:
vor 3 Jahren, 9 Monaten
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Drahbeck

Lawrezki

Startbeitrag von Drahbeckam 20.09.2009 14:12

Zitat
X ~ mysnip
Beim Wort Seelenfänger denke ich zuerst an ein Buch von Lawrezki, Josef: Seelenfänger ohne Gnade
http://www.biblioman.de/info/Bcherberg3950/artikel_37741.htm

Siehe Fußnote [12]
http://www.manfred-gebhard.de/Moon.htm


Zu der 1987 in Deutsch erschienenen Schrift von Lawrezki, vielleicht noch die Anmerkung.
Es handelt sich um einen Autor aus der damaligen Sowjetunion. Die Zeugen etwa, kommen in seinen Ausführungen eher nur in unbedeutenden Nebensätzen mit vor.

Lawrezki hatte insbesondere jenes Spektrum im Blick, für welches der kirchliche Autor Friedrich-Wilhelm Haack im Westen, den Begriff "Jugendreligionen" einzuführen beliebte; obwohl dieser schillernde Begriff, im strengen Sinne des Wortes nicht Wirklichkeitsaquat war und ist. Mit der Vokabel "neuere Religionen" würde man sicherlich treffsicherer formulieren.
Das indes bekamen die eher einem "Alleinvertretungsanspruch" um Haack und Compagnions nachtrauernden Kreise, eben nicht mit (bzw. wollten es auch gar nicht "wissen").

Lawrezki's Buch erschien zuerst (in russisch), im Verlag für politische Literatur in Moskau. Dort gab es übrigens (in Russisch) auch Bücher zum Zeugen Jehovas-Thema.
Bei der deutschen Ausgabe, handelt es sich im eine gekürzte Ausgabe (was auch immer da der Kürzung zum Opfer fiel).
Verleger war der Verlag "Neues Leben" in Ostberlin. Der publizierte noch einige andere Religionskritische Schriften, sowjetischer Herkunft, in deutscher Sprache.
Nicht selten - aus kirchlichen Kreisen - daraufhin ein wahres Wolfsgeheul als Antwort erntend.

Ein exemplarisches Beispiel solchen "Wolfgeheul" ereilte ihn im Falle des im gleichen Verlag erschienen Buches von Jakow Lenzman: "Wie das Christentum" entstand.

Die Motivation der Verursacher des "Wolfsgeheul" ist dahingehend zu sehen. Die Ost-CDU hatte es ja geschafft, Ostdeutsche Religionskritische Ansätze, etwa um Olaf Klohr und Geistesverwandte, "in die Wüste zu schicken", indem sie der SED ein glashartes Ultimatum stellte.
Entweder der - oder wir.
Und die SED kapitulierte vor diesem Ultimatum der Ost-CDU.

Die nun von Zeit zu Zeit von besagtem Verlag "Neues Leben" als Übersetzungen aus dem Russischen angebotenen Schriften, aber "konterkarierten" indirekt jenes Ultimatum, daher auch das fallweise "Wolfsgeheul".

Im Falle der Lawrezki-Schrift aber so nicht nachweisbar. Da ja "Jugendsekten" behandelt, die auch in kirchlichen Kreisen nicht gut gelitten sind, lies man es in diesem Falle auf sich bewenden.

Nachstehend dann vielleicht mal ein paar Auszüge aus der vorgenannten Schrift (ohne inhaltliche Detailbewertung)



S. 9
Waren im Mittelalter Sekten die einzig mögliche bewußte Form des Widerstandes - zuweilen trugen sie sogar, wie bei den Hussiten, revolutionären Charakter -, so sind die Sekten der spätkapitalistischen Zeit zwar noch Ausdruck des Protestes gegen Verfallserscheinungen der kapitalistischen Gesellschaft, entwickeln aber keine Widerstandskräfte mehr gegen diese Gesellschaft, von revolutionären ganz zu schweigen. Im Gegenteil, sie tragen zur Konsolidierung der bestehenden Gesellschaftsordnung bei, indem sie die Widerstandskräfte schwächen, vom Kampf ablenken, in die Illusion flüchten.
Zwischen alten und neuen Sekten gibt es jedoch auch gewisse formale Gemeinsamkeiten.

S. 12, 13
Warum aber folgen Menschen unserer Tage solchen neu aulgetauchten Propheten und glauben aufrichtig an die von ihnen verkündeten "Wahrheiten"? Deshalb, antwortet [die Zeitschrift] "Stern", weil ihnen der Glaube die Bürde der rauhen und grauen Wirklichkeit erleichtert oder sogar abnimmt, weil er ihnen diese Wirklichkeit lichter erscheinen läßt. Weil der Glaube Angst In Gelassenheit und Ruhe, Verwirrung in Zuversicht verwandeln kann. Weil er dem Leben einen tieferen Sinn gibt.

Kurz und mit den Worten von Sigmund Freud gesagt weil der Glaube den Gläubigen mit angenehmen Illusionen erfüllt. Nur der Glaube kann aus einem unscheinbaren, einsamen und mittelmäßigen Menschen einen von Gott Auserwählten, zum Beispiel einen "Zeugen Jehovas" machen, der mit seiner Zeitschrift "Der Wachtturm" an der Straßenecke steht und mit dem unerschütterlichen Glauben auf die vorbeieilenden Menschen blickt, daß er zu den wenigen gehört, die den herannahenden Weltuntergang ohne jeden Schaden überleben werden.
Die von den USA-Imperialisten und ihren Handlangern entfachte Kriegshysterie, das angeblich allen drohende nukleare Inferno - dies alles sät in die Herzen eines bestimmten Teils der Jugend der kapitalistischen Länder Angst vor dem morgigen Tag, macht diese Menschen mutlos, nimmt ihnen den Glauben an die eigene Kraft, drängt sie in die Netze des Aberglaubens und macht sie zu willenlosen Konsumenten von Drogen und geistigen Trostmitteln, von den heutigen Abarten der Mystik und Religion.

S. 23
Wie die Geschichte beweist, entstehen neue Sekten immer dann, wenn das Land sozialökonomische und politische Erschütterungen erlebt, wenn der Boden, der alte Überzeugungen genährt hat, zerstört wird. So war es zum Beispiel in der Zeit von 1837 bis 1843, als die USA von einer ihrer ersten anhaltenden Industrie-und Finanzkrisen heimgesucht wurden.
Die Menschen versuchten fieberhaft, einen Ausweg aus der kritischen Lage zu finden, und richteten ihre Blicke auf die Religion, aber nicht auf die frühere, die sich in ihren Augen nicht bewährt hatte, sondern auf eine "neue", die sich auf die Prinzipien des Urchristentums gründete,. Dafür begeisterten sich nicht nur die Angehörigen sozialistischer Kommunen, sondern auch die Anhänger einer neuen protestantischen Richtung, des Perfektionismus, die ihre Auffassungen von den Levellers und den Diggers, also von Bewegungen ableiteten, die in den Jahren der englischen bürgerlichen Revolution für soziale Gerechtigkeit eingetreten waren.

S. 54
4150 Munies heirateten am 1, Juli 1982 im New-Yorker Madison Square Garden vor ihrem Sektengott.
Wie die Adventisten, die Zeugen Jehovas und viele andere Sektengläubige prophezeien auch die Anhänger Muns das baldige Ende der Welt. Dieses hat bei ihnen die Form eines dritten Weltkriegs, in dessen Verlauf Mun den Kommunismus zerschlägt und er zum Herrscher des Universums wird.
Ein bezeichnender Ausspruch Muns lautet:
"Mit dem rechten Fuß treten wir auf das Christentum, mit dem linken Fuß aber halten wir die kommunistische Ideologie nieder und unterwerfen sie uns. Dann werden wir Gott auf die Erde rufen, und die ganze Welt wird unser sein."
Nachdem sich Mun in den Vereinigten Staaten niedergelassen hatte, schmeichelte er sich verstärkt bei den Mächtigen dieser Welt ein. Er wurde von den Präsidenten Kennedy, Johnson und
Nixon empfangen, hatte Umgang mit Kongreßabgeordneten, mit anderen Politikern und Geschäftsleuten. Er veranstalten immer wieder lärmende Versammlungen, scheute kein Geld, um für seine Bewegung Reklame zu machen, sparte nicht mit Lob für die Verhältnisse, in den USA und mit der Verdammung des Kommunismus. Mun rief zum Wettrüsten auf und sagte den dritten Weltkrieg voraus. Besonders beliebt ist er bei den rechtsextremistischen Elementen der USA, bei Rassisten und Zionisten. In den .USA haben ihn 73 Städte zu ihrem Ehrenbürger gemacht.

S. 65
" ... Unserer Initiative ist es zu danken, daß über 20 Millionen Menschen unsere Reden zum Sieg über den Kommunismus gehört haben. Das aber bedeutet weder ein Bündnis noch Zusammenarbeit mit der Staatsmacht. Präsident Pak leistet seine Arbeit und ich als Religionsführer die meinige."
"Haben Sie als Hilfe Geld von antikommunistischen Gruppen in Südkorea oder von anderen Stellen erhalten?"
"Keinen Cent. Die Kommunisten verbreiten alle möglichen Gerüchte, um uns in schlechten Ruf zu bringen."
"Sie haben einmal gesagt: Ich werde die Welt erobern und über sie herrschen. Die Zeit wird kommen, da meine Worte unabhängig von meinem Willen Gesetz sein werden.' Welche politischen Ideen haben Sie?"
Ich habe keine. Die von Ihnen zitierten Worte sind aus dem Kontext herausgerissen. Wenn Sie aus einer langen improvisierten Rede einzelne Zitate herausreißen, können Sie zu einer falschen Deutung kommen. Außerdem treten bei der Übersetzung aus dem Koreanischen Schwierigkeiten, auf."

Warum eigentlich hatte sich die bekannte Zeitschrift Newsweek", die in den USA die Interessen der Monopole vertritt, plötzlich vorgenommen, den Antikommunisten Mun bloßzustellen?
Das erklärt sich aus der in den Vereinigten Staaten nach der Watergate-Affäre entstandenen Atmosphäre sowie daraus, daß Tätigkeiten der südkoreanischen CIA in Washington aufgedeckt wurden, wo der südkoreanische Spionagedienst sogar Kongreßabgeordnete, ganz zu schweigen von weniger hochgestellten Leuten, angeworben hatte. Vom Internationalen Zentrum zum Studium der heutigen Sekten wurde zum Beispiel folgende Erklärung veröffentlicht:

"Es wird immer offenkundiger, daß eine leitende Persönlichkeit der koreanischen CIA, möglicherweise ihr Leiter selbst, den Gedanken gehabt hat, den Messias Mun auf den amerikanischen Markt loszulassen, und das durchaus nicht als zweitrangiges Element in den weitgestreckten Plänen des Söuler Diktors Pak Dschong Hi"
Die Verbindung Muns mit der südkoreanischen CIA wurden von einem Unterausschuß des USA Kongresses untersucht.
Inn der Zeit des Watergate-Skandals hatte er auf jede Weise Nixon verteidigt und sogar einen Gottesdienst zu seiner Unterstützung abgehalten, was natürlich bei den Gegnern des damaligen Herrn des Weißen Hauses feindselige Reaktionen auslösen mußte.

Mun war offensichtlich zu weit gegangen, als er erklärt hatte, er werde bald Herr der Vereinigten Staaten sein. So wurde er für die Führungsschicht der USA zu einer Persona non grata, zu einer unerwünschten Person.
S. 69
Im Januar 1981 war Mun auf Anordnung des Bundesgerichtshofs in New York verhaftet und wegen arglistiger Steuerhinterziehung angeklagt worden. Mun verteidigte sich damit, daß er als Führer einer Religionsorganisation nach der Verfassung nicht verpflichtet sei, Steuern zu zahlen. Muns Verteidiger erreichten eine Vertagung des Prozesses sowie Haftbefreiung des Angeklagten gegen eine Kaution von 250.000 Dollar.
Im Juni 1982 wurde Mun dann von einem USA-Gericht für schuldig befunden, der Steuerbehörde Einkünfte in Höhe von mehr als 16 Millionen Dollar verheimlicht zu haben. Das Gericht verurteilte ihn zu 18 Monaten Freiheitsentzug und zu 25.000 Dollar Geldstrafe.
Journalisten gegenüber erklärte Mun, daß er den gegen ihn geführten Gerichtsprozeß als Wiederholung des Gerichts über Jesus Christus betrachte. Seine Verteidiger behaupteten, die Berufungsinstanz werde ein derart ungerechtes Urteil aufheben. In seltener Einmütigkeit sagten die Zeitungen in den USA voraus, daß Mun letzten Endes dem Gefängnis entgehen werde: Er könne zu vielen Leuten nützlich sein.

Und in der Tat, er war vor allem der Antikommunistischen Weltliga sehr nützlich; denn selbst seine Haftzeit hinderte ihn nicht daran, sich als hartgesottener Kämpfer gegen den Kommunismus zu erweisen. In einer Spendenaktion für die Contras in Nikaragua ließ er großzügig einen Hunderttausenddollarscheck überreichen.
Mit seinem Hauptwerk, den "Göttlichen Prinzipien", reihte er sich an die Seite derer, die den Kommunismus mit allen Mitteln vernichten wollen. Mun geht es dabei darum, die Hirne der Menschen zu erobern ...
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