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Forum:
Fibromyalgie Erfahrungsaustausch
Beiträge im Thema:
7
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 1 Monat
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 1 Monat
Beteiligte Autoren:
Rena, mica, Anke, nana

Ich bin soooo sauer!!!!

Startbeitrag von mica am 08.08.2002 13:03

Hallo Ihr Lieben,
es treibt mich schon den ganzen Morgen und ich muss es doch noch schreiben, vielleicht hilft das.

Was kann man eigentlich als Mensch mit einer chronischen Krankheit gegen arrogante, besserwisserische Ärzte tun, die einen mit ihren Empfehlungen ins gesellschaftliche Abseits und wirtschaftliche Not bringen? Wie kann man sich dagegen wehren? Mich hat es grad mal wieder ein halbes Jahr meines Lebens und einen ziemlich guten Auftrag gekostet...

Meine Arthritis ist vor ca. 20 Jahren aufgetreten, und war eigentlich immer recht friedlich. Diagnose wurde von der Rheumaambulanz in Hamburg Eilbek bestätigt; bei drei Aufenthalten in Rheumakliniken in Bad Bramstedt und Bad Pyrmont ebenfalls bestätigt.Vor drei Jahren ist dann noch die Fibro dazu gekommen.

Mir geht es seit März reichlich.... ich bin selbständig und musste einen sehr lukrativen Auftrag abbrechen, da ich weder Auto fahren konnte noch überhaupt in der Lage war, zu denken. Und das ist beim programmieren nun mal ziemlich wichtig. Dazu kamen schwere Depressionen, Schmerzen an allen möglichen und unmöglichen Stellen. Schlaflosigkeit sowieso. In dem Hotel, in dem ich beruflich nächtigte, kam ich die Treppen nicht mehr hoch.

Im März, beim Vorzeigen meiner geschwollenen Gelenke erklärte mir meine Rheumatologin, dass das kein Rheuma sei - was das sei wisse sie allerdings auch nicht. Aber ich müsse das Rheumamittel + Cortison ganz absetzen und die Schmerzmittel auch. Selten habe ich mich so alleine gelassen gefühlt. Uns sie verstünde auch nicht, dass ich nicht öfter in ihre Praxis komme. Was sollte ich da? Von Ärztehopping hab ich noch nie was gehalten. Ich wollte eigentlich nur betreuende Unterstützung um mit dem Ganzen irgendwie klarzukommen.

Ich bin dann im April für eine Woche in der Psychatrie gelandet, weil ich mir wirklich nicht mehr vorstellen konnte, was an einem solchen Leben, gebeutelt von Depris und Schmerzen denn noch Sinn haben kann. Das das gefährlich war, hab ich immerhin noch erkannt. Der völlig (...) Stationsarzt hat mir dann erklärt, das ich kein Rheuma und auch keine Fibro habe, meinen Rollstuhl nur brauche, weil es so wunderschön hilflos aussieht und mir eigentlich nix fehlt, ich aber eine Ewigkeit auf der Station verbringen könnte, damit sie mir dann klarmachen, dass ich eigentlich ja gesund bin. (Wahrscheinlich hätte ich mich dann auch gleich zur Olympiade anmelden können...) Das hat mich, nachdem ich einige Nächte mit Hilfe des Schlafmittels wieder schlafen konnte, immerhin so aufgerüttelt, dass ich mich aus dem Krankenhaus entlassen ließ. Ausserdem hat mir auch noch unterstellt, dass ich mir nur einbilden würde, selbständig tätig zu sein und damit auch Geld zu verdienen (und zwar mehr als er..). Vielleicht sollte ich für meinen nächsten Krankenhausaufenthalt meinen Einkommensteuerbescheid parat halten...

Der freundliche Stationsarzt hat dann, ohne mein Wissen, den Entlassungbericht meiner Internistin, meiner Rheumatologin und meiner Hausärztin zugestellt. Was heisst hier Datenschutz. Eine Gefährdung aufgrund von Suizidgedanken schloss er allerdings aus.

Nun waren also meine "Ansprechpersonen" der Ärztegattung, die sich vorher allerdings auch schon nicht gerade für mich ins Zeug gelegt hatten, überhaupt nicht mehr ansprechbar. Ich hatte ja nix. Und der Rollstuhl ? Siehe oben.

Ich hab dann versucht, einen anderen Rheumatologen zu finden - keine Chance - Wartezeiten 4 - 5 Monate. Das Gleiche galt für die Schmerztherapeuten. Die Zeit zog sich dahin, meine Ellenbogen waren auch nicht mehr zu benutzen, die Hände sowieso nicht. Ich hatte Probleme mich zu waschen, meine Schuhe anzuziehen und hab mich gefragt, ob ich nicht eigentlich schon in eine Pflegestufe gehöre. Oder - auch dieser Gedanke nicht sehr weit weg - vielleicht doch bloß spinne....

Einen anderen Hausarzt habe ich endlich gefunden, der verständnisvoll und freundlich ist und sich Zeit nimmt. Der sich auch nicht gleich eine Krise wegen für ihn anfallenden Arbeit (Begründung der Verordnungen Medikamente/Krankengymnasitik gegenüber der KV und der Krankenkasse) stürzte. Ich hatte mit ihm besprochen, zunächst bis zum Termin bei der Schmerztherapheutin die Medikation gleich zu lassen. Also reichlich Schmerzmittel, ziemlich wirr im Kopf - nicht arbeitsfähig.

Nun ging aber so langsam gar nichts mehr. Ich kam nicht mehr hoch, konnte nicht mehr sitzen, weder stehen noch laufen. Und dann ... siehe Posting von gestern. Eine Spritze mit Cortison und Analgetikum. Heute stelle ich fest, meine Ellenbogen und all die anderen Gelenke sind erheblich weniger schmerzend, einige sogar schmerzfrei - ich brauch erheblich weniger Schmerzmittel. Trotz Wetterwechsel. Klar muckt es noch und es ist nicht alles weg. Und wir sind ja alle einiges gewohnt.

Ich bilde mir nun auch nicht ein, gesund zu sein, aber irgendwie fühle ich mich wieder als Mensch und nicht mehr reduziert als sei ich lediglich eine Art Jammerlappen, der unentwegt medizinische Betreuung zur Unzeit und auch zu Unrecht - mir fehlt ja nix ..beansprucht. Oder auch ein "Arzneimittelvernichtungssystem" oder "Beta-Testerin für den Medikamentenverbrauch" – nun, da fallen mit sicherlich noch ein paar wundervolle Forumulierungen ein.

Aber was tut man dagegen????????????

mica

Antworten:

Hallo Mica,

bei so viel Sch.... kann man sich eigentlich nur noch übergeben (wollte eigentlich was anderes schreiben) :angry:. Ich kann deine Wut und auch Hilflosigkeit voll verstehen. Da werden einigermaßen intelligente Menschen, zu denen ich dich und mich zähle, von einigen Weißkitteln immer wieder zu Simulanten abgestempelt. Ich komme mir bei manchen Ärzten vor, als hätte ich einen IQ von einer Raviolidose. Vielleicht sinkt der IQ nach Jahren der Fibro auch tatsächlich auf 72,5 ab - wer weiss, vielleicht habe ich das nur noch selbst nicht wahrgenommen.

Ich habe auch gerade wieder ein Ärztehopping hinter mir und auch noch vor mir. Allerdings nicht wegen der Fibro, sondern wegen den Beschwerden in meiner linken Schulter. Der erste Arzt, bei dem ich war, wollte gleich das Skalpell schwingen. Ich also nix wie weg. Der nächste Arzt verschrieb mir eine Salbe und meinte, das müsse helfen - war aber auch leider nichts. Der nächste hat mich dann chirotherapeutisch behandelt und ein paar Spritzen gegeben. Hat zwar etwas geholfen, aber später stellte sich heraus, dass ich aufgrund eines Bandscheibenschadens an der HWS (von Geburt an ist bei mir zwischen dem 5. und 6. Halswirbel die Bandscheibe nicht vorhanden, wusste ich bis jetzt allerdings nicht, da die Halswirbelsäule noch nie geröngt wurde), gar nicht "eingerenkt" hätte werden dürfen. Auch nett...... Der nächste, zu dem ich dann geschickt wurde (Orthopäde), hat den Bandscheibenschaden festgestellt und mir auch mit der Schulter etwas geholfen (wieder mit Spritzen und mit Strecken der HWS), aber beim Thema Fibro meinte er: Fibromyalgie ist doch gar keine Krankheit. Für ihn ist eine Krankheit etwas, was man entweder auf Röntgenbildern sieht oder was man labortechnisch erfassen kann. Alles andere ist eingebildet. Ich soll mir einfach einreden, dass ich gesund sei und dann ginge es mir auch wieder gut. Ich konnte gar nicht so blöd schauen, wie mir in diesem Moment zumute war.

Jetzt suche ich einen neuen Orthopäden, der nicht gleich mit dem Skalpell winkt und der Fibro als Krankheit akzeptiert. Ich bin schon immer am abwägen, ob ich überhaupt bei einem neuen Arzt erwähne, dass ich Fibro habe. Aber bei orthopädischen Sachen gebe ich es dann doch an, weil ich mir denke, dass sonst evtl. eine falsche Diagnose gestellt werden kann oder die falsche Behandlung angesetzt wird. Aber bei manchen Ärzten wirkt das immer noch wie die Zündung einer Handgranate. Entweder sieht man an ihren Blicken, dass sie einen am liebsten gleich wieder loswerden würden oder man merkt, das man von dem Moment an nicht mehr ernst genommen wird.

Tja, Mica, wenn du soweit bist, dass du an der Olympiade teilnimmst, sag mir doch Bescheid. Ich mach sofort mit. Beim 10-Meter-Watscheln erreiche ich momentan die Bestzeit von 18, 43 Minuten. Das muss mir erst mal einer nachmachen...... :D :D

In diesem Sinne

Karin

von nana - am 08.08.2002 13:58
Schmerzen - oder wie sag ich's meinem Arzt?
"von Heike" geschrieben am 30.04.02

Liebe Mica,

wenn du dir die "Krokodilstories" mal antust, über die wir vor Monaten schon sooooo gelacht haben, dann geht es dir hoffentlich etwas besser. Auch mit diesem Problem bist du nicht allein ;)

Bussi RENA

von Rena - am 08.08.2002 14:10
hallo mica, ich kann dich so gut verstehen.bevor ich einen Arzt aufsuche, überlege ich mir das monatelang.Erst wenn ich gar nicht mehr weiterweiß, suche ich wieder einen auf.Dooferweise habe ichauch keinen Arzt, der mich mit meiner fibro begleitet.Mit meiner hausärztin habe ich gebrochen,weil sie meinte Fibro sei noch nicht erforscht unddamit schluß, was heißen sollte,was für eine frechheit an einer noch nicht erforschten krankheit zu erkranken.habt ihr solche ärzte, die euch begleiten und wenn ja,aus welcher fachrichtung? manchmal verzweifle ich auch an dieser situation.es ist so irrwitzig,krank zu sein und kein arzt der welt nimmt dir das ab.wenn es diese foren im internet nicht gäbe,wo man endlich mal ernstgenommen wird,ich wüßte nicht, wie ich die letzten jahre hätte überstehen sollen

Gruß, anke.

von Anke - am 08.08.2002 15:08
Hallo Ihr Lieben!

Ihr habt mir so geholfen - Eure Anteilnahme aber auch das Verständnis und das Wissen, wie es frau oder auch man so ergehen kann, wenn's die ... Ärzte so wollen. Andererseits weiss ich ja durch mein Studium und meinen Job auch, wieviele .... Flachschippen mit irgendeinem Diplom oder Dr. es so gibt. Wieso sollte es bei den Weisskitteln besser sein...

Ich hatte vor zwei Jahren ein nettes Erlebnis, mit einem Arzt in einem Hamburger Krankenhaus, der bei mir und zwei anwesenden Krankengymnastinnen ob der Antwort an eine nette alte Dame, die nun wirklich nicht wusste, wie sie ihren so eben aus dem Gips genommenen Arm bewegen sollte, akute Sprachlosigkeit verbunden mit Maulsperre auslöste.

Nette ältere Dame: Was soll ich machen Herr Doktor ?
Herr Doktor: (im breitesten Altonaer Slang, eher in einem Fitnesstudio in Kieznähe zu erwarten, Sonnenbräune wie auch Goldkettchen fehlten nicht):
Na, bewegen - volle Pulle!!
Nette ältere Dame (verzweifelt guckend): Wie denn Herr Doktor -
Herr Doktor durch die bereits sich schliessende Tür: Volle Pulle - alles klar ?

Es war die Visite, hatte ich ja vergessen zu erwähnen. Eine Krankengymnastin zu anderen: Den kennst du nicht...(flüster) Das ist doch der, der versucht hat beim Betriebsfest das Feuer auszupinkeln - hat er auch nicht geschafft....einer seiner Kollegen, den ich schon aus vorigen Aufenthalten in diesem gastlichen Hause kannte, sagte darauf, den hätten sie eingestellt, um endlich mal einen gutaussehenden Arzt für den Krankenhausprospekt zu haben.

Vielleicht sollten wir solche Geschichten mal zusammenlegen, um in der ganzen Misere wenigsten lachen zu können, das tut wirklich gut.

Mitgenommen hab ich auch - wir müssen uns, egal wie, selber kümmern. Für mich heisst das sicherlich, ich hol mir jetzt mal ein Krokodil (für die, die's nicht kennen, bitte im Forum nachlesen (Autor Crocschocker)
und zwar eins auf einem Hemd mit 'nem bissigen Rechtsbeistand, der doch mal so erkundet, wie's denn mit Datenschutz usw. in dieser entzückenden Klinik ( aus dem vorigen Betrag) ausgesehen hat.

Ich weiss, dass es mir nur hilft, den Frust abzubauen, aber ich habe die Hoffnung, dass es Patienten hilft, die nach mir kommen.

von mica - am 09.08.2002 02:50
Moin ihr Lieben,

wie kannst du auch nur, Anke ;)? Einfach krank zu werden...tztztz :D.

Aber es steht den Arzt leider nicht auf der Stirn geschrieben, ob er gute Arbeit leisten kann oder nicht. Wir müßen denen unser "LEBEN" anvertrauen, das muß man sich wirklich mal ganz langsam durch`s Hirn gleiten laßen. "UNSER LEBEN"!!! Na Gut sie sind menschlich wie wir, ich gestehe Ihnen Fehler zu, sie haben große Mühen auf sich genommen (Studium etc.), ganz klar...aber berechtigen diese ganz normalen beruflichen Wege, wie sie andere Menschen in anderen Berufssparten auch durchleben, Überheblichkeit, Arroganz, eben so`n typisch neureiches, snobistisches Getue, wie es einige obermäßig drauf haben???. NEIN!!! Wenn ein Arzt so rüber kommt, hat er bei Rena null Chance ;). Das sag ich nicht nur so, das mein ich 100% Ernst. In meinen Augen muß sich jeder Mensch in unserer Gemeinschaft darum bemühen, daß sich NIEMAND klein und schäbig vorkommt. "Vertrauen" heißt eins der Zauberworte, "Verständnis" ein anders. Anzubieten hätte ich noch "Mitgefühl, MItleid, Teilen....Verzeihen (damit hab ich auch Probleme).
Aber es macht zu vielen Menschen wohl auf eine in meinen Augen perverse Art und Weise Spaß, immer wieder MACHT auszuüben. Werd`ich leider auch nicht mehr ändern können, aber wenn es darum geht, wie das Verhältnis RENA---ARZT sich entwickelt, das beobachte ich ganz genau und es geht da um MICH und nicht darum, ob meine Krankheit seinen Geldbeutel füllt. Ist mir doch egal.(muß man sich schon Gleichgültigkeit angewöhnen, um diese Zustände überhaupt zu ertragen ). Wenn der Mediziner nicht mehr weiter weiß hat er die Verantwortlichkeit, den Patienten an einen Fachkollegen zu überweisen...Geldquelle weg ??? Laßt euch das nicht gefallen.

:spos: eure Rena

von Rena - am 09.08.2002 07:14


ich hab da so`n nicht ganz ernst gemeinten Geistesblitz...

Arzttester könnten wir Fibros gut als Beruf nachgehen

Wir machen die Preise....mh mal überlegen.... vorne neben das Arztschild kommt eine Preistafel und dann wird eben verglichen !!! Wie bei einem guten Wein oder wie handwerkliche Arbeit oder man kann dann auch persönlichen Geschmack berücksichtigen....

EIN WEISSER KITTEL IST NOCH LANGE KEINE WEISSE WESTE


ich mag euch sehr, weil ich weiß, ihr seid genauso sensibel wie ich und glaubt es, dieser Sarkasmus hat sich auch erst im Laufe dieser Arztodysseen entwickelt. Aber ich bin ICH und ich bin WERTVOLL. Das hat nicht mit meinem Geldbeutel oder Status zu tun.

*BUSSI* Rena

von Rena - am 09.08.2002 07:28
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