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Fibromyalgie Erfahrungsaustausch
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20
Erster Beitrag:
vor 14 Jahren, 6 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 14 Jahren, 6 Monaten
Beteiligte Autoren:
Monika D. (Admin), Josie1956, Aléxandros, Petra.M, Karin-Nana, tashina, Claudia K

Neues über SSRI

Startbeitrag von Monika D. (Admin) am 17.08.2003 13:35

[www.antidepressiva-forum.de]

Da scheint es eine ganz neue, überaus kritische Website mit aktuellen Informationen zu geben. Mich stört es es wenig, dass es kein richtiges Impressum gibt, deshalb nicht klar ersichtlich ist, wer der Urheber der Site ist, aber trotzdem möchte ich die dort zusammengetragenen Informationen und Erfahrungen nicht ignorieren - besonders auch in Hinblick auf das, was Claudia K dieser Tage aus ihrer Reha berichtet hat!!!

Monika

Antworten:

Hallo Monika,

zur Abwechslung mal wieder ne "blöde Frage".

Werden Medikamente dieser Art denn in der Fibro-Therapie bzw Schmerztherapie eingesetzt, oder sind das Medis, die nur bei (vermuteten) Depressionen bzw anderen psychischen Erkrankungen, verordnet werden?

Liebe Grüße
Josie

von Josie1956 - am 17.08.2003 21:40
Liebe Josie,

ich habe mal ein paar Links zu älteren Diskussionen zusammengestellt, in denen es um jene Medikamente, also selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, kurz als SSRI bezeichnet, ging.

[www.fibromyalgie-aktuell.de]
[forum.myphorum.de]
[forum.myphorum.de]
[forum.myphorum.de]
[forum.myphorum.de]
[forum.myphorum.de]

Mach Dir selbst ein Bild daraus. Ich mag das nicht mehr kommentieren.

Monika

von Monika D. (Admin) - am 18.08.2003 11:13
Hallo Monika!

Danke für die Info.

Es ist erschreckend, zu lesen, was da passieren kann. Heute bin ich froh, dass ich nach 5 Tagen die Einnahme von Cipramil abgebrochen habe. Wer weiss, was in der auf die beschriebene Horrornacht folgenden Nacht geschehen wäre .... Ich weiss auf alle Fälle, dass ich in meinem Leben NIEMALS freiwillig irgendwelche Aufputscher nehmen würde (hätte ich vorher auch nicht, aber nach dieser Erfahrung .....!!!!)

Mittlerweile wird mir da auch so einges klar. Als der Oberarzt zur Visite kam, sass ich still auf meinem Bett in einem relativ dunklen Zimmer und wartete, was da wohl kommen mag. Und anscheinend war ihm das dann schon Anlass genug, mich für depressiv zu halten. In meinem Abschlussbericht steht ja auch depressive Störung drin. Seltsam nur, dass ich mir genau die Leute als Gesellschaft ausgesucht habe, die am meisten gelacht haben, so dass unser Tisch bekannt war in der ganzen Klinik. Und ebenfalls seltsam, dass ich alles dort möglichst positiv gesehen habe, keinen Grund zum Meckern gesucht habe, wie viele andere, und die Zeit dort wirklich genossen habe .....

Jedenfalls bin ich jetzt wieder mit meinem Mydocalm und Doxepin recht zufrieden und bislang hält der Reha-Erfolg auch noch an. Heute abend gehe ich wieder zum Nordic Walking, damit ich nicht einroste ;-)

Dir nochmal vielen Dank für die fleissige und unermüdliche Suche nach Antworten für uns alle!

Claudia

von Claudia K - am 18.08.2003 12:50
Hallo Claudia und alle Anderen !!

Ich weiss auf alle Fälle, dass ich in meinem Leben NIEMALS freiwillig irgendwelche Aufputscher nehmen würde (hätte ich vorher auch nicht, aber nach dieser Erfahrung .....!!!!)

Antidepressiva sind keine Aufputscher !!!!! Es sind hochwirksame Medikamente mit mehr oder weniger Nebenwirkungen. Natürlich sollte genaustens abgeklärt sein an welcher Art von Depression man leidet und ob überhaupt und sie sollten nicht einfach mal so als Zückerli verschrieben werden, aber für viele Menschen sind sie notwendig und bringen eine enorme Lebensqualität und Überlebensqualität für den betreffenden Personenkreis bzw. Patientenkreis.
Wenn man den Beipackzettel der Pille oder von Bluthochdruckmedikamenten ließt stellen sich auch alle Nackenhaare auf, aber wer an Bluthochdruck leidet muß diese Medikamente eben einnehmen, sich darauf einstellen lassen, oder in Kauf nehmen das die Nieren aufgrund des Hochdrucks versagen, oder das man einen Schlaganfall erleiden kann.
Wer die Wahl hat hat die Qual ;-))
Die Medikamente(Antidepressiva) mal einfach so zu verdammen, und zu verdonnern ist eben zu einfach, zu verdonnern wären da die Ärzte die sie mal so einfach als Zuckerli verschreiben ohne eindeutige Abklärung des Krankheitsbildes und die Patienten die sie dann mal einfach so schlucken ohne zu hinterfragen warum eigendlich.
Bevor ich persönlich ein Antidepressiva einnehme (im Moment 10 mg Amitriptilin am Abend), lasse ich mich darüber eingehend informieren über alle wenns und abers von dem Arzt der es verschreibt.
Für Patienten mit schwerwiegenden Depressionen (ich gehöre zwar noch nicht dazu ;-)) ), sind diese Medikamente Lebensnotwendig.
Und eines habe ich hier in diesem Forum mit 100% iger Sicherheit gelernt: SAGE NIEMALS NIE !!!!

Ich möchte nicht das es so aussieht als würde ich alle Antidepressiva für Heilig erklären, ich möchte nur nicht das Menschen die diese Medikamente zum Leben brauchen, oder bräuchten davon abgehalten werden diese einzunehmen. Ein Medikament das wirkt hat auch immer eine Nebenwirkung, manchmal kann die sogar positiv sein.

Alles Liebe
Petra

von Petra.M - am 18.08.2003 18:51
Hallo Petra,

ich stehe voll und ganz hinter dem, was Du geschrieben hast. Diese Medikamente sind angebracht und zugelassen für den Einsatz bei nachgewiesenen schweren Depressionen als eigenständige Krankheit - d.h. einer sog. Major Depression - und nicht bloß einem Stimmungstief wegen irgendeinem nachvollziehbaren Auslöser. Ich kenne mehrere Leute, die unter einer echten Major Depression leiden. Da würde es mir nicht im Traum einfallen, über ihre Behandlung mit antidepressiven Medikamenten zu diskutieren. Sie brauchen diese Medikamente, basta. Diesen Menschen ist aber auch bewußt, dass ihre Depression ihre Krankheit ist und dass Fibro-Symptome, soweit zusätzlich vorhanden, eben eine Nebenrolle spielen.

Leider können wir uns nicht immer wirklich darauf verlassen, dass Ärzte sich die Mühe machen, da genau abzugrenzen, bevor sie Medikamente verordnen. Bei Fibromyalgie sind die Reizschwellen erniedrigt, während sie bei Depressionen offenbar erhöht sind. Da wo ich, Fibro, jeden Moment auf einen anderen Reiz reagiere, erlebt ein Depressiver nur Leere. Spaziergänge mit einer schwer depressiven Frau haben mich gelehrt, wie das ist. "Monika, wie machst Du das, dass Du das alles siehst. Das ist schön, aber ich hätte es nicht gesehen, wenn Du nicht stehengeblieben wärst, nicht fotografiert hättest. Alleine sehe ich nichts ... ich kann nichts sehen. Das liegt nicht an meinen Augen, die sind okay. Aber ich kann das alles, was Du siehst und mir zeigst, nicht selbst sehen, kann die Schönheit einfach nicht erkennen. Das ist meine Krankheit."

Eigentlich will ich damit nur sagen, dass man doch recht gut abgrenzen können müßte, ob Depressionen eine Haupt- oder eine Nebenrolle spielen. Danach müßte sich die Medikamentenverordnung richten und nicht danach, welcher Pharmavertreter gerade das dickste "Päckchen" dagelassen oder versprochen hat.

Antidepressiva sind hochwirksame Medikamente. Aber vor jeder Behandlung steht erst mal die Diagnose - und nicht umgekehrt!!! Falsch eingesetzt richten diese Stoffe nicht selten Schaden an - Schaden, der dann aber durchaus verwechselt werden kann, mit Symptomen der Krankheit, die damit angeblich behandelt werden soll. Das ist der Punkt, um den es mir geht.

Wer Depressionen hat, der muß wegen Depressionen kompetent behandelt werden. Behandlungsbedürftige Depressive durch das Hintertürchen Fibromyalgie einfach mit Antidepressiva vollzustopfen oder umgekehrt Fibromyalgie-Patienten durch Anwendung von ungeeigneten Medikamenten erst in eine Verfassung zu bringen, in der sie "reif" für hochwirksame Psychopharmaka erscheinen, das ist es, wogegen ich mich stelle.

Als mündige Patienten sollten wir fragen dürfen, was es zu bedeuten hat, wenn so ein Medikament zur Anwendung kommt - und wir sollten eine ehrliche und sachlich begründete Antwort erwarten dürfen.

Monika

von Monika D. (Admin) - am 19.08.2003 09:24
Hallo Leute,

natürlich muß ich mich bei diesem Thema mal wieder zu Wort melden :-)

Ich finde bei derartigen Diskussionen muß man sehr darauf achten, die Kirche im Dorf zu lassen bzw. das Kind nicht mit dem Bade auszuschütten, um mal den Volksmund zu zitieren.

Aufklärung zu Nebenwirkungen von Medikamenten ist wichtig und daher ist die von Monika empfohlene Seite auch grundsätzlich gut zu heißen. Ich bin allerdings der Meinung, daß man gerade in Sachen Gesundheit sachlich und ausgewogen argumentieren sollte und nicht mit Schlagzeilen a la BILD.

Ich glaube sehr wohl, daß es diese Fälle gibt und sie sind sehr bedauerlich. Dennoch kann man das nicht verallgemeinern. Millionen von Patienten haben diese Probleme nicht! Okay, ich kenne die Zahlen nicht, aber der Betreiber der Webseite macht dazu ja auch keine Aussagen.

Man sollte sich immer im Klaren darüber sein, daß jedes Medikament unangenehme Folgen haben kann. Auch Aspirin kann tötliche Nebenwirkungen haben. Oder um mal ein anderes Beispiel aus dem Alltag zu nehmen: Autofahren kann ebenfalls tötlich sein oder schwere Gesundheitsschäden nach sich ziehen. Trotzdem setze ich mich jeden Tag in mein Auto und will auch nicht darauf verzichten, so wie ich bei Kopfschmerzen auch nicht auf Aspirin verzichten möchte. Ich bin mir dieses Risikos bewußt und gehe es ein, weil der Nutzen im Verhältnis zum Risko immens groß ist. Wobei ich mir vorstellen könnte, daß mehr Menschen im Straßenverkehr sterben, als es SSRI-Süchtige gibt.

Eine Info an Claudia: Als ich Cipramil genommen habe, war ich in den ersten Tagen auch "high" (wenn man das so beschreiben möchte). Das ist völlig normal und hat sich nach 3 Tagen sehr schnell wieder gelegt. Da bei Dir, nach Deiner Aussage, ja keine Depression und kein Serotonin-Mangel vorgelegen hat, dürftest Du wohl eine "Überdosis" abbekommen haben. Wenn ich mir vorstelle, ich würde von heute auf Morgen die x-fache Menge an Kaffee zu mir nehmen, würde ich vermutlich ein ähnliches "Delirium" erleiden :-)

Ich habe eine Bekannte, die hat schon Paroxetin, Cipramil und Trevilor genommen (nacheinander und in Abständen) und alles in relativ kurzer Zeit wieder abgesetzt ohne Probleme zu bekommen. Sie hat sich auch noch nicht aus dem Fenster gestürzt oder so.

Nochmal, es gibt diese problematischen Fälle und sie sind schlimm. Hier ist die Pharmaindustrie und die Medizin in der Pflicht festzustellen, wie man hier helfen kann. Der Feld- und Wiesenarzt vor Ort ist damit natürlich überfordert. Aber man sollte auch nicht unnötig Ängste schüren. Manch einer verzichtet sonst auf ein ansonsten hilfreiches Medikament und verlängert dadurch sein Leiden. Das wäre schade.

Zum Schluß - trotz meiner obigen Aussagen bzw. gerade deswegen - noch eine aktuelle Nachricht. In der aktuellen Ausgabe von "Psychologie heute" ist unter der Überschrift "Tödliche Arznei" folgendes zu lesen:

"Die Verträglichkeit von Psychopharmaka wir überschätzt. Zehn bis dreißig Prozent der Bevölkerung haben aufgrund einer genetischen Variante [...] nicht die Fähigkeit, Normaldosierungen von Medikamenten abzubauen. [...] Bei Psychopharmaka ist diese starke Form der Unverträglichkeit besonders ausgeprägt. Mindestens zehn Prozent der Bevölkerung reagieren mit schwersten Nebenwirkungen wie etwa deliriumsartigen Zuständen oder starkem Bluthochdruck [...].
[...] Nach Schätzungen von Pharmakologen sterben in Deutschland jährlich mindestens 16000 Patienten an Medikamentennebenwirkungen."


Mit Psychopharmaka sind hier nicht nur die SSRI's gemeint, auch das von Fibro's geschätzte Amitriptilyn gehört hierzu. Die 16000 beziehen sich auf alle Medikamente, nicht nur auf Psychopharmaka. Ich frage mich, ob hier die Fälle mitgezählt werden, in denen Medikamente falsch kombiniert wurden.


Ich hoffe, das regt Euch zum Grübeln an.

Gruß
Aléxandros

von Aléxandros - am 24.08.2003 11:38
Lieber Aléxandros,

ich muß Dir wieder mal ganz herzlich für Deinen Beitrag danken, der ganz offen die beiden Seiten der Medaille betrachtet. Ich möchte, um die Information und Diskussion noch etwas zu vertiefen, hier noch auf zwei ältere Beiträge im Arznei-Telegramm hinweisen. Doch zunächst erst mal etwas über das arznei-telegramm, bevor ich die Links zu den, wie ich meine, für Fibromyalgiebetroffene bzw. ihre Ärzte sehr wichtigen Artikeln angebe.

Grübeln über diese Dinge ist, denke ich, sicherlich kein Luxus - vor allem in Hinblick darauf, dass diese Veröffentlichungen schon über fünf Jahre alt sind UND dass sich darin gemachten Aussagen leider aus vielerlei Nachrichten und Beobachtungen aus der "Fibro-Szene" zu oft zu gut nachvollziehen lassen !

Monika,
die wieder mal ihrem "Schicksal" dankbar ist, dass weder Benzodiazepine, noch synthetische Antidepressiva, noch Opioide in ihrer langen Schmerzkarriere zum Dauereinsatz kamen und deshalb gerade durch zwei herrliche Sommerwochen ganz ohne irgendwelche Medikamente und sonstige Behandlungen erleben durfte, wieviel Besserung inzwischen tatsächlich schon erreicht ist. Mit Medikamenten, die ausgeschlichen werden müssen, weil sonst Entzugssyndrome entstehen, wäre so eine spontane Reaktion überhaupt nicht möglich gewesen.

von www.arznei-telegramm.de
"Verlässliche Daten über Arzneimittel

Seit mehr als 30 Jahren informiert der Informationsdienst arznei-telegramm Ärzte, Apotheker und andere Heilberufe über Nutzen und Risiken von Arzneimitteln.

Das arznei-telegramm ist neutral und unabhängig.
Es erscheint ohne Werbung und
wird ausschließlich durch Abonnements finanziert. ...."

Aus der Ausgabe 2/98: ABHÄNGIG VON ANTIDEPRESSIVA – Parallele zur Geschichte der Benzodiazepine?
Aus der Ausgabe 2/2000: Machen selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer abhängig?

Aus der Ausgabe 5/96 - rechts unten: MISSBRAUCH UND ZNS-STÖRUNGEN UNTER OPIOID TRAMADOL (TRAMAL U.A.) und Fortsetzung des Artikels
Es geht in diesem Artikel u.a. um Wechselwirkungen mit Antidepressiva.

Aus der Ausgabe 4/2001: rechts unten: ERHÖHTER AUGENINNENDRUCK UNTER SSRI "... SSRI rangieren jedoch in Australien hinter Kortikosteroiden an zweiter Stelle der mit erhöhtem Augeninnendruck in Verbindung gebrachten Mittel. In der Roten Liste 2001 fehlen Hinweise auf Glaukom in Verbindung mit SSRI."
Dies hier, weil ich von einem Fall hier aus dem Forum weiß, wo es unter Amitriptylin - also einem trizyklischen Antidepressivum bei dem dieses Risiko bekant ist - zu schweren Glaukom-Komplikationen gekommen ist.

von Monika D. (Admin) - am 24.08.2003 13:49
hallo monika,
ich verfolge wie immer interessiert die beiträge hier im forum und will mich an dieser stelle für deine ergiebigen recherchen und links bedanken.
da ärztlicherseits mir gegenüber größtenteils nur mit "achselzucken" oder "allgemeinplätzen" auf die nebenwirkungen, die bestimmte tabletten (muskelrelaxantien, amitriptylin, lidocain) bei mir hatten reagiert wurde, bin ich froh, hier über ähnliche auswirkungen bei anderen zu lesen. es nimmt mir das gefühl, mit mir "stimme was nicht". ich hatte ja dieses jahr beim absetzen des amitriptylins heftige nebenwirkungen, die mich sehr erschreckt haben, ich nehme es jetzt trotzdem wieder, aber auf lange sicht werde ich versuchen, davon runter zu kommen, und dann werde ich das auch mit der gebotenen vorsicht machen.
ich bin schon immer wieder erstaunt, wie wenig die ärzte wissen über nebenwirkungen, auch wissen wollen.
am freitag kam in der sendung panorama auch ein beitrag über die todesrate in deutschland infolge von falscher medikamentenverordnung, d.h. entweder das falsche medikament, oder die falsche kombination, oder die falsche dosierung, oder zu schnelle verabreichung von infusionen. die studie, die jetzt veröffentlicht wurde spricht von ca. 30.000 toten pro jahr aufgrund dieser "fehler". davon wären bei besserer schulung und kontrollen der ärtze die hälfte vermeidbar, hieß es.
meine lebensgefährtin ist vor 3 jahren vermutlich auch durch so einen "fehler" ins koma gefallen und 5 monate später gestorben. und das nach einer sog. routine-OP an der nebenschilddrüse.
ich denke, aufklärung in diesem bereich tut not, und bin deshalb dankbar für die "rückendeckung", die ich dafür hier in diesem forum erfahre.
einen schönen sonntagabend wünsche ich allen
lieben gruß
tashina

von tashina - am 24.08.2003 18:53
Hallo tashina,

Hier von der Website des NDR die Texte zu der von Dir erwähnten Sendung:



von Monika D. (Admin) - am 24.08.2003 20:05
Hallo, Monika,

12,5 – 25 – 50 oder 12,5,25,50?

Also das Erste würde ich so verstehen, dass es die jeweilige Dosierung in zB mg für morgens, mittags, abends ist. Das Zweite könnte natürlich auch eine Dosiserhöhung bedeuten, das heisst eine Steigerung von 12,5 bis 50 mg, je nach Bedarf. Und vielleicht – ohne Aufklärung/Erklärung könnte auch mancher sehr „minderbemittelte“ (Entschuldigung!) meinen, er solle 50 Tabletten schlucken ;-)

Aufzuklären hat – meiner Meinung nach – der Arzt, der das Rezept an den Patienten gibt. Was aber auch den Patienten nicht davon frei spricht, selbst mal nachzufragen und sich zu vergewissern. Sich da auf den Arzt zu verlassen, zu glauben, der weiss schon, was er tut oder mir hilft, das, so weiss ich inzwischen aus bitterer Erfahrung, ist nicht nur leichtsinnig sondern kann lebensgefährlich werden.

Genauso selbstverständlich sollte es sein den Beipackzettel zu lesen (auch wenns manchmal recht schwierig ist) und bei Zweifeln noch mal sowohl beim Arzt wie beim Apotheker nachzuhaken .
Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie......, kennen wir doch aus der Werbung :-)

Aus eigener Erfahrung: Die Dosierung steht bei mir IMMER auf dem Rezept, wird vom Apotheker auf einen Zettel geschrieben und auf die Medi-Packung geklebt. Auch er sagt mir noch mal die verordnete Dosierung. Als diese einmal unklar war, hat der Apotheker auch beim Arzt angerufen und nachgefragt.

Dadurch (und aus den kürzlich erlebten negativen Erfahrungen) ist es heute für mich absolut wichtig und selbstverständlich, neu verordnete Medis IMMER in meiner Hausapotheke abzuholen, denn dort weiss eben inzwischen auch der Apotheker, was für Medis ich nehme und kann – wenn nötig - korrigierend eingreifen.
Für mich ist auch das inzwischen ein wichtiger Baustein, der ein Stück Sicherheit dabei gibt.

Liebe Grüße
Josie

von Josie1956 - am 24.08.2003 21:21
Josie1956 schrieb:

Zitat

Hallo, Monika,

12,5 – 25 – 50 oder 12,5,25,50?

Also das Erste würde ich so verstehen, dass es die jeweilige
Dosierung in zB mg für morgens, mittags, abends ist. Das
Zweite könnte natürlich auch eine Dosiserhöhung bedeuten, das
heisst eine Steigerung von 12,5 bis 50 mg, je nach Bedarf.
Und vielleicht – ohne Aufklärung/Erklärung könnte auch
mancher sehr „minderbemittelte“ (Entschuldigung!) meinen, er
solle 50 Tabletten schlucken ;-)

Liebe Josie,
die Frage ging nicht danach, wer die größte Idiotie in diesem Fall zu begehen im Stande ist ;), sondern danach, was ein Hausarzt einem Patienten sagen muß, wenn vom Facharzt die Anweisung da ist, das Medikament XY in der Dosierung 12,5 - 25 - 50 zu verordnen. Diese Schreibweise bedeutet tatsächlich eine Einnahme 3x täglich, nämlich morgens 12,5, mittags 25, abends 50 mg des Wirkstoffes. Kommas zwischen den Zahlen würden eine einschleichende Dosierung bis zu maximal 50 mg des Wirkstoffes pro Tag bedeuten. Die falsche Schreibweise mit "-" statt "," bedeutet hier eine siebenfache Überdosis!

Zitat

Aufzuklären hat – meiner Meinung nach – der Arzt, der das
Rezept an den Patienten gibt.

Wenn aber der Arzt, der das Rezept auszustellen hatte, mit diesem Wirkstoff eigentlich nix am Hut hat, sich daher auch nicht auskennt? Genau deswegen wurde ja der Facharzt eingeschaltet!
Zitat

Was aber auch den Patienten
nicht davon frei spricht, selbst mal nachzufragen und sich zu
vergewissern. Sich da auf den Arzt zu verlassen, zu glauben,
der weiss schon, was er tut oder mir hilft, das, so weiss ich
inzwischen aus bitterer Erfahrung, ist nicht nur leichtsinnig
sondern kann lebensgefährlich werden.

Genauso selbstverständlich sollte es sein den Beipackzettel
zu lesen (auch wenns manchmal recht schwierig ist) und bei
Zweifeln noch mal sowohl beim Arzt wie beim Apotheker
nachzuhaken .
Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie......, kennen wir
doch aus der Werbung :-)

Und was macht man, wer gibt einem Antwort, wenn es sich um eine sogenannte Off-Label-Verordnung handelt? D.h. eine Verordnung außerhalb der Indikationen, für die das Medikament zugelassen ist? Da steht dann weder etwas Zutreffendes auf dem Beipackzettel noch kann der Apotheker etwas dazu sagen, außer, dass die Verordnung und Dosierung ausschließlich in der Verantwortung des Arztes liegt. Der guckt noch mal in den Facharztbericht rein und stellt fest, dass es da exakt so steht, wie er es verordnet hat. Wer gibt einem dann eine Antwort, wenn der Arzt, der den Bericht verfaßt hat, nicht erreichbar ist?
Zitat


Aus eigener Erfahrung: Die Dosierung steht bei mir IMMER auf
dem Rezept, wird vom Apotheker auf einen Zettel geschrieben
und auf die Medi-Packung geklebt. Auch er sagt mir noch mal
die verordnete Dosierung. Als diese einmal unklar war, hat
der Apotheker auch beim Arzt angerufen und nachgefragt.

Tja, und wenn die falsche Dosierung (die ja bei Einsatz bei ANDEREN Erkrankungen durchaus richtig sein könnte) einfach nur abgeschrieben wird? Das ist es doch, worum es hier geht. Nicht der Fehler beim Patienten, der vergessen hat, wann er wieviel von was einnehmen soll, sondern der Fehler im Facharztbericht, der zwangsläufig zur falschen Verordnung führt. Nur durch die Verwechslung von "-" und "," im Text.
Zitat

Dadurch (und aus den kürzlich erlebten negativen Erfahrungen)
ist es heute für mich absolut wichtig und selbstverständlich,
neu verordnete Medis IMMER in meiner Hausapotheke abzuholen,
denn dort weiss eben inzwischen auch der Apotheker, was für
Medis ich nehme und kann – wenn nötig - korrigierend
eingreifen.

Prima Idee! Ich habe früher schon immer mal die Apotheken-Servicekarte empfohlen, weil da alle Medikamente, auch solche, die man evtl. ohne Rezept dort kauft, auf der Karte registriert werden und mit diesen Informationen auch Datenbankabfragen nach evtl. Wechselwirkungen dieser Medikamente möglich sind.
Zitat


Für mich ist auch das inzwischen ein wichtiger Baustein, der
ein Stück Sicherheit dabei gibt.

Liebe Grüße
Josie



Dem bliebe noch hinzuzufügen, dass neulich ein Anruf von jemandem kam, der in meiner "Hausapotheke" ein Rezept einlösen wollte, das dort "verdächtig" erschien. Man hat dort der Kundin geraten, sich doch lieber erst mal bei mir zu erkundigen. Im Gespräch stellte sich dann raus, dass die Kundin schon vor Jahren mit einem anderen Medikament, das aber gleichen Wirkstoff enthält, fürchterlich baden gegangen ist. Wie es da weiter gegangen ist, das werde ich erst noch erfahren.

Monika

von Monika D. (Admin) - am 25.08.2003 09:43
Hallo Monika,

Entschuldigung, aber ich hab nur versucht auf Deine Fragezeichen, dem "was meint Ihr" mir Gedanken zu machen und aus meiner Sicht zu antworten.

Es ist total besch...., wie fahrlässig manchmal Ärzte mit der Gesundheit und dem Leben von Patienten umgehen, das steht doch ausser Frage.

Fehler vom Facharzt, ahnungsloser Hausarzt, Off-label-Verordnung, Arzt nicht erreichbar, Dosierung nur abgeschrieben...., da ist wirklich ALLES schiefgegangen, was nur schiefgehen konnte.

Nur, was kann man jetzt daraus entnehmen? Was für Möglichkeiten oder Konsequenzen ziehst Du aus so einer "Katastrophe"? Kann man dem "vorbeugen", kann man es in irgendeiner Form verhindern?

Wie gesagt, ich habe mir lediglich Gedanken aus meiner Sicht auf die Fragezeichen gemacht und geschildert, wie ich - zumindest versuche - mir kleine Sicherheiten zu schaffen.

Liebe Grüße
Josie

von Josie1956 - am 25.08.2003 10:51
Hallo Josie,

es gibt überhaupt nichts, wofür DU Dich entschuldigen müßtest!

Außerdem kann ich Dich in diesem Fall beruhigen, denn es ist nicht alles sooooooo schief gegangen, wie es hätte gehen können. Der Patient, dem diese tolle Verordnung verpaßt worden ist, war nämlich ich selbst. Zwar noch gaaaanz am Anfang meiner Fibro-Geschichte, aber nicht am Anfang meiner Erfahrung mit Ärzten und nicht am Anfang meiner Neugier. Dank meiner Neigung mich mit kniffeligen Dingen tiefgründig zu befassen, die ich früher an anderen Themen ausgetobt habe, wußte ich damals schon, dass diese Verordnung höchstwahrscheinlich nicht richtig sein kann. Ich habe meinen Menschenverstand eingesetzt und auf eigene Verantwortung nur 12,5 mg/Tag genommen. Wie in anderen Berichten von mir nachzulesen ist, war ja schon das viel zu viel.

Ich habe aus meinen Erfahrungen nur eine Lösung: Wenn irgendetwas an einer Verordnung nicht 100 % klar und durchschaubar ist, dann wird der Arzt so lange gelöchert, bis mir seine Motive klar sind. Und wenn die dann nix mit meiner Erkrankung zu tun haben, sondern auf einer Marotte des Arztes beruhen, dann ist Lauftraining angesagt: Ich laufe davon, so schnell ich kann.

Dazu noch ein anderes Beispiel: Wegen eines schweren Infektes mit Lungenbeteiligung muß eine Antibiotika-Behandlung erfolgen. Das Medikament ist sofort abzusetzen, wenn Muskel- oder Sehnenschmerzen auftreten, stand auf dem Waschzettel. Aha, die habe ich doch immer! Woher soll ich dann wissen, ob sich da jetzt eine Schädigung durch das Medikament ankündigt? Risikoabwägung: Muskel- oder Sehnenriß wäre das kleinere Übel als eine weitere Ausbreitung der Infektion. Also nehme ich das Breitbandantibiotikum weiter. Trotzdem versuche ich mit dem Arzt darüber zu sprechen. Sein Kommentar: Ich könnte ja das Antibiotikum mal jeden zweiten Tag weglassen und würde dann sehen, ob dann die Schmerzen weniger werden. - Wie bitte? - Ja, einfach mal nur jeden zweiten Tag nehmen. - Wer sich nicht auskennt, der sollte hier unbedingt zur Kenntnis nehmen, dass so etwas so ziemlich das Schlimmste ist, was man mit Antibiotika-Einnahme falsch machen kann, denn das ist eine geradezu perfekte Anleitung zur Züchtung resistenter Erreger, die binnen kürzester Zeit dann überhaupt nicht mehr zu beherrschen sind. Hintergrund: Der Arzt war zu bequem den Erreger bestimmen zu lassen, um dann mit einem spezifischen Wirkstoff zu behandeln. Erreger bestimmen, das macht er grundsätzlich nicht, hat er mir erklärt - und ich gehe zu diesem Arzt grundsätzlich nicht mehr hin!

Wäre dann noch die Sache mit der Aufzählung der Medikamente in Arztberichten. Toll, was da schon alles aufgetaucht ist. Da übergebe ich schon immer einen Zettel mit den richtig geschriebenen Namen der Medikamente und der zutreffenden Dosierung. Aber es nützt nichts. Wenn der Bericht diktiert wird, dann werden irgendwelche ähnlich klingenden Sachen draus, die der Schreibkraft halt gerade bekannt sind, oder Phantasienamen, aus denen ein anderer Arzt nur Fehlschlüsse ziehen kann, nur eben höchst selten das, was ich wirklich angegeben habe. Ergebnis: Immer wieder Zoff in Kliniken, wenn dann das ausgegeben wird, was da rausgelesen wird, ich aber darauf bestehe, "meine" Medikamente zu bekommen. Na ja, ich bin halt eine "schwierige" Patientin und wahrscheinlich nur krankhaft perfektionistisch ....

Monika

von Monika D. (Admin) - am 25.08.2003 19:55
Hallo Leute,

also früher war ich ja auch recht gutgläubig gegenüber Ärzten. Das hat sich in den letzten beiden Jahren, dramatisch geändert - letztlich Dank der Diagnose Fibromyalgie. Seitdem ich seinerzeit - nach und nach - erfahren habe, wieviel Schindluder da mit den Patienten getrieben wird, bin ich extrem kritischer geworden. Das bedeutet nicht, daß ich Ärzte hasse, Ihnen gegenüber nicht mehr offen bin oder gar nicht mehr zum Arzt gehe. Ich habe nur erkannt, daß sie auch Menschen sind und Fehler machen. Ich muß mich nur mal bei mir auf der Arbeit umsehen und schauen, wieviele Fehler auch bei uns passieren (ich arbeite in einem Bereich in dem Sicherheit eigentlich sehr wichtig ist) und das auf die Ärzte übertragen - oh weh. Wenn ich mir ansehe, wie fahrlässig manche von meinen Kollegen arbeiten, wundern mich fahrlässige Ärzte schon gar nicht mehr.

Das Problem dabei ist, daß der Bürger in Sachen Medizin sich einfach auf den Arzt verlassen MUSS. Wie soll er Ihn kontrollieren, ob die Ihm zugedachte Therapie richtig ist? Oder ob es zu einem Medikament zusätzliche Warnungen gibt, die nicht im Beipackzettel stehen? Sollen wir alle zu Hilfsärzten werden?

Fehler lassen sich nie vermeiden und werden immer passieren. Doch es gibt technische und organisatorische Möglichkeiten um sie zu reduzieren. Sich eine Hausapotheke zu suchen ist auch ein erster Schritt dazu. Auch eine elektronische Medikamentenkarte würde ich sofort nutzen. Allein dadurch ließen sich viele Fehler erkennen. So eine Datenbankabfrage auf Unverträglichkeiten ist einfach und schnell. Doch die Installation eines Systemes kostet natürlich erst einmal Geld, daß keiner investieren will, schon gar nicht die Krankenkassen. Ob das nicht sogar billiger ist, als die intensivmedizinische Behandlung von 30000 Patienten, die falsch therapiert wurden, will natürlich keiner wissen. Von den volkswirtschaftlichen Kosten (z.B. Arbeitsausfall) will ich hier erst gar nicht anfangen.

In den Krankenhäusern muß vor allem der Zeitdruck reduziert werden. Doch wer soll das zusätzliche Personal bezahlen? Wo doch jedermann/frau über die steigenden Gesundheitskosten jammert.

Hat sich einer von Euch mal dieses Punktesystem angesehen, nach dem ärztliche Leistungen mit den gesetzlichen Kassen abgerechnet werden? Umständlich, undurchschaubar, dehnbar und voller Ausnahmen zu Ausnahmen von Ausnahmen. Allein dieses komplizierte Abrechnungswesen produziert unendliche Kosten.
Warum brauchen wir in Deutschland hunderte von Krankenkassen? Jede mit eigenen Bedingungen und Besonderheiten hinsichtlich der Abrechnungen? Konkurrenz ist gut und wichtig, aber man kann es auch übertreiben.
Und die Privaten? Die wissen längst, wie man effizient abrechnet. Ein Katalog mit verbindlichen Zahlen für jede Leistung. Der Patient bekommt die Rechnung, kontrolliert im eigenen Interesse und reicht diese zwecks Erstattung ein. Läuft schon immer so, funktioniert bestens.
Als Kassenpatient wußte ich nie, was mein Arzt für mich berechnet hat. Ich will niemanden was böses unterstellen, aber ein System das einfacher zu betrügen ist, geht schon fast nicht mehr.

Leider hat die momentane politische Lage mal wieder eine echte Reform des Gesundheitswesens verhindert. Warum? Parteipolitische Machtgier! Denn die ursprünglichen Vorschläge der Experten Frau Schmitt (SPD) und Herrn Seehofer (CDU) waren eigentlich recht konform. Doch da hätte ja die ein oder andere Partei dem ein oder anderen potentiellen Wähler auf die Füße treten können.
Mehr Qualitätssicherung im Gesundheitswesen, "Ärzte-TÜV" und vereinfachtes Abrechnungssystem, ja sogar "Bürgerversicherung" waren Stichworte die von den Experten aller Partein kamen. SO lassen sich Fehler reduzieren.

Ihr merkt schon, das Thema regt mich auf. Ich bin jedenfalls heilfroh nicht mehr Kassenpatient zu sein, auch wenn bei den Privaten auch nicht alles Gold ist, was glänzt.

Kommen wir wieder von der großen Politik auf die Individuen zurück. Wir dürfen nicht nur von den Ärzten fordern, auch der Patient muß seine eigene Qualitätssicherung betreiben. Wenn ich bei fünf verschiedenen Ärzten in Behandlung bin und der eine nicht vom anderen weiß, dann muß ich den sechsten Arzt darauf aufmerksam machen. Als Patient hat man auch eine "Mitwirkungspflicht". Ich kann keine vernünftige Diagnose erwarten, wenn ich nicht alle Karten auf den Tisch lege. Aber Ärztehopping scheint heute ja groß in Mode zu sein (ich rede hier nicht von den Fibro-Patienten o.ä.).

Und ich selbst? Ich frage beim Arzt konkret nach, wenn er mir etwas verschreibt. Auch wenn es "nur" ein "Grippemittel" ist. Zumindest diese "ach, das hatte ich jetzt ganz vergessen" Fehler lassen sich so vermeiden. Ich lese zuerst sämtliche Beipackzettel. Zum Glück habe ich eine chemische Ausbildung und kann daher mit den typischen Formulierungen in den Texten in der Regel was anfangen. Ich habe auch daraufhin schon beim Arzt angerufen und nachgefragt ("Beratung, auch telefonisch" wird übrigens in Rechnung gestellt (10,72 Euro), zur Info an alle Kassenpatienten).

Ich breche hier jetzt einfach mal ab, sonst schreib ich noch drei Seiten.

Fazit: Augen auf im Medikamentenverkehr.

Gruß
Aléxandros


P.S. Noch eine kleine Anekdote aus meinem Arbeitsalltag:
Ich kam neulich mit einem alkoholhaltigem Gel zu einer Kollegin. Sie macht die Flasche auf, richt daran und sagt dann:
"Das riecht wie mein Hustensaft".
Daraufhin ich: "Kann gut sein, das ist der Alkohol."
Kopfschütteln ihrerseits.
"Nein, ich mein das riecht nach Hustensaft."
"Ja," sag ich "in Hustensaft ist sehr oft viel Alkohol drin"
Entgeisteter Blick von Ihr,
"Nee, das kann nicht sein, der ist doch für Kinder".....

Noch Fragen?

von Aléxandros - am 25.08.2003 20:13
Aléxandros, Mann meiner Träume,

kann ich seit heute sagen ;). Ja, ich habe heute Nacht von Dir geträumt. Also nicht so viel von Dir, sondern viel mehr von dem Auto, das Du erwähnt hast. Ich will ja auch nicht aufs Autofahren verzichten, aber normalerweise setze ich mich halt nur in Autos, von denen ich weiß, dass sie keine Sicherheitsmängel aufweisen. Ich bin mir meiner Verantwortung für mich und andere Verkehrsteilnehmer bewußt und verhalte mich entsprechend. Aber heute Nacht war das ganz anders. Da bin ich doch tatsächlich mit einem Auto gefahren, das ungefähr so in Ordnung war, wie die Medikamenten-Verordnungen, über die ich hier in diesem Diskussionsfaden geschrieben habe. Mann war das ein Höllenritt. So ganz genau weiß ich nicht mehr, aber heulender Motor, rupfende Kupplung, quietschende Reifen, schleudern, weil wahrscheinlich die Stoßdämpfer im Eimer, schwammige Lenkung, Bremsen vielleicht, vielleicht auch nicht - das hat mir gereicht. Ich bin dann doch lieber aufgewacht. Nein, mit einem solchen Auto, dessen Verhalten ich nicht unter Kontrolle habe, will ich nicht fahren. Und da interessiert es mich überhaupt nicht, wieviele "Experten" am Rande stehen und behaupten, dass ich nur mehr Gas geben müßte, wenn es mir nicht gefällt und es völlig ungefährlich sei, bzw. dass Autofahren ja sowieso gefährlich ist.

Also jetzt hoffe ich bloß, das mir in Wirklichkeit niemals ein Autofahrer begegnet, der so fährt, wie manche Ärzte mit den Medikamentenverordnungen umgehen.

Monika

von Monika D. (Admin) - am 25.08.2003 20:23
Ein – trotzdem – kleinlautes „Hallo“,

was soll denn jetzt ein – relativer - Fibroneuling mit all dem anfangen??

Den Ärzten vertrauen? Ja, was bleibt denn anderes übrig (wenn ich nicht auf der Strecke bleiben will)

Den Ärzten misstrauen? Dieses Misstrauen ist ja doch durch viele – sehr negative – Erfahrungen schon einfach da!
Aber ich brauche doch die Hilfe – auch von diesen Ärzten, alleine bin ich doch restlos aufgeschmissen!
Ich – und ich spreche jetzt nur für mich – fühle mich wie in einem Sumpf. Egal was oder wie ich es mache, es ist doch immer irgendwie falsch.

Ich kann doch 100 mal nachfragen, woher soll ich denn wissen, ob die Antwort stimmt, wenn nicht mal ein Arzt, wie bei Dir Monika, es weiss?
Aus Versuch und Irrtum? Das hatte ich gerade und brauche es bestimmt nicht noch einmal.

„Nein"„ sagen? Meine Güte, dann bin ich doch sofort abgeschrieben (auch das eine Erfahrung, die ganz frisch ist).

Meine Gedanken oder Gefühle dabei? Die will doch überhaupt keiner hören, geschweige denn verstehen!!

Ob 12,5, 25 oder 50, verdammt, ich bin ein Mensch! Ich hab doch auch ein Recht zu leben! Und so, wie es jetzt ist, so kann ich es nicht mehr. Ich kann nicht gleichzeitig misstrauen und vertrauen ich kann nicht gleichzeitig ja und nein sagen

Ich weiss nicht mehr weiter, ich weiss nur, so nicht mehr.

Josie

von Josie1956 - am 25.08.2003 20:50
Hallo ihr Lieben,

ich misstraue erst mal grundsätzlich j e d e m Arzt. Nicht weil ich ein misstrauischer Mensch bin, sondern weil ich einfach so schlechte Erfahrungen gemacht habe.

Ein Kinderarzt, der am Wochenende Dienst hatte, hat vor Jahren meinem Sohn bei einer Lungenentzündung Antibiotika verordnet. Als ich das Medikament, auf dem auch die Dosierung stand, in der Apotheke vorlegte, fragte der Apotheker ganz entsetzt: wie, das soll für ein Kind von 5 Jahren sein??? Auf meine Antwort "ja", meinte er "das haut ja ein Pferd um". Das Antibiotikum war erst einmal für Kinder grundsätzlich nicht geeignet und die Dosierung auch für einen Erwachsenen viel zu hoch. Da der Apotheker eigenmächtig mir kein anderes Mittel geben konnte und ich keine Lust (verständlich, oder??) hatte, zu diesem Arzt nochmal zu gehen, habe ich meinen Hausarzt per Handy erwischt, ihm die Sache erzählt und er kam dann sofort und hat das richtige Mittel in der richtigen Dosierung verschrieben.

Übrigens ist sich mein Hausarzt, dessen Tage aus Altergründen als Arzt gezählt sind (leider), nicht zu schade, vor Verschreibung eines Medikamentes in der "Roten Liste" nachzuschauen, welche Nebenwirkungen ein Medikament hat, in welcher Dosierung es eingesetzt werden muss etc. Das habe ich noch bei keinem anderen Arzt gesehen. Die meisten meinen wohl, wenn sie sich vorher erst schlau machen, hinterließe das bei dem Patienten ein Gefühl von "der weiß wohl selbst nicht, was er da verschreibt".

Ich habe auch meine feste Apotheke, in der auch noch mal über die Dosierung und die Nebenwirkungen gesprochen wird.

Auch wenn ich es hasse, lese ich die Beipackzettel gründlich durch. Wichtig ist ja nicht nur die Dosierung sondern auch die Zeit der Einnahme (vor dem Essen oder danach oder gleichzeitig mit dem Essen).

Ich weiß auch, daß Ärzte nur Menschen sind. Nur wenn ich früher in meinem Beruf einen Fehler machte, kostete das unsere Firma im schlimmsten Fall viel Geld. Wenn ein Arzt aber einen Fehler macht, kostet das evtl. Menschenleben. Dadurch setze ich hier die Maßstäbe der Gründlichkeit sehr hoch an.

Wenn ich dann aber oft beobachte, daß der Arzt, während ich in seinem Sprechzimmer und meine Beschwerden los werde, gerade mal nebenbei, ohne hinzuschauen, ein paar Rezepte für andere Patienten unterschreibt, die ihm seine Sprechstundenhilfe zwischendurch schnell auf den Schreibtisch legt, wird mir ganz übel. Glaube kaum, daß er da immer weiß, was er unterschreibt.

Mußte das jetzt doch mal los werden.

Wünsche euch einen tollen Tag.

Ganz lieben Gruß

Karin

von Karin-Nana - am 26.08.2003 07:13
Liebe Josie,

"Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser"

Es kann ein langer Weg werden, aber Arzt und Patient müssen sich zusammenraufen. Dank Internet hast Du doch die Möglichkeit innerhalb kürzester Zeit Dir zusätzliche Informationen zu holen zu Medikamenten, die Dir verordnet werden. Und auch über die Untersuchungen, die bei manchen Medikamenten vorher oder zur laufenden Kontrolle unbedingt erforderlich sind. Wenn da dann etwas nicht stimmt, ja dann sollte es doch möglich sein, dem Arzt zu sagen, dass man noch nicht klar kommt aus diesen und jenen Gründen. Das geht natürlich einfacher bei einem Arzt, den man schon länger kennt als bei einem bei dem man zum ersten und dann vielleicht auch zum letzten Mal ist.

Es geht nicht darum, einfach nur "nein" zu sagen, sondern es geht tatsächlich darum, die Gefühle, die eine Situation auslöst, zu erkennen und zu benennen.

Ich erinnere mich z.B. noch gut daran, wie ich mit dem Katadolon anfing. Das war damals gar nicht wegen Fibro, sondern wegen Tinnitus, der mich damals schon viele Monate richtig mürbe machte. Ich mußte damals etwas tun, suchte und fand Berichte über Erfolge mit Medikamenten, die auch in der Schmerztherapie bei chronischen Schmerzen eine Rolle spielen. Mir erschien das plausibel, da chronsicher Tinnitus mit einer ebensolchen Reorganisation von "Schaltstellen" verbunden ist, wie chronische Schmerzen.
Das erste Medikament, nach dem ich meinen Arzt fragte, wollte er mir nicht geben. Keine Erfahrung damit, nicht sein Fachgebiet betreffend. Von ihm würde ich es nicht bekommen, aber wenn ich einen Arzt finde, der sich damit auskennt, dann würde er es befürworten. Also habe ich einen Arzt gesucht, habe eine Veröffentlichung mit der entsprechenden Studie mitgenommen, habe gesagt, worum es geht: Off-Label-Verordnung wegen Tinnitus (und chronischen Schmerzen). Nach sehr viel Blabla von wegen Problemen mit der Krankenkasse wollte ich auf den Punkt kommen, namlich die Einschätzung der Eignung und der Risiken in meinem Fall. Doch das wurde überhaupt nicht mehr diskutiert, nachdem ich erwähnt hatte, dass die Verordnung auf Privatrezept möglich sei. Zack, hatte ich ein Rezept und einen Händedruck, "nehmen Sie ...., kommen Sie in vier Wochen wieder, auf Wiedersehen". Also dafür hatte ich nicht fünf Wochen auf den Termin gewartet und noch mal fünf Stunden in der Warteschleife der Sprechstunde rotiert. Aber ich hatte kapiert, dass eine Betreuung, wie ich sie in meiner Lage gebraucht hätte, dort nicht möglich sein würde. Folglich habe ich das Rezept nie eingelöst. Kurz darauf fand ich einen Bericht über Erfolge mit Katadolon bei chronischem Tinnitus. Wieder war mein behandelnder Arzt Ansprechpartner Nr. 1. Der machte große Augen und meinte, DAS habe er mir doch - gegen Schmerzen - schon vor langer Zeit angeboten und ich wollte nicht. Aha, das war mir total entgangen bzw. war ich durch die Erfahrungen mit dem Amitriptylin noch lange Zeit so "bedient", dass ich mich auf kein anderes neues Medikament einlassen wollte. Selbstverständlich bekam ich sofort ein Rezept und die klare Anweisung, das Medikament am Anfang nur abends vor dem Zubettgehen einzunehmen und auf gar keinen Fall danach noch Auto zu fahren. Hui, das machte mich schon wieder mißtrauisch. Und dann sollte ich auch noch gleich zwei auf einmal nehmen. "Wirklich? - Ich? - Ich reagier doch auf manche Stoffe sooooo heftig. Ich habe Angst, das so etwas noch mal passiert!" - Arzt freundlich und keineswegs ungeduldig oder ungehalten: "Nehmen Sie zwei!" - "Also dann, wenn Sie wiiiirklich meinen ..." - Ich habe zwei genommen, habe gemerkt, dass ich danach wohl tatsächlich schnell im Bett verschwinden sollte - und habe am nächsten Morgen beim Aufwachen sofort gewußt: "Wow, das war genau das Richtige für mich, egal ob es den TInni beindruckt oder nicht!"

Was ich damit zeigen will: Es gibt verschiedene Wege, mit Unsicherheit und Angst umzugehen. Für denjenigen, der von Unsicherheit und Angst geplagt wird, gibt es verschiedene Wege und für denjenigen, der mit der Unsicherheit und Angst konfrontiert wird.

Mißtrauen aufgrund schlechter Erfahrungen, das ist doch völlig normal und für jeden nachvollziehbar. Aber wenn ich mir meines grundsätzlichen Mißtrauens bewußt bin, dann kann ich doch auch dazu stehen, dass das, unabhängig von der Person, sondern nur abhängig von der Funktion (hier der Arzt, der aufgesucht werden muß, weil seine Hilfe nötig ist), in jeder (neuen) Beziehung eine große Rolle spielt. Wenn ich mir dessen bewußt bin, dann sollte es mir auch möglich sein, darum zu bitten, meinen besonderen Bedarf an vertrauensbildendem Verhalten zu berücksichtigen und mir ggf. auch Zeit zu lassen, um mich mit einem Vorschlag erst mal auseinander zu setzen, bevor ich mich entscheide. Ich denke, mit dieser Form von Selbstbewußtsein kann aus dem Mißtrauen eine verträgliche Entscheidungs- und Kritikfähigkeit wachsen.

Ich hoffe, ich konnte mich verständlich ausdrücken.

Monika

von Monika D. (Admin) - am 26.08.2003 08:21
Hallo Josie und alle Anderen, seid ganz lieb gegrüßt.

Mir geht es wie Alexandros bei diesem Thema, ich bin einfach nur in Rage, was unsere Gesundheitspolitik angeht. Da ich im Gesundheitswesen arbeite und mein tägl. Brot verdiene, denke ich sehr wohl das ich es gut beurteilen kann (Fachkrankenschwester für Intensiv und Anästhesiemedizin, Fachkrankenschwester für Nephrologie)
@Josie: Vertrauen ist wichtig, und durch die ganze diskussion hier solltest du es dir nicht nehmen lassen. Wenn du einen Arzt hast mit dem du gut auskommst und der dich meistens versteht ist das schon sehr viel Wert. Ärzte sind Menschen und keine Herrgötter in Weiß, und Menschen machen nun mal Fehler, übrigens auch Herrgötter und solche die sich dafür halten machen Fehler. Natürlich hofft jeder nicht zu den Fehlerquoten zu gehören ;-)), auch ich.
Es gibt sehr viele Ärzte die sehr gewissenhaft arbeiten und sich ständig fortbilden, die mit ihren Patienten die Therapie abwägen, und sich auch nicht scheuen zu sagen: Sorry da muß ich mich erst mal schlau machen, bevor wir da weitertherapieren.
Aber diese werden in unserem jetzigen Gesundheitssystem nicht lange überleben, da Beratungs und Patientengespräche nicht ausreichend honorriert werden. Um zu Überleben in den meisten Praxen zählt das Motto: Quantität vor Qualität.
Qualifiziertes Personal wird abgebaut und nicht mehr eingestellt, da man hier sparen kann, wie hoch hier dann die Folgekosten sind für die Kassen möchte ich gar nicht wissen.
Die Krankenhäuser sind mit Personal chron. unterbesetzt, besonders die Funktionsabteilungen, Überstunden und 10-12 Stunden Schichten sind die Tagesordnung, Fehler sind dadurch vorprogrammiert. Geregelte Dienstzeiten für Ärzte und Personal existieren nur noch auf dem Papier, Urlaubs und Weihnachtsgeld werden drastisch gekürzt, Gehaltserhöhungen fallen weg zwecks 0 Runde, wo bitte soll da der Idealismus für diesen Beruf bleiben - Er bleibt über kurz oder lang auf der Strecke.
Busfahrer müßen in Deutschland anhand des Fahrtenschreibers nachweisen das sie ihre gesetzl Pausen einhalten, da es ansonsten zu schweren Unfällen kommen kann, ein Arzt der im Wochenenddienst nicht selten 20 Stunden am Stück im OP steht muß funktionieren auch ohne Pausen, der darf sich keine Fehler leisten, er muß ein Übermensch sein, und alle gesetzl. Regelungen gelten für ihn und sein Personal nicht - das ist für mich Welt verkehrt.
Ich mußte das einfach mal loswerden. Auch wenn es zum Teil nicht so ganz ins Thema paßt.
Noch kurz zu den Nebenwirkungen:
Wir buchen eine Flugreise im Reisebüro nach Mallorca, wie sieht da die Aufklärung aus ? Etwas sooooo:
Bedenken sie bitte das auf der Fahrt zum Flughafen ein Unfall passieren kann, es könnte ihnen ein Geisterfahrer entgegenkommen oder sie und ihre Familie könnten durch einen geplatzten Reifen verunglücken und evtl sterben.
Ihre Gepäckstücke könnten abhanden kommen und in seltenen Fällen stürzt so ein Flieger mal bei Start und Landung ab, ihre Überlebenschancen sind dann äußerst gering. Beachten sie bitte auch das ungewohnte Essen in dem Lande es könnte zu Durchfällen bis hin zu drastischen Magen Darm verstimmungen kommen und sie müßten evtl. in die Klinik. Auch müßen sie darauf achten das sie sich nicht zu lange der Sonne aussetzten, das könnte bis hin zum Hautkrebs führen, der tödl. enden kann.
Soll nur ein kleines Beispiel zum Schmunzeln sein, jeder von uns setzt sich tägl. deutlich größeren Gefahren aus, und das ganz selbstverständlich. Also Beipackzettel lesen und bei unklarheiten Gespräch mit dem Arzt oder Apotheker.
Alles Liebe
Petra

von Petra.M - am 26.08.2003 08:27
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