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Fibromyalgie Erfahrungsaustausch
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Erster Beitrag:
vor 13 Jahren, 6 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 13 Jahren, 5 Monaten
Beteiligte Autoren:
Monika D. (Admin), Aléxandros, Biggi Vortmann, Floeck, wolfgang_76, Josie1956

Katadolon - Langzeit / Depression

Startbeitrag von Aléxandros am 19.11.2004 19:44

Hallo zusammen, hallo Monika,

nun ist es auch bei mir soweit, mein Orthopäde hat mit Katadolon verschrieben. Zum einen, weil sich die Problematik meiner Handgelenke noch länger hinziehen wird, zum anderen weil ich von Seiten meiner Depression ohnehin einen erhöhten Muskeltonus und Schmerzen habe.

Nun lese ich aber im Internet, dass man Katadolon wegen der Lebertoxizität nicht länger als 4 Wochen nehmen soll. Das passt aber nicht zu dem, was ich hier immer gelesen habe. Monika, soweit ich weiß nimmst Du Katadolon doch schon halbe Ewigkeiten, oder?

Hier im Forum hat Monika auch mal geschrieben, dass man Katadolon nicht zusammen mit anderen Medikamenten nehmen soll, die über die Leber abgebaut werden. Ich nehme aber noch das Antidepressivum Trevilor und das wird auch über die Leber abgebaut. Ich habe in der Apotheke wegen möglicher Interaktionen der beiden Mittel gefragt und die hatten nichts in ihrer Datenbank.

Drittens lese ich in der gelben Liste (das Medikament selbst musste erst bestellt werden, daher habe ich noch keinen Beipackzettel), dass Katadolon häufig bis sehr häufig Depressionen auslösen kann. Das wäre für mich natürlich kontraproduktiv. Hier nehmen ja viele Katadolon. Hat da jemand Erfahrungen mit gemacht?

Meine Nervenärztin noch bis Anfang Dezember in Urlaub, deswegen kann ich da vorerst nicht nachfragen, ich würde aber gern so bald wie möglich mit der Einnahme anfangen. Es wär daher schön, wenn ich hier ein paar Antworten fände.

Gruß
Aléxandros

Antworten:

Hallo Aléxandros,

auch ich gehöre zu den Katadolon-Usern :-)) und das seit nun etwas mehr als 1,5 Jahren und ich habe eigentlich nur positive Erfahrungen damit gemacht.

Da meine Leber leider auch nicht die Beste ist, und ich ausserdem ebenfalls noch einige ander Medis nehmen muss, die die Leber auch belasten, hatte ich da anfangs auch Bedenken. Aber meine Leberwerte haben sich sogar gebessert seit ich das Katadolon nehme, warum auch immer!?!

Dass Katadolon Depressionen auslösen soll, das habe ich noch nirgends gelesen. Vorstellen könnte ich mir, dass anfangs durch den Abbau der Muskelspannung (und damit auch der gesamten Körperspannung) vielleicht bei dem einen oder anderen sehr angesapnnten Menschen einfach ein paar "Schleusen" geöffnet werden, vielleicht ein paar Tränchen mehr kullern, weil man sich nicht mehr so unter Kontrolle hat, aber mit richtigen Depressionen hat das ja überhaupt nichts zu tun, gell!

Für mich war die einzige Nebenwirkung, die ich sofort nach der ersten Einnahme hatte, eine angenehme Müdigkeit (so ein bisserl ist das bis heute so geblieben). Ich konnte besser schlafen und nach ca 3 Wochen war ich dann morgens nicht mehr so steif und unbeweglich, ich konnte leichter aufstehen und brauchte nicht mehr eine soooo lange Anlaufzeit (auch das ist bis heute so geblieben).

Mein persönliches Katadolon-Fazit ist also: Weniger Schmerzen, besserer Schlaf und dadurch eine wesentlich bessere Stimmungslage als zuvor (und von Depressionen keine Spur), ziemlich normale Leberwerte und einfach eine deutliche Steigerung der Lebensqualität seit der Einnahme von Katadolon.

Nun wünsche ich Dir, dass du auch bald (hoffentlich) ganz viel positives über die Wirkung von Katadolon bei Dir berichten kannst.

Alles Gute für Dich und liebe Grüße

Josie

von Josie1956 - am 19.11.2004 20:46
Hallo Aléxandros,

vor Katadolon brauchst Du keine Angst zu haben. Die Info mit den vier Wochen Einnahmezeit ist seit Jahren überholt. Katadolon ist seit über 15 Jahren auf dem Markt und war aber ursprünglich als Mittel gegen relativ starke akute Schmerzen konzipiert. Damals gab es die Einnahmeempfehlung, es nicht länger als höchstens vier Wochen zu nehmen. Ende der 90er Jahre wurde dann aber die einzigartige Wirkung bei chronischen Schmerzen entdeckt. Es gab dann erst mal groß angelegte Studien mit mehreren Tausend teilnehmenden Patienten mit chronischen Schmerzen, dann wurde - wenn ich mich recht erinnere - im Herbst 2001 die Zulassung erweitert für den Einsatz bei chronischen Schmerzen.

Wie und wo Katadolon wirkt, ist gut zusammengefaßt in einem Beitrag von einem Zahnarzt:
"Ein besonders effektiver analgetischer Wirkstoff für den Bereich der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde ist Flupirtin (zum Beispiel Katadolon®). Dieses zentral wirksame Schmerzmittel wirkt im Spinalbereich über eine selektive Öffnung von bestimmten Kaliumkanälen an der Membranoberfläche der den Primärafferenzen nachgeschalteten Neurone (Wide-Dynamic-Range-Neurone - WDR) und erzeugt durch Stabilisierung des Ruhemembranpotenzials einen indirekten hemmenden Einfluss auf die sogenannten NMDA-Rezeptoren. Diese GABA-ergen Rezeptoren sind maßgeblich zuständig für die Überleitung afferenter Reize aus der Peripherie auf die WDR-Neurone. Es kommt dadurch zur Hemmung einlaufender Schmerzreize und damit zur Schmerzunterdrückung auf spinaler Ebene.

Über diesen Mechanismus erfolgt zusätzlich eine Beeinflussung des Schmerzgedächtnisses. Da die Plastizität neuronaler Funktionen durch Induktion intrazellulärer Prozesse (zum Beispiel Rezeptorvermehrung an der Membranoberfläche durch Genexpression) unter wesentlicher Beteiligung des NMDA-Rezeptors grundsätzlich die Antwort auf nachfolgend eintreffende neuronale Impulse aus der Peripherie verstärken kann (Bahnung oder Wind-up), wirkt Flupirtin gleichzeitig gegen Chronifizierungsprozesse. Darüber hinaus kommt es auch zur Hemmung der Erregungsüberleitung auf Motoneurone und damit zu muskelrelaxierenden Effekten. Als Hauptindikation in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde kann deshalb besonders der Bereich der kraniomandibulären Dysregulationen (CMD) mit massiven Myalgien gelten. Der Wirkungseintritt von Flupirtin wurde zum Teil innerhalb von 30 Minuten beobachtet, so dass von einer raschen Schmerzlinderung bei gleichzeitiger muskelrelaxierender Wirkung ausgegangen werden kann. Als Nebenwirkung werden hauptsächlich Müdigkeit (15 %) besonders zu Therapiebeginn, seltener Schwindel, Verdauungsprobleme oder Kopfschmerzen (

von Monika D. (Admin) - am 19.11.2004 22:01
Hallo Josie und Monika,

toll dass ihr so schnell geantwortet habt. Manche Informationen müssen einfach verifiziert werden. Ich war nicht wirklich besorgt, im Allgemeinen habe ich nicht viele Nebenwirkungen, allerdings ist es oft auch mit der Wirksamkeit nicht so toll bestellt.

Ich soll 3x1 nehmen, aber nachdem was Monika geschrieben hat, werde ich wohl erst mal mit 2x1 anfangen. Kann ich dann ja direkt morgen früh machen, wenn ich aus der Apotheke komme. Dies Wochenende habe ich ohnehin nichts besseres vor. Ich glaube, ich nehme die erste lieber tagsüber, dann kann ich die Wirkung besser überwachen, als wenn ich das nachts verschlafe (bin halt ein Kontrollfreak).

Meine Blutwerte werden aus beruflichen Gründen ohnehin alle 6 Monate überprüft. Ich habe also eine lange Historie meiner Leberwerte. Ich werde unserer Krankenschwester sagen, dass sie mich einfach bei den nächsten Blutabnahmen (etwa alle 6 Wochen) einfach mitlaufen lassen soll. Wir haben das schon mal gemacht, als wegen eines Medikamentes der Cholesterinspiegel überwacht werden musste. Das ist kein Problem und vor allem kostenlos für mich. Im Augenblick türmen sich die Arztrechnungen bei mir mal wieder, dazu das teure Trevilor. *seufz* Okay, es bringt mich nicht an den Bettelstab und trotz der Selbsbeteiligung steh ich mich immer noch besser, als ein deutscher Kassenpatient, aber es ist trotzdem schade um das Geld und im Vergleich zu einem gesunden Kollegen ist das doch eine nicht unwesentliche Gehaltseinbuße.

Paracetamol nehme ich normalerweise nicht. Bin eigentlich Aspirin-Fan und sonst nehme ich Ibuprofen. Letzteres soll auch Depressionen auslösen. Mit einer Ausnahme konnte ich da aber noch nie einen derartigen Effekt feststellen, aber das kann auch Zufall gewesen sein. Alkohol meide ich ohnehin.

Ich bin übrigens sehr froh, dass ich diesen Orthopäden gefunden habe. So wünscht man sich Ärzte. Endlich mal jemand, der einen ernst nimmt, zuhört und auch mal über den eigenen orthopädischen Tellerrand hinausschaut. Ich habe ja in den letzen Monaten wieder eine ganze Reihe anderer Exemplare kennenlernen müssen. Er betreut auch viele Spitzensportler. Die ganze Praxis hängt voller Autogramme. Er selbst nimmt nur Privatpatienten, aber sein Partner in der Praxis hat Kassenzulassung und auch einen ausgezeichneten Ruf. Also, wer in der Nähe von Karlsruhe wohnt und sich einen Muskel zerrt - ich hätte da einen guten Tip :-)

Ich kann nur hoffen, das Katadolon auch für mich einen Wendepunkt darstellt, allerdings wohl eher nur einen kleineren, da mein Hauptproblem ja woanders liegt. Ich wär aber schon glücklich, wenn ich wenigsten die Schmerzen auf Dauer loswäre, das hat mich in letzter Zeit auch psychisch richtig runtergezogen.

Okay, bevor ich jetzt wieder das Thema Depressionen zu sehr raushängen lasse ;-) mache ich lieber Schluss, sonst bekomm ich wieder Prügel :-) Das gibt dann wieder Schmerzen trotz Katadolon :-)

Gruß
Aléxandors



von Aléxandros - am 19.11.2004 23:33
Aléxandros schrieb:

Zitat

Ich
glaube, ich nehme die erste lieber tagsüber, dann kann ich
die Wirkung besser überwachen, als wenn ich das nachts
verschlafe (bin halt ein Kontrollfreak).


Hallo Aléxandros,

jetzt mußte ich über diesen Satz doch etwas schmunzeln. "Überwachen" wäre nicht unbedingt das, was Dir den ersten Erfolg bringt. Laß Dir doch mal die Chance, "im Schlaf" neue Erfahrungen zu machen ;).

Ciao,
Monika

von Monika D. (Admin) - am 20.11.2004 11:31
Hallo, Alexandros,

auch ich habe Katadolon längere Zeit genommen, in einer Krankheitsphase 5 Monate, in einer anderen 3 Monate. Dosierung 3 x 1 zu immer gleichen Uhrzeiten. Von den angegebenen Nebenwirkungen habe ich wenig gemerkt, und mit den Leberwerten gab es auch keine Probleme.

Wie Monika bereits schrieb, gibt es beim Katadolon es eine kurzfristige Wirkung, für die das Medikament ursprünglich gedacht war, und eine langfristige Wirkung, die man erst seit einigen Jahren kennt und für die das Medikament jetzt auch zugelassen ist. Nach meiner Erfahrung setzt die kurzfristige Wirkung (schmerzlindernd, Muskel-entspannend) nach ca. 1/2 Stunde ein und dauert ca. 5 Stunden. Die für uns chronisch Schmerzkranke wichtigere langfristige Wirkung, die das chronische "Schmerzgedächtnis" abbaut, habe ich erst nach 3-4 Wochen gespürt, und sie verbesserte sich dann im weiteren Verlauf der Behandlung.

Zu deinem Orthopäden in Karlsruhe: Da ich auch in Karlsruhe wohne, könntest du mir deine Empfehlung per e-mail schicken? An: wolfgang_melchertXXXhotmail.com. (XXX = @)

Grüße,

von wolfgang_76 - am 20.11.2004 19:06
Hallo Leute,

tagüber, abends, wie dem auch sei, die ersten beiden Kapseln Katadolon liegen hinter mir. Nebenwirkungen: null und nix. Keine Müdigkeit, kein Schwindel und auch keine Übelkeit. Nix.

Ob es gegen die Schmerzen geholfen hat? Nun ganz weg waren sie nicht, deswegen ist das schwer zu sagen, denn es gibt halt immer solche und solche Tage. Ob es jetzt das Katadolon war, das heute ein relativ guter Tag war?

Wolfgang: Adresse kommt.


Gruß
Aléxandros



von Aléxandros - am 20.11.2004 22:29
Hallo Ale`sandros`
Ich nehme Katadolon seit zwei Jahren und bin froh etwas zu nehmen das mir wirklich hilft.Auch ich habe eine endogene Depression und nehme Trevilor 150 mg morgens und abends 75mg Novoprodekt.Wenn ich dazu abends 2 Katadolon nehme schlafe ich 3-4- Stunden am Stück.Um die Leber zu stärken nehme ich ein Medikament mit Mariendistel.Ob es hilftzeigt die nächste Blutuntersuchung.Nebenwirkung en vom Katadolon habe ich keine.

von Floeck - am 25.11.2004 15:00
Hallo Ale`sandros`
Ich habe bis anfang diesen Jahres auch Katadolon eingenommen, bei mir hatten
sie aber Nebenwirkungen.Ich bekam ganz massiv Gedächnissprobleme.Mein Hausarzt bestättigte mir das auch.In unserer Selbsthilfegruppe haben einige
diese Erfahrung mit Katadolon gemacht.Ich nehme jetzt abends vorm Schlafen-
gehen Antidepressiva (Remergil ) in 20 mg. Ist also eine niedrige dosierung.Ich kann dann durchschlafen und fühle mich morgens einfach besser. ;)

von Biggi Vortmann - am 15.12.2004 15:13
Hallo Biggi,

also das ist schon seeeeehr merkwürdig, dass ausgerechnet das Katadolon Gedächtnisprobleme auslösen soll. Und dann noch als isoliertes "Massenphänomen" ausgerechnet in der Umgebung einer bestimmten Arztpraxis. Ich glaube, dass da ganz gründlich etwas MISSVERSTANDEN worden ist.

Bei Katadolon spricht man von der Löschung des "Schmerzgedächtnisses". Das hat aber mit dem normalen Gedächtnis für Fakten in unserem Leben überhaupt nichts zu tun!!!! Es geht bei dem Begriff Schmerzgedächtnis darum, dass im gesamten Nervensystem, das mit der Weiterleitung von Schmerzreizen befaßt ist, durch wiederkehrende Reize, also chronische Schmerzen, neuronale Verknüpfungen entstehen, die den Schmerzreiz immer schneller und effektiver ins Gehirn leiten, die Schmerzen also immer "besser" ins Bewußtsein gelangen. Diese durch Schmerzen verursachten Veränderungen im Nervensystem können unter der Behandlung mit Flupirtin (Katadolon) mit der Zeit zurückgebaut werden. Diesen Vorgang nennt man Löschung des Schmerzgedächtnisses. Unter Fachleuten spricht man davon, dass Flupirtin eine neuroprotektive Wirkung hat, als Nervenzellen vor Schädigungen SCHÜTZT. Und es verzögert den geistigen Verfall sogar bei so schweren Hirnerkrankungen wie Creutzfeldt-Jakob. Warum sollte es da ausgerechnet bei Fibromyalgie-Patienten das Gedächtnis vershlechtern??

Ich kann Dir sagen, dass die Befreiung von den sinnlosen Schmerzreizen dem richtigen Gedächtnis zu ganz neuem Aufschwung verhilft. Aber wenn die Fortschritte auf der einen Seite auf der anderen Seite von Angst untergraben wird, dann kann auch das beste Medikamten ungeahnte "Nebenwirkungen" entwickeln. Fehlinformation und Panikmache bringen immer noch die allertollsten Nebenwirkungen hervor.

Viele Grüße
Monika

von Monika D. (Admin) - am 17.12.2004 15:35
Hallo Monika!

Ich bin da auch nicht von sebst drauf gekommen. Wir sprachen in unserer Selbsthilfegruppe über Gedächnissprobleme und ich sagte, das ich auch nichts
"von zwölf bis mittags" behalten kann. Zwei aus unserer Gruppe fragten mich, ob ich Katadolon nehme, was ich bejahrte.Sie sagten, ihnen wäre es auch so gegangen und ich sollte mal mit meinem Arzt darüber sprechen. Er bestättigte mir, das es durch Katadolon zu diesen Problemen kommen könnte. Ich habe es dann abgesetzt und es geht Gedächniss-mäßig besser.

Liebe Grüße
Biggi

von Biggi Vortmann - am 18.12.2004 11:29
Hallo Biggi,

also es würde mich doch mal SEHR interessieren, was Dein Arzt da für eine Informationsquelle hat. Ich denke, ich bin gerade was den Wirkstoff Flupirtin betrifft, seit Jahren sehr gut informiert, wer wo was damit forscht und was dabei raus kommt. In keiner einzigen der unzähligen mir zugänglichen Quellen ist auch nur andeutungsweise etwas in der Richtung zu finden, die von Deinem Arzt behauptet wird.

Egal ob mit oder ohne dieses Medikament, auch ich habe schon Phasen erlebt, da habe ich mich auch gefragt, was mit meinem Gedächtnis los ist. Jetzt, wo ich darüber nachdenke, fällt mir ein, dass das sogar schon vor über 30 Jahren der Fall war und da sogar ziemlich extrem. Mir hat das damals sehr zugesetzt. Heute denke ich, dass es ganz einfach Stressreaktionen waren. Z.B. in einer Zeit, in der ich noch mal ganztags die Schulbank drückte, aber zusätzlich jede freie Minute in einem verantwortungsvollen Job verbrachte. Mir möglichst viel Arbeit aufzuhalsen, das war früher die bevorzugte Ablenkung von den Schmerzen, die damals schon da waren. Da reichte dann ein etwas bizarres Verhalten einer Lehrerin, um bei mir den Stoff des von ihr unterrichteten Faches vorübergehend zu blockieren. Oder der Dialekt des Mathelehrers, der - regionaltypisch - b wie p aussprach und d wie t und umgekehrt, was so kurz vorm Abi, wo man sich nur noch mit sog. allgemeinen Zahlen befaßt, die nun mal überwiegend b, p, d oder t heißen, sehr stressig werden kann, wenn man nie sicher raushört, was wirklich gemeint ist (und nebenbei sowieso Schmerzen durch die Schulbanksitzerei hat). Als Ergebnis habe ich da in Klausuren plötzlich sehr "runde" Noten, d.h die "Höchstnote" erzielt. Als ich mich damit abgefunden hatte, dass ich mit dieser d, t, b, p-Verwechslung nie klar kommen würde, einfach nicht mehr hingehört und nur noch für mich gearbeitet habe, da kam wenige Monate später doch noch ein 2er Abi raus.
Und bei alldem war keinerlei Droge im Spiel, kein Medikament, kein Alkohol o.ä., nur ein Faktor, der das Stress-Faß überlaufen ließ.

Auch etwas anderes muß ich noch erwähnen. Die Zeit, in der man von Ärzten GEWISSENHAFTE Betreuung erwarten konnte, sind offenbar vorbei. Gewissen scheint Seltenheitswert bekommen zu haben. Das Verhalten wird allzuhäufig viel mehr daran orientiert, was der Vertreter welcher Pharmafirma an Nettigkeiten auspackt. Da kann es durchaus vorkommen, dass einem ein Arzt plötzlich ein Medikament madig machen will, das einem eigentlich gut hilft. Ich habe das leider schon mehrfach selbst erlebt und will hier nur ein konkretes Beispiel nennen. Als ich wieder mal ein Rezept für ein (nur gelegentlich mal benötigtes) entzündungshemmendes Schmerzmittel brauchte, bekam ich nicht das bei mir schon bewährte aufgeschrieben, sondern es stand Vioxx auf dem Rezept, das mir mit den Worten überreicht wurde: "Ach, nehmen Sie lieber das, mit dem Vertreter dieser Firma kann ich besser." Dass das so deutlich geäußert wurde, das dürfte der absolute Ausnahmefall sein. Dass so etwas im Hintergrund vieler Entscheidungen steht, daran habe ich inzwischen keinen Zweifel mehr. Und leider kommen diese Gedanken bei mir auf, wenn EIN Arzt plötzlich von angeblichen Nebenwirkungen redet, die außer ihm anscheinend noch kein anderer jemals "entdeckt" hat. Frage ihn doch mal, ob er, wie es seine Pflicht (!!!) wäre, den Hersteller von diesen "Entdeckungen" informiert hat. Vielleicht mußt Du Dir nach dieser Frage einen anderen Arzt suchen, denn so aufgeklärte Patienten verträgt nicht jeder!

Wie dem auch sei, freue Dich daran, dass es mit dem Gedächtnis wieder besser geht. Wenn jetzt das Antidepressivum so gut wirkt, dann ist das ja möglicherweise auch ein Fingerzeig, dass Dein Befinden weniger über die direkte Beeinflussung der Schmerzen, als über einen anderen Weg zu bessern ist. Diese Erkenntnis (wenn es denn so zutreffen sollte), die würde ich an Deiner Stelle mitnehmen als Orientierung für meinen weiteren Weg.

Alles Gute, viele Grüße und einen wunderschönen 4. Advent!
Monika

von Monika D. (Admin) - am 18.12.2004 13:44
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