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Schwarzes Brett -Kreis Schlawe
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Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 3 Monaten
Beteiligte Autoren:
Margret Ott

Lehrerhandreichung zu Umsiedlung, Flucht + Vertreibung

Startbeitrag von Margret Ott am 23.01.2003 19:21

Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg
gibt neue Lehrerhandreichung zu "Flucht und Vertreibung" heraus

Eine neue Lehrerhandreichung zum Thema "Umsiedlung, Flucht und Vertreibung
der Deutschen als internationales Problem. Zur Geschichte eines europäischen
Irrwegs" hat das Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg im Auftrag des
Kultusministeriums dieses südwestdeutschen Bundeslandes herausgegeben. "Die
Publikation soll dazu dienen, den Lehrern an den Schulen im Land zu helfen,
Schülerinnen und Schülern die Dimension des Themas Flucht und Vertreibung
der Deutschen am Ende des Zweiten Weltkriegs historisch fundiert und
nachhaltig zu vermitteln", sagte Innenstaatssekretär Heribert Rech Mitte
November in Stuttgart. Völkermord, Umsiedlung, Flucht und Vertreibung hätten
eine weit in die Vergangenheit zurück reichende Geschichte. In sie reihten
sich sowohl die Umsiedlungen der Armenier 1915, die in einen Völkermord
mündeten, die leidvolle Realisierung des griechisch-türkischen
Umsiedlungsvertrags von Lausanne 1923, die Vertreibung der Deutschen in den
Jahren ab 1945 als auch die ethnischen Säuberungen auf dem Balkan in den
1990er Jahren ein. Im Mittelpunkt der Handreichung stehe das Thema "Flucht
und Vertreibung der Deutschen", das so stärker Eingang in den
Geschichtsunterricht an den Schulen des Landes erfahren solle.

Diese jetzt herausgegebene Lehrerhandreichung biete, so das
Kultusministerium, hervorragende Möglichkeiten für einen wirksamen und
nachhaltigen Unterricht. Sie enthalte seltene Dokumente, Bilddarstellungen
und teilweise neu entwickeltes Kartenmaterial. Neben der politischen
Geschichte würden auch Erfahrungen aus dem unmittelbaren Alltagsbereich
Betroffener dargestellt. Daher seien in den Schulstunden sowohl thematische
Längsschnittanalysen wie auch die exemplarische Behandlung einzelner
Schwerpunkte möglich.

Der Landesbeauftragte für Vertriebene, Flüchtlinge und Aussiedler,
Innenstaatssekretär Heribert Rech, bezeichnete die Lehrerhandreichung als
wichtigen Beitrag, das Schicksal der Heimatvertriebenen ins Bewusstsein der
jungen Generation zu rücken, um so zur Verankerung der Idee der
Menschenrechte und des Rechts auf die Heimat im Denken der Jugend
beizutragen. "Die Verurteilung jeglicher Vertreibung und das den
Vertriebenen zugefügte menschenverachtende Leid sind die wesentlichen
Botschaften dieser gelungenen Lehrerhandreichung", betonte Rech.

Die knapp hundert Seiten umfassende Publikation gliedert sich in einen
Darstellungs-, einen Material- sowie einen Didaktikteil und soll demnächst
um eine CD-ROM ergänzt werden. Der Darstellungsteil umfasst die europäische
Geschichte von Flucht und Vertreibung im 20. Jahrhundert und macht deutlich,
wie die fatale Idee der "Homogenisierung", der zufolge der Nationalstaat
ethnisch nur ein Staatsvolk haben könne und dieses vollständig umfassen
müsse, mittels Umsiedlung und Vertreibung die Quelle für Unrecht und
unermessliches menschliches Leid bildet. So wird in diesem Zusammenhang auch
die Pervertierung des Nationalstaatsgedankens durch die Nationalsozialisten
und deren Folgen erwähnt. Der Völkermord an den europäischen Juden und
weiterer rassisch Verfolgter ist in die Darstellung einbezogen. Es schließen
sich thematisch Umsiedlung sowie Flucht und Vertreibung der Deutschen in
historischer Chronologie an. Zur Verdeutlichung fanden auch zahlreiche
zeitgeschichtliche Dokumente und Abbildungen z.B. zum Brünner Todesmarsch
Aufnahme im Heft.

Erwähnt werden die Bemühungen zur Eingliederung sowohl seitens der
entwurzelten Flüchtlinge und Vertriebenen selbst wie auch der Aufnehmenden.
Die Rolle der Heimatvertriebenen und ihre historische Leistung in der
"Charta der Vertriebenen" von 1950 werden ebenso gewürdigt wie ihre
Bereitschaft zur Hilfe beim Wiederaufbau Nachkriegsdeutschlands, zur
Versöhnung und zur europäischen Einigung.

Die Lehrerhandreichung wurde unter Mitwirkung von Vertretern des
Kultusministeriums, der Landeszentrale für politische Bildung, des Bundes
der Vertriebenen, des Instituts für donauschwäbische Geschichte und
Landeskunde in Tübingen und des Hauses der Geschichte erstellt. Sie richtet
sich an alle allgemein bildenden öffentlichen und privaten Schulen in
Baden-Württemberg.

Interessierte können das Heft im A4-Format beim Haus der Heimat des Landes
Baden-Württemberg, Schlossstraße 92, 70176 Stuttgart, gegen Rechnung
anfordern (keine Banknoten, keine Schecks oder Briefmarken schicken!). Die
Schutzgebühr beträgt 5,00 Euro/Stück (plus Versandkosten).

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