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vor 12 Jahren, 11 Monaten
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Rotblau, freestate, Fanti, Faninho, Latteknaller, Zuschauer, Stavia

Fans gründen Club (ex fusifo)

Startbeitrag von Stavia am 16.09.2005 07:36

ManU verrottet. Geprellte Fans gründeten einen eigenen Club

August 2005. Die neue Saison der englischen Premier League ist in vollem Gange. Fans aller Vereine erliegen dem Sog des Kommerzes, vergöttern überbezahlte Spieler und arrogante Trainer. Sean Ingle, Sportredakteur des Guardian, schrieb am 18. August: »Alle Fußballfans sind Idioten.« Und weiter: »Außer den Ölpreisen und den Gehältern von leitenden Managern diverser Großunternehmern ist nichts so inflationär wie der jährliche Anstieg der Ticketpreise. Und doch läßt sich die Reaktion von Fußballfans jedes Jahr genau voraussagen: ein Seufzer, ein Achselzucken und die Frage: Mastercard oder Visa?«

Für Fans von Manchester United (ManU) ist die Frage schwieriger: Boykott oder doch wieder zu den Spielen gehen? Nach den Großdemonstrationen gegen die Übernahme des Clubs durch Malcolm Glazer, die Anfang des Sommers Anlaß für Prügelorgien der Polizei waren, kehren viele Fans dem Club den Rücken. Eine Zehntausende Mitglieder zählende, unabhängige Fanassoziation strengt derzeit eine Klage gegen die Polizei an.

Selbst die offizielle ManU-Pressemaschine war gezwungen, sich zur Reaktion der Fans zu äußern. Pressesprecher Phil Townsend erklärte am 16. August: »Mit Bedauern stellen wir fest, daß viele Fangruppen ihre Banner aus dem Stadion entfernt haben. Dem Stadion fehlt es deswegen an Farbe und Atmosphäre.« Das »Unternehmen Fußball« sorgt eben für Desillusionierung. Wie das Fanzine Red Issue schreibt: »Das Spiel, wie es uns heute präsentiert wird, ist nicht mehr Fußball, wie wir ihn lieben gelernt haben. Das Spiel ist geschmeidig, kommerziell und söldnerisch. Und es verrottet von innen.«

Ist die Abwesenheit organisierter Fans das letzte Wort? Nicht, wenn es nach den Gründern von Manchesters neuestem Fußballclub geht. Am 20. August bestritt der FC United of Manchester sein erstes Heimspiel in der North West County League. Er wurde innerhalb von zwei Monaten von enttäuschten ManU-Fans aus der Taufe gehoben, hat über 3 000 Gründungsmitglieder. Einige von ihnen kommen aus Norwegen, den USA oder Australien. Die Spieler sind Amateure. Einer stieg aus dem Ausbildungsprogramm des Erstligisten Manchester City aus, um für den FC United zu spielen. Der Club gehört den Mitgliedern, für Entscheidungsprozesse gilt: »ein Mitglied, eine Stimme«.

Tausende Fans erschienen seit dem 20. August zu den Heimspielen. Wo in den Premier-League-Stadien Grabesstille herrscht, tobt beim FC United für 90 Minuten die Kurve. »We don’t care about Rio, he don’t care about me. All we care about is watching FC!« (Rio [Ferdinand] ist uns egal, wir ihm auch. Was interessiert, ist der FC) Nicht der einzige Gesang, der die »Geld ist geil«-Kultur der Premier-League aufs Korn nimmt. »And Fergie says, go and watch Chelsea. Are you having a laugh? We’ll be watching FC!« (Fergie [Alex Fergusson] sagt: Geht, guckt euch Chelsea an. Machst du Witze? Wir gehen zum FC!)

Viele Fans tragen T-Shirts mit dem Schriftzug »unser Club, unsere Regeln«. Unter ihnen nicht wenige, die sich einen Besuch bei ManU schon lange nicht mehr leisten können. In den Arbeitervierteln und unter den Jugendlichen Manchesters Unterstützung aufzubauen, gehört zu den erklärten Vereinszielen. Die Lokalpresse kann den Club nicht ignorieren. Stuart Brennon von der Manchester Evening News schrieb am 24. August: »Die Menschen von Manchester haben eine lange Tradition, gegen Ungerechtigkeiten aufzustehen und nicht alles einfach hinzunehmen. Der FC United führt diese Tradition weiter.«

Die Gründung von selbstverwalteten Clubs als Protest gegen die Kommerzialisierung des Fußballs ist in Großbritannien nicht neu. Vorbild des FC United ist der AFC Wimbledon in der Nähe Londons. Als im Jahr 2002 ein Konsortium von Geschäftsleuten den FC Wimbledon kaufte und einfach ins 70 Meilen entfernte Milton Keynes verlegte, stampften die Fans innerhalb von sechs Wochen ihren neuen Club aus dem Boden. Das erste Freundschaftsspiel des FC United fand folgerichtig in Wimbledon statt und wurde in einer gemeinsamen Erklärung beider Vereine als »Zelebrierung der Selbstverwaltung durch Fans« bezeichnet. Ob das Konzept auch bei anderen Premier-League-Clubs Schule machen wird, bleibt abzuwarten.

quelle: [www.jungewelt.de]

Antworten:

geil.
y weiss nid öb y so viel durchhaltewille hät und bereit wär 5.liga fuessball go z luege für MY fc basel.



von Latteknaller - am 16.09.2005 08:07
doch, das hetsch! wette?



von Zuschauer - am 16.09.2005 08:09
ALLEZ FC United of Manchaster!!!!!!!!!!

von Faninho - am 16.09.2005 08:24
Doo no d Web-Syte vom FC United: [www.fc-utd.co.uk]



von Fanti - am 16.09.2005 09:02
An sich eine gute Idee. Aber wenn schon so viele Fans zusammenspannen, warum hat man denn den Original-Verein nicht selber übernommen? Oder warum hat man es zugelassen, dass sowas mit dem Original-Verein geschieht? Oder war eine noch höhere Anzahl Fans für die neue Lösung?

Fans, denen die Nichtkommerzialisierung derart wichtig ist, würden besser daran tun, sich einen ambitionslosen Amateurverein zum supporten auszusuchen. Ist ja logisch dass Vereine der höheren Ligen viel kommerzieller sind, d.h. sie haben beim Kommerz mehr Erfolg als kleine Vereine. Auch kleine Vereine würden sich über grosszügige Sponsoren freuen, nur finden sich kaum solche.



von Rotblau - am 16.09.2005 18:48
WOW!

Das ist genau das, was «echte» Fussballfans ausmacht. Leidenschaft, Initiative und Kreativität.



von freestate - am 21.09.2005 06:33
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