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Latteknaller, Tschum, SMD

«Keine Gemeinschaft mehr»

Startbeitrag von SMD am 10.09.2006 08:00

10. September 2006, NZZ am Sonntag


«Keine Gemeinschaft mehr»
FC-Basel-Captain Ivan Ergic ortet Verunsicherung im Team



Von Christine Steffen

Interviews gibt Ivan Ergic am Freitag vom Krankenbett aus. Der Captain des FC Basel leidet an einer Ohrenentzündung und schluckt Antibiotika, um heute Sonntag gegen den FC Zürich einsatzbereit zu sein. Es ist eine Partie von besonderer Brisanz. FCB-Trainer Christian Gross betont zwar, dass der 13. Mai abgehakt sei - doch die Bilder des dramatischen Meisterschaftsfinals sitzen tief: das späte Tor Filipescus, der die Zürcher in den Meisterhimmel schoss, die Konsternation der Basler, denen der Titel brutal entrissen wurde, die Eruption der Gewalt. Die Folgen für den FCB sind umfassend: Nicht nur wurde er vom Verband gebüsst; ihm ist das Selbstverständnis des Siegers abhanden gekommen.

«Der 13. Mai ist immer noch spürbar», sagt Ivan Ergic, «wir haben ihn im Hinterkopf.» Mit «wackligen Beinen» seien sie in die Saison gestartet - aufgefangen haben sich die Spieler bis heute nicht. Nach sechs Runden ist der FCB so schlecht klassiert wie seit neun Jahren nicht mehr: 6. Rang, acht Punkte hinter dem Leader FCZ. Das erfolgsverwöhnte Team wirkt verunsichert. «Wir gehen nicht so gut mit dem Misserfolg um», konstatiert der Captain.

Bernhard Heusler, FCB-Vorstandsmitglied, verweist darauf, dass «Klub, Fans und Medien durch die fast einmalige Erfolgsserie auf nationaler und internationaler Ebene der letzten Jahre extrem verwöhnt» wurden. «Eine gewisse Angespanntheit» sei aufgrund der schlechten Resultate durchaus festzustellen, was im Wellental, das der Sport mit sich bringe, typisch und auch nötig sei, wolle man zurück zum Erfolg.

Kein Leadertyp
Neben der Last des 13. Mai, welche die Spieler tragen, haben gewichtige Abgänge das Gleichgewicht in der Mannschaft gestört: Pascal Zuberbühler, Matias Delgado und David Degen fehlen nicht nur auf dem Feld. Gerade der Goalie, der zu West Bromwich Albion wechselte, weil er in Basel nicht mehr erwünscht war, hatte die «Eigenschaften eines Anführers», wie Ergic sagt. Er selber sei «nicht der geborene Leadertyp». Was nicht heisst, dass Ergic der falsche Captain ist: Der 25-Jährige ist eine Integrationsfigur, verfügt über eine hohe Sozialkompetenz und geniesst eine grosse Glaubwürdigkeit. Er übernimmt Verantwortung und versucht, «für gute Stimmung zu sorgen». In den Augen von Trainer Gross tendiere die Stimmung manchmal in Richtung «zu gut», sagt Ergic. «Er findet, wir seien zu nett miteinander, ihm fehlt die Aggressivität.»

Eigentlich möchte Ergic ein Beispiel abgeben für seine Kollegen, sie aus dem Tief herausreissen. Dazu fehlen ihm aber die körperlichen Voraussetzungen. Der serbische Nationalspieler hat - wie die anderen WM-Fahrer Scott Chipperfield und Mile Sterjovski - die Vorbereitung verpasst und ist nicht in Form. Das ist ein weiteres Defizit im FCB, der Ergic eine zentrale Rolle als Schaltstelle im Mittelfeld zuschreibt.

Zum sportlichen Stottern gesellt sich der Zwist mit den Fans aus der Muttenzer Kurve. Diese sind nicht bereit, die Massnahmen zu akzeptieren, die vom FCB nach den Ausschreitungen vom 13. Mai beschlossen wurden. Die Registrierung ihrer Jahreskarte lehnen sie ebenso ab, wie den sogenannten Fahnenpass. «Man fürchtet eine Fichierung und Stigmatisierung der Kurve», sagt Marcus Meier vom Fanprojekt Basel. Die Mehrheit der Fans habe sich nichts zuschulden kommen lassen. Als Konsequenz wollen die Supporter auch nach Ablauf der Sanktionen der Nationalliga, die eine dreimalige Sperrung der Kurve verlangt, die Heimspiele boykottieren. Stattdessen grillieren sie neben dem Stadion - auch am Sonntag. «Wir sind FCB-Fans, nicht immer pflegeleicht und manchmal auch wild, aber man nennt uns den 12. Mann, und als solcher wollen wir ernst genommen und respektiert werden», schreibt die Muttenzer Kurve in einem Communiqué.

Attacke gegen Fankultur
Auch wenn ein tiefer Graben zwischen dem Verein und den Fans verläuft, ist man sachte daran, Schritte aufeinander zu zu machen. Unter der Leitung des Fanprojekts treffen sich regelmässig Vertreter des FCB und der Polizei, ein Abgeordneter der Stadionbetreiberin Basel United und Supporter zu Gesprächen. Es sei am Anfang schwierig gewesen, sagt Marcus Meier, mittlerweile werde aber «sehr lösungsorientiert» gearbeitet und auf den gemeinsamen Nennern aufgebaut. Dazu gehöre auch der Konsens, dass Stimmung für ein Fussballspiel unabdingbar und die Muttenzer Kurve die «Lebensader» des Stadions sei. Bernhard Heusler, der an den Sitzungen teilnimmt, bestätigt, dass eine «Annäherung spürbar ist». Konkrete Ergebnisse der Gesprächsrunde sollen bis Anfang Oktober vorliegen. «Wir müssen verhindern, dass der Klub in sich selber zerrissen wird», sagt der Anwalt.

Die Entfremdung beschäftigt auch Ivan Ergic. «Die Fans und der Verein sind keine Gemeinschaft mehr. Ich will, dass sie es wieder werden.» Der Captain hat das Gespräch mit den Supportern gesucht und versteht, dass sie die Massnahmen «als Attacke gegen die Fankultur» sehen. Dass für jede Fahne ein Pass gelöst werden muss, stuft er als «vielleicht zu hart» ein und plädiert für Kompromisse.

Der 13. Mai hat im FC Basel viele Wunden aufgerissen und manche Baustelle eröffnet. Um dem unangenehmen Zustand des Vergessen-Wollens und Erinnern-Müssens zu entrinnen, gibt es nur eines: Erfolg. Gerade heute. Sowieso gegen den FC Zürich.

Antworten:

Interview mit Ergic auch in der Sonntags-Zeitung. Schade, beide Interviews sind ziemlich nichtssagend, die Journalisten fragten nicht nach. So bleibt es bei netten Aussagen von Ergic.

von Tschum - am 10.09.2006 08:04
SMD schrieb:

Zitat

Es sei am Anfang schwierig gewesen,
sagt Marcus Meier, mittlerweile werde aber «sehr
lösungsorientiert» gearbeitet und auf den gemeinsamen Nennern
aufgebaut. Dazu gehöre auch der Konsens, dass Stimmung für
ein Fussballspiel unabdingbar und die Muttenzer Kurve die
«Lebensader» des Stadions sei. Bernhard Heusler, der an den
Sitzungen teilnimmt, bestätigt, dass eine «Annäherung spürbar
ist». Konkrete Ergebnisse der Gesprächsrunde sollen bis
Anfang Oktober vorliegen. «Wir müssen verhindern, dass der
Klub in sich selber zerrissen wird», sagt der Anwalt.


für my s wichtigste in däm artiggel. hoffendlig entsprichts de tatsache.



von Latteknaller - am 10.09.2006 10:11
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