VfB Stuttgart

Startbeitrag von Betty Bossi am 20.12.2002 13:34

Der VfB Stuttgart ist die Ueberraschung der Saison - auch in der Winterpause’, lesen wir von Michael Horeni (FAZ 20.12.) bezueglich der Trennung des Vereins von Manager Rolf Ruessmann. ‘Wer derart unpopulistisch entscheidet, muss schon gute Gruende haben, um die Basis nicht nachhaltig zu veraergern. Denn was in die fussballtechnische Bilanz des westfaelischen Managers im Schwabenland faellt, kann sich allemal sehen lassen: Die Mannschaft erreichte ueber den langen Umweg UI-Cup das Achtelfinale des Uefa-Pokals, in der Bundesliga ueberwintert der VfB auf Rang fuenf, mit jungen Spielern wie Torjaeger Kevin Kuranyi glaubt Rudi Voeller sogar bald die Nationalmannschaft zu staerken - und nicht zuletzt haben die Fans in Stuttgart den Fussball und den VfB fuer sich wiederentdeckt. Jetzt ist vor allem von duerftigen Konzepten, mangelnder Teamarbeit und fehlender Kommunikation die Rede. Die Begruendungen fuer die Entlassungen sind einzeln betrachtet zwar nicht gerade spektakulaer, aber in der Summe dennoch stark genug, wenn dadurch das Vertrauensverhaeltnis Schaden genommen hat. Ruessmann fehlte es zudem an starkem Rueckhalt auch bei Felix Magath, der sich vom Manager laengst emanzipiert hat und mittlerweile als Erfolgstrainer fast allein im Glanze steht - zudem wird es dem Einzelgaenger Magath sicher gut gefallen, seinen Einfluss beim VfB ohne Ruessmann fuers erste noch ein bisschen weiter steigern zu koennen.’

Martin Haegele (SZ 20.12.) meint dazu. ‘Damit holt ihn sein beruflicher Werdegang ein: der 52-Jaehrige hat beim VfB Stuttgart aehnliche Fehler gemacht wie seinerzeit auf dem Boekelberg. Er riss alles an sich. Er wusste alles besser. Er eroeffnete taeglich neue Baustellen – doch keine schloss er ab. So verprellte er Mannschaft, Mitarbeiter, Praesidium und Sponsoren – und wurde isoliert. Niemand in der VfB-Zentrale wollte mehr mit ihm arbeiten (...) Ruessmann duerfte sich mit den sportlichen Erfolgen der vergangenen zwei Jahre, vor allem aber mit der Perspektive und dem Image der ‘Jungen Wilden’ gerechtfertigt haben. Er sieht dies genauso als sein Werk an wie als das von Felix Magath. Und ist es nicht sein Verdienst, dass der Trainer sein Image korrigieren konnte und nun als neue grosse Figur der Branche dasteht? Ruessmann kann nicht oft genug jene Hilfestellung reklamieren, die ihm an der Entwicklung Magaths zur Trainer-Persoenlichkeit zukommt. Man werde seinen Beitrag zur Geschichte des VfB schon noch wuerdigen, er werde das Haus aufrecht verlassen, er sei letztlich ueber die vielen Neider gestuerzt, er sei ein Opfer der ‘schwaebischen Seilschaften’ – das ist seine Version zum Abschied. Womit der Westfale nicht falsch liegt. Dass die Klub-Politik in der Loge des Hauptsponsors Debitel gemacht wird, wo ehemalige und gescheiterte Fuehrungskraefte, zum Teil arbeitslose Profis, das grosse Wort fuehren duerfen, kann den neuen Aufsichtsraeten um Dieter Hundt, die Weltkonzerne oder zumindest gediegene schwaebische Unternehmen repraesentieren, nicht gefallen. Und wenn es kritisch wurde, hat Praesident Manfred Haas hoechst selten Flagge gezeigt. Die unangenehmen Aufgaben, vor allen Dingen die unappetitlichen Aufraeumarbeiten im Buero seines Vorgaengers Gerhard Mayer- Vorfelder, haben Haas und Co. gern dem Praesidiumskollegen Ruessmann ueberlassen. Weil der unbeleckt von all den MV-Affairen war.’
Antworten:
Ein höchst interessanter Beitrag. Um es kurz zu fassen, und dies gilt
auf der ganzen Welt.
1. Der Tariner ist die wichtigste Person im Verein.
2. Der Trainer kann nur Erfolg haben, wenn er vom Präsidenten, vom
Vorstand, vom was von einem "Rat" auch immer totale Rückendeckung bekommt.
Er muss geschützt sein.
Heute ist das Gegeteil der Fall. In einem solchen
Umfeld zerfleischt man sich. Jeder macht Fehler, aber gerade im
Fussball werden leider nur die kurzfristigen Erfolge (oder Misserfolge)
als Mass aller Dinge herbeigezogen, sehr oft unter dem Druck der
veröffentlichten Meinung (Presse). Es gäbe dazu noch viel zu
erzählen. Auch mit konkreten Beispielen. Mir kommt die Galle hoch.
Robin Hood

von Robin Hood - am 20.12.2002 17:21
punkt 1: falsch!!!!

(der) Zuschauer ist der wichtigste mann im verein!
(nur'n spass!)



von Zuschauer - am 20.12.2002 17:28
Was meint unser Stuttgarter Gast über die Entlassung des Managers ? Hat er genauere Infos ? Verwundert mich sehr, hab immer gedacht, Quälix und Rüssmann liefern tolle Arbeit ab...



von Tuborg - am 21.12.2002 09:26
Also ich hab auch nicht schlecht gestaunt, als ich den Abschuss mitgekriegt habe.....

Okay, dass sich Manager und jetziger Präsident (Haas) nicht so ganz grün waren, hat man schon mitgekriegt, und Haas hat eigentlich höchst selten was gesagt! Der Hägele hat schon recht, dem Haas haftet noch die MV-Mittäterschaft an (ob berechtigt oder nicht) aber das gemeine Fussvolk ist halt der Ansicht, dass der MV die Karre net ganz allein in den Dreck gesetzt haben kann, und dass es zumindest eine ganze Reihe Mitwisser gegeben haben muss. Infolge der "grande catastrophe" ging alles erstmal auf Tauchstadion, keiner wusste was, hatte jemals was gewusst, etc...In Prinzip kannte keiner den MV und vom VfB hatte man auch nur vage was gehört *ggg*

Jetzt ist man zumindest mit 1 Rad wieder aus dem Dreck raus, (und der grösste Anteil des jetzigen Erfolges gebührt eindeutig Magath und dann Rüssmann) jetzt bellen die Hunde wieder und die Eifersüchteleien gehen wieder los!

Die Kommentare der Leserzuschriften der hiesigen Zeitungen sind 2/3 pro Rüssmann, nach dem Motto, ja haben wir nicht schon genug trouble also was soll der Schei....!

Das frag ich mich auch!!!

gruss
mazy

von mazy - am 22.12.2002 14:48

Nachtrag

frisch aus dem "Fideotext"....

>VfB-Fans erheben schwere Kritik:

150 Fans des Fussball-Bundesligisten VfB Stuttgart haben vor dem Vereinsheim den Rücktritt von Präsident Manfred Haas und Aufsichtsratschef Dieter Hundt gefordert. Die Anhänger protestieren gegen die jüngsten Personalentscheidungen der Führungsebene.

Der VfB hatte in der vergangenen Woche Manager Rolf Rüssmann entlassen. Das "Bündnis aktiver VfB-Fans" warf dem Vorstand Vetternwirtschaft vor.

Ihrer Meinung nach würde der früherer Präsident und jetzige Chef des DFB Gerhard Mayer-Vorfelder nach wie vor die Fäden im Verein ziehen<

... Anmerkung der Tippöse zum letzten Abschnitt: Oh Herr, lass diesen Kelch an uns vorüber gehen....

mazy

.

von mazy - am 26.12.2002 08:44

Re: Nachtrag ... VfB Stuttgart

Quelle:
[www.nzz.ch]
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26. Dezember 2002, 13:25, NZZ Online


VfB-Fans fordern Rücktritt des Präsidiums

Auf der Strasse sind die Fans auf die Barrikaden gestiegen, im Klubheim rauchten bei den Bossen angesichts der finanziellen Schieflage und der ungewissen sportlichen Führung die Köpfe. Von friedlicher Stimmung war im VfB Stuttgart über Weihnachten nichts zu spüren. Stattdessen standen die Zeichen nach der Entlassung von Manager Rolf Rüssmann weiter auf Sturm.

(sid) Rund 150 aufgebrachte VfB-Anhänger hatten sich einen Tag vor Heiligabend zum Bündnis Aktive VfB-Fans zusammengeschlossen und den Rücktritt des Vorstands um Präsident Manfred Haas gefordert. «Mit der Entlassung von Rüssmann wurde dem Verein grosser Schaden zugefügt. Zudem existieren weiterhin alte Seilschaften», warf Thomas Schäufele, der die Revolte mitorganisierte, dem Präsidium Vetternwirtschaft vor. Dabei hatten die Fans unter anderem auch den Ex-Präsidenten und heutigen DFB-Boss Gerhard Mayer-Vorfelder im Visier, der nach ihrer Meinung immer noch die Fäden im Hintergrund beim VfB zieht.

Rüssmann nur bei den Fans beliebt
Unterdessen waren Präsident Manfred Haas und Finanzchef Ulrich Ruf sowie Trainer Felix Magath mit der Sichtung der Unterlagen beschäftigt. Für die kommende Saison sieht Haas bereits eine Deckungslücke in Höhe von 7,3 Millionen Euro bei dem mit 16,6 Millionen Euro in der Kreide stehenden Klub. Es gibt kaum einen Partner des VfB, der sich mit Rolf Rüssmann verstand. «Auch ein grosser Teil der Mannschaft hatte ein gestörtes Verhältnis zu ihm», rechtfertigte Haas die Entlassung des bei den Fans beliebten Managers.

Zum zweiten Mal in seiner Karriere hatte Rüssmann nach 1999 in Mönchengladbach einen Managersessel vorzeitig verlassen müssen - in Stuttgart genau ein Jahr vor Ablauf seines Vertrages. «Ich laufe rum wie Falschgeld und bin völlig unsortiert», klagte unterdessen der Rüssmann, dementierte gegenüber dem «Kicker» zugleich, dass er bei Eintracht Frankfurt Manager wird: «Ich kann und will die Vereine nicht wechseln wie eine Jacke.» Seine Aufgaben im sportstrategischen Bereich wird bis auf weiteres Trainer Felix Magath übernehmen, dem in seiner neuen Rolle aber nicht wohl ist: «Ich habe Angst, konnte aber nicht ablehnen», gestand der 49 Jahre alte Coach. Vor allem fürchtet er um sein bisher ausgezeichnetes Verhältnis zu seinen jungen Wilden, muss er bei Vertragsverhandlungen nun knallhart die Vereinsinteressen vertreten.

Erdrückender Schuldenberg
Und in kommenden Verhandlungen ist für Zündstoff gesorgt, denn der Schuldenberg des Klubs ist weiterhin erdrückend. So soll das Budget für die Saison 2003/04 angesichts fehlender TV-Gelder aus der Kirch-Krise drastisch gekürzt werden. Fehlende Finanzmittel lassen auch dem Aufsichtsratsvorsitzenden Dieter Hundt wenig Spielraum bei der Suche nach einem Nachfolger für Rüssmann. «Bisher wurde die Nachfolge nicht erörtert», erklärte der Arbeitgeberpräsident, auf den die Fans ebenfalls nicht sonderlich gut zu sprechen sind. Hundt dementierte zugleich Kontakte zu Wolfgang Holzhäuser, derzeit Finanzchef bei Bayer Leverkusen. Zudem ist für Rüssmann eine Abfindung - vermutlich in Höhe von 500'000 Euro - fällig. «Entweder können wir die Mittel besorgen, oder wir müssen unsere sportlichen Belange zurückschrauben. Ich werde als Präsident jedenfalls keinem Finanzplan zustimmen, der nicht machbar ist», machte Haas unmissverständlich deutlich.

von Betty Bossi - am 27.12.2002 00:45
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