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Red Blue Devils Poeten Forum
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7
Erster Beitrag:
vor 14 Jahren, 10 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 14 Jahren, 10 Monaten
Beteiligte Autoren:
mazy, Betty Bossi, atzge, wurmi

Achtung: langer Artikel

Startbeitrag von Betty Bossi am 22.01.2003 15:02

der Bär der Steinzeit

Die Polizei, dein Freund und Helfer: Überlebensprogramm für Schiedsrichter


FRANKFURT. So gutmütig geht Hellmut Krug gewöhnlich nicht mit den bösen Buben um. "Also, dann kommt mal her und macht mich fertig." Keine zwei Sekunden später hat der Schiedsrichter wütende Spieler am Hals, die wild mit den Armen rudern, ihm grollende Blicke zuwerfen und schimpfen wie die Rohrspatzen. Das Tohuwabohu beginnt, Krug gerät unter starken Druck. Rudelbildung. Wie ist die Situation zu kontrollieren?

Jede Woche spielen sich auf den Plätzen der Bundesliga ähnliche Szenen ab, stellt sich für die Unparteiischen innerhalb von Sekundenbruchteilen diese eine wichtige Frage. Auch Krug beginnt zu reagieren, diesmal soll er jedoch eine ungewöhnliche Aufgabe erfüllen. Sie heißt: Offenbarung seiner Gedanken. Also denkt er laut nach, sagt sich ruhig: "Erst einmal zurückbewegen. Wenn der Typ da rechts nicht gleich seinen Mund hält, kriegt der eine Gelbe Karte." Und nach einer kurzen Pause: "Aber eine Karte reicht, jetzt muß es weitergehen."

Deeskalation ist angesagt. Was Krug hier mit Kollegen probiert, ist eine Trockenübung für den Ernstfall, ein Rollenspiel im Konferenzraum eines Frankfurter Hotels. Nach den vielen Negativerlebnissen in der Bundesliga-Hinrunde suchen die besten deutschen Fußball-Schiedsrichter Hilfe besonderer Art. Ein Seminar zur Streß- und Konfliktbewältigung, eigentlich gedacht für Polizeibeamte, soll ihre Psyche stärken für den rauhen Arbeitsalltag draußen in den Stadien. "Du mußt heute auf dem Platz alle Register deiner Persönlichkeit ziehen", sagt Herbert Fandel, wie Krug einer der erfahrensten Schiedsrichter des Landes.

"Überlebensprogramm" steht auf einem der großen Papierbögen an der Wand des Seminarraumes. Manchmal könnten die Schiedsrichter solch gute Anleitung gebrauchen. Für den Platz, dort, wo sie als Haßfigur dem Zorn ausgeliefert sind. Darum geht es aber nicht in diesem Fall. Beim Überlebensprogramm handelt es sich um ein typisch menschliches Verhaltensmuster, automatisiert, das muskuläre, vegetative und emotionale Reaktionen des Körpers auf Streß bezeichnet. Sozusagen ein instinktiver Schutzmechanismus, der Flucht oder Angriff vorbereitet. "Früher bei den Urmenschen ging es um Leben und Tod, wenn es im Busch raschelte und der Bär dahinter saß", sagt Christine Telser. Die Psychologin von der Landespolizeischule Rheinland-Pfalz und ihre sechs Kollegen leiten das Pilotprojekt mit den Schiedsrichtern.

"Streß ist eine uralte Reaktion des Menschen. Wir wollen den Schiedsrichtern klarmachen, was in solchen Situationen mit ihrem Körper passiert und wie sie aus diesem Bewußtsein heraus schnell Streß abbauen können", sagt Christine Telser. Was früher also der Bär hinter dem Busch war, ist heute der brüllende "Tiger" Effenberg. Auch er bringt andere schnell zum Schwitzen. Unter Schiedsrichtern herrscht ein enormer Leistungsdruck. Sie müssen mehr sehen als zwanzig Fernsehkameras und jede Sekunde hellwach sein. Auf der Tribüne schaut ein Schiedsrichter-Beobachter zu, der ihre Leistung mit Noten bewertet. "Wer in Hektik verfällt, hat verloren", sagt der Spielleiter Michael Weiner, der in der Hinrunde Torwart Jens Lehmann in dem denkwürdigen Spiel zwischen Bayern München und Borussia Dortmund des Feldes verwies. Für Weiner, den Hauptkommissar, gibt es eine Rangliste der Ausnahmesituationen: Rudelbildung, Notbremse, Zuschauerausschreitungen, Leuchtraketen. "Man muß jede Pause nutzen, um runterzukommen." Er hat gelernt, daß Streß das eigene Wahrnehmungsfeld einschränkt, daß er aktiv dagegen arbeiten muß, um die Kontrolle zu behalten und ein souveränes Bild abzugeben. Das heißt: ruhig ausatmen, Muskeln bewußt entspannen, nicht aggressiv auf den Spieler zugehen, sondern zurücktreten.

Kollege Fandel weiß aus eigener Erfahrung, wie sehr die Gestik die Stimmung auf dem Feld zum Nachteil beeinflussen kann. "In meinen ersten Bundesligaspielen war ich zu energisch. Das provoziert. Heute bin ich mit meiner Körpersprache zurückhaltender." Vieles haben sich die Spielleiter selbst im Lauf der Jahre angeeignet. "Ihr Know-how ist erstaunlich hoch", sagt Christine Telser, die sonst mit ihren Kollegen Polizisten für den Außendienst stählt.

Wenn ein Markus Merk seinen Job auf dem Spielfeld macht, geht die Herzfrequenz kaum höher als 150. Der Zahnarzt aus Kaiserslautern sagt, er versuche auf dem Platz einfach Mensch und Persönlichkeit zu sein. Doch er weiß, "die neunzig Minuten sind ein ständiges Geben und Nehmen, eine interaktive Geschichte mit viel Psychologie". Da habe die Schulung geholfen, sich einen Schritt weiterzuentwickeln. Aber keine Frage, die Spieler dürfen nicht erwarten, daß ihnen die Unparteiischen nun schonend und zuvorkommend gegenübertreten. Dazu die Expertin: "Es geht nicht darum, Wattebällchen zu werfen. Eine Strategie zur Deeskalation funktioniert bei der Polizei auch mit dem Schlagstock."

MICHAEL ASHELM

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.01.2003, Nr. 18 / Seite 32

Antworten:

gottseidangg!

hesch au grad no e lange gfunde! jjjjjeeeeeeeeesssssssssss :-)
scho fascht e bizli: welcome bäck!

von wurmi - am 22.01.2003 17:39

Re: gottseidangg!

Ab nächster Woche bringe ich sämtliche Wirtschaftsinformationen, damit Ihr was zum Lesen habt.

Spass auf's Velo. Das lass ich natürlich aus, obwohl ich diese Seiten verfolge. Nicht wegen Aktien, einfach so ... wegen den Wirtschaften ... alles gut verstanden ? :-) Sehr komplizierter Kommentar ...

von Betty Bossi - am 22.01.2003 18:03

Re: gottseidangg!

na also, got doch!!!

mit dr wurmi zsamme dät ich dann mol dr Hallelujachor astimme... ;-)

...und interessant ist der Artikel auch! Was mich mal echt interessieren würde, wie und (wie hoch) wird eigentlich ein Schiri bezahlt... pro Einsatz? Gibt's da "Gefahrenzulage" für Stress-Spiele? Wie Lemieux im Forenlexikon richtig bemerkt hat, so richtig Notiz nimmt man nur von ihnen, wenn sie grob daneben gepfiffen haben, loben tut man sie selten...

gruss
mazy

von mazy - am 22.01.2003 18:07

Re: gottseidangg!



Halleluja!!!! :D


Das mit den Schiris ist so ne Sache!

Also ych hab sie mal "beverselt", das ist in meinen Augen so wie'n Kompliment.;-)


Schiri-Värsli
atzge, 18.07.2002
Do d Schiri's,oder besser gsait Ihri Entschaid jo immer wieder zu Diskussione fiehre,hanni dänggt es wär mol an dr Zytt e paar (nidd immer ganz ärnscht gmainti)Raim z verfasse iber si!


Dr Pfyffemaa mim Name Rogalla
dä hett mir no grad gar nie wirgglig gfalla.
Dä pfyfft jo wie-n-ych noch em elfte Bierli pfleg z'lalla
und isch bi mir so uss allne Traggtande gfalla!

Wenn dr Busacca amme pfyfft
deent's eso als wär er voll bekyfft
wenn deert ain im Offside ummeschlyfft
duet er aifach so als ob's en nidd betryfft!

Das immer no pfyffe derf dr Beck
isch au eppis wonni iberhaupt nidd check.
Uff sinre Schiri-Weschte-scho Mänge Flägg
die grieggt er aifach nimmi wägg!

Seh-n-ych uff em Matschblatt dr Name Schoch
denn ghei-y grad in e sautief Loch
sett er denn emol guet pfyffe doch
bini im 'ne unbegränzte Hooch!

E Froog wo sich uffdränggt bim Herr Nobs:
Gäbt's fyr dä nidd andri Jobs?
Denn dä isch immer drbi bi de Schiri-Flops
dä falsch pfyffendi und hopplendi Mops!

Au no nie wirgglig Freud gha
hanni an däm Philipp Leuba,
aber au do isch nitt wirgglig neu-dra
s wär dr erscht wonni kennt sage-sympha!

Dasch eppe s glyych wie mit däm Buragina
dä kennt i amme würge,zwüschenina!
Dä macht alli Spieler-Bemiehige zur Minna
dä kennt ruhig mol heere so spinna.

Dr allzytt beschtens gschtailti FIFA-Maier
äugt de Spieler nooch,wie ne Huer de Fraier.
seht alles,mit sim Hals wie ne Raiher
und pfyffts glych no verkehrt,hol's dr Gaier.

Ummestolziere wie ne ryffi Zucchini
gseht me dr Herr Bertolini.
Nur würd er gschieder seggle zwysche-ini
dä lahmi Arsch,dä klini.

Speziell dr Ufftritt vom Wildhaber
losst sych nidd y uff Gelaber
Zückt Kärtli fyr Kärtli,fascht scho makaber
und zieht das duure ohni wenn und aber.

Zu gueter letscht goht's um e Rutz
dä Pfyffevergwaltiger,Gopfried-Stutz!
irrt orientierigsloos umme dä komisch Kutz
und bruucht uff em Haimwääg vyylmol Schutz!

:joke:



von atzge - am 22.01.2003 18:14

Re: gottseidangg!

starkes värsli!!!

und i han grad nochguckt, es stoht scho auf ner eigenen säule im olymp
:-)

Dank meiner zwischenzeitlich weitentwickelten Schwyzerdytsch-Kennnisse entnehme ich dem Värsli bereits beim erstenmal durchlesen, dass dir von der Schweizer Pfeifergarde auch keiner so recht zusagt, was???

Aber manchmal ist es halt auch so, dass die eigene Truppe Gurkenspiel abliefert, Kommt dann noch ein Schirifehlentscheid dazu, dann hat man den Sündenbock und tobt ne Runde auf dem rum, weil's halt einfach schwer fällt, zuzugeben, dass die eigene Mannschaft noch schlechter als der Schiri war. (Das war jahrelang ein beliebtes Procedere beim "Nachkarten" der deutschen Natispiele)

mazy

von mazy - am 22.01.2003 18:32

Re: gottseidangg!



Exactly! :spos:

Es ist um einiges einfacher den Fehler bei andern zu suchen, um so den eigenen Helden nicht zu fest am Lack kratzen zu müssen.

:D



von atzge - am 23.01.2003 00:17
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