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Erster Beitrag:
vor 14 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 14 Jahren, 9 Monaten
Beteiligte Autoren:
Walti usm Wallis, mazy, Betty Bossi

Der Schattenmann von Stuttgart ...

Startbeitrag von Betty Bossi am 18.04.2003 13:54

Der Schattenmann

Horst Heldt bereitet sich beim VfB Stuttgart darauf vor, den zum Saisonende scheidenden Mittelfeldstar Krassimir Balakov zu ersetzen

Natürlich ist es Dankbarkeit. Der Trainer hat ihn da rausgeholt, und das vergisst er ihm nie. Denn Dankbarkeit, so heißt es, ist der halbe Weg zwischen einer empfangenen und einer erwarteten Wohltat. Horst Heldt (33) weiß das. Nichts ist umsonst in dem Geschäft. Also rennt er, was das Zeugs hält. Er ist jetzt beim VfB Stuttgart in der Bringschuld, und er möchte nichts schuldig bleiben. Nicht Felix Magath. Der steht auf ihn, der setzt auf ihn, den will er nicht hängen lassen. "Wenn es einen Fußballexperten gibt, dann doch wohl ihn", sagt Heldt. Und setzt sich gleich mal unter Druck.


Druck braucht er. Damit der Experte Recht behält, muss Heldt nämlich was zeigen. Magath hat ihm die Karriere verlängert. Mehr noch, er hat sie ihm zurückgeschenkt, denn eigentlich war sie schon zu Ende. Bundesliga, Nationalmannschaft, Ehrgeiz und Motivation - Haken dran. Die Schuhe hingen zwar nicht am Nagel, noch nicht, doch Heldt trabte bereits dort dem Ruhestand entgegen, wo es auch veritable Rentner gerne ausklingen lassen, das bewegte Leben. Steiermark, liebliche Landschaft, Graz, charmante Provinz. Kurzum: Langeweile. Abseits von Gut und Böse. "Das Thema war durch." Heldt hatte nach 13 Profijahren alles, bloß keine Perspektive mehr.


Dann klingelte am Tag nach Neujahr das Telefon - und alles war anders. Felix Magath brauchte für seine Stuttgarter Himmelstürmer, die auch schon die "jungen Wilden" gerufen werden, den einen oder anderen Anführer. Und Magath hat ein gutes Gedächtnis. Als er noch Eintracht Frankfurt trainierte, war Heldt auf dem Platz der Führungsspieler. Der führte die Mannschaft zwar in den Abstieg, aber das lag nicht an ihm. Solche wie Heldt gibt es nicht viele: Linksfuß, laufstark, fleißig, kreativ.


Jetzt ist er beim VfB Stuttgart der Schattenmann von Krassimir Balakov. Der geht im Sommer tatsächlich in Fußballrente, und Heldt kriegt dann seine Planstelle als Abteilungsleiter im Mittelfeld. Bis dahin spielt er sporadisch, wenn sie ihn brauchen, und sieht zu, dass die Jungen ihm im Training nicht davonrennen. Schwer genug. "Ich hätte gedacht, das ginge ein bisschen schneller, wieder an das Niveau ranzukommen." Jetzt ist er soweit. Vor zwei Wochen in Cottbus hat er sogar eine Ecke direkt ins Tor geschossen. Er freut sich über jede Minute, die er spielt, denn nur dann kriegt er auch Geld. Sturm Graz hat ihm noch eine Abfindung mitgegeben, aber einen richtigen Vertrag besitzt Heldt beim VfB Stuttgart erst ab der kommenden Saison.


Dankbarkeit, so heißt es auch, ist eine Art Gerechtigkeit. Kann man so sehen. 308 Bundesligaspiele, 34 Tore, zwei Mal Nationalmannschaft, "eigentlich habe ich keine schlechte Statistik", sagt Heldt. Und: "Ich stand oft kurz davor." Soll sagen: Es hätte immer und von allem auch ein bisschen mehr sein können, aber immer wieder stand jemand im Wege. Ein Trainer, ein Besserer, eine Verletzung. Dazu ein sonniges Gemüt, ein jugendliches Aussehen, dann wird man schnell zum "ewigen Talent".


Horst Heldt hat nie den Konkurrenten aus dem Feld geschlagen, er kam immer bloß in der Erbfolge als nächster: nach Häßler, nach Littbarksi in Köln und jetzt schon wieder nach Balakov in Stuttgart. "Keine schlechten Namen, also kein schlechtes Markenzeichen", sagt Heldt. Genannt werden in einem Atemzug, "das ist schon eine Ehre."


In knappen Worten skizziert er seine Stationen. 1. FC Köln: "Der Anfang. Die Heimat. Auf ewig. Wenn ich den Dom sehe, geht mir das Herz auf." 1860 München: "Aufschwung, Aufbruch. Nationalmannschaft. Freunde, Freundin. Der Mittelpunkt nach meiner Karriere." Eintracht Frankfurt: "Persönlich das sportliche Hoch. Der beste Fußball. Trotzdem Abstieg und Abgang. Ich wäre gerne geblieben, aber ich konnte mich nicht verständlich machen." Sturm Graz: "Die Negativ-Abteilung. Ein Machtkampf Trainer gegen Präsident auf meinem Rücken. Ich lasse mich nicht erniedrigen und für dumm verkaufen. Kein Wort mehr dazu." VfB Stuttgart: "Der zweite Frühling."


Und der hat eben erst angefangen. In die Nationalelf kam er mit 29, in die Bundesliga mit 33 zurück. Wenn man so will ein Spätberufener. Lieber spät als gar nicht. Horst Heldt wird Felix Magath mit sportlichen Wohltaten zurückzahlen. Schon aus Dankbarkeit.


Artikel erschienen am 17. Apr 2003 WELT.de

Antworten:

kleinlaut muss ich zugeben, dass ich bei der Verpflichtung von Heldt auch gedacht habe, wo hat der Magath denn den ausgegraben!

Tja manche wandern mit 34 in die Kamelliga ab ;-) während andere beim VfB noch auf nen 2. Frühling hoffen...
Balakov geht ja nun wirklich in Spielerruhestand... mal sehen, wie's mit Heldt weitergeht! und der Heldt hat sicher nen "schwäbischen" sprich leistungsbezogenen Vertrag!

Aber der Magath "macht grad eh alles richtig". Der könnte als Linksaussen auch den Dalai Lama verpflichten, das Volk würde sagen, genau, der hat uns noch gefehlt! ;-)

mazy

von mazy - am 19.04.2003 19:44
Ja, mazy, und zwei / drei gute Spiele vom Dalai Lama und er würde zu Bayern wechseln unglaublich:



von Walti usm Wallis - am 20.04.2003 07:27
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