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vor 9 Jahren, 5 Monaten
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Warum gibt es eigentlich 14 Achttausender?

Startbeitrag von Iggster am 08.01.2009 08:33

Ein bißchen was Philosophisches in der Winterpause kann doch auch nicht schaden...also auf geht´s:
Die Achttausender...das ist mal ein Begriff. 14 an der Zahl gibt es davon...wenn ich mir ganz viel Mühe gebe, kriege ich sogar mal eben die meisten aufgezählt (die richtigen Schreibweisen und den Rest dürft ihr gerne ergoogeln):
- Mt.Everest
- K2
- Kanzendjönga
- Makalu
- Lothse
- Annapurna
- Gasherbrum I (Hidden Peak)
- Gasherbrum II
- Broad Peak
- Nanga Parbat
- Cho Owjo
- Daulaghiri
-
-

...fast alle...13 und 14 fallen mir nicht ein.

Aber warum sind es eigentlich gerade 14 Achttausender? Letztlich ist es rein zufällig, dass ausgerechnet diese 14 Namen zu diesem Ruhm gekommen sind.

Warum zufällig?
Naja...man hätte ja auch eine andere Längeneinheit als Meter nehmen können. Die in Amerika üblichen Fuß zum Beispiel. Was wäre dann? Das splitten sich die 8.000er nämlich schon in verschiedene Gruppen auf. Der Mt.Everest ist meines Wissen mehr als 30.000 ft. hoch. Aller 8.000er sind zumindest höher als 26.000 ft. (einige davon aber auch 27.000 ft. oder mehr). Einige Siebentausender hingegen sind aber auch höher als 26.000 ft. Kurz gesagt in Fuß wäre das alles nicht so prägnant. Damit hätten wir schonmal Zufall No.1

Zufall No.2 bezieht sich darauf, was der Franzmann 1793 so entschieden hat. Da wurde nämlich der Urmeter festgelegt. Soweit ich mich recht entsinne war der Urmeter irgendein bestimmer Teil des Erdumfangs, oder so. Auf jeden Fall eine recht waghalsige Vermutung. Kurz gesagt, der Urmeter hätte auch locker ein paar Zentimeter länger oder kürzer sein können. Und schon wäre die ganze Reihe der Achttausender, die nur knapp über dem Schnitt liegen (das sind glaube gar nicht mal so wenige...4 oder 5, oder so) vielleicht nur ein Siebentausender. Oder einer der völlig unbekannten Siebentausender hätte auch die Ehre bekommen, ein Achttausender zu sein.

Weiter get´s mit einem ähnlichen Zufall...nennen wir ihn No.3. Sind die Dinger wirklich (noch) exakt so hoch, wie sie geführt werden. Die noch heute gültigen Vermessungen sind bereits relativ alt. Was war aber damals bei der Festlegung der höchste Punkt? Was zählt noch zum Gipfel und was nicht mehr? Die Stichwörter sind hier Schnee & Eis. Beides ist stets vorhanden...mal mehr mal weniger (auch abhängig von der Jahreszeit). Das Ergebnis könnte das gleiche sein. Ein Achttausender könnte in Wirklichkeit heute ein Siebentausender sein und umgekehrt.

Und Last but not Least Zufall No.4. Hier allerdings ist nicht nur Commissionar Coincidence am Werk, sonder hier gibt´s schlicht und ergreifend einen Fehler. Was ist denn eigentlich ein Berg? Während man in den Alpen beispielsweise Eiger, Mönch und Jungfrau als 3 eigenständige 4.000er zählt, werden im Himalaya nur eigenständige Bergstöcke als "Berg" gezählt. Einzelne Gipfel zählen hier nicht. Würde man die gleiche Logik wie in den Alpen verwenden, gäbe es deutlich mehr als 14 Achttausender. Der K2 heißt nämlich K2, weil es aus irgendeiner Himmelsrichtung (ich weiß jetzt nicht welche) der 2te Gipfel des Bergstocks Karakorum ist. Also ein ziemlich doofer Name für die zweithöchste Erhebung der Erde, die im Original Chogori heißt. Man ahnt´s also schon...Eiger, Mönch und Jungfrau sind ein gemeinsames Bergmassiv. Der eigentliche Fehler ist dann aber der Lothse. Der nämlich wiederum ist nichts anderes als der Südgipfel des Mt.Everest und dürfte dann ja gerade nicht als Berg zählen.

Ihr seht schon...hier geht so einiges und leider klappt das Schubladensystem wiedermal nicht so einfach wie man es gerne hätte. Kam ich nur gerade drauf, weil ich keine Lust habe zu arbeiten und wir hier gerade das Thema Mt. Everest hatten... ;-)

Vielleicht philosophiert ja noch jemand mit...!

Antworten:

Sind diese Dinge wirklich zufall ? Oder einfach nur ein Ergebnis menschlicher Wahrnehmung und der darauf folgenden Definitionen.
Der Mensch hat gemerkt, dass es auf der Erde Erhebungen gibt und nannte sie Berg. Oder in Abgrenzung zu diesen auch anders (zu diesem Thema kann ich den schönen Film "Der Engländer, der auf einen Hügel stieg und von einem Berg herunterkam" empfehlen).
Irgendwann wollte der Mensch wissen wie hoch die Berge genau sind und fing an sie zu vermessen. Bekanntermaßen sind die Längenmaße in der Welt unterschiedlich definiert. Die anglo-amerikanische Welt weigert sich ja bis heute, das metrische System zu übernehmen. Der Urmeter sollte übrigens der zehnmillionste Teil des Erdmeridianquadranten (Strecke vom Pol zum Äquator) sein (sagt Wikipedia).
Letztendlich ist die Vermessung der Berge der Welt aber auch nur eine Zuordnung der Höhen der Berge im Rahmen einer Verhältnisskala, egal welches Längenmaß verwendet wird. Ob der Everest jetzt über 8000 Meter oder über 29.000 Fuß ist, ist eigentlich nur die Frage welchen Namen man dem Kind jetzt gibt. Der größte Berg der Welt bleibt er auf jeden Fall, selbst wenn die Messungen nicht ganz korrekt sind.
Die Frage, die ich mir stelle ist die, ob in den Ländern, in denen das metrische System nicht verbreitet ist, auch von den "Achttausendern" gesprochen wird oder spielen die dort keine Rolle.
Das der Begriff "Achttausender" in den Ländern mit metrischen System ein fester Begriff ist, darf nicht verwundern. "Achttausender" ist quasi ein Synonym für "einer der höchsten Berge der Welt". Mit 14 "Mitgliedern" ist diese Gruppe recht überschaulich, wenn es 35 oder mehr wären würde man wohl weniger davon sprechen. Vielleicht wären dann einfach nur die "Top Ten" der höchsten Berge der Welt bekannt oder so ähnlich.
Und dass sich manche Berge oder Bergstöcke oder Gipfel einer genauen Definition verweigern macht ein grundlegendes Problem menschlicher Wahrnehmungen und den daraus resultierenden Definitionen deutlich. Letzendlich basiert das, was wir "Realität" nennen, nur auf der Konstruktion und Interpretation unserer Wahrnehmung.
War das philosophisch genug ?





von Replica - am 08.01.2009 11:52
na war die zigarette schön mit grünem inhalt gespickt..... :-))))


von Tesla - am 08.01.2009 14:02
Also für mich klingt das eher nach weissem Marschierpulver...

von Stollentroll - am 08.01.2009 14:09
Keine Angst, zu solchen Gedankengängen bin ich ohne jeglichen Zusatz fähig....

von Replica - am 08.01.2009 20:54
Und dann stelle man sich mal vor, man würde den Abstand zum Mittelpunkt der eben nicht ganz kugelförmigen Erde nehmen. Der Chimborazo in Südamerika wäre plötzlich der höchste Berg der Welt, obwohl er "nur" ein Sechstausender ist.
Übrigens gibt es bei denen Höhenangaben noch eine Kleinigkeit zu beachten, nämlich die Frage danach, was eigentlich Meereshöhe ist. Für Deutschland ist der Nordseepegel in Holland massgeblich, für Österreich dagegen das Mittelmeer, weil Österreich mal einen Meereszugang in Triest hatte. Frankreich nutzt den deutsch-niederländischen Pegel, die Schweiz den österreichisch-italienisch. Mit dem Ergebnis, dass Montblanc und Zugspitze je zwei um 1m abweichende Höhenangaben haben und Rheinbrücken zwischen Waldshut und Basel schon mal leicht aneinander vorbei gebaut wurden...

von NRW-Radler - am 09.01.2009 12:12
Das mit dem Chimborazo wusste ich noch gar nicht. Das würde ja bedeuten, dass ich den de facto höchsten Berg der Welt bereits bestiegen habe. Okay, in Wahrheit sind wir mit dem Auto bis zur Basisstation auf ca. 4.000 m gefahren und von da aus bis auf ungefähr 5.000 m gewandert. Seitdem ist mein Respekt vor Bergsteigern ins Unermessliche gestiegen. Denn obwohl wir uns bereits eine Woche in Quito (in ca. 2.900 m Höhe) an die dünne Luft gewöhnt hatten, konnte ich diesen Höhen kaum mehr als 100 Meter gehen ohne eine Pause zu machen. Das das so heftig ist, hätte ich nie gedacht. Möchte gar nicht wissen, wie schwer das Atmen fällt, wenn man sich jenseits der 8.000er-Grenze bewegt.

von ravanelli - am 09.01.2009 15:03
Respekt...Tausend Höhenmeter auf der Höhe sind ja definitiv nicht ohne. Und so ganz harmlos sieht der Gipfel ja auch nicht aus:



Das heißt aber, dass ihr nicht bis auf den Gipfel gestiegen seid oder habe ich das falsch kombiniert?

Verflucht...sowas muss ich unbedingt auch mal machen. Diese Erfahrung würde mich wahnsinnig interssieren. In den Alpen merkt man in den 3.000er-Regionen denn doch noch nicht soviel von der dünner werdenden Luft. Und die 4.000er sind allesamt schon ein zu hohes bergsteigerisches Niveau. Somit ließe sich natürlich nur auf andere Kontinente für so eine Aktion ausweichen.

von Iggster - am 09.01.2009 16:48
Ne, bis zum Gipfel geht nur mit Guide und wenn man ganz früh morgens aufbricht. Was wir gemacht haben war mehr oder weniger eine verschärfte Bergwanderung, da ich über null Erfahrungen im Klettern verfüge.

von ravanelli - am 09.01.2009 17:24
Hmm ...
Irgendwie will mir das ned so ganz in den Kopf: Wie kann der Meerespiegel im Mittelmeer ein anderer sein als an der Nordsee ?
Das würde ja bedeuten, dass das Wasser zwischen diesen beiden Messpunkten in eine Richtung bergauf fließen müsste ... ?

von MircoPB1976 - am 18.01.2009 14:31
Die "Höhe" von Meeresspiegeln miteinander zu vergleichen ist doch vollkommen sinnlos, oder ? Der Meeresspiegel liegt bei beiden Meeren ja auch gleich hoch: auf 0 Meter nämlich. Es hat ja keinen Sinn die Lage eines Meerespiegel auf sich selber zu beziehen.
Warum es bei Messungen von Höhen zu unterschiedlichen Ergebnissen kommt, je nachdem auf welches Meer man sich bezieht weiß ich aber auch nicht. Spontane Idee: Vielleicht hat die Erdkrümmung was damit zu tun. Die Entfernung eines Ortes zur Nordsee und zum Mittelmeer ist ja nur sehr selten dieselbe, weshalb sich die Erdkrümmung da unterschiedlich stark auswirken könnte. Aber vielleicht ist das auch Quatsch.



von Replica - am 18.01.2009 15:15
Genau weiß ich es auch nicht, aber meines Wissens hat es mit der Definition des örtlichen Pegelstandes zu tun. Amsterdam und Triest liegen ja nun ein Eckchen auseinander, da wird man irgendwann aufgrund von langfristigen Messungen mal einen Pegelstand als Normalnull festgelegt haben, der aber kurzfristig (gerade an der Nordsee durch den Tidenhub und Herbst- und Winterstürme) großen Schwankungen unterworfen war. Durchaus möglich, dass man dann zu deutlich abweichenden Ergebnissen gekommen ist.
Zum Vergleich: Wenn der Düsseldorfer Rheinpegel auf 68 cm absinkt (so geschehen von ein paar Sommern), heißt das auch nicht, dass man zu Fuß nach Oberkassel waten kann oder dass der Rhein austrocknet, wenn das Wasser weiter sinkt. Es handelt sich dabei nur um einen historischen Bezugspunkt.

von NRW-Radler - am 18.01.2009 16:10
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