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BLV-Forum
Beiträge im Thema:
10
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 6 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 5 Monaten
Beteiligte Autoren:
Walter Schmidt, Hansjörg H. Teichmann, Hartmut Preuß, Monika, Berthold Funk, Keller

Neuer Entwurf zur HVO in Bayern

Startbeitrag von Walter Schmidt am 19.07.2002 12:25

:sneg: Hallo!
Jetzt ist es so weit! Auch in Bayern soll der Rottweiler in die Liste der gefährlichen Hunde aufgenommen werden, nicht aber der Dobermann und der Deutsche Schäferhund (s. www.blv-hundesport.de Entwurf einer Verordnung (PDF-Datei)).
Nicht die Tatsache als solches ist dabei der „Witz des Tages“, sondern die Begründungen dazu. Zum was weiß ich wie vielten Mal wird das Populationsverhältnis der Rassen strapaziert. Erneut muss eine Studie aus den USA als Beleg für die tödliche Gefahr, die vom Rotweiler ausgeht, herhalten, (Zynismus) weil uns ja schon immer die rostigen Fahrräder interessiert haben, die in China umfallen.
Zudem wird festgestellt, dass (Zitat) „die Gefährlichkeit des Schäferhundes wegen seiner geringeren Beißkraft und seines geringeren Gewichtes deutlich niedriger ist“, (Zynismus) was die von Schäferhunden tot Gebissenen sicher bestätigen können.
(Zitat) „Außerdem ist die Bevölkerung an den Umgang mit Schäferhunden gewöhnt und kann deren Verhalten auf Grund ihrer – anders als beim Rottweiler – deutlichen Mimik eher einschätzen“, d.h. (Zynismus) beim Schäferhund weiß die Bevölkerung früher als beim Rottweiler, wann sie gebissen wird, was möglicherweise hilfreich für das letzte Stoßgebet ist.
(Zitat) „In der Dobermann-Zucht ist das Zuchtziel auf die Eigenschaft einer erhöhten Aggressivität in den letzten Jahren aufgegeben worden, so dass der Dobermann heute im Vergleich zu den Hunden der Kategorie II ein deutlich geringeres Gefahrenpotential aufweist. Eine Gleichsetzung mit diesen Rassen ist daher nicht mehr vertretbar.“ (Zynismus) Wie gut, dass die Lobby der Dobermänner dies ihren Hunden auch gesagt hat, damit sie auch wissen, dass sie nicht mehr zubeißen dürfen.
Zur Einschätzung der schon bekannten Hunde der Rasselisten und den neu hinzugekommenen heißt es lapidar: (Zitat) „Sie sind auf im Mittelmeerraum gezüchtete molossoide Kampfhundrassen zurückzuführen und entsprechen in ihrer potentiellen Gefährlichkeit den bereits in Kategorie II aufgeführten molossoiden Rassen wie etwa dem Mastino Napoletano.“ (Zynismus) Wer schon einmal einen solchen Hund gesehen hat, weiß wie unglaublich temperamentvoll sie ihr einziges Ziel, alles was sich ihnen in den Weg stellt, tot zu langweilen.
Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass die Angelegenheit alles andere als lächerlich ist, aber was bleibt einem zunächst angesichts eines derartigen Unsinns.
Wichtiger, als sich darüber lustig zu machen, ist natürlich zu überlegen, welche Möglichkeiten es gibt, diesen Unsinn zu widerlegen. Leider muss ich gestehen, dass mir im Moment nichts dazu einfällt, denn die Stellungnahmen zu diesem Entwurf mussten bereits am 12. Juli abgegeben werden. Aber vielleicht hat ja jemand eine zündende Idee.
In großer Sorge
Walter Schmidt

Antworten:

hallo, ich bin in der Vorstandschaft der Hundefreunde Amberg. Ich dachte eigentlich aufgrund einiger Aussagen von Hundesachverständigen bei Lehrgängen im Jahr 2001, dass der Unsinn bezüglich Rottweiler vom Tisch ist. Ich bin selbst Besitzer eines Rottweilers, eines Schäferhundes und eines Cane Corso, entsprechend entsetzt bin ich über die Nachricht, dass ich jetzt möglicherweise gleich zwei Kampfhunde habe. Da mein Rottweiler nach einigen Anfangschwierigkeiten ein toller Familienhund ist (eine angeborene Grundschärfe ist allerdings im Gegensatz zu anderen Hunden schon da) und der Cane Corso das Verhalten eines großen Schafes an den Tag legt, bitte ich Euch, alles in Euerer Macht stehende zu probieren, den Verantwortlichen klar zu machen, was sie hier für einen Unsinn verzapfen. Ich möchte nur wissen, von welchen Hundekennern die Politiker hier beraten werden. Ich bitte um Mitteilung, wann mit der Einführung der Verordnung zu rechnen ist. Viele Grüße Berthold Funk

von Berthold Funk - am 31.07.2002 12:04
Hallo Berthold :-)
du schreibst:
.....alles in Euerer Macht stehende zu probieren, den Verantwortlichen klar zu machen, was sie hier für einen Unsinn verzapfen. Ich möchte nur wissen, von welchen Hundekennern die Politiker hier beraten werden.
Ich bitte um Mitteilung, wann mit der Einführung der Verordnung zu rechnen ist.

Wie wäre es mit einem Brief von Dir und Deinen Vorstandskollegen an den bayer. Minister Beckstein in welchem Ih Eurer Verärgerung Luft macht ? Deine Vereinskameraden kannst du doch sicher überzeugen mitzumachen ?
Wir von der Rottweiler-BG haben auch geschrieben..... :-)

Schau mal bei [www.maulkorbzwang.de]
dort findest du unter Datum
27.07.2002 Hier NEUER Schriftwechsel mit den Herren aus Bayern - Betr.: Rotti in Bayern

Gruss von Monika und Ihrem Rotti Igel :-)

von Monika - am 02.08.2002 17:29
In einem anderen Forum wurde ebenfalls über diese geplante neue HVO in Bayern diskutiert. Dabei kam ein Beitrag, den ich (mit Erlaubnis des Verfassers) gerne hier reinsetzen würde:.

Mit diesem Gesetzesvorschlag enzieht die bayerische Regierung dem eigenen Gesetz die Grundlage.

Grundlage eines Gesetzes oder einer Verordnung im Zusammenhang mit einer Gefahrenabwehr, muss "der Schutz der Bevölkerung vor einer anzunehmenden oder tatsächlichen Gefahr" sein. Einerseits wird von der Gefährlichkeit der verschiedenen "Kampfhunderassen" ausgegangen ("unwiderlegbar gefährlich"- Anlage I und "widerlegbar gefährlich"-Anlage I , andererseits definiert die bayerische Regierung eine tatsächliche Gefahr und klammert einen Handlungsbedarf aufgrund eines Populationsverhältnisses aus. Das ist rechtlich unhaltbar. Vor Gericht müssen die angeführten Statistiken als Beweismittel offengelegt werden. Die "Gefahrenabwehr" ist ein Grundanspruch der Bevölkerung. Das Recht auf körperliche Unversehrtheit ist im Grundgeset verankert. Mit diesem Gesetzentwurf würde dieses Grundrecht hinsichtlich einer geringen und unbewiesenen Gefahr gewahrt, andererseits durch die Schutzverweigerung vor einer tatsächlichen Gefahr verletzt.

Das ist so, als ob eine Sicherung an einer Brücke mit 9 Meter Abgrund und einem Verletzungsrisiko von 30% Plicht wäre, eine Sicherung an einer Brücke mit 90 Meter Abgrund und 30% Todesrisiko aber nicht, mit der Argumentation, dass es mehr Brücken mit diesem Abgrund gäbe und deshalb weniger Menschen dort hinunter springen.

Dieser Gesetzentwurf entlarft sich selbst. Natürlich würde es wieder einige Gerichtsprozesse erfordern, aber einfacher als dieser Entwurf, wäre kein anderer zu knacken.

von Keller - am 05.08.2002 14:15
Hallo Walter,
bitte sende mir die Stellungnahme des BLV zu. Danke

von Hartmut Preuß - am 05.08.2002 14:54
Hallo Hartmut,
weder der BLV noch der ADRK wurden zu Stellungnahmen aufgefordert. Deshalb kann ich dir auch keine zukommen lassen. Mir wäre es auch viel lieber gewesen, ich bzw. der BLV hätten von dieser Maßnahme bzgl. des neuen Entwurfes eher Kenntnis gehabt, um mit einer Stellungnahme reagieren zu können.
Leider wurde ganz offensichtlich nur der Personenkreis gehört, der an der Durchsetzung des Entwurfes vermutlich ein sehr persönliches Interesse (erhebliche Einnahmen aus den zu erwartenden Unbedenklichkeitsgutachten) hat. Eine Befangenheit dieser Personen kann zwar mit größter Wahrscheinlichkeit unterstellt werden, kann aber sicher nicht nachgewiesen werden.
Für die Betroffenen bleibt wahrscheinlich, so leid mir das tut, nur der Rechtsweg, um dagegen vorzugehen.
Servus Walter

von Walter Schmidt - am 05.08.2002 17:40
Hallo Hartmut,
solltest Du Interesse an der Antwort des VDH haben, die kann ich Dir per Fax schicken, ebenso die Liste derer, die zum "Favoriten-Kreis" gehören, denen der Entwurf zugeschickt, und die um ihre Meinung dazu befragt wurden.
Wie die Mitteilungen im Hundejo zeigen, liegt Herr Dr. Beckstein völlig verkehrt, wenn er und sein "ministerieller Ratgeber FB" meinen, dass die Deutsche Bevölkerung mit der Mimik des Deutschen Schäferhundes vertraut ist.
Wieder einmal haben es Mitbürger, dieses unseres Landes nicht geschafft, rechtzeitig zu lesen, zu deuten, zu analysieren und entsprechned zu handeln.
Strafe muss sein, deshalb ausser den bissen, nachsitzen und Kommissar REX
anschauen, um künftig besser gewappnet zu sein.
Zynismus ist z.Zt. angesagt, so traurig es ist.
Also, wenn du etwas benötigst, melde dich.
Hansjörg H. Teichmann
(Jockel)

von Hansjörg H. Teichmann - am 06.08.2002 13:52
Hallo Hartmut,
mein Eintrag im www.maulkorbzwang.de ist doch vorhanden.
Du kannst also unter dem Datum 27.07. den gesamten Briefwechsel von Herrn Wiblishauser vom VDH und Vertretern der Bayerischen Staatsregierung lesen,sowie die Liste der "Privilegierten". Die Betroffenen wie ich haben einen
Wink bekommen und konnten dann erst nachhaken.
Ich glaube die Herren Minister und der Herr Ministerpräsident sind dankbar für jede Äusserung per E-Mail!!!!
Hansjörg H. Teichmann

von Hansjörg H. Teichmann - am 06.08.2002 14:00
Hallo Hansjörg,
danke für Dein Angebot, mir liegen alle Stellungnahmen vor. Es fehlte nach meiner Meinung nur die des BLV. Hat sich durch die Info von Walter erledigt, nachdem der BLV bisher keine Stellung dazu bezogen hat. Danke.

von Hartmut Preuß - am 07.08.2002 13:38
Hallo Hartmut,
Hartmut Preuß schrieb:

Zitat

Hallo Hansjörg,
danke für Dein Angebot, mir liegen alle Stellungnahmen vor.
Es fehlte nach meiner Meinung nur die des BLV. Hat sich durch
die Info von Walter erledigt, nachdem der BLV bisher keine
Stellung dazu bezogen hat. Danke.


Meiner Meinung nach fehlten da einige Stellungnahmen mehr, aber genauso wie der BLV, wurden auch die anderen nicht um eine Stellungnahme gebeten . Es bringt weder dem Rottweiler noch irgend einer anderen Rasse etwas, diesen Nichtgefragten unterschwellig Vorwürfe zu machen, dass sie nicht Stellung bezogen haben.
Konstruktiver wäre es sicher, wenn gerade die Betroffenen durch Leute, die im Vorfeld von einer solchen Maßnahme Kenntnis haben, rechtzeitig informiert würden, um dann auch rechtzeitig reagieren zu können.
Servus Walter

von Walter Schmidt - am 08.08.2002 08:47
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