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Urteil: Sonderzahlung für Gewerkschaftmitglieder rechtmäßig

Startbeitrag von JoCool am 28.02.2009 18:39

Link: Onlineausgabe Die Welt

Ich denke, das beschriebene Urteil gibt auch der GDF neuen Gestaltungsspielraum.

Antworten:

Sonderzahlungen für Gewerkschaftsmitglieder sind eine feine Sache, würde mir auch gut in den Kram passen. Man muss nur folgende Aspekte bedenken:

1. Der Arbeitgeber weiß dann, wer Mitglied in der Gewerkschaft ist. Ist mir persönlich egal, andere sehen das sicher anders. Muss man vorher kommunizieren, ob die Mitglieder das wollen.

2. Durch die Sonderzahlung wird die Mitgliedschaft attraktiver, es gibt viele Schmarotzer, die zu geizig sind, die 50 Euro monatlich abzudrücken, die aber gerne die Gehaltserhöhung mitnehmen (oder sogar noch jammern, es wäre zu wenig gewesen). Der Organisationsgrad würde in die Höhe schnellen. Da das dem Arbeitgeber eher unangenehm ist, wird er sich gegen solche Sonderzahlungen eher sträuben als gegen eine Erhöhung für alle, und es wäre wahrscheinlich einfacher, für alle noch ein paar Zehntel Gehaltserhöhung mehr rauszuholen als eine Sonderzahlung für eine einzelne Gruppe.

3. Diese Sonderzahlung spaltet die Belegschaft. Der AG weiß offiziell nicht, wer in Mitglied ist, und ich hoffen stark, dass sich auch Nichtmitglieder an einem Streik beteiligen. Sie bekommen zwar kein Streikgeld, sind aber aber ansonsten auf der sicheren Seite. Warum aber sollten die Nichtmitglieder sich an einem Streik beteiligen, von dem sie nichts haben?


Ich finde es sehr wichtig, dass die Gewerkschaftsmitglieder möglichst viele Vergünstigungen aus ihrer Mitgliedschaft ziehen. Sei es über ein attraktives Mitflugprogramm, über günstige Kfz-Angebote, über besondere Versicherungstarife etc. Da kann man die Nichtmitglieder am ehesten packen, denn Geiz ist geil, auch bei einem 9er-Lotsen


von alter Schwede - am 28.02.2009 20:47
Sag mal alter Schwede, bist Du vielleicht mal auf die Idee gekommen, dass es Kollegen gibt, die mit Ihrem Gehalt zufrieden sind? Die genau deshalb nicht in der GdF Mitglied sind, weil sie eben nicht mehr Gehalt von Ihrem Arbeitgeber verlangen wollen? Klar bekommen diese Kollegen auch ihre Gehaltssteigerungen, aber was sollen sie dagegen tun? Nicht die GdF, sondern die DFS zahlt mir mein Gehalt. Sich ob derartiger Kurzsichtigkeit als Schmarotzer beschimpfen lassen zu müssen, ist unfair. Da sollten sich mal lieber die Kinderlosen an der Nase packen, was sie sich im Leben alles zusammen schmarotzen. Dieser Ungerechtigkeit könnte die GdF zudem Rechnung tragen, in dem sie ihre Beiträge nach Anzahl der Kinder staffelt. Ich würde mit einem geminderten Beitrag von vier Kindern zwar immer noch nicht eintreten, aber die GdF würde wenigstens ein bisschen Weitblick erkennen lassen.

von fast rentner - am 01.03.2009 09:27
Mit dieser Argumentation wird nur wieder das Klischee bedient, dass Kinderlosigkeit gleichzusetzen ist mit Egoismus, Kinderfeindlichkeit, Karrierefixierung und Schmarotzertum.

Dann sollten wohl auch Alleinerziehende, Geschiedene mit 5 Exfrauen weniger zahlen, Doppelverdiener mehr.......


von Single - am 01.03.2009 09:46
Zitat
fast rentner
Sag mal alter Schwede, bist Du vielleicht mal auf die Idee gekommen, dass es Kollegen gibt, die mit Ihrem Gehalt zufrieden sind? Die genau deshalb nicht in der GdF Mitglied sind, weil sie eben nicht mehr Gehalt von Ihrem Arbeitgeber verlangen wollen?


Hi,

deine Denkweise setzt voraus, dass alle Mitglieder aus der Gewerkschaft austreten könnten und wir unser jetziges Gehalt dennoch weiter bekämen. Ich schwöre dir, es würde keine 12 Monate dauern, und die Firma hätte ganz "großartige" Ideen für eine neue Gehaltsstruktur.

Ernstgemeinten Respekt wegen deiner 4 Kinder, aber das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Wir müssen gut organisiert sein, wenn wir nicht vereiert werden wollen!

Grüße

von Moment - am 01.03.2009 10:29
Ja "Moment", meine Denkweise setzt tasächlich voraus, dass alle Mitglieder aus der GdF austreten könnten. Und ja, die DFS würde dann mit Sicherheit weniger bezahlen. Meine Denkweise beinhaltet aber auch, dass ich mit weniger Gehalt auch zufrieden wäre. Denn wenn ich die DFS verlassen würde, würde ich draußen einiges weniger bekommen als hier. Dafür bin ich aber nicht der GdF dankbar, sondern der DFS, weil sie mir mein Gehalt überweist.

Deshalb kann ich eine GdF, die immer mehr verlangt, nicht unterstützen. Und unter Marktwert kann die DFS auch nicht bezahlen, denn dann liefen ihr die Leute weg. Wenn die DFS also das Gehalt maximal bis zum Marktwert reduzieren kann, und ich mit diesem Gehalt noch zufrieden bin, wieso sollte ich dann Mitglied sein? Es gibt noch andere Interessen als mehr Geld, und diese sehe ich von der GdF nicht vertreten.

Und zu "Single": In Deinem Satz kann man das Wort "Kinderlosigkeit" ersetzen durch "Nicht-GdF-Mitglied" - es klingt genauso absurd. Dass Kinderlose jedoch einen weitaus größeren monetären Vorteil mitnehmen, als Nicht-GdF-Mitglieder, wird Dir jeder Volkswirt vorrechnen und bestätigen können.

Das ist meine persönliche Meinung und ist nicht repräsentativ. Allerdings werden, gerade in Krisenzeiten wie jetzt, solche Stimmen immer lauter.

von fast rentner - am 01.03.2009 11:28
Definiere doch mal bitte "draußen"

von hossa - am 01.03.2009 12:04
Zu Deiner letzten Frage: JA!

von Rasenmähermann - am 01.03.2009 12:29
Zitat
fast rentner
Meine Denkweise beinhaltet aber auch, dass ich mit weniger Gehalt auch zufrieden wäre.

kannst ja den durch die vergangenen verhandlungen dazugekommenen anteil an die gdf spenden oder ein patenkind unterstützen oder aber der lieben dfs zurücküberweisen... ;)

Zitat
fast rentner
Denn wenn ich die DFS verlassen würde, würde ich draußen einiges weniger bekommen als hier. Dafür bin ich aber nicht der GdF dankbar, sondern der DFS, weil sie mir mein Gehalt überweist.
...Marktwert...

wir stehen mit unseren gehaltsvorstellungen alles andere als an der spitze in europa, würd sogar tendenziell mittelfeld sagen.
nicht falsch verstehen, ich bin sehr zufrieden mit meinem gehalt, aber deine argumente ziehen für mich überhaupt nicht. die gebühren für unsere kunden können auch nciht so exorbitant groß sein, ich fliege für 10euronen von köln nach hamburg...
und, wenn es, wie du schon ansprichst, in krisenzeiten um deinen arbeitsplatz geht, wer streikt dann für dich, wenn es keine gdf-mitglieder mehr gibt????? oder sind dir dann gehalteinbussen von 100% auch recht, wenn es dfs dann gut geht???
kann sowas einfach nicht verstehen.....
schönen sonnigen sonntag

von Türmsche - am 01.03.2009 13:09
Zitat

Die genau deshalb nicht in der GdF Mitglied sind, weil sie eben nicht mehr Gehalt von Ihrem Arbeitgeber verlangen wollen? Klar bekommen diese Kollegen auch ihre Gehaltssteigerungen, aber was sollen sie dagegen tun?

Auf diesen Gedanken bin ich noch nicht gekommen. Ich kenne auch keinen Kollegen, der dies so sieht.
Aber das ist ja dann Klasse, denn diese paar Leute würden ja bei einer Sonderzahlung für Gewerkschaftsmitglieder nichts bekommen. ist doch prima!


von alter Schwede - am 01.03.2009 13:55
Deiner Aussage stimme ich zu 100% zu. Sonderzahlungen für GdF-Mitglieder halte auch ich für gerecht. Dann zieht aber das Argument, dass sich Nicht-Mitglieder den Beitrag sparen und nur schmarotzen, auch nicht mehr.

von fast rentner - am 02.03.2009 13:41
das kann aber auch anders ausgehen ....
die Nicht-Gewerkschaftler bekommen vom Arbeitgeber etwas mehr, als die Organisierten :-)
sozusagen eine negative Sonderzahlung

von high noon - am 02.03.2009 15:12
@ fast Rentner:
Was für unfassbare "Argumente"! Die Umverteilung von Geldern, die dir demnach "zu Unrecht" zugeflossen sind ist, wie in Postings oben bereits angemerkt, problemlos möglich. Selbst du kannst nicht bestreiten, dass es Institutionen gibt, die wesentlich eher auf Geld angewiesen sind, als die DFS. Also, wie viel spendest du karitativen Einrichtungen monatlich?
Außerdem interessiert mich, 1. wie viel weniger deiner Meinung nach ein "angemessenes Gehalt" für Singles ist und 2. wie viel mehr denn der Vater von vier Kindern bekommen sollte, und 3. was ist, wenn die Mutter der vier Kinder auch noch arbeitet, und 4., ob Eltern behinderter Kinder mehr bekommen sollen, und 5. Eltern hochbegabter weniger? Wie zählen Haustiere? Soll das alles für Vorstände auch gelten?

Selbst wenn der Grundgedanke einer Gehaltsanpassung nach Kinderzahl in Ordnung wäre (was er nicht ist, denn das Gehalt kann sich nur an der Produktivität orientieren, die restliche Gestaltung ist Sache des Staates), wie willst du mit ungewollt kinderlosen Menschen umgehen? Wer ein "Unfruchtbarkeitsgutachten" zusammen mit der der Erklärung er habe ansonsten 12 Kinder, vorlegt bekommt dann mehr? Oder willst du diese Leute dafür ungleich behandeln, dass sie ein gesundheitliches Problem haben?

Es hilft, die ein oder andere These erst einmal etwas weiter zu denken (optimalerweise bis zu Ende)- nicht nur in der Politik, sondern auch hier.



von der Vorletze - am 02.03.2009 15:23

kann nicht nur, findet tatsächlich schon statt!
Einige haben es nur noch nicht begriffen.

Warum? Tarif definiert eben nur die Mindestbedingungen.

Niemand hindert den AG auch mehr zu geben.

Viel Spass weiterhin!

von ??? - am 02.03.2009 15:28
Zitat

das kann aber auch anders ausgehen ....
die Nicht-Gewerkschaftler bekommen vom Arbeitgeber etwas mehr, als die Organisierten

Jeder ist herzlich eingeladen, bei seinem Niederlassungsleiter einen Termin zu vereinbaren und eine außertariflichen Arbeitsvertrag abzuschließen. Ist alles Verhandlungssache.

Ich allerdings bin froh, dass für mich das Verhandeln meine Gewerkschaft übernimmt. Auch wenn einige Kleingärtner das anders sehen, so fühle ich mich dort sehr gut aufgehoben, und meine Beiträge haben sich schon zigfach rentiert.
Zugegeben, es läuft nicht alles rund. Aber wo tut es das schon. Und was wäre die bessere Alternative?

von alter Schwede - am 02.03.2009 23:16
Zitat
der Vorletze
Selbst wenn der Grundgedanke einer Gehaltsanpassung nach Kinderzahl in Ordnung wäre (was er nicht ist, denn das Gehalt kann sich nur an der Produktivität orientieren, die restliche Gestaltung ist Sache des Staates), wie willst du mit ungewollt kinderlosen Menschen umgehen? Wer ein "Unfruchtbarkeitsgutachten" zusammen mit der der Erklärung er habe ansonsten 12 Kinder, vorlegt bekommt dann mehr? Oder willst du diese Leute dafür ungleich behandeln, dass sie ein gesundheitliches Problem haben?


Im öffentlichen Dienst ist die Anzahl der Kinder sehr wohl gehaltsrelevant; nennt sich Ortszuschlag. Gibt es schon seit Jahrzehnten.
Bei deiner Auffassung wundert es mich jetzt allerdings, dass bisher noch niemand vor das Verfassungsgericht gezogen ist.

von ex-beamter - am 03.03.2009 04:38
Ein 9er Lotse, der nur 50 ¤ zahlt, bleibt der GdF wohl einiges schuldig.

von uzzi - am 03.03.2009 09:25
Zitat

Ein 9er Lotse, der nur 50 ¤ zahlt, bleibt der GdF wohl einiges schuldig.


Ein 9er Lotse, der wesentlich mehr als 50 Euro zahlt, zahlt zuviel Steuern.
(Die 50 Euro sind nur geschätzt. Was tatsächlich an Steuerersparnis rauskommt ist mir aber auch ziemlich egal, ich leiste mir nicht nur eine Gewerkschaft, sondern auch einen Steuerberater. Es macht aber auf jeden Fall Sinn, den Beitrag NACH Steuern zu betrachten).

von alter Schwede - am 03.03.2009 10:00
@ ex: wie ich schon schrieb, ist das Sache des Staates. Beamte werden nicht bezahlt, sondern alimentiert:

Die Beamten sind keine Arbeitnehmer und erhalten kein Entgelt für geleistete Arbeit. So gründet sich die Tätigkeit des Beamten nicht auf einen Arbeitsvertrag, sondern auf einen Verwaltungsakt, die sog. „Ernennung“. Die Alimentation begründet sich aus dem Treueverhältnis des Beamten gegenüber dem Staat und soll ihm die angemessene Amtsführung ohne wirtschaftliche Schwierigkeiten ermöglichen, die sein Amt erfordert. Der dabei erforderliche Lebensunterhalt des Beamten und seiner Familie soll dabei auf das Amt bezogen und angemessen sein.
quelle: [de.wikipedia.org]

Alles klar?

von der vorletzte - am 03.03.2009 10:01
@ quatschkopp äähhh.. vorletzter:

guckst Du hier:

[de.wikipedia.org]

Ortszuschlag gibt es also nicht nur für Beamte sondern auch für Angestellte :read:

von !!! - am 05.03.2009 00:03
@ !!!: Wie war das noch mit dem Benehmen hier im Forum? Ach ja, immer schön persönlich bleiben. Schön, dass du dich dran hältst.

Wer ist eigentlich der Arbeitgeber der von dir angeführten Bundesangestellten? Doch nicht etwa der Staat?

Über einen Ortszuschlag habe ich nicht explizit geschrieben. Aber auch hier gilt: selbst wenn eine Firma solche Zulagen gewähren sollte, wird das grundsätzlich von der Produktivität am jeweiligen Standort abhängen- sonst macht es keinen Sinn für den AG.

Ich habe versucht, einen betriebswirtschaftlichen Zusammenhang zur erklären. Stell dir vor, du kommst mit einem kleinen Betrieb (zwei Angestellte) so gerade über die Runden, und dann bekommen deine MA Kinder- und haben sogar ein Recht auf Elternzeit usw. . Wo ist der Zusammenhang, aus dem heraus du künftig mehr Gehalt zahlen solltest, während deine Stammcrew dir nicht zur Verfügung steht? Der Betrieb wäre platt, ohne dass du darauf Einfluss nehmen könntest. Auf die Wahl deines Standortes hast du aber Einfluss. Es ist also Teil deines Geschäftsmodells, ob du an einem teuren Standort mehr oder an einem billigen weniger hohe Gehälter zahlen musst, um die richtigen Leute zu bekommen.

Wo bleibst du als der Inhaber dieses Unternehmens, wenn du Kinder bekommst? Kannst du dir dann mehr auszahlen? Natürlich nicht: der Staat hat für eine (Steuer-)Struktur zu sorgen, in der alle zurecht kommen. Auch du hast dann mehr netto als vorher- bei unverändertem Bruttoeinkommen. Elternzeit, Muttterschutz- sinnvollerweise alles gesetzlich geregelt. Oder sollte das auch Teil eines Tarifwerkes sein?

Meine Kernaussage: ich bin absolut dagegen, solche Aspekte zum Gegenstand von Tarifforderungen zu machen, weil ich der Meinung bin, dass man sich mit solchen Forderungen lächerlich macht. Weitere Argumente hierzu habe ich oben angeführt.

Die Regelung sozialer Aspekte ist in diesem Zusammenhang grundsätzlich Sache des Staates, nicht des Arbeitgebers.



von der Vorletzte - am 05.03.2009 07:06
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