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Streik beim MDR in Leipzig

Startbeitrag von JürgenG am 04.09.2017 17:46

Bericht der Sächsichen Zeitung

Ich habe mich schon gewundert, dass die Nachrichtensendungen ausfallen.

Antworten:

Den Streik find ich richtig. Der Rundfunkbeitrag ist überall gleich, also sollten auch die Bedingungen für die Mitarbeiter gleich sein. Anscheinend wird selbst da noch ein Unterschied zw. Ost/West gemacht, ich fasse es nicht.

von Jens1978 - am 04.09.2017 20:44
Da sind wir mal einer Meinung ;)
Hoffentlich auch noch dann, wenn es dann um die dafür nötigen Beitragsgelder geht ...

von DH0GHU - am 05.09.2017 06:13
Der Streik geht wohl heute weiter.... Bei MDR um 4 war alles aufgezeichnet und jetzt um 17.45 Uhr kommen keine Narichten. Streiken die nur in Leipzig oder auch in den Regionalstudios der MDR
3 Länder?

von DABM - am 05.09.2017 15:52
Gestern 19.00 Uhr liefen die normalen Regionalsendungen aus Erfurt, Magdeburg und Dresden jedenfalls. Wird wohl heute auch so sein.

von mittendrin - am 05.09.2017 16:26
@ Jens1978

Zitat

Anscheinend wird selbst da noch ein Unterschied zw. Ost/West gemacht, ich fasse es nicht.


Laut dem Artikel wohl eher ein Unterschied zwischen dem MDR und den anderen ARD-Anstalten:
"Leifer betonte, der MDR sei die einzige Rundfunkanstalt innerhalb der ARD, die keinen solchen Zuschlag zahle."
( https://www.sz-online.de/sachsen/streik-in-der-mdr-zentrale-3765657.html )


Sollten diese Forderungen als Grund für eine Beitragserhöhung herhalten, dann werden sich die Öffentlich-Rechtlichen bei jenen Beitragszahlern, für die solche Begriffe wie z.B. "Weihnachtsgeld", "Urlaubsgeld", "Tariflohn" und "Familienzuschlag" Fremdwörter sind - und das dürften gerade im MDR-Gebiet nicht wenige sein, sehr beliebt machen.

von Kay B - am 05.09.2017 17:40
Zitat
Kay B
@ Jens1978

Zitat

Anscheinend wird selbst da noch ein Unterschied zw. Ost/West gemacht, ich fasse es nicht.


Laut dem Artikel wohl eher ein Unterschied zwischen dem MDR und den anderen ARD-Anstalten:
"Leifer betonte, der MDR sei die einzige Rundfunkanstalt innerhalb der ARD, die keinen solchen Zuschlag zahle."
( https://www.sz-online.de/sachsen/streik-in-der-mdr-zentrale-3765657.html )


Sollten diese Forderungen als Grund für eine Beitragserhöhung herhalten, dann werden sich die Öffentlich-Rechtlichen bei jenen Beitragszahlern, für die solche Begriffe wie z.B. "Weihnachtsgeld", "Urlaubsgeld", "Tariflohn" und "Familienzuschlag" Fremdwörter sind - und das dürften gerade im MDR-Gebiet nicht wenige sein, sehr beliebt machen.


Man orientiert sich also immer nach unten? Dann sind wir ganz schnell bei Mindestlohn, aus Respekt vor den Geringverdienern. Und warum eigentlich eine Gebührenerhöhung AUFGRUND eines Zuschlages beim MDR? Das ist doch absurd.

von Japhi - am 05.09.2017 17:45
@ Japhi

Zitat

Man orientiert sich also immer nach unten? Dann sind wir ganz schnell bei Mindestlohn, aus Respekt vor den Geringverdienern.


Bloß nicht! Man sollte aber zuerst da ansetzen, wo es wirklich pressiert. Eben bei den Geringverdienern und jenen, die für Mindestlöhne ohne irgendwelche Zuschläge, Weihnachts- oder Urlaubsgelder arbeiten.


Zitat

Und warum eigentlich eine Gebührenerhöhung AUFGRUND eines Zuschlages beim MDR? Das ist doch absurd.


Klar ist das absurd. Es könnte aber sein, daß man die Einführung von Familienzuschlägen als Grund für die nächste Beitragserhöhung mit vorschiebt. Jedes Argument wird da recht sein.

Das dürfte bei Geringverdienern Frust schüren.

von Kay B - am 05.09.2017 18:01
Kay, ich hab das schon gelesen. Nur, der mdr ist nunmal die einzige reine "Ost"-anstalt, der rbb hat noch SFB Bestandsschutzanteile mit drinnen. Aus diesem Grund habe ich das bewusst so geschrieben.

Zitat
Japhi
Man orientiert sich also immer nach unten? Dann sind wir ganz schnell bei Mindestlohn, aus Respekt vor den Geringverdienern. Und warum eigentlich eine Gebührenerhöhung AUFGRUND eines Zuschlages beim MDR? Das ist doch absurd.

:spos: Eben, die anderen Anstalten bekommen es ja auch hin. Und generell muss man wirklich mal die Frage stellen, was tatsächlich mit dem Geld passiert, denn man sieht ja an dem Beispiel sehr schön, dass da irgendwas nicht ganz stimmig ist. Das Geld versickert einfach.

Zitat
Kay B
Bloß nicht! Man sollte aber zuerst da ansetzen, wo es wirklich pressiert. Eben bei den Geringverdienern und jenen, die für Mindestlöhne ohne irgendwelche Zuschläge, Weihnachts- oder Urlaubsgelder arbeiten.

Wieso "Bloß nicht!"? Immer dieses gegeneinander ausspielen, das kann es nicht sein! Man muss da ansetzen wo es eben gerade nicht richtig umgesetzt wird. Und das ist jetzt hier beim mdr. Punkt. Die anderen können doch auch was gegen ihre Situation machen und sollten es auch.
Übrigens, zu dem Punkt zuerst "unten" ansetzen: Nur wenn der Druck in dem Fall von oben stärker wird aufgrund besserer Bedingungen, werden auch Leute von "unten" ganz leicht nach "oben" abhauen und so einen Sog entwickeln, der genau dem entgegen wirkt, was du ansprichst. Daraus ergibt sich dann übrigens auch eine gewisse Logik: Dort ansetzen, wo man hin will und den Sog entwickeln will. Also wenn man das Niveau erhöhen will, muss man oben ansetzen; wenn es man es herabsetzen will, muss man unten ansetzen, damit die anderen von oben nachrutschen. Weswegen denkst du denn hat Gerd Schröder unten angefangen mit dem Hartz 4? (Hartz übrigens ein VW Vorstand gewesen, toll das so einer Gesetze für die SPD gemacht hat ... und mal wieder VW) Ganz einfach: Damit er den Fall von oben ermöglichen kann. Und genau das passiert doch auch seit Jahren. Erst waren nur die unteren Schichten betroffen aber nach und nach sind auch immer mehr mittlere und höhere Gruppen betroffen. Das hört nur dort auf, wo es auf die bestimmende Schicht trifft.

Was ich übrigens extrem befremdlich finde ich die Tatsache, dass beim mdr nicht mal im Videotext unter "mdr intern" oder auch auf der homepage etwas dazu steht. Das zeigt eigentlich, dass da anscheinend noch mehr nicht stimmt und alles unter der Decke gehalten wird.

von Jens1978 - am 05.09.2017 19:27
Zitat
Kay B
@ Japhi

Zitat

Man orientiert sich also immer nach unten? Dann sind wir ganz schnell bei Mindestlohn, aus Respekt vor den Geringverdienern.


Bloß nicht! Man sollte aber zuerst da ansetzen, wo es wirklich pressiert. Eben bei den Geringverdienern und jenen, die für Mindestlöhne ohne irgendwelche Zuschläge, Weihnachts- oder Urlaubsgelder arbeiten.

Deshalb sollte also "weiter oben" in den Gehaltsstufen nichts passieren? Damit ja auch niemand höhere Gehälter bei unteren Lohngruppen REFINANZIERT?
Überleg mal, was nötig ist, damit die beschissen bezahlten Beschäftigten gerade im Dienstleistungssektor mehr Geld bekommen können. Genau, es muß mehr Geld ins System. Das erreicht man NICHT, indem man Gehälter der Konsumenten niedrig hält.


Zitat

Es könnte aber sein, daß man die Einführung von Familienzuschlägen als Grund für die nächste Beitragserhöhung mit vorschiebt. Jedes Argument wird da recht sein.

Das dürfte bei Geringverdienern Frust schüren.

Den Frust schüren andere. Die, die versuchen, politisches Kapital daraus zu schlagen. Ich halte mich lieber an Fakten als an manipulierte Gefühle.

Ein Arbeitgeber kann höhere Ausgaben für Gehälter nur auf drei Wegen kompensieren:
- Einnahmen erhöhen
- Ausgaben an anderer Stelle senken (z.B. an der Programmqualität sparen)
- Personal reduzieren

Theoeretisch kann er auch den Gewinn reduzieren - wenn er denn einen gemacht hat. Oder das Problem durch Verschuldung vertagen.

Übrigens ist der Rundfunkbeitrag kaufkraftbereinigt sowieso seit vielen Jahren am Sinken. Wenn ich nur die Zeit seit Euroeinführung nehme (1.1.2002), so sind seither Verbraucherpreise um ca. 21% gestiegen, die Gebühren um gut 15%. Die Gehälter sind im gleichen Zeitraum noch deutlich stärker gestiegen: Brutto um 28,5%, Netto um mehr als 25%.

Quellen:
http://www.sozialpolitik-aktuell.de/tl_files/sozialpolitik-aktuell/_Politikfelder/Einkommen-Armut/Datensammlung/PDF-Dateien/tabIII1.pdf

https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Preise/Verbraucherpreise/VerbraucherpreisindexLangeReihenPDF_5611103.pdf?__blob=publicationFile

http://www.ard.de/home/die-ard/fakten/ard-mediendaten/Rundfunkgebuehren/409280/index.html

von DH0GHU - am 05.09.2017 21:42
Der Streik geht weiter. Seit 8 Uhr gibt es B5 Aktuell im Radio. Der Sprecher von MDR aktuell (Radio) sagte kurz vor 8 Uhr das heute in Leipzig erneut Gespräche mit der Geschäftsführung stattfindet. Solange keine einnigung zustande kommt wird im Radio B5 Aktuell übertragen.

Grade sagte die sprecherin bei B5 Aktuell " Wegen eines Streikes sind auch die Hörer von MDR Aktuell dazugeschaltet" Wetter und Verker sind zur Zeit nur für Bayern. Und es kommt Werbung bei B5.

von DABM - am 06.09.2017 06:13
Zitat
DH0GHU
Den Frust schüren andere. Die, die versuchen, politisches Kapital daraus zu schlagen. Ich halte mich lieber an Fakten als an manipulierte Gefühle.

Das macht macht man doch in den neuen Bundesländern und auch in Ost/Mitteleuropa schon seit deren Revolutionen so. Es wurden quasi Sonderwirtschaftszonen ausgerufen wo man Löhne drücken kann, natürlich "nur" weil man ja sonst die bestehende Wirtschaft kaputt macht.
Da wäre es nach fast 30 Jahren einmal an der Zeit nachzufragen. Grundsätzlich war die Wirtschaft dort kaputt, die Betriebe die in die Marktwirtschaft überführt wurden und nennenswerte Beschäftigungen beibehielten doch sehr überschaubar. Im Gegenteil: Vieles von dem werkelte einfach krank weiter und wird jetzt für Drückerein hochgehalten. Kurzum, es drängt sich der Eindruck auf daß der Osten die billige Werkbank für den Westen sein sollte. Die Entwicklung, man leistet ja das Gleiche (!!!) an das zustehende Lohnniveau wird gedrückt. Und wenn jetzt bei hr1 gerade gemeldet wird daß die Wirtschaftsleitung um 27% im Osten geringer wei als im Westen, so ist ein ganz großer Teil sicherlich darauf zurückzuführen daß dort durch geringere Verdienste eben weniger Geld im Spiel ist. Wie wir wissen ist Geld und Wert etwas fiktives, nicht erst seit der Geldpolitik der EZB.
Somit habe ich, übrigens ver.di-Mitglied keinerlei Verständnis für das Geheule. Wer was ändern möchte: Das wäre ein Ansatz dazu.

von Thomas (Metal) - am 06.09.2017 07:04
:spos: @Thomas (Metal)
Weil man als betroffener Konsument nur spärlich Informationen erhält, musste ich sogar aufs "Neue Deutschland" zurückgreifen:gruebel:, aber hier findet sich noch am meisten:
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1062884.streiks-beim-mdr-weiten-sich-aus.html
Außerdem zur weiteren Erhellung der Situation noch ein Programmhinweis:
Heute abend, 06.09.2017, 20.15 Uhr: MDR "exakt-So leben wir!". Immer sehr informativ.
http://www.mdr.de/investigativ/pendeln-lohnt-sich-100.html

von mittendrin - am 06.09.2017 08:23
Gerade verglichen: Bei MDR Aktuell läuft in der Tat nach wie vor (10:40) B5 aktuell. Ich bin mal gespannt, wann es die ersten empörten Anrufe beim MDR gibt, dass sie Regionalmeldungen aus Bayern zu hören bekommen.

von rolling_stone - am 06.09.2017 08:40
Zitat
rolling_stone
Gerade verglichen: Bei MDR Aktuell läuft in der Tat nach wie vor (10:40) B5 aktuell. Ich bin mal gespannt, wann es die ersten empörten Anrufe beim MDR gibt, dass sie Regionalmeldungen aus Bayern zu hören bekommen.
Ach was. Das ist dann wieder wie damals als man seine Antennen in den Westen ausgerichtet oder Mittelwelle gehört hat.

von pomnitz26 - am 06.09.2017 08:47
Stimmt. Mitteldeutschland ist zum Glück nicht Norddeutschland. Da wird in meinem dortigen Verwandtenkreis öfter über etwas gelästert oder auch geschimpft, nur weil es "aus Bayern" kommt :joke:

von rolling_stone - am 06.09.2017 08:54
Auf der MDR Schlagerwelt gibt es zumindest in Sachsen Nachrichten. Dort hieß es, neben MDR aktuell sei auch das Programm von MDR Thüringen betroffen.
(Und jetzt, 11:15 Uhr, werden die Hörer auf MDR AKTUELL von den bayerischen Kollegen begrüßt und darüber aufgeklärt, dass die Aufschaltung von B5 auf MDR AKTUELL mit einem Streik zusammenhängt. Immerhin.)

von rolling_stone - am 06.09.2017 09:01
MDR Thüringen:
"Dieses Programm wird bestreikt!" hörte ich gerade, "...aber nicht von den Hörern" dachte ich sofort.
Zur Zeit nur die gute Musikmischung, meine Wahl Nr.1 im Radio.
In den Nachrichten war dann auch mal was zur Sachlage.

von mittendrin - am 06.09.2017 09:45
12:29 - MDR Aktuell ist zurück ;)

von Cha - am 06.09.2017 10:29
Zitat
Thomas (Metal)
Zitat
DH0GHU
Den Frust schüren andere. Die, die versuchen, politisches Kapital daraus zu schlagen. Ich halte mich lieber an Fakten als an manipulierte Gefühle.

Das macht macht man doch in den neuen Bundesländern und auch in Ost/Mitteleuropa schon seit deren Revolutionen so. Es wurden quasi Sonderwirtschaftszonen ausgerufen wo man Löhne drücken kann, natürlich "nur" weil man ja sonst die bestehende Wirtschaft kaputt macht.
Da wäre es nach fast 30 Jahren einmal an der Zeit nachzufragen.

Da bin ich ganz d'accord mit Dir. Wobei es auch Unterschiede in der Preisstruktur gibt - ein Haus kostet auf dem Gebrauchthäusermarkt im Osten mitunter nur 10% dessen, was es hier bei gleicher Qualität und vergleichbarer Wohnlage kosten würde, Mieten sind niedriger, etc. Die extrem großen Gehaltsunterschiede in der Industrie rechtfertigt das aber nicht - zumal untere Einkommensschichten auch nix von günstig kaufbaren Häusern haben, weil das Einkommen nichtmal dafür reicht.

Und: Diese Arbeitgeber profitieren momentan noch von den Leuten, die nicht willens sind, in den "Westen" zu ziehen. Aber so langsam wirds auch für sie schwierig, gute Leute zu bekommen und zu halten.


Zitat

Somit habe ich, übrigens ver.di-Mitglied keinerlei Verständnis für das Geheule. Wer was ändern möchte: Das wäre ein Ansatz dazu.

Absolut!
"Die bösen Arbeitgeber" "Ich armer Angestellter". Ja genau. Einzelkämpfer setzen nunmal keine Standards durch. Vieles, was wir heute bemängeln, ist auch im geringen Organisationsgrad der Arbeitnehmerschaft bedingt

von DH0GHU - am 06.09.2017 10:53
@Thomas(Metal): Einfach :spos:

Zitat
DH0GHU
Da bin ich ganz d'accord mit Dir. Wobei es auch Unterschiede in der Preisstruktur gibt - ein Haus kostet auf dem Gebrauchthäusermarkt im Osten mitunter nur 10% dessen, was es hier bei gleicher Qualität und vergleichbarer Wohnlage kosten würde, Mieten sind niedriger, etc. Die extrem großen Gehaltsunterschiede in der Industrie rechtfertigt das aber nicht - zumal untere Einkommensschichten auch nix von günstig kaufbaren Häusern haben, weil das Einkommen nichtmal dafür reicht.

Und: Diese Arbeitgeber profitieren momentan noch von den Leuten, die nicht willens sind, in den "Westen" zu ziehen. Aber so langsam wirds auch für sie schwierig, gute Leute zu bekommen und zu halten.

Das mit den Mieten und Lebenshaltungskosten ... ich kann es nicht mehr hören. Hier im Norden sind die Mieten auch niedriger. Niedriger als in Jena oder Leipzig, Dresden usw. Und was ist mit OWL z.B.? Ist das Ostdeutschland? Nein. Das passt alles und hinten und vorne nicht, wie du selbst richtigerweise feststellst. Und nur mal so zum Vergleich: In Deutschland werden in den Regionen mit den höchsten Mieten, den meisten Feiertagen die höchsten Löhne gezahlt und sind die Arbeitslosenzahlen am geringsten (BY, BW, HH). Nach der Logik der ganzen Arbeitgeber müsste der Osten blühen und Hamburg und Bayern müssten am Hungertuch nagen ... daran sieht man das absurde Verhalten und die "irre" Argumentation. Nichts zahlen aber alles haben wollen. Ich nenne sowas: Assozial. Solche Arbeitgeber stehen bei mir auf der selben Stufe wie Sozialbetrüger.

Zitat
DH0GHU
Vieles, was wir heute bemängeln, ist auch im geringen Organisationsgrad der Arbeitnehmerschaft bedingt

Aber eben nicht nur. Das ganze ist, leider aber war, systembedingt. Mal eine einfache Frage: Was ist Gewinn und warum gibt es ihn? Im Kapitalismus und in der Marktwirtschaft mit einem funktionierenden Markt wird normalerweise nur gehandelt zwischen gleichwertigen Gegenständen und Dienstleistungen, da entsteht kein Gewinn. Ein Gewinn entsteht nur durch die Ausbeutung eines anderen, das liegt am System. Man kann nur den Grad und die Höhe des Gewinns beeinflussen. Und das, genau so ist es, durch Gewerkschaften auf Seiten der Arbeitnehmer. Blöd nur, dass diese nicht verpflichtend für Arbeitgeber sind ... hmm, warum wohl.

von Jens1978 - am 06.09.2017 13:38
Das hat jetzt weniger mit dem MDR zu tun, aber es gibt schon Jobs, wo die Organisierungsmöglichkeiten ziemlich bescheiden sind, und man schneller weg vom Fenster ist als man "Betriebsrat" sagen kann, und der nächste, der sich genauso oder noch mehr ausbeuten lässt (notfalls Ausländer), eh schon parat steht.

von Habakukk - am 06.09.2017 13:59
Zitat
Jens1978
Das mit den Mieten und Lebenshaltungskosten ... ich kann es nicht mehr hören. Hier im Norden sind die Mieten auch niedriger. Niedriger als in Jena oder Leipzig, Dresden usw. Und was ist mit OWL z.B.? Ist das Ostdeutschland? Nein. Das passt alles und hinten und vorne nicht, wie du selbst richtigerweise feststellst. Und nur mal so zum Vergleich: In Deutschland werden in den Regionen mit den höchsten Mieten, den meisten Feiertagen die höchsten Löhne gezahlt und sind die Arbeitslosenzahlen am geringsten (BY, BW, HH). Nach der Logik der ganzen Arbeitgeber müsste der Osten blühen und Hamburg und Bayern müssten am Hungertuch nagen ... daran sieht man das absurde Verhalten und die "irre" Argumentation. Nichts zahlen aber alles haben wollen. Ich nenne sowas: Assozial. Solche Arbeitgeber stehen bei mir auf der selben Stufe wie Sozialbetrüger.

Kein Widerspruch. Aber das Beispiel mit den Hauskosten erklärt vielleicht auch, warum das mit dem Lohndumping immer noch funktioniert. Ich könnte mir durchaus vorstellen, für WENIGER Geld den gleichen Job zu machen, wenn ich mir dann plötzlich ein großes Grundstück mit Haus leisten könnte... Das mache ich nur nicht, weil mir mein jetziger Job zu viel Spaß macht, die Gegend gewisse Vorteile hat, Freundeskreis, etc. Rein wirtschaftlich gesehen würde ich mit 2/3 des jetzigen Bruttos irgendwo im Osten oder Norden bsser dastehen als jetzt hier in Oberbayern.
Umgekehrt denkt wohl manch ein Lohndumpingopfer: "Ich habe hier wenigstens meine eigene Hütte, für deren Gegenwert bekomme ich in München nicht mal eine Garage für mein Auto"

Ansonsten: Ja, das ist systembedingt. Aber finde ein System, das effizienter funktioniert als Kapitalismus? Besser ist nur noch die abgeschwächte Form, die soziale Marktwirtschaft: Weil sie eben - ich sags mal krass - Naturgesetze und Sozialgedanken in Einklang zu bringen versucht und Nachhaltigkeit belohnen kann.
Sozialismus in Reinkultur funktioniert nunmal nicht: Der ist IMHO schlichtweg widernatürlich. Der Menschheit ist nicht geholfen, wenn keiner mehr Bock hat, sich zu verbessern ...

@Habakukk: Sicher. Solche Firmen versuche ich privat (als Kunde) übrigens zu meiden. Am Ende muss man sich fragen, ob zur Aufrechterhaltung gesellschaftlicher Strukturen nicht auch jeder, dem an diesen gelegen ist, durch Ächtung von jenen, die diese Strukturen mutwillig schädigen, einen Beitrag leisten muss...

So, das war jetzt genug OT ;)

von DH0GHU - am 06.09.2017 16:13
@ DH0GHU

Zitat

Deshalb sollte also "weiter oben" in den Gehaltsstufen nichts passieren? Damit ja auch niemand höhere Gehälter bei unteren Lohngruppen REFINANZIERT?


Es ist dennoch gegenüber vielen anderen Beschäftigten in den neuen Bundesländern und auch in anderen ländlichen Regionen Deutschlands ein Jammern auf höchstem Niveau.


Zitat

Überleg mal, was nötig ist, damit die beschissen bezahlten Beschäftigten gerade im Dienstleistungssektor mehr Geld bekommen können.


Angemessene Mindestlöhne, Gewerkschaftsarbeit bei Geringverdiener... Sich drauf zu verlassen, daß ein Anheben der Gehälter in den höheren Gehaltsgruppen automatisch zu einem höheren Konsum führt, der die Misere reißt, ist schon irgendwie gewagt.



Zitat

Genau, es muß mehr Geld ins System.


Eine höhere Geldmenge im System, das riecht nach Inflation.



Zitat

Ich halte mich lieber an Fakten als an manipulierte Gefühle.


Schön, daß du so vorgehst. Die Massen dürften aber eher subjektiv reagieren (siehe z.B. Flüchtlingsproblematik) und solche Vorschläge als Verbreiterung der Kluft zwischen arm und reich aufnehmen.



Zitat

Übrigens ist der Rundfunkbeitrag kaufkraftbereinigt sowieso seit vielen Jahren am Sinken.


Berücksichtige bitte, daß die Einnahmen insgesamt mit der Einführung der Haushaltsabgabe gestiegen sind.



Zitat

Die Gehälter sind im gleichen Zeitraum noch deutlich stärker gestiegen: Brutto um 28,5%, Netto um mehr als 25%.


Sind das bundesweite Durchschnitte, die regionale Unterschiede außen vor lassen?

von Kay B - am 06.09.2017 22:24
Natürlich sind das bundesweite Durchschnitte. Ja und? Man kann nicht einerseits beklagen, dass manche Regionen schlechter dastehen, und dann ausgerechnet die kritisieren, die daran etwas ändern möchten - zumal dann Arbeitnehmer in der freien Wirtschaft das Argument zu hören bekommen "auch die öffentlichen Arbeitgeber geben weniger als im Westen oder Süden, warum sollten wir also eure Gehälter erhöhen".

Natürlich ist mir bekannt, dass eine zu hohe Geldmenge Risiken birgt. Von dem Problem sind wir aber weit entfernt, trotz niedrigster Zinsen.
Ich weiß ja nicht wie Dir das geht, aber ich habe durchaus nicht ganz so gut verdienende Freunde, die es sich gut überlegen, ob sie z.B. ins Restaurant (und welche Preiskategorie) gehen, weil sie eben gerade so auf eine schwarze Null kommen. Nicht jede Gehaltserhöhung landet automatisch auf dem Sparbuch.

von DH0GHU - am 07.09.2017 06:31
@ DH0GHU

Zitat

Ich weiß ja nicht wie Dir das geht, aber ich habe durchaus nicht ganz so gut verdienende Freunde, die es sich gut überlegen, ob sie z.B. ins Restaurant (und welche Preiskategorie) gehen, weil sie eben gerade so auf eine schwarze Null kommen. Nicht jede Gehaltserhöhung landet automatisch auf dem Sparbuch.


Eben. Und deshalben sollten diese Leute bei Sozialaufstockungen im Vordergrund stehen und nicht Leute, die beim MDR auf höchstem Niveau jammern.

von Kay B - am 07.09.2017 23:30
Was willst du mit deiner Aussage mitteilen? Das die beim mdr nicht zu streiken haben, da es anderen schlechter geht? Hoffentlich habe ich was überlesen ...
Und was meinst du mit "im Vordergrund stehen"? Einen Vordergrund kann es nur geben, wenn es auch einen Hintergrund gibt. Und den sehe ich nicht. Oder wo sind (Streik-)Aktionen der von dir Angesprochenen? Und vor allem, warum sollte es Sozialaufstockungen "unten" geben, wenn du sie "oben" ablehnst? Von oben nach unten neben die Leistungen immer ab. Nur wenn oben nix mehr ist, was dann ...
Und was meinst du mit "auf höchstem Niveau jammern"? Ich bitte dich, das höchste Niveau sieht hoffentlich anders aus. Sollen sich die mdr-Mitarbeiter an dem sozial niedrigerem Niveau orientieren?
Ergo: Du greifst die an, die sich gegen ungerechte Zustände wehren? Warum?

von Jens1978 - am 08.09.2017 06:22
@ Jens1978

Zitat

Was willst du mit deiner Aussage mitteilen?


Daß man unterscheiden muß, ob jemand streikt, weil er
- nicht vernünftig von dem Lohn / Gehalt oder sonstigen Vergütung leben kann oder
- er anderen Kollegen, die örtlich ganz woanders in Deutschland unter anderen Bedingungen leben und arbeiten das bischen mehr Butter auf dem Brot nicht gönnt, obwohl er mit der gegenwärtigen Vergütung eigentlich gut auskommt.


Zitat

Und was meinst du mit "im Vordergrund stehen"? Einen Vordergrund kann es nur geben, wenn es auch einen Hintergrund gibt. Und den sehe ich nicht.


Den gibt es aber. Arbeitnehmer, die aufgrund der Branche oder der Betriebsgröße nicht gewerkschaftlich organisiert sind und lohnmäßig soweit unten rumkriechen, daß ihnen der Gewerkschaftsbeitrag schon zu viel erscheint und eine Hemmschwelle für die Mitgliedschaft darstellt, haben nunmal einen schlechteren Stand als Arbeitnehmer, die in Großunternehmen oder gar in öffentlichen Unternehmen gewerkschaftlich organisiert sind und eine angemessene Vergütung bekommen.

Wenn du da wirklich keinen Vorder- und Hintergrund siehst, dann wäre es quasi so, daß jeder Arbeitnehmer in Deutschland genau die gleichen Arbeitsbedingungen und Vergütungen hätte.


Zitat

Und vor allem, warum sollte es Sozialaufstockungen "unten" geben, wenn du sie "oben" ablehnst?


Weil Sozialaufstockungen "oben" einfach eine nette Mehreinnahme sind, mit der die zweite oder dritte Urlaubsreise ins Ausland finanziert wird, während sie "unten" manche Leute aus dem Existenzminimum holen könnten.


Zitat

Und was meinst du mit "auf höchstem Niveau jammern"?


Mehr Geld fordern, nur weil irgendwoanders jemand mehr bekommt, obwohl man es nicht nötig hat.


Zitat

Ich bitte dich, das höchste Niveau sieht hoffentlich anders aus. Sollen sich die mdr-Mitarbeiter an dem sozial niedrigerem Niveau orientieren?


Wieso muß es mit dem Niveau nur rauf oder runter gehen? Warum kann es nicht gleich bleiben?


Zitat

Ergo: Du greifst die an, die sich gegen ungerechte Zustände wehren? Warum?


Oh je, dann müßtest du dem MDR-Mitarbeiter, der in einem Pampa-Studio arbeitet bitteschön genau so viel zahlen wie dem BR-Mitarbeiter, der zur Miete in München wohnt.

von Kay B - am 08.09.2017 17:20
Kay, deine Argumentation führt zu einer Situation, die du evtl. gar nicht haben möchtest.
Zitat
Kay B
Daß man unterscheiden muß, ob jemand streikt, weil er
- nicht vernünftig von dem Lohn / Gehalt oder sonstigen Vergütung leben kann oder
- er anderen Kollegen, die örtlich ganz woanders in Deutschland unter anderen Bedingungen leben und arbeiten das bischen mehr Butter auf dem Brot nicht gönnt, obwohl er mit der gegenwärtigen Vergütung eigentlich gut auskommt.

Zitat

Den gibt es aber. Arbeitnehmer, die aufgrund der Branche oder der Betriebsgröße nicht gewerkschaftlich organisiert sind und lohnmäßig soweit unten rumkriechen, daß ihnen der Gewerkschaftsbeitrag schon zu viel erscheint und eine Hemmschwelle für die Mitgliedschaft darstellt, haben nunmal einen schlechteren Stand als Arbeitnehmer, die in Großunternehmen oder gar in öffentlichen Unternehmen gewerkschaftlich organisiert sind und eine angemessene Vergütung bekommen.

Was ist das Ergebnis deiner Schlussfolgerungen? Ganz einfach, du sprichst nur denen das Streikrecht zu, die soweit unten im Lohnniveau sind, dass sie sich nicht gewerkschaftlich oder anders organisieren können. Genau diese können(!) aber gar nicht streiken; denn, wie auch Habakukk schon richtig festgestellt hat, wären sie schneller wieder weg vom Fenster als sie gucken können. Demnach darf nur der streiken, der nicht streiken kann und der, der streiken kann, darf nicht streiken, da es ihm zu gut geht (ähm, wer definiert das "zu gut" jetzt?). Entschuldige, aber das ist Unsinn und führte zu der Situation, dass gar keiner streikt und irgendwann alle unten sind. Ganz toll :spos:

Zitat
Kay B
[..] das bischen mehr Butter auf dem Brot nicht gönnt, obwohl er mit der gegenwärtigen Vergütung eigentlich gut auskommt.

Dieser Teilsatz von dir und deine Aussage, dass du den Streik beim mdr für nicht gerechtfertigst hälst zeigt mir, dass du gerade damit selbst genau der bist, der den mdr Mitarbeitern nicht das bisschen mehr an Butter zugesteht. Das ist einfach nur Neid, nicht mehr und nicht weniger. Punkt.

Außerdem zitierst auch du nur teilweise, aus dem Kontext gerissen, ohne darauf hinzuweisen und somit falsch; sowas nervt und ist einer konstruktiven Diskussion nicht zuträglich. Das war/ist meine Aussage:
Zitat
Jens1978
Und was meinst du mit "im Vordergrund stehen"? Einen Vordergrund kann es nur geben, wenn es auch einen Hintergrund gibt. Und den sehe ich nicht. Oder wo sind (Streik-)Aktionen der von dir Angesprochenen?
Und eben auf den zweiten Teil kommt es an. Und, wo sind sie denn, die von dir Angesprochenen die streiken? Ich sehe sie nicht und demnach gibt es keinen Hintergrund, da nur die im Vordergrund stehen, die ihre Rechte auch einklagen und jetzt streiken. Klar, die anderen können nicht streiken, da sie unter die oben in Absatz 1 beschriebenen Umstände fallen. Noch weiter oben habe ich übrigens versucht darzustellen, wie man ein Niveau insgesamt gesellschaftlich erhöhen kann. Hast du gelesen und nachvollziehen können? (Link)

Zitat
Kay B
Mehr Geld fordern, nur weil irgendwoanders jemand mehr bekommt, obwohl man es nicht nötig hat.
"Obwohl man es nicht nötig hat" ... :rolleyes: Tut mir Leid, aber wenn ich sowas lese, erzeugt das bei mir nur die Reaktion in der Art, dass da jemand nur aus purem Neid etwas ablehnt, das er selbst gerne haben möchte. Denn wer bestimmt, wer etwas nötig hat? Du? Angeblich ist Hartz 4 das Niveau, was ausreichend ist, um ein Leben führen zu können. Demnach verdienen alle, die über Hartz 4 verdienen zu viel und haben einen zu hohen Lebensstandard und dürfen nach deiner Ansicht nicht streiken. Nein, stimmt nicht? Aber das ist das Resultat deines Gedankenganges. Und vor allem, was ist mit dem gewerkschaftlichem Streben nach "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit", "Equal Pay", Männer und Frauen den gleichen Lohn usw. Diesem Streben stehst du mit deiner Aussage auch diametral entgegen. Und hier geht es nicht um irgendwelche Leute irgendwo anders. Nein, es geht um Rundfunkkollegen des mdr aus den anderen Anstalten. Den Anstalten werden auf Grundlage des überall in Deutschland geltenden einheitlichen Rundfunkbeitrages Gelder zugewiesen. Dennoch ist der Entgeltanteil, welcher den Mitarbeitern zugute kommt unterschiedlich. Demnach fällt das ganze unter das gewerkschaftliche Ziel "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit". Und das möchtest du ablehnen? Interessant. Ich finde den Streik und dessen Ziele begrüßenswert und eindeutig richtig um das hier nochmal klar und deutlich darzustellen.

Zitat
Kay B
Weil Sozialaufstockungen "oben" einfach eine nette Mehreinnahme sind, mit der die zweite oder dritte Urlaubsreise ins Ausland finanziert wird, während sie "unten" manche Leute aus dem Existenzminimum holen könnten.

Soll das ein Witz sein? All denen, die jetzt streiken unterstellst du, dass sie im Geld schwimmen und nur ihre dritte Urlaubsreise ins Ausland finanzieren wollen. Ich bin kein mdr Mitarbeiter, aber das finde ich schon ziemlich daneben und auch hier wieder nur Neid. Das heißt also, du möchtest, dass die unteren, schlecht Bezahlten besser verdienen und die, irgendwo oberhalb denen Stehenden, bekommen ab irgendeiner Stufe nicht mehr. Demnach verdienen mindestens zwei Stufen irgendwo im Lohntableau gleich viel, obwohl sie evtl. völlig andere Ausbildungen haben. Interessantes Resultat, findest du nicht? Ich finde das mindestens genauso daneben, wie die ganzen Minijobs auf 1€ Niveau oder sonstwo.

Zitat
Kay B
Wieso muß es mit dem Niveau nur rauf oder runter gehen? Warum kann es nicht gleich bleiben?

Aber du hast schon gemerkt, dass das Niveau seit rund 18 Jahren kontinuierlich runtergegangen ist, oder? Wie soll es denn deiner Meinung nach wieder hochgehen?(Vor allem, wenn nach deiner Logik keiner streiken kann oder auch nicht darf) Durch freundliches Zureden? :joke: Dann wünsche ich gutes Gelingen ... :rolleyes:

Zitat
Kay B
Oh je, dann müßtest du dem MDR-Mitarbeiter, der in einem Pampa-Studio arbeitet bitteschön genau so viel zahlen wie dem BR-Mitarbeiter, der zur Miete in München wohnt.
Sarkasmus ist angebracht, wenn er passt, andernfalls zeigt er in die andere Richtung. Ob das hier der Fall ist ... Deine Aussage zeigt mir nämlich leider, dass du mit einigen Bedingungen gar nicht vertraut bist. Beim einigen Rundfunkanstalten z. B. ist es meines Wissens nach so, dass die Tarifverträge für technische Angestellte für Mitarbeiter in z.B. Hamburg oder auch an Senderstandorten im Harz, Dannenberg oder sonstwo gelten. Unglaublich, oder? Tja, da sollte man als Angestellter einfach rechnen und überlegen, ob man für den gleichen Lohn ins teure HH oder ins Wendland zieht. Das ist Realität, auch wenn du sie anscheinend nicht kennst. Man muss es nur erkennen, dann rechnen und für sich selbst die Schlüsse daraus ziehen. Übrigens gilt das auch zum Beispiel für Tarifbeschäftigte im öffentlichen Dienst, die verdienen egal ob in M in HB oder auch sonstwo nahezu immer das gleiche. Die Ballungsraumzulagen sind ein Witz. Wie passt das zu deiner Aussage? Ich sage es dir: Gar nicht! Aber wer darf jetzt deiner Ansicht nach von denen streiken, verdienen sie doch überall nahezu das gleiche? Der in München, oder der in Hannover oder erst der in Gera?

Um es abzukürzen, denn ich ziehe mich langsam aus der aberwitzigen Diskussion jetzt raus: Selbst die Streiks der Lufthansapiloten oder auch der Lokführer vor einiger Zeit habe ich alle nicht mit Argumentation bemängelt, dass diese auf einem viel zu hohem Niveau streiken und die einfach unverschämt seinen. Nein, auch denen wird etwas weggenommen, was sie an sich bekommen sollten. Und da hat jeder das Recht zu streiken. Und das sie es gemacht haben finde ich gut, denn es hat gesellschaftliche Auswirkungen gerade auch für die Schwachen der Gesellschaft, auch wenn gerade diese meist nur mit blankem Neid und Egoismus reagieren ihren Zug nicht erwischt zu haben. Alles andere finde ich derart hochgradig mit Neid und Egoismus behaftet, da man anscheined selbst nicht solche Bedingungen hat, dass es mir übel wird. Und vor allem: Jeder Unternehmer freut sich über sowas, denn damit spaltet man die Arbeitnehmerschaft, so dass diese sich selbst zerfleischen. Eigentlich perfekt, hmm, warum werde ich nur kein Unternehmer ... Aber Ergebnis wird dann sein, das sich die normalen Arbeitnehmer alle auf dem untersten Niveau wiederfinden. Ganz ehrlich: Egoismus- und Neidpersonen, um die ist es mir nicht Schade; aber allen anderen, die auch anderen etwas gönnen, denen wünsche ich sehr, dass auch deren Bedingungen sich deutlich verbessern und das auch mit aktiver Hilfe von den oberen Gruppen, denn alleine können sie es gar nicht schaffen (wie du oben indirekt ja selbst festgestellt hast) und dafür sollten dann auch die oberen Gruppen einstehen, das finde ich gut und unterstütze ich selbst auch.

=> Ich finde den Streik und dessen Ziele begrüßenswert und eindeutig richtig um das hier nochmal klar und deutlich darzustellen.

von Jens1978 - am 08.09.2017 21:32
Einen Punkt möchte ich aber auch noch ansprechen: es macht auch sehr viel aus, wieviel man mit seinem Streik bezwecken kann. Gerade bei Zugpersonal oder Lufthansapiloten ist ein Streik meistens gleich sehr öffentlichswirksam, weil dann im öffentlichen Verkehr nichts mehr weiter geht und man viele Leute ganz schnell sehr verärgern kann. Entsprechend streiken die auch gefühlt nahezu jährlich. Auch wenn der MDR streikt, bekommt man das schnell mit - sind halt Medien.
Was aber, wenn die örtliche Putzfrau erwägt, zu streiken (angenommen, sie könnte das)? Wen interessierts? Dann ist halt irgendwo mal nicht sauber... Streikt Pflege- oder Krankenhauspersonal, geht es u.U. um Leben oder Tod, das will niemand verantworten, also auch hier ist das sehr problematisch... Insofern entsteht da schon eine sehr arge Ungerechtigkeit, wer überhaupt mit Streik wieviel bewirken kann...

von Habakukk - am 09.09.2017 07:46
@ Jens1978

Zitat

Ganz einfach, du sprichst nur denen das Streikrecht zu, die soweit unten im Lohnniveau sind, dass sie sich nicht gewerkschaftlich oder anders organisieren können.


Wo bitteschön spreche ich jemandem das Recht zu streiken ab? Eher im Gegenteil. Ich bemängele, daß jene, die es eigentlich nötiger hätten dies nicht, oder nicht medienwirksam tun können.


Zitat

Dieser Teilsatz von dir und deine Aussage, dass du den Streik beim mdr für nicht gerechtfertigst hälst zeigt mir, dass du gerade damit selbst genau der bist, der den mdr Mitarbeitern nicht das bisschen mehr an Butter zugesteht. Das ist einfach nur Neid, nicht mehr und nicht weniger. Punkt.


Eher das, was in der eigenen Branche jeden Tag abgeht. Da sind diejenigen, die mit die höchste Vergütung bekommen, die ersten und meist auch die einzigen, die über zuwenig Geld jammern.


Zitat

Und, wo sind sie denn, die von dir Angesprochenen die streiken?


Siehe oben. Die können nicht streiken oder es ist zumindest nicht medienwirksam.


Zitat

Tut mir Leid, aber wenn ich sowas lese, erzeugt das bei mir nur die Reaktion in der Art, dass da jemand nur aus purem Neid etwas ablehnt, das er selbst gerne haben möchte.


Den Grund für meine Einstellung habe ich schon geschildert. Wenn wir hier jetzt aber schon bei persönlichen Angriffen angekommen sind, müßte ich dir im Umkehrschluß unterstellen, daß du ein Top-Verdiener bist, der mit einem Streik seine Gier nach Geld befriedigen will. Mache ich aber nicht, denn persönliche Angriffe bringen uns hier nicht weiter.


Zitat

Angeblich ist Hartz 4 das Niveau, was ausreichend ist, um ein Leben führen zu können. Demnach verdienen alle, die über Hartz 4 verdienen zu viel und haben einen zu hohen Lebensstandard und dürfen nach deiner Ansicht nicht streiken.


Das habe ich behauptet? Wohl kaum. Ich behauptete, daß manche Leute am Existenzminimum (= Hartz 4) leben, obwohl sie arbeiten, und diese zuerst von Sozialaufstockungen profitieren sollten. Daß es Fälle gibt, in denen Arbeitsangebote abgelehnt werden, weil die Vergütung (abzüglich der zusätzlichen Werbungskosten für die Erwerbstätigkeit) schon unter Hartz-4-Niveau liegt, spricht schon für sich. (Und daß heißt nicht, daß das Hartz-4-Niveau zu hoch ist, falls das jetzt jemand unterstellen möchte.)


Zitat

Nein, es geht um Rundfunkkollegen des mdr aus den anderen Anstalten.


Die, sofern sie mit den Arbeitsbedingungen nicht zufrieden sind, zu einer anderen ARD-Anstalt oder zu den privaten Anbietern (und ob die das bieten, was der MDR bietet, ist fraglich) wechseln könnten.


Zitat

Vor allem, wenn nach deiner Logik keiner streiken kann oder auch nicht darf.


Siehe oben. Wo schrieb ich davon, jemandem das Streikrecht zu nehmen?


Zitat

Beim einigen Rundfunkanstalten z. B. ist es meines Wissens nach so, dass die Tarifverträge für technische Angestellte für Mitarbeiter in z.B. Hamburg oder auch an Senderstandorten im Harz, Dannenberg oder sonstwo gelten. Unglaublich, oder? Tja, da sollte man als Angestellter einfach rechnen und überlegen, ob man für den gleichen Lohn ins teure HH oder ins Wendland zieht. Das ist Realität, auch wenn du sie anscheinend nicht kennst.


Ja! Genau das ist die Realität. Und demnach müßten die Mitarbeiter NDR-intern schon streiken.


Zitat

Man muss es nur erkennen, dann rechnen und für sich selbst die Schlüsse daraus ziehen. Übrigens gilt das auch zum Beispiel für Tarifbeschäftigte im öffentlichen Dienst, die verdienen egal ob in M in HB oder auch sonstwo nahezu immer das gleiche. Die Ballungsraumzulagen sind ein Witz. Wie passt das zu deiner Aussage? Ich sage es dir: Gar nicht!


Doch! Siehe oben. Denn danach müßte es schon unternehmensintern zu Streiks kommen.


Zitat

Aber wer darf jetzt deiner Ansicht nach von denen streiken, verdienen sie doch überall nahezu das gleiche?


Und zum 3. Mal: Wo schrieb ich etwas von Streikverbot?


Zitat

Selbst die Streiks der Lufthansapiloten oder auch der Lokführer vor einiger Zeit habe ich alle nicht mit Argumentation bemängelt, dass diese auf einem viel zu hohem Niveau streiken und die einfach unverschämt seinen.


Es sei dazu nur angemerkt, daß die Mitarbeiter der hießigen Privatbahn seltsamerweise nicht streikten. Interessant wäre jetzt der Grund.


Zitat

Jeder Unternehmer freut sich über sowas, denn damit spaltet man die Arbeitnehmerschaft, so dass diese sich selbst zerfleischen.


Und genau das müßte ja nun beim NDR vorliegen, sofern die Vergütungen bei unterschiedlichen Arbeits- und Lebensbedingungen (Hamburg Harz) gleich sind.


Zitat

Aber Ergebnis wird dann sein, das sich die normalen Arbeitnehmer alle auf dem untersten Niveau wiederfinden.


Ganz toll! :rolleyes:


Zitat

(...) das auch mit aktiver Hilfe von den oberen Gruppen, denn alleine können sie es gar nicht schaffen (wie du oben indirekt ja selbst festgestellt hast) und dafür sollten dann auch die oberen Gruppen einstehen, das finde ich gut und unterstütze ich selbst auch.


Das hieße dann, daß Privatbetriebe in der sächsischen Pampa durch Lohnerhöhungen auf die Lohnsteigerungen beim MDR reagieren. Ist wohl unwahrscheinlich.

von Kay B - am 09.09.2017 13:25
Zitat
Kay B
Wo schrieb ich etwas von Streikverbot?

1 plus 1 gleich ... wo schrieb ich etwas von 2?

Es wird aber immer "interessanter" ...
Zitat
Kay B
Und deshalben sollten diese Leute bei Sozialaufstockungen im Vordergrund stehen und nicht Leute, die beim MDR auf höchstem Niveau jammern.

Zitat
Kay B
Weil Sozialaufstockungen "oben" einfach eine nette Mehreinnahme sind, mit der die zweite oder dritte Urlaubsreise ins Ausland finanziert wird, während sie "unten" manche Leute aus dem Existenzminimum holen könnten.

Zitat
Kay B
Daß man unterscheiden muß, ob jemand streikt, weil er
- nicht vernünftig von dem Lohn / Gehalt oder sonstigen Vergütung leben kann oder
- er anderen Kollegen, die örtlich ganz woanders in Deutschland unter anderen Bedingungen leben und arbeiten das bischen mehr Butter auf dem Brot nicht gönnt, obwohl er mit der gegenwärtigen Vergütung eigentlich gut auskommt.

Zitat
Kay B
Mehr Geld fordern, nur weil irgendwoanders jemand mehr bekommt, obwohl man es nicht nötig hat.

Zitat
Kay B
Die, sofern sie mit den Arbeitsbedingungen nicht zufrieden sind, zu einer anderen ARD-Anstalt oder zu den privaten Anbietern (und ob die das bieten, was der MDR bietet, ist fraglich) wechseln könnten.


Zusammenfassung deiner Aussagen mit deinen Worten: Die mdr-Mitarbeiter
- jammern auf höchsten Niveau (Frage: Wer bestimmt die Niveauhöhe? Du?)
- streiken, weil irgendwoanders jemand mehr bekommt, (Irgendwoanders? Die ARD ist ein Verbund. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, ist ein Gewerkschaftsanliegen.)
- gönnen anderen nicht die Butter auf dem Brot, (Klartext => mdr-Mitarbeiter sind neidisch. Die ARD ist ein Verbund. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, ist ein Gewerkschaftsanliegen.)
- haben eine Zulage nicht nötig, (Du maßt dir an, über die Notwendigkeit für jemand anderes zu bestimmen. Mit welchem Recht? Klartext => mdr-Mitarbeiter sind gierig)
- wollen die Mehreinnahmen nur für die zweite oder dritte Urlaubsreise, (Auch hier wieder Unterstellung, Anmaßung. Klartext => mdr-Mitarbeiter können nicht genug bekommen)
- könnten doch in ARD Anstalten wechseln, wo sie die Zulagen bekommen (Klartext => Haut doch ab, wenn's euch nicht passt und geht in Anstalten die 300-400km entfernt sind).

Und gerade die letzte Aussage finde ich einfach nur unglaublich unpassend gegenüber den Streikenden, die wohlgemerkt für ihre Rechte kämpfen. Warum gehen denn die Geringverdiener nicht wo anders hin, wenn sie angeblich so arg bebeutelt sind? Unglaublich solche Aussagen!? Genau so ist es! Und ja, da kannst du machen was du willst, ich lese da schlicht und einfach nur Neid raus und die sprichst denen das Streikrecht damit ab. Das ist übrigens nichts persönliches, das ist objektiv anhand deiner "Statements", ich kenne dich auch viel zu wenig um persönlich werden zu können.

Vielmehr ist auch eher der Umkehrschluss sehr interessant den du hier durchführst:
Zitat
Kay B
[...] müßte ich dir im Umkehrschluß unterstellen, daß du ein Top-Verdiener bist, der mit einem Streik seine Gier nach Geld befriedigen will. [...]

Ich schreibe ausdrücklich und mehrfach das:
Zitat
Jens1978
=> Ich finde den Streik und dessen Ziele begrüßenswert und eindeutig richtig um das hier nochmal klar und deutlich darzustellen.

Demnach zeigt der Umkehrschluss von dir über mich auf die streikenden mdr-Mitarbeiter, die demnach Top-Verdiener sind und mit dem Streik ihre Gier nach Geld befriedigen wollen. Aber es deckt sich mit den im Thread von dir gemachten Aussagen.

Zitat
Kay B
Arbeitnehmer, die aufgrund der Branche oder der Betriebsgröße nicht gewerkschaftlich organisiert sind und lohnmäßig soweit unten rumkriechen, [...]

Soll ich mal deine Aussage dagegen halten?
Zitat
Kay B
Die, sofern sie mit den Arbeitsbedingungen nicht zufrieden sind, [...] wechseln könnten.

Ist das nicht unverschämt? Ich finde ja.

Frage: Bist du gewerkschaftlich organisiert? Wenn nein, warum nicht? Du weißt schon, dass sich der Beitrag prozentual an dem Verdienst orientiert und für Geringverdiener auch Vergünstigungen existieren? Woher ich das weiß? ...

Zitat
Kay B
Bloß nicht! Man sollte aber zuerst da ansetzen, wo es wirklich pressiert.

Wer ist "man"? Immer andere sollen alles richten? "Man" kann selbst eine Menge tun. Deswegen finde ich es auch gut, wenn die, die es können sich auch für ihre Rechte einsetzen, wie jetzt hier beim mdr.

Zitat
Habakukk
Einen Punkt möchte ich aber auch noch ansprechen: es macht auch sehr viel aus, wieviel man mit seinem Streik bezwecken kann.

Zitat
Habakukk
Insofern entsteht da schon eine sehr arge Ungerechtigkeit, wer überhaupt mit Streik wieviel bewirken kann...

Genau so ist es ja auch und darauf will ich ja auch hinaus. Deswegen müssen die, die es können auch die Standards allgemein hochziehen. Wer soll es sonst machen? Andernfalls würde sich nämlich gar nichts ändern. Die mdr-Streikenden ziehen im mdr den Standard hoch, der mdr zieht im weitern Schritt dann die Standard der privaten Konkurrenten hoch. Natürlich je weiter weg immer abgeschwächter. Aber deswegen ist es auch wichtig, dass größere Teile von denen, die sich organisieren können dies auch machen und ihre Rechte auch durchsetzen und somit quasi Leuchtürme setzen, die die Standards hochziehen. Die Alternative wäre, dass keiner etwas macht. Wo landen wir dann? Genau, hier:
Zitat
Jens1978
Aber Ergebnis wird dann sein, das sich die normalen Arbeitnehmer alle auf dem untersten Niveau wiederfinden.


Zitat
Kay B
Das hieße dann, daß Privatbetriebe in der sächsischen Pampa durch Lohnerhöhungen auf die Lohnsteigerungen beim MDR reagieren. Ist wohl unwahrscheinlich.

Tarifverträge usw. haben durchaus eine Ausstrahlungswirkung. Im Kartellrecht nennt man diesen Effekt Preisschirmeffekt.

von Jens1978 - am 10.09.2017 10:17
Anmerkung: Selbst wenn sich ein MDR-Mitarbeiter von der Gehaltserhöhung nur einen 3. Urlaub leistet: Die meisten Urlaube finden heutzutage innerhalb der EU, innerhalb des Euroraums und recht häufig sogar innerhalb Deutschlands statt. Insofern bestehen da aus volkswirtschaftlicher Sicht überhaupt keine Bedenken ;)
Erst recht nicht, wenn der profitierende Hotelier sich von dem Geld dann einen in Leipzig zusammengeschraubten Porsche kauft ;-)

von DH0GHU - am 10.09.2017 15:37
@ Jens1978

Zitat

1 plus 1 gleich ... wo schrieb ich etwas von 2?


Wenn man mit Argumenten so leicht wie mit Rechenaufgaben umgehen könnte, dann bräuchten wir die ganze Debatte hier nicht.


Zitat

Zusammenfassung deiner Aussagen mit deinen Worten: Die mdr-Mitarbeiter
- jammern auf höchsten Niveau (Frage: Wer bestimmt die Niveauhöhe? Du?)


Nö, warum sollte ich das bestimmen? Ich meine nur (und eine Meinung darf man in diesem Forum noch haben), daß es anderen Beschäftigten gerade in dieser Region viel schlechter geht.


Zitat

- streiken, weil irgendwoanders jemand mehr bekommt, (Irgendwoanders? Die ARD ist ein Verbund. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, ist ein Gewerkschaftsanliegen.)


Und zum 4. Mal: Streiken können sie doch gerne.


Zitat

- gönnen anderen nicht die Butter auf dem Brot, (Klartext => mdr-Mitarbeiter sind neidisch. Die ARD ist ein Verbund. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, ist ein Gewerkschaftsanliegen.)


Dann möge man diesen Leitspruch bitte auch auf Osteuropa und Asien ausdehnen.


Zitat

- haben eine Zulage nicht nötig, (Du maßt dir an, über die Notwendigkeit für jemand anderes zu bestimmen. Mit welchem Recht? Klartext => mdr-Mitarbeiter sind gierig)


Solange sich die Vergütung nicht in Richtung Existenzminimum bewegt, darf man eine Notwendigkeit in Frage stellen. Oder darf es da nur eine Einheitsmeinung geben?


Zitat

- wollen die Mehreinnahmen nur für die zweite oder dritte Urlaubsreise, (Auch hier wieder Unterstellung, Anmaßung. Klartext => mdr-Mitarbeiter können nicht genug bekommen)


Das war als Fallbeispiel gedacht, um das mit der Notwendigkeit gegenüber Geringverdienern, die am Existenzminimum leben, zu verdeutlichen.


Zitat

- könnten doch in ARD Anstalten wechseln, wo sie die Zulagen bekommen (Klartext => Haut doch ab, wenn's euch nicht passt und geht in Anstalten die 300-400km entfernt sind).


Umgekehrt gefragt, warum unterschrieben die MDR-Mitarbeiter einen Arbeitsvertrag, deren Vergütung ihnen nicht paßt? Warum rennen diese nicht scharenweise zu PSR, RTL, SAW & Co.?


Zitat

Warum gehen denn die Geringverdiener nicht wo anders hin, wenn sie angeblich so arg bebeutelt sind? Unglaublich solche Aussagen!?


Weil in bestimmten Branchen die Vergütung oder die Arbeitsbedingungen deutschlandweit einfach nicht stimmen.


Zitat

Genau so ist es! Und ja, da kannst du machen was du willst, ich lese da schlicht und einfach nur Neid raus und die sprichst denen das Streikrecht damit ab. Das ist übrigens nichts persönliches, das ist objektiv anhand deiner "Statements", ich kenne dich auch viel zu wenig um persönlich werden zu können.


Dann laß es bitte auch, persönlich zu werden. Jemandem Neid zu unterstellen ist persönlich und hat nichts mehr mit Objektivität zu tun. Die Begründung für meine Einstellung stehen weiter oben und weiter unten hier auch nochmal (kleiner Tipp - es ist nicht Neid).


Zitat

Ist das nicht unverschämt? Ich finde ja.


Dann finde es unverschämt. Es ist aber die Realität in unserer Gesellschaftsordnung.


Zitat

Bist du gewerkschaftlich organisiert? Wenn nein, warum nicht?


Warum doch? Auch, wenn es mir manchmal widerstrebt, weil eben jene, aus den höheren Gehaltsgruppen in der Branche die ersten sind, die über zuwenig Geld jammern und dafür die Gewerkschaft flott machen. Und man schräg angeguckt wird, wenn man nicht fleißig mitjammert. Ach, nee... das führe ich jetzt nicht weiter hier auf. Du interpretierst da sonst wieder irgendwelchen Kram rein.


Zitat

Wer ist "man"? Immer andere sollen alles richten? "Man" kann selbst eine Menge tun.


In diesem Falle der Staat. Der sollte eigentlich mit als erster großes Interesse an höheren Lohnsteuereinnahmen haben. Das mit dem Mindestlohn war ja schonmal ein Ansatz. Allerdings müßte das zumindest auf europäischer Ebene durchgezogen werden. Denn das erklärt, wieso bei uns die Reinigungskräfte schon aus Osteuropa anrücken. Die fahren dann die von dir angesprochene Strecke jede Woche hin und zurück! Für einen Mindestlohn! Da soll mal einer sagen, daß dieser Arbeitsmarkt noch in Ordnung ist.


Zitat

Deswegen finde ich es auch gut, wenn die, die es können sich auch für ihre Rechte einsetzen, wie jetzt hier beim mdr.


Sollen sie es tun. Ich bin eben nur der Meinung, daß andere es deutlich nötiger haben als MDR-Mitarbeiter.


Zitat

Tarifverträge usw. haben durchaus eine Ausstrahlungswirkung.


Eher innerhalb einer Branche.


Um das nochmal klar zumachen. Das, was ich hier schreibe, ist meine Meinung. Welche Meinung du hast, bleibt dir überlassen.

von Kay B - am 10.09.2017 18:57
Zitat
Kay B
Zitat

- gönnen anderen nicht die Butter auf dem Brot, (Klartext => mdr-Mitarbeiter sind neidisch. Die ARD ist ein Verbund. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, ist ein Gewerkschaftsanliegen.)


Dann möge man diesen Leitspruch bitte auch auf Osteuropa und Asien ausdehnen.

Eigentlich wollte ich dazu nichts mehr schreiben ;-) .
Was heißt Leitspruch? Natürlich gilt gleicher Lohn für gleiche Arbeit egal wo diese erbracht wird. Alles andere spielt die Arbeitnehmer gegeneinander aus.
Hier, mdr, haben wir sogar den Fall daß man nicht nur im gleichen Wirtschaftsraum, EU, sondern sogar im gleichen Land ist. Wenn hier nicht, wo dann?
Vielleicht etwas Blüm am Morgen gefällig (leider nicht mehr unter der Ursprungsquelle sz auffindbar)? Hier zum Flächentarifvertrag, also verstärkt den Absatz ab hier "Der viel gescholtene Flächentarifvertrag
beschränkt die Möglichkeit, durch
Lohnunterbietung den Konkurrenten auszuschalten." lesen.

von Thomas (Metal) - am 11.09.2017 06:10
Gleicher Lohn für gleiche Leistung, bitte gerne! Dann aber bitte auch gleiche Lebenshaltungskosten überall. Und die sind nun mal regional deutlich unterschiedlich.

Hier im Outback von München sind wir mittlerweile so weit, dass du tlw. für 400000 Euro gerademal ein Grundstück(!!!) mit sagenhaften 400qm bekommst, weil hier mittlerweile alles von Münchnern, die es sich leisten können, oder von fremden Investoren, die darauf dann ein Mehrfamilienhaus mit 97 Parteien hinstellen, weggekauft wird. Der sog. Traum vom Eigenheim wird selbst für Doppelverdiener aus dem Mittelstand hier immer unrealistischer. Und wo du in Restaurants andernorts in Deutschland für 10 Euro ein gutes Essen und für 2-3 Euro ein Getränk bekommst, bist du hier mit 15 Euro und 3-5 Euro dabei.
Aber zugegeben: im Vergleich zum Niedriglohn-Sektor ist das natürlich Jammern auf hohem Niveau. Trotzdem: in Ordnung ist das genausowenig wie der Niedriglohn in manchen Jobs oder die ungleiche Lohnverteilung je nach Region.

Und über die EU brauchen wir gar nicht reden. Geht mal in Rumänien in einen Supermarkt eurer Wahl und schaut euch dort die Lebensmittelpreise an. Und dann fragt mal, was die Leute da so verdienen. DAS ist erst recht alles andere als gerecht.

von Habakukk - am 11.09.2017 07:34
Der Streik ist übrigens längst wieder beendet: Link

@Habakukk
Ganz genau. Aber der Kern der Frage ist doch: Was beschreibst du gerade?

Du beschreibst gerade das, was ich oben schon mannigfaltig versucht habe klar zu machen: "Aber Ergebnis wird dann sein, das sich die normalen Arbeitnehmer alle auf dem untersten Niveau wiederfinden." Wenn selbst die Bevölkerung aus dem Mittelstand sich quasi nix mehr außer Essen (jetzt überspitzt dargestellt) leisten kann, dann stimmt absolut was nicht. Denn daran sieht man aber, dass selbst der Mittelstand auf der Rutsche nach unten schon gut nach unten vorwärts gekommen ist. Aber das Ergebnis ist dann auch: Alle befinden sich unten! Betonung liegt auf "Alle unten"! Denn das mehr Geld macht nix mehr aus, da es quasi wertlos wird. Und Aussagen wie "im Vergleich zum Niedriglohn-Sektor ist das natürlich Jammern auf hohem Niveau." sind einfach nicht hilfreich, da sie in die falsche Richtung zeigen. Es zeigt nach unten, man sollte aber zu dem Niveau gucken, wo man normalerweise hingehört und das ist mittlerweile über einem. Das Niveau, um meine Frage selbst zu beantworten, bestimmt sich eben aus dem vorhandenen Lebens- und demnach anhand des Reallohniveaus. Und das geht seit Jahren, nahezu 18 Jahren nur noch nach unten, während der Rest nach oben strebt. Demnach muss der Vergleich immer das Reallohnniveau sein, dass für ein normales und den Umständen entsprechendes Leben normalerweise reichen müsste. Wenn der Mittelstand sich im Münchener, aber auch z.B. im Hamburger, Frankfurter, Stuttgarter, Kölner ... Raum, ihr seid also nicht allein, sich nur noch quasi das leisten kann, was normalerweise erschwinglich für nicht so gut ausgestattete Menschen da sein sollte, dann ist da was extrem schief. Und vor allem, ihr überseht eine wichtige Kleinigkeit: Das unterste Niveau in euren Gedanken ist bei euch immer der Niedriglohnsektor. Nein, er ist es nicht. Das unterste Niveau sind die Obdachlosen! Und da drunter dann die Obdachlosen in armen Ländern. Denn dem Niedriglohnsektor kann man demnach auch entgegenhalten, dass sie gegenüber den Obdachlosen auf hohem Niveau "jammern". Hierbei, und bei der Diskussion bisher gefallen mir aber die Ausdrücke "hohem" und "jammern" überhaupt nicht. Es ist ein höheres Niveau, ja, aber kein hohes und schon gar kein höchstes oder sonstwas Niveau. Außerdem wäre es kein Jammern sondern ein Anprangern und Beschweren über die Zustände. Die Wirtschaft und vor allem die obere Oberschicht versucht natürlich immer das so darzustellen, dass diejenigen, denen es eigentlich gut gehen sollte (=vor allem dem früher breiten Mittelstand) ein schlechtes Gefühl bekommen und sich gefälligst nach unten orientieren sollen, quasi "Guckt mal nach unten, so schlecht geht es euch gar nicht, ihr jammert aber auf ganz schön hohem Niveau". Dabei wird elegant verkannt, dass damit die Schichten wunderbar gegeneinander aufgespielt werden und sich gegenseitig zerfleischen. Und es ist auch klar, dass der Mittelstand woanders hingehört als die Oberschicht, aber auch der Unterschicht. Und wenn jetzt der Mittelstand quasi langsam dort ankommt (auf dem Weg nach unten), wo früher die obere Unterschicht war, dann stimmt da was nicht und hat mit hohem Niveau absolut nichts zu tun.

Was ans Ansetzen von Maßnahmen in der Politk geht: Da muss man bei denen ansetzen, die früher die untere Schicht gewesen ist, denn diese sitzt nun entweder mit Hartz 4 irgendwo rum oder sind eben obdachlos. Und genau diese Schichten könnten sich zwar wehren, indem sie demonstrieren massenhaft auf Straße gehen usw. aber sie machen es nicht. Ein Lobby haben die aber auch nicht. Ergo: Es passiert nichts. Demnach müssen wenigstens die, aus der immer weiter absteigenden Mittelschicht versuchen die Rutsche nach unten abzubremsen oder gar endlich wieder aufzuhalten. In diesem Fall, wie hier, mit einem Streik für bessere Arbeitsbedingungen. Andernfalls sind die Arbeitsbedingungen der heutigen Mittelschicht soviel Wert wie heute der unteren Schichten. Von den dann untersten Schichten brauchen wir dann gar nicht mehr reden, denn die sind dann längst im Keller angekommen und auf der Straße.

Was wird das Resultat sein, wenn sich daran nicht ändert? Die Gesellschaft wird es zwangsläufig zerreißen! Die unteren, dann ca. 90% der Bevölkerung, werden sich selbst zerfleischen und der Reichtum in oberen Schichten wird noch mehr zunehmen und damit auch die Macht, die Zustände zu zementieren. Weit sind wir meiner Meinung nach nicht davon entfernt, aber möchte ich den Endzustand nicht erleben wollen.

Die wichtige Frage ist demnach: Was macht man dagegen? Aus diesem Grund halte ich nichts davon nur auf den Staat zu vertrauen, denn wer ist der Staat? Das sind (noch): WIR! Demnach müssen wir(!) dort Einfluss nehmen wo wir können und nicht passiv warten. Das sind politische Parteien und zwar egal welcher Art, da schließe ich auch die Parteien ein die eher negativ behaftet sind, denn das es diese Parteien gibt hat einen Grund (=> mit den Gründen auseinander setzen). Aber auch Gewerkschaften und sonstige Organisationen die für Rechte der "normalen" Bevölkerung einstehen. Dort aktiv werden, seine Interessen aktiv(!) vertreten und durchsetzen.

Und wenn wir dann wieder dort angekommen sind, dass sich der Mittelstand auch wieder in normalen Zuständen ein Eigenheim wo er möchte kaufen kann und die schwächeren Schichten der Bevölkerung auch ein gutes, niveauvolles Leben führen können ohne gegängelt zu werden, dann können wir tatsächlich von hohem Niveau reden, wenn noch immer mehr verlangt wird. Aber von diesem Zustand sind wir weiter entfernt als in der Vergangenheit.

von Jens1978 - am 12.09.2017 07:13
@Jens1978:
Ich weiß nicht, ob das so einfach ist wie du es schilderst.

Die Lösung für viele Probleme ist ja nicht immer nur "mehr Lohn". Klar, im Niedriglohnsektor ist es das. Nicht aber bei den Obdachlosen, oder eben beim Mittelstand, der an sich ja eh meist recht gut verdient. Was willst du gegen die Kapitalflucht in Immobilien konkret machen? Oder gegen Landflucht im Osten und den massiven Zuzug hier im Süden? Oder gegen eine EZB, die weiterhin den Geldhahn voll aufdreht und die Welt mit virtuellem Geld flutet, das keinen Gegenwert hat?

Das alles ist doch wesentlich komplexer und von Ottonormalverbraucher kaum zu verändern. Da MUSS die Politik her, sonst wird der Karren weltweit in den Dreck gefahren. Und der Staat sind nicht "WIR". Der Staat ist eine gewisse Anzahl gewählter Volksvertreter, die aber bei weitem nicht 100% der Leute und schon gar nicht 100% der Meinungen repräsentieren. Das ist wie bei McDonalds, da hast du auch die Auswahl aus vielen Menüs, und trotzdem ist da weder Schnitzel noch Kaiserschmarrn dabei.

Wenn man also nicht selber eine Partei gründen will oder irgendeine

von Habakukk - am 12.09.2017 07:38
In einer Welt mit ??? Milliarden Menschen und einem Deutschland mit 80 Mio. Einwohnern ist es natürlich nicht so einfach wie ich es schildere. Aber das ist der Rahmen.

Das mit der Politik und dem Staat sehe ich anders. Wir haben keine Monarchie, wo der Herrscher quasi gottgegeben vorgegeben wurde. Wir haben eine Demokratie. Ich sage nicht, dass jeder seine Meinung 1:1 umsetzen kann. Aber zu sagen, ich kann nichts ändern ist einfach nicht richtig. Ich für meinen Teil habe vor einiger Zeit entschieden selbst etwas ändern zu wollen. Seit einiger Zeit gehe/fahre ich auch regelmäßig in den Landtag nach Hannover (ich bin in Niedersachsen verortet) und versuche dort in Ausschüssen in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft meine Meinung und auch die Gedanken aus anderer Perspektive einzubringen. Natürlich werde ich nicht die Welt ändern, auch nicht in irgendwelchen Ausschüssen. Dennoch, ohne das man sich nicht selbst bewegt, ändert man nichts. Ich erinnere mich noch an 2011, damals war ich in München auf dem Odeonsplatz(?) und habe mit vielen anderen im Nieselregen gegen die Atompolitik Merkels demonstriert. Und da es sehr viele gewesen sind, ist auch eine Änderung eingetreten. Nicht weil der Jens da einzeln rumstand und seine Meinung vertreten hat, nein, weil es eine Gruppe gewesen ist. Aber eine solche Gruppe entsteht nie aus dem nichts. Irgendeiner hat sie angestoßen und so eine Bewegung ins rollen gebracht. Und solche Leute braucht es. Auch versuche ich regelmäßig mit Leute in Kontakt zu kommen und genau auch solche Fragen zu diskutieren, klären, besprechen und sich einfach auszutauschen. Beispielsweise gab es hier in Bremen mal einen Bildungsurlaub genau zu diesem Thema, 1 Woche sich intensiv fachlich über genau solche Themen austauschen, mit Einladung von Personen aus entsprechenden Organisationen, Parteien usw. Richtig interessant, ich möchte sowas nicht missen. Aber wenn jeder immer auf dem Standpunkt steht, alleine nichts ändern zu können, werden wir nie etwas zu unseren Gunsten ändern oder auch nur halten können. Denn wie du siehst, gibt es Änderungen und die fallen nicht vom Himmel, da sind wiederum andere dahinter, die genau diese Richtung vorgeben, die aber eben nicht unserer Richtung entspricht.

Und deine Fragen, was ich machen will gegen 1, 2, 3 ... Warum fragst du mich das? Warum gibst du nicht Lösungsvorschläge für die offensichtlichen Probleme? Denn diese sehe ich genauso wie du auch, keinerlei Unterschied! Sage du mir doch bitte, was du machen möchtest, was deine Lösungsansätze sind.

Abwarten auf die Politik hilft in meinen Augen nicht, denn wie du siehst, macht sie eben nicht was du dir wünschst, schon seit Jahren. Und jetzt? Passiv abwarten? Ich habe mich dafür entschieden selbst aktiv zu werden und zu versuchen die Politk und Richtung selbst, wenn auch nur ein wenig, anzutriggern. Das ist wie mit einer Uhr, wenn keiner das Pendel in Bewegung setzt, wird sich nichts ändern, auch weder sagt "das müsste mal einer machen".

Zitat
Habakukk
Das ist wie bei McDonalds, da hast du auch die Auswahl aus vielen Menüs, und trotzdem ist da weder Schnitzel noch Kaiserschmarrn dabei.

Stimmt. Deswegen gehe ich auch nicht zu McDo., ich weil meinen Kaiserschmarrn haben :-)

von Jens1978 - am 12.09.2017 08:51
@ Habakukk

Zitat

Die Lösung für viele Probleme ist ja nicht immer nur "mehr Lohn".


Damit hast du es auf den Punkt gebracht. :spos:

In unserer Branche ist es derweil so, daß die Arbeitskräfte fehlen. Die fehlen allerdings nicht wegen der Vergütung, sondern aufgrund der Arbeitsbedingungen. Immer mehr Aufgaben müssen von einem kleiner werdenden Arbeiterstamm erledigt werden. Die Folge davon sind unter anderem zunehmend Krankheitsausfälle und vorzeitiger Ruhestand bei Inkaufnahme ordentlicher Abzüge.

Und dagegen hilft das "mehr Geld", das gewerkschaftlich dann in Form von Lohnerhöhungen, Familienzuschlägen oder sonstwas oft gefordert wird, rein gar nichts. Denn verfügbare Arbeitszeit läßt sich auch mit Geld nicht vermehren.

von Kay B - am 12.09.2017 21:27
Was schlägst Du dann als Maßnahme vor, damit jemand "unangenehme" Arbeiten macht?
Durch gute Gehaltsaussichten steigt die Zahl jener, die sich für einen Beruf ausbilden lassen. Und es sinkt die Zahl jener, die "statt der paar Euro mehr" lieber Hartz IV in Kauf nimmt.

Ein Sozialsystem funktioniert doch sowieso nur, wenn ein vernünftiger Abstand zwischen staatlicher Unterstützung und Erwerbstätigkeit vorhanden ist.

von DH0GHU - am 13.09.2017 06:45
@ DH0GHU

Zitat

Was schlägst Du dann als Maßnahme vor, damit jemand "unangenehme" Arbeiten macht?
Durch gute Gehaltsaussichten steigt die Zahl jener, die sich für einen Beruf ausbilden lassen. Und es sinkt die Zahl jener, die "statt der paar Euro mehr" lieber Hartz IV in Kauf nimmt.


Da ist "unangenehme" Arbeiten der falsche Ausdruck. Eher zu viel Arbeit und Umverteilung von Aufgaben, die mit dem eigentlichen Berufsbild rein gar nichts zu tun haben und einst von zusätzlichen Mitarbeitern aus anderen Berufsgruppen effizient erledigt wurden, mit dem Ziel, hier Stellen einzusparen. Dazu kommt ein immer weiter ausufernder Dokumentationswahn mit Mehrfacherfassung gleicher Daten (obwohl in der Digitalisierung Redundanzen eigentlich zu vermeiden sind), für die keine zusätzliche Arbeitszeit eingeplant wird. Das führt dazu, daß zur eigentlichen Vollauslastung mit den eigentlichen Aufgaben wöchentlich noch mehrere Stunden an "Mal-so-nebenbei-Aufgaben" dazukommen.

Wie gesagt, es sind meiner Meinung nach die eben beschriebenen Arbeitsbedingungen, die zum Bewerbermangel führen und nicht die Vergütung. Sollte die Vergütung des Problem sein, dann dürfte im benachbarten Bayern (monatlich einige 100 Euro) nicht das gleiche Problem bestehen.

Was ich als Maßnahme vorschlage? Das Ende dieser "Personaloptimierungen", d.h. der Stellenstreichungen. Die Löhne nach oben zu treiben bewirkt meines Erachtens eher das Gegenteil und zwingt Personalplaner gerade erst zu diesen "Personaloptimierungen".


Zitat

Ein Sozialsystem funktioniert doch sowieso nur, wenn ein vernünftiger Abstand zwischen staatlicher Unterstützung und Erwerbstätigkeit vorhanden ist.


Kein Zweifel. Aber das ist hier nicht der Fall.

Interessant wäre es aber, wie viele Leute als Aussteiger wegen Überlastung, Burn-Out und anderer moderner psychischer Krankheiten, die wahrscheinlich auch auf die o.g. Situationen zurückzuführen sind, nicht mehr erwerbstätig sind. Da helfen Lohnerhöhungen rein gar nichts, die wieder ins Erwerbsleben zurück zu bekommen.

Und wieso wird eigentlich immer davon ausgegangen, daß die Vergütung das wichtigste Kriterium für die Berufsentscheidung ist? Dann könnte man sich jegliche Berufsberatungen sparen und auf Tariftabellen verweisen.

Was ist eigentlich aus der 35-Stunden-Woche geworden? Für sowas hatten sich Gewerkschaften einst stark gemacht. Das könnte für ein intaktes Familienleben sinnvoller sein als irgendwelche finanziellen Familienzuschläge.

Meiner Meinung nach sind die Gewerkschaften, zumindest medienwirksam, derweil eher nur noch "Geldeintreiber", wobei dieses Geld dann anderweitig eingespart wird.

von Kay B - am 13.09.2017 22:53
Grundsätzliche Zustimmung. Was du beschreibst sind aber nicht die Ursachen, es sind die Auswirkungen. Es zeigt leider nicht (vollständig) die dahinterliegenden Gründe auf, die liegen wo anders. Und dort sollte man ansetzen.

Zitat

Ein Sozialsystem funktioniert doch sowieso nur, wenn ein vernünftiger Abstand zwischen staatlicher Unterstützung und Erwerbstätigkeit vorhanden ist.

Richtig. Mit Hartz 4 hat man aber den Abstand in die falsche Richtung generiert. Das war und ist einer der Gründe, warum vor allem seit der Hartz 4 Reform alles und jeder langsam aber sicher nach unten rutscht. Grundeinkommen wäre hier ein Thema, wird aber zu weit führen.

Zitat

Was ist eigentlich aus der 35-Stunden-Woche geworden?

Die gibt es noch, bei "unserer/meiner" Gewerkschaft werden die 35h vertreten. Weitere Punkte wären übrigens sowas wie Sabbatical, Auszeit für Weiterbildung, Anrechnung Erziehungszeiten/Mutterschaft, (Betriebs-)Renten usw. Mich wundert es übrigens, dass das erst jetzt angesprochen, für mich ist das deutlich wichtiger als Geld. Aber, leider, es trifft nicht das Problem, denn 35h heißt dann für das Unternehmen: Mach in 35h das, was zuvor in 40h gemacht wurde => Arbeitsverdichtung. Die 35h/Woche führt demnach auch bloß wieder zu dem Geld-/Lohnproblem. Genauso wie mehr Urlaub usw. Also das Problem sitzt woanders.

Das Phänomen der Arbeitsverdichtung trifft übrigens alle Bereiche, vom Geringverdiener angefangen, bis zum Abteilungsleiter usw. Es ist leider ein Irrglaube zu denken, dass es immer nur die eigene Gruppe oder auch nur Branche trifft. Die Tellerrand ist zwar nah, aber die Welt dahinter größer. Ich kenne selbst Personen aus leitenden Funktionen, die wegen Burn-Out das Handtuch geworfen haben, und das mit Mitte 30. Ich möchte da nicht hinkommen.

1. Reallohnverlust

Solange wir eine Inflation haben, solange muss logischerweise auch der Lohn dem angepasst werden, andernfalls tritt Reallohnverlust ein. Aber, und jetzt kommt das interessante: Diesen Reallohnverlust gibt es seit rund 20 Jahren! Die Gesamt(gewinn)summen der Wirtschaft sind aber deutlich gestiegen. Das heißt die (Geld-)Flüsse, und damit auch die Gewinne als solches, werden bereits seit Jahrzehnten immer weiter umgeleitet (nicht zu "uns").

2. Arbeitsverdichtung

Zitat

Das Ende dieser "Personaloptimierungen", d.h. der Stellenstreichungen.

Und wie erreichen? Das ist doch das interessante. Dazu muss man verstehen, warum die "Personaloptimierungen", d.h. Arbeitsverdichtungen durchgeführt werden. Ziel ist es, die Wertschöpfung und demnach den Gewinn des Arbeitnehmers für das Unternehmen pro Zeiteinheit mit zuvor festgelegtem Lohn (und da steckt das Problem!) zu erhöhen. Um diesen Anreiz zu unterdrücken, müsste der (Brutto-)Lohn des entsprechenden Mitarbeiters in der gleichen Art und Weise wie dessen Arbeiten (=Wertschöpfungserhöhung) erhöht werden. Damit würde der Gewinnmehrwert und damit der Anreiz für das Unternehmen gar nicht mehr bestehen. Das heißt, selbst die Erhöhungen der ganzen Gewerkschaften usw. sind immer noch zu gering, denn der Mehrwert wird ja produziert! Nur deswegen macht es z.B. nix aus, ob in BY vllt. 100€ mehr gezahlt werden, denn das Unternehmen hat immer noch einen Mehrwert gegenüber zuvor, d.h. selbst die 100€ mehr sind immer noch zu wenig, so krank sich das auch anhört.

Das Problem liegt, ich habe es ganz oben schonmal dargestellt beim"Phänomen" Gewinn und vor allem, der immer steigenden Rendite eines Unternehmens. Die steigende Rendite bedeutet schlussendlich nichts anderes, als genau das: Die Wertschöpfung des Mitarbeiters pro festgelegtem Lohnsatz für eine Zeiteinheit zu erhöhen => die Arbeit zu verdichten => die Ausbeutung des Mitarbeiters. Es muss endlich verstanden werden, dass ein immer größeres Wachstum, und vor allem einseitig, einfach nicht möglich ist. Jeder Organismus hat irgendwann seinen Endzustand erreicht.

Die Kombination des sowieso schon eingetretenen Reallohnverlustes (1) nahezu aller Schichten bis zur oberen Oberschicht (aber wieviele gehören der tatsächlich an? 5%? 1%?) und der Arbeitsverdichtung (2) ist hierbei die Steigerung des ganzen Phänomens, denn beides zielt in die gleiche Richtung! Das Problem ist somit systembedingt. Deswegen, ich rede mir den Mund fussellig: Es trifft alle, alle Schichten rutschen ab, es hilft nichts sich gegenseitig zu zerfleischen.

Aus diesem Grund verlangen, mittlerweile immer mehr, u.a. Wirtschaftswissenschaftler eine Begrenzung der Renditen. Auch einige politische Parteien oder zumindest Teile von politischen Parteien, reihen sich in diese Forderung ein, sogar solche pol. Parteien, von denen man es nicht vermutet. Denn sie sehen - langsam, aber immerhin - dass das System andernfalls zerfällt und es die Gesellschaft zerreißt. Da muss man ansetzen. Und das kann man nur, ich wiederhole mich, wenn man selbst aktiv wird und selbst versucht die Richtung zu ändern. Denn eines darf man nicht vergessen: Das, was wir erleben ist ein Änderungsprozess. Und Änderungen treten nur ein, wenn sie von irgendwem/irgendetwas getrieben werden. Die derzeitigen Änderungen werden in meinen Augen nicht von der Mehrheit der Bevölkerung getrieben. Demnach sollte man, wenn man die Änderungen nicht wünscht, die eigenen Zustände verwirklichen wollen.

Die ganze Entwicklung ist übrigens nicht neu, bzw. nicht neu erkannt. Hier etwas Literatur:
Ein Prozent ist Genug
Das Kapital im 21 Jahrhundert
Re. Kapital
Sendereihe DLF - 9 Folgen - 2016/17
Grenzen des Wachstums

von Jens1978 - am 14.09.2017 05:44
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