Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Radioforum
Beiträge im Thema:
421
Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 4 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 9 Monaten
Beteiligte Autoren:
Kay B, PowerAM, Sebastian Fritzsche, DLR-Fan Sachsen-Anhalt, dlf-fan, Manager., Robert S., Mathias Volta, hetietz, RADIO354, ... und 139 weitere

Westfernsehen in der DDR

Startbeitrag von rick_71 am 30.04.2003 16:48

Hi,

mich würde mal interesieren, wo überall in der DDR ARD, ZDF und die Dritten dauerhaft zu empfangen waren und mit wechem Aufwand. Ich mach mal den Anfang: Zuhause war ich in einem kleinen Nest in der sächsischen Schweiz nicht weit weg von der tsch. Grenze. ARD war bei uns nicht immer gut empfangbar. Meistens war über Kanal 7 von Berlin. Wenn der nicht ging, klappte es dann mit E4 vom Ochsenkopf. ZDF und die Dritten waren höchstens 5 mal im Jahr gut empfangbar. Radio hingegen war Bayern 1-4 und SFB 1-4 dauerhaft in angerauschtem Stereo empfangbar, ab und an mit Schwundeinbrüchen. Ständig in Mono ging HR 3 vom Hohen Meißner aber auch nicht besonders stabil. Für Bayern/HR hatten wir 8*14Elemente UKW und 2*5Elemente E4. Berlin war mit einer 16er Gruppe Kanal 7 und 4*14Elemente UKW das aufwendigste. Interessanterweise konnten wir den Kanal 5 vom Berliner Fernsehturm ständig empfangen. Liegt offenbar am höheren Senderstandort.
Die 50 interessantesten Antworten:
Soweit mir bekannt wurde in eingige Antennengemeinschaftsanlagen in der ehemaligen DDR schon Mitte der 80er (!) RTLplus, Sat.1, Musicbox und SkyChannel (also die Programme vom Eutelsat I F1 auf 13°Ost eingespeißt).

Das Empfangsequipment wurde entweder über Ungarn geschmuggelt oder halboffiziell die russische Alternativtechnik eingesetzt.

Das hat man mir - wie gesagt - erzählt. Die Möglichkeit, mir sowas anzugucken hatte ich ja damals nicht.

Aber ist schon interessant, was die Leute im "Tal der Ahnungslosen" damals alles so auf die Beine gestellt haben. Macht das mal nach - Telekom, ish und Co!


In den 50er Jahren war ja der Empfang von "kapitalistischen" Programmen in der damaligen DDR streng verboten. Bei Lehren und Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes (oder wie man das damals genannt hat) soll man ja sogar auf die Dachböden gestiefelt sein und die Antennen gen Westen gekappt haben.

Selbige Leute sollen sich damit Abhilfe geschafft haben, indem sie vertikal polarisierte Band I - Antennen aus dünnem Draht für E4 vom Ochsenkopf eintapiziert haben und das Flachkabel dann an der Scheuerleiste zum Fernseher geführt haben.

Wer würde heute noch sowas tun?

von Kay Bartholomäus - am 30.04.2003 17:48

Aw: Westfernsehen in der DDR

Da waren wir 15 km von der nördlichen Berliner Stadtgrenze fein raus! Neben DDR 1 und 2 vom Fernsehturm ging auch ARD, ZDF, N3 (damals noch mit SFB-Beteiligung) und ab '87 (?) auch SAT.1. Kurz nach der Wende kam dann auch RTL plus. Speziell dafür waren aber Antennenänderungen notwendig da die meisten UHF-Antennen damals nur bis Kanal 39 brauchbar waren und auf Kanal 56 fast nichts mehr brachten.

Meine Eltern vermieteten damals unsere Laube an Urlauber aus Dresden, der Sächsischen Schweiz usw. die offensichtlich nur hier Urlaub machten um in Ruhe (und reichlich!) Westfernsehen zu gucken und in der Hauptstadt täglich (!) einkaufen zu gehen. Die kamen oft mit 'nem Trabi-Kombi und Anhänger. Immer dabei waren "Bestellzettel" der Daheimgebliebenen (Bekleidung, Nahrungsmittel, Werkzeug, ...), die äußerst gewissenhaft abgearbeitet wurden. Unser erster Farbfernseher (RFT Colorett) war mit einem PAL/SECAM-Dekoder ausgerüstet und brachte alles ordnungsgemäß in Farbe. Darauf sind meine Eltern offenbar nicht reingefallen...

Erwähnen möchte ich auch, daß ich in meiner Jugend auf einem Zeltplatz (Nähe Schwerin) mit 'nem Kofferradio fast problemlos RIAS 2 (94,30 MHz) hören konnte, wenn auch teilweise leicht gestört.



von PowerAM - am 30.04.2003 18:57
So gut wie den Berlinern gings mir hier nordwestlich von Haller/S. nicht. Quasi konnte ich als einzigstes Westprogramm die ARD von Harz/West K10 täglich in Farbe aber nicht 100% rauschfrei empfangen, mit 14 Element-Antenne und Vorverstärker in Dipoldose. Die UHF- Sender vom Torfhaus gehen hier überhaupt nicht, eher hatte ich bei Tropo den K23 von Hof bekommen als vom Torfhaus war und ist auch bis heute auch bei Tropo bei mir nichts zu sehen, auch die UKW-Sender vom Torfhaus sind schlechter empfangbar als WDR2 vom TW das von mir aus auch direkt über den Brocken muss.
Ich hatte noch eine 30 El. UHF-Selbstbau-Antenne nach Berlin, damit konnte ich bei Tropo ZDF und N3 sehen, bei stärkerer Tropo auch Sat1/RiasTV. Unter normalen Bedingungen war kein ZDF-Empfang damit möglich, das hätte mindestens eine 4er Gruppe erfordert, das war mir zu aufwendig und kompliziert, der Empfang von Berlin ist bei mir durch den Petersberg stark abgeschwächt.
Mein Nettoverdienst betrug bis zur Wende 720 Ostmark, ich hätte mir nie eine teure Satanlage aus dem Westen leisten können, die hier anfangs für 20.000 Ostmark angeboten wurden. Soviel war mir das Werstfernsehen auch wieder nicht wert ;-).
Eine Gemeinschaftsantennenanlage mit ZDF und Dritten und Satempfang im ganzen Wohngebiet hatten die Kommunisten hier erfolgreich verhindert, jeder musste seine eigene Antenne verwenden.

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 30.04.2003 20:17
Im Raum Elsterwerda konnte ich K 7 ARD, K 39 N 3, K 25 RiAS TV/SAT 1 und K 33 ZDF ( bis 1974 störungsfrei - ab Dez.74 Bild CZ 2 aus Aussig und Ton ZDF - ab ca. 22 Uhr nur ZDF) - alle Wset-TV-Programme mit "Gries" und gewissen Schwankungen manchmal - ca. 150 km Entfernung von Westberlin- DDR, CSSR und Polen-TV-Programme kamen natürlich auch rein. Der Beatclub und später Musikladen von der ADR wurden zeitversetzt vom Polen TV 2 damals übertragen und von mir zusätzlich konsumiert.

Die RiAS, SFB-Radio-Programme, BFBS, AFN, RFI, Hundert6 kamen über FM gut von Berlin rein. BR-Radio-Programme wurden mit gewissen Schwankungen über Ochsenkopf empfangen. Über Torfhaus kam das NDR-Radio und BFBS rein. Vom Hohen Meißner kamen alle drei HR-Radio-Programme mit starken Schwankungen rein. Das mit damals einem z.B. Rema-Toccata, Rema-Tonica oder RFT-Soltär- Yagi-FM-Antennen in die jeweilige Richtung.

Als Student in Dresden konnte man in den Wohnheimen, die höher gelegen waren, z.B. Wundtstraße oder Zellescher Weg, SFB 1 - 88,8 MHZ, 94,3 MHZ RiAS 2 und HR 3 89,5 MHZ u.a. mit kleiner FM-Yagiantenne Richtung Berlin oder Hohen Meißner empfangen. "Störsender" - FM-Überbelegung gab es damals noch nicht. Der Mittelwellenempfang wurde anfangs damals auf den RiAS-Sendern gestört. Dafür hörte man ohne hohen technischen Aufwand auf KW 6005 KHZ RiAS, 6190 KHZ SFB/RB, 566 KHZ später 567 KHZ SFB 1 - selbst damals in Prag und Budapest tagsüber gut zu empfangen - höhere Sendeleistungen wurden damals noch gefahren.

Heutzutage sind bei der Überbelegung des FM-Bereiches der gute Empfang bei Super-FM-Tunern- z.B. Onkyo T9990 oder Onkyo T-4970 derartige Empfänge nicht mehr möglich. Selbst der "Nahempfang" mit 100 KW-Sender - z.B. Berlin-Britz 89,6 MHZ D-Radio(eh.RiAS 1-Frequenz) wird seit einer Woche mit einem 1 KW-Sender auf 89,5 MHZ - Hohenleipisch RTL 104.6 gestört!

von GunterH - am 30.04.2003 21:45
@ Kay Bartholomäus: Stimmt, an den Sendestart von SAT.1 kann ich mich auch noch erinnern. Den genauen Zeitpunkt wußte ich aber nicht mehr. Von Tele 5 weiß ich nichts, auf welchem Kanal soll der den empfangbar gewesen sein? Nebenbei könnte ich noch erwähnen, daß AFN-TV manchmal gaaanz schwach aufnehmbar war, aber mit dem Farbfernseher meiner Eltern nicht brauchbar darstellbar war. Ich hatte damals ein kleines russisches Wunder (Junost), der machte immerhin ein verschwommenes Bild draus. Ton war nicht empfangbar. BFBS-TV konnte ich nie sehen, eher noch das Programm der Franzosen. Die saßen ja im Norden (West-) Berlins und kamen trotz extrem schwacher Abstrahlung zumindest einigermaßen an.

Zu deiner Frage nach dem Farbfernseher: Zumindest mit zunehmender Popularität der Farbgeräte Mitte der 80er Jahre entstand natürlich auch der Wunsch, PAL und SECAM empfangen zu können. Fernsehgeräte im Laden gab es schon, die waren allerdings im Regelfall ohne PAL-Decoder. Wer ein Gerät mit PAL und SECAM wollte mußte es bestellen, die Lieferzeit wurde vorsichtshalber meinem Vater gegenüber nicht festgelegt. Es war von 9 Monaten bis 2 Jahren die Rede.

Irgendwie gab es aber in seinem damaligen Betrieb die Möglichkeit, genau dieses Gerät "vielleicht" zu kaufen. Für die ca. 1400 "Werktätigen" standen nach Aussage meines Vaters 12 Geräte zur Verteilung bereit. Insgesamt waren es 20 Stück gewesen, die ersten 8 gingen aber an "besondere Bedarfsträger" (Brigadeleiter, Parteisekretär, ...). Da man aber in diesem Betrieb einigermaßen demokratisch arbeitete durfte sich jeder Interessent bewerben. Aus den Bewerbungen wurden dann 12 Interessenten ausgewählt, die sich durch besondere Leistungen verdient gemacht haben. Dabei hatte er irgendwie Glück und bekam den Zuschlag. Damit "durfte" er eines dieser Geräte für ca. 6000 DDR-Mark kaufen. Es waren übrigens alles "Exportgeräte" für den Quelle-Versand die wegen optischer Mängel nicht exportiert werden konnten. Daher auch die Ausrüstung mit PAL- und SECAM-Decoder. Bei unserem Exemplar war die Möbelfolie auf dem Preßspan-Gehäuse schief und blasig verklebt was den Nutzwert des Gerätes aber in keiner Weise beeinflußte.



von PowerAM - am 01.05.2003 13:23
Bei uns gabs Sat-TV wohl erst nach der "Wende", dafür waren ARD, ZDF und die Dritten des BR, NDR und möglicherweise auch hr schon seit den 80ern drin. Das Kabelnetz wurde entgegen der üblichen Praxis auch komplett unterirdisch verlegt, sogar unter Straßen wurde aufwendig durchgeschossen. Ergebnis: die Anlage hat heute noch Zulassung (die Kopfstation ist freilich erneuert), auch wenn das, was bei meinen Eltern da aus der Dose kommt, für meine Ohren (UKW) unbrauchbar ist. Es rauscht selbst bei Programmen, die via ADR rangeholt werden. Damals gabs aber (nicht umgesetzt, also allesamt auf den terrestrischen Frequenzen) neben den üblichen DDR-Programmen RIAS 1, RIAS 2, Bayern 1-4, NDR 1, NDR 2 (NDR 3 weiß ich nicht mehr, zumindest als der "Reißwolf" NDR 2 verließ, konnte ich ihn nicht mehr empfangen.), hr 3 (vielleicht noch ein paar andere vom hr) sowie DLF und Antenne Bayern.

Wie gingen die "DDR-Oberen" damit um? Nun, es gab zum Start 1983 eine Rundschrift (wer die wohl wieder illegal kopiert hat, denn Kopierer gabs offiziell auch nicht...), in der auf die TV-Programme (UKW schien niemanden zu interessieren) hingewiesen wurde. Sinngemäß: "Kanal x DDR 1, Kanal y DDR 2. Auf den Kanälen ... existieren weitere Empfangsmöglichkeiten."
"Empfangsmöglichkeiten" waren das also. Und im Statut der Antennengemeinschaft stand "Die Mitglieder sind über das Gesetz zum Schutze des Friedens vom ... belehrt."
Das wars, mehr nicht. Und meine Musiklehrerin in der 7. Klasse prahlte damit, daß sie am liebsten RIAS 2 hörte...

von Radiowaves - am 01.05.2003 19:20
in Leipzig ging:

-Torfhaus K10 gut .Mit 13 Elem. Antenne und Vorverstärker
-ZDF Großer Waldstein ( Hof ) K23 Mit 4er Gruppen in Zeile wegen
Nachbarkanalstörungen vom Sender Leipzig K22 auch aus Südrichtung
mit Sperrkreisfilter und gutem Vorverstärker wetterabhängig mäßig bis
sehr gut
- Bayern 3 Großer Waldstein K57 mit 1 bis 4 Antennen gut bis sehr
gut auch wetterabhänig
- N3 Berlin K39 Mit 4er Gruppen , um Gleichkanalstörungen aus-
zublenden mäßig bis sehr gut auch wetterabhängig
- ZDF Berlin K33 mit gleichem Aufwand wie K39
Gleichkanalstörungen von Sonneberg,
- Hoher Meißner K55 HR3 Mäßig bis gut mit 1 bis 4 Antennen
An allen Gruppen Eigenbau - Verstärker mit KT Transistoren ( russ.
besser als MosFet ) und transformatorische Verteiler in umgekehrter Richtung
betrieben. Natürlich alle Empfangsergebnisse Je nach Stadtlage verschieden gut
Der Winkel zum Sender Leipzig K22 im Süden war im Zentrum 0 Grad , d.h.
es zog sich durch Leipzig ein Streifen , in dem K23 ZDF von Hof nicht lößbar
war. Auf Wohnhäusern ab 10 Etagen war immer Berlin oder Hof machbar.
-K32 ZDF Hoher Meißner war durch Chemnitz DDR2 K32 unmöglich.
-K4 ARD Ochsenkopf ist auch machbar gewesen aber Torfhaus K10
war der geringere Antennenaufwand und stabiler

UKW Torfhaus NDR1-3 mit 7elem. Antenne rauschfrei in Stereo
Hoher Meißner HR1-3 leicht verrauscht stereo . Ab 11 Etagen sauber
Die Berliner Sender etwas verrauscht in Stereo
BFBS 93,0 Drachenberg gut und stabil in mono rauschfrei


Eine Frage zum an die Norddeutschen aus MV. Ich habe gehört, daß Flensburg
Kanal 4 50KW in Wolgast und Umgebung empfangen wurde . Ging das und wie ??

von Klaus Schindler - am 02.05.2003 12:10
Torfhaus K10 ging in Leipzig recht stabil. Nur tageszeitliche minimale Feldstärkeschwankungen , nur eine leichte Wetterabhängigkeit. K10 kam ja gerade noch am Brockengipfel vorbei in Richtung Leipzig. Je weiter man nach Süden kam um so stärker wurde das Signal.Ab Naumburg ín S.Anh. ging dan auch K23 und K53 vom Telekommast , der ja etwas nordlicher als der NDR Mast steht und für Leipzig und Halle (Saale )
genau hinter dem Brockengipfel steht. Gibt es Einzüge in Richtung Brocken vom Telekommast ? Oder war das nur Abschattung ? Laut Senderdatenbank ist das ja leider so .

K 10 ging bei Hochdruckwetter morgens ein par Dezibel mehr und bei Tropo vielleicht 10 db mehr als im Durchschnitt.Der Nachbarkanal 9 vertikal aus Wiederau ddr1 100KW ( südl. von Leipzig ) brachte durch Seitenband-Reste der SECAM-Farbträger leichte Störungen ( schmaler Balken und Umrisse von farbigen Konturen ) rein . Je nach Stadtlage sehr leicht bis störend. Den gleichen Effekt auch auf ZDF K 23 vom Waldstein durch Wiederau K22 500 KW ddr2. Diese Störungen durch K22 auszublenden war nur mit 2 oder besser 4 Kanalantennen (ca. je 17db auf K23 ) in Zeile möglich. Extrem selektive Sperrkreise und großsignalfeste Kanalverstärker mit tranformatorischen Zusammenschaltgliedern waren Voraussetzung um da überhaupt was zu bekommen. Im Südwesten ( zB. Grünau mit 6 bis 11 Etagen , ein Traum waren 16 Geschosser ) war K23 rauschfrei mit wehnig störenden Farbträgerresten durch K22.Ich bin in 13 Jahren Antennenbau mit solchen Kopfstationen nie mit dem Staat angeeckt. Es wurde geduldet . Vieleicht habe ich eine Akte , na und. Die Nachbarkanalbelegung war sicher kein Zufall, konnte die DDR eigendlich sich die Frequenzen aussuchen, oder war das irgendwie koordiniert mit Europa? Wieso dann oft diese "Zufälle" mit Nachbarkanal und Richtung auch in anderen Gegenden?

Wie weit ging in Ostsachsen mit welchen Aufwand noch Ochsenkopf K4 ? 2 mal 5 Elem. Antennen vert. waren doch ein Traum von Anlage auf dem Dach !

von klaus schindler - am 02.05.2003 23:43
2*5Elemente K4 hatten wir auch nur an der Gemeinschaftsantenne. Von meinen Erfahrungen her geht der Kanal 4 nur bis etwa Freiberg, danach sieht man nur noch Antennen für alle 3 Prg. von Berlin. In Döbeln ists bis auf wenige Ausnahmen auch der Berliner Sender gewesen. Zwei oder 3 K4 Antennen hab ich dort bis jetzt gesehen. In Dresden und selbst wurde wenn überhaupt eine ARD Antenne für K7 Berlin genommen, an den östlichen Elbhängen und Radebeul nur K4 Ochsenkopf. Der Empfang war nur Überreichweitenempfang, nichts stabiles. Aus Erzählungen weiss ich, 3-10mal im Jahr war ein befriedigender Empfang möglich, der Rest nur Rauschen. Weiter elbabwärts wurde eigentlich nur noch Berlin genutzt, bis auf Weinböhla. dort hatte jedes dritte Haus mindestens 2 Eigenbau HB9CV für Kanal 4. Es war aber auch keine bessere Empfangslage nur Leute mit mehr Begeisterung. Ab Meißen ging mit erhöhtem Antennenaufand auf den Elbhängen ständig ZDF und N3, ARD ´mit Einzelantenne schon befriedigend. Probleme mit CT2 und ZDF auf dem selben Kanal sind dort nicht so schwerwiegend gewesen, da der Störsender nicht direkt von hinten einfällt, sondern leicht seitlich. Man konnte durch geschicktes Drehen der Antenne den Störer in die "Antennennull" reinfahren, ohne den Nutzsender zu sehr zu schwächen. Außerdem hat man durch geschickte Wahl der vert.- Stockungsabstände die Nullstelle auch so erzeugen können, ohne Beeinträchtigung des Nutzsenders.

In Ostsachsen war Kanal 4 V lange Jahre belegt vom Umsetzer fürs DDR1 in Neustadt/Sachsen und K4 H aus Calau kam noch dazu. Anfang der 80er ist der Umsetzer abgeschalten worden, da beide Programme auch im UHF Bereich vom selben Standort kamen. Calau war nicht so sehr das Problem, da es mit anderer Polarisation und aus einem Winkel von etwa 90° kam. Beste Voraussetzungen, den Sender zu unterdrücken. Die ARD war ständig aus dem Rauschen wahrnehmbar mit etwa 20dB Rauschabstand. Abhängig vom Wetter kam Ochsenkopf mal fast rauschfrei, mal kam aber auch Calau als Jalousie durch.

Zwischen Görlitz und und Dresden wurde wenn überhaupt ausschließlich Berlin als Senderstandort gewählt. Einzig in Zittau habe ich noch Ochsenkopf-Antennen gesehen. Mit Radiomobile habe ich mir mal die Reichweite des Ochsenkopf angesehen. Auf der Lausche bei Zittau hätte man einen dauerhaften Empfang hinbekommen können.

von rick_71 - am 03.05.2003 04:07
Zitat

Mathias Volta schrieb:

Ein Gedanke habe ich in dem ganzen Zusammenhang, der auch
hier zu diesem Treat paßt:
Nord- und Südkorea sind ja heute nach wie vor gespalten und
im Gegensatz zur DDR und der Bundesrepublik ist das
politische Verhältnis wesentlich angespannter. Über die
weltweiten TV-Normen bin ich informiert und mir ist bekannt,
daß die TV-Normen in Nord- und Südkorea zu unterschiedlich
sind, als daß man einfach lustig das TV-Programm vom
jeweiligen anderen Land schaut. Südkorea hat -glaube ich-
NTSC M und Nder Norden Secam, wenn ich mich nicht irre (habe
gerade die genaue Tabelle nicht bei Hand).
Wollte damit nur sagen, daß eine ähnliche Situation wie
damals bei uns heute noch dort existiert.


Nach neuesten Meldungen in verschiedenen Medien wird im Norden sehr wohl Südfernsehen konsumiert, und zwar über Aufzeichnungen auf Videokassetten, die auf dem nordkoreanischen Schwarzmarkt kusieren. Ich glaube, die werden über China eingeschmuggelt. Äußern tut sich das u.a. dadurch, daß die momentanen Frisurentrends nordkoreanischer Jugendlicher von beliebten südkoreanischen Fernsehserien beeinflußt werden. Entsprechendes Empfangs- bzw Videoequipment scheint jedenfalls dazusein. Es wäre interessant, mehr über die (Süd-)Fernsehempfangspraxis in Nordkorea zu erfahren.


EDIT: quote-Tags richtig eingestellt

von Sebastian Fritzsche - am 15.04.2005 17:14
Schwabinger schrieb:

Zitat

Ist ja interessant, dass es in der DDR auch privat
organisiertes Kabelfernsehen gab.
Haben da die Blockwarte ein Auge zugedrückt, wenn im
Plattenbau Leitungen verlegt wurden, die ganz offensichtlich
nicht dem Aufbau des Sozialismus dienten? Und wo kam den das
ganze Zubehör (Umsetzer und dergleichen) her?


Ich kenne ein Beispiel von Verwandten aus Seifersdorf, südlich von Dresden (das Nachbardorf meiner Großeltern). Dort gab es ca. 1988 ein 'Versuchsprojekt der TU Dresden'. Auf einem nahegelegenem Berg wurde ein Empfangsmast mit diversen VHF und UHF-Gruppen (wieviele genau weiß ich nicht), sowie Satellitenantennen errichtet. Die Programme sollten dann per Kabel in die umliegenden Dörfer geleitet werden, zu meinen Großeltern ist es leider bis zur Währungsunion niemals gekommen.
In Seifersdorf jedenfalls wurde es noch realisiert, ich habe es selbst gesehen. Da gab RTL, SAT1, TELE 5, Eurosport und MTV in gestochen scharfer Qualität auf dem Bauernhof. ARD und ZDF wurden allerdings über Berlin rangeholt und kamen dementprechend schlecht.

Woher die das Equipment genommen haben, weiß ich allerdings auch nicht, jedenfalls war alles höchst offiziell.

Ich muß noch dazusagen, daß man in der Gegend bis 1988 nur das 'Erste Ost' empfangen konnte, und zwar auch nur über einen Umsetzer (E3), weil ein Berg den Direktempfang aus Dresden verhinderte. Ab '88 gab es dann einen UHF-Umsetzer, der auch das Zweite ausstrahlte und heute noch arbeitet (ARD/ZDF/MDR).
Seit 1990 wird natürlich hauptsächlich auf Satellitenindividualempfang gesetzt, den gab es vereinzelt auch schon zu DDR-Zeiten. Auch hier weiß ich nichts genaueres, ich habe nur damals die Antennen gesehen (ca. 80-90er Schüsseln).
Im Gegensatz zu früher kann man heute auch Tschechensender ganz gut empfangen, wenn man 'DK' eingebaut hat (haben tatsächlich einige Geräte). Interessiert allerdings, damals wie heute, keinen.

von Sebastian Fritzsche - am 15.04.2005 18:54
PowerAM schrieb:

Zitat

@ Kay Bartholomäus:
Nebenbei könnte
ich noch erwähnen, daß AFN-TV manchmal gaaanz schwach
aufnehmbar war, aber mit dem Farbfernseher meiner Eltern
nicht brauchbar darstellbar war. Ich hatte damals ein kleines
russisches Wunder (Junost), der machte immerhin ein
verschwommenes Bild draus. Ton war nicht empfangbar. BFBS-TV
konnte ich nie sehen, eher noch das Programm der Franzosen.
Die saßen ja im Norden (West-) Berlins und kamen trotz extrem
schwacher Abstrahlung zumindest einigermaßen an.

Zu deiner Frage nach dem Farbfernseher: Zumindest mit
zunehmender Popularität der Farbgeräte Mitte der 80er Jahre
entstand natürlich auch der Wunsch, PAL und SECAM empfangen
zu können. Fernsehgeräte im Laden gab es schon, die waren
allerdings im Regelfall ohne PAL-Decoder. Wer ein Gerät mit
PAL und SECAM wollte mußte es bestellen, die Lieferzeit wurde
vorsichtshalber meinem Vater gegenüber nicht festgelegt. Es
war von 9 Monaten bis 2 Jahren die Rede.

Irgendwie gab es aber in seinem damaligen Betrieb die
Möglichkeit, genau dieses Gerät "vielleicht" zu kaufen. Für
die ca. 1400 "Werktätigen" standen nach Aussage meines Vaters
12 Geräte zur Verteilung bereit. Insgesamt waren es 20 Stück
gewesen, die ersten 8 gingen aber an "besondere
Bedarfsträger" (Brigadeleiter, Parteisekretär, ...). Da man
aber in diesem Betrieb einigermaßen demokratisch arbeitete
durfte sich jeder Interessent bewerben. Aus den Bewerbungen
wurden dann 12 Interessenten ausgewählt, die sich durch
besondere Leistungen verdient gemacht haben. Dabei hatte er
irgendwie Glück und bekam den Zuschlag. Damit "durfte" er
eines dieser Geräte für ca. 6000 DDR-Mark kaufen. Es waren
übrigens alles "Exportgeräte" für den Quelle-Versand die
wegen optischer Mängel nicht exportiert werden konnten. Daher
auch die Ausrüstung mit PAL- und SECAM-Decoder. Bei unserem
Exemplar war die Möbelfolie auf dem Preßspan-Gehäuse schief
und blasig verklebt was den Nutzwert des Gerätes aber in
keiner Weise beeinflußte.

Damit gebe ich zurück in die angeschlossenen Funkhäuser. 128
de Janek.

QTH: 15 km nördlich von Berlin [52° 43' 00'' N - 13° 26' 00''
O]
[RX: Autoradios VW Alpha, Philips RC 219 BQRs und HiFi-Tuner
Technics ST-S 505, ANT: HB9CV und Kathrein 3-El. Yagi]




Soweit ich weiß, hatten, zumindest seit den 80ern (ich sehe etwa seit '81 fern) die in der DDR verkauften Geräte alle PAL und SECAM regulär eingebaut (denn wer hätte schon ein Gerät gekauft, das nur 'Osten' in Farbe bringen konnte?). Ausnahmen gab es lediglich im Tal der Ahnungslosen sowie an Schulen (sowie wahrscheinlich an anderen öffentlichen Einrichtungen). So z.B. bei meinen Großeltern südl. von Dresden, die zu DDR-Zeiten niemals 'Westen' gekriegt haben. Die hatten einen CHROMAT, der nur SECAM konnte. Ende der 80er haben sie dann einen neuen gekauft, der auch PAL konnte (nutzen konnten sie dieses Feature allerdings erst ab ca. 1990, als sie sich eine Sat-EInzelanlage zulegten). Übrigens wurden mit der Abschaltung der terrestrischen SECAM-Ausstrahlung auf dem Gebiet der Ex-DDR (1991 ?) unzählige Geräte im Tal der Ahnungslosen über Nacht zu Schwarzweiß-Empfängern ! Dies sei nur am Rande erwähnt. Ein ähnliches Schicksal muß unzähligen Polen und Tschechen widerfahren sein, wo ähnlich rabiat verfahren wurde. In meiner Schule, die ich von 1981-1991 besuchte, wurden noch kurz vor der Wende nagelneue Farbfernseher angeschafft (vorher gab es nur Röhre mit Drehregler), natürlich nur mit SECAM. Auch diese wurden auf diese Art und Weise schnell zu S/W-Geräten.
Ich kenne jedenfalls keinen Privathaushalt mit Westempfang, der nur Osten in Farbe hatte. Selbst Linientreue, die ihren Kindern Westfernsehen verbaten, hatten Westantenne- und Farbe. Teilweise wurden sogar SANYO-Geräte verkauft (auch für Ostmark). Diese zu bekommen, war allerdings schon etwas schwieriger.

Was den Empfang von AFN angeht, das wurde ja in NTSC ausgestrahlt. Deshalb konnte man, selbst bei gutem Empfang, maximal ein gutes S/W-Bild haben (so wie bei mir zuhause), ohne Ton. TV-Geräte mit diesem Feature (NTSC) wurden m.E. im Osten gar nicht verkauft, vielleicht im Intershop. Ich kenne jedenfalls keinen, der sowas zu Ostzeiten hatte. Anders beim BFBS-TV, hier mußte ja 'nur' der Ton geknackt werden. Ich kenne zwar auch hier keinen, der das hatte. Gelegentlich konnte ich jedoch entsprechende Antennen für dieses Programm auf den Dächern entdecken, auch dort, wo (vermutlich) keine Diplomatenwohnungen waren. Diese Antennen waren leicht zu erkennen, da dieser Sender in Berlin als einzigster vertikal sendete (UHF E41, später von BBC World benutzt, allerdings horizontal vom Alexanderplatz, in PAL B/G). Der Empfang von BFBS (auch SSVC genannt) war übrigens miserabel, nicht nur wegen der Polarisation, sondern generell haben die sehr schwach gesendet. Jahrelang wußte ich gar nicht, daß es diesen Sender gibt.

Der Sender der Franzosen ( FRANCE2, ehem. ANTENNE 2, davor bis Mitte der 80er TV5, davor angeblich TF1 ? - wer weiß hier besser Bescheid als ich, das war vor meiner Zeit ? - , mit Regionalfenster 'tfb - television francaise a Berlin') auf Kanal E31, war zumindest im Zentrum Ostberlins sehr gut zu empfangen (mit Zimmerantenne bei mir in der Nähe des Alexanderplatzes sogar besser als die Westsender) und hat komischerweise in der gleichen Norm gesendet, wie das DDR-Fersehen, also in CCIR und SECAM-Ost, obwohl doch das französische SECAM andere Parameter hat, als das osteuropäische, oder ?-

Wer weiß, inwiefern man mit einem PAL/SECAM(-Ost) B/G-Gerät französisches Fernsehen an der französischen Grenze empfangen kann ?

Als das DDR-Fernsehen 1991 (?) in Landesanstalten umgewandelt und damit auf PAL umgestellt wurde, haben die Franzosen auf K31 sofort nachgezogen ! (Ich hatte damals bereits ein Nur-PAL.Gerät von einem Westbekannten geerbt, daher ist mir das sofort aufgefallen).

Da ja PAL / SECAM-Geräte ja in der Regel auf PAL-Basis arbeiten und das SECAM in PAL umsetzen, wäre es noch interessant zu wissen, ob die nur-SECAM-Geräte eine völlig andere Schaltung hatten (es waren ja eigentlich die gleichen Modelle, nur ohne PAL), oder ob auch die in PAL umgesetzt haben, aber den eigentlichen PAL-Empfang unterdrückten, was natürlich absurd, aber nicht unvorstellbar wäre.

von Sebastian Fritzsche - am 15.04.2005 20:06
Hier in Lübz waren dank des QTH Höbeck ZDF und N3 klar zu empfangen - jedenfalls mit aufwändiger Hochantenne. Probleme gab es hier mit dem Ersten. Trotz der Hochantenne hatten wir dieses Px nur mit Grieß (S=3) vom QTH Zernien. Es muss aber gesagt werden, dass wir hier ziemlich ungünstig wohnten, die Hochantenne wurde extra nach dem Ersten ausgerichtet. Aber auch im Haus meiner Großeltern, die sehr günstig (höhere Lage am Stadtrand) wohnten, war das Erste genau so mies herein, Höbeck knallte dagegen dort recht heftig hinein und auch aus Uelzen waren ZDF und N3 zu empfangen (wenn auch verrauscht). Bei ÜRW konnten wir das Erste auch über Kanal 9 (Moorfleet) sowie ZDF und N3 aus Berkenthin empfangen. Von dort kamen im Mai 1988 nachts bei einer ÜRW erstmals RTL (K 36) und SAT1 (K 42) durch.

In Jena, wo ich von 09/1988 bis 07/1991 lebte, war der "Westempfang" wegen der Tallage der Stadt ziemlich problematisch. Das Erste kam im Süden der 14 km langen Stadt recht gut über Torfhaus E-10 herein. Im Stadtzentrum gab es nur die Möglichkeit über den Ochsenkopf E-04, die Dächer waren vollgespickt mit selbstgebastelten Konstrukten für Band1. Trotzdem war die Qualität auch ohne Sporadik-E ziemlich dürftig.
Beim ZDF kamen sich die QTH Torfhaus und Hof auf K23 ins Gehege, der Heidelstein kam hier kaum herein. Ich vermute, das das ZDF in Jena nirgendwo ohne Querstreifen empfangbar war. N3 und Bayerisches FS kamen etwas vergrießt herein (S=3 bis 4), es war vermutlich vom Standort abhängig. Vielerorts waren auch in Jena lokale Kabelnetze im Einsatz, die Kopfstationen lagen meistens oberhalb der Wohngebiete. In der Regel wurden die UHF-Kanäle auf VHF umgesetzt, um Kabelverluste zu verringen. Ebenso war es mit der Wohnblockantenne im Studentenwohnheim in Lobeda, hier waren das ZDF auf E-03, Bayerisches FS auf E-12 und DDR2 auf E-08 umgesetzt. Dazu kamen noch die original eingespeisten Signale vom ARD (E-10) und DDR1 (E-06, QTH=Brocken?). In der Innenstadt waren für die beiden DDR-Px natürlich Füllsender in Betrieb.

In den 60er Jahren (weiß ich nur vom Hörensagen, das war vor meiner Zeit) war der UHF-Empfang in der DDR verboten, häufig wurden illegal Konverter gebastelt. Da diese ziemlich unvollkommenen Konverter auch Störsignale ausstrahlten, fuhren häufiger Messfahrzeuge durch die Straßen, um diese Geräte aufzuspüren. Erst mit der Eröffnung des "DDR 2" Oktober 1969 wurde der UHF-Empfang legalisiert,d.h. die Neugeräte waren mit UHF-Tunern ausgestattet (damals leider nur bis Kanal 39) bzw. es gab jetzt sog. "UHF-Konverter" ganz legal zu kaufen. Meine Großeltern hatten für ihren 60er-Jare TV (RFT "Stadion 8") so einen legal gekauften Konverter, der wandelte den eingestellten UHF-Kanal auf 2 Kanäle im Band 1 um (regulär auf E-03, Nachbarkanal etwa auf E-04. Auf E-02 kam aber nichts mehr durch). Immerhin ließ sich dieser Konverter bis Kanal 51 einstellen, der BFBS war kurz vom "Anschlag" des Drehknopfes.
Meine Eltern hatten in den 70ern bereits einen TV mit UHF (Typ "Staßfurt Stella"). Der ließ sich tatsächlich nur bis K41 einstellen, erst nach dem Entfernen einer Sperre und des mechanischen Skalenstriches konnte man den Tuner bis K60 durchstimmen, nach K52 ließ die Empfindlichkeit aber stark nach.

von Analog-Freak - am 16.04.2005 00:21
@ Sebastian Fritzsche

Zitat

Tele 5 wurde meines Erachtens in Berlin niemals ausgestrahlt . Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, daß mir das entgangen sein sollte (ich komme ja aus Berlin).


Ich habe mal von 'nem Bekannten gehört, daß er damals Ende der 80er bei einem Berlinbesuch Tele 5 empfangen konnte. Das wird dann aber wahrscheinlich Kabel gewesen sein, was damals noch relativ unbekannt war. Deshalb ging er wohl davon aus, daß es auch von der Antenne käme.
Bisher habe ich auch nichts weiter in Erfahrung bringen können, daß Tele 5 jemals in Berlin terrestrisch gesendet hat. Das ist wohl quasie eine Ente.


Zitat

Der Empfang von BFBS (auch SSVC genannt) war übrigens miserabel, nicht nur wegen der Polarisation, sondern generell haben die sehr schwach gesendet.


So toll war die Leistung auch nicht. Man sendete vom Sendemast am Olympiastadion mit 200 Watt. AFN TV sendete dagegen mit 4 000 Watt - allerdings vom Dach des damaligen US-Headquarters in Dahlem, was aber nicht so hoch sein dürfte, wie der Mast am Olympiastadion. Sind auf dem Dach des ehemaligen US-Headquarters eigentlich noch die Antennen drauf?



Zitat

Der Sender der Franzosen (...) hat komischerweise in der gleichen Norm gesendet, wie das DDR-Fersehen, also in CCIR und SECAM-Ost, obwohl doch das französische SECAM andere Parameter hat, als das osteuropäische, oder ?


Stimmt. Das ist sehr komisch, daß die Franzosen in SECAM G und nicht in ihrer eigenen Norm - SECAM L - gesendet haben. Vielleicht wollte man damit die Leute in der damaligen DDR und Ost-Berlin besser versorgen.

Die Normen G und L unterscheiden im Bild-Ton-Abstand, in der Modulation des Tones (FM bei G und AM bei L) sowie der Modulation des Bildes (negativ bei G und positiv bei L) voneinander.

Mit einem SECAM-Empfänger, der (nur) für die Norm G ausgelegt ist empfängt man in Frankreich nur ein invertiertes (also negatives) Bild, das hin und her kippt, da die Synchronisationssignale ebenfalls invertiert sind und damit nicht ausgelesen werden können. Farbig ist das ganze aber trotzdem, nur halt invertiert. Das sieht dann so aus, wie RTL4, daß früher auf Astra in Luxcrypt verschlüsselte. Hören tut man auch nichts, da der Bild-Ton-Abstand und die Tonmodulation anders ist.

Umgekehrt (also beim Empfang von SECAM G mit einem SECAM-L-Empfänger) sieht's genau so aus.


Zitat

Da ja PAL / SECAM-Geräte ja in der Regel auf PAL-Basis arbeiten und das SECAM in PAL umsetzen, wäre es noch interessant zu wissen, ob die nur-SECAM-Geräte eine völlig andere Schaltung hatten (es waren ja eigentlich die gleichen Modelle, nur ohne PAL), oder ob auch die in PAL umgesetzt haben, aber den eigentlichen PAL-Empfang unterdrückten, was natürlich absurd, aber nicht unvorstellbar wäre.


Das mit der Umwandlung von SECAM nach PAL ist meines Wissens nur bei neueren Geräten üblich. Soweit mir bekannt wurden damals - falls zwei Normen gewünscht waren - auch zwei Farbdekoder eingebaut. Reine SECAM-Empfänger hatten auch einen SECAM-Farbdekoder drin.
Heutzutage stellt die Normwandlung von SECAM nach PAL auch bei weitem keinen so großen Aufwand wie vor 20 oder 30 Jahren dar. Damals hätte sowas schaltungstechnisch wohl einen größeren Mehraufwand als ein zusätzlicher SECAM-Dekoder bedeutet - und wäre bei reinen SECAM-Empfängern unsinnig gewesen. Heute hat man sowas auf 'nem Chip, der im Masseneinkauf höchstens ein paar Cent kostet und dann vor dem PAL-Dekoder geschaltet wird und bei Bedarf (also beim SECAM-Empfang) aktiv wird.

Seit den 90ern dürfte sich die Entwicklung für reine SECAM-Empfänger nicht mehr lohnen. Die Länder, welche SECAM noch im Einsatz haben, gehören meist zur zweiten oder dritten Welt (außer Frankreich) und sind sicherlich nicht der Hauptabsatzmarkt für die Hersteller von Heimelektronik. Selbst in diesen Ländern dürfte PAL mittlerweile bei Videorecordern, DVD-Playern und Spielkonsolen dominieren, sodaß die dortigen Fernseher unbeding auch PAL-fähig sein sollten.

Da diese SECAM-Länder aus meiner Sicht nur ein "Zweit-Markt" sind, spart man sich die Entwicklungskosten für eine PAL-SECAM-Version und setzt halt stattdessen diesen SECAM-PAL-Wandler davor.

Bei den Videorecordern ist's ähnlich. Auch hier entwicklet man kaum noch extra PAL-SECAM-Bandmaschinen sondern gibt den PAL-Recordern die Möglichkeit, SECAM aufzuzeichnen. Das nennt sich dann MESECAM (Middle East SECAM - soviel ich weiß). MESECAM-Aufzeichnungen sollen aber qualitativ schlechter als reine SECAM-Aufzeichnungen sein. Zudem lassen sich MESECAM-Aufzeichnungen nicht von reinen SECAM-Recordern (in Farbe) abspielen, sondern nur von MESECAM-Recordern.



von Kay B - am 16.04.2005 11:37
@Sebastian Fritzsche

Tele5 in Berlin: Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich denke, der Streit Hege (MABB) vs. Ring (BLM) wegen der Umwandlung Tele5 ind DSF war gerade wegen einer terrestrischen Ausstrahlung so langwierig (die BLM hat ja dann DSF kurzerhand mitgeteilt, man hätte die Vollprogrammlizenz in eine Spartenprogrammlizenz umgewandelt, damit sie in Ruhe weitersenden können).

Farbfernseher: Ende 1980 hielt das Farbfernsehen in Form eines Colortron in den Haushalt meiner Eltern Einzug (Olympiade noch s/w gesehen, Sportrückblick in Farbe). Ich kann mich nicht erinnern, das jemand zu dieser Zeit (und später) einen Farbfernseher hatte, der kein PAL hatte.



Für so manchen Altbundi vielleicht nur bedingt nachvollziehbar: Kurz vor der Wende kam der Film "Zwei schräge Vögel", der sich vor allem mit den Problem der Un-Planwirtschaft auf sehr schräge Art auseinander setzte (wurde auch im Sommer verboten, und kurz vor Honeckers Absetzung wieder erlaubt und gespielt - das Audi Max war brechend voll, und ich saß auf dem Festerbrett). Die beiden Hauptdarsteller warteten zum Abschluß ihres Studiums vor der Absolventenvermittlung, wo ihnen gesagt wurde, in welchem Betrieb sie anfangen werden. Ein Kollege kommt heraus und verkündet, er wird nach Dresden geschickt. "Wer wil meinen Fernseher kaufen?" Woraufhin sich lautstark ein Sachse meldete, der nach Rostock gehen sollte ;)



von The Jazzman - am 16.04.2005 11:41
Und hier gleich noch ein passender Artikel aus dem "Döbelner Anzeiger"

Keiner ging zur Demo, alle wollten West-TV

Rosswein
Vor 20 Jahren wurde die Antennengemeinschaft Roßwein gegründet.

Reinhard Kästner

Daran wird Vorsitzender Günter Winterlich auch auf der Wahlversammlung am 26. April erinnern.

Viele Episoden weiß er aus jener Zeit zu erzählen, in der fast alle Roßweiner Westfernsehen wollten, aber auf Grund der topografischen Lage nur 70 Prozent das erste DDR- und nur 30 Prozent das zweite DDR-Fernsehprogramm empfangen konnten. Dies zu verbessern, war der offizielle Grund, den Antrag auf Errichtung einer „Großgemeinschaftsanlage zum Fernsehempfang“ zu stellen. Schon 1984 fragte Winterlich beim Ministerium für Post- und Fernmeldewesen an, ob die Stadt nicht in den Satellitenempfang einbezogen werden könne. Antwort: Das ist nur in begrenztem Umfang für die in der DDR stationierten Sowjetsoldaten möglich.

Übrigens hatte Klaus Graf die Idee zur Schaffung einer Antennengemeinschaft, die vor allem durch den jetzigen Vorsitzenden Günter Winterlich mit weiteren Roßweinern vorangetrieben wurde. „Das größte Problem war die Beschaffung des Materials. Für das Erdkabel mussten wir beim Wirtschaftsrat der DDR die Dringlichkeitsstufe 1 beantragen. Doch auch dann hatten wir noch kein Kabel“, erzählt Winterlich. Erst als Minister Kleiber, der zum Schulfest bei seiner Schwiegermutter in Roßwein weilte, einbezogen wurde, ging es vorwärts.

Winterlich erinnert sich an den ersten Arbeitseinsatz der Mitglieder zum Schachten der Gräben. Dieser war am 1. Mai 1987. Da alle mit der Schaufel arbeiteten, fiel die Mai-Demonstration sehr spärlich aus. Für Winterlich gab es daraufhin eine Vorladung zur SED-Kreisleitung. Um das Vorhaben der Großanlage bekannt zu machen, wurden sogar Wahl-Versammlungen und Zusammenkünfte der Wohnbezirksausschüsse genutzt. So hatten sich bis zum 9. Juni 1986 genau 2086 Mitglieder eingeschrieben.

Der DDR-Staat unterstützte den Bau der Anlage mit einen Betrag von 900.000 Mark und bezuschusste die Gemeinschaft bis zur Wende mit jährlich 150.000 DDR-Mark. „Den Verantwortliche war schon klar, dass es dabei auch vor allem um den Westfernsehempfang ging. Doch sie sahen es als ein Ventil an, dass man durchaus öffnen könnte“, sagt Winterlich heute im Rückblick.

Als dann die Kopfstation gebaut und die technischen Ausstattung gekauft werden sollte, war Westgeld nötig, denn Reciver und Verstärker gab es nur gegen harte Währung. Winterlich musste auf abenteuerliche Weise Geld tauschen, um die Technik anschaffen zu können. Nach dem Probeempfang in Wohnblöcken der AWG ging es 1988 los: Fünf Fernsehprogramm, zwei der DDR, dazu das ARD, das Zweite und das Dritte aus Bayern bzw. Berlin waren in Farbe zu empfangen und die Freude bei den Roßweiner war groß. In der Dresdner Straße wurde das Büro der Antennengemeinschaft eingerichtet, in der Hanni Heinze und Sonni Liebe die Mitglieder der „Antenne“ betreute. Übrigens wurde die Anlage von der damaligen PGH Rundfunk und Fernsehen Döbeln aufgebaut.

von medientechniker - am 16.04.2005 16:34
@ idefix7919

Ja sicher haben die für die "Zone" mitgesendet.

Dazu folgende Geschichte, die mir ein Kollege mal erzählte. Im RIAS wurde berichtet, in Dresden gäbe es keine Marmelade zu kaufen. Ja, und eine Woche später war dem tatsächlich so. Fragen?

Das muß in den 50ern oder 60ern gewesen sein. Das witzige ist ja, das Dresden als Tal der Ahnungslosen galt, und der Empfang ja wegen der Entfernung schon nicht ganz leicht war.

Es wird ja heute immer so getan, als hätte es im Westen keinen kalten Krieg gegeben. Dabei hat doch im letzten Jahr der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Praxis der Berufsverbote als mit den Menschenrechten unvereinbar erklärt. Ein gewisser Gerhard Schröder war der Anwalt von einigen der Betroffenen, nur hat es bis heute keine Rehabilitation derer gegeben (wie auch der Wehrmachtsdesserteure, aber das wird jetzt OT).

Beliebt waren ja auch immer die "Grüße in die Zone" u.ä. Hans Rosenthal hat das ja auch immer sehr zelebriert (letztens kam ein Portrait mit Ausschnitten aus "Dalli dalli"). Ich selbst bin Baujahr 1970 und kenne diese "Grüße" auch noch. Auch wenn ich kein glühender Anhänger des Systems war, so empfand und empfinde ich dieses als herablassend/herabwürdigend, so als spricht man mit einem Baby in Babysprache, oder mit einem, der nicht mehr alle Kröten im Teich hat. Aber das setzt sich in vielen Ost-West-Diskussionen in denen Medien ja bis heute noch fort.



von The Jazzman - am 17.04.2005 08:38
Kay B schrieb:

Zitat

@ Sebastian Fritzsche

Die Normen G und L unterscheiden im Bild-Ton-Abstand, in der
Modulation des Tones (FM bei G und AM bei L) sowie der
Modulation des Bildes (negativ bei G und positiv bei L)
voneinander.

Mit einem SECAM-Empfänger, der (nur) für die Norm G ausgelegt
ist empfängt man in Frankreich nur ein invertiertes (also
negatives) Bild, das hin und her kippt, da die
Synchronisationssignale ebenfalls invertiert sind und damit
nicht ausgelesen werden können. Farbig ist das ganze aber
trotzdem, nur halt invertiert. Das sieht dann so aus, wie
RTL4, daß früher auf Astra in Luxcrypt verschlüsselte. Hören
tut man auch nichts, da der Bild-Ton-Abstand und die
Tonmodulation anders ist.

Umgekehrt (also beim Empfang von SECAM G mit einem
SECAM-L-Empfänger) sieht's genau so aus.





Wie sah (bzw.) es denn aber mit dem Empfang an der deutsch-französischen Grenze aus? Mit den normalen deutschen Geräten scheint das ja nicht möglich gewesen zu sein. Gab es also, im Ggs. zu den anderen Nachbarländern gar keinen grenzüberschreitenden TV-Empfang mit Frankreich? Mußten die, die es interessiert hat, sich teure Multinormempfänger zulegen? In alten Quelle(usw.)-Katalogen habe ich entdecken können, daß es fast jedes Gerät für einen geringen Aufpreis auch mit 'DDR-Farbe' gab, nicht jedoch für Frankreich-Empfang. Sollte das Interesse so gering gewesen sein ?

Sollte es in Berlin und der DDR mehr Zuschauer des französischen Fernsehens gegeben haben als in Südwestdeutschland ?


Noch eine Frage: Wieso kann ich mit meinem alten DDR-Fernseher (also PAL/SECAM B/G) die französischen, über Satellit (also bei mir Atlantic Bird 5°West) in SECAM ausgestrahlten Programme einwandfrei empfangen (also Ton ist ja klar, aber Bild?). Ich dachte nämlich jahrelang, daß dies, wegen der sehr unterschiedlichen Norm, nicht möglich sei, bis ich es einmal probiert habe. Seitdem denke ich nämlich, daß es sich bei 'L' um eine nicht mehr gebräuchliche Variante handelt (so wie die alte 819-Zeilen Norm). Jetzt weiß ich eigentlich gar nicht mehr, was ich glauben soll.

Zitat

Bei den Videorecordern ist's ähnlich. Auch hier entwicklet man kaum noch extra PAL-SECAM-Bandmaschinen sondern gibt den PAL-Recordern die Möglichkeit, SECAM aufzuzeichnen. Das nennt sich dann MESECAM (Middle East SECAM - soviel ich weiß). MESECAM-Aufzeichnungen sollen aber qualitativ schlechter als reine SECAM-Aufzeichnungen sein. Zudem lassen sich MESECAM-Aufzeichnungen nicht von reinen SECAM-Recordern (in Farbe) abspielen, sondern nur von MESECAM-Recordern.


Leider lassen sich SECAM-Kassetten aus Frankreich auch nicht auf MESECAM- Videogeräten (kombiniert mit PAL/SECAM B/G-TV-Gerät) farbig abspielen. Ich habe das mehrfach probiert (mit verschiedenen vorbespielten französischen Kaufvideos), und dachte, daß gerade dies unproblematisch sein sollte, jedenfalls nach meinen neuesten Erkenntnissen (s.o).
Komischerweise funktioniert es manchmal mit einem reinen Pal-Fernsehgerät, wenn ich den Videorecorder auf PAL/MESECAM-'AUTO' stelle. Zumindest habe ich dann, zu völlig willkürlich vom Fernsehgerät gewählten Zeitpunkten, ein farbiges Bild, nicht invertiert, jedoch mit s e h r grellen Farben (wenn ich den Farbregler am TV entsprechend zurücknehme, ist es jedoch ein erträgliches Bild). Auf dem PAL/SECAM -TV ist jedoch stets nur ein S/W-Bild zu erhalten.
Aufnahmen vom o.g. französischen Satelliten-TV sind jedoch ohne weiteres möglich. Die Qualität ist auch nicht schlechter als bei VHS üblich.


Zitat

Das ist sehr komisch, daß die Franzosen in SECAM G
und nicht in ihrer eigenen Norm - SECAM L - gesendet haben.
Vielleicht wollte man damit die Leute in der damaligen DDR
und Ost-Berlin besser versorgen.


Es gab auch Sender des russischen 1. Fernsehprogramms in der DDR, die haben auch in der Norm SECAM B/G gesendet. und nicht in D/K., z.B. nördlich non Berlin auf K11 vertikal und südlich von Berlin auf K23, glaube ich (habe ich im Stadtzentrum leider nie reingekriegt, war auf höheren gebäuden jedoch möglich).


Mir ist noch folgendes Phänomen aufgefallen:

Ich habe einen tragbaren TFT-Fernseher (redstar CTV5 von real, 149 Euro, gefällt mir sehr gut), mit manuell umschaltbaren Tonnormen. Damit habe ich auch schon polnische und tschechische Sender empfangen. Wenn ich einen deutschen Sender empfange und den Ton auf OIRT-Norm stelle, höre ich stets nur ein unangenehmes Geräusch (logisch), ebenso wenn ich polnische o. tschechische empfange, und auf CCIR-Ton schalte (auch logisch). Bei m a n c h e n polnischen o. tschechischen Sendern kann ich jedoch den Ton auch noch empfangen, wenn ich auf CCIR umschalte, in schlechterer Qualität zwar (etwas höhenbetonter), aber immerhin. Dies funktioniert jedoch stets jedoch nur bei einem der jeweils empfangbaren 3-4 Sender (jedenfalls Ende letzten Sommers, als ich es probieren konnte), während bei den anderen Sendern nur das übliche unangenehme Rauschen zu hören war, der Fernsehton jedoch nicht ansatzweise. Ebenso ist bei deutschen Sendern und OIRT-Einstellung stets nur Rauschen zu hören.

Kann mir jemand erklären, woran das liegen könnte. Versuchen die vielleicht, mit einer größeren Ton-Bandbreite, auch CCIR-Geräte zu erreichen ?

von Sebastian Fritzsche - am 04.05.2005 15:33
Zitat

In Korea ist es wesentlich gespaltener, es gibt ja keine Eisenbahnstrecke oder Straßenverbindung, die Grenze ist vollkommen dicht.
Genauso ist es mit dem Rundfunk, es gibt massig Störsender, im Norden kann man kein südkoreanisches TV empfangen.
Ist also ne gehörige Stufe härter als es hier war.


Auch wenn es etwas OT ist: In den nordkoreanischen Medien wird, wie soll man sagen, richtig "Falschinformation" verbreitet. Beispiel: wenn irgendwo auf der Welt eine große Demo stattfindet, dann wird diese am Geburtstag des Führers Kim Il Sung (?) gezeigt und den Leuten erzählt, die Demonstranten dort in dem West-Land feiern den Geburtstag des nordkoreanischen Führers, den beliebtesten Mann auf Erden. Das ist schon krass. Als Kim Yong Il 1994 verstarb, der ja bis heute der Führer ist (sein Sohn ist ja nur "Nachfolger") sind die Leute Richtig in Extase ausgebrochen. Letztens gab's mal eine Reportage hierzu, da konnte man sehen, die Leute, die die Strasse gesäumt haben, auf der der Leichenwagen entlangfuhr, das waren schmerzerfüllte Gesichter, wie sie allerhöchstens auftreten, wenn ein nächster Familienangehöriger stirbt. So was habe ich wirklich noch nie gesehen und es ist schwierig, in Worten wiederzugeben. Desweiteren gibt es in Pjöngjang kaum Autos, es gab in dieser Reportage eine Polizistin zu sehen, die den Verkehr an einer Kreuzung regelte. Es gab aber nichts zu regeln, es passierte jede Minute mal ein Auto die Kreuzung. Die Strassen waren aber, für unsere westeuropäischen Vorstellungen, von immensen Dimensionen (sehr breit). Desweiteren soll es ja heute in Nordkorea noch üblich sein, daß Leute vom Militär umgebracht werden, wenn sie einen Popsong aus Südkorea vor sich hin pfeifen. Da muß man schon sagen, hatten es die Leute in der "DDR" "relativ gut"...

Gruss,
Klaus

von Klaus Wegener - am 04.05.2005 16:07
Zitat

quote=Sebastian Fritzsche

Wie sah (bzw.) es denn aber mit dem Empfang an der deutsch-französischen Grenze aus? Mit den normalen deutschen Geräten scheint das ja nicht möglich gewesen zu sein. Gab es also, im Ggs. zu den anderen Nachbarländern gar keinen grenzüberschreitenden TV-Empfang mit Frankreich? Mußten die, die es interessiert hat, sich teure Multinormempfänger zulegen? In alten Quelle(usw.)-Katalogen habe ich entdecken können, daß es fast jedes Gerät für einen geringen Aufpreis auch mit 'DDR-Farbe' gab, nicht jedoch für Frankreich-Empfang. Sollte das Interesse so gering gewesen sein ?

Sollte es in Berlin und der DDR mehr Zuschauer des französischen Fernsehens gegeben haben als in Südwestdeutschland ?

Noch eine Frage: Wieso kann ich mit meinem alten DDR-Fernseher (also PAL/SECAM B/G) die französischen, über Satellit (also bei mir Atlantic Bird 5°West) in SECAM ausgestrahlten Programme einwandfrei empfangen (also Ton ist ja klar, aber Bild?). Ich dachte nämlich jahrelang, daß dies, wegen der sehr unterschiedlichen Norm, nicht möglich sei, bis ich es einmal probiert habe. Seitdem denke ich nämlich, daß es sich bei 'L' um eine nicht mehr gebräuchliche Variante handelt (so wie die alte 819-Zeilen Norm). Jetzt weiß ich eigentlich gar nicht mehr, was ich glauben soll.
Genau, man brauchte und braucht noch immer einen Multinormempfänger, will man franz. TV im Südwesten gucken. Selbst in so machen Kabelnetzen wurde die Norm nicht umgenwandelt! In Frankreich gekaufte Geräte waren aber meist alle in der Lage, die L-Norm als auch B/G zu empfangen. Somit könnte es in Berlin wirklich mehr franz.TV Gucker gegeben haben als in BW, RP und Saar.

Über Analog-Sat wird nicht die L-Norm verwendet. Daher kann man dort das franz. TV mit jedem Analogreceiver gucken.

Also kurzum: Terrestrisch wird in Frankreich analog weiterhin L-Norm verwendet und ein dt. Zuschauer braucht dafür ein Multinormgerät.

Es war natürlich viel einfacher und billiger, einfach noch die Farbnorm Secam in nen TV einzubauen als die ganze Video- und Tonaufbereitung extra zu instalieren. Daher wurden die meisten TVs früher nur mit "Secam-Ost" verkauft und nicht "Secam -West".

von CBS - am 04.05.2005 16:09
@ Sebastian Fritzsche

Zitat

Wie sah (bzw.) es denn aber mit dem Empfang an der deutsch-französischen Grenze aus? Mit den normalen deutschen Geräten scheint das ja nicht möglich gewesen zu sein. Gab es also, im Ggs. zu den anderen Nachbarländern gar keinen grenzüberschreitenden TV-Empfang mit Frankreich? Mußten die, die es interessiert hat, sich teure Multinormempfänger zulegen?


Wie von CBS schon geschrieben braucht man zum Empfang der französischen Sender ein für die Norm L taugliches Fernsehgerät bzw. ein Multinormgerät. Ganz früher war sogar noch ein Gerät für die 819-Zeilen-Norm erforderlich. In den Kabelnetzen (zumindest denen der Telekom) werden die Sender in der Regel in PAL B/G konvertiert.


Zitat

In alten Quelle(usw.)-Katalogen habe ich entdecken können, daß es fast jedes Gerät für einen geringen Aufpreis auch mit 'DDR-Farbe' gab, nicht jedoch für Frankreich-Empfang. Sollte das Interesse so gering gewesen sein ?
Sollte es in Berlin und der DDR mehr Zuschauer des französischen Fernsehens gegeben haben als in Südwestdeutschland ?


In der damaligen BRD war (und ist) PAL B/G im Einsatz während in der damaligen DDR SECAM B/G benutzt wurde. In Frankreich nutzt man SECAM L. Zum Empfang der DDR-Programme mußte nur ein zusätzlicher SECAM-Farbdekoder eingebaut werden. Wollte man ein PAL-B/G-Gerät SECAM-L-tauglich machen müßte man fast einen zweiten Tuner einbauen, der die unterschiedliche Bild- und Tonmodulation sowie den unterschiedlichen Bild-Ton-Abstand verarbeitet. Das wäre dann dementsprechend noch teurer geworden und man hätte schon fast 'nen Multinormfernseher gehat.
Zudem stellt sich die Frage, ob auf dem bundesdeutschen Markt die gesamte Nachfrage für fremdsprachige ausländische Programme so groß war wie für deutschsprachige ausländische Programme. Sicherlich war insgesamt das Interesse für das DDR-Fernsehen (abgesehen von Sendungen mit politischen Inhalten) größer.

Dann darf man auch nicht vergessen, daß das DDR-Fernsehen in der BRD eine weitaus größere Fläche als das fränzösische Fernsehen abgedeckt hat. Das französische Fernsehen war allerdings nur in der Rheinebene bzw. im südwestlichen Rheinland-Pfalz und im Saarland empfangbar.


Zitat

Noch eine Frage: Wieso kann ich mit meinem alten DDR-Fernseher (also PAL/SECAM B/G) die französischen, über Satellit (also bei mir Atlantic Bird 5°West) in SECAM ausgestrahlten Programme einwandfrei empfangen (also Ton ist ja klar, aber Bild?). Ich dachte nämlich jahrelang, daß dies, wegen der sehr unterschiedlichen Norm, nicht möglich sei, bis ich es einmal probiert habe. Seitdem denke ich nämlich, daß es sich bei 'L' um eine nicht mehr gebräuchliche Variante handelt (so wie die alte 819-Zeilen Norm). Jetzt weiß ich eigentlich gar nicht mehr, was ich glauben soll.


Die Normen B, G ,H , L, M, N,... haben nichts mit der Satellitenübertragung zu tun sondern geben nur die Parameter für terrestrische TV-Sender an.

Bei der analogen Satellitenübertragung hat man sogenannte Transponder. In einem Transponder wird ein frequenzmoduliertes Bildsignal übertragen. Das Bild kann dabei ein NTSC-, ein PAL- oder ein SECAM-Signal sein. Neben diesem Bildträger gibt es noch unterschiedliche Tonträger, die meist in einem Abstand von 5,80 bis 8,10 MHz zum Bildträger liegen. Diese Tonträger ermöglichen die Übertragung von mehreren Kanälen (z. B. bei Eurosport einen deutschen Ton, einen französischen Ton, ...) oder die Übertragung von Radioprogrammen.

Egal, ob man per analogem Satellitenempfang nun deutsche oder französische Programme empfängt, man empfängt immer ein frequenzmoduliertes Bildsignal. Länderspezifisch wird's erst beim Satellitenreceiver. Dieser macht bei uns in Deutschland erst ein PAL-B/G-Signal daraus. Was du am Modulator deines Satellitenreceivers beim Empfang der französischen Sender auf 5° West erhälst ist das "DDR-SECAM", welches dein DDR-Fernseher entsprechend verarbeiten kann. Das hast du aber deinem Receiver zu verdanken.

Die Norm L ist schon noch gebräuchlich. Nur hat sie halt nichts mit dem Sat-Empfang zu tun sondern bezieht sich nur auf die terrestrische TV-Übertragung.



Zitat

Leider lassen sich SECAM-Kassetten aus Frankreich auch nicht auf MESECAM- Videogeräten (kombiniert mit PAL/SECAM B/G-TV-Gerät) farbig abspielen.


Wie gesagt, MESECAM ist ein komplett anderes SECAM-Aufzeichnungsverfahren. Du kannst mit einem MESECAM-Videorecorder nur MESECAM-Aufzeichnungen wiedergeben - wenn das Teil nicht zusätzlich das "echte" SECAM im Wiedergabemodus beherrscht.


Zitat

Komischerweise funktioniert es manchmal mit einem reinen Pal-Fernsehgerät, wenn ich den Videorecorder auf PAL/MESECAM-'AUTO' stelle. Zumindest habe ich dann, zu völlig willkürlich vom Fernsehgerät gewählten Zeitpunkten, ein farbiges Bild, nicht invertiert, jedoch mit s e h r grellen Farben (wenn ich den Farbregler am TV entsprechend zurücknehme, ist es jedoch ein erträgliches Bild). Auf dem PAL/SECAM -TV ist jedoch stets nur ein S/W-Bild zu erhalten.


Wann wird das Bild farbig? Wenn du eine SECAM-Kasette in deinem MESECAM-Rekorder abspielst?

Es ist möglich, das das Bild eines reinen PAL-Fernsehers farbig wird, wenn man ihn mit einem SECAM-Signal "füttert". Dann ist das aber nicht das Farbsignal, was zum Bildinhalt gehört sondern irgend ein Muster. Das entsteht dadurch, daß sich der Farbdekoder erst einschaltet, wenn er ein Träger bei 4,43 MHz oberhalb des Bildträgers findet. SECAM hat zwei Farbträger - einen bei 4,25 und einen bei 4,40625 MHz über dem Bildträger. Dadurch kann sich der PAL-Dekoder einschalten, zeigt aber nur ein Farbmuster, daß nicht zum Bild gehört.


Zitat

Ich habe einen tragbaren TFT-Fernseher (redstar CTV5 von real, 149 Euro, gefällt mir sehr gut), mit manuell umschaltbaren Tonnormen. (...) Bei m a n c h e n polnischen o. tschechischen Sendern kann ich jedoch den Ton auch noch empfangen, wenn ich auf CCIR umschalte, in schlechterer Qualität zwar (etwas höhenbetonter), aber immerhin.

Kann mir jemand erklären, woran das liegen könnte. Versuchen die vielleicht, mit einer größeren Ton-Bandbreite, auch CCIR-Geräte zu erreichen ?


Ja, das kann an der Tonbandbreite liegen. Oder der Bild-Ton-Abstand stimmt nicht ganz. Aber versuchen, CCIR-Geräte zu erreichen, werden sie sicherlich nicht.



Zitat

Weiß jemand, inwiefern in der DDR Fersehgeräte hergestellt oder verkauft oder selbst umgerüstet wurden, mit denen man 'Fremdnormen', also z.B. Osteuropa-Ton oder AFN-Ton und Farbe, empfangen konnte?


Den Fernseher von B/G auf D/K umzustellen dürfte nicht so problematisch gewesen sein. Wenn da keine Keramikfilter sondern einstellbare Filter verbaut wurden mußte man im Tuner halt so lang rumdrehen bis man was gehört hat. Dürfte sowohl in der BRD wie auch in der DDR der gleiche Aufwand gewesen sein.

Bei AFN TV die Farbe noch zu empfangen dürfte nicht so einfach gewesen sein. Der Farbträger von NTSC liegt bei 3,58 MHz über dem Bildträger. Bei PAL sind's 4,43 MHz. Man mußte da also schon am Farbdekoder rumbasteln. Man müßte den PAL-Farbdekoder also auf 3,58 MHz abstimmen und die automatische Fehlerkorrektur deaktivieren. Dann könnte da was farbiges dabei rauskommen.

Dann stellt sich noch die Frage, ob sich das Gerät überhaupt auf 29,97 Hz synchronisieren kann und das Seitenverhältnis richtig darstellt.

von Kay B - am 05.05.2005 00:38
@ koslowski

Zitat

Satellitenantennen waren hier ebenfalls relativ lange verboten, weil man damit ja "Fernmelde-Satelliten" empfing.


Was den Betrieb einer Satellitenantenne anmeldepflichtig machte, war u. a. die Tatsache, daß sie bis zum Februar 1991 ein aktives (und damit sendendes) Empfangsteil darstellte. Klingt lächerlich - vor Februar 1991 war 'ne Sat-Antenne was zum Senden und danach nicht mehr.

Aber so ganz ohne ist so 'ne Sat-Anlage auch nicht. In jedem LNB arbeitet ein Oszillator. Damals waren das meist 10 GHz. Das Signal wird vom Erreger empfangen und dann mit dem Signal vom Oszillator gemischt. Die Differenz beider Signale ergibt dann die 1. Zwischenfrequenz, die verstärkt und dann zum Satellitenreceiver geführt wird.

Das Problem liegt jedenfalls beim Mischen von Empfangssignal und Oszillatorfrequenz. Man muß dafür sorgen, daß das Empfangssignal vom Erreger zum Mischer gelangt, aber das Oszillatorsignal nicht vom Mischer zum Erreger. Ansonsten hat man wirklich 'nen Uplink. Dann fungiert der Erreger als Sendeantenne und der Spiegel sendet ein 10-GHz-Signal ins All.

Die dabei entstehenden Sendeleistungen dürften zwar nicht sehr hoch sein - aber auch nicht gerade niedrig. Viele ATV-Funker bauen sich alte LNBs um und bauen sich damit ihre Richtfunkstrecken auf.

So ein LNB - und damit die ganze Sat-Anlage - können also sehr wohl einen Sender darstellen. Die damalige Anmeldepflicht war schon gerchtfertigt. Man wollte halt sicher gehen, daß nur geprüfte Ware im Einsatz ist. Ungerechtfertigt waren meiner Meinung nach nur die Gebühren.

von Kay B - am 05.05.2005 00:39
Zitat

Der Besitz OIRT-fähiger UKW-Tuner war natürlich auch in der BR Deutschland verboten.


Weiß eigentlich jemand, daß auch Japan ein eigenes UKW-Band hat? Es geht, glaube ich von 78-92 MHz. Ich habe das schon seit Jahren vermutet, nachdem ich mal eine japanische Zeitung durchgeblättert hab. Informationen darüber sind komischerweise sehr spärlich. In meinem DDR-Antennenbuch wird das gar nicht erwähnt, obwohl dort z.B. penibel erläutert wird, in welchen Ländern UKW bei 87, 87.5 bzw 88 MHz beginnt, was ich im Ggs. zu 78-92 relativ unerheblich finde. Neulich habe ich in einem Saturn- oder Media-Markt- Prospekt eine Werbung für einen Receiver gesehen, der war auf 82.00 eigestellt. Daraufhin habe ich mal im Internet nachgeforscht, und bin auf Foren von neuseeländischen und australischen Autofahrern gestoßen, die Gebrauchtwagen aus Japan importiert haben und dann Probleme mit den japanischen Radios hatten. Da das in der Gegend ein häufiges Problem zu sein scheint, gibt es dort Frequenzumsetzer zu kaufen, die man davorschaltet und die dann, je nach örtlichen Empfangsgegebenheiten, um 10 oder 12 MHz runtersetzen. Problematisch soll es wohl erst jetzt werden, weil sie in Neuseeland den Frequenzbereich von 104 auf 108 erweitert haben. Ich habe leider die entsprechenden Inetrnetadressen nicht mehr parat.

von Sebastian Fritzsche - am 05.05.2005 19:55
Zitat

Wann wird das Bild farbig? Wenn du eine SECAM-Kasette in deinem MESECAM-Rekorder abspielst?

Es ist möglich, das das Bild eines reinen PAL-Fernsehers farbig wird, wenn man ihn mit einem SECAM-Signal "füttert". Dann ist das aber nicht das Farbsignal, was zum Bildinhalt gehört sondern irgend ein Muster. Das entsteht dadurch, daß sich der Farbdekoder erst einschaltet, wenn er ein Träger bei 4,43 MHz oberhalb des Bildträgers findet. SECAM hat zwei Farbträger - einen bei 4,25 und einen bei 4,40625 MHz über dem Bildträger. Dadurch kann sich der PAL-Dekoder einschalten, zeigt aber nur ein Farbmuster, daß nicht zum Bild gehört.


Ich bin mir darüber bewußt, daß auch Farbmuster erzeugt werden können, die nicht zum Bild gehören. Das hatte ich auch schon gehabt. Im speziellen Fall sah es jedoch schon so aus, als ob spezifische Farben auch spezifischen Flächen zugeordnet waren. Inwieweit diese der Realität entsprochen haben, kann ich nicht genau sagen, aber es war auf keinen Fall invertiert. Und wie gesagt verbirgt sich das ganze hinter einem starken Rotschleier, den es runterzuregeln gilt und tritt nur sporadisch auf, sodaß ich es nicht genauer untersuchen konnte.

Zitat

Weiß jemand, inwiefern in der DDR Fersehgeräte hergestellt oder verkauft oder selbst umgerüstet wurden, mit denen man 'Fremdnormen', also z.B. Osteuropa-Ton oder AFN-Ton und Farbe, empfangen konnte?


Mir ist gerade noch ein unglaublicher Trick eingefallen, den ein Freund von mir (leider erst) Anfang der 90er Jahre rausgefunden hat, um bei AFN den Ton zu kriegen:
Wenn man ein eingeschaltetes UKW-Radio (jedenfalls mit einem RK670 von RFT hat es funktioniert) auf den Fernseher stellte (bei laufendem AFN-Betrieb) und am Kanalwähler des Radios die Skala abgesucht hat, dann gab es bei einer bestimmten UKW-Frequenz (auf dem Radio) ein Streifenmuster auf dem Fernsehbild, das dieses stark überlagerte. Gleichzeitig kam der Ton von AFN (und zwar aus dem Fernseher; um so unsauberer das Bild, desto besser der Ton). Mit etwas Fingerspitzengefühl konnte man es so einstellen, das das Muster fast verschwand und der Ton trotzdem noch gut zu hören war.

von Sebastian Fritzsche - am 09.05.2005 23:47
@ Sebastian Fritzsche

Zitat

Bis Mitte / Ende der 80er lief aber stattdessen TV5, das damals ungefähr so spannend war wie die ARD Dritten zu der Zeit. (Wahrscheinlich mußten sie es mit Antenne2 tauschen, weil sonst die Soldaten gemeutert hätten ).


Das wirft die Frage auf, seit wann Antenne 2 via Satellit verfügbar war. Seit 1988 war es auf TDF auf 19° West in D2-MAC aufgeschaltet. Stellt sich die Frage, ob es auf Telecom auf 5° West davor schon verfügbar war.

TV5 ist vom Status her ähnlich unserem 3sat - ein Programm, daß von Fernsehveranstaltern verschiedener gleichsprachiger Länder gemeinsam veranstaltet wird. Bei TV5 sind es (glaube ich) Frankreich, Schweiz, Kanada, Belgien und noch irgend eins.


Zitat

Warum eigentlich nicht ? Wenn sie so fortschrittlich waren, warum sollen sie dann nicht einfach Superchannel ausgestrahlt haben, war doch ein relativ unpolitischer Sender, oder?


Unmöglich ist es natürlich nicht. Dann stellt sich die Frage, ob das ganze offiziell (mit koordiniertem und in Frequenztabellen erfaßten Senderstandort) oder inoffiziell (also Piratensender) ausgestrahlt wurde. Ich weiß nicht, in wie weit in Ungarn TV- oder Rundfunkpiraterie oder die terrestrische Weiterverbreitung von westlichen Programmen gedulded oder gar gefördert wurde.

von Kay B - am 12.05.2005 06:19
Was für ein herrlicher Beitrag. Vielen Dank!

Bevor es ganz in Vergessenheit gerät, möchte ich meine Erfahrungen aus dem Raum Dresden hier mitteilen.

1. Weinböhla 01689 (Hanglage):

ARD: - Kanal 4 (Ochsenkopf) - 2er Gruppe 5 Elemente Vertikal - je ein Vorverstärker in der Dipoldose
Empfang täglich gut bis sehr gut - selten Grieß und Rauschen - ab und zu Störungen durch Überreichweiten (Italien? - ist mir so in Erinnerung - war das möglich?)

ZDF: - Kanal 23 (Hof) - 4er Gruppe in Zeile + Vorverstärker - Probleme durch DDR2 (Kanal 22)
Empfang Wetter abhängig - aber noch durchaus brauchbar - meine Oma liebte die Serie Denver Clan und hat kaum eine Folge verpasst. ;-)

Bayern 3: - Kanal 57 (Hof) - 4er Gruppe + Vorverstärker
Empfang meist gut - am Tag mehr Grieß und Rauschen - Abends sehr gut

UKW: - 1 x 7 Elemente - Bayern 3 - 99,4 / Bayern 1 - 90,7 / Rias 2 Hof - 91,2 (danke hetietz für die Frequenz) / Antenne Bayern - 103,2 / HR3 - 89,5


2. Volkersdorf 01471

ARD: - Kanal 7 (West Berlin) - 2er Gruppe 13 Elemente - je ein Vorverstärker in der Dipoldose
Empfang täglich gut - am Tag etwas verrauscht - Abends, Nachts und am Morgen meist besser.
Ab und zu Störungen durch russischen Militärfunk - Abhilfe brachte der "Russentot" eine Kaffeedose aus Blech mit einer Spirale und einem "Regler?".

ZDF: - Kanal 33 (West Berlin) 2er Gruppe Mehrkanalantennen (K32-39? Blankenburg) - je ein Vorverstärker in der Dipoldose
Empfang Ton perfekt - Bild sehr schlecht, oft Bild vom tschechischen Fernsehsender welcher von Usti extrem stark auf dem gleichen Kanal sendete.

SFB3/N3: - Kanal 39 (West Berlin) - gleiche Antenne wie ZDF
Empfang täglich Abends, Nachts und am Morgen gut, teils sehr gut - am Tag öfter heftig verrauscht mit viel Grieß.

UKW: - 1 x 5 Elemente nach West Berlin - alle West Berliner UKW Sender in guter Qualität. - 1 x 5 Elemente nach Hessen - HR3 - 89,5 (Hoher Meißner) gut bis sehr gut - manchmal Bayern 3 - 96,3 (Kreuzberg?)


3. Moritzburg 01468 (am Schloßparkplatz - extrem schlechte Lage)

ARD: - Kanal 7 (West Berlin) 8er Gruppe je 13 Elemente mit je einem Vorverstärker in der Dipoldose. Jede Antenne wurde einzeln ausgemessen und entsprechend positioniert.
Empfang täglich mäßig bis gut manchmal auch sehr gut.
Die Tagesschau 20:00 Uhr konnte man jeden Tag ansehen. An dieser Anlage hingen 7 Haushalte.

ZDF und 3.Programme waren nicht zu empfangen.

UKW: 2er Gruppe je 7 Elemente nach West Berlin - alle West Berliner UKW Sender in guter Qualität.

von Staxe - am 25.10.2011 16:26
Vielen Dank für Eure Beiträge.

Ich bin so derart begeistert von dieser Sache, dass ich mir gestern bei Conrad Electronic einen kleinen 22" DVB-T TV, eine UHF-Yagi Antenne, eine 5 Elemente UKW-Antenne und einen DVB-T + UKW Verstärker gekauft habe.

Ich habe die Antennen in Weinböhla an der gleichen Stelle im Garten aufgestellt wo zur DDR Zeit unser UHF-Mast (Ochsenkopf K23 + K57) stand.
UKW Ochsenkopf (Bayern 1 - 90,7 / Bayern 2 - 96,00 / Bayern 3 - 99,4 / Antenne Bayern 103,2 kommen seit gestern bis jetzt nahezu perfekt - ab und zu mit leicht angerauschtem Stereo.
Die Antenne weiter westlich gedreht, hatte ich gestern auch Bayern 3 - 96,3 vom Kreuzberg und HR 3 - 89,5 vom Hohen Meißner.

Als ich dann die UHF Antenne (43 Elemente) montiert habe war ich etwas enttäuscht.
Am Nachmittag hatte ich nur Dresden, Chemnitz Geyer (K22, K25, K32) und viele tschechische Sender - vom Ochsenkopf kein Signal K23 - 0 %, K29 - nicht möglich da Dresden auf diesem Kanal sendet, K40 schwankte von 0 - 5 % ließ sich aber nicht empfangen.
Gegen 20 Uhr ich es dann noch mal probiert - was für eine Freude - fast voller Empfang (50-90 %) auf Kanal 40 (BR, BR alpha, MDR und HR) und auch Kanal 23 (ZDF, 3sat, KIKA) konnte ich mit 20-50 % empfangen. Bis in die Nacht blieb der Empfang konstant.

Heute früh wieder die Enttäuschung - Kanal 23 kein Signal und Kanal 40 nur noch stark gestört.
Gegen 10 Uhr war auch Kanal 40 nicht mehr zu empfangen.

Was mache ich falsch? Antenne zu klein - Verstärker schlecht?
UKW vom Ochsenkopf ist nach wie vor konstant zu empfangen.

Viele liebe Grüße und einen schönen Sonntag.

von Staxe - am 30.10.2011 15:05
Zitat
Staxe
Lieber hetietz,

vielen lieben Dank!

Genau Rias 2 Hof 91,2 - Schlager der Woche jeden Montag "Oki Doki" mit Lord Knud - welch wunderschöne Erinnerungen.

In Weinböhla war die hervorragende Lage (Hangkante vom Elbtal exakt zum Sendern abfallend)der Grund für den guten Empfang.

Ich mache oben noch weiter ... :cheers:


Ja Lord Knud, der war immer lustig mit seinen Witzen. Sender Hof (Waldstein) ging bei mir (in Halle) auch am Besten. Ich kann mich noch an das das Jahr 1983 erinnern, es war ein herrlich langer Sommer und gingen in einer alten Kohlegrube baden, diese liegt in einer tiefen Senke und selbst dort hatte ich sehr guten Empfang mit meinen Babett-radio. Aber selbst 94,3 das Original aus Berlin ging hier mit den Recorder gut. Mitte der achtziger kam dann noch Radio 100 dazu. Meine absoluten Lieblingssendungen waren Studio89 und Partymusic auf SFB 2 (92,4 ) mit Jürgen Jürgens. Mensch waren das coole Zeiten.... AFN hatte ich auch öfters aus Berlin in Halle gehört. Ich hatte zwei Antennenanlagen die teilweise innerhalb drehbar waren mit einer 16 Element UKW Antenne für den SFB aus Berlin und noch ein paar kleinere für HR3 (Hitparade mit Werner Reincke).
Damit hatte ich drei Himmelrichtungen abzudecken. Süden: Bayern, Rias (Waldstein), Westen: HR3 (HM), NDR2 (Torfhaus), BFBS und aus Berlin kamen alle anderen Sender: SFB, Rias, AFN, Radio100. Das Gleiche hatte ich auch für das "Westfernsehen":D

Nachtrag: Nach Süd-Osten ging auch ne kleinere Antenne für das CSSR Fernsehen. In Halle gab es auch noch eine UDSSR-Kaserne. Die hatte einen kleinen Sender hier und da gab es öfters Hase und Igel im Original Russich :D


von Barry_Graves - am 30.10.2011 19:40
Nein. ARD 2 kam über einige UHF-Sender der Bundespost, welche dann ab 1963 das ZDF-Programm ausstrahlten. ARD 2 war ja nur eine Übergangslösung bis das ZDF sendefähig war.


Um das Problem zu verstehen, muss man folgendes wissen:
Vor dem Krieg wurden alle Senderanlagen von der Reichspost betrieben. Während der alliierten Besetzung (1945-49) gingen dann in den 3 Westzonen die Sendeanlagen in den Besitz der neu gegründeten Landesrundfunkanstalten über. Und auch nur diese durften (abgesehen von den Sendern der Allierten) in ihren jeweiligen Sendegebieten Senderanlagen betreiben und Radio- und TV-Programme verbreiten. In der Ostzone blieben die Senderanlagen im Besitz der Deutschen Post.
1950 schlossen sich die Landesrundfunkanstalten zur ARD zusammen und begannen mit dem Aufbau eines gemeinsamen Fernsehprogramms.

Als dann der Bund mit Hilfe der Bundespost versuchte ein zweites TV-Programm ("Adenauer-Fernsehen") aufzubauen, klagten einige Bundesländer beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, weil sie ihr Monopol als alleiniger Programmveranstalter und Senderbetreiber verletzt sahen. Das BVerfG entschied dann am 28.02.61 im berühmten "1. Rundfunkurteil" u.a. folgendes:
- Rundfunk ist Ländersache. Der Bund darf keine Radio- und TV-Programme veranstalten.
- Programmverbreitung (Senderanlagen) ist Sache der Bundespost; nicht der ARD-Anstalten.

Folglich durften nach diesem Urteil neue Programmveranstalter (ZDF, DLF, III. TV-Programme der ARD) nur noch von der Bundespost verbreitet werden. Die bereits existierenden Strukturen (ARD-Hörfunk, 1. ARD-Fernsehprogramm, Alliierte einschl. RIAS, Europe 1 im Saarland) erhielten aber Bestandsschutz; durften also weiterhin ihre Senderanlagen selbst betreiben.


von Manager. - am 17.11.2011 08:45
Zitat
CBS
Das erste Frühprogramm wurde auch nur über Sender entlang der Grenze ausgetrahlt, m.W.n. um auch Schichtarbeitern die Möglichkeit zu geben, sich via Westmedien zu informieren.

Das ist richtig. 3 Wochen nachdem die DDR durch den Mauerbau ihre Bürger in's eigene Land einsperrt hatte, begann das Vormittagsprogramm (10 bis 13 Uhr) der ARD für die Zuschauer in der DDR über alle Sender des NDR, des SFB und von RB sowie über die hr-Sender Hoher Meißner und Rimberg und über die BR-Sender Kreuzberg und Ochsenkopf.
Ähnliche Wiederholungen für Schichtarbeiter in der DDR gab es bis in die 80er-Jahre auch bei RIAS 2.


Zitat
freiwild
Das gemeinsame Vormittagsprogramm von ARD und ZDF hatte, wenn ich mich richtig erinnere, auch den Ursprung, Zuschauern in der DDR ZDF-Sendungen zeigen zu können, obwohl sie nur die ARD empfingen.

Ja, das war in späteren Jahren (1961 gab es ja noch kein ZDF) ein weiteres Motiv für diese Sendestrecke. Montags wurden deshalb manchmals die Samstagsabend-Unterhaltungsshows des ZDF gezeigt. Aber auch die politischen Magazine wie "Kennzeichen D" und "ZDF-Magazin" wurden tags darauf wiederholt. Genauso gab es Fußball-Länderspiele vom Vorabend zu sehen. In diesem Falle aber unabhängig davon, ob diese bei ARD oder ZDF zu sehen waren.


von Manager. - am 17.11.2011 13:57
@ Manager.

Zitat

ARD 2 kam über einige UHF-Sender der Bundespost, welche dann ab 1963 das ZDF-Programm ausstrahlten.


Und welche Sender waren das? Es würde mich generell mal interessieren, wann denn welche ZDF-Grundnetzsender auf Sendung gingen. Oder waren die alle schon am 01.04.1963 auf Sendung?


Zitat

Das BVerfG entschied dann am 28.02.61 im berühmten "1. Rundfunkurteil" u.a. folgendes:
- Rundfunk ist Ländersache. Der Bund darf keine Radio- und TV-Programme veranstalten.
- Programmverbreitung (Senderanlagen) ist Sache der Bundespost; nicht der ARD-Anstalten.


Und gerade der zweite Beschluß, der der damaligen Bundespost ihre Monopolstellung gegenüber neuen Radio- und Fernsehprogrammen gab, ist für einen Staat mit einer Marktwirtschaft nicht nachvollziehbar.



@ Thomas (Metal)

Zitat

In diesem Zusammenhang fällt mir auch E37 vom Heidelstein ein. Warum wurde dort so spät (1980) erst das "hessische Fernsehprogramm" abgestrahlt, also zu einem Zeitpunkt, zu dem schon viele Fernsehumsetzer gebaut waren?


Das kann ich auch nicht verstehen. Die hessische Rhön hatte man aber irgendwie schon immer vernachlässigt. Die ARD holte man sich dort meist vom Kreuzberg und damit die falsche Regionalversion.



@ klausklaus

Zitat

Vor einiger Zeit habe ich irgendwo im Netz einen Beitrag gelesen, bei dem es auch um die Anprangerung von DDR-Bürgern ging, die aufgrund der bei ihnen erkennbaren Antennenanlagen als "Westempfänger" ausgemacht werden konnten. Zum Beitrag gehörten auch gescannte Originalausschnitte einer DDR-Lokalzeitung, in denen ein so erkannter Bürger dann sogar mit Name und Adresse genannt wurde.


Es gibt eine Dokumentation namens "Westfernsehen Marke Eigenbau". Das ist zwar eine Dokumentation, aber deine Beschreibung würde dazu passen.



@ Robert S.

Zitat

Und meine Schüssel darf auch net fehlen ;) :D


Meine Fresse, das ist schon wieder dreieinhalb Jahre her, als ich das Photo geknipst hatte.


von Kay B - am 17.11.2011 21:49
Wenn man bedenkt, welchen Versorgungsbereich allein der K10 im Harz innerhalb der DDR hatte, das wär mit Band1 sicher kaum besser gegangen. Da muss man immer mit Sporadic-E-Störungen den Sommer über rechnen. Über Flachland ist das Band3 auch ausgezeichnet in der Reichweite gewesen, Harz K10 und Berlin K7 sendeten ja hauptsächlich um eher flachere Gebiete in größerer Entfernung in der Fläche zu versorgen. Der Harz ist ein kleines Gebirge mitten im Flachland, daher optimal als Sendestandort.
Band1 hat große Vorteile wegen der hohen Beugung im Gebirge die Täler zu erreichen, daher hat man wohl Ochsenkopf und Kreuzberg so gewählt. Für Empfang vielleicht noch mit Zimmerantenne im Nahbereich eignet sich Band3 und UHF natürlich besser. Deshalb wird das in Berlin so koordiniert worden sein, auch weil man für Band1 mit den nur 3 Kanälen einfach nicht genung Sender aufbauen konnte, da enorme Schutzabstände erforderlich sind. Berlin hätte so sehr weit nach Polen auch reingestrahlt.
Das war sicher auch der Grund, weshalb man nicht auf dem Bungsberg mehr im VHF senden konnte, das hätte zumindest im westlichen Teil von Rügen noch schwachen Westempfang ermöglicht. Es war sicher kein Kanal frei, mit dem man mit 100kW von dort hätte senden können. Man musste über die Ostsee ja mindestns mit 4-5 Staaten koordinieren, BRD, DDR, Dänemark, Schweden, Polen. Da ging sicher nichts mehr, daher leider nur noch UHF über die Ostsee möglich gewesen.
Vielleicht war das auch der Grund weshalb sogar Marlow den UHF- Grundnetz-Sender schon vertikal senden musste. In der ganzen DDR gabs sonst keinen vertikalen UHF-Grundnetztsender, ich weiß noch nicht mal einen im Westen. Bei Füllsendern und Sendern mit relativ geringer Leistung was vertikal auch auf UHF üblich, das weiß ich, aber bei Grundnetzsendern mit hoher Leistung?

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 03.05.2012 06:03
also wir in Magdeburg hatten via Brocken/ Torfhaus wenn ich mich recht erinnere:
VHF Kanal 6 DDR1( später ARD mit MDR regional)
Kanal10 ARD

UHF Kanal 23 ZDF

ab zirka 1988 Kanal 25 SAT.1 via Berlin in unsere Gemeinschaftsantennenanlage eingespeist

Kanal 34 DDR 2 (später MDR )

Kanal 53 NDR

wir hatten damals eigentlich nur Ostfernsehen an, wenn, ich glaube Mittwochs Wunschfilm auf DDR 2 lief,

wir hatten als Fernseher ( damals im Kinderzimmer) immer irgendwelche alten geräte die dann von meinen Opa repariert wurden oder aus zwei ein Heiler Fernseher zusammengebaut wurden.

Als Story, hatten wir damals einen Fernseher, den musste man einschalten, danach kam nach gefühlten 5 Minuten endlich das Bild, dann hatten wir einen Konverter ( wie heute einen Satrecciever) daneben zu stehen, diesen dann einschalten. Dieser hatte 4 Ebenen
1: VHF 2-4 dam kam nichts
2. VHF 5- 12 ( Auf diesen Kanälen war dann DDR 1 und ARD per kurbeln einzustellen
3 UHF 21- (glaube 42) Da war dann das ZDF und DDR 2 zu haben

wir wollten damals abends einen Film von DDR 2 gucken und musste damals von ZDF hochkurbeln und plötzlich lief da Abends noch Werbung, dann kammen die Bälle von oben( Werbeende nach nur zwei Spots) und es lief ein Film, darauf hin den Film zu ende geguckt um dann rauszufinden das dieser Sender SAT.1 war- kannten wir davor nicht

4. UHF 43- 69 da kam auf kanal 53 N3

Auchso, bei meiner Oma hatte damals die Nachbarin glaube Sonnabend morgen immer die Programmvorschau angeschaut und mitgeschrieben. Danach hatte Sie denn mittels Blaupapier und Ihrer Schreibmaschine eine Programmzeitung erstellt.

So hatten wir unsere Programmzeitung der " Westprogramme ARD, ZDF und vom 3. ( NDR )

von zausel001 - am 03.05.2012 07:01
In der Leipziger Volkszeitung (Lokalausgabe Muldental) war am Montag folgender Artikel zu lesen:

Anfänge des Fernsehens in Colditz
1956 flimmern im Wohnzimmer des Lehrerehepaares Montag die ersten Bilder

In den letzten Wochen wurde viel über die Anfänge des Fernsehens in Deutschland, zum Beispiel "60 Jahre Tagesschau", gesendet und auch geschrieben. Wie war das eigentlich mit der Entwicklung des öffentlichen Fernsehens in unserer Region zu Beginn der 1950er Jahre? Zunächst einige historische Fakten: Anfang der fünfziger Jahre gab es in den USA bereits 15 Millionen Fernsehkonsumenten, in Großbritannien waren es fast 1,5 Millionen und in Frankreich weit über 10000. Viel bescheidener fielen diese Zahlen in den beiden deutschen Staaten aus. Beim Beginn der Ausstrahlung eines regelmäßigen Fernsehprogrammes hatte die DDR die Nase vor. Wenn auch nur um ganze vier Tage.
Vom 21. Dezember 1952 an (offizieller Anlass war wohl der 73. Geburtstag von Stalin) gab es täglich ab 20 Uhr zwei Stunden Sendezeit aus dem Fernsehzentrum Berlin, was auch ausschließlich nur in Berlin auf circa 60 Fernsehgeräten zu sehen war. Am ersten Weihnachtsfeiertag 1952 startete dann das offizielle Programm der BRD, das Programm des Nordwestdeutschen Rundfunks (NWDR). Mit circa 300 Geräten hatte hier die BRD die Vorherrschaft. Richtig los ging es auf dem Gebiet der DDR erst im Januar 1956, als der Deutsche Fernsehfunk (erst im Februar 1972 in Fernsehen der DDR umbenannt) aus Adlershof sendete. Von diesem Zeitpunkt an breitete sich das Fernsehen von Woche zu Woche mehr aus.
Auch in der Region um Colditz. Im Laufe des Jahres 1956 (nachzulesen auf der Tafel zur Geschichte des Colditzer Ortsteiles Koltzschen) wurde im Wohnzimmer des Lehrerehepaares Montag ein Fernseher aufgestellt und auf dem Dach der Koltzschener Schule, dort wohnten die Montags, eine Antenne montiert. Das war ein Großereignis. Weit und breit war dies der einzige Fernsehapparat. In den Bäcker- und in den Dorfläden der umliegenden Gemeinden behauptete man sogar, der Fernseher von Montags sei der am weitesten von Adlershof entfernt stehende, und deshalb hätten sie auch die Antenne umsonst bekommen. Von nun an hatten die Montags viele neugierige Fernsehgucker im Wohnzimmer zu Gast. Teilweise kamen die Leute direkt von der Feldarbeit zum Fernsehen.
Wenig später erhöhte sich die Anzahl der Fernsehgeräte in der Region, aber in den privaten Haushalten nur langsam, was sicher auch dem hohen Preis geschuldet war. Ein Fernseher der Marke Rafena, produziert im VEB Rafena-Werke (vormals Sachsenwerk) in Radeberg bei Dresden war damals ab etwa 1500 Mark zu haben. Anfänglich kostete ein Gerät sogar 3000 Mark, was fast einem damaligen Jahresdurchschnittsverdienst entsprach. Ihren Preis hatten die neuen Apparate im Westen Deutschlands auch. Aber dort fielen die Preise sehr bald auf unter 1000 DM. Später musste man sich im Osten, wie für so vieles andere auch, sogar anmelden und eine bestimmte Zeit auf den Bezug eines Fernsehers warten. Trotz eines weiteren Werkes in Staßfurt lagen Nachfrage und Produktionszahlen weit auseinander.
Der Fernseher im Hochschrank
Viele Fernsehgeräte waren für den Export bestimmt, vor allem in die Sowjetunion. Ganz im Sinne der sozialistischen Ideale setzte man deshalb auch auf das "kollektive" Fernseherlebnis. Einer dieser Gemeinschaftsempfänger stand in der Schule in Hausdorf. Er stand in einem Klassenzimmer im ersten Stock und war in einem Hochschrank verstaut. Was den Vorteil hatte, dass er während des Unterrichts nicht zugänglich war und alle Fernsehgucker wegen seiner Standhöhe fast gleich gute Sicht hatten. Der Andrang war lange Zeit sehr groß, und bei einer Bildschirmgröße von unter 40 Zentimetern musste das Geschehen auf der Mattscheibe schon mal in die hinteren Reihen übersetzt werden. Bei den Kindern waren die Sendungen "Meister Nadelöhr" und "Professor Flimmrich" sowie die Filme, die wochentags während der so genannten Testbildpause am frühen Nachmittag zu sehen waren, sehr beliebt. In Erinnerung sind vielen vielleicht die Filme "Timur und sein Trupp" oder "Kotschubej", Wenn Friedensfahrt-Zeit war und das beliebte Amateurradrennen des Ostens übertragen wurde, dann saßen oder standen Jung und Alt vor dem TV-Gerät in der Hausdorfer Schule. Bereits am Nachmittag liefen Übertragungen, die zum großen Teil Livebilder aus einem Flugzeug zeigten. Oft sehr wacklig und mit größeren Ausfallzeiten. Was aber der Begeisterung keinen Abbruch tat. Sicher hatte dies auch damit zu tun, dass die Sportstars, wie Täve Schur, Manfred Weißleder, Erich Hagen und Bernhard Eckstein, oft die großen Gewinner und sehr beliebt waren.
Von Beginn an war das Fernsehen in Ost und West auch ein Instrument der politischen Einflussnahme und fester Bestandteil des Kalten Krieges. Es entstand ein regelrechter Wettbewerb: Wer kann am weitesten in das Sendegebiet des anderen hineinstrahlen und seine Werte an die Schar der Fernsehgucker weitergeben. In der Realität zeigte sich, dass Empfangsmöglichkeiten, Interesse und Einflussnahme des Westfernsehens größer waren als umgekehrt. In diesen ersten Jahren des Fernsehens war der Empfang aus dem Westen in unserer Region technisch nicht möglich. Einige Jahre später, ab 1958, sorgte der Sender Ochsenkopf des Bayrischen Rundfunks, der bis nach Westsachsen hineinstrahlte, dafür, dass mit einer so genannten Ochsenkopfantenne der Empfang vielerorts möglich wurde. Diese Antenne war eine Diapolantenne recht einfacher Bauart aus Aluminiumrundmaterial oder Kupferrohr. Immerhin wies sie eine Gesamtlänge von 2,23 Metern aus. Sie wurde versteckt in Bodenkammern oder auf Wäscheböden vertikal an der Dachkonstruktion aufgehängt und mit dem damals handelsüblichen UKW-Antennenkabel zum Fernseher hin verbunden. Die meisten dieser Antennen entstanden in Eigenbauweise und unter Verwendung von aus den Betrieben organisierten Materialien. Viel Fantasie brachten die Bewohner von Mehrfamilienhäusern auch beim Einrichten des besten Empfanges auf. Da wurde nicht einfach von der Wohnungstür zum Dachboden gerufen, das Bild ist gut oder schlecht, sondern es wurden sich für "gut" und "schlecht" Codes ausgedacht. Denn es gab bis zu Beginn der 1970er Jahre (Machtübernahme durch Erich Honecker) immer wieder staatliche Aktionen und Repressalien gegen das Westfernsehen. So zum Beispiel 1961, unmittelbar nach dem Mauerbau, die "Aktion Ochsenkopf" der FDJ, wo in Größenordnungen die Westantennen regelrecht vom Dach gesägt wurden. Der Wunsch nach einem guten "Westbild", um den "Blauen Bock", "Lassie" oder Hans-Joachim Kulenkampff mit seiner Sendung "Einer wird gewinnen" zu sehen, war jedoch nicht zu unterbinden.
Die Region um Colditz und Rochlitz erlebte in dieser Zeit durch einen Militärsender der Roten Armee auf dem Rochlitzer Berg, der sehr nah an der Sendefrequenz des TV-Senders Ochsenkopf sendete, ein erneutes Aus für den West-Empfang. Plötzlich war auf dem Bildschirm nur noch Schneegriesel zu sehen und gelegentlich russische Stimmen zu hören. In dieser Zeit entstanden in kürzester Zeit Tausende von so genannten Russentods. Technisch handelt es sich dabei um ein ganz einfaches Verfahren zum Entzerren bzw. Zerhacken von störenden Frequenzen. Gebaut wurden diese Geräte aus Aluminiumblechkörpern, einer dicken Kupferspule, einer runden Metallplatte und einigen Schrauben. Dieses Gerät wurde zwischen das Antennenkabel eingebunden, und durch Drehen und Schrauben an der Spule erreichte man wieder einen Westempfang in gewohnter Qualität. Skurril war schon, was alles für das Hauptstück des Gerätes, den Alukörper, herhalten musste. Da kamen Tauchsieder- und Milchtöpfe, Elaskon-Flaschen (beliebtes DDR-Mittel zur Hohlraumkonservierung bei Trabant und Wartburg) und unzählige Tafeln von Aluminiumblech sowie ganze Lagerbestände an dickem Kupferdraht zum Einsatz.
Antennengemeinschaften entstehen
Als alle Tauchsieder- und Milchtöpfe aufgekauft waren, wurden kartonweise Elaskon-Flaschen beschafft und unter Verletzung jeglicher Umweltnormen einfach leer gegossen. Ein besonders erfinderischer Bastler kam sogar auf die Idee, eine Milchkanne umzubauen und neben seinen Fernseher zu stellen. Doch ein Engpass bei Milchkannen trat zum Glück nicht mehr ein. Auch stieg bald die Arbeitsproduktivität wieder deutlich an, denn der sowjetische Armeesender auf dem Rochlitzer Berg änderte seine Sendefrequenz. Die allermeisten "Russentods" wanderten nach einer gewissen Karenzzeit in den Schrott.
Von da an dauerte es nicht mehr lang, und das Westfernsehen wurde in der DDR ganz allmählich legal. Im ländlichen Raum entstanden die ersten Antennengemeinschaften, die Vorläufer des heutigen Kabelfernsehens. Am Ende der DDR waren es so viele, dass sie sogar im Einigungsvertrag verankert werden mussten. Bei der Errichtung der großen Neubausiedlungen in den späten 1970er und 1980er Jahren wurden die technischen Voraussetzungen für einen guten Westempfang gleich mit eingebaut. Und heute: Wir können über grenzenlose Fernsehprogramme für Tausende von Speicherplätzen verfügen, es gibt Mediatheken für verpasste Sendungen, und wir müssen keine Störsender mehr austricksen. Wir haben allabendlich nur die Qual der Wahl. Werner Winkler

von dirk-mtl - am 28.02.2013 21:15
Liegt immer an der Bildröhre. Die berüchtigten 67-701x mit ihrem Grünstich ( bei Grundig verarbeitet ) waren nach 2 oder 5 Jahren am Ende. Spinner, die bei Siemens arbeiteten und sich als diplomiertes Arschloch ausgaben und daher mit ihren Einstellungen ( Kontrast und Helligkeit auf vollen Wert ) der Bildröhre nach 8 Monaten ein Ende bereiteten, sorgten im Kundendienstwagen für eine erhöhte Heiterkeit.

Eine regenerierte A43 wurde mit 600 DM angegeben. Generell war die Bildröhre immer mit 900 DM dabei , das war so ein Richtwert. Die Bildröhre konnte auch "geschossen" werden. Von der Kathode wurde dabei ein Belag abgeschossen, dies gelang durch Messgeräte der Firma Müter ( Gib mal den Müter rüber ).Ein Jahr war dann Ruhe. Wurde nochmal "geschossen", konnte das Bild ins Negative gelangen. Mir ist das einmal passiert, als Lehrling. Fast immer wurde den Fernsehfreunden gesagt, dass sich das alles nicht lohnt, was auch meist stimmte.
Ich erinnere mich an einen Fernseher, der eine Farbröhre hatte, sowie einen integrierten kleinen SW-Fernseher, der ein weiteres Programm zeitgleich zeigen konnte ( Vorläufer von Bild-im-Bild ).
Die SW-Pullen waren noch gut, die Farbröhre war am Ende.
Das Gerät hätte ich gerne gerettet, ist aber im Container gelandet.

von sup2 - am 01.03.2013 18:57
Hallo,
Ich möche auch einmal etwas zu diesem Thema beitragen. So um 1987/88 habe ich mir als Schüler im A&V (An- und Verkaufsläden in der DDR) einen gebrauchten SW-TV "Debüt" gekauft. Ein neuer Fernseher wäre für mich nicht zu bezahlen gewesen, da ich wie bereits gesagt ja noch Schüler war. Da das Bildrohr ziemlich platt war, hatte der Fernseher einen für damalige Verhältnisse sehr niedrigen Preis. Ein Fernsehmechaniker im Nachbarort hat mir dann eine regenerierte Bildröhre eingebaut. Auch das war im Verhältnis zu einer neuen recht preiswert. Die alte Bildröhre musste abgegeben werden und man erhielt eine industriemäßig regenerierte Bildröhre. Hier war ein neues Sytem eingebaut, die Bildröhre somit einer neuen vergleichbar. Das hat mit Wechsel der Röhre so ca. 200 DDR-Mark gekostet, wenn ich mich recht erinnere. Der Fernseher hatte anschließend wieder ein sehr gutes scharfes und kontrastreiches Bild und wurde nach der Wende auch noch eine Weile als Zweitgerät benutzt (Anfang der 90er kam ich zu einen Colorlux 4010 mit Fernbedienung, der von mir noch einen Videotextdecoder und einen Scartanschluß eingebaut bekam, seitdem nur mal einen neuen Zeilentrafo brauchte, und noch heute mit super Bild fast täglich in Betrieb ist).
Der Westfernsehempfang war hier im Thüringer Becken kein Problem. ARD kam vom Torfhaus problemlos und aus der gleichen Richtung wurde auch DDR1 empfangen. Bei meinen Eltern stand dafür ein ca. 8m- Mast, der für VHF eine 7Element-Antenne hatte. Das ZDF war vom Hohen Meißner am besten zu empfangen. Hier sorgte der längste Standard-Rechen aus Blankenburg für das rauschfreie Bild. DDR2 konnte im Ort meist mit dieser Antenne mit vempfangen werden, bei uns war das durch einen Hügel abgeschattet, so gab es für DDR2 eine extra Antenne (nur mit der ZDF-Antenne hatte DDR2 kräftige Geisterbilder). Eine weitere Antenne Richtung Meißner war für Hessen3 zuständig, dies wurde meist rauschfrei, manchmal leicht angerauscht empfangen. Ich habe auch so um 1987 die Antennenanlage noch um eine selbstgebaute Antenne für N3 ergänzt, dies war jedoch nie rauschfrei empfangbar und meist nur in SW ansehbar. Weiterhin gab es an diesem Mast eine weitere VHF-Antenne für ARD mit dem hessischen Regionalprogramm und eine UKW-Antenne Richtung Meißner. Über die gingen in Stereo rauschfrei die DDR-Sender, die hessischen Sender, sowie die NDR-Sender vom Harz. Weiternin in Mono brauchbar die bayrischen Sender vom Kreuzberg, sowie oftmals einige WDR-Programme (das UKW-Band war ja relativ frei).

von IngoR - am 03.03.2013 10:40
Ich drehe den Spies mal um: DDR Fernsehen im Westen! Habe in Geesthacht bei Hamburg gewohnt.Wir hatten damals "nur" 4 Programme als Standard! ARD,ZDF,N3 und DDR1. Das 1.der DDR kam über Schwerin(K11) DDR2 war hier sehr problematisch, da es von Schwerin über K29 ausgestrahlt wurde und auf K30 war das ZDF vom Hamburger Fernsehturm.Hier und auch im Hamburger Raum habe ich zu 99,9 % deshalb immer nur die langen VHF Antennen auf Schwerin gesehen,aber nie die UHF Rechen! Wurde wohl wegen den Nachbarkanalstörungen wohl nie praktiziert! Selbst bei Kabelfernsehen machte DDR 2 von Schwerin anfangs Probleme mit den Nachbarkanalstörungen .Wir hatten eine Standart Antennenanlage,eine 6 Element VHF für Schwerin,eine UHF Gitterantenne für ZDF und N3 vom Heinrich-.Hertz Turm (HH) ,dsiese beiden waren auf dem Dach. Unter Dach hatten wir eine kleine VHF für ARD vom HH-Moorfleet.Mit dieser Antennenanlage empfingen Wir aber auch ARD Bremen (leicht angerauscht),ZDF und N3 von Standort Uelzen (leicht verzerrt) und DDR2 kam bei uns stark angerauscht vom Standort Brocken(K34),je nach Wetterlage mal etwas besser.Aber der K 34 war praktisch immer sichtbar! Wenn gute Bedienungen herrschten kam der Brocken schon mal fast an Ortssenderqualität heran. Das ich den Brocken mit der UHF ,die eigentlich auf Hamburg gerichtet war empfing,erkläre ich mir damit, das mich da wohl eine "Nebenkeule " getroffen hat.Der Brocken fiel auf der anderen Seite der Elbe(Stove ,Rönne,Winsen) schon so stark ein, das der Empfang teilweise schon mit einer Zimmerantenne! gelang.Da störte dann auch das ZDF von K 30 nicht mehr. Mit unserer Antennenanlage habe ich mit Ausrichtung auf HH aber auch schon mal Niederlande,N3 von Lingen oder sogar Großbrittanien (IBA) empfangen-gute Bedienungen vorasgesetzt. Später kam noch ARD mit Niedersachsen Regionalfernsehen vom Sender Rosengarten dazu,da hatten wir auch Ortssender Qualität, obwohl die Antenne nicht exakt darauf ausgerichtet war. Hat sehr viel Spaß gemacht damals!

von kampfkater - am 03.03.2013 14:47
Hallo Fernsehfreunde,

Wir hatten 1962 bei uns im Ort als 2.Familie einen Fernseher gehabt.
Der Standort war in der Altmark. Das ist Nördlich Magdeburgs und reicht etwa bis Wittenberge.
Natürliche Grenze Richtung Nord/ Ost ist die Elbe.

In der Angehängten Skizze ist die Linke Zeichnung das Anfangs eingesetzte Antennensystem.
Meines Wissens " Gestockte Ganzwellenantenne " genannt. Zunächst gab es nur diese Antennen.
Als das ZDF zu senden begann wurde eine UHF Variante dieser Antennen im Selbstbau abgefertigt.
Später wurden dann auch Yagis eingesetzt.
Wir hatten in den 70 `er Jahren die rechts auf der Zeichnung zu sehende Antenne für Berlin K 07
angeschafft weil die " Grosse Antenne " den K 07 nicht immer gut empfangen hatte ( Stand Richtung Harz ).
Entfernung zum Brocken und Berlin waren Jeweils ca. 100- 110 Km.
Die Antenne für den Berlinempfang war Unter Dach. Dieses aber ungedämmt, die Ziegel waren sichtbar.
Der Empfang damit war fast Immer gut bis brauchbar. Antennenverstärker hatte es keine.
Fernsehen Damals war was ganz Besonderes. Es gab 2 Programme in Schwarzweiss.
Zeitweise sogar 3 wenn die Regionalprogramme von 18:00 bis 20:00 Uhr auseinandergeschaltet
waren. Weil uns das Berliner Programm besser gefiel haben wir meistens das geschaut.
MfG Det.



[attachment 1203 Antennenzeichnung.jpg]

von RADIO354 - am 03.03.2013 14:55
Bei uns war's gar kein Problem. Die Antennen waren grob auf Berlin gerichtet und zumindest die starken Grundnetzsender haette es damit von beiden Seiten gegeben. Das wusste man in meinem Wohngebiet und setzte normkonform Weichen ein, die nur Kanal 5 und Kanal 27 (DDR1 und DDR2) von Berlin in die Gemeinschaftsantennenanlage einspeisten. Sie stand auf einem Block des vier Wohnbloecke umfassenden Wohngebiets.

Die Kanalsperren gegen den Westempfang fielen erst im Fruehjahr 1990 als technisch unwissende "Aktivisten" in den Betriebsraum eindrangen und die Haelfte der Weichen- und Verstaerkertechnik ausbauten bzw. zerstoerten. Da danach aber kaskadiert je ein weiterer Verstaerker fuer jeden Wohnblock kam, hatte es in der Anlage auch die gesamte Pegelung gekippt. Die stark einfallenden Sender vom Fernsehturm hatten Brummstreifen, Geisterbilder und Zischelgeraeusche im Ton. In der Folge hatten wir bis zum Umbau auf eine analoge Kabelfernsehanlage im Jahr 1994 zwar alle Kanaele, eine gewoehnliche Zimmerantenne brachte aber auf den meisten Kanaelen bereits ein besseres Bild. Zudem fiel die UHF-Antenne auf dem Dach ca. ab Kanal 40 mehr als deutlich ab. Fuer das Megawatt auf Kanal 44 machte das noch nichts aus, Kanal 47 war aber schon etwas angerauscht, Kanal 51 deutlicher angerauscht und auf Kanal 56 reichte es manchmal nicht mehr fuer den Farbempfang.

von PowerAM - am 04.03.2013 11:52
Hallo Fernsehfreunde,

Ein Teil des Lehrlingsinternats wurde 1975 geräumt die 8 Freigewordenen Wohnungen an Familien
übergeben. Die Umquartierten kamen in ein Kleineres Gebäude.
Dort wurde eine Empfangsantennenanlage installiert und der Internatsleitung übergeben ( Vorgeführt ).
Der Heimleiter " Das darf nicht sein " weil Westfernsehen mit empfangbar war.
Der Fernseher wurde " repariert " . Es befand sich eine Mechanische Sperre in Form eines Nagels
in der Welle des Kanalwählers der beim Umstimmen von K 27 ( DDR 2 ) auf K 33 ( ZDF ) durch
Blockieren dieses Umstimmen verhinderte.
Diesen Nagel haben wir entfernt ( herausgezogen ). Eines Abends lief Fussball...
Der Heimleiter kam Hinzu und bemerkte zunächst nix.
Weil aber der Kommentator öffters " Die Deutsche Mannschaft " sagte flog die Sache dann auf.
Nun wurde der Westempfang endgültig unterbunden. Der Fernseher wurde entfernt.
Wir hatten noch die UKW Antennenleitung in unsere Unterkunft umverlegt auch dass wurde
dann bemerkt und musste zurückverlegt werden.
Seitdem waren die 3 Antennen auf dem Dach nur noch Dekoration.
Fernsehen gab es dann nur noch im Hauptgebäude. Dort hatten wir noch K 07 ARD ( Wenn die Luft rein war :) )
MfG Det.

von RADIO354 - am 05.03.2013 09:12
Zu DDR Zeiten> mal meinen "Westempfang" hier in Halle/ Saale:

Dauernd:
Kanal 10 ARD - Torfhaus
Kanal 23 ZDF - Hof
Kanal 37 CT (Fernsehen von den Tschechen immer in Ortsqualität)

Überreichweiten bzw. öfters bekommen:
Kanal 3 ARD Bayrisches Regional Fernsehen (entweder vom Ochsenkopf oder Kreuzberg)
Kanal 7 ARD Hessisches Regional Fernsehen - Hoher Meißner
Kanal 7 ARD SFB Regional Fernsehen - Berlin
Kanal 39 Hessen 3 - Rimberg
Kanal 55 Hessen 3 - Hoher Meißner
Kanal 57 Bayrisches Fernsehen Hof
Kanal ? Westdeutsches Fernsehen - Kahler Asten

Dazu natürlich noch diverse Überreichweiten:
Sat 1 Kanal 25 (Berlin), ORF 1 müßte Kanal 26 oder 27 gewesen sein. Öfters hatte ich auch Tropo im Band 1 aus Spanien, Schweden.

Das ZDF sendete damals ja immer solche Senderstandortbilder vor dem Programmbeginn mit.
Da habe ich auch viel bekommen z.B. vom Habichtswald, Würzburg, Kahler Asten usw.
Manchmal habe ich das ZDF und die dritten Programme gleich mehrmals gleichzeitig bekommen. Meine Nachbarn haben vielleicht gekotzt, da sie nur das ARD Programm hatten.

Das ZDF Kanal 23 hatte ich gleichzeitig mit einen UHF Konverter in meinen Mehrbereichsverstärker
in den Band 1 umgesetzt, da war die Kanaltrennung zum Leipziger Kanal 22 DDR2 viel besser.

von Barry_Graves - am 05.03.2013 09:20
@ hetietz: Ich habe in den 80er Jahren in der Plovdiver Str. gewohnt. Für alle anderen, das ist in Leipzig- Grünau. Unsere GA- Anlage, die für 10 Blöcke zuständig war, stand auf einem Block der Wegastraße und war von der Lützner Str. aus sehr gut zu sehen, schräg gegenüber der heutigen Bavaria- Petrol- Tankstelle. Der Mast war knapp 10m hoch.
Ganz oben in gut 30 m Höhe thronten 2x 26 Elemente für das BayFS, Hof Kanal 57. Das wurde in der Anlage auf Kanal 12 umgesetzt und war an 90% der Tage gut zu sehen, brachte bei Tropo durch zu starken Pegel aber manchmal den ganzen VHF- Bereich zum "kippen". Immerhin sind es 136 km bis zum Großen Waldstein.
Darunter befanden sich 2x 26 Elemente für das ZDF, Hof Kanal 23. Der Pegel des ZDF war eigentlich immer recht gut, aber der Störstreifen des starken 15km entfernten Wiederauer Nachbarkanals meistens nicht zu übersehen. Man hatte das ZDF auf seinem Kanal belassen, vielleicht hätte ein Umsetzen in den Bereich 1 hier noch mehr gebracht. Kann man heute nur spekulieren. Bei Tropo brachte die ZDF- Gruppe manchmal das ORF2 auf Kanal 24 in mäßiger Qualität, einmal sah ich auch auf Kanal 25 das Testbild "H.-PEISSENBERG".
Weiter unten je eine 13 Elemente- Antenne für ARD, Torfhaus Kanal 10 und DDR1, Brocken Kanal 6. Beide in guter Qualität. Für den 126 km entfernten Brocken zeigt mir FMSCAN sogar noch optische Sicht an! Auf Kanal 7 (ARD-hr Hoher Meißner) und 11 (ARD-WDR Teutoburger Wald) war manchmal auch noch ein vergrießtes Bild zu sehen.
Weiter unten dann eine 7 Elemente- UKW- Antenne, ausgerichtet auf den Hohen Meißner. Sie brachte die hr- Programme und FFH zu gut 95% in stabiler Monoqualität bei immerhin 169 km zum Sender. Die NDR- UKW- Programme vom Torfhaus gingen damit eigentlich immer gut in Stereo (außer NDR 3 auf der 89,9; hier störte die Geyersche 89,8 zu sehr). Bei Tropo hatte man damit auch mal den WDR oder SWF.
Noch darunter befand sich eine 16 Elemente - Halbmastantenne (heute sagt man wohl Vormastmontage) für DDR2 auf Kanal 32 vom Geyer. Da die Leipziger DDR- Fernsehsender jeweils im Nachbarkanal des "Westens" lagen, wurden sie ncht genutzt, sondern eher noch gesperrt. Kanalsperren für die "22" gab es damals in Leipzig durchaus zu kaufen. Für einige wenige mit ihren Familien in unseren Blöcken wohnende sowjetische Offiziere ("Freunde") wurde später noch eine 26 Elemente- Antenne nachgerüstet, die das Zentrale Sowjetische Fensehen auf Kanal 25 empfing, ausgestrahlt im Norden Leipzigs. Bei Tropo konnte SAT1 aus Berlin da schöne Jalousien verursachen.

von dlf-fan - am 05.03.2013 22:28
@ dlf-fan

Zitat

Für einige wenige mit ihren Familien in unseren Blöcken wohnende sowjetische Offiziere ("Freunde";) wurde später noch eine 26 Elemente- Antenne nachgerüstet, die das Zentrale Sowjetische Fensehen auf Kanal 25 empfing, ausgestrahlt im Norden Leipzigs.


Bilder des Senders wird es bestimmt nicht geben, nehme ich mal an. War ja eine prekäre Sache, sowas zu photographieren.

Weißt du noch wann in etwa diese Sender für die Sowjets auf Sendung gingen? Soweit ich weiß wurden die ja per Satellit im C-Band gespeist.



@ RADIO354

Zitat

Die Leistungserhöhung wurde In der SAT 1 Regionalsendung am Abend erwähnt.
Hier ein Beitrag " in Eigener Sache ... " Ich denke die Erhöhung war von 125 auf 250 KW.
Jeweils ERP.


Weißt du noch, wann das war?

Da hatte es wahrscheinlich doch zähe Verhandlungen mit der DDR gegeben, was die Sendeleistung angeht. Technische Gründe sind für so eine sukzessive Erhöhung bestimmt auszuschließen. Wenn man diesen Sender - quasi mitten in der DDR - von Anfang an mit 250 KW hätte betreiben dürfen hätte man technisch bestimmt alles getan um das auch umzusetzen.

von Kay B - am 06.03.2013 00:02
@ Kay B: Die "Russenantene" kam ca. 1985 an die GA mit dran. Wann aber der damit angepeilte Sender in Betrieb ging, ist mir nicht bekannt.

@ hetietz: Wir haben damals in der Plovdiver Str. 2 gewohnt (genau an der Straßenbahnhaltestelle "Plovdiver Str."). Der Block Ploviver Straße 2-8 steht an der Einmündung der Wegastraße in die Plovdiver. Wir sind ziemlich genau vor 30 Jahren dort eingezogen und wohnten ganz oben in der 6. Etage, mein Kinderzimmer ging nach Westen zur Straßenbahn raus. Wenn ich scharf nach links aus dem Fenster schaute, konnte ich ebenfalls die Wiederauer Masten sehen. Beim Blick nach rechts sehr selten den Petersberg (die Luft war damals tatsächlich schlechter als heute). Am Fenster hatte ich einen UKW- Dipol, der wirklich sehr viel möglich machte. Ich habe es in anderen Threads schon beschrieben. Leider hatte ich damals (vor 1990) meinen HMK- T200 noch nicht. Dieser MOSFET- Tuner ist wirklich sehr großsignalfest. Die 100kW- Bräter in Wiederau hatten mir vorher viel Probleme gemacht. Wenn ich den Dipol zu sehr nach Süden (eigentlich nötig für Bayern3 und RIAS2) drehte, entstanden in Silizium- Tunern unzählige Kreuzmodulationen.
Da gegenüber in der Neuen Leipziger Straße in der Zwischenzeit eine ganze Reihe Elfgeschosser abgerissen wurden, ebenso die beiden 16-geschossigen Punkthochhäuser an der Lützner Straße, dürfte die Aussicht noch viel besser und die Empfangssituation noch außergewöhnlicher geworden sein, als sie damals schon war. Nie zuvor und auch danach nicht hatte ich so eine geile Empfangslage. :hot:
Was den an sich ungestörten Kanal 57 betraf: Es kam eigentlich auf jedes dB an, also auch auf jeden Meter Antennenhöhe. Und eine 2er- Gruppe brachte ja auch nochmal knapp 3 dB mehr als eine Einzelantenne.
Und was den Kanal 23 betrifft: Die 2er- Gruppe war minimal aus der Hauptrichtung geschwenkt gewesen, um Wiederau außerhalb der schmalen Hauptkeule zu haben. Dank des Azimutabstandes von immerhin schon wieder 17° (fmscan sagt: Wiederau 176° vs. Großer Waldstein 193°) gelang das einigermaßen gut. Zum Beispiel am Adler war das bei einem Abstand von 3° einfach nicht mehr drin. Und die "Nulllinie", in der der Waldstein genau hinter Wiederau liegt, läuft genau entlang der Könneritzstraße in Schleußig. Dort musste man sich für das ZDF wohl oder übel mit dem schwachen Berliner Kanal 33 arrangieren- oder es einfach lassen. Ein erträglicher Empfang war dort wohl allenfalls nach Sendeschluss von DDR2 oder bei Tropo möglich.

von dlf-fan - am 07.03.2013 20:59
Was mich an der ganzen Geschichte irgendwie immer verwundert ist, warum man immer nur vom Ochsenkopf gesprochen und nie auch die Berliner Sender erwähnt hat. Spielten die in Dresden keine Rolle mehr? Im Vorspann selbst ist auch von "SFB drittes Programm" die Rede (kurzer Originalton). Meines Erachtens nach müsste es doch für den Ochsenkopf schwierig gewesen sein sich am Erzgebirge nahezu parallel auszubreiten. Für die Berliner Sender hatte es doch den Vorteil, dass man das Erzgebirge ideal nutzen konnte (Nordhang in Sachsen, der Südhang liegt in Tschechien). In der Stadt Freiberg (liegt ziemlich genau zwischen Chemnitz und Dresden) konnten alle 3 Programme in einigen Stadtteilen aus Berlin dauerhaft und zwar recht gut empfangen werden, Ochsenkopf spielte dort keine Rolle.
Was ich auch nie verstehe warum nicht darauf hingewiesen wird, warum gerade in Dresden die Lage besonders schwierig war. Unter anderem nämlich auch deswegen: Der Sender Dresden sendete auf K10(v), genauso wie der sonst im westlichen Sachsen sehr gut zu empfangene Sender Harz K10(h). Der Polarisationsunterschied von v und h spielt bei sehr hohen Pegeln dann nämlich auch keine große Rolle mehr. Meine Vermutung ist, dass wenn Dresden nicht auf K10 gesendet hätte, wäre der Empfang auch teilweise noch eher möglich gewesen, zumindest in den westlichen Randgebieten des Senders. Wie war denn eigentlich der UKW Empfang aus Berlin, Niedersachsen, Bayern in Dresden gewesen?

Zitat

Interessant, dass das "Tal der Ahnungslosen" immer nur mit der entsprechenden Region in Sachsen in Verbundung gebracht wird,
Ist ja auch richtig so, denn ein Tal ist immer nur dort, wo auch Berge ringsum sind. Und meines Wissens nach ist die Anzahl an Bergen in dem nordöstlichen Bereich eher gering ;-) und die Anzahl an Haushalten war/ist auch eher geringer als im Südosten.

von Jens1978 - am 28.11.2013 21:46
Ende 1989 hatte ich beruflich einige Tage in Dresden zu tun. Eingangs der Hauptstraße (die hieß damals glaube ich Straße der Befreiung) am Jorge-Gomondai-Platz gab es damals einen RFT-Laden (das müsste dort sein, wo heute die Bierbar "Am Thor" ist). In diesem Laden kaufte ich damals Ende 1989 an einem späten Nachmittag meinen RFT-HMK-V102-Verstärker, welcher heute noch bei mir zuhause in Betrieb ist. Im Laden lief eine Stereo-Anlage nicht allzu laut vor sich hin. Ich glaube, diese:
http://www.ebay.de/itm/HIFI-Anlage-SV-ST-SK-3900-aus-der-DDR-von-RFT-/380779040876
Und da lief RIAS2 auf der 94,3 mit schwachem Pegel, aber ziemlich stabil und rauschfrei in mono durchaus hörbar vor sich hin. Man war damals natürlich (besonders in Dresden) nicht gerade verwöhnt. An was für eine Antenne die Anlage angeschlossen war, weiß ich nicht, es war schon dunkel.
Unser damaliges Quartier war eine Monteurswohnung in Dresden-Klotzsche. Dort, im Norden von Dresden, sah man auf den meisten wohl aus den 30er Jahren stammenden Mietshäusern häufig eine Kombination aus einer großen UKW-Antenne Richtung Berlin (7 oder 14 Elemente) und zwei kleinen Vormastyagis für das erste und zweite Programm des DDR-Fernsehens in Richtung des Dresdner Fernsehturms. Antennen für den Berliner Kanal 7 sah man nur sehr vereinzelt, es lohnte wohl den Aufwand nicht.
Man darf schon sagen, dass die letzten (sündhaft teuren) UKW-Tuner aus DDR-Produktion für die damalige Zeit herausragende Empfangseigenschaften besaßen, wenn sie mit MOSFET-Tunern bestückt waren. Den zum Verstärker passenden Tuner T200 kaufte ich dann Anfang 1990 am Alexanderplatz in Berlin. Die passenden BR25-Boxen erstand ich etwa zur gleichen Zeit in meiner Heimatstadt Leipzig. Das alles läuft in dieser Zusammenstellung heute noch bei mir zuhause.
Für den ARD-Kanal 4 vom Ochsenkopf wählte man damals die vertikale Polarisation, um eine etwas höhere Reichweite in Richtung DDR zu erzielen. Ausserdem kam man mit diesem niedrigen Kanal dank seiner hohen Wellenlänge wohl etwas besser in die Täler als mit dem VHFIII-Band (Kanäle 5-12).

von dlf-fan - am 30.11.2013 13:41
So, nachdem ich nun schon einige Jahre stiller Mitleser war, habe ich mich nun doch angemeldet... Zum Thema: An der Ostseeküste zwischen Wismar und Stralsund (Bad Doberan, Rostock, Ribnitz-Damgarten, Fischland-Darß, Barth) wurde immer Bungsberg/Eutin angepeilt. Mit zunehmender Entfernung zum Sender wurde der Empfang natürlich immer schlechter. Hierbei war natürlich das ZDF (Kanal 21) wegen der niedrigeren Frequenz im Vorteil gegenüber ARD und N3 (Kanäle 47 und 50). Östlich von Barth, Marlow, Gnoien, Teterow war selbst mit hohem Aufwand kaum noch ein befriedigender Empfang insbesondere von N3 und ARD bei normalen Bedingungen möglich. Ich kann mich nicht erinnern, an der westlichen und mittleren Ostseeküste Band-1-Antennen gesehen zu haben, also wird der Sender Flensburg wohl keine Rolle gespielt haben. In Güstrow (ca. 40km südlich von Rostock) war es so, dass für das ZDF wahlweise Bungsberg/Eutin oder Höhbeck angepeilt wurden, je nachdem wer den höheren Pegel bzw. das bessere Bild lieferte. Probleme gab es hier durch die Gleichkanalbelegeung auf Kanal 21, viele hatten beim ZDF die typische Jalousie. Vorteil war wiederum, dass beide Sender um ca. 90 Grad versetzt einfielen und man so eine Chance hatte, den jeweils anderen auszublenden. Für ARD/N3 wurde in Güstrow immer Bungsberg/Eutin genutzt, Dannenberg hatte hier nicht die Leistung und lieferte dadurch kein gutes Bild. Im Haus von meinem Onkel in Sternberg (30 km südwestlich von Güstrow) war nur das ZDF vom Sender Höhbeck zu empfangen. ARD und N3 war nur bei angehobenen Bedingungen möglich aus Dannenberg. Mein Onkel war Fernsehmechaniker und Antennenbauer, aber der Bungsberg war in seinem Haus nicht möglich, da stand genau ein Hügel im Weg.

von jowe - am 11.12.2013 12:22
Wir haben am Stadtrand von Schwedt in der Uckermark fuer einen Freund von einigen Jahren eine terrestrische Anlage aufgebaut, die man frueher vermutlich aehnlich gebaut haette. Je einen langen UHF-Pruegel, eine 10 Element fuer Band III sowie eine 5-Element fuer UKW - alles Richtung Berlin. Ergaenzt habe ich das durch eine kleine UHF-Antenne zum Helpterberg, die man wahrscheinlich als verzichtbar gesehen haette. Damals war fuer DVB-T auch noch Band III im Einsatz, heute empfaengt man problemlos DAB-Digitalradio.

Die Signalstaerken sind zwar Schwankungen unterworfen, liegen aber im letzten Drittel des Anzeigebereichs. Fuer Analogempfang haette nicht nur das zeitweise Bilddefizite bedeutet. Durch die Anlagen des Chemiepark hinter dem Empfangsort und eine Reihe Pappeln im Empfangsweg wuerde ich zudem Reflexionen beim analogen Empfang annehmen. Digital stellt das kein groesseres Problem dar, analog haette man das beim Westfernsehempfang hingenommen.

Der UKW-Empfang haette auf der schwachen SFB 4-Frequenz 98,20 MHz damals sicher gerauscht. Hundert,6 haette es zeitweise leicht rauschend gegeben, alle anderen SFB- und RIAS-Frequenzen muessten durchweg rauschfrei gewesen sein. Die heutigen Belegungen sind es. BFBS und AFN haette es nur mit Tropounterstuetzung gegeben. Die 98,80 MHz wird heute durch eine polnische Gleichkanalbelegung blockiert, Berlin kommt nicht mehr durch. Fuer den Helpterberg brauchte es keine eigene UKW-Antenne, die Programme von dort kommen trotz falscher Ausrichtung stark genug ueber die Berlin-Antenne.

von PowerAM - am 11.12.2013 19:58
Zitat
Habakukk
Tatsaechlich waren und sind aber die SFB-Frequenzen international nur mit 1 bzw. 10kW koordiniert. Schaut mal z.B. in die aktuelle BNetzA-Liste.

Ich gelobe Besserung! Beitrag nicht entfernt. :D

Da hast du natürlich recht. Hatte das falsch in Erinnerung.

Hab inzwischen noch etwas zum Thema recherchiert:
Der Sender beim Scholzplatz wurde während des "Kalten Kriegs" unmittelbar nach dem Mauerbau 1961 geplant und war nicht im Stockholmer Wellenplan (gültig ab 01.09.62) eingetragen. Dort waren die SFB-Frequenzen 88,75 / 92,4 / 96,3 weiterhin für den Funkturm mit 100 m Antennenhöhe und 10 kW ERP eingetragen. Vom Scholzplatz wurde aber aus 220 m Antennenhöhe gesendet und spätestens 1972 waren dort auch 10 kW-Sender (TRP) in Einsatz. Es wurde also mit den bekannten 80 kW ERP gesendet. So ist es auch in dem von mir schon erwähnten SFB-Flyer (Stand: Februar 1982) zu lesen.

[attachment 2583 SFB_1984_01.JPG]

Im folgenden Wellenplan Genf 1984 wurde dann "Scholzplatz" als Standort eingetragen. Leistung und Antennenhöhe wurden aber nicht an die Realität angepasst. Vermutlich wollten die Ostblock-Länder die nicht Wellenplan konforme Ausstrahlung nicht nachträglich legalisieren.

Unverständlich ist aber, warum über 20 Jahre nach Ende des Kalten Kriegs die seit 50 Jahren abweichenden Sendeparameter immer noch nicht in den Wellenplan eingetragen wurden. In der EMF-Datenbank der BNetzA scheinen aber realistische Sicherheitsabstände geführt zu werden.

Zitat
EMF-Datenbank
Sendeantenne Montagehöhe über Grund (m) Hauptstrahlrichtung (HSR) in ° Sicherheitsabstand in HSR (m) Vertikaler Sicherheitsabstand

Sonstige Funkanlage 204,00 0,000 73,15 4,11
Sonstige Funkanlage 204,00 0,000 73,15 4,11
Sonstige Funkanlage 204,00 0,000 73,15 4,11
Sonstige Funkanlage 204,00 0,000 73,15 4,11
Sonstige Funkanlage 204,00 0,000 73,15 4,11
Sonstige Funkanlage 204,00 0,000 73,15 4,11
Sonstige Funkanlage 224,00 0,000 46,40 2,61
Sonstige Funkanlage 183,00 0,000 1,78 0,22
Sonstige Funkanlage 181,00 0,000 1,16 0,29
Sonstige Funkanlage 224,00 0,000 38,77 8,68
Sonstige Funkanlage 198,00 0,000 24,94 9,75
Sonstige Funkanlage 198,00 0,000 34,30 13,41
Sonstige Funkanlage 204,00 0,000 39,92 14,13
Sonstige Funkanlage 198,00 0,000 24,94 9,75



Als Lektüre zum Sender Scholzplatz empfehle ich die Seite eines früheren SFB-Technikers...
---> http://www.dieter-alfer.de/Themen/SFB/History/Histoscho.htm

von Manager. - am 15.12.2013 19:31
Zitat
Manager.
Das dürfte nach meiner Buchführung (ohne Gewähr) stimmen.

Die 6190 vom Sender HB/Leher Feld soll zeitweise mit 100 kW gesendet haben; später mit 50 kW, dann mit 10 kW. Die 630 kam zunächst provisorisch mit 10 kW vom UKW-/FS-Sender DAN/Zernien mit 10 kW. Als dann der Sender DAN/Pisselberg fertiggestellt war, wurde zunächst mit 80 kW, dann mit 40 kW gesendet.


Für den Bremer KW-Sender auf 6190 kHz im Leher Feld liegen mir folgende Daten vor: Sendestart war am 01. Juni 1961 mit 0,6 kW, bereits 3 Monate später wurde die Leistung auf 10 kW erhöht. Eine Radio Bremen QSL-Karte vom 14.04.1971 gibt allerdings für die 6190 kHz eine Leistung von 5 kW an. 1972 wurde dann ein neuer 50 kW-Sender in Betrieb genommen; sowohl auf einer Radio Bremen-QSL vom 19.04.1980 als auch auf einer SFB-QSL vom 31.10.1980 sind für die 6190 kHz jeweils 50 kW angegeben. Mitte der 80er Jahre wurde dieser Sender dann durch einen 20 kW- ( 2 Einheiten mit je 10 kW)-Sender ersetzt, der bis zum Sendeende am 01. Oktober 1996 in Betrieb blieb. Der Sender wurde dann an den SWF abgegeben und strahlte ab Weihnachten 1997 am Standort Rohrdorf auf 7265 kHz SWF 3 aus. Einen 100 kW-Sender Kurzwellensender hat es also im Leher Feld nicht gegeben; gemeint waren vermutlich die 10 kW. Oder es liegt eine Verwechslung mit dem 100 kW-Mittelwellsender auf 1079 kHz, später dann 935 kHz ( als "Vorweggnahme" des neuen, ab 23.11. 1978 geltenden Genfer Mittelwellenplans), ab 23.11.1978 dann geringfügig korrigiert auf die endgültige 936 kHz, vor.

Für die NDR-Mittelwelle Dannenberg 630 kHz sei auf
http://radioforum.foren.mysnip.de/read.php?8773,148069,1059959#msg-1059959
verwiesen (Zitat) "Die MW Dannenberg 630 kHz von NDR und SFB kam offenbar zunächst (von 1978 bis 1980) über einen fahrbaren 10 kW-Sender am NDR-Standort Zernien, bevor der Mast in Pisselberg (mit 88 kW Senderleistung) gebaut wurde." Ob später die Leistung auf 40 kW reduziert wurde, kann ich nicht sagen.
Nachtrag: Auf einer Publikation von 1989 gibt der NDR die Leistung der MW Dannenberg mit 80 kW an.

von Router - am 17.12.2013 21:10
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.