Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Radioforum
Beiträge im Thema:
714
Erster Beitrag:
vor 12 Jahren, 3 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 5 Stunden
Beteiligte Autoren:
Kay B, PowerAM, Staxe, hetietz, Sebastian Fritzsche, DLR-Fan Sachsen-Anhalt, 102.1, Zintus, dlf-fan, Studio Leipzig, ... und 172 weitere

Westfernsehen in der DDR

Startbeitrag von rick_71 am 30.04.2003 16:48

Hi,

mich würde mal interesieren, wo überall in der DDR ARD, ZDF und die Dritten dauerhaft zu empfangen waren und mit wechem Aufwand. Ich mach mal den Anfang: Zuhause war ich in einem kleinen Nest in der sächsischen Schweiz nicht weit weg von der tsch. Grenze. ARD war bei uns nicht immer gut empfangbar. Meistens war über Kanal 7 von Berlin. Wenn der nicht ging, klappte es dann mit E4 vom Ochsenkopf. ZDF und die Dritten waren höchstens 5 mal im Jahr gut empfangbar. Radio hingegen war Bayern 1-4 und SFB 1-4 dauerhaft in angerauschtem Stereo empfangbar, ab und an mit Schwundeinbrüchen. Ständig in Mono ging HR 3 vom Hohen Meißner aber auch nicht besonders stabil. Für Bayern/HR hatten wir 8*14Elemente UKW und 2*5Elemente E4. Berlin war mit einer 16er Gruppe Kanal 7 und 4*14Elemente UKW das aufwendigste. Interessanterweise konnten wir den Kanal 5 vom Berliner Fernsehturm ständig empfangen. Liegt offenbar am höheren Senderstandort.
Die 50 interessantesten Antworten:
@ Kay Bartholomäus: Stimmt, an den Sendestart von SAT.1 kann ich mich auch noch erinnern. Den genauen Zeitpunkt wußte ich aber nicht mehr. Von Tele 5 weiß ich nichts, auf welchem Kanal soll der den empfangbar gewesen sein? Nebenbei könnte ich noch erwähnen, daß AFN-TV manchmal gaaanz schwach aufnehmbar war, aber mit dem Farbfernseher meiner Eltern nicht brauchbar darstellbar war. Ich hatte damals ein kleines russisches Wunder (Junost), der machte immerhin ein verschwommenes Bild draus. Ton war nicht empfangbar. BFBS-TV konnte ich nie sehen, eher noch das Programm der Franzosen. Die saßen ja im Norden (West-) Berlins und kamen trotz extrem schwacher Abstrahlung zumindest einigermaßen an.

Zu deiner Frage nach dem Farbfernseher: Zumindest mit zunehmender Popularität der Farbgeräte Mitte der 80er Jahre entstand natürlich auch der Wunsch, PAL und SECAM empfangen zu können. Fernsehgeräte im Laden gab es schon, die waren allerdings im Regelfall ohne PAL-Decoder. Wer ein Gerät mit PAL und SECAM wollte mußte es bestellen, die Lieferzeit wurde vorsichtshalber meinem Vater gegenüber nicht festgelegt. Es war von 9 Monaten bis 2 Jahren die Rede.

Irgendwie gab es aber in seinem damaligen Betrieb die Möglichkeit, genau dieses Gerät "vielleicht" zu kaufen. Für die ca. 1400 "Werktätigen" standen nach Aussage meines Vaters 12 Geräte zur Verteilung bereit. Insgesamt waren es 20 Stück gewesen, die ersten 8 gingen aber an "besondere Bedarfsträger" (Brigadeleiter, Parteisekretär, ...). Da man aber in diesem Betrieb einigermaßen demokratisch arbeitete durfte sich jeder Interessent bewerben. Aus den Bewerbungen wurden dann 12 Interessenten ausgewählt, die sich durch besondere Leistungen verdient gemacht haben. Dabei hatte er irgendwie Glück und bekam den Zuschlag. Damit "durfte" er eines dieser Geräte für ca. 6000 DDR-Mark kaufen. Es waren übrigens alles "Exportgeräte" für den Quelle-Versand die wegen optischer Mängel nicht exportiert werden konnten. Daher auch die Ausrüstung mit PAL- und SECAM-Decoder. Bei unserem Exemplar war die Möbelfolie auf dem Preßspan-Gehäuse schief und blasig verklebt was den Nutzwert des Gerätes aber in keiner Weise beeinflußte.



von PowerAM - am 01.05.2003 13:23
in Leipzig ging:

-Torfhaus K10 gut .Mit 13 Elem. Antenne und Vorverstärker
-ZDF Großer Waldstein ( Hof ) K23 Mit 4er Gruppen in Zeile wegen
Nachbarkanalstörungen vom Sender Leipzig K22 auch aus Südrichtung
mit Sperrkreisfilter und gutem Vorverstärker wetterabhängig mäßig bis
sehr gut
- Bayern 3 Großer Waldstein K57 mit 1 bis 4 Antennen gut bis sehr
gut auch wetterabhänig
- N3 Berlin K39 Mit 4er Gruppen , um Gleichkanalstörungen aus-
zublenden mäßig bis sehr gut auch wetterabhängig
- ZDF Berlin K33 mit gleichem Aufwand wie K39
Gleichkanalstörungen von Sonneberg,
- Hoher Meißner K55 HR3 Mäßig bis gut mit 1 bis 4 Antennen
An allen Gruppen Eigenbau - Verstärker mit KT Transistoren ( russ.
besser als MosFet ) und transformatorische Verteiler in umgekehrter Richtung
betrieben. Natürlich alle Empfangsergebnisse Je nach Stadtlage verschieden gut
Der Winkel zum Sender Leipzig K22 im Süden war im Zentrum 0 Grad , d.h.
es zog sich durch Leipzig ein Streifen , in dem K23 ZDF von Hof nicht lößbar
war. Auf Wohnhäusern ab 10 Etagen war immer Berlin oder Hof machbar.
-K32 ZDF Hoher Meißner war durch Chemnitz DDR2 K32 unmöglich.
-K4 ARD Ochsenkopf ist auch machbar gewesen aber Torfhaus K10
war der geringere Antennenaufwand und stabiler

UKW Torfhaus NDR1-3 mit 7elem. Antenne rauschfrei in Stereo
Hoher Meißner HR1-3 leicht verrauscht stereo . Ab 11 Etagen sauber
Die Berliner Sender etwas verrauscht in Stereo
BFBS 93,0 Drachenberg gut und stabil in mono rauschfrei


Eine Frage zum an die Norddeutschen aus MV. Ich habe gehört, daß Flensburg
Kanal 4 50KW in Wolgast und Umgebung empfangen wurde . Ging das und wie ??

von Klaus Schindler - am 02.05.2003 12:10
Torfhaus K10 ging in Leipzig recht stabil. Nur tageszeitliche minimale Feldstärkeschwankungen , nur eine leichte Wetterabhängigkeit. K10 kam ja gerade noch am Brockengipfel vorbei in Richtung Leipzig. Je weiter man nach Süden kam um so stärker wurde das Signal.Ab Naumburg ín S.Anh. ging dan auch K23 und K53 vom Telekommast , der ja etwas nordlicher als der NDR Mast steht und für Leipzig und Halle (Saale )
genau hinter dem Brockengipfel steht. Gibt es Einzüge in Richtung Brocken vom Telekommast ? Oder war das nur Abschattung ? Laut Senderdatenbank ist das ja leider so .

K 10 ging bei Hochdruckwetter morgens ein par Dezibel mehr und bei Tropo vielleicht 10 db mehr als im Durchschnitt.Der Nachbarkanal 9 vertikal aus Wiederau ddr1 100KW ( südl. von Leipzig ) brachte durch Seitenband-Reste der SECAM-Farbträger leichte Störungen ( schmaler Balken und Umrisse von farbigen Konturen ) rein . Je nach Stadtlage sehr leicht bis störend. Den gleichen Effekt auch auf ZDF K 23 vom Waldstein durch Wiederau K22 500 KW ddr2. Diese Störungen durch K22 auszublenden war nur mit 2 oder besser 4 Kanalantennen (ca. je 17db auf K23 ) in Zeile möglich. Extrem selektive Sperrkreise und großsignalfeste Kanalverstärker mit tranformatorischen Zusammenschaltgliedern waren Voraussetzung um da überhaupt was zu bekommen. Im Südwesten ( zB. Grünau mit 6 bis 11 Etagen , ein Traum waren 16 Geschosser ) war K23 rauschfrei mit wehnig störenden Farbträgerresten durch K22.Ich bin in 13 Jahren Antennenbau mit solchen Kopfstationen nie mit dem Staat angeeckt. Es wurde geduldet . Vieleicht habe ich eine Akte , na und. Die Nachbarkanalbelegung war sicher kein Zufall, konnte die DDR eigendlich sich die Frequenzen aussuchen, oder war das irgendwie koordiniert mit Europa? Wieso dann oft diese "Zufälle" mit Nachbarkanal und Richtung auch in anderen Gegenden?

Wie weit ging in Ostsachsen mit welchen Aufwand noch Ochsenkopf K4 ? 2 mal 5 Elem. Antennen vert. waren doch ein Traum von Anlage auf dem Dach !

von klaus schindler - am 02.05.2003 23:43
2*5Elemente K4 hatten wir auch nur an der Gemeinschaftsantenne. Von meinen Erfahrungen her geht der Kanal 4 nur bis etwa Freiberg, danach sieht man nur noch Antennen für alle 3 Prg. von Berlin. In Döbeln ists bis auf wenige Ausnahmen auch der Berliner Sender gewesen. Zwei oder 3 K4 Antennen hab ich dort bis jetzt gesehen. In Dresden und selbst wurde wenn überhaupt eine ARD Antenne für K7 Berlin genommen, an den östlichen Elbhängen und Radebeul nur K4 Ochsenkopf. Der Empfang war nur Überreichweitenempfang, nichts stabiles. Aus Erzählungen weiss ich, 3-10mal im Jahr war ein befriedigender Empfang möglich, der Rest nur Rauschen. Weiter elbabwärts wurde eigentlich nur noch Berlin genutzt, bis auf Weinböhla. dort hatte jedes dritte Haus mindestens 2 Eigenbau HB9CV für Kanal 4. Es war aber auch keine bessere Empfangslage nur Leute mit mehr Begeisterung. Ab Meißen ging mit erhöhtem Antennenaufand auf den Elbhängen ständig ZDF und N3, ARD ´mit Einzelantenne schon befriedigend. Probleme mit CT2 und ZDF auf dem selben Kanal sind dort nicht so schwerwiegend gewesen, da der Störsender nicht direkt von hinten einfällt, sondern leicht seitlich. Man konnte durch geschicktes Drehen der Antenne den Störer in die "Antennennull" reinfahren, ohne den Nutzsender zu sehr zu schwächen. Außerdem hat man durch geschickte Wahl der vert.- Stockungsabstände die Nullstelle auch so erzeugen können, ohne Beeinträchtigung des Nutzsenders.

In Ostsachsen war Kanal 4 V lange Jahre belegt vom Umsetzer fürs DDR1 in Neustadt/Sachsen und K4 H aus Calau kam noch dazu. Anfang der 80er ist der Umsetzer abgeschalten worden, da beide Programme auch im UHF Bereich vom selben Standort kamen. Calau war nicht so sehr das Problem, da es mit anderer Polarisation und aus einem Winkel von etwa 90° kam. Beste Voraussetzungen, den Sender zu unterdrücken. Die ARD war ständig aus dem Rauschen wahrnehmbar mit etwa 20dB Rauschabstand. Abhängig vom Wetter kam Ochsenkopf mal fast rauschfrei, mal kam aber auch Calau als Jalousie durch.

Zwischen Görlitz und und Dresden wurde wenn überhaupt ausschließlich Berlin als Senderstandort gewählt. Einzig in Zittau habe ich noch Ochsenkopf-Antennen gesehen. Mit Radiomobile habe ich mir mal die Reichweite des Ochsenkopf angesehen. Auf der Lausche bei Zittau hätte man einen dauerhaften Empfang hinbekommen können.

von rick_71 - am 03.05.2003 04:07
Schwabinger schrieb:

Zitat

Ist ja interessant, dass es in der DDR auch privat
organisiertes Kabelfernsehen gab.
Haben da die Blockwarte ein Auge zugedrückt, wenn im
Plattenbau Leitungen verlegt wurden, die ganz offensichtlich
nicht dem Aufbau des Sozialismus dienten? Und wo kam den das
ganze Zubehör (Umsetzer und dergleichen) her?


Ich kenne ein Beispiel von Verwandten aus Seifersdorf, südlich von Dresden (das Nachbardorf meiner Großeltern). Dort gab es ca. 1988 ein 'Versuchsprojekt der TU Dresden'. Auf einem nahegelegenem Berg wurde ein Empfangsmast mit diversen VHF und UHF-Gruppen (wieviele genau weiß ich nicht), sowie Satellitenantennen errichtet. Die Programme sollten dann per Kabel in die umliegenden Dörfer geleitet werden, zu meinen Großeltern ist es leider bis zur Währungsunion niemals gekommen.
In Seifersdorf jedenfalls wurde es noch realisiert, ich habe es selbst gesehen. Da gab RTL, SAT1, TELE 5, Eurosport und MTV in gestochen scharfer Qualität auf dem Bauernhof. ARD und ZDF wurden allerdings über Berlin rangeholt und kamen dementprechend schlecht.

Woher die das Equipment genommen haben, weiß ich allerdings auch nicht, jedenfalls war alles höchst offiziell.

Ich muß noch dazusagen, daß man in der Gegend bis 1988 nur das 'Erste Ost' empfangen konnte, und zwar auch nur über einen Umsetzer (E3), weil ein Berg den Direktempfang aus Dresden verhinderte. Ab '88 gab es dann einen UHF-Umsetzer, der auch das Zweite ausstrahlte und heute noch arbeitet (ARD/ZDF/MDR).
Seit 1990 wird natürlich hauptsächlich auf Satellitenindividualempfang gesetzt, den gab es vereinzelt auch schon zu DDR-Zeiten. Auch hier weiß ich nichts genaueres, ich habe nur damals die Antennen gesehen (ca. 80-90er Schüsseln).
Im Gegensatz zu früher kann man heute auch Tschechensender ganz gut empfangen, wenn man 'DK' eingebaut hat (haben tatsächlich einige Geräte). Interessiert allerdings, damals wie heute, keinen.

von Sebastian Fritzsche - am 15.04.2005 18:54
PowerAM schrieb:

Zitat

@ Kay Bartholomäus:
Nebenbei könnte
ich noch erwähnen, daß AFN-TV manchmal gaaanz schwach
aufnehmbar war, aber mit dem Farbfernseher meiner Eltern
nicht brauchbar darstellbar war. Ich hatte damals ein kleines
russisches Wunder (Junost), der machte immerhin ein
verschwommenes Bild draus. Ton war nicht empfangbar. BFBS-TV
konnte ich nie sehen, eher noch das Programm der Franzosen.
Die saßen ja im Norden (West-) Berlins und kamen trotz extrem
schwacher Abstrahlung zumindest einigermaßen an.

Zu deiner Frage nach dem Farbfernseher: Zumindest mit
zunehmender Popularität der Farbgeräte Mitte der 80er Jahre
entstand natürlich auch der Wunsch, PAL und SECAM empfangen
zu können. Fernsehgeräte im Laden gab es schon, die waren
allerdings im Regelfall ohne PAL-Decoder. Wer ein Gerät mit
PAL und SECAM wollte mußte es bestellen, die Lieferzeit wurde
vorsichtshalber meinem Vater gegenüber nicht festgelegt. Es
war von 9 Monaten bis 2 Jahren die Rede.

Irgendwie gab es aber in seinem damaligen Betrieb die
Möglichkeit, genau dieses Gerät "vielleicht" zu kaufen. Für
die ca. 1400 "Werktätigen" standen nach Aussage meines Vaters
12 Geräte zur Verteilung bereit. Insgesamt waren es 20 Stück
gewesen, die ersten 8 gingen aber an "besondere
Bedarfsträger" (Brigadeleiter, Parteisekretär, ...). Da man
aber in diesem Betrieb einigermaßen demokratisch arbeitete
durfte sich jeder Interessent bewerben. Aus den Bewerbungen
wurden dann 12 Interessenten ausgewählt, die sich durch
besondere Leistungen verdient gemacht haben. Dabei hatte er
irgendwie Glück und bekam den Zuschlag. Damit "durfte" er
eines dieser Geräte für ca. 6000 DDR-Mark kaufen. Es waren
übrigens alles "Exportgeräte" für den Quelle-Versand die
wegen optischer Mängel nicht exportiert werden konnten. Daher
auch die Ausrüstung mit PAL- und SECAM-Decoder. Bei unserem
Exemplar war die Möbelfolie auf dem Preßspan-Gehäuse schief
und blasig verklebt was den Nutzwert des Gerätes aber in
keiner Weise beeinflußte.

Damit gebe ich zurück in die angeschlossenen Funkhäuser. 128
de Janek.

QTH: 15 km nördlich von Berlin [52° 43' 00'' N - 13° 26' 00''
O]
[RX: Autoradios VW Alpha, Philips RC 219 BQRs und HiFi-Tuner
Technics ST-S 505, ANT: HB9CV und Kathrein 3-El. Yagi]




Soweit ich weiß, hatten, zumindest seit den 80ern (ich sehe etwa seit '81 fern) die in der DDR verkauften Geräte alle PAL und SECAM regulär eingebaut (denn wer hätte schon ein Gerät gekauft, das nur 'Osten' in Farbe bringen konnte?). Ausnahmen gab es lediglich im Tal der Ahnungslosen sowie an Schulen (sowie wahrscheinlich an anderen öffentlichen Einrichtungen). So z.B. bei meinen Großeltern südl. von Dresden, die zu DDR-Zeiten niemals 'Westen' gekriegt haben. Die hatten einen CHROMAT, der nur SECAM konnte. Ende der 80er haben sie dann einen neuen gekauft, der auch PAL konnte (nutzen konnten sie dieses Feature allerdings erst ab ca. 1990, als sie sich eine Sat-EInzelanlage zulegten). Übrigens wurden mit der Abschaltung der terrestrischen SECAM-Ausstrahlung auf dem Gebiet der Ex-DDR (1991 ?) unzählige Geräte im Tal der Ahnungslosen über Nacht zu Schwarzweiß-Empfängern ! Dies sei nur am Rande erwähnt. Ein ähnliches Schicksal muß unzähligen Polen und Tschechen widerfahren sein, wo ähnlich rabiat verfahren wurde. In meiner Schule, die ich von 1981-1991 besuchte, wurden noch kurz vor der Wende nagelneue Farbfernseher angeschafft (vorher gab es nur Röhre mit Drehregler), natürlich nur mit SECAM. Auch diese wurden auf diese Art und Weise schnell zu S/W-Geräten.
Ich kenne jedenfalls keinen Privathaushalt mit Westempfang, der nur Osten in Farbe hatte. Selbst Linientreue, die ihren Kindern Westfernsehen verbaten, hatten Westantenne- und Farbe. Teilweise wurden sogar SANYO-Geräte verkauft (auch für Ostmark). Diese zu bekommen, war allerdings schon etwas schwieriger.

Was den Empfang von AFN angeht, das wurde ja in NTSC ausgestrahlt. Deshalb konnte man, selbst bei gutem Empfang, maximal ein gutes S/W-Bild haben (so wie bei mir zuhause), ohne Ton. TV-Geräte mit diesem Feature (NTSC) wurden m.E. im Osten gar nicht verkauft, vielleicht im Intershop. Ich kenne jedenfalls keinen, der sowas zu Ostzeiten hatte. Anders beim BFBS-TV, hier mußte ja 'nur' der Ton geknackt werden. Ich kenne zwar auch hier keinen, der das hatte. Gelegentlich konnte ich jedoch entsprechende Antennen für dieses Programm auf den Dächern entdecken, auch dort, wo (vermutlich) keine Diplomatenwohnungen waren. Diese Antennen waren leicht zu erkennen, da dieser Sender in Berlin als einzigster vertikal sendete (UHF E41, später von BBC World benutzt, allerdings horizontal vom Alexanderplatz, in PAL B/G). Der Empfang von BFBS (auch SSVC genannt) war übrigens miserabel, nicht nur wegen der Polarisation, sondern generell haben die sehr schwach gesendet. Jahrelang wußte ich gar nicht, daß es diesen Sender gibt.

Der Sender der Franzosen ( FRANCE2, ehem. ANTENNE 2, davor bis Mitte der 80er TV5, davor angeblich TF1 ? - wer weiß hier besser Bescheid als ich, das war vor meiner Zeit ? - , mit Regionalfenster 'tfb - television francaise a Berlin') auf Kanal E31, war zumindest im Zentrum Ostberlins sehr gut zu empfangen (mit Zimmerantenne bei mir in der Nähe des Alexanderplatzes sogar besser als die Westsender) und hat komischerweise in der gleichen Norm gesendet, wie das DDR-Fersehen, also in CCIR und SECAM-Ost, obwohl doch das französische SECAM andere Parameter hat, als das osteuropäische, oder ?-

Wer weiß, inwiefern man mit einem PAL/SECAM(-Ost) B/G-Gerät französisches Fernsehen an der französischen Grenze empfangen kann ?

Als das DDR-Fernsehen 1991 (?) in Landesanstalten umgewandelt und damit auf PAL umgestellt wurde, haben die Franzosen auf K31 sofort nachgezogen ! (Ich hatte damals bereits ein Nur-PAL.Gerät von einem Westbekannten geerbt, daher ist mir das sofort aufgefallen).

Da ja PAL / SECAM-Geräte ja in der Regel auf PAL-Basis arbeiten und das SECAM in PAL umsetzen, wäre es noch interessant zu wissen, ob die nur-SECAM-Geräte eine völlig andere Schaltung hatten (es waren ja eigentlich die gleichen Modelle, nur ohne PAL), oder ob auch die in PAL umgesetzt haben, aber den eigentlichen PAL-Empfang unterdrückten, was natürlich absurd, aber nicht unvorstellbar wäre.

von Sebastian Fritzsche - am 15.04.2005 20:06
Hier in Lübz waren dank des QTH Höbeck ZDF und N3 klar zu empfangen - jedenfalls mit aufwändiger Hochantenne. Probleme gab es hier mit dem Ersten. Trotz der Hochantenne hatten wir dieses Px nur mit Grieß (S=3) vom QTH Zernien. Es muss aber gesagt werden, dass wir hier ziemlich ungünstig wohnten, die Hochantenne wurde extra nach dem Ersten ausgerichtet. Aber auch im Haus meiner Großeltern, die sehr günstig (höhere Lage am Stadtrand) wohnten, war das Erste genau so mies herein, Höbeck knallte dagegen dort recht heftig hinein und auch aus Uelzen waren ZDF und N3 zu empfangen (wenn auch verrauscht). Bei ÜRW konnten wir das Erste auch über Kanal 9 (Moorfleet) sowie ZDF und N3 aus Berkenthin empfangen. Von dort kamen im Mai 1988 nachts bei einer ÜRW erstmals RTL (K 36) und SAT1 (K 42) durch.

In Jena, wo ich von 09/1988 bis 07/1991 lebte, war der "Westempfang" wegen der Tallage der Stadt ziemlich problematisch. Das Erste kam im Süden der 14 km langen Stadt recht gut über Torfhaus E-10 herein. Im Stadtzentrum gab es nur die Möglichkeit über den Ochsenkopf E-04, die Dächer waren vollgespickt mit selbstgebastelten Konstrukten für Band1. Trotzdem war die Qualität auch ohne Sporadik-E ziemlich dürftig.
Beim ZDF kamen sich die QTH Torfhaus und Hof auf K23 ins Gehege, der Heidelstein kam hier kaum herein. Ich vermute, das das ZDF in Jena nirgendwo ohne Querstreifen empfangbar war. N3 und Bayerisches FS kamen etwas vergrießt herein (S=3 bis 4), es war vermutlich vom Standort abhängig. Vielerorts waren auch in Jena lokale Kabelnetze im Einsatz, die Kopfstationen lagen meistens oberhalb der Wohngebiete. In der Regel wurden die UHF-Kanäle auf VHF umgesetzt, um Kabelverluste zu verringen. Ebenso war es mit der Wohnblockantenne im Studentenwohnheim in Lobeda, hier waren das ZDF auf E-03, Bayerisches FS auf E-12 und DDR2 auf E-08 umgesetzt. Dazu kamen noch die original eingespeisten Signale vom ARD (E-10) und DDR1 (E-06, QTH=Brocken?). In der Innenstadt waren für die beiden DDR-Px natürlich Füllsender in Betrieb.

In den 60er Jahren (weiß ich nur vom Hörensagen, das war vor meiner Zeit) war der UHF-Empfang in der DDR verboten, häufig wurden illegal Konverter gebastelt. Da diese ziemlich unvollkommenen Konverter auch Störsignale ausstrahlten, fuhren häufiger Messfahrzeuge durch die Straßen, um diese Geräte aufzuspüren. Erst mit der Eröffnung des "DDR 2" Oktober 1969 wurde der UHF-Empfang legalisiert,d.h. die Neugeräte waren mit UHF-Tunern ausgestattet (damals leider nur bis Kanal 39) bzw. es gab jetzt sog. "UHF-Konverter" ganz legal zu kaufen. Meine Großeltern hatten für ihren 60er-Jare TV (RFT "Stadion 8") so einen legal gekauften Konverter, der wandelte den eingestellten UHF-Kanal auf 2 Kanäle im Band 1 um (regulär auf E-03, Nachbarkanal etwa auf E-04. Auf E-02 kam aber nichts mehr durch). Immerhin ließ sich dieser Konverter bis Kanal 51 einstellen, der BFBS war kurz vom "Anschlag" des Drehknopfes.
Meine Eltern hatten in den 70ern bereits einen TV mit UHF (Typ "Staßfurt Stella"). Der ließ sich tatsächlich nur bis K41 einstellen, erst nach dem Entfernen einer Sperre und des mechanischen Skalenstriches konnte man den Tuner bis K60 durchstimmen, nach K52 ließ die Empfindlichkeit aber stark nach.

von Analog-Freak - am 16.04.2005 00:21
@ Sebastian Fritzsche

Zitat

Tele 5 wurde meines Erachtens in Berlin niemals ausgestrahlt . Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, daß mir das entgangen sein sollte (ich komme ja aus Berlin).


Ich habe mal von 'nem Bekannten gehört, daß er damals Ende der 80er bei einem Berlinbesuch Tele 5 empfangen konnte. Das wird dann aber wahrscheinlich Kabel gewesen sein, was damals noch relativ unbekannt war. Deshalb ging er wohl davon aus, daß es auch von der Antenne käme.
Bisher habe ich auch nichts weiter in Erfahrung bringen können, daß Tele 5 jemals in Berlin terrestrisch gesendet hat. Das ist wohl quasie eine Ente.


Zitat

Der Empfang von BFBS (auch SSVC genannt) war übrigens miserabel, nicht nur wegen der Polarisation, sondern generell haben die sehr schwach gesendet.


So toll war die Leistung auch nicht. Man sendete vom Sendemast am Olympiastadion mit 200 Watt. AFN TV sendete dagegen mit 4 000 Watt - allerdings vom Dach des damaligen US-Headquarters in Dahlem, was aber nicht so hoch sein dürfte, wie der Mast am Olympiastadion. Sind auf dem Dach des ehemaligen US-Headquarters eigentlich noch die Antennen drauf?



Zitat

Der Sender der Franzosen (...) hat komischerweise in der gleichen Norm gesendet, wie das DDR-Fersehen, also in CCIR und SECAM-Ost, obwohl doch das französische SECAM andere Parameter hat, als das osteuropäische, oder ?


Stimmt. Das ist sehr komisch, daß die Franzosen in SECAM G und nicht in ihrer eigenen Norm - SECAM L - gesendet haben. Vielleicht wollte man damit die Leute in der damaligen DDR und Ost-Berlin besser versorgen.

Die Normen G und L unterscheiden im Bild-Ton-Abstand, in der Modulation des Tones (FM bei G und AM bei L) sowie der Modulation des Bildes (negativ bei G und positiv bei L) voneinander.

Mit einem SECAM-Empfänger, der (nur) für die Norm G ausgelegt ist empfängt man in Frankreich nur ein invertiertes (also negatives) Bild, das hin und her kippt, da die Synchronisationssignale ebenfalls invertiert sind und damit nicht ausgelesen werden können. Farbig ist das ganze aber trotzdem, nur halt invertiert. Das sieht dann so aus, wie RTL4, daß früher auf Astra in Luxcrypt verschlüsselte. Hören tut man auch nichts, da der Bild-Ton-Abstand und die Tonmodulation anders ist.

Umgekehrt (also beim Empfang von SECAM G mit einem SECAM-L-Empfänger) sieht's genau so aus.


Zitat

Da ja PAL / SECAM-Geräte ja in der Regel auf PAL-Basis arbeiten und das SECAM in PAL umsetzen, wäre es noch interessant zu wissen, ob die nur-SECAM-Geräte eine völlig andere Schaltung hatten (es waren ja eigentlich die gleichen Modelle, nur ohne PAL), oder ob auch die in PAL umgesetzt haben, aber den eigentlichen PAL-Empfang unterdrückten, was natürlich absurd, aber nicht unvorstellbar wäre.


Das mit der Umwandlung von SECAM nach PAL ist meines Wissens nur bei neueren Geräten üblich. Soweit mir bekannt wurden damals - falls zwei Normen gewünscht waren - auch zwei Farbdekoder eingebaut. Reine SECAM-Empfänger hatten auch einen SECAM-Farbdekoder drin.
Heutzutage stellt die Normwandlung von SECAM nach PAL auch bei weitem keinen so großen Aufwand wie vor 20 oder 30 Jahren dar. Damals hätte sowas schaltungstechnisch wohl einen größeren Mehraufwand als ein zusätzlicher SECAM-Dekoder bedeutet - und wäre bei reinen SECAM-Empfängern unsinnig gewesen. Heute hat man sowas auf 'nem Chip, der im Masseneinkauf höchstens ein paar Cent kostet und dann vor dem PAL-Dekoder geschaltet wird und bei Bedarf (also beim SECAM-Empfang) aktiv wird.

Seit den 90ern dürfte sich die Entwicklung für reine SECAM-Empfänger nicht mehr lohnen. Die Länder, welche SECAM noch im Einsatz haben, gehören meist zur zweiten oder dritten Welt (außer Frankreich) und sind sicherlich nicht der Hauptabsatzmarkt für die Hersteller von Heimelektronik. Selbst in diesen Ländern dürfte PAL mittlerweile bei Videorecordern, DVD-Playern und Spielkonsolen dominieren, sodaß die dortigen Fernseher unbeding auch PAL-fähig sein sollten.

Da diese SECAM-Länder aus meiner Sicht nur ein "Zweit-Markt" sind, spart man sich die Entwicklungskosten für eine PAL-SECAM-Version und setzt halt stattdessen diesen SECAM-PAL-Wandler davor.

Bei den Videorecordern ist's ähnlich. Auch hier entwicklet man kaum noch extra PAL-SECAM-Bandmaschinen sondern gibt den PAL-Recordern die Möglichkeit, SECAM aufzuzeichnen. Das nennt sich dann MESECAM (Middle East SECAM - soviel ich weiß). MESECAM-Aufzeichnungen sollen aber qualitativ schlechter als reine SECAM-Aufzeichnungen sein. Zudem lassen sich MESECAM-Aufzeichnungen nicht von reinen SECAM-Recordern (in Farbe) abspielen, sondern nur von MESECAM-Recordern.



von Kay B - am 16.04.2005 11:37
Und hier gleich noch ein passender Artikel aus dem "Döbelner Anzeiger"

Keiner ging zur Demo, alle wollten West-TV

Rosswein
Vor 20 Jahren wurde die Antennengemeinschaft Roßwein gegründet.

Reinhard Kästner

Daran wird Vorsitzender Günter Winterlich auch auf der Wahlversammlung am 26. April erinnern.

Viele Episoden weiß er aus jener Zeit zu erzählen, in der fast alle Roßweiner Westfernsehen wollten, aber auf Grund der topografischen Lage nur 70 Prozent das erste DDR- und nur 30 Prozent das zweite DDR-Fernsehprogramm empfangen konnten. Dies zu verbessern, war der offizielle Grund, den Antrag auf Errichtung einer „Großgemeinschaftsanlage zum Fernsehempfang“ zu stellen. Schon 1984 fragte Winterlich beim Ministerium für Post- und Fernmeldewesen an, ob die Stadt nicht in den Satellitenempfang einbezogen werden könne. Antwort: Das ist nur in begrenztem Umfang für die in der DDR stationierten Sowjetsoldaten möglich.

Übrigens hatte Klaus Graf die Idee zur Schaffung einer Antennengemeinschaft, die vor allem durch den jetzigen Vorsitzenden Günter Winterlich mit weiteren Roßweinern vorangetrieben wurde. „Das größte Problem war die Beschaffung des Materials. Für das Erdkabel mussten wir beim Wirtschaftsrat der DDR die Dringlichkeitsstufe 1 beantragen. Doch auch dann hatten wir noch kein Kabel“, erzählt Winterlich. Erst als Minister Kleiber, der zum Schulfest bei seiner Schwiegermutter in Roßwein weilte, einbezogen wurde, ging es vorwärts.

Winterlich erinnert sich an den ersten Arbeitseinsatz der Mitglieder zum Schachten der Gräben. Dieser war am 1. Mai 1987. Da alle mit der Schaufel arbeiteten, fiel die Mai-Demonstration sehr spärlich aus. Für Winterlich gab es daraufhin eine Vorladung zur SED-Kreisleitung. Um das Vorhaben der Großanlage bekannt zu machen, wurden sogar Wahl-Versammlungen und Zusammenkünfte der Wohnbezirksausschüsse genutzt. So hatten sich bis zum 9. Juni 1986 genau 2086 Mitglieder eingeschrieben.

Der DDR-Staat unterstützte den Bau der Anlage mit einen Betrag von 900.000 Mark und bezuschusste die Gemeinschaft bis zur Wende mit jährlich 150.000 DDR-Mark. „Den Verantwortliche war schon klar, dass es dabei auch vor allem um den Westfernsehempfang ging. Doch sie sahen es als ein Ventil an, dass man durchaus öffnen könnte“, sagt Winterlich heute im Rückblick.

Als dann die Kopfstation gebaut und die technischen Ausstattung gekauft werden sollte, war Westgeld nötig, denn Reciver und Verstärker gab es nur gegen harte Währung. Winterlich musste auf abenteuerliche Weise Geld tauschen, um die Technik anschaffen zu können. Nach dem Probeempfang in Wohnblöcken der AWG ging es 1988 los: Fünf Fernsehprogramm, zwei der DDR, dazu das ARD, das Zweite und das Dritte aus Bayern bzw. Berlin waren in Farbe zu empfangen und die Freude bei den Roßweiner war groß. In der Dresdner Straße wurde das Büro der Antennengemeinschaft eingerichtet, in der Hanni Heinze und Sonni Liebe die Mitglieder der „Antenne“ betreute. Übrigens wurde die Anlage von der damaligen PGH Rundfunk und Fernsehen Döbeln aufgebaut.

von medientechniker - am 16.04.2005 16:34
Kay B schrieb:

Zitat

@ Sebastian Fritzsche

Die Normen G und L unterscheiden im Bild-Ton-Abstand, in der
Modulation des Tones (FM bei G und AM bei L) sowie der
Modulation des Bildes (negativ bei G und positiv bei L)
voneinander.

Mit einem SECAM-Empfänger, der (nur) für die Norm G ausgelegt
ist empfängt man in Frankreich nur ein invertiertes (also
negatives) Bild, das hin und her kippt, da die
Synchronisationssignale ebenfalls invertiert sind und damit
nicht ausgelesen werden können. Farbig ist das ganze aber
trotzdem, nur halt invertiert. Das sieht dann so aus, wie
RTL4, daß früher auf Astra in Luxcrypt verschlüsselte. Hören
tut man auch nichts, da der Bild-Ton-Abstand und die
Tonmodulation anders ist.

Umgekehrt (also beim Empfang von SECAM G mit einem
SECAM-L-Empfänger) sieht's genau so aus.





Wie sah (bzw.) es denn aber mit dem Empfang an der deutsch-französischen Grenze aus? Mit den normalen deutschen Geräten scheint das ja nicht möglich gewesen zu sein. Gab es also, im Ggs. zu den anderen Nachbarländern gar keinen grenzüberschreitenden TV-Empfang mit Frankreich? Mußten die, die es interessiert hat, sich teure Multinormempfänger zulegen? In alten Quelle(usw.)-Katalogen habe ich entdecken können, daß es fast jedes Gerät für einen geringen Aufpreis auch mit 'DDR-Farbe' gab, nicht jedoch für Frankreich-Empfang. Sollte das Interesse so gering gewesen sein ?

Sollte es in Berlin und der DDR mehr Zuschauer des französischen Fernsehens gegeben haben als in Südwestdeutschland ?


Noch eine Frage: Wieso kann ich mit meinem alten DDR-Fernseher (also PAL/SECAM B/G) die französischen, über Satellit (also bei mir Atlantic Bird 5°West) in SECAM ausgestrahlten Programme einwandfrei empfangen (also Ton ist ja klar, aber Bild?). Ich dachte nämlich jahrelang, daß dies, wegen der sehr unterschiedlichen Norm, nicht möglich sei, bis ich es einmal probiert habe. Seitdem denke ich nämlich, daß es sich bei 'L' um eine nicht mehr gebräuchliche Variante handelt (so wie die alte 819-Zeilen Norm). Jetzt weiß ich eigentlich gar nicht mehr, was ich glauben soll.

Zitat

Bei den Videorecordern ist's ähnlich. Auch hier entwicklet man kaum noch extra PAL-SECAM-Bandmaschinen sondern gibt den PAL-Recordern die Möglichkeit, SECAM aufzuzeichnen. Das nennt sich dann MESECAM (Middle East SECAM - soviel ich weiß). MESECAM-Aufzeichnungen sollen aber qualitativ schlechter als reine SECAM-Aufzeichnungen sein. Zudem lassen sich MESECAM-Aufzeichnungen nicht von reinen SECAM-Recordern (in Farbe) abspielen, sondern nur von MESECAM-Recordern.


Leider lassen sich SECAM-Kassetten aus Frankreich auch nicht auf MESECAM- Videogeräten (kombiniert mit PAL/SECAM B/G-TV-Gerät) farbig abspielen. Ich habe das mehrfach probiert (mit verschiedenen vorbespielten französischen Kaufvideos), und dachte, daß gerade dies unproblematisch sein sollte, jedenfalls nach meinen neuesten Erkenntnissen (s.o).
Komischerweise funktioniert es manchmal mit einem reinen Pal-Fernsehgerät, wenn ich den Videorecorder auf PAL/MESECAM-'AUTO' stelle. Zumindest habe ich dann, zu völlig willkürlich vom Fernsehgerät gewählten Zeitpunkten, ein farbiges Bild, nicht invertiert, jedoch mit s e h r grellen Farben (wenn ich den Farbregler am TV entsprechend zurücknehme, ist es jedoch ein erträgliches Bild). Auf dem PAL/SECAM -TV ist jedoch stets nur ein S/W-Bild zu erhalten.
Aufnahmen vom o.g. französischen Satelliten-TV sind jedoch ohne weiteres möglich. Die Qualität ist auch nicht schlechter als bei VHS üblich.


Zitat

Das ist sehr komisch, daß die Franzosen in SECAM G
und nicht in ihrer eigenen Norm - SECAM L - gesendet haben.
Vielleicht wollte man damit die Leute in der damaligen DDR
und Ost-Berlin besser versorgen.


Es gab auch Sender des russischen 1. Fernsehprogramms in der DDR, die haben auch in der Norm SECAM B/G gesendet. und nicht in D/K., z.B. nördlich non Berlin auf K11 vertikal und südlich von Berlin auf K23, glaube ich (habe ich im Stadtzentrum leider nie reingekriegt, war auf höheren gebäuden jedoch möglich).


Mir ist noch folgendes Phänomen aufgefallen:

Ich habe einen tragbaren TFT-Fernseher (redstar CTV5 von real, 149 Euro, gefällt mir sehr gut), mit manuell umschaltbaren Tonnormen. Damit habe ich auch schon polnische und tschechische Sender empfangen. Wenn ich einen deutschen Sender empfange und den Ton auf OIRT-Norm stelle, höre ich stets nur ein unangenehmes Geräusch (logisch), ebenso wenn ich polnische o. tschechische empfange, und auf CCIR-Ton schalte (auch logisch). Bei m a n c h e n polnischen o. tschechischen Sendern kann ich jedoch den Ton auch noch empfangen, wenn ich auf CCIR umschalte, in schlechterer Qualität zwar (etwas höhenbetonter), aber immerhin. Dies funktioniert jedoch stets jedoch nur bei einem der jeweils empfangbaren 3-4 Sender (jedenfalls Ende letzten Sommers, als ich es probieren konnte), während bei den anderen Sendern nur das übliche unangenehme Rauschen zu hören war, der Fernsehton jedoch nicht ansatzweise. Ebenso ist bei deutschen Sendern und OIRT-Einstellung stets nur Rauschen zu hören.

Kann mir jemand erklären, woran das liegen könnte. Versuchen die vielleicht, mit einer größeren Ton-Bandbreite, auch CCIR-Geräte zu erreichen ?

von Sebastian Fritzsche - am 04.05.2005 15:33
Zitat

quote=Sebastian Fritzsche

Wie sah (bzw.) es denn aber mit dem Empfang an der deutsch-französischen Grenze aus? Mit den normalen deutschen Geräten scheint das ja nicht möglich gewesen zu sein. Gab es also, im Ggs. zu den anderen Nachbarländern gar keinen grenzüberschreitenden TV-Empfang mit Frankreich? Mußten die, die es interessiert hat, sich teure Multinormempfänger zulegen? In alten Quelle(usw.)-Katalogen habe ich entdecken können, daß es fast jedes Gerät für einen geringen Aufpreis auch mit 'DDR-Farbe' gab, nicht jedoch für Frankreich-Empfang. Sollte das Interesse so gering gewesen sein ?

Sollte es in Berlin und der DDR mehr Zuschauer des französischen Fernsehens gegeben haben als in Südwestdeutschland ?

Noch eine Frage: Wieso kann ich mit meinem alten DDR-Fernseher (also PAL/SECAM B/G) die französischen, über Satellit (also bei mir Atlantic Bird 5°West) in SECAM ausgestrahlten Programme einwandfrei empfangen (also Ton ist ja klar, aber Bild?). Ich dachte nämlich jahrelang, daß dies, wegen der sehr unterschiedlichen Norm, nicht möglich sei, bis ich es einmal probiert habe. Seitdem denke ich nämlich, daß es sich bei 'L' um eine nicht mehr gebräuchliche Variante handelt (so wie die alte 819-Zeilen Norm). Jetzt weiß ich eigentlich gar nicht mehr, was ich glauben soll.
Genau, man brauchte und braucht noch immer einen Multinormempfänger, will man franz. TV im Südwesten gucken. Selbst in so machen Kabelnetzen wurde die Norm nicht umgenwandelt! In Frankreich gekaufte Geräte waren aber meist alle in der Lage, die L-Norm als auch B/G zu empfangen. Somit könnte es in Berlin wirklich mehr franz.TV Gucker gegeben haben als in BW, RP und Saar.

Über Analog-Sat wird nicht die L-Norm verwendet. Daher kann man dort das franz. TV mit jedem Analogreceiver gucken.

Also kurzum: Terrestrisch wird in Frankreich analog weiterhin L-Norm verwendet und ein dt. Zuschauer braucht dafür ein Multinormgerät.

Es war natürlich viel einfacher und billiger, einfach noch die Farbnorm Secam in nen TV einzubauen als die ganze Video- und Tonaufbereitung extra zu instalieren. Daher wurden die meisten TVs früher nur mit "Secam-Ost" verkauft und nicht "Secam -West".

von CBS - am 04.05.2005 16:09
@ Sebastian Fritzsche

Zitat

Wie sah (bzw.) es denn aber mit dem Empfang an der deutsch-französischen Grenze aus? Mit den normalen deutschen Geräten scheint das ja nicht möglich gewesen zu sein. Gab es also, im Ggs. zu den anderen Nachbarländern gar keinen grenzüberschreitenden TV-Empfang mit Frankreich? Mußten die, die es interessiert hat, sich teure Multinormempfänger zulegen?


Wie von CBS schon geschrieben braucht man zum Empfang der französischen Sender ein für die Norm L taugliches Fernsehgerät bzw. ein Multinormgerät. Ganz früher war sogar noch ein Gerät für die 819-Zeilen-Norm erforderlich. In den Kabelnetzen (zumindest denen der Telekom) werden die Sender in der Regel in PAL B/G konvertiert.


Zitat

In alten Quelle(usw.)-Katalogen habe ich entdecken können, daß es fast jedes Gerät für einen geringen Aufpreis auch mit 'DDR-Farbe' gab, nicht jedoch für Frankreich-Empfang. Sollte das Interesse so gering gewesen sein ?
Sollte es in Berlin und der DDR mehr Zuschauer des französischen Fernsehens gegeben haben als in Südwestdeutschland ?


In der damaligen BRD war (und ist) PAL B/G im Einsatz während in der damaligen DDR SECAM B/G benutzt wurde. In Frankreich nutzt man SECAM L. Zum Empfang der DDR-Programme mußte nur ein zusätzlicher SECAM-Farbdekoder eingebaut werden. Wollte man ein PAL-B/G-Gerät SECAM-L-tauglich machen müßte man fast einen zweiten Tuner einbauen, der die unterschiedliche Bild- und Tonmodulation sowie den unterschiedlichen Bild-Ton-Abstand verarbeitet. Das wäre dann dementsprechend noch teurer geworden und man hätte schon fast 'nen Multinormfernseher gehat.
Zudem stellt sich die Frage, ob auf dem bundesdeutschen Markt die gesamte Nachfrage für fremdsprachige ausländische Programme so groß war wie für deutschsprachige ausländische Programme. Sicherlich war insgesamt das Interesse für das DDR-Fernsehen (abgesehen von Sendungen mit politischen Inhalten) größer.

Dann darf man auch nicht vergessen, daß das DDR-Fernsehen in der BRD eine weitaus größere Fläche als das fränzösische Fernsehen abgedeckt hat. Das französische Fernsehen war allerdings nur in der Rheinebene bzw. im südwestlichen Rheinland-Pfalz und im Saarland empfangbar.


Zitat

Noch eine Frage: Wieso kann ich mit meinem alten DDR-Fernseher (also PAL/SECAM B/G) die französischen, über Satellit (also bei mir Atlantic Bird 5°West) in SECAM ausgestrahlten Programme einwandfrei empfangen (also Ton ist ja klar, aber Bild?). Ich dachte nämlich jahrelang, daß dies, wegen der sehr unterschiedlichen Norm, nicht möglich sei, bis ich es einmal probiert habe. Seitdem denke ich nämlich, daß es sich bei 'L' um eine nicht mehr gebräuchliche Variante handelt (so wie die alte 819-Zeilen Norm). Jetzt weiß ich eigentlich gar nicht mehr, was ich glauben soll.


Die Normen B, G ,H , L, M, N,... haben nichts mit der Satellitenübertragung zu tun sondern geben nur die Parameter für terrestrische TV-Sender an.

Bei der analogen Satellitenübertragung hat man sogenannte Transponder. In einem Transponder wird ein frequenzmoduliertes Bildsignal übertragen. Das Bild kann dabei ein NTSC-, ein PAL- oder ein SECAM-Signal sein. Neben diesem Bildträger gibt es noch unterschiedliche Tonträger, die meist in einem Abstand von 5,80 bis 8,10 MHz zum Bildträger liegen. Diese Tonträger ermöglichen die Übertragung von mehreren Kanälen (z. B. bei Eurosport einen deutschen Ton, einen französischen Ton, ...) oder die Übertragung von Radioprogrammen.

Egal, ob man per analogem Satellitenempfang nun deutsche oder französische Programme empfängt, man empfängt immer ein frequenzmoduliertes Bildsignal. Länderspezifisch wird's erst beim Satellitenreceiver. Dieser macht bei uns in Deutschland erst ein PAL-B/G-Signal daraus. Was du am Modulator deines Satellitenreceivers beim Empfang der französischen Sender auf 5° West erhälst ist das "DDR-SECAM", welches dein DDR-Fernseher entsprechend verarbeiten kann. Das hast du aber deinem Receiver zu verdanken.

Die Norm L ist schon noch gebräuchlich. Nur hat sie halt nichts mit dem Sat-Empfang zu tun sondern bezieht sich nur auf die terrestrische TV-Übertragung.



Zitat

Leider lassen sich SECAM-Kassetten aus Frankreich auch nicht auf MESECAM- Videogeräten (kombiniert mit PAL/SECAM B/G-TV-Gerät) farbig abspielen.


Wie gesagt, MESECAM ist ein komplett anderes SECAM-Aufzeichnungsverfahren. Du kannst mit einem MESECAM-Videorecorder nur MESECAM-Aufzeichnungen wiedergeben - wenn das Teil nicht zusätzlich das "echte" SECAM im Wiedergabemodus beherrscht.


Zitat

Komischerweise funktioniert es manchmal mit einem reinen Pal-Fernsehgerät, wenn ich den Videorecorder auf PAL/MESECAM-'AUTO' stelle. Zumindest habe ich dann, zu völlig willkürlich vom Fernsehgerät gewählten Zeitpunkten, ein farbiges Bild, nicht invertiert, jedoch mit s e h r grellen Farben (wenn ich den Farbregler am TV entsprechend zurücknehme, ist es jedoch ein erträgliches Bild). Auf dem PAL/SECAM -TV ist jedoch stets nur ein S/W-Bild zu erhalten.


Wann wird das Bild farbig? Wenn du eine SECAM-Kasette in deinem MESECAM-Rekorder abspielst?

Es ist möglich, das das Bild eines reinen PAL-Fernsehers farbig wird, wenn man ihn mit einem SECAM-Signal "füttert". Dann ist das aber nicht das Farbsignal, was zum Bildinhalt gehört sondern irgend ein Muster. Das entsteht dadurch, daß sich der Farbdekoder erst einschaltet, wenn er ein Träger bei 4,43 MHz oberhalb des Bildträgers findet. SECAM hat zwei Farbträger - einen bei 4,25 und einen bei 4,40625 MHz über dem Bildträger. Dadurch kann sich der PAL-Dekoder einschalten, zeigt aber nur ein Farbmuster, daß nicht zum Bild gehört.


Zitat

Ich habe einen tragbaren TFT-Fernseher (redstar CTV5 von real, 149 Euro, gefällt mir sehr gut), mit manuell umschaltbaren Tonnormen. (...) Bei m a n c h e n polnischen o. tschechischen Sendern kann ich jedoch den Ton auch noch empfangen, wenn ich auf CCIR umschalte, in schlechterer Qualität zwar (etwas höhenbetonter), aber immerhin.

Kann mir jemand erklären, woran das liegen könnte. Versuchen die vielleicht, mit einer größeren Ton-Bandbreite, auch CCIR-Geräte zu erreichen ?


Ja, das kann an der Tonbandbreite liegen. Oder der Bild-Ton-Abstand stimmt nicht ganz. Aber versuchen, CCIR-Geräte zu erreichen, werden sie sicherlich nicht.



Zitat

Weiß jemand, inwiefern in der DDR Fersehgeräte hergestellt oder verkauft oder selbst umgerüstet wurden, mit denen man 'Fremdnormen', also z.B. Osteuropa-Ton oder AFN-Ton und Farbe, empfangen konnte?


Den Fernseher von B/G auf D/K umzustellen dürfte nicht so problematisch gewesen sein. Wenn da keine Keramikfilter sondern einstellbare Filter verbaut wurden mußte man im Tuner halt so lang rumdrehen bis man was gehört hat. Dürfte sowohl in der BRD wie auch in der DDR der gleiche Aufwand gewesen sein.

Bei AFN TV die Farbe noch zu empfangen dürfte nicht so einfach gewesen sein. Der Farbträger von NTSC liegt bei 3,58 MHz über dem Bildträger. Bei PAL sind's 4,43 MHz. Man mußte da also schon am Farbdekoder rumbasteln. Man müßte den PAL-Farbdekoder also auf 3,58 MHz abstimmen und die automatische Fehlerkorrektur deaktivieren. Dann könnte da was farbiges dabei rauskommen.

Dann stellt sich noch die Frage, ob sich das Gerät überhaupt auf 29,97 Hz synchronisieren kann und das Seitenverhältnis richtig darstellt.

von Kay B - am 05.05.2005 00:38
Zitat

Wann wird das Bild farbig? Wenn du eine SECAM-Kasette in deinem MESECAM-Rekorder abspielst?

Es ist möglich, das das Bild eines reinen PAL-Fernsehers farbig wird, wenn man ihn mit einem SECAM-Signal "füttert". Dann ist das aber nicht das Farbsignal, was zum Bildinhalt gehört sondern irgend ein Muster. Das entsteht dadurch, daß sich der Farbdekoder erst einschaltet, wenn er ein Träger bei 4,43 MHz oberhalb des Bildträgers findet. SECAM hat zwei Farbträger - einen bei 4,25 und einen bei 4,40625 MHz über dem Bildträger. Dadurch kann sich der PAL-Dekoder einschalten, zeigt aber nur ein Farbmuster, daß nicht zum Bild gehört.


Ich bin mir darüber bewußt, daß auch Farbmuster erzeugt werden können, die nicht zum Bild gehören. Das hatte ich auch schon gehabt. Im speziellen Fall sah es jedoch schon so aus, als ob spezifische Farben auch spezifischen Flächen zugeordnet waren. Inwieweit diese der Realität entsprochen haben, kann ich nicht genau sagen, aber es war auf keinen Fall invertiert. Und wie gesagt verbirgt sich das ganze hinter einem starken Rotschleier, den es runterzuregeln gilt und tritt nur sporadisch auf, sodaß ich es nicht genauer untersuchen konnte.

Zitat

Weiß jemand, inwiefern in der DDR Fersehgeräte hergestellt oder verkauft oder selbst umgerüstet wurden, mit denen man 'Fremdnormen', also z.B. Osteuropa-Ton oder AFN-Ton und Farbe, empfangen konnte?


Mir ist gerade noch ein unglaublicher Trick eingefallen, den ein Freund von mir (leider erst) Anfang der 90er Jahre rausgefunden hat, um bei AFN den Ton zu kriegen:
Wenn man ein eingeschaltetes UKW-Radio (jedenfalls mit einem RK670 von RFT hat es funktioniert) auf den Fernseher stellte (bei laufendem AFN-Betrieb) und am Kanalwähler des Radios die Skala abgesucht hat, dann gab es bei einer bestimmten UKW-Frequenz (auf dem Radio) ein Streifenmuster auf dem Fernsehbild, das dieses stark überlagerte. Gleichzeitig kam der Ton von AFN (und zwar aus dem Fernseher; um so unsauberer das Bild, desto besser der Ton). Mit etwas Fingerspitzengefühl konnte man es so einstellen, das das Muster fast verschwand und der Ton trotzdem noch gut zu hören war.

von Sebastian Fritzsche - am 09.05.2005 23:47
Was für ein herrlicher Beitrag. Vielen Dank!

Bevor es ganz in Vergessenheit gerät, möchte ich meine Erfahrungen aus dem Raum Dresden hier mitteilen.

1. Weinböhla 01689 (Hanglage):

ARD: - Kanal 4 (Ochsenkopf) - 2er Gruppe 5 Elemente Vertikal - je ein Vorverstärker in der Dipoldose
Empfang täglich gut bis sehr gut - selten Grieß und Rauschen - ab und zu Störungen durch Überreichweiten (Italien? - ist mir so in Erinnerung - war das möglich?)

ZDF: - Kanal 23 (Hof) - 4er Gruppe in Zeile + Vorverstärker - Probleme durch DDR2 (Kanal 22)
Empfang Wetter abhängig - aber noch durchaus brauchbar - meine Oma liebte die Serie Denver Clan und hat kaum eine Folge verpasst. ;-)

Bayern 3: - Kanal 57 (Hof) - 4er Gruppe + Vorverstärker
Empfang meist gut - am Tag mehr Grieß und Rauschen - Abends sehr gut

UKW: - 1 x 7 Elemente - Bayern 3 - 99,4 / Bayern 1 - 90,7 / Rias 2 Hof - 91,2 (danke hetietz für die Frequenz) / Antenne Bayern - 103,2 / HR3 - 89,5


2. Volkersdorf 01471

ARD: - Kanal 7 (West Berlin) - 2er Gruppe 13 Elemente - je ein Vorverstärker in der Dipoldose
Empfang täglich gut - am Tag etwas verrauscht - Abends, Nachts und am Morgen meist besser.
Ab und zu Störungen durch russischen Militärfunk - Abhilfe brachte der "Russentot" eine Kaffeedose aus Blech mit einer Spirale und einem "Regler?".

ZDF: - Kanal 33 (West Berlin) 2er Gruppe Mehrkanalantennen (K32-39? Blankenburg) - je ein Vorverstärker in der Dipoldose
Empfang Ton perfekt - Bild sehr schlecht, oft Bild vom tschechischen Fernsehsender welcher von Usti extrem stark auf dem gleichen Kanal sendete.

SFB3/N3: - Kanal 39 (West Berlin) - gleiche Antenne wie ZDF
Empfang täglich Abends, Nachts und am Morgen gut, teils sehr gut - am Tag öfter heftig verrauscht mit viel Grieß.

UKW: - 1 x 5 Elemente nach West Berlin - alle West Berliner UKW Sender in guter Qualität. - 1 x 5 Elemente nach Hessen - HR3 - 89,5 (Hoher Meißner) gut bis sehr gut - manchmal Bayern 3 - 96,3 (Kreuzberg?)


3. Moritzburg 01468 (am Schloßparkplatz - extrem schlechte Lage)

ARD: - Kanal 7 (West Berlin) 8er Gruppe je 13 Elemente mit je einem Vorverstärker in der Dipoldose. Jede Antenne wurde einzeln ausgemessen und entsprechend positioniert.
Empfang täglich mäßig bis gut manchmal auch sehr gut.
Die Tagesschau 20:00 Uhr konnte man jeden Tag ansehen. An dieser Anlage hingen 7 Haushalte.

ZDF und 3.Programme waren nicht zu empfangen.

UKW: 2er Gruppe je 7 Elemente nach West Berlin - alle West Berliner UKW Sender in guter Qualität.

von Staxe - am 25.10.2011 16:26
@ Manager.

Zitat

ARD 2 kam über einige UHF-Sender der Bundespost, welche dann ab 1963 das ZDF-Programm ausstrahlten.


Und welche Sender waren das? Es würde mich generell mal interessieren, wann denn welche ZDF-Grundnetzsender auf Sendung gingen. Oder waren die alle schon am 01.04.1963 auf Sendung?


Zitat

Das BVerfG entschied dann am 28.02.61 im berühmten "1. Rundfunkurteil" u.a. folgendes:
- Rundfunk ist Ländersache. Der Bund darf keine Radio- und TV-Programme veranstalten.
- Programmverbreitung (Senderanlagen) ist Sache der Bundespost; nicht der ARD-Anstalten.


Und gerade der zweite Beschluß, der der damaligen Bundespost ihre Monopolstellung gegenüber neuen Radio- und Fernsehprogrammen gab, ist für einen Staat mit einer Marktwirtschaft nicht nachvollziehbar.



@ Thomas (Metal)

Zitat

In diesem Zusammenhang fällt mir auch E37 vom Heidelstein ein. Warum wurde dort so spät (1980) erst das "hessische Fernsehprogramm" abgestrahlt, also zu einem Zeitpunkt, zu dem schon viele Fernsehumsetzer gebaut waren?


Das kann ich auch nicht verstehen. Die hessische Rhön hatte man aber irgendwie schon immer vernachlässigt. Die ARD holte man sich dort meist vom Kreuzberg und damit die falsche Regionalversion.



@ klausklaus

Zitat

Vor einiger Zeit habe ich irgendwo im Netz einen Beitrag gelesen, bei dem es auch um die Anprangerung von DDR-Bürgern ging, die aufgrund der bei ihnen erkennbaren Antennenanlagen als "Westempfänger" ausgemacht werden konnten. Zum Beitrag gehörten auch gescannte Originalausschnitte einer DDR-Lokalzeitung, in denen ein so erkannter Bürger dann sogar mit Name und Adresse genannt wurde.


Es gibt eine Dokumentation namens "Westfernsehen Marke Eigenbau". Das ist zwar eine Dokumentation, aber deine Beschreibung würde dazu passen.



@ Robert S.

Zitat

Und meine Schüssel darf auch net fehlen ;) :D


Meine Fresse, das ist schon wieder dreieinhalb Jahre her, als ich das Photo geknipst hatte.


von Kay B - am 17.11.2011 21:49
In der Leipziger Volkszeitung (Lokalausgabe Muldental) war am Montag folgender Artikel zu lesen:

Anfänge des Fernsehens in Colditz
1956 flimmern im Wohnzimmer des Lehrerehepaares Montag die ersten Bilder

In den letzten Wochen wurde viel über die Anfänge des Fernsehens in Deutschland, zum Beispiel "60 Jahre Tagesschau", gesendet und auch geschrieben. Wie war das eigentlich mit der Entwicklung des öffentlichen Fernsehens in unserer Region zu Beginn der 1950er Jahre? Zunächst einige historische Fakten: Anfang der fünfziger Jahre gab es in den USA bereits 15 Millionen Fernsehkonsumenten, in Großbritannien waren es fast 1,5 Millionen und in Frankreich weit über 10000. Viel bescheidener fielen diese Zahlen in den beiden deutschen Staaten aus. Beim Beginn der Ausstrahlung eines regelmäßigen Fernsehprogrammes hatte die DDR die Nase vor. Wenn auch nur um ganze vier Tage.
Vom 21. Dezember 1952 an (offizieller Anlass war wohl der 73. Geburtstag von Stalin) gab es täglich ab 20 Uhr zwei Stunden Sendezeit aus dem Fernsehzentrum Berlin, was auch ausschließlich nur in Berlin auf circa 60 Fernsehgeräten zu sehen war. Am ersten Weihnachtsfeiertag 1952 startete dann das offizielle Programm der BRD, das Programm des Nordwestdeutschen Rundfunks (NWDR). Mit circa 300 Geräten hatte hier die BRD die Vorherrschaft. Richtig los ging es auf dem Gebiet der DDR erst im Januar 1956, als der Deutsche Fernsehfunk (erst im Februar 1972 in Fernsehen der DDR umbenannt) aus Adlershof sendete. Von diesem Zeitpunkt an breitete sich das Fernsehen von Woche zu Woche mehr aus.
Auch in der Region um Colditz. Im Laufe des Jahres 1956 (nachzulesen auf der Tafel zur Geschichte des Colditzer Ortsteiles Koltzschen) wurde im Wohnzimmer des Lehrerehepaares Montag ein Fernseher aufgestellt und auf dem Dach der Koltzschener Schule, dort wohnten die Montags, eine Antenne montiert. Das war ein Großereignis. Weit und breit war dies der einzige Fernsehapparat. In den Bäcker- und in den Dorfläden der umliegenden Gemeinden behauptete man sogar, der Fernseher von Montags sei der am weitesten von Adlershof entfernt stehende, und deshalb hätten sie auch die Antenne umsonst bekommen. Von nun an hatten die Montags viele neugierige Fernsehgucker im Wohnzimmer zu Gast. Teilweise kamen die Leute direkt von der Feldarbeit zum Fernsehen.
Wenig später erhöhte sich die Anzahl der Fernsehgeräte in der Region, aber in den privaten Haushalten nur langsam, was sicher auch dem hohen Preis geschuldet war. Ein Fernseher der Marke Rafena, produziert im VEB Rafena-Werke (vormals Sachsenwerk) in Radeberg bei Dresden war damals ab etwa 1500 Mark zu haben. Anfänglich kostete ein Gerät sogar 3000 Mark, was fast einem damaligen Jahresdurchschnittsverdienst entsprach. Ihren Preis hatten die neuen Apparate im Westen Deutschlands auch. Aber dort fielen die Preise sehr bald auf unter 1000 DM. Später musste man sich im Osten, wie für so vieles andere auch, sogar anmelden und eine bestimmte Zeit auf den Bezug eines Fernsehers warten. Trotz eines weiteren Werkes in Staßfurt lagen Nachfrage und Produktionszahlen weit auseinander.
Der Fernseher im Hochschrank
Viele Fernsehgeräte waren für den Export bestimmt, vor allem in die Sowjetunion. Ganz im Sinne der sozialistischen Ideale setzte man deshalb auch auf das "kollektive" Fernseherlebnis. Einer dieser Gemeinschaftsempfänger stand in der Schule in Hausdorf. Er stand in einem Klassenzimmer im ersten Stock und war in einem Hochschrank verstaut. Was den Vorteil hatte, dass er während des Unterrichts nicht zugänglich war und alle Fernsehgucker wegen seiner Standhöhe fast gleich gute Sicht hatten. Der Andrang war lange Zeit sehr groß, und bei einer Bildschirmgröße von unter 40 Zentimetern musste das Geschehen auf der Mattscheibe schon mal in die hinteren Reihen übersetzt werden. Bei den Kindern waren die Sendungen "Meister Nadelöhr" und "Professor Flimmrich" sowie die Filme, die wochentags während der so genannten Testbildpause am frühen Nachmittag zu sehen waren, sehr beliebt. In Erinnerung sind vielen vielleicht die Filme "Timur und sein Trupp" oder "Kotschubej", Wenn Friedensfahrt-Zeit war und das beliebte Amateurradrennen des Ostens übertragen wurde, dann saßen oder standen Jung und Alt vor dem TV-Gerät in der Hausdorfer Schule. Bereits am Nachmittag liefen Übertragungen, die zum großen Teil Livebilder aus einem Flugzeug zeigten. Oft sehr wacklig und mit größeren Ausfallzeiten. Was aber der Begeisterung keinen Abbruch tat. Sicher hatte dies auch damit zu tun, dass die Sportstars, wie Täve Schur, Manfred Weißleder, Erich Hagen und Bernhard Eckstein, oft die großen Gewinner und sehr beliebt waren.
Von Beginn an war das Fernsehen in Ost und West auch ein Instrument der politischen Einflussnahme und fester Bestandteil des Kalten Krieges. Es entstand ein regelrechter Wettbewerb: Wer kann am weitesten in das Sendegebiet des anderen hineinstrahlen und seine Werte an die Schar der Fernsehgucker weitergeben. In der Realität zeigte sich, dass Empfangsmöglichkeiten, Interesse und Einflussnahme des Westfernsehens größer waren als umgekehrt. In diesen ersten Jahren des Fernsehens war der Empfang aus dem Westen in unserer Region technisch nicht möglich. Einige Jahre später, ab 1958, sorgte der Sender Ochsenkopf des Bayrischen Rundfunks, der bis nach Westsachsen hineinstrahlte, dafür, dass mit einer so genannten Ochsenkopfantenne der Empfang vielerorts möglich wurde. Diese Antenne war eine Diapolantenne recht einfacher Bauart aus Aluminiumrundmaterial oder Kupferrohr. Immerhin wies sie eine Gesamtlänge von 2,23 Metern aus. Sie wurde versteckt in Bodenkammern oder auf Wäscheböden vertikal an der Dachkonstruktion aufgehängt und mit dem damals handelsüblichen UKW-Antennenkabel zum Fernseher hin verbunden. Die meisten dieser Antennen entstanden in Eigenbauweise und unter Verwendung von aus den Betrieben organisierten Materialien. Viel Fantasie brachten die Bewohner von Mehrfamilienhäusern auch beim Einrichten des besten Empfanges auf. Da wurde nicht einfach von der Wohnungstür zum Dachboden gerufen, das Bild ist gut oder schlecht, sondern es wurden sich für "gut" und "schlecht" Codes ausgedacht. Denn es gab bis zu Beginn der 1970er Jahre (Machtübernahme durch Erich Honecker) immer wieder staatliche Aktionen und Repressalien gegen das Westfernsehen. So zum Beispiel 1961, unmittelbar nach dem Mauerbau, die "Aktion Ochsenkopf" der FDJ, wo in Größenordnungen die Westantennen regelrecht vom Dach gesägt wurden. Der Wunsch nach einem guten "Westbild", um den "Blauen Bock", "Lassie" oder Hans-Joachim Kulenkampff mit seiner Sendung "Einer wird gewinnen" zu sehen, war jedoch nicht zu unterbinden.
Die Region um Colditz und Rochlitz erlebte in dieser Zeit durch einen Militärsender der Roten Armee auf dem Rochlitzer Berg, der sehr nah an der Sendefrequenz des TV-Senders Ochsenkopf sendete, ein erneutes Aus für den West-Empfang. Plötzlich war auf dem Bildschirm nur noch Schneegriesel zu sehen und gelegentlich russische Stimmen zu hören. In dieser Zeit entstanden in kürzester Zeit Tausende von so genannten Russentods. Technisch handelt es sich dabei um ein ganz einfaches Verfahren zum Entzerren bzw. Zerhacken von störenden Frequenzen. Gebaut wurden diese Geräte aus Aluminiumblechkörpern, einer dicken Kupferspule, einer runden Metallplatte und einigen Schrauben. Dieses Gerät wurde zwischen das Antennenkabel eingebunden, und durch Drehen und Schrauben an der Spule erreichte man wieder einen Westempfang in gewohnter Qualität. Skurril war schon, was alles für das Hauptstück des Gerätes, den Alukörper, herhalten musste. Da kamen Tauchsieder- und Milchtöpfe, Elaskon-Flaschen (beliebtes DDR-Mittel zur Hohlraumkonservierung bei Trabant und Wartburg) und unzählige Tafeln von Aluminiumblech sowie ganze Lagerbestände an dickem Kupferdraht zum Einsatz.
Antennengemeinschaften entstehen
Als alle Tauchsieder- und Milchtöpfe aufgekauft waren, wurden kartonweise Elaskon-Flaschen beschafft und unter Verletzung jeglicher Umweltnormen einfach leer gegossen. Ein besonders erfinderischer Bastler kam sogar auf die Idee, eine Milchkanne umzubauen und neben seinen Fernseher zu stellen. Doch ein Engpass bei Milchkannen trat zum Glück nicht mehr ein. Auch stieg bald die Arbeitsproduktivität wieder deutlich an, denn der sowjetische Armeesender auf dem Rochlitzer Berg änderte seine Sendefrequenz. Die allermeisten "Russentods" wanderten nach einer gewissen Karenzzeit in den Schrott.
Von da an dauerte es nicht mehr lang, und das Westfernsehen wurde in der DDR ganz allmählich legal. Im ländlichen Raum entstanden die ersten Antennengemeinschaften, die Vorläufer des heutigen Kabelfernsehens. Am Ende der DDR waren es so viele, dass sie sogar im Einigungsvertrag verankert werden mussten. Bei der Errichtung der großen Neubausiedlungen in den späten 1970er und 1980er Jahren wurden die technischen Voraussetzungen für einen guten Westempfang gleich mit eingebaut. Und heute: Wir können über grenzenlose Fernsehprogramme für Tausende von Speicherplätzen verfügen, es gibt Mediatheken für verpasste Sendungen, und wir müssen keine Störsender mehr austricksen. Wir haben allabendlich nur die Qual der Wahl. Werner Winkler

von dirk-mtl - am 28.02.2013 21:15
Hallo,
Ich möche auch einmal etwas zu diesem Thema beitragen. So um 1987/88 habe ich mir als Schüler im A&V (An- und Verkaufsläden in der DDR) einen gebrauchten SW-TV "Debüt" gekauft. Ein neuer Fernseher wäre für mich nicht zu bezahlen gewesen, da ich wie bereits gesagt ja noch Schüler war. Da das Bildrohr ziemlich platt war, hatte der Fernseher einen für damalige Verhältnisse sehr niedrigen Preis. Ein Fernsehmechaniker im Nachbarort hat mir dann eine regenerierte Bildröhre eingebaut. Auch das war im Verhältnis zu einer neuen recht preiswert. Die alte Bildröhre musste abgegeben werden und man erhielt eine industriemäßig regenerierte Bildröhre. Hier war ein neues Sytem eingebaut, die Bildröhre somit einer neuen vergleichbar. Das hat mit Wechsel der Röhre so ca. 200 DDR-Mark gekostet, wenn ich mich recht erinnere. Der Fernseher hatte anschließend wieder ein sehr gutes scharfes und kontrastreiches Bild und wurde nach der Wende auch noch eine Weile als Zweitgerät benutzt (Anfang der 90er kam ich zu einen Colorlux 4010 mit Fernbedienung, der von mir noch einen Videotextdecoder und einen Scartanschluß eingebaut bekam, seitdem nur mal einen neuen Zeilentrafo brauchte, und noch heute mit super Bild fast täglich in Betrieb ist).
Der Westfernsehempfang war hier im Thüringer Becken kein Problem. ARD kam vom Torfhaus problemlos und aus der gleichen Richtung wurde auch DDR1 empfangen. Bei meinen Eltern stand dafür ein ca. 8m- Mast, der für VHF eine 7Element-Antenne hatte. Das ZDF war vom Hohen Meißner am besten zu empfangen. Hier sorgte der längste Standard-Rechen aus Blankenburg für das rauschfreie Bild. DDR2 konnte im Ort meist mit dieser Antenne mit vempfangen werden, bei uns war das durch einen Hügel abgeschattet, so gab es für DDR2 eine extra Antenne (nur mit der ZDF-Antenne hatte DDR2 kräftige Geisterbilder). Eine weitere Antenne Richtung Meißner war für Hessen3 zuständig, dies wurde meist rauschfrei, manchmal leicht angerauscht empfangen. Ich habe auch so um 1987 die Antennenanlage noch um eine selbstgebaute Antenne für N3 ergänzt, dies war jedoch nie rauschfrei empfangbar und meist nur in SW ansehbar. Weiterhin gab es an diesem Mast eine weitere VHF-Antenne für ARD mit dem hessischen Regionalprogramm und eine UKW-Antenne Richtung Meißner. Über die gingen in Stereo rauschfrei die DDR-Sender, die hessischen Sender, sowie die NDR-Sender vom Harz. Weiternin in Mono brauchbar die bayrischen Sender vom Kreuzberg, sowie oftmals einige WDR-Programme (das UKW-Band war ja relativ frei).

von IngoR - am 03.03.2013 10:40
Ich drehe den Spies mal um: DDR Fernsehen im Westen! Habe in Geesthacht bei Hamburg gewohnt.Wir hatten damals "nur" 4 Programme als Standard! ARD,ZDF,N3 und DDR1. Das 1.der DDR kam über Schwerin(K11) DDR2 war hier sehr problematisch, da es von Schwerin über K29 ausgestrahlt wurde und auf K30 war das ZDF vom Hamburger Fernsehturm.Hier und auch im Hamburger Raum habe ich zu 99,9 % deshalb immer nur die langen VHF Antennen auf Schwerin gesehen,aber nie die UHF Rechen! Wurde wohl wegen den Nachbarkanalstörungen wohl nie praktiziert! Selbst bei Kabelfernsehen machte DDR 2 von Schwerin anfangs Probleme mit den Nachbarkanalstörungen .Wir hatten eine Standart Antennenanlage,eine 6 Element VHF für Schwerin,eine UHF Gitterantenne für ZDF und N3 vom Heinrich-.Hertz Turm (HH) ,dsiese beiden waren auf dem Dach. Unter Dach hatten wir eine kleine VHF für ARD vom HH-Moorfleet.Mit dieser Antennenanlage empfingen Wir aber auch ARD Bremen (leicht angerauscht),ZDF und N3 von Standort Uelzen (leicht verzerrt) und DDR2 kam bei uns stark angerauscht vom Standort Brocken(K34),je nach Wetterlage mal etwas besser.Aber der K 34 war praktisch immer sichtbar! Wenn gute Bedienungen herrschten kam der Brocken schon mal fast an Ortssenderqualität heran. Das ich den Brocken mit der UHF ,die eigentlich auf Hamburg gerichtet war empfing,erkläre ich mir damit, das mich da wohl eine "Nebenkeule " getroffen hat.Der Brocken fiel auf der anderen Seite der Elbe(Stove ,Rönne,Winsen) schon so stark ein, das der Empfang teilweise schon mit einer Zimmerantenne! gelang.Da störte dann auch das ZDF von K 30 nicht mehr. Mit unserer Antennenanlage habe ich mit Ausrichtung auf HH aber auch schon mal Niederlande,N3 von Lingen oder sogar Großbrittanien (IBA) empfangen-gute Bedienungen vorasgesetzt. Später kam noch ARD mit Niedersachsen Regionalfernsehen vom Sender Rosengarten dazu,da hatten wir auch Ortssender Qualität, obwohl die Antenne nicht exakt darauf ausgerichtet war. Hat sehr viel Spaß gemacht damals!

von kampfkater - am 03.03.2013 14:47
@ hetietz: Ich habe in den 80er Jahren in der Plovdiver Str. gewohnt. Für alle anderen, das ist in Leipzig- Grünau. Unsere GA- Anlage, die für 10 Blöcke zuständig war, stand auf einem Block der Wegastraße und war von der Lützner Str. aus sehr gut zu sehen, schräg gegenüber der heutigen Bavaria- Petrol- Tankstelle. Der Mast war knapp 10m hoch.
Ganz oben in gut 30 m Höhe thronten 2x 26 Elemente für das BayFS, Hof Kanal 57. Das wurde in der Anlage auf Kanal 12 umgesetzt und war an 90% der Tage gut zu sehen, brachte bei Tropo durch zu starken Pegel aber manchmal den ganzen VHF- Bereich zum "kippen". Immerhin sind es 136 km bis zum Großen Waldstein.
Darunter befanden sich 2x 26 Elemente für das ZDF, Hof Kanal 23. Der Pegel des ZDF war eigentlich immer recht gut, aber der Störstreifen des starken 15km entfernten Wiederauer Nachbarkanals meistens nicht zu übersehen. Man hatte das ZDF auf seinem Kanal belassen, vielleicht hätte ein Umsetzen in den Bereich 1 hier noch mehr gebracht. Kann man heute nur spekulieren. Bei Tropo brachte die ZDF- Gruppe manchmal das ORF2 auf Kanal 24 in mäßiger Qualität, einmal sah ich auch auf Kanal 25 das Testbild "H.-PEISSENBERG".
Weiter unten je eine 13 Elemente- Antenne für ARD, Torfhaus Kanal 10 und DDR1, Brocken Kanal 6. Beide in guter Qualität. Für den 126 km entfernten Brocken zeigt mir FMSCAN sogar noch optische Sicht an! Auf Kanal 7 (ARD-hr Hoher Meißner) und 11 (ARD-WDR Teutoburger Wald) war manchmal auch noch ein vergrießtes Bild zu sehen.
Weiter unten dann eine 7 Elemente- UKW- Antenne, ausgerichtet auf den Hohen Meißner. Sie brachte die hr- Programme und FFH zu gut 95% in stabiler Monoqualität bei immerhin 169 km zum Sender. Die NDR- UKW- Programme vom Torfhaus gingen damit eigentlich immer gut in Stereo (außer NDR 3 auf der 89,9; hier störte die Geyersche 89,8 zu sehr). Bei Tropo hatte man damit auch mal den WDR oder SWF.
Noch darunter befand sich eine 16 Elemente - Halbmastantenne (heute sagt man wohl Vormastmontage) für DDR2 auf Kanal 32 vom Geyer. Da die Leipziger DDR- Fernsehsender jeweils im Nachbarkanal des "Westens" lagen, wurden sie ncht genutzt, sondern eher noch gesperrt. Kanalsperren für die "22" gab es damals in Leipzig durchaus zu kaufen. Für einige wenige mit ihren Familien in unseren Blöcken wohnende sowjetische Offiziere ("Freunde") wurde später noch eine 26 Elemente- Antenne nachgerüstet, die das Zentrale Sowjetische Fensehen auf Kanal 25 empfing, ausgestrahlt im Norden Leipzigs. Bei Tropo konnte SAT1 aus Berlin da schöne Jalousien verursachen.

von dlf-fan - am 05.03.2013 22:28
@ Kay B: Die "Russenantene" kam ca. 1985 an die GA mit dran. Wann aber der damit angepeilte Sender in Betrieb ging, ist mir nicht bekannt.

@ hetietz: Wir haben damals in der Plovdiver Str. 2 gewohnt (genau an der Straßenbahnhaltestelle "Plovdiver Str."). Der Block Ploviver Straße 2-8 steht an der Einmündung der Wegastraße in die Plovdiver. Wir sind ziemlich genau vor 30 Jahren dort eingezogen und wohnten ganz oben in der 6. Etage, mein Kinderzimmer ging nach Westen zur Straßenbahn raus. Wenn ich scharf nach links aus dem Fenster schaute, konnte ich ebenfalls die Wiederauer Masten sehen. Beim Blick nach rechts sehr selten den Petersberg (die Luft war damals tatsächlich schlechter als heute). Am Fenster hatte ich einen UKW- Dipol, der wirklich sehr viel möglich machte. Ich habe es in anderen Threads schon beschrieben. Leider hatte ich damals (vor 1990) meinen HMK- T200 noch nicht. Dieser MOSFET- Tuner ist wirklich sehr großsignalfest. Die 100kW- Bräter in Wiederau hatten mir vorher viel Probleme gemacht. Wenn ich den Dipol zu sehr nach Süden (eigentlich nötig für Bayern3 und RIAS2) drehte, entstanden in Silizium- Tunern unzählige Kreuzmodulationen.
Da gegenüber in der Neuen Leipziger Straße in der Zwischenzeit eine ganze Reihe Elfgeschosser abgerissen wurden, ebenso die beiden 16-geschossigen Punkthochhäuser an der Lützner Straße, dürfte die Aussicht noch viel besser und die Empfangssituation noch außergewöhnlicher geworden sein, als sie damals schon war. Nie zuvor und auch danach nicht hatte ich so eine geile Empfangslage. :hot:
Was den an sich ungestörten Kanal 57 betraf: Es kam eigentlich auf jedes dB an, also auch auf jeden Meter Antennenhöhe. Und eine 2er- Gruppe brachte ja auch nochmal knapp 3 dB mehr als eine Einzelantenne.
Und was den Kanal 23 betrifft: Die 2er- Gruppe war minimal aus der Hauptrichtung geschwenkt gewesen, um Wiederau außerhalb der schmalen Hauptkeule zu haben. Dank des Azimutabstandes von immerhin schon wieder 17° (fmscan sagt: Wiederau 176° vs. Großer Waldstein 193°) gelang das einigermaßen gut. Zum Beispiel am Adler war das bei einem Abstand von 3° einfach nicht mehr drin. Und die "Nulllinie", in der der Waldstein genau hinter Wiederau liegt, läuft genau entlang der Könneritzstraße in Schleußig. Dort musste man sich für das ZDF wohl oder übel mit dem schwachen Berliner Kanal 33 arrangieren- oder es einfach lassen. Ein erträglicher Empfang war dort wohl allenfalls nach Sendeschluss von DDR2 oder bei Tropo möglich.

von dlf-fan - am 07.03.2013 20:59
Ende 1989 hatte ich beruflich einige Tage in Dresden zu tun. Eingangs der Hauptstraße (die hieß damals glaube ich Straße der Befreiung) am Jorge-Gomondai-Platz gab es damals einen RFT-Laden (das müsste dort sein, wo heute die Bierbar "Am Thor" ist). In diesem Laden kaufte ich damals Ende 1989 an einem späten Nachmittag meinen RFT-HMK-V102-Verstärker, welcher heute noch bei mir zuhause in Betrieb ist. Im Laden lief eine Stereo-Anlage nicht allzu laut vor sich hin. Ich glaube, diese:
http://www.ebay.de/itm/HIFI-Anlage-SV-ST-SK-3900-aus-der-DDR-von-RFT-/380779040876
Und da lief RIAS2 auf der 94,3 mit schwachem Pegel, aber ziemlich stabil und rauschfrei in mono durchaus hörbar vor sich hin. Man war damals natürlich (besonders in Dresden) nicht gerade verwöhnt. An was für eine Antenne die Anlage angeschlossen war, weiß ich nicht, es war schon dunkel.
Unser damaliges Quartier war eine Monteurswohnung in Dresden-Klotzsche. Dort, im Norden von Dresden, sah man auf den meisten wohl aus den 30er Jahren stammenden Mietshäusern häufig eine Kombination aus einer großen UKW-Antenne Richtung Berlin (7 oder 14 Elemente) und zwei kleinen Vormastyagis für das erste und zweite Programm des DDR-Fernsehens in Richtung des Dresdner Fernsehturms. Antennen für den Berliner Kanal 7 sah man nur sehr vereinzelt, es lohnte wohl den Aufwand nicht.
Man darf schon sagen, dass die letzten (sündhaft teuren) UKW-Tuner aus DDR-Produktion für die damalige Zeit herausragende Empfangseigenschaften besaßen, wenn sie mit MOSFET-Tunern bestückt waren. Den zum Verstärker passenden Tuner T200 kaufte ich dann Anfang 1990 am Alexanderplatz in Berlin. Die passenden BR25-Boxen erstand ich etwa zur gleichen Zeit in meiner Heimatstadt Leipzig. Das alles läuft in dieser Zusammenstellung heute noch bei mir zuhause.
Für den ARD-Kanal 4 vom Ochsenkopf wählte man damals die vertikale Polarisation, um eine etwas höhere Reichweite in Richtung DDR zu erzielen. Ausserdem kam man mit diesem niedrigen Kanal dank seiner hohen Wellenlänge wohl etwas besser in die Täler als mit dem VHFIII-Band (Kanäle 5-12).

von dlf-fan - am 30.11.2013 13:41
Zitat
Habakukk
Tatsaechlich waren und sind aber die SFB-Frequenzen international nur mit 1 bzw. 10kW koordiniert. Schaut mal z.B. in die aktuelle BNetzA-Liste.

Ich gelobe Besserung! Beitrag nicht entfernt. :D

Da hast du natürlich recht. Hatte das falsch in Erinnerung.

Hab inzwischen noch etwas zum Thema recherchiert:
Der Sender beim Scholzplatz wurde während des "Kalten Kriegs" unmittelbar nach dem Mauerbau 1961 geplant und war nicht im Stockholmer Wellenplan (gültig ab 01.09.62) eingetragen. Dort waren die SFB-Frequenzen 88,75 / 92,4 / 96,3 weiterhin für den Funkturm mit 100 m Antennenhöhe und 10 kW ERP eingetragen. Vom Scholzplatz wurde aber aus 220 m Antennenhöhe gesendet und spätestens 1972 waren dort auch 10 kW-Sender (TRP) in Einsatz. Es wurde also mit den bekannten 80 kW ERP gesendet. So ist es auch in dem von mir schon erwähnten SFB-Flyer (Stand: Februar 1982) zu lesen.

[attachment 2583 SFB_1984_01.JPG]

Im folgenden Wellenplan Genf 1984 wurde dann "Scholzplatz" als Standort eingetragen. Leistung und Antennenhöhe wurden aber nicht an die Realität angepasst. Vermutlich wollten die Ostblock-Länder die nicht Wellenplan konforme Ausstrahlung nicht nachträglich legalisieren.

Unverständlich ist aber, warum über 20 Jahre nach Ende des Kalten Kriegs die seit 50 Jahren abweichenden Sendeparameter immer noch nicht in den Wellenplan eingetragen wurden. In der EMF-Datenbank der BNetzA scheinen aber realistische Sicherheitsabstände geführt zu werden.

Zitat
EMF-Datenbank
Sendeantenne Montagehöhe über Grund (m) Hauptstrahlrichtung (HSR) in ° Sicherheitsabstand in HSR (m) Vertikaler Sicherheitsabstand

Sonstige Funkanlage 204,00 0,000 73,15 4,11
Sonstige Funkanlage 204,00 0,000 73,15 4,11
Sonstige Funkanlage 204,00 0,000 73,15 4,11
Sonstige Funkanlage 204,00 0,000 73,15 4,11
Sonstige Funkanlage 204,00 0,000 73,15 4,11
Sonstige Funkanlage 204,00 0,000 73,15 4,11
Sonstige Funkanlage 224,00 0,000 46,40 2,61
Sonstige Funkanlage 183,00 0,000 1,78 0,22
Sonstige Funkanlage 181,00 0,000 1,16 0,29
Sonstige Funkanlage 224,00 0,000 38,77 8,68
Sonstige Funkanlage 198,00 0,000 24,94 9,75
Sonstige Funkanlage 198,00 0,000 34,30 13,41
Sonstige Funkanlage 204,00 0,000 39,92 14,13
Sonstige Funkanlage 198,00 0,000 24,94 9,75



Als Lektüre zum Sender Scholzplatz empfehle ich die Seite eines früheren SFB-Technikers...
---> http://www.dieter-alfer.de/Themen/SFB/History/Histoscho.htm

von Manager. - am 15.12.2013 19:31
Zitat
Manager.
Das dürfte nach meiner Buchführung (ohne Gewähr) stimmen.

Die 6190 vom Sender HB/Leher Feld soll zeitweise mit 100 kW gesendet haben; später mit 50 kW, dann mit 10 kW. Die 630 kam zunächst provisorisch mit 10 kW vom UKW-/FS-Sender DAN/Zernien mit 10 kW. Als dann der Sender DAN/Pisselberg fertiggestellt war, wurde zunächst mit 80 kW, dann mit 40 kW gesendet.


Für den Bremer KW-Sender auf 6190 kHz im Leher Feld liegen mir folgende Daten vor: Sendestart war am 01. Juni 1961 mit 0,6 kW, bereits 3 Monate später wurde die Leistung auf 10 kW erhöht. Eine Radio Bremen QSL-Karte vom 14.04.1971 gibt allerdings für die 6190 kHz eine Leistung von 5 kW an. 1972 wurde dann ein neuer 50 kW-Sender in Betrieb genommen; sowohl auf einer Radio Bremen-QSL vom 19.04.1980 als auch auf einer SFB-QSL vom 31.10.1980 sind für die 6190 kHz jeweils 50 kW angegeben. Mitte der 80er Jahre wurde dieser Sender dann durch einen 20 kW- ( 2 Einheiten mit je 10 kW)-Sender ersetzt, der bis zum Sendeende am 01. Oktober 1996 in Betrieb blieb. Der Sender wurde dann an den SWF abgegeben und strahlte ab Weihnachten 1997 am Standort Rohrdorf auf 7265 kHz SWF 3 aus. Einen 100 kW-Sender Kurzwellensender hat es also im Leher Feld nicht gegeben; gemeint waren vermutlich die 10 kW. Oder es liegt eine Verwechslung mit dem 100 kW-Mittelwellsender auf 1079 kHz, später dann 935 kHz ( als "Vorweggnahme" des neuen, ab 23.11. 1978 geltenden Genfer Mittelwellenplans), ab 23.11.1978 dann geringfügig korrigiert auf die endgültige 936 kHz, vor.

Für die NDR-Mittelwelle Dannenberg 630 kHz sei auf
http://radioforum.foren.mysnip.de/read.php?8773,148069,1059959#msg-1059959
verwiesen (Zitat) "Die MW Dannenberg 630 kHz von NDR und SFB kam offenbar zunächst (von 1978 bis 1980) über einen fahrbaren 10 kW-Sender am NDR-Standort Zernien, bevor der Mast in Pisselberg (mit 88 kW Senderleistung) gebaut wurde." Ob später die Leistung auf 40 kW reduziert wurde, kann ich nicht sagen.
Nachtrag: Auf einer Publikation von 1989 gibt der NDR die Leistung der MW Dannenberg mit 80 kW an.

von Router - am 17.12.2013 21:10
@ 102.2: Das Interesse der an der Ostseekueste Lebenden an daenischem oder schwedischem Radio- und Fernsehempfang war eher gering. Man nahm nach Erzaehlungen den UKW-Empfang aus Hoerby nur selten dazu, um sich das Gefuehl zu verschaffen, mittendrin (in Europa) statt nur am Rand (der DDR) zu leben. Die nicht zu verstehenden Sprachen, die auch schulisch nicht zu erwerben waren, trugen den Rest dazu bei.

Zitat
PAMchen schrob am 11. April 2010:
Ich weiss von Erzaehlungen, dass mit entsprechendem Antennenaufwand und guenstigem Wohnort auf Usedom Westradioempfang durchaus in brauchbarer Mono-Qualitaet moeglich war, zugleich aber an Westfernsehen quasi nicht zu denken war.

Beim gestrigen Tagesausflug fielen mir noch ein paar riesige UHF-Antennen nach Westen auf, die sicher noch aus dieser Zeit stammen. Wie erfolgreich man damit war, steht aber auf einem anderen Blatt. Ich war schon oefter auf Usedom, habe auch entfernte Verwandte in Zinnowitz. Die erzaehlten mal vor Jahrzehnten, dass man eher mit Berlin Erfolg hatte als irgendwas aus Westrichtung einzufangen. Wenn es dann aber trotzdem ging, dann wurde bei feinstem Sonnenschein lieber durchweg Westfernsehen geguckt. Der K7 mit dem Ersten West soll aus Berlin mit recht lange stabilen Empfangsphasen guckbar gewesen sein, beschraenkte sich aber meist auf stark verrauschten Schwarzweissempfang. Das DDR-Fernsehen holte man sich ueber die nach Berlin gerichteten Antennen zumeist vom Helpterberg mit heran, UKW geht dort oben mobil von diesem Standort auch noch weitgehend ordentlich. Eine oder mehrere in gleiche Richtung weisende VHF-Antennen waren jedenfalls ein Hinweis auf erfolgreichen Berlin-Empfang, denn mit dem Abschalten des Band I-Kanals wechselte man auf UHF, eine VHF-Antenne fuer Band III brauchte man damit m. W. nicht.

Fuer westliche Richtungen hatte man zumeist irgendwas fuer's ZDF, hatte aber auf Usedom nur mit Tropohilfe ueberhaupt ein Bild. Daenisches Fernsehen wurde nach Erzaehlungen nur als Funktionspruefung fuer das Feature "Westfarbe" beim Kauf eines neuen oder gebrauchten Farbfernsehers benutzt. Hier konnte man mal weitgehend rauschfrei PAL-Fernsehen gucken.

Zitat
und am 15. Januar 2007 schrob PAMchen:
Der Empfang folgender Westberliner Sender gelang mir noch zu DDR-Zeiten an höher gelegenen Orten auf Usedom (Zinnowitz): SFB 1 (88,80 MHz), SFB 2 (92,40 MHz), RIAS 1 (89,60 MHz), RIAS 2 (94,30 MHz) - dazu mehr oder weniger gut die Mittelwellensender SFB 2 (567 kHz), RIAS 1 (990 kHz) und RIAS 2 (855 kHz). Letztere ist mir in vielen Geschäften aufgefallen. Oft lief dort in irgendeinem Radio ganz leise die Mittelwelle von RIAS 2.


von PowerAM - am 14.11.2014 05:43
@Schwabinger:
Ein paar Zeilen aus der Erinnerung und aus den Beobachtungen, die ich vor zwei Jahren in Dresden gemacht habe:

West-Fernsehen aus Berlin soll bis Ende der 60er, als Wachwitz eingeschaltet wurde, durchaus noch im Dresdner Raum möglich gewesen sein. Nicht gut, aber erkennbar. So habe ich es aus mehreren Schilderungen von Zeitzeugen, die ihre Erinnerungen hier im Forum geschrieben hatten, in Erinnerung.

Zum Thema UKW-Empfang aus West-Berlin in Dresden kann ich 'was beisteuern. :)
Vor zwei Jahren habe ich mir Dresden angeschaut. Zwar nur einen Tag lang, aber es hat für die typischen Beobachtungen mit DXer-Augen gereicht. ;)
Auf der Strecke zwischen dem Albertplatz und der berühmten, sehr sehenswerten Molkerei Pfund konnte ich gleich mehrere, ausgewachsene UKW-Yagis auf den nicht sanierten Dächern ausmachen. In einem Fall waren gleich zwei horizontal gestockte Jägerwellen zu bewundern. Das sind 2*14 Elemente! Dazu waren entlang der Bautzner Straße noch weitere Jägerwellen auf den Dächern zu sehen.
Ich kann mich noch an eine einzige, sehr große vertikal montierte Yagi erinnern, die meiner Einschätzung nach Richtung West/Südwest ausgerichtet war. Die Abmessungen waren größer als die einer UKW-Yagi. Demzufolge bleibt ja nur noch eine Schlußfolgerung übrig: Es war ein Ochsenkopf für die ARD auf Kanal 4. Inwieweit damit tatsächlich was empfangen wurde, kann ich natürlich nicht sagen. Ein paar Ochsenköpfe mehr konnte ich im weiter westlich gelegenen Delitzsch beobachten. Aber selbst dort waren die UKW-Programme vom Ochsenkopf nicht mehr Autoradio-tauglich...

Zurück zum Dresdner UKW-Empfang aus West-Berlin:
Die Entfernung beträgt "nur" 160-170km und es waren leistungsstarke Sender in Betrieb. Eine wirklich unlösbare Aufgabe ist das nicht. Natürlich macht die Tallage und der 100kW-Brenner in Wachwitz die Aufgabe nicht leichter, aber wirklich unmöglich ist das theoretisch nicht. Mit Antennen vom Schlage einer Jägerwelle sollte irgendwas gehen. Natürlich nicht als 1A Ortssender, aber zum Informieren und das Gefühl haben, etwas "anderes" zu hören, sollte das schon irgendwie klappen.
Ich kann bei mir mit ganz ähnlichen Problemen mit weitaus weniger Aufriss Bayern 1&Co. vom 200km entfernten Kreuzberg heranholen. Und das sind 200km, die komplett über sehr hügeliges Terrain gehen. Das alles mit einer Empfangsantenne, die in einer ausgeprägten Senke steht.
Wir sollten nicht vergessen dass wir von UKW im Band II reden. Da gibt es keine Aussetzer, wenn das Signal wegbricht. Man muss nur in den Lautsprecher reinkriechen und die eigene Fehlerkorrektur zwischen Ohren bemühen, wenn der SNR Richtung Null marschiert. ;)

von Mc Jack - am 14.11.2014 06:29
Zitat
Jens1978
Tja, die Frequenzen 89,8 aus Chemnitz und 92,2 aus Dresden waren bzw. sind gute Frequenzen um ehemaligen Westsenderempfang zu stören bzw. schwierig zu machen. Mit 2 Frequenzen gleich 4 Programme gestört:
89,6 Berlin - 89,8 Chemnitz - 89,9 Torfhaus
92,1 Torfhaus - 92,2 Dresden - 92,4 Berlin


Hallo, also mal nach meiner Erinnerung.
Ich habe bis 1988 in Dresden Johannstadt im 2. OG eines 11 geschossigen Hochhauses (Elsasser Str) gewohnt. Danach in DD-Cotta.
In Johannstadt war seinerzeit folgendes. Die GAA hatten für UKW nur eine 7-Elemente Antenne auf den Dresdner Fernsehturm (unglaublich sinnlos). Genervt hat das eh. Versuche ergaben dann folgendes. 3 Element UKW Antenne am Fensterrahmen Richtung Berlin nur SFB 1 (88,8), in ca. 150 m Entfernung in Senderichtung ein 10 Geschosser vor der Elbe. Meist Mono. Der Rest des UKW Bandes mit Kreuzmodulationen durch Ortssender übersteuert. Antenne irgendwann wieder ab.
Nächster Versuch Richtung Bayern. 5 Elemente UKW Antenne auf der Loggia soweit wie möglich nach oben aber parallel zur Hausfassade. Ich kann mich nur an Bayern 3 erinnern, aber total schwindendes Mono. Soweit so schlecht. Irgendwann haben wir uns mal Zugang zum Dach verschafft. Es gab da Rauchabzüge mit Nottreppe, wo man aufs Dach (Flachdach) konnte, Schloss geknackt und hoch. Abends im Dunkeln die 7 Elemente UKW nach Berlin gedreht: NICHTS! ??
Wieso? Des Rätsels Lösung als wir auch in den Technikraum eingedrungen sind: Die berühmten UKW Sperrkreise (hießen glaube ich SK 5). Also Deckel ab, und mit einem Stück Draht überbrückt:rp: Nun ging was gehen konnte. SFB I 88,8 ging dann immer, Nachts bis in die frühen Morgenstunden verrauschtes Stereo. SFB II wurde von Radio DDR2 (92,2) tot gemacht, keine Chance. RIAS 1 ging meist, RIAS 2 nachts immer, Tags nur manchmal. Der Tag fing immer dann gut an, wenn früh vor der Arbeit noch der alte Ami Rick de Lisle seine Sprüche über den Osten abließ. Gelegentlich ging auch SFB 3, aber das wars dann auch. Die Frequenzen habe ich nicht mehr greifbar, sollte sich aber eruieren lassen. Eine Besonderheit war jeden Montag von 0-bis 5 Uhr. Da waren außer den Ost-Berliner Frequenzen und einem Leipziger Sender alle DDR UKW Strahler abgeschalten, wohl wegen Wartung ? Da ging natürlich Tropo-abhängig dann das meiste, außer den Funzeln der Alliierten.
Die Situationen waren aber je nach Wohnlage höchst unterschiedlich. Im Talkessel maximal so wie geschildert, in Höhenlagen ging es teilweise besser. Zu 90 % ging es immer Richtung Berlin, Nach Lage z.B. Hänge in DD Wachwitz ging es allerdings nur Richtung Ochsenkopf. Dort gab es auch die berühmten vertikalen Kanal 4 Rechen für die ARD. Torfhaus ging gar nicht.
In DD Cotta ab 1988 dann auf der Hühndorfer Str. 4 eine exponierte höhere Lage, mit meiner 7 Elemente UKW Antenne aber auch nur Berlin aber im allgemeinen weitaus besser aber so gut wie nie rauschfreies Stereo, die Cottbuser Frequenzen wurden mitgenommen, so ging dann nach der Wende noch DT64 (später Rockradio B usw) als in Dresden abgeschaltet wurde
Man möge mir bitte nachsehen wenn die Erinnerung nun nicht mehr ganz so frisch ist, vielleicht haben andere auch noch eine Erinnerung und können die Schilderung ergänzen oder korrigieren.

von hansol1 - am 17.11.2014 07:47
Ja, zumindest lesend ist die schwedische Sprache auch fuer mich noch sehr weit verstaendlich. Trotzdem kenne ich niemand, der sich noch zu DDR-Zeiten damit beschaeftigt hat. Auch meine Frage danach in meiner Verwandtschaft (whft. in Zinnowitz/Usedom) wurde so beantwortet.

Je nach Wohnlage dort geht schwedisches UKW nach wie vor dort eigentlich ganz passabel. Ich wuerde schlussfolgern, dass das auch mit den Fernsehkanaelen gelungen waere, wenn man auf passend ausgerichtete Antennen zurueckgreifen konnte. Die waren aber grundsaetzlich in andere Richtungen ausgerichtet und demnach duerfte es nur bei extrem starken Tropobedingungen dazu gekommen sein, dass sie praktisch als Beifang sichtbar wurden.

Sprachkenntnisse waren schwerpunktmaessig auf die russische Sprache sowie allenfalls noch auf die Sprache der sozialistischen Nachbarlaender beschraenkt. Je nach Berufsgruppe kamen noch englische oder franzoesische Sprachkenntnisse hinzu. Berufsbedingt (Aussenhandelskaufmann bzw. Oberschullehrerin) war das bei den genannten alten Leutchen dann eben die russische und englische Sprache.

In frueheren Beitraegen schrieb ich, dass die Zinnowitzer Verwandtschaft den Berliner Kanal 7 (Erstes West) genutzt hat, so oft es moeglich war. Nach Schilderungen der inzwischen ueber 80 Jahre alten Leute reichte es zumeist fuer ein rauschendes Schwarzweissbild, mit dem man eigentlich schon zufrieden war, wenn es interessante Sendungen zu sehen gab. Selten reichte es fuer ein anstaendiges Schwarzweissbild und noch seltener fuer Farbfernsehempfang. Aber die Ansprueche waren damals eben auch nicht ganz so hoch. Es gab aber auch Zeiten, in denen ueberhaupt kein Empfang auf Kanal 7 moeglich war. Nach den Erinnerungen der alten Leutchen war das haeufig im Hochsommer der Fall und mit viel Pech auch mal fuer mehrere Wochen.

In jedem Jahr musste die Antennenausrichtung haeufig mehrfach wieder korrigiert werden. Der Antennenmast war absichtlich nicht restlos angebrummt, sondern konnte sich bei Sturm auch mal verdrehen. Das schuetzte die auch zu DDR-Zeiten recht teuren Antennen vor groesseren Beschaedigungen. Erzaehlt wurde mir aber auch, dass beim Kauf eines neuen oder gebrauchten Fernsehers die Tauglichkeit fuer "Westfarbe" durch Einstellen eines daenischen Senders ausprobiert wurde.

von PowerAM - am 17.11.2014 11:15
Zitat
hetietz
Ja, vielleicht ist jemand, der dieses Forum liest, aus Dresden-Hellerau oder der Nähe und kann Auskunft darüber geben.
Ich hatte diese Reportage schon einmal gesehen und war vom Antennenaufwand beeindruckt.
Stabile Empfangsverhältnisse kann ich mir jedoch angesichts der Entfernung und der niedrigen Lage der meisten Teile von Dresden ebenfalls kaum vorstellen.


Hallo Ihr Lieben,

ich hatte ja schon mal versprochen Euch von der Anlage in Dresden-Hellerau auf dem Wasserturm zu berichten.

http://www.mdr.de/damals/artikel124234.html

Diese Anlage war überaus beeindruckend und von ihren Ausmaßen das Größte was ich je gesehen habe.

Der ca. 30 Meter hohe Turm hat eine hervorragende Lage - oberhalb vom Elbtal - auf Höhe des Dresdner Flughafen - die Rundsicht vom Dach ist einzigartig.
Auf dem riesigen, flachen Dach konnte man sich in alle Richtungen austoben - alle Genehmigungen dazu waren erteilt.
Heute ziert das Dach ein regelrechter Schüsselwald und zusätzlich sind dort oben alle deutschen Netzbetreiber mit ihren Sende- und Empfangsanlagen vertreten.

Für das ARD Kanal 7 von West Berlin war ursprünglich eine 8er Gruppe 13 Elemente geplant und bereits montiert.
Kurze Zeit später wurde die Anlage zu einer 4er Gruppe 13 Elemente zurückgebaut - das war völlig ausreichend und damit wurde das ARD auf Kanal 7 perfekt und nahezu völlig störungsfrei täglich empfangen.

Ebenso war für SFB3/N3 Kanal 39 von West Berlin eine 8 Gruppe 26 Elemente geplant -
auch hier reichte für einen täglich guten Empfang eine 4er Gruppe 26 Elemente vollständig.

Deutlich schwieriger war der Empfang vom ZDF Kanal 33 von West Berlin zu realisieren.
Das Problem war der nahe Sender in Usti welcher CZ2 auf Kanal 33 sendete.
Auf Grund der anderen Norm war nur das Bild vom ZDF gestört, der Ton war gut zu empfangen.
Versucht wurden bis zu 16 Antennen (17- und 26 Elemente Blankenburg) in verschiedensten Anordnungen und mit Gittern dahinter - der Erfolg war nur mäßig.
Das Bild war meist heftig von CZ2 gestört.
Die letzte und beste Version für das ZDF Kanal 33 war, so glaube ich mich zu erinnern, eine 16er Gruppe 17 Elemente Blankenburg - welche nicht mehr auf dem Dach, sondern an der Nordwand vom Turm montiert war.
Die Stahlbetonwände vom Turm schirmten den Tschechen von Usti am besten ab.

Etwas später wurde zusätzlich zum ZDF Kanal 33 eine Anlage für das ZDF Kanal 23 vom Großen Waldstein aufgebaut.
Eine 8er Gruppe 30 Elemente Kanalantennen Eigenbau nach Spindler (je 4 in Zeile mit Versatz) kam zum Einsatz.
Trotz Störungen durch den Sender Calau, welcher DDR2 auf Kanal 23 sendete, war nun der ZDF Empfang - wenn auch nicht immer störungsfrei - täglich gegeben.

Test weise wurde das ZDF sogar von Höhbeck Kanal 21 (Danke mittendrin für den Hinweis) probiert - der Empfang war teilweise außerordentlich erstaunlich und wurde später, als weitere ZDF Alternative - ins Kabel eingespeist.

Da auf dem Turm noch reichlich Platz vorhanden war wurde noch eine 4er Gruppe (26 Elemente - im Quadrat) für BR3 auf Kanal 57 vom Großen Waldstein
und eine 4er Gruppe (26 Elemente im Quadrat) für HR3 auf Kanal 55 vom Hohen Meißner errichtet - BR3 war nahezu täglich zu empfangen - HR3 meist nur bei Tropo.

Später kam noch eine 4er Gruppe (26 Elemente) für SAT1/Rias-TV auf Kanal 25 von West Berlin hinzu. Auch hier war der Empfang durchaus gut.

Für den Radio Empfang kam je eine 2er Gruppe 14 Elemente (Stolle) in Richtung Berlin, Bayern und Hessen zum Einsatz.

Kurz vor der Wende kam die erste SAT-Schüssel hinzu.

Viele liebe Grüße aus Weinböhla.

von Staxe - am 19.11.2014 16:49
Zitat
plueschkater
Zitat
Staxe
Mit der drehbaren UHF 2er Gruppe gelang teilweise bei guten Bedingungen über Tage stabiler ORF2 Empfang.


Respekt!
Nur bei Extrem-Tropo oder regelmäßig?
Über den ORF-Empfang in der damaligen DDR habe ich nämlich bis jetzt nur Gerüchte gehört, à la "ich kannte jemanden, dessen Bekannter einen Arbeitskollegen hatte, der mit soundsovielen gestockten Yagis in der DDR den ORF empfing..."


Das funktionierte natürlich nur bei guter Tropo.
Ich weiß auch nicht mehr genau auf welchem Kanal und von wo damals ORF2 empfangen wurde.
Vermutlich Linz (Lichtenberg)?

Zitat
Jens1978
Mich wundert immer wieder, wie schlecht dazu im Vergleich der Hoher Meissner noch Osten ging. Auch in der Auflistung oben steht für den K55 "HR3 meist nur bei Tropo". Die Vorzusgrichtung für den Hoher Meissner scheint eher der Norden zu sein.


Das Interesse an HR3 Kanal 55 war scheinbar nicht allzu groß - mit mehr Aufwand wäre sicher eine bessere Empfangsqualität drin gewesen.
Mit SFB3/N3 Kanal 39 hatte man aber ein anspruchsvolleres Programm und das in bester Empfangsqualität.
BR3 Kanal 57 wurde hingegen oft geschaut.

Es ist so schade, dass es von dieser wunderbaren Anlage kaum Bildmaterial gibt.
In der ZDF Reportage kann man nur die Anfänge vom Aufbau erahnen.
Da ist zum Beispiel noch die 8er Gruppe für das ARD Kanal 7 von Berlin zu sehen,
welche dann in eine 4er Gruppe zurückgebaut wurde, sowie jeweils 4x SC26 (Blankenburg)
für das ZDF Kanal 33 und SFB3/N3 Kanal 39 - erahnen lassen sich scheibar noch einige Elemente der 6 UKW Antennen.

Ich war viele Male oben auf dem Turm - unsere Schlosserei hat die Mastlkonstruktionen gebaut - wie für die meisten Anlagen in der Gegend.
Die Konstruktion bestand hauptsächlich aus verzinktem 1 1/2 Zoll Gerüstbaurohr und Unmengen vom Gerüstschellen (Kreuzschellen).
Man musste ständig aufpassen wo man hinläuft - überall waren Antennen.
Eine Auflage war, dass die Aufbauten das Dach nur maximal 3 Meter überragen durften.
Auf Grund der Höhe vom Turm war dies aber kein Problem.

Selbst von unten sah diese Anlage äußerst imposant aus.
An der Nordseite sah man 18 Antennen in Richtung Berlin - aus Richtung Westen/Südwesten konnte man über 20 Antennen von unten erkennen.

Liebe Grüße und einen schönen Tag allerseits.

von Staxe - am 20.11.2014 14:42
Zitat
Staxe
Zitat
hetietz
Ja, vielleicht ist jemand, der dieses Forum liest, aus Dresden-Hellerau oder der Nähe und kann Auskunft darüber geben.
Ich hatte diese Reportage schon einmal gesehen und war vom Antennenaufwand beeindruckt.
Stabile Empfangsverhältnisse kann ich mir jedoch angesichts der Entfernung und der niedrigen Lage der meisten Teile von Dresden ebenfalls kaum vorstellen.


Hallo Ihr Lieben,

ich hatte ja schon mal versprochen Euch von der Anlage in Dresden-Hellerau auf dem Wasserturm zu berichten.

http://www.mdr.de/damals/artikel124234.html

Diese Anlage war überaus beeindruckend und von ihren Ausmaßen das Größte was ich je gesehen habe.

Der ca. 30 Meter hohe Turm hat eine hervorragende Lage - oberhalb vom Elbtal - auf Höhe des Dresdner Flughafen - die Rundsicht vom Dach ist einzigartig.
Auf dem riesigen, flachen Dach konnte man sich in alle Richtungen austoben - alle Genehmigungen dazu waren erteilt.
Heute ziert das Dach ein regelrechter Schüsselwald und zusätzlich sind dort oben alle deutschen Netzbetreiber mit ihren Sende- und Empfangsanlagen vertreten.

Für das ARD Kanal 7 von West Berlin war ursprünglich eine 8er Gruppe 13 Elemente geplant und bereits montiert.
Kurze Zeit später wurde die Anlage zu einer 4er Gruppe 13 Elemente zurückgebaut - das war völlig ausreichend und damit wurde das ARD auf Kanal 7 perfekt und nahezu völlig störungsfrei täglich empfangen.

Ebenso war für SFB3/N3 Kanal 39 von West Berlin eine 8 Gruppe 26 Elemente geplant -
auch hier reichte für einen täglich guten Empfang eine 4er Gruppe 26 Elemente vollständig.

Deutlich schwieriger war der Empfang vom ZDF Kanal 33 von West Berlin zu realisieren.
Das Problem war der nahe Sender in Usti welcher CZ2 auf Kanal 33 sendete.
Auf Grund der anderen Norm war nur das Bild vom ZDF gestört, der Ton war gut zu empfangen.
Versucht wurden bis zu 16 Antennen (17- und 26 Elemente Blankenburg) in verschiedensten Anordnungen und mit Gittern dahinter - der Erfolg war nur mäßig.
Das Bild war meist heftig von CZ2 gestört.
Die letzte und beste Version für das ZDF Kanal 33 war, so glaube ich mich zu erinnern, eine 16er Gruppe 17 Elemente Blankenburg - welche nicht mehr auf dem Dach, sondern an der Nordwand vom Turm montiert war.
Die Stahlbetonwände vom Turm schirmten den Tschechen von Usti am besten ab.

Etwas später wurde zusätzlich zum ZDF Kanal 33 eine Anlage für das ZDF Kanal 23 vom Großen Waldstein aufgebaut.
Eine 8er Gruppe 30 Elemente Kanalantennen Eigenbau nach Spindler (je 4 in Zeile mit Versatz) kam zum Einsatz.
Trotz Störungen durch den Sender Calau, welcher DDR2 auf Kanal 23 sendete, war nun der ZDF Empfang - wenn auch nicht immer störungsfrei - täglich gegeben.

Test weise wurde das ZDF sogar von Höhbeck Kanal 21 (Danke mittendrin für den Hinweis) probiert - der Empfang war teilweise außerordentlich erstaunlich und wurde später, als weitere ZDF Alternative - ins Kabel eingespeist.

Da auf dem Turm noch reichlich Platz vorhanden war wurde noch eine 4er Gruppe (26 Elemente - im Quadrat) für BR3 auf Kanal 57 vom Großen Waldstein
und eine 4er Gruppe (26 Elemente im Quadrat) für HR3 auf Kanal 55 vom Hohen Meißner errichtet - BR3 war nahezu täglich zu empfangen - HR3 meist nur bei Tropo.

Später kam noch eine 4er Gruppe (26 Elemente) für SAT1/Rias-TV auf Kanal 25 von West Berlin hinzu. Auch hier war der Empfang durchaus gut.

Für den Radio Empfang kam je eine 2er Gruppe 14 Elemente (Stolle) in Richtung Berlin, Bayern und Hessen zum Einsatz.

Kurz vor der Wende kam die erste SAT-Schüssel hinzu.

Viele liebe Grüße aus Weinböhla.


Ich verfolge diesen Thread total fasziniert und schaue immer wieder mal auf die Karte, um sich die Entfernungen zu den Westsendern vor Augen zu halten. Höhbeck kurz vor Dresden, Wahnsinn!!

Nur kurz eine Anmerkung meinerseits: In näher gelegenen Göttingen wurde das ZDF auch auf Kanal 21 ausgestrahlt. Mit immerhin 160kW war der Sender auch nicht ganz schwach auf der Brust. Ob rund gesendet wurde, entzieht sich gerade meiner Kenntnis. Da muss ich mal nachblättern...Reine Spekulation: Es wurde eher Richtung Norden ausgeblendet, um nicht mit Höhbeck zu kollidieren. Hier im Raum HI hat der jedenfalls keinen Stich mehr gemacht..

von Mc Jack - am 25.11.2014 19:56
Um Kanal 21-60 mit einer Antennengruppe sinnvoll abzudecken müsste man höchstens Antennen mit logarithmisch-periodischem
Erreger (Mit 6 Reflektoren, 9 gespeisten Faltdipolen und max. 30 Direktoren - Danke an Satmah.) - Mehrbereich-Antennen nach Spindler verwenden.

Eine 2er Gruppe genau dieser Antennen gab es an einem drehbaren Mast auf dem Wasserturm in Dresden-Hellerau.
Wie schon berichtet, hat man damit unter Anderem auch öfter ORF2 empfangen.

Beim ZDF Kanal 33 und SFB3/N3 Kanal 39 macht eine gemeinsame Antennengruppe (SC26 A,B,C,D, ... - C = Vorzugskanäle 32-39 - erinnere ich mich richtig?)
meiner Meinung durchaus Sinn - ganz besonders wenn beide Kanäle relativ frei sind.
Das Gleiche trifft ganz sicher auch für den Empfang vom Hohen Bogen in Pirna bei Dresden zu.
Hier wurde auf dem 17 Geschoss-Hochhaus in Pirna Sonnenstein für den Empfang vom ARD Kanal 55 und BR3 Kanal 59 sicher auch eine gemeinsame Antennengruppe verwendet?

Bin immer noch beeindruckt von Satmahs Bericht über den Empfang vom Hohen Bogen in Pirna und Umgebung.
Jetzt kann ich mir auch einige seltsame UHF-Antennen Aufbauten z,B. in Cotta und Berggießhübel unweit von Pirna erklären.
Ich glaubte damals, dass man dort damit das ZDF Kanal 23 und BR3 Kanal 57 vom Großen Waldstein empfangen wollte.
Die Anlagen sahen den Aufbauten in Weinböhla am Hang, Hainichen, Frankenberg, Flöha, Chemnitz, ... durchaus ähnlich - nur fehlte immer die dafür typische "Ochsenkopfantenne" für das ARD Kanal 4.

Werde dort mal eine Runde drehen - vielleicht finden sich noch ein paar Relikte aus dieser spannenden Zeit.

Hier in Weinböhla und Umgebung gibt es meines Wissen nur noch drei Anlagen aus der damaligen Zeit.
Eine 2er Gruppe HB9CV Kanal 4 + 7 Elemente UKW findet man auf der Meißner Straße unweit der BayWa.
Die Reste eine 2er Gruppe 5 Elemente Kanal 4 / 4er Gruppe SC26 Kanal 23 / 4er Gruppe SC26 Kanal 57 und einer 7 Elemente UKW Antenne findet man in Weinböhla auf dem Höhenweg direkt an der Hangkante im Wald.
Die Überreste einer größeren Gemeinschaftsantenne (Kanal 4/23/57+UKW) in Oberau am Ziegenbuschhang unweit der Deponie Gröbern.

Liebe Grüße und allen einen schönen 1. Advent.

von Staxe - am 28.11.2014 11:20
Zitat
Satmah
Hallo,
ich möchte etwas zum Thema Neubaugebiet Pirna Sonnenstein bei Dresden sagen.
Dort wurde weniger Berlin empfangen, sondern es gab dort das seltene Phänomen das
man in einen engeren Gebiet das Westfernsehen vom Hohen Bogen in Bayern empfangen
konnte.Zum Beispiel konnte ich mich selbst davon überzeugen, dass in dem kleinen Ort
Liebethal auf der anderen Elbseite ein Empfang ,fast täglich möglich war. Dort gab es eine größere
Fernsehanlage mit mehreren 4er Gruppen UHF mit Eigenbauverstärkern die ca. 0.4dB
Rauschmaß hatten.Eine Gruppe bestand aus vier Antennen mit logarithmisch-periodischem
Erreger(Mit 6 Reflektoren, 9 gespeisten Faltdipolen und max. 30 Direktoren) ,wie im
Antennenbuch von Spindler beschrieben. UKW-Empfang war überhaupt kein Problem ,da gingen
auch die ORF-Radio Sender vom Jauerling (Sankt Pölten). Im oberen Bereich des Ortes
sieht man bei guter Sicht den Osterzgebirgskamm, wenige Kilometer weiter war kein Fernsehen
vom Hohen Bogen mehr möglich. Für mich war das ganze immer ein Rätsel, wie bei dieser grossen
Entfernung ein Empfang möglich war ,wo ja auch noch das Erzgebirge
dazwischen liegt.


Das kann ich auch bestätigen. Das Stationspersonal am Hohenbogen kann sich heute noch erinnern, daß damals nach der Wende zahlreiche DDR-Bürger auf den Hohenbogen kamen und mal den Sender besuchen wollten, von dem sie auf Kanal 55 das Erste Programm empfingen.
Wie weit die Signale des ersten Fernsehprogramms vom Hohenbogen tatsächlich reichten, wurde scheinbar wirklich erst nach dem Ende der geschlossenen Grenze deutlich. Nach Aussage des Stationspersonals kamen nach der Grenzöffnung öfter Besucher aus dem Vogtland (Sachsen) auf den Burgstallgipfel, die teilweise unter Tränen von ihrem Fernsehempfang erzählten und Fotos ihrer Empfangsanlagen vorzeigten. Die Zuschauer in diesem Teil der einstigen Ostzone bauten sich hier teilweise gigantische Unterdach-UHF-Antennenkonstruktionen, um damit das Westfernsehen vom Hohenbogen zu empfangen, trotz der Entfernung und des hohen UHF-Kanals.

von Daniel28-55-59 - am 28.11.2014 12:22
Zitat
Staxe
Das Interesse an HR3 Kanal 55 war scheinbar nicht allzu groß - mit mehr Aufwand wäre sicher eine bessere Empfangsqualität drin gewesen.
Mit SFB3/N3 Kanal 39 hatte man aber ein anspruchsvolleres Programm und das in bester Empfangsqualität.
BR3 Kanal 57 wurde hingegen oft geschaut.
Würd ich soo pauschal nicht sagen. HR3 K55 war halt nur in einem Streifen nördlich des thüringer Waldes empfangstechnisch erste Wahl und deshalb weniger bekannt. Und in der Geged gab es mindesens eine Alternative, entweder N3 oder BR3. N3 ging ja dank Berlin und Torfhaus(?) u.a. in vielen Teilen der DDR. In thür. Ilmenau ging in einem Wohnheim der Hohe Meißner, im einem anderen N3. In dem, wo Hessen 3 ging, war der Empfang zwar stabil, aber auch etwas grießig. Wieviele Elemente die Hohe Meißner Yagi auf dem Dach hatte, weiß ich nicht mehr, könnten aber schätzungsweise 26 gewesen sein. Da die Richtung H.Meißner die gleiche war, wie Bielstein, ging da radiomäßig bei herbstlichen Überreichweiten wochenlang WDR2 und WDR4.

Zitat
fatal error
Im Prinzip hat sich doch bei den westdeutschen UKW Grundnetzsendern seit der Wende nichts getan. Wenn man wissen will, wie die UKW Versorgung in der DDR mit Westradio war, muß man sich doch nur die Reichweiten der typischen Senderstandorte im Westen anschauen, welche in die DDR gereicht haben:

Bungsberg, Hamburg, Dannenberg, Torfhaus, Hoher Meißner, Kreuzberg Rhön, Ochsenkopf und Berlin Scholzplatz.
Einen hast Du übersehen: Heute nur noch mit DRadio Kultur auf 89.6 in Betrieb, seinerzeit auch noch auf 91.2 (?) mit Rias2 on Air war der Sender Hof, der extra für den Süden der DDR sendete und wohl hauptsächlich in den seinerzeitigen Bezirke Gera und KarlMarx-Stadt (Chemnitz) quasi Ortssender war. Richtung DD war aber vermutlich das Erzgebirge im Wege. Antennenaufwand richtung Berlin war dort sicher deutlich ergiebiger.

von Hagen - am 28.11.2014 21:51
Zum Thema seltsame Empfangsanlagen - bzw. unerwarteter Empfang kann ich auch noch eine kleine Geschichte beisteuern.

01468 Moritzburg bei Dresden - Kirchberg

Hier wurde Mitte der 80iger eine Gemeinschaftsantenne für 6 Parteien auf dem Kirchberg (höchste Erhebung in Moritzburg) aufgebaut.

Große Wiesen-Fläche direkt neben der Kirche - freie Sicht Richtung Berlin.
Freistehender, mehrfach abgespannter Teleskop Mast - ca. 12 Meter hoch - (mein Job).

An der Mastspitze eine 4er Gruppe SC26 im Quadrat für das ZDF Kanal 33 und SFB3/N3 Kanal 39 - siehe Seite 26 - Bild von Uckermärker - Prenzlau.
In der Mitte eine 7 Elemente UKW Antenne in Richtung West Berlin.
Darunter, niedrig wegen Gleichkanalstörung durch den Umsetzer in Radebeul Wahnsdorf, welcher auf Kanal 7 den Lössnitzgrund mit DDR1 versorgte - eine 4er Gruppe 13 Elemente ARD Kanal 7 mit Versatz.

SFB3/N3 Kanal 39 lief täglich sehr anständig, das ZDF Kanal 33 hatte immer die typischen Bildzeilen durch CZ2 von Usti und ARD Kanal 7 lief bis auf wenige Zeilen sehr gut.

Durch ein heftiges Sommergewitter mit einem kleinen Tornado wurde der Umsetzer in Radebeul Wahnsdorf stark beschädigt und musste abgeschaltet werden.
Welch ein Segen für die umliegenden Gemeinden (Reichenberg, Friedewald, Moritzburg).

Natürlich wurde das Ding schnell wieder aufgebaut (der Lössnitzgrund war ja nun komplett ohne Fernsehempfang) dabei wurde die Abstrahleigenschaft des Umsetzers leicht verändert.
Dies führte dazu, dass das ARD Kanal 7 von West Berlin nun mancherorts besser und anderswo schlechter zu empfangen war.

In Moritzburg auf dem Kirchberg hatte das ARD Kanal 7 vom Scholzplatz seitdem "Sendepause".
Alle Anstrengungen (Versatz korrigieren, Umbau in horizontale Zeile usw.- mein Job) brachten keinen Erfolg - ARD war nicht mehr zu empfangen - Ton DDR1 und Massen paariger Zeilen.

Verzweifelt meinte der Rundfunktechniker: "Lass uns noch mal mit einem "Ochsenkopf" über ist Wiese laufen."

Sonntagmorgen, drei Meter Holzmast, 3 Elemente Kanal 4 Antenne, Kofferfernseher, Messgerät, jede Menge Kabel und wir Beide.
Kaum hatte ich die Antenne aufgerichtet - rief es hinter mir "Alter!" (oder wie sagte man früher?) - sofort war der Ochsenkopf da - die beste Stelle auf der Wiese war schnell gefunden.
Dort gruben wir den Holzmast ein und stützen ihn provisorisch ab - noch einen Kanal 4 Vorverstärker in die Dipoldose der 3 Elemente Antenne - angeschlossen an die Gemeinschaftsantenne - fertig!

Die Anwohner sollten über mehrere Tagen testen wie stabil das ARD Kanal 4 vom Ochsenkopf zu empfangen ist.
Ein paar Wochen später haben wir die 4er Gruppe ARD Kanal 7 demontiert und anderswo verwendet.

Diese eine 3 Elemente Antenne am Holzmast versorgte die Antennengemeinschaft Moritzburg Kirchberg seitdem - bis zur Wende - mit ARD Kanal 4 vom Ochsenkopf - besser und stabiler als es die 4er Gruppe Kanal 7 dort jemals geschafft hat.
Wir haben den Aufbau noch etwas besser verankert und danach nie wieder angerührt.


Einen schönen 1. Advent allerseits und viele Grüße aus Weinböhla.

von Staxe - am 30.11.2014 11:35
Daenisches oder schwedisches Fernsehen wurde nach Erzaehlungen aus meiner Verwandtschaft lediglich benutzt, um die PAL-Faehigkeit eines Fernsehers zu testen, bevor man ihn (gebraucht) kaufte.

Ein paar Seiten zuvor...

Zitat
PowerAM schrieb:
Datum: 17. November 2014 12:15

Ja, zumindest lesend ist die schwedische Sprache auch fuer mich noch sehr weit verstaendlich. Trotzdem kenne ich niemand, der sich noch zu DDR-Zeiten damit beschaeftigt hat. Auch meine Frage danach in meiner Verwandtschaft (whft. in Zinnowitz/Usedom) wurde so beantwortet.

Je nach Wohnlage dort geht schwedisches UKW nach wie vor dort eigentlich ganz passabel. Ich wuerde schlussfolgern, dass das auch mit den Fernsehkanaelen gelungen waere, wenn man auf passend ausgerichtete Antennen zurueckgreifen konnte. Die waren aber grundsaetzlich in andere Richtungen ausgerichtet und demnach duerfte es nur bei extrem starken Tropobedingungen dazu gekommen sein, dass sie praktisch als Beifang sichtbar wurden.

Sprachkenntnisse waren schwerpunktmaessig auf die russische Sprache sowie allenfalls noch auf die Sprache der sozialistischen Nachbarlaender beschraenkt. Je nach Berufsgruppe kamen noch englische oder franzoesische Sprachkenntnisse hinzu. Berufsbedingt (Aussenhandelskaufmann bzw. Oberschullehrerin) war das bei den genannten alten Leutchen dann eben die russische und englische Sprache.

In frueheren Beitraegen schrieb ich, dass die Zinnowitzer Verwandtschaft den Berliner Kanal 7 (Erstes West) genutzt hat, so oft es moeglich war. Nach Schilderungen der inzwischen ueber 80 Jahre alten Leute reichte es zumeist fuer ein rauschendes Schwarzweissbild, mit dem man eigentlich schon zufrieden war, wenn es interessante Sendungen zu sehen gab. Selten reichte es fuer ein anstaendiges Schwarzweissbild und noch seltener fuer Farbfernsehempfang. Aber die Ansprueche waren damals eben auch nicht ganz so hoch. Es gab aber auch Zeiten, in denen ueberhaupt kein Empfang auf Kanal 7 moeglich war. Nach den Erinnerungen der alten Leutchen war das haeufig im Hochsommer der Fall und mit viel Pech auch mal fuer mehrere Wochen.

In jedem Jahr musste die Antennenausrichtung haeufig mehrfach wieder korrigiert werden. Der Antennenmast war absichtlich nicht restlos angebrummt, sondern konnte sich bei Sturm auch mal verdrehen. Das schuetzte die auch zu DDR-Zeiten recht teuren Antennen vor groesseren Beschaedigungen. Erzaehlt wurde mir aber auch, dass beim Kauf eines neuen oder gebrauchten Fernsehers die Tauglichkeit fuer "Westfarbe" durch Einstellen eines daenischen Senders ausprobiert wurde.


von PowerAM - am 19.12.2014 08:50
Für das westdeutsche/Westberliner Fernsehen und Radio war durchaus großes Interesse vorhanden; und das Zuschauen und Zuhören trug damals bei einer beträchtlichen Nutzerzahl auch zu einer differenzierteren Weltsicht und Aufgeschlossenheit bei.

Ich lernte z. B. bei der "Deutsch-Englischen Gesellschaft" in den 90er Jahren jemanden kennen, der sich einen enormen englischen Wortschatz und gute Grammatik selbst angeeignet hatte, auch viel englisches Radio gehört hatte. Nur seine Ausprache war nicht gut, weil da die spezielle Ausbildung gefehlt hatte und die Kontaktmöglichkeiten zu englischen Muttersprachlern arg beschränkt waren.
Aus dem Raum Dresden ist mir jemand bekannt, er schon mit exzellenten Vorkenntnissen das Sprachstudium aufnahm und auf SW einen kompletten Überblick über BBC World Service gewonnen hatte ("Nature Notebook" usw.).

Selbst auf 19,2°E kann man z. B. bei Arte France häufig auf Mehrkanalton u. a. mit Englisch (einige Filme, Serien von dort) zurückgreifen. Das wissen aber nur wenige Normalverbraucher oder Interessenten (wir im Forum sind auch Ausnahmen). Viele interessieren sich sowieso nicht für diesen Sender. Mir wurde schon öfter bei Installationsarbeiten für Sat-Receiver gesagt: "Arte (und 3Sat) brauch ich nicht; ich sehe abends immer meine Serien."

Es kommt auch noch hinzu, dass manche durch Ehepartner(innen) daran gehindert werden, eine Sat-Antenne zu errichten (ich spreche hier von Eigenheimen, nicht von Zwangskabel-Wohnblöcken).
Technikfeindlichkeit spielt also ebenfalls eine Rolle.

Zurück zum eigentlichen Thema. Es gab früher beim SFB (ARD K7) samstags ca. 13:10 Uhr eine Sendung: "Zu Gast bei unseren Gästen." Da liefen ca. 30-minütige Sendungen aus GB, USA und Frankreich im Originalton. Das war verglichen mit heute bescheiden, aber es gab ja damals nicht so viele Sender.

1987 ließ ich mir in meinen Colormat einen 2-Kanal-Ton-Decoder privat einbauen, der im Zusammenwirken mit einer Stereo-Anlage gut funktionierte.

von hetietz - am 20.12.2014 18:06
Die Moeglichkeiten, in der DDR Sprachen zu erlernen, waren nicht so ueppig, wie hier offenbar angenommen wird. Verpflichtend war der Russischunterricht ab der 5. Schulklasse, wobei ich zumindest aus meiner Erinnerung heraus meine, dass es auch nicht sehr viele Wochenstunden waren. Mit dieser Sprache konnte ein Schueler trotzdem nicht viel anfangen. Bis zur Einstellung des Imports gab es einige wenige russischsprachige Zeitschriften, die aber freilich nur im Abo. Als Schueler bekam man noch verhaeltnismaessig gut ueber die Russischlehrer bzw. bei uns ueber die Pionierleitung zu russischsprachigen Brieffreunden. Nett, trotzdem ersetzt es nicht den aktiven Gebrauch einer Sprache. Mit viel Glueck kam man an die Moeglichkeit des Kinobesuchs - in Berlin gab es ein Kino, in dem russische Filme im Originalton gezeigt wurden. Wenn es nicht einer der Selbstdarstellungsfilme ueber die Heldentaten der Sowjetarmee war, dann konnte es da u. U. durchaus mal gute Filme geben. Ich war in diesem Kino einige Male mit meiner Oma, die wohl ueber Beziehungen dann an Karten kam, wenn die ueberaus beliebten Maerchenfilme liefen. Russisches Fernsehen war, wenn man nicht direkt am Zaun einer Kaserne wohnte, unerreichbar. Auf Lang-, Mittel- und Kurzwelle gab_ es mehr Moeglichkeiten, nur vermochten einen die Programme nur selten zu begeistern.

Ab der 7. Klasse kam bei jenen, die Schueler einer Oberschule waren, der Englischunterricht hinzu. Hier am Rand von Berlin gab es die BBC auf UKW mit starker Sendeleistung, dazu BFBS mit ganz ansprechender Musikauswahl und flotter Moderation. Ergaenzt wurde es durch AFN, was hier aber weniger gehoert wurde als BFBS. Die zusaetzlich zu den Radioprogrammen ausgestrahlten Fernsehprogramme der Besatzungsmaechte waren praktisch nur in Berlin und dann nur bei passender Wohnlage ueberhaupt empfangbar. Dazu kam, dass einige ihre eigenen Fernsehnormen einsetzten, die mit den vorhandenen Geraeten nicht nutzbar waren. An englischsprachige Zeitschriften oder Filmvorfuehrungen zu kommen, das war praktisch unmoeglich. Fernab von Berlin fielen dann noch die dort ausgestrahlren englischsprachigen Radioprogramme weg, auch wenn der BBC-Sender tatsaechlich eine eindrucksvolle Reichweite bot.

Theoretisch soll es auch schulischen Franzoesischunterricht gegeben haben, nur kenne ich niemand, der diesen in der DDR auch angeboten bekam.

An das Erlernen der Sprache unserer direkten Nachbarlaender war ebenfalls nicht zu denken. Selbst in direkter Grenznaehe nicht. Dazu kam, dass die Radioprogramme aus der VR Polen und der CSSR wegen der Ausstrahlung im OIRT-Bereich nicht und die Fernsehprogramme wegen abweichendem Abstand zwischen Bild und Ton eben auch nur ohne Ton empfangbar waren.

von PowerAM - am 21.12.2014 08:54
Hallo,
ich möchte mich hier auch einmal zu Wort melden und meine Erfahrung beim Sprachen erlernen in der DDR beitragen. Ich bin 1973 geboren und in unseren Jahrgängen sah es folgendermaßen aus: Russisch war Pflicht und war ab der Klasse 5 auf dem Stundenplan. Begleitend zum Unterricht gab es entsprechendes Bildungsfernsehen mit Muttersprachlern. Ich erinnere mich auch daran, dass zumindest in Klasse 9/10 die Russisch-Sendungen in Farbe waren und wenn möglich der Geografieraum genutzt wurde (da stand der einzige Farbfernseher in der Schule). Alle anderen Sprachräume waren mit SW-Geräten ausgerüstet. Wollte man eine zweite Fremdsprache belegen, sah es bei uns in der Schule so aus, dass ab Klasse 7 die a-Klassen Französich hatten, die b und c-Klassen Englisch. Ich war in einer c-Klasse, also habe ich Englisch gelernt. Mir hat der Unterricht mehr Spaß gemacht, als der Russisch-Unterricht. Auch hier gab es im Bildungsfernsehen entsprechende Sendungen, die waren durchweg in s/w (English for you, "...now say after me please..."). Soo schlecht waren die Möglichkeiten meiner Meinung nach nicht. Wollte man allerdings andere Sprachen als Russisch, Englisch oder Französich erlernen, sah es zumindest im ländlichen Raum eher dünn aus.
Zum Westfernsehempfang kann ich nichts spektakuläres beitragen, hier im Thüringer Becken war das kein wirkliches Problem. Als ich meinen ersten eigenen Fernseher ergattern konnte (das war als Schüler schon etwas besonderes, auch wenn es nur ein recht betagter RAFENA-Start war) holte ich mir vom örtlichen Schrottplatz einen Dipol einer alten VHF-Antenne, mit ca. 3m Antennenleitung dran und auf dem Schrank in meinem Zimmer gelegt, brachte mir das Gerät DDR1 vom Brocken und ARD vom Torfhaus rauschfrei. Auch wenn es nur schwarz/weiß und nur 2 Programme waren, so war man doch von der elterlichen Programmauswahl unabhängig. Einige Zeit später gesellte sich ein UHF-Konverter dazu und ich legte mir dann auch einen Anschluss an die elterliche Antennenanlage. ZDF war bei uns auch kein Problem, der größte Rechen vom Antennenwerk Blankenburg sorgte auch für den einwandfreien ZDF-Empfang. Für DDR2 gab es eine extra Antenne, da vom Inselsberg auf Grund von Reflexionen nur mit genau ausgerichteter Antenne ein brauchbares Bild möglich war (und der Empfang vom Brocken nicht rauschfrei gelang). Später kam noch Hessen3 dazu, das war bei uns aber nicht immer ganz rauschfrei (hier ging allerdings der Mast durch die Antenne, die auch nur ca. 5m über dem Erdboden war). Kurz vor der Wende erweiterte ich die Programmvielfalt noch mit einer selbstgebauten Antenne (dank des Antenenbuches von Herrn Spindler) um N3, hier war aber nur ein stark verrauschtes Farbbild möglich.
MfG
IngoR

von IngoR - am 21.12.2014 10:04
Hier die Liste der Frequenzen der Sowjets in der DDR
Die Liste stamt von Digifreak aus diesem Thread:
http://radioforum.foren.mysnip.de/read.php?8773,387570,page=1

Der Karl-Marx-Städter Sender war im ganzen Stadtgebiet Einigermaßen zu Empfangen.
Mich Wundert bis heute das unsere Russisch Lehrer nie darauf Aufmerksam gemacht haben.
Wäre immerhin die einzig Praktische Anwendung der erlernten Sprache gewesen.

Sender der Westgruppe sowjetischer Streitkräfte in DL

Allstedt Kan. 30 4M 11E27 51N23 300 W ND h
Altenburg Kan. 12 2M 12E28 50N59 50 W D v
Altengrabow Kan. 12 8P 12E11 52N12 10 W ND v
Bad Elster Kan. 8 7P 12E16 50N16 1 W ND h
Bad Freienwalde Kan. 21 6P 14E03 52N49 89 W D v
Bad Langensalza Kan. 12 8P 10E41 51N09 5 W D h
Bad Saarow Kan 12 0 14E04 52N16 5 W ND v
Beelitz Kan. 10 8M 12e57 52N00 10 W ND v
Berlin Kan. 21 0 13E32 52n29 50 W D h
Bernau Kan. 11 7M 13E33 52N39 200 W D v
Brand Kan. 10 3M 13E49 52N02 100 W ND v
Brandenburg Kan. 41 8M 12E32 52N26 50 W D h
Brandis Kan. 41 0 12E27 51N19 30 W ND v
Burg Kan. 29 0 11E55 52N17 60 W ND v
Chemnitz Kan. 27 2P 12E55 50N50 300 W ND v
Cottbus Kan. 12 1P 14E06 51N44 100 W ND v
Dresden Kan. 32 0 13E46 51N04 160 W ND h
Eberswalde Kan. 12 0 13E50 52N49 100 W D v
Elstal Kan. 12 0 13E01 52n32 3 W D v
Finsterwalde Kan. 9 8P 13E43 51N38 100 W ND h
Frankfurt Kan. 9 6P 14E31 52N21 1 W ND v
Fürstenberg Kan. 11 3M 13E08 53N11 3 W ND h
Fürstenwalde Kan. 10 3M 14E05 52N21 5 W ND v
Gardelegen Kan. 36 0 11E25 52N31 30 W ND h
Gera Kan. 36 2M 12E06 50N52 10 W ND v
Gotha Kan. 12 8M 10E43 50N57 20 W ND v
Greifswald Kan. 10 6P 13E24 54N06 3 W D v
Grimma Kan. 29 4P 12E44 51N14 160 W ND v
Groß Dölln Kan. 41 8P 13E31 53N00 10 W ND v
Großenhain Kan. 35 8P 13E30 51N17 30 W ND v
Hagenow Kan. 7 8P 11E11 53N27 20 W ND v
Halberstadt Kan. 12 6P 11E03 51N54 100 w ND h
Halle Kan. 37 0 11E56 51N30 300 W ND v
Hillersleben Kan. 8 4M 11E29 52N18 100 W D v
Jena Kan. 26 0 11E37 50N55 300 W ND h
Jüterbog Kan. 10 0 13E05 52N00 71 W ND h
Königsbrück Kan. 12 3P 13E54 51N34 35 W D v
Köthen Kan. 40 2M 11E57 51N46 150 W D h
Krampnitz Kan. 11 9P 13E03 52N28 150 W D v
Lärz Kan. 24 6M 12E44 53N20 500 W D h
Leipzig Kan. 25 8M 12E24 51N23 350 W ND h
Ludwigslust Kan. 8 0 11E33 52N20 20 W ND v
Magdeburg Kan. 12 6P 11E36 52N08 100 w ND h
Mahlwinkel Kan. 36 6M 11E49 52N22 10 W ND v
Meiningen Kan. 39 6M 10E25 50N33 60 W ND v
Meißen Kan. 27 4M 13E32 51N14 300 W D h
Merseburg Kan. 27 0 12E00 51N21 300W ND v
Naumburg Kan. 27 8M 11E50 51N09 300 W ND v
Neuruppin Kan. 12 0 12E40 52N56 15 W ND h
Neustrelitz Kan. 12 6M 13E10 52N21 100 W D v
Nohra Kan. 39 6M 11E15 50N58 300 W ND v
Ohrdruf Kan. 9 2M 10E46 50N51 50 W ND v
Oranienburg Kan. 21 2P 13E14 52N45 300 W ND v
Oschatz Kan. 37 8P 13E04 51N17 120 W ND h
Parchim Kan. 7 8P 11E50 53N26 30 W ND h
Perleberg Kan. 7 8P 11E49 53N05 16 W D v
Planken Kan. 11 3M 11E36 52N21 100 W D v
Plauen Kan. 35 8P 12E08 50N31 100 W ND v
Prenzlau Kan. 9 1P 13E49 53N18 60 W ND v
Quedlinburg Kan. 32 4P 11E09 51N48 300 W ND v
Rathenow Kan. 37 2M 12E20 52N38 120 W ND h
Ribnitz-Damgarten Kan. 12 0 12E26 54N16 20 W ND h
Roßlau Kan. 12 3P 12E16 51N54 100 W ND h
Rostock Kan. 32 8P 12E08 54N08 50 W D v
Rüdersdorf Kan. 10 3M 13E49 52N28 3 W D h
Sassnitz Kan. 32 6P 13E33 54N30 25 W ND v
Schwerin Kan. 6 8M 11E25 53N37 16 W D v
Stendal Kan. 8 2P 11E53 52N38 20 W D v
Torgau Kan. 12 8P 12E59 51N34 60 W D v
Vogelsang Kan. 10 4M 13E22 53N03 300 W D v
Weißenfels Kan. 40 6P 10E02 51N11 10 W ND v
Welzow Kan. 11 3P 14E09 51N35 20 W ND h
Werder Kan. 12 0 12E56 52N25 1 W D h
Werneuchen Kan. 10 3P 13E45 52N38 100 W D h
Wismar Kan. 7 8P 11E29 53N54 50 W ND v
Wittenberg Kan. 24 0 12E43 51N53 200 W ND h
Wittstock Kan. 10 2P 12E34 53N11 5 W ND h
Wünsdorf Kan. 12 6M 13E27 52N12 100 W D v
Wurzen Kan. 35 0 12E45 51N22 60 W ND v
Wustrow Kan. 26 8P 11E36 54N07 50 W D v
Zeithain Kan. 27 2P 13E20 51N21 300 W ND v
Zeitz Kan. 7 4P 12E08 51N03 13 W ND v
Zerbst Kan. 8 4P 12E08 52N00 10 W D v

von SK1 - am 22.12.2014 14:35
Zitat

...eine riskante Aktion in Zeiten des kalten Krieges. Jede Antenne, die Richtung Westen zeigte, wurde angezeigt.


Das ist doch totaler Quatsch.
Mir ist nicht ein Fall bekannt, wo jemand wegen einer "Westantenne" bestraft wurde oder Nachteile erlitten hätte.
Zu dieser Zeit habe ich mindestens jeden Monat irgendwo eine Westantenne errichtet.
Probleme habe ich und die Auftraggeber durch die Westantennen nie gehabt.
Damals hatte ich hier im Ort auch schon einige Nachbarn mit an meiner Anlage hängen.
Also eine kleine Gemeinschaftsantenne.
Der über zwanzig Meter hohe Mast, auf einer Anhöhe, war gut und deutlich zu sehen.
Sicher hat es irgendwo im Land besonders "kranke" (linientreue) Rotzkommunisten oder Wichtigtuer gegeben.
Eventuelle Anzeigen sollten aber wohl nur der eigenen Profilierung dienen. (Solche "Verräter" gibt es ja heute auch an jeder Ecke.)
Ich habe schon öfters hier geschrieben, dass diese Märchen vom Verbot von Westantennen völlig überbewertet sind.
Im Handel wurde das Zubehör für den Westempfang ganz offiziell angeboten.
Der beste Beweis ist, dass auch Antennen, Weichen und Verstärker für Band 5 zu haben waren.
Das Band 5 war in der DDR nicht belegt.
Dieses Zubehör diente nur dem Empfang der dritten Programme aus der BRD. (jedenfalls in unserer Region)
Da hat man sicher nicht nur auf Bürger aus der BRD gewartet, die eine neue Antenne oder Verstärker gebraucht haben. ;)
Selbst auf den Blattenbauten wurden (ganz offiziell) Antennenanlagen mit Westprogrammen errichtet.

Also, solche Geschichten nicht immer so ernst nehmen.
Damit möchten sich auch heute noch/wieder Leute und Medien wichtig tun und profilieren.
Die Wahrheit ist Nebensache, wenn es nur dem persönlichen Vorteil oder dem Profit dient.
Das erlebt man ja inzwischen an jedem Tag. :rolleyes:

von Radio-DX - am 26.07.2015 15:41
Ich selbst habe 1972 angefangen Antennen zu errichten und die Staatsmacht hatte kein Problem damit.
Schon seit Ende der 60er Jahre stand bei einem Schulfreund ein 33 m hoher Holzmast auf dem Grundstück. (Darüber habe ich schon vor Jahren mal berichtet)
Dieser Mast war ein Blickfang, da er nur etwa 20...25 m neben der Hauptstraße im Ort stand.
Darauf war eine Antenne für Kanal 10 vom Harz und eine für das ZDF aus Bayern.
Sie waren hier in der Region lange Zeit das einzige Haus mit ZDF-Empfang.
Die Leute waren alles andere als linientreue DDR-Bürger.
Aber auch sie hatten wegen der Antenne keine Probleme mit dem Staat.
Der große Mast war drehbar und konnte mit einer Winde aufgestellt und umgelegt werden.
Der Mast und der gute Empfang haben mich damals sehr beeindruckt.
Besonders der gute ZDF-Empfang war für mich ein kleines Wunder.
In vielen Gesprächen, mit dem Vater und großen Bruder des Schulfreundes, habe ich mir erstes Wissen zur "Materie" angeeignet.
Das war der Start zu meinem Hobby und dem Antennenbau.
Zuhause hatten wir nur ARD auf Kanal 4 vom Ochsenkopf.
Der war zwar auch unter Dach kein Problem, hatte aber die üblichen starken Störungen im Sommer. (Sporadic-E)
Da ich nun wusste, dass auch besserer Empfang möglich ist, ging es los mit der Bastelei und vielen Versuchen.
Als sich der Erfolg dann auf dem Bildschirm zu erkennen gab, waren auch andere Leute an meiner "Bastelei" interessiert.
So bin ich zum Antennenbau gekommen.
Der Kreis hat sich dann geschlossen, als ich in den 80er Jahren beim Schulfreund eine neue Antennenanlage errichten sollte.
Der bereits einmal erneuerte Holzmast musste altersbedingt wieder erneuert werden.
Wir haben dann einen 10 m hohen Gittermast mit 3...4 m Rohraufsatz weiter oben am Berg errichtet.
Dort haben wir alles draufgebaut was aus der Luft zu fischen war und gleich noch einige Nachbarn mit angeschlossen.
Das alles geschah unter den aufmerksamen und sehr interessierten Augen meines ehemaligen "Lehrmeisters",
dem fast 80 jährigen Vater des Schulfreundes.
Nun war aber er es, der viele Fragen zur neuen Technik und Programmen stellte und ich gab die Antworten.
So kurios kann der Lauf der Dinge sein.

Anfang der 80er Jahre hat die Sache aber Formen angenommen, die nichts mehr mit Spaß oder Hobby zu tun hatten.
In der Woche habe ich abends Antennen, Weichen und Verstärker gebaut und dann fast jedes Wochenende
auf einem Dach oder Berg eine Antennenanlage errichtet.
Zwischendurch musste auch noch "Beschaffungsmanagement" für das erforderliche Material und Zubehör betrieben werden. (Alles ohne Telefon)
In dieser Zeit hat mich dann auch meine Freundin wegen "Vernachlässigung" (oder so ähnlich) :joke: nach über vier Jahren verlassen.
Ich sollte mich zwischen ihr und meinen Antennen entscheiden.
Das war nicht einfach. Aber fürs Hobby muss man auch mal Opfer bringen. :D
Die "Nachfolgerin" hat es nun bis heute mit mir und meinem Hobby ausgehalten.
Hobbymäßig konnte ich mich bei der Gelegenheit auch gleich noch etwas verbessern.
Ihr Elternhaus steht in einer 1A-Empfangslage. (War Zufall, kein Auswahlkriterium :D )
Da gingen alle Kanäle problemlos, die hier in der Region überhaupt möglich waren.
Dort konnte ich nun alle Weichen und Verstärker relativ einfach abgleichen.
Ich hatte also alles richtig gemacht und eine gute Entscheidung getroffen. :cool:

Sorry, war nun doch etwas viel OT.
Ich denke aber oft und gern an die schöne Zeit zurück.
Da war man noch jemand und wurde geachtet, ...als West-Antennenbauer. :D

von Radio-DX - am 27.07.2015 00:01
Ich bin Baujahr 1976. Angesprochen wurde ja, dass das Empfangen von Programmen aus Westberlin oder der damaligen Bundesrepublik den Angehoerigen der sog. "Bewaffneten Organe" untersagt war. Das fing mit Wehrpflichtigen an, umfasste die NVA, die Grenztruppen und alle Bereiche der Volkspolizei (Aufzaehlung beispielhaft und nicht abschliessend). Einer meiner Elternteile fiel in diesen Personenkreis und nur deshalb gab es in dem genannten Wohngebiet auch eine Dienstwohnung.

Eben jenes Wohngebiet, in dem ich noch heute in eigener Wohnung lebe, ist Baujahr 1964/65. Wann die Gemeinschaftsantennenanlage installiert wurde, das vermag ich nicht genau zu sagen. Es soll nach Erzaehlungen meiner Eltern, die 1977 aus einer feuchten und schimmeligen Berliner Altbauwohnung dort in eine vergleichsweise moderne Wohnung einzogen, zu dieser Zeit jedenfalls bereits diese Antennenanlage gegeben haben. Wegen des dort ausschliesslich wohnenden Personenkreises musste wohl auch die Sperrfiltergeschichte eingebaut werden. Angesichts der tatsaechlich aus Berlin einfallenden Signalpegel war die vollkommene Unterdrueckung der Westprogramme wohl technisch kaum machbar, ohne den Empfang der beiden DDR-Programme ebenfalls zu beeintraechtigen. UKW wurde komplett durchgereicht, aus Berlin hatte man allerdings alle empfangbaren Sender auch so mit geringstem Antennenaufwand hoeren koennen.

Aus meiner Kindheit weiss ich, dass einmal jaehrlich bei einer Dachbegehung optisch verglichen wurde, ob die drei Antennen (VHF-Band III, UHF und UKW) noch auf den direkt sichtbaren Berliner Fernsehturm zielten oder ob sie ggf. ein Herbststurm in Richtung Westberlin verdreht hatte. Es wurde zwar nie nach dem/den Verantwortlichen gesucht, aber spaetestens am darauf folgenden Wochenende war das nach der Antennenkorrektur stets deutlich angerauschte ZDF-Bild wieder gewohnt klar und nur noch leicht rauschend.

Bis zur Wende war es Gesetz, dass es in der elterlichen Wohnung kein Westfernsehen gab. Dagegen wurde weder kontrolliert noch korrigiert, wenn der Zeiger meines Roehrenradios auf den falschen Sender zeigte. Aus diesem Grund gab es damals fuer mich den ersten eigenen Fernseher auch erst nach der Wende. Aus dem Kreis meiner Schulkameraden haette ich damals einen alten Roehrenfernseher erben koennen, durfte ihn aber nicht aufstellen.

Ich weiss heute jedoch, dass meine Eltern den einen oder anderen Film z. B. im "Zweiten West" auch geschaut haben, nachdem sie ihren Nachwuchs im Bett wussten. Der hoerte damals dann eben noch die grossen Schlagersendungen im Deutschlandfunk auf Mittelwelle, ein Hoerspiel beim SFB oder ganz schlicht die rias 2-Diskothek. Das konsequente Heraushalten des Westfernsehens aus der Familie war nicht nur Teil der beruflichen Auflagen, es diente auch dem Eigenschutz. Ich kann mich erinnern, dass in der Schule z. B. regelmaessig gefragt wurde, mit welchem Fahrzeug der Sandmann am Vorabend denn gekommen sei. Wenn da die falsche Antwort kam, dann kam bereits aus dem Kreis der Klassenkameraden der Vorwurf: "Du hast ja den falschen Sandmann geguckt!"

Meinen Westfernsehkonsum holte ich mir also bei Schulkameraden, bei denen die Eltern das nicht so eng sahen oder schlichtweg nachmittags oder am Wochenende nicht da waren. Da wurde bei allerschoenstem Wetter dann eben "Fury" oder "Ein Colt fuer alle Faelle" geguckt und ich kann mich auch noch daran erinnern, dass wir die Tennisuebertragungen vom Hamburger Rothenbaum mit Boris Becker und Steffi Graf im Zweiten West zu gern gesehen haben. Im Vorabendprogramm kam spaeter noch SAT.1 dazu, die eine oder andere Folge "Gluecksrad" habe ich auch bei Klassenkameraden gesehen. Da war ich dann inzwischen aber auch alt genug, dass ich mich nicht mehr in der Schule aushorchen liess und die Bedeutung meiner Antworten fuer bzw. gegen meine Eltern bereits einzuschaetzen wusste. Den Sandmann musste ich nicht taeglich gucken und so war die Antwort, dass ich "Streusand-Ede" gestern nicht gesehen haette, ebenfalls ausreichend und wurde akzeptiert.

Auch wenn wohl grundlegend stimmt, dass es eine gewisse Duldung des Westfernsehkonsums ab den 1980ern gab, es traf eben nicht auf alle zu! Wehrpflichtigen war z. B. das eigene Radio verboten. Ausserdem wurde sehr wohl darauf geachtet, welche Sender z. B. bei oeffentlich spielenden Radios eingestellt waren. In der oertlichen Bibliothek gab es noch im Herbst 1989 wegen Hundert,6 im Radio nicht nur einmal lebhafte Diskussionen wegen des eingestellten "Hetzsenders". Final wurde dann wegen anhaltender Uneinsichtigkeit des Personals (Mehrzahl, weiblich) waehrend eines lautstarken Wortgefechts ein bildschoenes Roehrenradio aus den 1960ern vom Tisch gestossen. Ziel erreicht, danach gab es dort ueberhaupt kein Radio mehr. Schade nur um das Geraet, das dabei einen Totalschaden erlitt...

von PowerAM - am 27.07.2015 05:54
http://www.kas.de/wf/doc/kas_24854-544-1-30.pdf?110826092216

Fernsehen und Hörfunk
Achtung: SSD
Draußen schüttet es. Transparente hängen
klatschnaß von gekalkten Häuserwänden.
Eine Straßenfunzel wirft einen
blassen Lichtkegel auf die leergefegte
Straße. Von der Uhr des „Hauses der
sozialistischen Arbeit" schlägt es acht.
Alfred Obelgönner, verdienter Arbeiter
des Volkes, steht vom Abendbrottisch
auf, schaltet sein Fernsehgerät ein, für
das er fünfzehn Monate lang gespart hat.
Laut klingt das Hamburger Pausenzeichen
durchs Zimmer. Viel zu laut. Obelgönner
springt auf, stellt den Ton auf die leiseste
Stärke, setzt sich ohne Rücksicht auf
sein Augenleiden dicht vor den flackernden
Bildschirm. Er hört die „Tagesschau"
des westdeutschen Fernsehens. Gegen
neun Uhr scheppert die Türglocke. Der
Arbeiter greift zum „Neuen Deutschland",
legt die Zeitung aufgeschlagen neben den
Sessel, knipst sein Fernsehgerät aus, öffnet
die Wohnungstür.
Hausobmann Schierling,- verdienter
Spitzel des Volkes, Mitglied der SED,
und ein Unbekannter in einem gewissen
Ledermantel schieben Obelgönner beiseite.
„Haben Sie ferngesehen?" Obelgönner
schüttelt den Kopf. Die beiden
Spitzel gehen zum Fernsehgerät, befühlen
die noch warme Rückwand. „Ihr Gerät
ist gerade erst ausgeschaltet worden."
Obelgönner ist unsicher. „Ich habe nur
kurz hineingesehen." „Natürlich in unser
demokratisches Programm?" „Jawohl",
erwidert Obelgönner. „Was gab es denn?"
Mit dieser Frage wird Obelgönner als
Staatsfeind deklariert.
In der Nebenwohnung das gleiche. Die
Nachbarsfarnilie hatte sich zwar vorsichtshalber
aus der Zeitung informiert, was
das „DDR"-Fernsehen bringen würde,
hatte aber, als es klingelte, vergessen,
den Kanal auf das sowjetzonale Programm
umzustellen.
Als Staatsfeinde überführt.
Im Haus vis-ä-vis hat der Besitzer noch
eine „Ochsenkopf-Antenne", bei der nicht
festzustellen ist, ob sie aufs Westprogramm
eingestellt ist. Obmann Schierling,
FDJ-Abordnungen, FDGB-Funktionäre
hatten vergebens versucht, den Hausbesitzer
unter Druck zu setzen, daß er die
Antenne demontierte.
Auch er wird nun in der Kategorie III
katalogisiert, in der Kategorie „antikommunistische
Westternseher".
Unter der Leitung der Vopo werden
gegenwärtig in der Zone überall Fernsehbesitzer
karteimäßig erlaßt, nachdem eine
Uberwachungsaktion der FDJ im Vorjahr
fast erfolglos blieb. Das Regime weiß
sehr gut, daß seit der Errichtung der
Mauer Funk und Fernsehen fast die einzigen
Brücken zur freien Welt sind. Die
sowjetzonalen Propagandisten befürchten
nichts mehr als eine Intensivierung gezielter
westlicher Programme in ihren
Terrorbereich. Wenn die Vopo die TVGerätebesitzer
erfaßt hat, werden sie mit
Hilfe von Spitzeln und Denunzianten in
drei Klassen eingeteilt: Klasse I — linientreue
Kommunisten, die nur das DDRFernsehen
sehen. Klasse II — Fernseher,
die Ost- und Westsender sehen. Klasse III
— antikommunistische Westlernseher.
(Die Spitzengruppe der Bonzen, die zwar
linientreue Kommunisten sind, aber fast
ausschließlich erlaubtermaßen Westfernsehen
einstellen, fehlt natürlich.) Nach
dieser Aufteilung werden die II. und
III. Gruppe von Agitatoren aufklärend
„behandelt". Bleibt die Behandlung erfolglos,
greift man zu Repressalien, deren
ausgeklügelte Vielfalt die Gestapo hätte
neidisch erblassen lassen.
Die Hitlerzeit ist also auch hierin der
Ulbricht-Epoche gleich. Eines aber ist noch
bemerkenswert: Für diese neue Aktion
der roten Gehirnwäscher ä la George
Orwells „1984" bedarf es Kolonnen von
Denunzianten. Sollte Gottfried Benns bitteres
Wort aus der und über die Nazizeit
heute noch zutreffen, das Wort: „Die Revolution
der Deutschen ist die Denunziation"?
R

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 28.07.2015 08:56
Zitat
Zintus
Denunzianten gibt es nicht nur in Deutschland. Ein britischer Kollege von mir hatte auf seinem Balkon in Den Haag eine kleine Sat-Schüssel (DigiDish 45) installiert, von der ca. 10 cm über den Balkonrand hinausschauten. Der Rest war unsichtbar, er wohnt übrigens auch im 12. Stock. Binnen zwei Wochen nach der Installation hatte ihn jemand bei der Hausverwaltung verpfiffen und er musste die Schüssel entfernen.


Das wundert mich offen gestanden nicht. Deutsche und Niederländer sind sich von der Mentalität her sehr ähnlich: In beiden Ländern findet man die gleiche kleinbürgerliche Spießigkeit, wobei in den Niederlanden überdies noch ein gewisser Hang zur Egalität hinzukommt.

Gerade aufgrund dieser Gemeinsamkeit entsteht eine besondere Rivalität, die in der Form weder zwischen Deutschen und Belgiern, Deutschen und Franzosen, Deutschen und Italienern und noch weniger zwischen Deutschen und slawischen Völkern zu Tage tritt: Die Unterschiede in den Lebenseinstellungen sind dort weitaus größer. Rivialität, vielleicht sollte ich besser sagen: Reibungspunkte, entstehen immer dort, wo die Unähnlichkeit ein gewisses Maß nicht überschreitet.

Um auf Dein Beispiel zurück zu kommen: Würde Dein Kollege bspw. statt in Den Haag in Lüttich leben, hätte es niemanden gejuckt, ob die Antenne 10 cm oder gar einen halben Meter über den Balkon hinausragt.
Ich kenne einige, die schwärmen von den Niederlanden. Verstanden habe ich das nie: Die romanischen Länder sind aufgrund der größeren Unterschiede viel interessanter.

In meiner Jugend wollte ich immer gerne in die DDR reisen, eben weil es dort so ganz anders war als im westlichen Ausland. Leider konnte ich meine Eltern nie davon überzeugen, "nach drüben" zu fahren.
Noch immer finde ich die Auseinandersetzung mit der DDR, ganz generell mit den Ländern Osteuropas vor dem Fall des eisernen Vorhangs, interessant, weil der Realsozialismus einerseits den Anspruch erhoben hat, das bessere Gesellschaftssystem darzustellen, in Wirklichkeit aber das genaue Gegenteil zutraf. Diese Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität übt auf mich den Reiz aus, sich mit der DDR zu beschäftigen.

Amüsant ist das ganze obendrein. Ich meine: Welches heutige Kabarett kann mit dem Schwarzen Kanal mithalten?!
Karl-Eduard von Schnitzler wirkt genau deshalb urkomisch, weil er den Unsinn, den er in seiner Sendung verbreitet hat, bis zuletzt felsenfest glaubte, selbst zu der Zeit noch, als die DDR längst Geschichte war, wie Interviews belegen.
Schade, dass von der Sendung nur wenige Episoden erhalten geblieben sind!

von Wellenjaeger - am 28.07.2015 22:24
Zitat
Wellenjaeger
Zitat
Zintus
Denunzianten gibt es nicht nur in Deutschland. Ein britischer Kollege von mir hatte auf seinem Balkon in Den Haag eine kleine Sat-Schüssel (DigiDish 45) installiert, von der ca. 10 cm über den Balkonrand hinausschauten. Der Rest war unsichtbar, er wohnt übrigens auch im 12. Stock. Binnen zwei Wochen nach der Installation hatte ihn jemand bei der Hausverwaltung verpfiffen und er musste die Schüssel entfernen.


Das wundert mich offen gestanden nicht. Deutsche und Niederländer sind sich von der Mentalität her sehr ähnlich: In beiden Ländern findet man die gleiche kleinbürgerliche Spießigkeit, wobei in den Niederlanden überdies noch ein gewisser Hang zur Egalität hinzukommt.

Gerade aufgrund dieser Gemeinsamkeit entsteht eine besondere Rivalität, die in der Form weder zwischen Deutschen und Belgiern, Deutschen und Franzosen, Deutschen und Italienern und noch weniger zwischen Deutschen und slawischen Völkern zu Tage tritt: Die Unterschiede in den Lebenseinstellungen sind dort weitaus größer. Rivialität, vielleicht sollte ich besser sagen: Reibungspunkte, entstehen immer dort, wo die Unähnlichkeit ein gewisses Maß nicht überschreitet.

Um auf Dein Beispiel zurück zu kommen: Würde Dein Kollege bspw. statt in Den Haag in Lüttich leben, hätte es niemanden gejuckt, ob die Antenne 10 cm oder gar einen halben Meter über den Balkon hinausragt.
Ich kenne einige, die schwärmen von den Niederlanden. Verstanden habe ich das nie: Die romanischen Länder sind aufgrund der größeren Unterschiede viel interessanter.

In meiner Jugend wollte ich immer gerne in die DDR reisen, eben weil es dort so ganz anders war als im westlichen Ausland. Leider konnte ich meine Eltern nie davon überzeugen, "nach drüben" zu fahren.
Noch immer finde ich die Auseinandersetzung mit der DDR, ganz generell mit den Ländern Osteuropas vor dem Fall des eisernen Vorhangs, interessant, weil der Realsozialismus einerseits den Anspruch erhoben hat, das bessere Gesellschaftssystem darzustellen, in Wirklichkeit aber das genaue Gegenteil zutraf. Diese Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität übt auf mich den Reiz aus, sich mit der DDR zu beschäftigen.

Amüsant ist das ganze obendrein. Ich meine: Welches heutige Kabarett kann mit dem Schwarzen Kanal mithalten?!
Karl-Eduard von Schnitzler wirkt genau deshalb urkomisch, weil er den Unsinn, den er in seiner Sendung verbreitet hat, bis zuletzt felsenfest glaubte, selbst zu der Zeit noch, als die DDR längst Geschichte war, wie Interviews belegen.
Schade, dass von der Sendung nur wenige Episoden erhalten geblieben sind!


Die DDR habe ich auch nie genauer kennengelernt, allerdings die CSSR, Ungarn, und Bulgarien. Westfernsehen gabs in Bulgarien auf Grund der Distanz kaum, vielleicht manche hatten aus GR oder der Tuerkei etwas auffangen koennen. Was den Tourismus betraf, fand ich auch Bulgarien am restriktivsten, die wollten damals fuer West-Buerger eine auf den Tag genaue Reiseroute bekommen, vor Einreise ins Land. Weichte man davon ab, gab's Aerger, dies bedeutete oft schon, eine andere Strasse zu nehmen, als geplant.

Fernsehen und Radio aus dem Westen war in der CSSR und Ungarn relativ erlaubt. Da stoerte auch das OIRT Band nicht, denn auf dem Schwarzmarkt bekam man genug West-Geraete, was die Behoerden kaum zu stoeren schien. In der CSSR war gerade mal die Ost-Slovakei jene Region wo ORF Empfang nicht ging, fast ganz West-Ungarn hatte Zugang zum ORF Fernsehen. In Prag war ORF Empfang in hoeheren Lagen problemlos moeglich, auch hohe Yagi Antennen gab's, offfenbar Marke Eigenbau

von 102.1 - am 28.07.2015 22:45
Zitat
Wellenjaeger
Welches heutige Kabarett kann mit dem Schwarzen Kanal mithalten?!
Karl-Eduard von Schnitzler wirkt genau deshalb urkomisch, weil er den Unsinn, den er in seiner Sendung verbreitet hat, bis zuletzt felsenfest glaubte, selbst zu der Zeit noch, als die DDR längst Geschichte war, wie Interviews belegen.


Das irre an dem "Unsinn" ist, daß Schnitzler dazu massiv aus den Westmedien zitierte. Er sendete deren eigene Berichterstattung, natürlich kommentiert nach Schnitzler-Art.

So. Wenn das alles Unsinn war, wie kam es dann zuvor ins öffentlich-rechtliche Westfernsehen, wo es als glaubwürdige Berichterstattung gedacht war?

Vieles von dem, was nach der "Wende" Ostdeutsche ins blanke Entsetzen trieb oder um die Existenz brachte, wurde zuvor jahrelang immer wieder von Schnitzler als "westdeutsche Realität" gezeigt: Massenentlassungen, Aussperrungen, Gewerkschaftsproteste, Mietwucher, Sonderrechte für Reiche, ...

Da lag die "Demagogie" des Herrn Schnitzler: er zeigte es als westdeutsche Realität, nicht als Teil der westdeutschen Realität. Und kaum einer in der DDR hats ernstgenommen. Die Mehrheit im Osten glaubte dem West-Werbefernsehen, das auch nur - wenn überhaupt - einen Teil der Realität zeigte. Viele Ossis hielten es für 100%ige Realität. Für die saß die Wessi-Familie tatsächlich jeden Tag bei Sonnenschein gegen 10 Uhr draußen vor dem Landhaus beim Frühstück und eine dämlich grinsende Blondine mit langen Zöpfen brachte ein Streichfett vorbei.

Die Dummheit in dieser Hinsicht war teils sehr derbe zu spüren. Ich erinnere mich an den Hausmeister meiner damaligen Schule, der zu irgendeinem familiären Anlass in den Westen reisen durfte. Nach der Rückkehr erzählte er den unfassbarsten Unsinn bis dahin, daß aus den Auspuffen der Autos im Westen "nur warme Luft" rauskäme.

Soviel Dummheit mußte bestraft werden. Und wurde sie. Schon recht bald gab es die ersten Texte, die das thematisierten. Hier sind zwei davon:
https://www.youtube.com/watch?v=vTUBlS_dGso
https://www.youtube.com/watch?v=YZJpyN8bbjE

Da waren die Westpunks von Abwärts mit ihrer Warnung auch zu spät gekommen (April 1990):
https://www.youtube.com/watch?v=0JdxjtT0h20

Nun haben die Ossis seit 25 Jahren ihren geliebten Westen. Ihre schöne Perspektivlosigkeit (die sie im Osten auch hatten, von der sie aber glaubten, sie im Westen nicht haben zu werden), ihre Verschuldung, ihre Arbeitslosigkeit, ihr geistig ausblutendes Land (was viele gar nicht bemerken können, da sie Bestandteil des Problems sind), ihre zerstörte Heimat (die Filetstücken sind inzwischen weitgehend in "Wessi-Hand" und kommen vielleicht künftig in Russen- oder Chinesenhand, je nachdem, wo sich das Kapital ansammeln wird in den kommenden Jahren; übrig bleiben die Regionen ohne Chance, für die zahlt man kollektiv die Schulden), das ungeschriebene Bildungsprivileg der Wohlhabenden, die Sonderrechte der Reichen (die sie gewiß gerne genommen hätten, wenn sie doch je zu den Reichen gehört hätten). Immerhin dürfen sie nun gegen "den Staat" und gegen das "Staatsfernsehen" meckern und es passiert ihnen nichts, weils keine Sau interessiert, was der kapitalschwache Pöbel so grunzt, solange er nicht das Kapital angreift.

Und sie dürfen so richtig widerlich sein, wie derzeit vor gewissen Notunterkünften eindrucksvoll zur Schau gestellt. Das hatte ihnen die DDR stets verboten, das durften sie nur heimlich. Nun endlich sind sie frei und dürfen es offen tun. Dabei vergessen sie, daß sie vor 25 Jahren alle Wohlstandsflüchtlinge waren: Ossis, die die D-Mark wollten.

Da, das war der wahre Grund der "friedlichen Revolution":



Man hatte nur zu Beginn paar anständige (und in der DDR tatsächlich gedemütigte und unterdrückte) Menschen mit anständigen Forderungen vorneweglaufen lassen, um dem ganzen einen schönen Anstrich zu verpassen: Künstler, Pfarrer, Humanisten, Pazifisten, Umweltschützer. Die wurden, sobald die Mauer auf war, beiseitegeschoben und die widerliche Fratze des gemeinen Ostdeutschen zeigte sich offen und klar. Ich war damals 15 und ich habe diese Leute gehasst. Vielen meiner Mitschüler ging es ganz genauso. Euphorie war im Herbst 89 bei uns an der Schule genausowenig zu spüren wie im Jahre 1990. Eher Angst: was kommt jetzt? Es kamen dann auch bald die ersten Übergriffe auf die Schule, auf einzelne Schüler (die Schule galt als "links"). Für jeden von uns war das die Zeit des ersten Kontaktes mit Gewalt - die kannten wir vorher nicht. Willkommen in der neuen Weltordnung.

Es ist das gleiche Volk, das heute Brandsätze in Asylunterkünfte wirft. Und dabei auch auf Flüchtlinge zielt, die durch Krieg, Gewalt und Hunger in ihrem Leben bedroht sind. Wieviele der Ostdeutschen, die 1989/90 ihr Herkunftsland abschafften, waren in der DDR durch Krieg, Gewalt und Hunger bedroht? Es waren vergleichsweise wenige durch Staatswillkür bedroht (was übel genug ist, jeder einzelne Fall war einer zuviel) - aber gerade die wandten sich oft sehr schnell von der Entwicklung ab, die nach 1989 einsetzte. Ich erinnere mich an einen fabelhaften Physiker aus Ostberlin, der - hochriskant - in der Umweltbewegung aktiv war. Er verließ Deutschland später gen Skandinavien, machte mit 65 extra noch den Führerschein und zog sich in nahezu menschenleere Gegend zurück. Zum Abschied sagte er mir "ich kann die Zonenprolls nicht mehr ertragen".

So ist das damals gelaufen. Derweil sind heute die Medien - offenbar in unausgesprochenem staatlichen Auftrag - intensiv damit beschäftigt, das Märchen von der "friedlichen Revolution" aufrechtzuerhalten, wozu Jahr für Jahr mehr Energie und mehr Sendezeit nötig ist. Der ganze Hype wirkt nur noch absurd - genauso absurd wie die Hurraparolen der DDR. Es sind ja auch wieder nur Hurraparolen. Warum sollten sie anders wirken?

Es war gut, daß das DDR-System, so wie es war, wegkam. Es war falsch, daß das Westsystem, so wie es war, unverändert bleiben konnte. Es mußte aber bleiben, man hält es ja für "alternativlos" wie ein Naturgesetz. Die Folge davon wird Krieg sein. Ein Volk, das nicht bereit ist zu trauern, wird töten müssen. Man schießt sich derzeit ja schonmal wieder warm...

Eine alte Literaturempfehlung dazu, gilt immer noch: http://www.humanistische-aktion.de/maaz.htm


Und back-to-the-topic, Informationsfreiheit heute in der "freien Welt": http://www.jenawohnen.de/haeufige-fragen/sonstiges/darf-ich-eine-parabolantenne-anbringen.html

In der nach eigener Wahrnehmung "klügsten Stadt der Welt" herrscht ganz offen Einschränkung der Informationsfreiheit. Ochsenkopf 2.0 sozusagen. Mit welchem Recht? Mit dem des Stärkeren. Wäre das zu DDR-Zeiten passiert, hätte man die Verantwortlichen nach der "Wende" aus ihren Ämtern enthoben und gesellschaftlich geächtet. Und was passiert heute? Nichts. Es ist halt so. Man kann ja eh nichts dagegen machen.

Und das ist es, was mich so maßlos ankotzt: die Verlogenheit und Selbstgerechtigkeit, mit der das heutige System als das bessere und sogar als das beste hingestellt wird. Obwohl alles exakt genauso ist wie in der DDR, nur daß das Kalb, um das man heute tanzt, golden ist, während es damals rot war.

von Chris_BLN - am 31.07.2015 21:06
Zitat
Chris_BLN

Und das ist es, was mich so maßlos ankotzt: die Verlogenheit und Selbstgerechtigkeit, mit der das heutige System als das bessere und sogar als das beste hingestellt wird. Obwohl alles exakt genauso ist wie in der DDR, nur daß das Kalb, um das man heute tanzt, golden ist, während es damals rot war.


Das System musste zusammenbrechen. Russland waere nie so wirtschaftlich so stark gewesen, um die Warschauer Pakt Staaten wirtschaftlich zu halten, viele Laender lebten schlicht und ergreifend von der Substanz. Ganz auffallend war das in der CSSR, die weder zu Nazi-Besatzung, noch gegen Ende des Krieges grosse Zerstoerung erlebten, und die Industrie im Standard von 1930 einfach so weitermachte, ohne grossen technischem Fortschritt, bis es einfach nichtmehr ging.

Auffallend war auch in der CSSR, dass man sich seitens der damaligen Fuehrung darum bemuehte treue und kritiklose Buerger zu haben, die wenig hinterfragen und sich unterordnen. Erst in Nordamerika, insbs. in Canada kam ich dann mit Auswanderer aus der CSSR in Kontakt, die sehr wohl frei sprechen und denken konnten, faehig waren, und Erfolg hatten. Da sah ich damals sehr deutlich, wie sehr man auch in der CSSR bemueht war, gewisse Leute, weniger zu halten, als andere, und wie sehr die damalige CSSR einen Brain Drain erlebte, denn nur diejenigen die sich unterordneten blieben, bzw. konnten sich mit dem System arangieren.

Da kenne ich die DDR nicht so genau, allerdings die ehemalige CSSR und Ungarn.

Einiges hatte sich schon geaendert. Die Buerger Tschechiens und der Slovakei koennen frei reisen, frei ihre Meinung aeussern, die Politik insbs. in Tschechien ist aber so korrupt und verlogen wie eh und jeh. Obwohl Tschechien und Slovakei wirtschaftl. halbwegs gut dastehen, ist die Politik auf Griechenland oder Sued-Italien-Niveau.

Ungarn, aehnliches Thema, nur dass es zu Ost-Zeiten noch etwas lockerer zuging als in der CSSR. Man trieb einfach Kommunismus auf ungarisch.

Mit Ostdeutschen hatte ich kurz nach der Wende beruflich zu tun, und all zu positive Meinung hatte ich nicht bekommen. Wenn es nicht gerade studierte Naturwissenschaftler waren ( die ihre West-Kollegen weitaus ueberragten), mangelte es oft bei den Durchschnittsleuten an Wissen, und Einsatz, auch deren ordinaere Art sich im Buero auszudruecken, Humor war auch gegenueber weiblichen Kollegen immer unterhalb der Guertellinie. Auch das Gefuehl kam deutlich rueber, dass diese Leute lange in einem "institutionalem System" leben mussten, und manchmal auch, in heilken Situationen, gewaltbereiter wirkten.

Heute, 25 Jahre danach ist das natuerlich alles anders geworden, da eine neue Generation nachgekommen ist.

von 102.1 - am 01.08.2015 10:20
Zitat
Saarländer (aus Elm)
@102.1

Die Bemerkung oben mit dem Begriff Amateurfunker bezog ich auf den Umstand, dass wir an anderer Stelle schon als 'Low-Level-Forum' bezeichnet wurden und einen Radiosender aus der Eifel hier nicht mehr namentlich nennen dürfen, weil sich ein dort ehemals aktiver Funkamateur auf den Schlips getreten fühlte. War also fast schon ein Insider-Witz.

Zur allgemeinen Thematik:
Dass das West(werbe)fernsehen eine 100% heile Welt vorgaukelte und Schnitzler mit einem 100% Negativbild konterte war vielleicht eher kontraproduktiv. Doch auch mit der Realität irgendwo in der Mitte muss man erstmal klarkommen.
Das einzig Positive in der neoliberalen Welt von heute, in der einige wenige immer reicher werden, weil die breite Masse sich zum Konsum anstacheln lässt, ist dass der Fortschritt darin durch viele gute Ideen einzelner immer noch schneller von statten geht, als in einem staatlich gelenkten Schneckentempo.


@Saarlaender:

Es gibt leider Menschen, die sich nur auf den Schlips getreten fuehlen, weil sie einen Anhaltspunkt zum Streiten suchen, und diesen auch wollen. Auch im Mittelpunkt stehen, kann dabei eine Motivation sein. Gehe ich auf diesen Einwand nicht ein, laufe ich Gefahr, dass solche Menschen Standards setzen, und genau das scheint hier passiert zu sein.

Am Ende kommt es auch darauf an, wie ich es ausspreche: Funk-AMATEUR oder AMATEUR-Funker, ich hab es bewusst in Grossbuchstaben geschrieben, und kann beides abwertend meinen, wenn ich will, am Ende ist er halt nur ein AMATEUR und kein Profi.

Ich selbst hatte den Begriff "Amateur" hier nie negativ oder abwertend gesehen, egal ob ich Amateurfunker sagte, was ich meistens tat, oder Funkamateur, und hatte da auch nie irgendwelche Kritik bekommen.

Als "Profi" verstand ich immer oeffentlich rechtlich, privat, non-kommerziell, Betriebsfunk, oder BOS und dgl.

Als "Amateur" verstand ich eher Leute die in der Freizeit das machen, und einfach Spass drann haben, Hobby eben. Nachdem Amateurfunker oder Funkamateure eine Pruefung fuer Ihre Taetigkeit ablegen muessen, bevor sie an die Geraete ran koennen, ist das ja auch keine Verwaesserung eines "ahnunglslosen Amateurs", sondern eine Freizietaktivitaet. Aehnlich wie ein Motorbootschein, ein Segelschein, oder eine Jagdtpruefung und dgl.

@zum Thema selbst:

Wie das Westfernsehen und die dort gebrachte Werbung im Osten wirklich rueber kam, weis ich heute nichtmehr. Oft bekam man in der CSSR halt komische Fragen, etwa, ob man den ganzen Tag Kaugummi kauen wuerde, oder ob alle Leute Musizieren wie bei Oe3, Leute mit Bildung stiegen da schon dahinter, dass dem dann nicht so war. Die Nachfrage war oft gross nach Produkten, die glaufhafter in der Werbung rueberkamen, etwa bei Werbung von Supermaerkten, die Verfuegbarkeit von Zitrusfruechen, oder Bananen, die in der CSSR kaum bis wenig zugaenglich waren, und wenn, war der Verderb gross.

von 102.1 - am 01.08.2015 13:57
Hallo Zusammen,

Wir bekamen 1962 Fernsehempfang.
Wir waren der 2. Fernsehteilnehmer in unserem Dorf in der Altmark.
Der Fernseher kostete mehrere Monatsgehälter.
Die Antenne wurde von einer Firma auf das Dach montiert.
Damit liessen sich die ARD via K 10 vom Torfhaus und DDR TV 1 via K 6 vom Brocken empfangen.
Die Distanz vom Brocken betrug 110 Km, eine Hügelkette im Weg schwächte die Signale aber etwas.
Der Empfang war trotzdem immer gut.

Später entdeckten wir beim Umschalten noch den K 7 Berlin. Für Diesen wurde eine Eigene Antenne
unter Dach angebracht. Somit war von 18:00 Uhr bis 20:00 Uhr ein Extra Programm empfangbar.
Die Antennen wurden Bedarfsweise für den Berlinempfang umgesteckt.
Dafür war eine Kurze Verlängerung mit Kupplung am TV Gerät angeschlossen um das Umstecken
zu erleichtern.
Manchmal kam Berlin mit der " Harzantenne " so gut das ein Umstecken nicht nötig war.
Trotz Unterdachmontage war mit der Extraantenne der K 07 fast Immer gut zu sehen.
Die Distanz zum Berliner Sender war auch ca. 100 Km gewesen. Angeschlossen waren die
Antennen mit Weissem 240 Ohm Flachbandkabel. Antennenverstärker hatten wir bis 1982 nicht.

Ich habe die Verwendeten Antennen aus dem Gedächtnis nachgezeichnet.
Links auf dem Bild ist der 4 Fach gestockte Ganzwellendipol Richtung Harz zu sehen.
Rechts Daneben die gekaufte Yagibauart für den Berlinempfang.

[attachment 5598 Antennenzeichnung.jpg]

Im Frühjahr 1982 erfolgte ein Umbau der Antennenanlage. Der Gestockte Ganzwellendipol
hatte nach ca. 20 Jährigem Gebrauch einige Elemente verloren .
Wir verwendeten ab dieser Zeit für VHF eine 10 Elemetyagi und für UHF eine 14 Elementyagi.
VHF sahen wir dann via Harz und UHF via Höhbeck.
Später kamen wir noch auf das ARD Signal aus Dannenberg via UHF.
BFBS/SSVC war via UHF auch sehr gut zu sehen ( Leider Ohne Ton ).
Mit der UHF Antene kam als " Beifang " der K 39 via Berlin auch Oft gut empfangbar herein.
Zeitweise war auf K 25 ?? ein Testbild zu sehen " Fuüst BLN " stand, wenn Ich mich richtig erinnere,
darauf.
Zuletzt wurde noch eine Erweiterung der Anlage für den Berlinempfang ( RIAS- TV/ SAT 1 ) K 25
getätigt.
Dann baute Ich in den 90 er Jahren Alles auf ASTRA um.

von RADIO354 - am 02.08.2015 08:36
@102.1: Der Ausdruck "Amateurfunker" ist ähnlich zweideutig und damit missverständlich, wie der des "Laien" in der katholischen Kirche: Ein Pastoralassistent, selbst ein Theologieprofessor, bleibt so lange ein Laie, bis er die Priesterweihe empfangen hat. Mit den fachlichen Kenntnissen hat dies überhaupt nichts zu tun.
Ich kann mir gut vorstellen, dass es nicht wenige Amateurfunker gibt, deren Fachkompetenz mindestens gleichwertig mit jenen ist, die hauptberuflich mit Funktechnik zu tun haben. Ich würde Dir daher an dieser Stelle beipflichten und ebenfalls behaupten, dass das zentrale Entscheidungskriterium in der Frage "Hobby oder Beruf?" liegt.

Zitat
Saarländer (aus Elm)
und einen Radiosender aus der Eifel hier nicht mehr namentlich nennen dürfen, weil sich ein dort ehemals aktiver Funkamateur auf den Schlips getreten fühlte. War also fast schon ein Insider-Witz.


Das Verrückte ist, dass dieser Sender alles anderes als professionell in Erscheinung tritt, wenn ich bspw. daran denke wie häufig auf dessen Eupener Frequenz ein Leerträger zu hören ist, weil die Zuführung per Internet mal wieder unterbrochen wurde oder ein kontinuierliches Aussetzen der Modulation wegen des Zwischenpufferns des Webstreams.

Entscheidend ist für mich die Frage, wie man als Forenbetreiber mit Beschwerden umgeht.
Das ist etwas, was ich bei Radioforen.de sehr schätze, dass dort fast jeder kritische Beitrag stehen gelassen wird, auch wenn sich, - was unvermeidbar ist -, Leute gestört fühlen. Konkret denke ich da an die Diskussion um Mauma FM, wo die Betreiber ebenfalls mit Anwälten gedroht hatten, die Admins das jedoch kalt ließ.

Zitat
0815xxl
gestern lief im MDR-Fernsehen die Sendung 'Echt-Das Magazin zum Staunen: Die Welt der Wellen und Signale'.

http://www.mdr.de/mediathek/fernsehen/video287084_boxIndex-1_zc-51f8dc33_zs-2d7967f4.html


Interessant fand ich ein kleines Detail: Offenbar verfügte das DDR-Fernsehen über kaum oder nur wenige Füllsender. Im Westen war dies anders: Jedes abgeschattete Dorf hatte eine eigene Füllfunzel, sogar manche Stadtteile.

von Wellenjaeger - am 03.08.2015 10:29
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.