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15 Jahre digitales Fernsehen in Deutschland

Startbeitrag von Lahnwelle am 28.07.2011 08:05

Heute feiert das digitale Fernsehen in Deutschland sein 15-jähriges Jubiläum. Am 28. Juli 1996 ging passend zum Großen Preis von Deutschland der Formel 1 in Hockenheim das Pay-TV-Paket DF 1 auf Sendung. Die erste digitale Testausstrahlung fand jedoch schon wesentlich früher statt.

http://www.tv-kult.com/neues/3109-15-jahre-digitales-fernsehen-in-deutschland.html


Ein Mensch, der 15 Jahre alt ist, befindet sich gewöhnlich in der Pubertät. Das digitale Fernsehen scheint hierzulande hingegen noch nicht richtig aus den Kinderschuhen herausgekommen zu sein.


Hier habe ich übrigens noch einige interessante Ausschnitte aus dem DF1-Magazin aus der Anfangszeit gefunden:

http://imageshack.us/f/518/programm1zo4.jpg/
http://imageshack.us/f/518/df1start01jx3.jpg/
http://imageshack.us/f/518/df1start02ud2.jpg/

Antworten:

Ich kann mich noch an die Demos auf der IFA damals erinnern. Da gabs unter anderem ProSieben mit 15MBit Datenrate. :eek: Heute undenkbar ein SD Programm mit einer so hohen Datenrate auszustrahlen.

von Spacelab - am 28.07.2011 08:20
Wir Haben 1998 Unsere Sat Anlage Digital Umgestellt.
Ich kann mich noch daran erinnern daswir eine WM nicht gucken konnten weil ARD/ZDF
die rechte für digital TV nicht hatte

von PowerpIay - am 28.07.2011 08:22
Hierzu fällt mir eine Anekdote meinerseits ein: Zu just dieser Zeit wollte ich einen neuen Sat Receiver mit eingebautem Videocrypt Decoder bestellen. Der dumme Händler schickte mir stattdessen für das teure geld nur einen simplen, VC-Beistelldecoder! Was soll ich damit ohne gescheiten Receiver? Bei der Beschwerde stellte er sich erstmal stur, ging dann aber auf mein erweitertes Interesse des Erwerbs einer dBox ein, wenn ich die Differenz noch zahle. Nun gut, bevor man sich in langwierige Streitereien verirrt, nahm ich die dBox und war maßlos von dem Schneckentempo des Receivers enttäuscht. Da die Box aber fast ein Alleinstellungsmerkmal war, kam en schon bald alternative Softwares heraus. Erst offizielle Kopien anderer Pay TV Anbieter und schließlich die DVB98, bzw. DVB2000. Mittels selbstgebauter Platinen umging ich die teuren "Updateservices" einiger Händler, und konnte jederzeit Bootloader und Software nach belieben austauschen. Das Modem nahm ich heraus und baute einen LWL ein, über den dann auch Dolby 5.1 funktionierte! Lange war die Box so gut brauchbar und sie leistete mir noch bis letztes Jahr gute Dienste. Seither steht sie, allerdings voll funtkionsfähig, im Keller mit Original Decoder Modul und schwarz/roter Chipkarte. Es war eins der ersten Modelle. An Pay TV hatte ich nie wirklich Interesse, der Entdeckungsfaktor des Digitalfernsehens hatte es mir mehr angetan und hier war die Box wirklich gut, konnte sogar die unmöglichsten Bitraten und schmalbandigen Feeds einstellen. Auch heute gibt es noch aktuelle Settings für DVB2000. So schlecht das eigene System war, so gut war für die damalige Zeit die Technik der dBox.

von CBS - am 28.07.2011 08:35
Das erste Mal habe ich Digital-TV kurz vor Weihnachten 1997 erlebt. Damals wurde die noch heute in Betrieb befindliche Haupt-Satanlage installiert, nachdem die seit 1991 benutzte mangels Erweiterbarkeit außer Dienst gestellt wurde. Der Händler brachte zum Test auch seine d-box mit, so dass ich zum ersten Mal BBC Prime und co. sehen konnte. Er lieh mir das Gerät samt DF1-Händlerkarte sogar über die Weihnachtsfeiertage aus. Ein paar Monate später durfte ich dann ein paar Tage lang seinen Galaxis FTA2 testen.

Offiziell zog der erste Digitalreceiver im August 1999 bei uns ein, als wir das Abo von Premiere analog auf Premiere Digital umstellen ließen. Seither waren auch unter anderem wegen Pay-TV schon einige Modelle bei uns in Betrieb, einige davon durch Premiere bzw. Arena subventioniert. Aktuell sind eine DM8000, eine DM7025 und ein Humax PDR 9700 in Betrieb.

Programmliche Highlights waren zum Beispiel die FTA-Verbreitung des MTV-Pakets von Dezember 1999 bis Februar 2000. Vor allem, da ich damals mangels Hotbird-Empfang VIVA, VIVA ZWEI und Onyx nicht sehen konnte. Auch u. a. Game One, Eins Festival und GoTV machten Digitalfernsehen für mich sehr interessant. Der letzte Analogreceiver dürfte bereits Ende 2004 außer Betrieb gegangen sein. Das einzige, was ich in der Zeit seit 1999 wirklich bereute, war der Kauf des Galaxis IQG1.

von Kreisel - am 28.07.2011 12:25
Zitat
Lahnwelle
Das digitale Fernsehen scheint hierzulande hingegen noch nicht richtig aus den Kinderschuhen herausgekommen zu sein.


Wie kommt du da drauf? Die Terrestrik ist komplett digital und die Digitalisierungsquote im Sat-Bereich ist auch schon recht ordentlich - und auch Angebot und Qualität stimmen. Klar, ein Jahr vor Abschaltung der analogen Sat-Ausstrahlung, sollte die Quote eigentlich besser sein, aber in Deutschland dauert sowas wohl immer länger als in anderen Ländern. Aber "Kinderschuhe" ist wirklich etwas übertrieben...

von DigiAndi - am 28.07.2011 12:42
Meine erste Bekanntschaft mit dem digitalen Fernsehen machte ich im September 1998. Meine Eltern haben ein 3-monatiges Probeabo von DF1 gehabt, damit einhergehend bekamen wir eine d-box 1 für Kabel. DF1 haben wir leider nicht verlängert, dafür hatten wir ab Dezember 1998 dann Premiere bis Dezember 2001. Ab Oktober 2002 hatten wir wieder Premiere, bis heute auch wenns jetzt Sky heißt.

Ich selber empfange seit September 2003 digital, und zwar über Satellit. Bis zum vergangenen Jahr nur 19,2°Ost, seitdem auch 23,5°Ost und in den kommenden Wochen wird entweder 13°Ost oder 28,2°Ost dazukommen, wenn alles läuft. Wenn das was mir geflüstert wurde stimmt und die Kabelgebühr bei der KDG um 2 EUR erhöht wird werden meine Eltern sich wohl auch an die Schüssel klemmen und nach 25 Jahren Kabel kündigen. ;) Allerdings wars schon so oft kurz davor also ich geb nichts darauf solang ichs nicht seh ;)

von htw89 - am 28.07.2011 14:33
Zitat
Lahnwelle
Das digitale Fernsehen scheint hierzulande hingegen noch nicht richtig aus den Kinderschuhen herausgekommen zu sein.

So kann man es nicht sehen, die Technik für Encoding, Übertragung und zum Empfang hat sich schon entwickelt und ist auch sehr zuverlässig. Sicher muss man auch die bekannten Nachteile in Kauf nehmen, die man sich mit der wirtschaftlicheren Nutzung der Übertragungswege einhandelt, u.a. verlustbehaftete Komprimierung, die teilweise das untere Ende der Qualitätsskala erreicht. Dass ist jedoch kein Nachteil der Technik, sondern dem Kostendruck der Anbieter geschuldet. Im Hörfunk über Sat ist es ja ähnlich: Zu Zeiten der analogen Unterträger kam keiner auf die Idee, des Signals NF-Bandbreite erheblich einzuschränken; wozu auch? In Zeiten der digitalen Übertragung und der dann möglichen Datenreduktion hingegen wurde nicht mehr die immer (und auch heute noch beworbene) Qualität in den Vordegrung gestellt, sondern die wirtschaftlichste Übertragung gewählt, was leider zum Teil erhebliche Qualitätseinbußen mit sich bringt.
Die Füllle und Qualität, insbes. HD und andere Dienste wären anders auch nie zu realisieren gewesen, aber auf der anderen Seite findet man dann Programm in minderster Webstream-Qualität und Ton auf Mittelwellenniveau...

von Radio_DDR - am 28.07.2011 15:52
Ich meine das nicht auf die Technik bezogen, sondern auf die Verbreitung. Ein großer Teil der Zuschauer schaut nach wie vor noch analog, wenn man die Gesamtzahl der Zuschauer betrachtet und nicht die einzelnen Verbreitungswege.

von Lahnwelle - am 28.07.2011 15:56
Zitat
Spacelab
Ich kann mich noch an die Demos auf der IFA damals erinnern. Da gabs unter anderem ProSieben mit 15MBit Datenrate. :eek: Heute undenkbar ein SD Programm mit einer so hohen Datenrate auszustrahlen.

Die MPEG-2 Encoder waren damals noch nicht richtig ausgereift. Unterhalb 5 Mbit/s war die Bildqualität bei Livekodierung praktisch nahezu unbrauchbar.

von Winnie2 - am 28.07.2011 17:09
Ich stand 2003 vor der Wahl einen neuen Receiver zu kaufen. Es wurde ein Kathrein UFD 430, nach dem beim TechniSat MultyMedia zuvor die Widerstände durch Wärmeentwicklung sich ausgelötet hatten. Für mich war damals vor allem ADR und VPS ausschlaggebend, kein hr3 war damals ein KO-Kriterium :D . Ersteres änderte sich erst mit dem Aufschalten des ARD-Radiotransponders auf 12266, letzteres ist für den Endanwender bisher weiterhin kein Standard, kann aber durch direkte Aufnahmen am PC inzwischen gut kompensiert werden. Eine DVB-S-Receiver habe ich mir dann etwa 2007 angeschafft. Zwischenzeitlich sind es zwei Stück geworden, sowie eine PCI-Karte aus dem Hause Technisat. Der UFD430 ist aber gelegentlich immer noch in Betrieb. In den frühen 2000er war offenbar die Bildqualität via DVB-S auch noch nicht der Brüller. Ich erinnere mich an an den RBB analog, der einmal mit dem Berliner und einmal mit dem Brandenburger Fenster zu empfangen war. Das Berliner Fenster wurde wohl via DVB-S abgegriffen - so ein grausames Bild wollte ich keinesfalls!

von Thomas (Metal) - am 28.07.2011 17:36
Zitat
Winnie2
Zitat
Spacelab
Ich kann mich noch an die Demos auf der IFA damals erinnern. Da gabs unter anderem ProSieben mit 15MBit Datenrate. :eek: Heute undenkbar ein SD Programm mit einer so hohen Datenrate auszustrahlen.

Die MPEG-2 Encoder waren damals noch nicht richtig ausgereift. Unterhalb 5 Mbit/s war die Bildqualität bei Livekodierung praktisch nahezu unbrauchbar.


Aber das ist ja noch gar nichts gegen die Datenrate von 34 MBit/s, mit denen der WDR 1992 eine terrestrische digitale Testausstrahlung von Langenberg aus durchgeführt hat. MPEG2 gab es damals noch gar nicht.

von Lahnwelle - am 29.07.2011 08:47
Welcher Encoder wurde denn damals vom verwendet? Bei der hohen Datenrate vermute ich etwas MJPEG mäßiges wie es später bei DV Video zum Einsatz kam.

von Spacelab - am 29.07.2011 08:58
Die ursprünglichen 160 MBit/s wurden mittels ADPCM auf 30 MBit/s komprimiert, dazu kommen bis zu 4 MBit/s für Ton und sonstige Daten (Steuer- und Kontrollsignale).

von Winnie2 - am 29.07.2011 09:13
Also (fast) verlustfrei komprimiert.

von Spacelab - am 29.07.2011 09:24
Zitat
Spacelab
Welcher Encoder wurde denn damals vom verwendet? Bei der hohen Datenrate vermute ich etwas MJPEG mäßiges wie es später bei DV Video zum Einsatz kam.


Der Entwickler Prof. Dr. Uwe E. Kraus äußert sich hier kurz zu dieser Testübertragung.

http://www.tv-kult.com/interviews/26-uwe-e-kraus.html

Die damals verwendeten Encoder stehen auch heute noch in den Räumen des historischen Farbfernsehversuchslabors im Institut für Nachrichtentechnik der Universität Wuppertal. Das Labor soll übrigens in naher Zukunft auch als eine Art Museum für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

von Lahnwelle - am 29.07.2011 09:45
Zitat
Spacelab
Also (fast) verlustfrei komprimiert.

Naja. Man kann ADPCM nicht wirklich als verlustfrei bezeichnen. Bei Video geht es noch einigermaßen, bei Audio würde ADPCM schon unangenehmer auffallen.

Das Auge verzeiht offenbar mehr Fehler als das Gehör.

von Winnie2 - am 29.07.2011 10:06
Nur schade das, das Digitale Fernsehen auch einige Nachteile hat was mittlerweile in HD+ und CI+ Mündet.

Zu einen sind es:

Verschlüsselung aus Profitgier oder aber aus Lizenz rechtlicher Natur.
Kopierschutz auf breiter Linie sowie die ganzen Restriktionen der CI+ & HD+ Mafia.

Wenn man sich heute Astra 19,2° Ost ansieht ist dort zu 90% der Sender Verschlüsselt.
Der Rest was offen sind, sind ÖR, Private SD Sender ( z.b. RTL und Pro7 Sat1 Group) Shoppingsender und Telemediendienste sowie Standbildkanäle.



von _Yoshi_ - am 29.07.2011 10:09
An den Start des digitalen Fernsehens in Deutschland kann ich mich auch noch erinnern. Das war damals kurz vor den Sommerferien bevor ich aufs Gymnasium kam.

Ich weiß noch wie fasziniert ich damals von der neuen Technik war. Aber wir in Deutschland waren auch etwas spät dran mit dem Start von DVB-S, in Frankreich gab es ein Jahr vorher schon Canal Satellite Digital und in den USA gab es schon seit 1993 DirecTV digital.

Interessant ist auch wie alle jetzt die d-Box loben, wie gut die war...Ich habe noch INFOSAT Ausgaben von 1997 und 1998, dort wurde damals die d-Box in der Luft zerfetzt. Von damals schon veralteter Technik war die Rede, die langen Umschaltzeiten und häufige Abstürze wurden stark kritisiert.

von BetacamSP - am 29.07.2011 10:25
@ Yoshi2001

Zitat

Nur schade das, das Digitale Fernsehen auch einige Nachteile hat was mittlerweile in HD+ und CI+ Mündet.


Das wäre aber auch gekommen, wenn wir noch analoges Fernsehen hätten. Schon in den 90ern setzte sich in vielen Ländern die Grundverschlüsselung der Satellitenprogramme durch. Siehe zum Beispiel Skandinavien. Da wurden alle Satellitenprogramme in D2-MAC Eurocrypt verschlüsselt.

Man hat halt den Satellitendirektempfang als soetwas wie einen drahtlosen Kabelanschluß deklariert und zockt die Zuschauer für die Werbemüllprogramme noch ordentlich ab. Es ist halt nur so, daß das in Deutschland einfach nicht funktionieren will. Keiner der beiden damaligen "Großen" - eben Bertelsmann und Kirch - wagte den ersten Schritt zur Grundverschlüsselung. Denn sie wußten sehr wohl, daß das nur funktionieren würde, wenn der jeweils andere sowie die ganzen kleineren Anbieter (Tele München, Viacom...) mitzieht.

Diese ganze Verschlüsselei liegt also nicht an der digitalen Übertragung, sondern an der Profitgier bestimmter Konzerne und Medienbosse.



@ BetacamSP

Zitat

Aber wir in Deutschland waren auch etwas spät dran mit dem Start von DVB-S, in Frankreich gab es ein Jahr vorher schon Canal Satellite Digital und in den USA gab es schon seit 1993 DirecTV digital.


Das erste hierzulande digitale Paket dürfte seit 1993 das Orbit-Paket gewesen sein. Die sendeten damals in MPEG-1.5 und PowerVu als Verschlüsselung und Übertragungsstandard.


Zitat

Interessant ist auch wie alle jetzt die d-Box loben, wie gut die war...Ich habe noch INFOSAT Ausgaben von 1997 und 1998, dort wurde damals die d-Box in der Luft zerfetzt. Von damals schon veralteter Technik war die Rede, die langen Umschaltzeiten und häufige Abstürze wurden stark kritisiert.


Das lag halt an der Firmware.

Daß die d-box 1 bei ihrer Einführung veraltet gewesen sein soll, kann ich nicht so ganz nachvollziehen. MPEG-2 wurde Ende 1994 entgültig standardisiert. Da ging die Entwicklung von Schaltkreisen und DVB-S-Empfängern eigentlich sehr schnell, wenn zwei Jahre später die Receiver schon in den Regalen standen.


von Kay B - am 29.07.2011 13:28
In Skandinavien ist sogar per DVB-T heute fast alles verschlüsselt. Außer die ÖR ist dort fast alles dicht und PayTV.

von Terranus - am 29.07.2011 13:32
Was gab es denn damals im Orbit-Paket zu sehen? Gibe es da irgendwo weitere Infos drüber?

von Spacelab - am 29.07.2011 13:37
@ Spacelab

Zitat

Was gab es denn damals im Orbit-Paket zu sehen? Gibe es da irgendwo weitere Infos drüber?


Das ist ein arabischer Anbieter, der das meiste allerdings im Originalton und untertitelt ausgestrahlt hatte.


von Kay B - am 29.07.2011 14:19
Zitat
Ein Mensch, der 15 Jahre alt ist, befindet sich gewöhnlich in der Pubertät. Das digitale Fernsehen scheint hierzulande hingegen noch nicht richtig aus den Kinderschuhen herausgekommen zu sein.


Liegt alles im Auge des Betrachters.
Mit DF1 bin ich auf Digital-TV umgestiegen.

Nach mehr als 10 Jahren ausschließlich digital-TV gucken habe ich für mich natürlich inzwischen den Eindruck, es sei schon immer und ewig so gewesen und läääängst zum Standard und Hauptweg gereift.

Deswegen fühlte ich mich damals bei der Entavio/Dolphin Werbung, nach dem Motto, jetzt auf das neue Produkt Digital-TV umsteigen, besonders veräppelt.

Von digitaler Pubertät ist in mir nichts mehr zu spüren, eher von gereifter Normalität.

Terrestrisch gibt es nur noch Digital.

Es bleibt das Kabelfernsehen, wo klar ist, dass nur wegen der unverschämten Verschlüsselung und Entschlüsselung per Bezahlung pro Gerät die Marktdurchdringung wesentlich geringer ausfällt, als bei Sat.

Dabei gibt es im Kabel nicht einmal so ein Argument wie die Beschränkung auf ein Land - Schutz vor ausländischen Mitguckern^^.
Da ging es den beteiligten Firmen nur um so ein Quatsch wie "wer erhält wieviel Kohle und von wem", sowie darum, den Leuten ihre Grundrechte zu nehmen, frei aufzuzeichnen, wann und wie sie wollen.

Im Kabel könnten alle FreeTV-Programme auch free sein und bleiben, eigentlich noch eher, als bei Sat.
Eine Abgabe pro Haushalt reicht auch, egal ob 1 oder 4 TVs im Haushalt stehen.
Das ist den Leuten bei der GEZ schon zu viel, also warum sollten sie im Kabel zu den extremen Monatskosten noch pro Gerät zusätzlich bezahlen.

Hinzu kommt die Stromverschwendung, die dadurch entsteht, dass pro Gerät entschlüsselt werden muss, das kostet auch Rechenleistung und macht die Umschaltzeiten künstlich lang.
Nebenbei waren und sind Reciever, die einen Karten oder CI-(+)Slot bieten teurer.


von Matthias K. - am 29.07.2011 15:08
@ Matthias K.

Zitat

Deswegen fühlte ich mich damals bei der Entavio/Dolphin Werbung, nach dem Motto, jetzt auf das neue Produkt Digital-TV umsteigen, besonders veräppelt.


Genau das war halt auch so ein Problem, daß einige Programmanbieter den Übergang von analog auf digital auch gerne gleich zu einem Übergang zur Grundverschlüsselung nutzen wollten. Sie wollten damit das deutsche Fernsehsystem dem Fernsehsystem anderer Länder (= alle privaten Sender grundverschlüsselt) anapssen.

Das führte leider dazu, daß nicht wenige Leute glaubten, analog = unverschlüsselt und digital = verschlüsselt.


Zitat

Im Kabel könnten alle FreeTV-Programme auch free sein und bleiben, eigentlich noch eher, als bei Sat.
Eine Abgabe pro Haushalt reicht auch, egal ob 1 oder 4 TVs im Haushalt stehen.


Die Kabelanbieter versuchen da halt auch, das Maximale an Gewinn rauszupressen. Denen geht es nicht darum, die analogen Kanäle so schnell wie möglich zu räumen, sondern keinen massenhaften Empfang mit FTA-Receivern im Digitalbereich aufkommen zu lassen. Die wollen halt, daß jeder Haushalt einen Digitalreceiver mit dem jeweiligen Verschlüsselungssystem des Anbieters stehen hat. Und wenn er erstmal eine Karte hat, dann ist die Hürde zum Abonnement teuerer Kanäle kleiner, als wenn ein FTA-Receiver vorhanden ist.

Außerdem kann man den Konsumenten damit pro Gerät abzocken und verhindert, daß in der Wohnung mehrere Geräte am selben Kabelanschluß hängen.


Zitat

Da ging es den beteiligten Firmen nur um so ein Quatsch wie "wer erhält wieviel Kohle und von wem", sowie darum, den Leuten ihre Grundrechte zu nehmen, frei aufzuzeichnen, wann und wie sie wollen.


Das können sie auch gerne tun. Die Frage ist nur, wer sich solche Einschränkungen für so einen Mehrpreis gefallen läßt. Denn die Gewohnheiten aus VHS-Zeiten (aufzeichnen was man will und die Werbung überspringen) wird man wohl kaum jemandem austreiben können.

Kriminell wird das ganze nur, wenn Digital-TV im Kabel an irgendwelche Knebelverträge gebunden ist, aus denen man mittelfristig nicht mehr rauskommt. Da muß dann wirklich der Gesetzgeber eingreifen.


Zitat

Das ist den Leuten bei der GEZ schon zu viel, also warum sollten sie im Kabel zu den extremen Monatskosten noch pro Gerät zusätzlich bezahlen.


Eben, wir Deutschen sind es nicht gewohnt, für Fernsehen neben der GEZ-Gebühr noch irgendwas zu bezahlen. Und solche Gewohnheiten lassen sich nur schwer austreiben.


Zitat

Nebenbei waren und sind Reciever, die einen Karten oder CI-(+)Slot bieten teurer.


Die Kabelreceiver, die ich bisher so gesehen habe, waren sowieso meist irgendwelche einfachen Geräte. Schon blöd, wenn man ein DVB-C-Programm auf einem Fernseher mit 1920 x 1080 Pixeln über ein PAL-Signal ansteuert.


von Kay B - am 29.07.2011 15:35
Zitat
Kay B
Das erste hierzulande digitale Paket dürfte seit 1993 das Orbit-Paket gewesen sein.


Welches Orbit Paket? Davon habe ich noch nie gehört. Überall liest man dass der Start des digitalen Fernsehens in Deutschland am 28.07.1996 erfolgte. Natürlich gab es vorher Testausstrahlungen, aber der offizielle Start war am 28.07.1996.

Die INFOSAT meinte damals übrigens, dass die Mediabox, die Premiere Digital damals an Testhaushalte vermietete, die bessere Alternative zur d-box gewesen wäre.

von BetacamSP - am 29.07.2011 16:41
In der Zeitschrift "Video" wurden auch mal beide Boxen verglichen. Ich weiß noch das die Mediabox haushoch gegen die dBox1 gewonnen hatte. Aber wie in der Biografie von Kirch zu lesen war hatte Nokia ganze Lagerhallen voll mit dBoxen weil man sich damals verspekuliert hatte. Und genau dieses nutze Kirch aus und bekam die Boxen damals für nen Appel und en Ei.

von Spacelab - am 29.07.2011 16:46
Häh? Meinen Informationen nach bestellte Kirch völlig überhastet 1 Million d-boxen bei Nokia und blieb dann lange Zeit auf diesen sitzen...

von BetacamSP - am 29.07.2011 16:56
Oje das ist jetzt eine ziemlich komplizierte Angelegenheit. Kirch, bzw. dessen Schreiberling, beschrieb die ganze Sache so: Kirch beauftragte Nokia ein digitales Empfangsgerät nach seinen wünschen zu entwickeln. Nokia nahm ein (fast?) fertiges Gerät und entwickelte eine Firmware die weitestgehend den wünschen von Kirch entsprach. Kirch tönte und frohlockte dass das die Zukunft des Fernsehens sei und irgendwelche Statistiker, Analysten und weiß der Geier welche Zahlendreher sonst noch dabei waren, einen Absatz von über 1 Million Geräte innerhalb von X Monaten voraussahen. Bei Nokia wurde man hellhörig und überlegte schon eine gewisse Menge an Geräten vorzuproduzieren um Lieferengpässen aus dem Weg zu gehen. Hier trat Leo aber noch einmal nach und meinte das er nur einen Vertrag unterschreiben würde wenn man ihm garantieren könne das es zu keinen Lieferengpässen kommen würde. Darüber hinaus bestand er darauf das er nur so eine Art "Reseller" sein werde. Der Digitalreceiver Hersteller würde also nur über ihn sein Geschäft abwickeln. Der Hersteller der Mediabox war dazu nicht bereit denn wenn das mit dem Digital TV floppen würde, würde dieser auf seinen teuren Boxen sitzen bleiben. Nokia hingegen lies sich von den vollmundigen Reden und vor allem den anfangs hohen Preisen die Kirch für die Box an Nokia weiterleiten wollte blenden. Man produzierte dBoxen ohne Ende bis die Lagerhallen voll waren. Und als es dann losging mit DF1 war die Ernüchterung groß. Die Boxen verkauften sich mehr als schleppend. Nokia bekam jetzt ein riesen Problem mit seinen Aktionären die mit hochdruck zum sofortigen Handeln aufforderten. Und genau dieses nutzte Leo Kirch aus und setzte neue Verhandlungen an. Als Leo mit verhandeln fertig war waren die Nokia Aktien an einem Tiefpunkt angelangt und Nokia verscherbelte die Boxen für nen Appel und en Ei an Kirch. Das dieser ganz direkt Schuld war an einer der größten Arbeitsplatzabbauten in der Nokia Firmengeschichte und der Konzern damals nur knapp am Ruin vorbeigeschlittert ist, machte ihm nach eigener Aussage(!) keinerlei schlaflose Nächte. Ganz im Gegenteil. Er wälzte die Schuld auf Nokia ab die einfach nur schlecht verhandelt hätten und sich von nüchternen Zahlen haben blenden lassen ohne den gesunden Menschenverstand zu benutzen. Analysten haben damals gesagt das wenn Nokia nicht so eine hervorragend laufende Handysparte gehabt hätte, wäre der Konzern höchst wahrscheinlich pleite gegangen.

von Spacelab - am 29.07.2011 18:23
Ich bin seit 1999 "digital". Zunächst mit einem Umzug die d-box geholt und dann 3 Jahre DVB-C geschaut. Seit 2002 dann DVB-S. Analog seitdem gar nicht mehr!

von Free Speech - am 29.07.2011 18:41
@Spacelab

Danke für die ausführliche Erklärung. Da sieht man mal wieder, dass Kirch eben ein brillianter aber auch knallharter Geschäftsmann war.

von BetacamSP - am 29.07.2011 20:11
@ BetacamSP

Zitat

Welches Orbit Paket? Davon habe ich noch nie gehört. Überall liest man dass der Start des digitalen Fernsehens in Deutschland am 28.07.1996 erfolgte. Natürlich gab es vorher Testausstrahlungen, aber der offizielle Start war am 28.07.1996.


Das Orbit-Paket war für den arabischen Markt bestimmt.

Siehe zum Beispiel:
http://forum.digitalfernsehen.de/forum/auslaendische-sender-pay-tv-international-erotik-pay-tv/42630-espn-orbit.html
http://www.satinfo.dk/pdf/test0301.pdf

Bis circa 2003 sendete man in MPEG-1.5 und PowerVu als Verschlüsselung und Übertragungssystem. MPEG-1.5 war MPEG-1 in FCC- bzw. CCIR-Auflösung (480 bzw. 576 Zeilen). Diese Bezeichnung benutzte man wahrscheinlich, da MPEG-1 damals meist mit VCD-Auflösung (352 x 240 @ 29,97 fps bzw. 352 x 288 @ 25 fps) benutzt wurde und man es davon abgrenzen wollte.

Als Receiver für das Orbit-Paket gab es den Scientific Atlanta D9232 und den CDR960.

Dann stellte man auf DVB-S mit MPEG-2 und Mediaguard als Verschlüsselung um.



@ Spacelab

Sehr interessante Informationen! :spos:

Zitat

Ich weiß noch das die Mediabox haushoch gegen die dBox1 gewonnen hatte.


Die Mediabox konnte aber nur 22 MSymb/s und 27,5 MSymb/s verarbeiten. Oder hatte man das mit einer neuen Firmware irgendwann mal abgeändert?

Ich glaube, die d-box 1 konnte dann sogar unter betanova schon SCPC.


Zitat

Und als es dann losging mit DF1 war die Ernüchterung groß. Die Boxen verkauften sich mehr als schleppend.


Nokia und später auch Mascom boten zur d-box 1 (fast) baugleiche Receiver an. Das waren der Mediamaster 9200, der Mediamaster 9500 und der Mediamaster 9600. Dann hatte man diese Modelle wahrscheinlich aus den überdimensionierten Beständen der d-box I gefertigt.


von Kay B - am 29.07.2011 21:33
Der Mediamaster 9500 war die d-box ;)

von BetacamSP - am 29.07.2011 21:49
Die d-box war mit Originalsoftware wirklich grausam zu bedienen. Ich frage mich noch heute, wie meine Eltern es geschlagene 5 Jahre und vier Monate mit der Kiste aushielten. Man muss aber dazu sagen, dass die Box meist nur von ihnen für Premiere genutzt wurde. Der Rest wurde nach wie vor mit dem danebenstehen Analogreceiver geschaut. DVB2000 kam wegen der englischen Sprache leider nie für meine Eltern in betracht. 2004 wurde deren Kombi aus d-box 1 und Analogreceiver von Radix dann gegen einen Diginova 2P von Telestar eingetauscht, den ich ihnen zusammen mit meinen beiden Brüdern zu Weihnachten schenkte. Danach kamen für sie das Arena-Modell von Technisat (DigitSat 1), ein gebrauchter Topfield TF 4000 PVR und bis heute meine DM 7025. Bei mir ging es in folgender Reihenfolge: Galaxis IQG1, Humax BTCI 5900, d-box 2 (als Zweitgerät), Humax PDR 9700 (ersetzte den BTCI 5900), DM 7025 (degradierte den PDR 9700 zum Zweitgerät), Vantage HD 6000 S (ersetzte den PDR 9700, der zu meinem Bruder wanderte), DM 8000 (ersetzte DM 7025, die zu meiner Mutter wanderte und den Vantage HD 6000 S, der noch einen Käufer sucht).

von Kreisel - am 30.07.2011 12:54
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