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DVB-T bald vor dem Aus?

Startbeitrag von Wiesbadeneram 11.01.2012 08:06

Okay, die Überschrift ist wohl mal wieder etwas reißerisch, aber Anlass zur Sorge gibt es schon: Im Europäischen Parlament wurde inzwischen schon die Aufgabe der UHF-Kanäle 49-60 durch das Fernsehen besprochen. Die EU-Kommision sollte die freie Hand bekommen, ab 1.1.2015 diese Frequenzen für den Mobilfunk (LTE) umzuwidmen. Es wäre nach den Verlusten der VHF-Bänder I und III und Teilen des UHF-Bereich (Kanäle 61 bis 69) der vierte Frequenzverlust für das terrestrische Fernsehen in Folge. Ich sehe nicht dass alle deutsche Kanäle in den Bereich 21 bis 48 reingepresst werden können. Es sei denn man macht landes- oder gar bundesweite (ZDF) Riesen-SFNs, was aber technisch kaum realisierbar ist. Von Frequenzen für DVB-T2 will ich gar nicht erst reden.
Die 50 interessantesten Antworten:
@ transponder

Zitat

In Berlin bzw. den eigentlich zuständigen Ländern wird von den Mobilfunkern massiv Lobbyarbeit betrieben, um ARD und ZDF in einem künftigen Rundfunkänderungsstaatsvertrages die Benutzung von terrestrischen Fernsehübertragungen für ihre Sender zu untersagen.


Das ist sehr gut möglich, daß die Mobilfunklobby das beabsichtigen. Wenn das aber so umgesetzt wird, dann sägt man ARD und ZDF ihren Grundversorgungsauftrag ab.


Zitat

Meine Prognose: Es wird in Deutschland keine Umstellung auf DVB-T2 kommen, sondern im Gegenteil die komplette flächendeckende Einstellung der drei Muxxe von ARD+ZDF.


Ich sehe das auch so, daß das in Deutschland mit DVB-T2 nichts wird. Die bisherigen DVB-T-Nutzer werden sich kräftig verarscht fühlen, in einer neue Technik investieren zu müssen, die nicht ihnen, sondern den Mobilfunkern einen Mehrwert bringt.


Zitat

Dem terrestrischen, funkbezogenen Internetzugang wird von der gesamten Politik eindeutig der Vorrang gegenüber Rundfunk eingeräumt werden.


Ist auch sinnvoll. Das kann man aber so umsetzen, daß man ein möglichst kleinzelliges und damit frequenzökonomisches Netz aufbaut.


Zitat

SES und die Kabelnetzbetreiber können sich freuen. Sie werden in Zukunft diktieren, unter welchen Bedingungen ARD+ZDF über ihre Netze ihre Sendungen ausstrahlen können. Das Thema Verschlüsselung, gerade über Astra, wird dann wieder auf die Tagesordnung kommen.:mad:


Da stellt sich dann die Frage, wer überhaupt noch TV-gebührenpflichtig ist. Alleine die Bereitstellung eines Fernsehgerätes dürfte da nicht mehr reichen.



@ Nordi

Zitat

In den USA und Italien (vielleicht auch woanders) gab es dort 3-4 Programme.


In Italien ging es wohl schon immer darum, möglichst viele Programme in einem vorhandenen Frequenzbereich unterzubringen.

In den USA haben die Sender keinen Grundversorgungsauftrag und müssen somit nicht in jedem Winkel empfangbar sein. Deshalb gibt es da kaum Umsetzer und die vorhandenen Frequenzbänder sind nicht so stark belegt.


Zitat

In Hessen gab es privat-TV mit hoher Sendeleistung nur von einem Standort. Meiner Meinung nach könnte man auch bis Kanal 49 eine gescheite Programmauswahl bieten.


Häh? Meinst du jetzt RTL und Sat.1 damals analog aus Kassel?

von Kay B - am 11.01.2012 09:25
Zitat
Kay B
Ich vermute mal, diese Frequenzen sind ihnen zu hoch. Dort müssen sie ein sehr engmaschiges Netz aufbauen, was prinzipiell gut, da frequenzökonomisch, aber denen zu teuer wäre. Dann bräuchte man mindestens alle paar Kilometer eine Mobilfunkzelle.

Die Mobilfunkanbieter denken hier leider in viel zu kurzen Zeiträumen.
Was bringen nun 80 MHz mehr Bandbreite für den Mobilfunk im UHF-Band? Das ist eine Lösung welche die Kundennachfrage für die nächsten 5 bis allerhöchstens 10 Jahre überbrücken kann, mehr allerdings auch nicht.
Es gibt keine Alternative zum Ausbau mit mehr Basisstationen. Mehr Basisstationen bedeutet allerdings auch eine höhere Dichte und kleinere Funkzellen. In kleineren Funkzellen können höhere Frequenzen genutzt werden, da steht dann ohnehin mehr Bandbreite zur Verfügung als im UHF-Band.
Warum bauen die Mobilfunkanbieter nicht einfach an den "Hotspots" – also den Gebieten mit hoher Nachfrage – die Versorgung mit LTE 2600 aus?
Es gibt bereits Endgeräte für LTE 2600. Mal abgesehen davon dass für neue Frequenzbereiche dann wieder neue LTE-Endgeräte bei den Nutzern erforderlich wären.
Falls da nur wenige Länder mitmachen bei der Ausdehnung des LTE-Frequenzbandes im UHF-Bereich, spielen dann überhaupt die Gerätehersteller mit?

Wenn DVB-T mit weniger Kanälen auf Sendung bleibt, dann würde LTE den DVB-T Empfang trotzdem stören ohne neue HF-Filter bei den DVB-T-Empfangsgeräten. Das würde viele Bestandsgeräte betreffen.

Zitat
Kay B
Den Mobilfunkern wird wohl sehr viel daran liegen, ihre bestehenden Mobilfunkzellenstandorte weiter zu nutzen. Und das geht dann nur über niedrigere Frequenzen.

Ja, und sich die Kosten für weitere Standorte für Basisstationen zu sparen, deshalb soll zusätzliche Übertragungskapazität über zusätzliche Frequenzen bereitgestellt werden statt über zusätzliche Basisstationen. Ist für die Anbieter deutlich günstiger.
Wäre allerdings nur eine kurzfristige Abhilfe. Ok, ich wiederhole mich.

Zitat

Eine Umstellung auf DVB-T2, nur um den Mobilfunkern Platz zu machen, käme schon fast einer Abschaltung des terrestrischen Fernsehens gleich. Denn bisherige DVB-T-Nutzer werden einem was sche*ßen, wenn sie auf DVB-T2 umstellen sollen ohne einen Mehrwert dafür zu bekommen.

Ja, v.a. könnte terrestrisch nur mit hohem Aufwand auf HDTV-Ausstrahlung umgestellt werden (Ausdehnung von Gleichwellennetzen, Anpassung der Sendernetze, engere Kanalwiederbelegung), denn der Umstieg auf DVB-T2 und H.264 o. HEVC reicht alleine nicht aus um die gleiche Anzahl (wie derzeit) an TV-Programmen in HD-Bildqualität auszustrahlen falls auch noch TV-Kanäle aus dem Rundfunkfrequenzband wegfallen sollten.

von Winnie2 - am 11.01.2012 17:49
Die Gegenargumente, die hier vorgebracht werden, kommen aus einer vergangenen Welt. Unsere Politiker haben nun mal EUR-Zeichen dort, wo andere Pupillen haben - ganz besonders die in Brüssel.
.
Am 16. Dezember gab es in Brüssel ein Workshop des RSPP der EU mit dem Titel "Promoting the shared use of radio spectrum resources in Europe".

Zitat

In this workshop hosted by the European Commission, SCF Associates Ltd, a consortium of independent consultants, presented the preliminary results of their study on shared spectrum access carried out for the European Commission. Stakeholders were invited to discuss the key findings of the study with the authors Simon Forge, Robert Horvitz and Colin Blackman.

The results of the study as well as the discussions in the workshop will be important contributions to the ongoing preparations of a Commission initiative in 2012 to promote the shared use of spectrum resources. The workshop slides and the programme are available.


http://ec.europa.eu/information_society/policy/ecomm/radio_spectrum/activities/index_en.htm#Workshops/Events

In zwei Präsentationen wird das Konzept vorgestellt:

1) How can we promote the shared use of radio spectrum resources in Europe? FINDINGS

2) Perspectives on the value of shared spectrum access - Recommendations and Next Steps

http://ec.europa.eu/information_society/policy/ecomm/radio_spectrum/_document_storage/other_docs/shared_use_workshop20111216/shared_use_ws_slides_2011.zip

Das Zauberwort heißt also "Geteilter bzw. gemeinsamer Zugang zum Spektrum" --> Keine Exclusivität in der Nutzung einzelner Bänder, sondern alles ist erlaubt, Restriktionen nur, um Interferenzen zu verhindern. Das alles soll bis 2020 aufgebaut sein (nach der Vorstellung dieser Leute - oder kommt es doch anders?).

Ein Schlüsselbild (Seite 19 des 2. Vortrags):

                   ----------------------------------------------------------------
| Recommend new approach - a new strategy for spectrum usage |
| and its management is required – with a new legal regime |
----------------------------------------------------------------
----------------------------- -----------------------------
| Traditional regime of | | The new regime |
| spectrum regulation | | |
| • Forbid everything | --> | • Allow anything |
| • Only permit explicit | | • Only forbid in explicit |
| exceptions | | cases |
----------------------------- -----------------------------

Regulator's role: Controller and commander Co-ordinator and facilitator

Decision criteria: How many users How much interference

Economics & Marketable property – Publicly owned commodity -
legal status: restricted economic benefit widespread economic benefit
from sale to ‘owner’ from sharing


von Manfred Z - am 11.01.2012 21:48
Zitat
Spacelab
Solch hohe Frequenzen haben auch erhebliche Schwierigkeiten in Häuserschluchten...

In Häuserschluchten gibt es Empfangsprobleme bei einem breiten Spektrum von Funkfrequenzen.

Zitat
Spacelab
...auch die Fahrgastzelle eines Autos schirmt da ziemlich ab.

Aussenantenne(n) verwenden?

Zitat
Spacelab
So hohe Frequenzen sind von den Ausbreitungsbedingungen her immer suboptimal.

Bei hohen Frequenzen ist mehr Bandbreite verfügbar und die Ausbreitungsbedingungen wären sogar günstig um kleinere Funkzellen zu ermöglichen.


Zitat
Hagen
...eine effektive Nutzung für Internetbasiertes individuelles Streaming mit Multicast-Nutzung durchaus seinen Charme...

Individuelle Streams u. Multicast
Das ist allerdings in den meisten Nutzungs-Fällen ein Widerspruch. Entweder nutzen mehrere Leute die gleichen Daten, dann ist es allerdings nicht mehr individuell oder jeder nutzt einen eigenen Stream, dann wird kein Multicast gebraucht.

Lässt man für jeden Nutzer die individuelle Auswahl bzw. freien Zugriff auf das Internet zu dann müssen die Mobilfunknetze für diese Datenmengen ausgelegt sein.
Bislang wird dieses Problem von Seiten der Mobilfunkbetreiber durch monatl. Limits beim Datentraffic begegnet.


Zitat
drahtlos
Deutschland hat mit DVB-T2 das gleiche Problem wie England mit DAB+.

Über DVB-T2 terrestrisch in HD senden, das wäre für einige Leute sicherlich ein Anreiz darauf umzusteigen. Die ÖR haben für dieses Szenario bereits Pläne in ihrer Schublade liegen.

Zitat
drahtlos
LTE und seine Nachfolger werden finanziert von der GEZ. Man bekommt eine Flatrate (oder eine hohe Maximal-Rate) gratis. Damit müsste man die ganze terrestrische Radio- und TV-Verbreitung neu überdenken.

Sowas halte ich bei den ÖR für eher ausgeschlossen. Möglicherweise bei den Privaten, da könnte ich mir sowas vorstellen.

Zitat
drahtlos
Na ja, vielleicht reichen die zu Verfügung stehenden Frequenzen und Datenraten für 10-100 Millionen Benutzer - sowie die ganze Infrastruktur dahinter - niemals für einen reibungslosen LTE-Betrieb. Hoffen können wir ja noch;-).

Wärst du auch bereit die dann notwendigen vier, fünf (oder noch mehr) Mobilfunk-Basisstationen in der unmittelbaren Nähe deiner Wohnung zu akzeptieren?


Zitat
Manfred Z
Das Zauberwort heißt also "Geteilter bzw. gemeinsamer Zugang zum Spektrum" --> Keine Exclusivität in der Nutzung einzelner Bänder, sondern alles ist erlaubt, Restriktionen nur, um Interferenzen zu verhindern.

Da werden sich allerdings viele Besitzer von Bestandsgeräten freuen, weil die bisherigen Geräte ganz einfach nicht für die neuen Anforderungen gebaut wurden.
Ich bin jedenfalls mal gespannt in welchem Umfang dann Einschränkungen notwendig werden. Ich vermute jedenfalls viele davon werden nötig sein.

von Winnie2 - am 11.01.2012 22:08
Zitat
Spacelab
Willst du damit sagen das es ja dann nicht so schlimm ist und wir ruhig noch weitere Frequenzbänder in Betrieb nehmen sollten die ebenfalls in Häuserschluchten Probleme haben? :rolleyes:

Nein, das möchte ich damit nicht sagen. Im Bereich unterhalb 2 GHz werden ohnehin bereits alle Frequenzen für irgendwelche Funkdienste genutzt. Bei höheren Frequenzen muss es nicht zwangsläufig mehr Interferenzen geben.

Zitat
Winnie2
Erstmal ein Mobiltelefon haben das noch einen Antennenanschluss hat. Und dann mal schauen wie viele noch gewillt sind sich eine zusätzliche Antenne aufs Auto zu pappen inklusive Kabel verlegen. Ne das bekommst du heute keinem mehr verkauft.

Nur ist die Benutzung eines Mobiltelefons oder Funkgerätes allgemein im Auto ohne Aussenantenne einfach keine gute Idee.
Ich finde es auch nicht gut dass die Telefone über keinen Anschluss mehr für eine Antenne verfügen. Vielleicht sollten Autos zukünftig vom Werk aus einen kleinen Repeater für Mobilfunk eingebaut erhalten. Im Auto wird ohnehin eine Freisprechanlage für Telefonate benötigt, da können die Hersteller zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Ein WLAN-Minihotspot im Auto für Notebooks & Co. ist ebenfalls keine Utopie mehr.

Zitat
Spacelab
Zitat
Winnie2
Bei hohen Frequenzen ist mehr Bandbreite verfügbar und die Ausbreitungsbedingungen wären sogar günstig um kleinere Funkzellen zu ermöglichen.

Aber genau das ist es ja was die Mobilfunker NICHT wollen. Kleine Funkzellen kosten nämlich mehr Geld.

Früher oder später müssen die einfach die Zahl der Basisstationen vergrößeren weil die Leute unterwegs einfach immer mehr Daten übertragen wollen.
Je größer der Frequenzbereich ist den die Geräte unterstützen desto aufwendiger werden die Geräte u. damit teurer. Nicht unbedingt beim Empfang, aber beim Senden.
Ein begrenzter Frequenzbereich bei denen die Geräte senden können würde verhindern dass diese zu aufwendig würden.
Und falls die Broadcastdienste beträchtlich zurückgefahren werden könnte es dann lauten: Für Nachrichten u. Unterhaltung ein Abo abschließen u. regelmäßig zahlen oder darauf verzichten.

von Winnie2 - am 11.01.2012 23:26
Man darf Deutschland nicht allein betrachten.

In der EU wird nichts entschieden, das gegen die Interessen wichtiger Mitgliedsländer wie Frankreich verstößt. Deshalb ist die Abschaltung des terrestrischen Fernsehens auch kein Thema.

Im Beschluss (Decision) zur Einrichtung des "Radio Spectrum Policy Programme" heißt es in den Punkten zur Erläuterung:

"While broadcasting will remain an important platform for distributing content as it is still
the most economical platform for mass-distribution, wired or wireless broadband and other
new services provide new opportunities for the cultural sector to diversify its range of
distribution platforms, to deliver on-demand services and to tap into the economic potential
of the major increase in data traffic." [Punkt 26]

Während in Frankreich demnächst zwei neue Multiplexe eingerichtet werden sollen (mit den Frequenzen, die durch die Analogabschaltung frei geworden sind), dümpelt das System in Deutschland vor sich hin.

Es wird aber gefordert, dass das Spektrum in jedem Land effektiv genutzt werden soll. Dazu werden die Mitgliedsländer verpflichtet, den gesamten Frequenzbereich von 400 MHz bis 6 GHz zu untersuchen und ein Bestandsverzeichnis zu erstellen. Frequenzhortung soll untersagt werden (das steht auch schon im deutschen TKG).

"The establishment of an inventory of existing spectrum use together with an analysis of
technology trends, future needs and demand for spectrum, in particular between 400 MHz
and 6 GHz, should allow the identification of frequency bands in which efficiency could be
improved, and of spectrum-sharing opportunities, to the benefit of both the commercial and
public sectors. [...]" [Punkt 16]

Zur Erreichung der Ziele beim "Wireless Broadband" (30 Mbps für jeden EU-Bürger bis 2020 [Hört, Hört]) sollen neue Bänder durch effektivere Nutzung gefunden werden:

"In order to focus on the priorities of this multi-annual programme, Member States and the
Commission should cooperate to support and achieve the objective of enabling the Union
to take the lead in wireless electronic communication broadband services by freeing up
sufficient spectrum in cost-efficient bands for those services to be widely available." [Punkt 27]

Die Nutzung des schon von anderen Diensten befreiten (?) 800-MHz-Bandes soll spätestens 2013 beginnen. [Punkt 23]

von Manfred Z - am 15.01.2012 17:55
30 Mbps für jeden Bürger ist noch nicht alles. Die Phantasten reden sogar von 100 Mbps für jeden zweiten EU-Haushalt:

"This Programme should, in particular, support the Europe 2020 Strategy, given the huge
potential of wireless services to promote a knowledge-based economy, develop and assist
sectors relying on information and communications technologies and overcome the digital
divide. The growing use of, in particular, audiovisual media services and online content is
increasing demand for speed and coverage. It is also a key action in the Digital Agenda for
Europe, which aims to deliver fast broadband internet in the future network- and
knowledge-based economy, with an ambitious target for universal broadband coverage.
Providing the highest possible wired and wireless broadband speeds and capacity
contributes to achieving the target of access to broadband at a speed of not less than 30
Mbps for all by 2020 with at least half of Union households having access to broadband at
a speed of at least 100 Mbps, and is important for fostering economic growth and global
competitiveness, and necessary to achieve the sustainable economic and social benefits of
a single digital market. It should also support and promote other Union sectoral policies
such as a sustainable environment and economic and social inclusion for all Union citizens.
Given the importance of wireless applications for innovation, this Programme is also a key
initiative in support of Union policies on innovation." [Punkt 8]

"This Programme should lay the foundations for a development whereby the Union can take
the lead regarding wireless broadband speeds, mobility, coverage and capacity. Such
leadership is essential in order to establish a competitive single digital market working to
open up the internal market for all Union citizens." [Punkt 9]

Wie heißt das doch? Richtig: "Hochmut kommt vor dem Fall."

"This Programme should specify guiding principles and objectives up to 2015 for
Member States and institutions of the Union, and set out specific implementation
initiatives. While spectrum management is still largely a national competence, it should be
exercised in compliance with existing Union law and allow for action to pursue Union
policies." [Punkt 10]

von Manfred Z - am 15.01.2012 18:25
Zitat
Manfred Z
...dass das Spektrum in jedem Land effektiv genutzt werden soll. Dazu werden die Mitgliedsländer verpflichtet, den gesamten Frequenzbereich von 400 MHz bis 6 GHz zu untersuchen und ein Bestandsverzeichnis zu erstellen. Frequenzhortung soll untersagt werden...

Ich denke dass es darum geht die Frequezbänder stärker als bislang für sekundäre Nutzungen zu öffnen. Mit weiter fortschreitenden technischen Möglichkeiten (z.B. Cognitive Radio) ist es möglich die verfügbaren Frequenzen besser als derzeit zu nutzen.
Cognitive Radio bedeutet dass die Geräte die Eigenschaften und Bedingungen der Primärnutzung der Frequenzen berücksichtigt und die Sekundärnutzung sich sehr flexibel der primären Nutzung der Funkfrequenzen anpasst.

Zitat
Manfred Z
Zur Erreichung der Ziele beim "Wireless Broadband" (30 Mbps für jeden EU-Bürger bis 2020 [Hört, Hört]) sollen neue Bänder durch effektivere Nutzung gefunden werden

Da bin ich mal gespannt wie das gemeint ist. Sicherlich 30 Mbps als Spitzendatenwert für einen Nutzer. Garantierte 30 Mbps können es keine sein, denn jedem von sagen wir mal 50 Millionen Mobilfunknutzern 30 MBit per Funk zu garantieren halte ich für absolut unrealistisch.
Das wären 1,5 Petabit pro Sekunde als Spitzendatendurchsatz. Welche Technologie sollte sowas stemmen können.
Realistisch wären ca. 10.000 Basisstationen. Welche Basisstation sollte 150 Gigabit pro Sekunde bewältigen können?
Ok, genug der phantastischen Hypothesen...

Zitat
Manfred Z
Die Nutzung des schon von anderen Diensten befreiten (?) 800-MHz-Bandes soll spätestens 2013 beginnen. [Punkt 23]

Ich denke mal damit ist der Bereich 790 bis 862 MHz gemeint, da stehen in Deutschland den Mobilfunkanbietern ja bereits 60 MHz Spektrum als Primärnutzer zur Verfügung. Von daher wäre diese Vorgabe erfüllt.

Zitat
Manfred Z
30 Mbps für jeden Bürger ist noch nicht alles. Die Phantasten reden sogar von 100 Mbps für jeden zweiten EU-Haushalt...

Ok, 100 Mbps für jeden zweiten Haushalt, aber doch nicht per Funkversorgung, oder etwa doch?
Ich denke dabei geht es hauptsächlich um die Internet-Versorgung per Kabel.

von Winnie2 - am 15.01.2012 19:17
Zitat
Winnie2
Was würde 384 kbit mobil für jeden EU Bürger bedeuten? Jetzt nur mal für Deutschland.
Angenommen eine LTE-Mobilfunkbasisstation kann durch Bündelung einiger Mobilfunkfrequenzbereiche (800, 900, 1800, 2600 MHz) durchschnittlich 384 Mbps an Nutzdaten für eine Funkzelle bereitstellen. Ok, die 384 Mbps wegen der einfacheren Rechnung, ist allerdings keine so unrealistische Zahl.

Natürlich kann man keine 100% Garantie geben, z.B. bei lokalen Grossveranstaltungen muss man natürlich schon mit Einbrüchen rechnen.

Aber es wäre ja schon viel gewonnen, wenn man es schaffen würde, das die Luftschnittstelle bzw. die Kupferdoppelader die Leistungskapazität zur Verfügung stellt.

Momentan haben wir ja in ländlichen Gebieten oft noch das Problem, das es oft nur einen DSLAM pro Vorwahlbereich gibt, der dann gut mal 5-6 km entfernt ist oder die Mobilfunkbasisstation gerademal so mit 1-2 Strichten am Fenster zu empfangen ist. Das gibt natürlich eine äusserst marode Leitungskapazität. Egal wie breitbandig man dann den DSLAM oder die Mobilfunkbasisstation anbindet, wenn die DSL Leitung aufgrund der Entfernung nur 400 KBit/s oder die Luftschnittstelle gerademal 40 KBit/s hergibt, bringt es nichts. Das wäre das Problem, das wir zuerst lösen müssen.


Wenn man jetzt bei DSL z.B. 4 MBit/s garantieren will, und dort wo es möglich ist 16 MBit/s, dann kommt man dann im Durchschnitt auf vielleicht 10 MBit/s.

Für eine 20.000 Einwohnerstadt würde das aber bedeuten:

- nicht jeder Einzelne braucht einen DSL Anschluss, sondern in Familien und WGs reicht einer. Macht dann also circa 8.000 Anschlüsse. Seniorenhaushalte wollen manchmal garkeinen, dafür kommen noch ein paar Businessanschlüsse dazu. Also sollte die Zahl in etwa stimmen.

- nicht jeder DSL Anschluss ist gleichzeitig online. Rechnen wir mal damit das maximal 65% aller Anschlüsse gleichzeitig online sind.effektive 5.200 Anschlüsse.

- nur bei Downloads wird die die Leitung zu 100% ausgelastet. Bei Youtube sind vielleicht 30%, bei Browser, E-Mail und Messenger wohl nichtmal 1%. Rechnen wir mal mit 5% im Schnitt. Macht dann 260 effektive Anschlüsse.

Dass sollte reichen um die 4 MBit/s zu >99% zu gewährleisten


Ähnlich sieht es bei Mobilfunk aus. Da gibt es in einer 20.000 Einwohnerstadt vielleicht 12.000 Einwohner die zumindest gelegentlich mobile Datendienste nutzen wollen, von denen dann wiederum maximal 7.800 gleichzeitig online sind.

Bei Mobilfunk ist allerdings die durchschnittliche Auslastung noch geringer, weil dort weniger Downloads gemacht werden als wie stationär, da kann man eher mit 2% im Schnitt rechnen. Hat man also 156 effektive Nutzer

Man benötigt also 58,5 MBit/s Kapazität. Allerdings ist es einem Funknetz so, das sich die Nutzer niemals homogen verteilen, so dass man da schon die 3 fache Luftschnittstellenkapazität benötigt. Kommen wir also auf 175 MBit/s.

Eine einzige UMTS Node mit 6 Sektoren im HSDPA 21.6 Modus kann 45 MBit/s zur Verfügung stellen. Macht dann vier Standorte (alle Anbieter zusammengerechnet).

Frequenzen sind ohnehin kein Problem, weil bei UMTS und LTE durch CDMA die gleichen Frequenzen von allen Basisstationen genutzt werden.


Wie gesagt, das ist nicht das Problem. Nur die Entfernungen zwischen Nutzer und DSLAM bzw. Basisstation sind oft zu gross.

von Martyn136 - am 16.01.2012 02:38
Zitat
Martyn136
Momentan haben wir ja in ländlichen Gebieten oft noch das Problem, das es oft nur einen DSLAM pro Vorwahlbereich gibt, der dann gut mal 5-6 km entfernt ist oder die Mobilfunkbasisstation gerademal so mit 1-2 Strichten am Fenster zu empfangen ist. Das gibt natürlich eine äusserst marode Leitungskapazität. Egal wie breitbandig man dann den DSLAM oder die Mobilfunkbasisstation anbindet, wenn die DSL Leitung aufgrund der Entfernung nur 400 KBit/s oder die Luftschnittstelle gerademal 40 KBit/s hergibt, bringt es nichts. Das wäre das Problem, das wir zuerst lösen müssen.

Stimmt. Aber wer verbirgt sich hinter dem "wir" der das nachher alles bezahlen soll? Ich meine damit den Ausbau mit Outdoor-DSLAMs. Mir ist kein Fall bekannt bei dem die Telekom oder irgendein anderer Anbieter die Kosten für einen solchen Technikschrank "irgendwo in der Pampa" aus eigener Tasche bezahlt hat. Einen solchen Ausbau dürfen alles die Gemeinden und die Städte aus ihrer eigenen Kasse bezahlen.

Dass die Kapazität per DSL ausgebaut werden kann habe ich nicht bestritten. Es geht mir hier rein um den Ausbau der Übertragungskapazität im Mobilfunkbereich.

Zitat
Martyn136
Ähnlich sieht es bei Mobilfunk aus. Da gibt es in einer 20.000 Einwohnerstadt vielleicht 12.000 Einwohner die zumindest gelegentlich mobile Datendienste nutzen wollen, von denen dann wiederum maximal 7.800 gleichzeitig online sind.

Bei Mobilfunk ist allerdings die durchschnittliche Auslastung noch geringer, weil dort weniger Downloads gemacht werden als wie stationär, da kann man eher mit 2% im Schnitt rechnen. Hat man also 156 effektive Nutzer

So mag die derzeitige Situation aussehen. Nur werden immer mehr Leute Smartphones haben und unterwegs immer umfangreichere Datendienste nutzen.
Und eine erwartete Erhöhung der Datenmenge um Faktor 50 bis Ende des Jahrzehnts ist kein Pappenstiel.

Zitat
Martyn136
Frequenzen sind ohnehin kein Problem, weil bei UMTS und LTE durch CDMA die gleichen Frequenzen von allen Basisstationen genutzt werden.

In diesem Punkt irrst du dich leider. Auch bei CDMA gibt es Limits. Die Übertragungscodes welche von einer Basisstation verwendet werden können zur gleichen Zeit nicht von einer direkt benachbarten Basisstation verwendet werden.
Mit HSDPA+ können von einer Basisstation alle nutzbaren Codes eines Kanals ausgeschöpft werden. Und wenn das der Fall ist bleibt den benachbarten Basisstationen nur die Wahl diesen Kanal nicht zu verwenden und auf einen anderen Kanal zu wechseln.
Von daher könnte die max. Kapazität einer Basisstation nur ausgeschöpft werden falls die direkt benachbarten Basisstationen entweder keine Daten übertragen oder andere Frequenzen nutzen.

Bei LTE gibt es da noch mehr Möglichkeiten. z.B. die Funkwellen besser gerichtet zu senden (Beamforming). Grundsätzlich gibt es auch hier Grenzen bei der Wiederbelegung der Funkfrequenzen.

von Winnie2 - am 16.01.2012 18:31
Zitat
Winnie2
Stimmt. Aber wer verbirgt sich hinter dem "wir" der das nachher alles bezahlen soll? Ich meine damit den Ausbau mit Outdoor-DSLAMs. Mir ist kein Fall bekannt bei dem die Telekom oder irgendein anderer Anbieter die Kosten für einen solchen Technikschrank "irgendwo in der Pampa" aus eigener Tasche bezahlt hat. Einen solchen Ausbau dürfen alles die Gemeinden und die Städte aus ihrer eigenen Kasse bezahlen.

In Deutschland haben Gesetzgeber und Regulierungsbehörde den Fehler gemacht, das sie keine gesetzlichen Vorgaben über eine gewisse Mindestversorgung gemacht haben, sondern alles dem freien Markt überlassen haben.

Und dieser freier Markt hat leider nur zu einem Preiskampf in den Metropolregionen geführt, Kleinstädte und ländliche Regionen blieben aber auf der Strecke.

Dass die Kapazität per DSL ausgebaut werden kann habe ich nicht bestritten. Es geht mir hier rein um den Ausbau der Übertragungskapazität im Mobilfunkbereich.

Zitat
Winnie2
So mag die derzeitige Situation aussehen. Nur werden immer mehr Leute Smartphones haben und unterwegs immer umfangreichere Datendienste nutzen.
Und eine erwartete Erhöhung der Datenmenge um Faktor 50 bis Ende des Jahrzehnts ist kein Pappenstiel.
Die Wachstumsphase ist eigentlich fast vorbei, und der Zenit schon fast erreicht.

Die meisten Benutzer die heutzutage noch kein Smartphone haben, werden sich wohl entweder auch keins mehr zulegen, oder falls doch dann kaum nutzen.

Bei den Smarthones selber ist z.B. bei den Displayaufplösung jetzt auch schon die machbare Grenze erreicht.

Zitat
Winnie2
Mit HSDPA+ können von einer Basisstation alle nutzbaren Codes eines Kanals ausgeschöpft werden. Und wenn das der Fall ist bleibt den benachbarten Basisstationen nur die Wahl diesen Kanal nicht zu verwenden und auf einen anderen Kanal zu wechseln. Von daher könnte die max. Kapazität einer Basisstation nur ausgeschöpft werden falls die direkt benachbarten Basisstationen entweder keine Daten übertragen oder andere Frequenzen nutzen.
Klar gibt es gewisse Einschränkungen, das bei UMTS/HSPA im Idealfall nicht mehr als drei Zellen gleicher Frequenz empfangen werden sollten. Wenn mehr Zellen empfangen werden erhöht sich zwar das Signal-Interference-Ratio und die Datenraten sinken etwas, aber nicht so dramatisch.

Sachen wie MIMO sind sowohl für HSPA als auch LTE spezifiziert, praxistauglich sind sie aber wohl nicht, weil der Aufwand nicht mehr im Verhältniss zum Gewinn gesteht.

von Martyn136 - am 16.01.2012 19:36
Zitat
CBS
Astra hatte das glückliche Händchen, zur richtigen Zeit einen richtigen Fernsehsatelliten mit 16 Transponder zu starten.

Stimmt. Es waren damals nur 5(?) deutsche Privatprogramme zu sehen, allerdings hatte z.B. MTV damals ein super Angebot an Musikvideos. Da hat es sich wirklich gelohnt sich eine Schüssel zu montieren.

Zitat
CBS
Hatte man früher üblicherweise Drehanlagen mit Genehmigung und Monatsgebühren, entfiel dies mit Astra. irgendwann wurde auch der damals vorgeschrieben Astra Filter (was war das eigentlich nochmal genau) abgeschafft.

Ich kenne niemanden der damals eine Drehanlage hatte. Die Schüsseln waren entweder auf Kopernikus oder Astra ausgerichtet, wobei dann immer mehr Leute ihre Schüssel auf Astra ausgerichtet haben.
Und eine Gebühr war damals (zumindest offiziell) auch für fest ausgerichtete Schüsseln zu zahlen. Allerdings wussten zu wenige Leute davon und die es wussten haben nicht bezahlt, so wurde die fällige Extra-Gebühr für die Schüsselbesitzer von der damaligen Bundespost Anfang der 1990er Jahre abgeschafft.

Zitat
CBS
Die Privaten wechselten auf Astra, konnte man doch viel kleinere Parabolantennen zum Empfang verwenden. Erst deutlich später gesellten sich die ÖR dazu. ARD&ZDF waren lange nur terrestrisch zu empfangen. mit der Sat Aufschaltung wurden viele terr. Antennen abgeklemmt, dies war auch die Zeit, in der der Zweikanalton bei ARD & ZDF starb.

ARD & ZDF schalteten damals zur Funkausstellung 1993 mit der Begründung auf dass die Empfangbarkeit so verbessert würde u. viele Hausbesitzer nur noch eine Schüssel für den TV-Empfang nutzen würden u. somit die TV-Programme der ÖR nicht mehr empfangen könnten.

Zitat
CBS
Die dt. ÖR werden nicht verschlüsseln. Aber ein Umzug auf eine andere Satposition sehe ich als nicht unmöglich an. Wenn alle ÖR Programme auf z.B. Hotbird wechseln würden und die Privaten auf Astra mit dem + bleiben, dann werden wir bestimmt sehr viele Antennen mit schielenden LNBs sehen.

Das ist jetzt aber ziemlich spekulativ ob sich die Leute einen zweiten LNB bei ihrer Schüssel nachrüsten würden. Ich würde eher sagen: Nein.

Zitat
CBS
Rein nur die Privaten könnte ich nicht schauen...

Geht mir genauso.

von Winnie2 - am 17.01.2012 21:05
Eine kleine Recherche im Internet hat wie befürchtet keinerlei Hinweise darauf ergeben, dass sich einer der Medienpolitiker der Parteien im Deutschen Bundestag der Problematik überhaupt bewusst ist :rolleyes:. Ein paar Links dazu habe ich am Ende des Beitrags zusammengestellt - Ergänzungen willkommen. Wie schnell politisch gerade opportune Richtungsentscheidungen mit grosser Mehrheit im Bundestag abgenickt werden könnten, das haben haben wir ja im letzten Jahr beim Einstampfen von wesentlichen Teilen der Deutschen Welle gesehen! Immerhin, bei der Nutzung des UHF-Bands für den Rundfunkdienst werden in D auch die Bundesländer und die öffentlich-rechtlichen Anstalten ein Wörtchen mitzureden haben.

Bei den medienpolitischen Positionen der Parteien ist oft von einer Internetversorgung für alle die Rede und von der (ersten) "digitalen Dividende" (790-862 MHz). Dabei ist mir aufgefallen, dass die drahtlose Mikrofonanwendungen, die diesen Bereich ab 2015 zu Gunsten von LTE verlieren werden, künftig in den Bereich 470-790 MHz wechseln dürfen. Da sind also schon Kollisionen mit dem DVB-T-Empfang absehbar!

Zitat
TerranusI
Würde das Deutschland alleine entscheiden, wäre die Sache wohl gelaufen dank unserer lobbyhörigen Politik, aber da da auch Frankreich und andere mitreden, sehe ich weniger schwarz.


Das würde uns aber auch nur wenig helfen, selbst wenn Mobilfunkdienste den Bereich 470-790 MHz nur mit Einschränkungen benutzen dürften. Dann dürften sie zwar den Empfang in Nachbarländern wie Frankreich nicht stören, aber innerhalb Deutschlands gäbe es möglichwerweise keinen Anspruch mehr auf störungsfreien DVB-T-Empfang.

Hier noch die gefundenen Links:
CDU: http://www.cdu.de/politikaz/medien.php http://www.taz.de/!970/ (Merkel gegen Marktansatz, 2007)
CSU: http://www.eberhard-sinner.de/main/index.php?webcode=news_details&news_id=742
FDP: http://www.mueller-soenksen.de/Rede-im-Bundestag-zu-den-Funkmikrofon-Frequenzen-nach-der-Digitalen-Dividende/36897c1i1p3956/index.html
Grüne: http://www.gruene-bundestag.de/cms/medien/rubrik/11/11303.medien.html
Linke: http://www.linksfraktion.de/themen/medienpolitik/
SPD: http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_D%C3%B6rmann http://www.lte-anbieter.info/lte-news/lte-stoerproblematik-interview-mit-spd

73 de Uli

von ulionken - am 31.01.2012 22:47
Zitat
Spacelab
Bin ich eigentlich der einzige der das beängstigend findet das frei verfügbare Angebote wie DVB-T per Gesetz zum Vorteil von kostenpflichtigen angeboten eingestellt werden?


Darum geht es dieser EU.
Abzocken durch Gebühren fürs Internet! Einen gläsernen Bürger, wer hat wann und wie lang welchen Sender geschaut......

Mobiles Internet ist eine Gefahr. Leute sollen möglichst davon abgebracht werden mit einem herkömmlichen PC oder Laptop zu surfen. Sie könnten ja freie Software verwenden, eine Proxy benutzen oder gar kreativ eine Seite gestalten (Blog), etc......
Nein, sie sollen vielmehr mit einem Schmarrn-Phon möglichst vorgekauten Mist konsumieren. Das Interaktive beschränkt sich dann auf "gefällt mir", etc.

Mein aktuelle Handy ist auch internetfähig. Bisher habe ich es einmal genutzt. (Für eine Auskunft). Beim Blick auf die Kosten traf mich beinahe der Schlag.

Gut, Fernsehen ist auch vorgekaut, nicht interaktiv, aber es ist mitunter niveauvoller als das was so meist mobil im Internet konsumiert wird. Zumindest der Empfang von Arte und 3 Sat terrestrisch ist ein Mehrwert.

Beim Autofahren brauch ich kein Internet. Das lenkt stärker ab, als mobil zu telefonieren. (Was ja verboten ist). Ich brauche auch keine Internetradiosender, schließlich bauche ich Infos wie den lokalen Verkehrsfunk.
Für Navis reicht es wenn sie öfters aktualisiert werden und aktuelle Staumeldungen per TMC bekommen. Aber der große Bruder muß nicht wissen wo ich hinfahre!!!!
Beim Bahnfahren wäre es möglich. (Aber dazu brauch es auch kein LTE). Wichtiger wäre mir die Einspeißung von Radioprogrammen ins Boardprogramm, was es früher im ICE gab.
Zu Fuß brauche ich es erst recht nicht und mit dem Rad auch nicht.

Von den GEZ-Gebühren sind Arme Menschen (Existenzminimum) befreit von den Mobilfunk- und den Tarifen für mobiles Internet nicht.

Hier in der Nähe von Stuttgart, Schorndorf gibt es auf den Dörfern bis heute kein DSL! Die Leute lachen sich tot wenn sie von flächendeckendem Funkinternet hören. Dafür ist also Geld da? (Klar weils der Wirschaft und der Bespitzelung dient).

Eine richtige Foderung wäre kostenloses (kabelgebundenes) Intenet für Alle!

Grüßle, Radionicki

von Radionicki - am 01.02.2012 01:18
Zitat
Manfred Z
1) Die ITU kann nur einstimmige Beschlüsse fassen.
2) Eine Abschaltung des terrestischen Fernsehens im UHF-Bereich steht daher heute und in Zukunft nicht auf der Agenda der ITU.

Danke für diese Infos. Finde ich positiv.

Zitat
Manfred Z
3) Was die ITU beschließen kann, ist die Freigabe bestehender Rundfunkbänder für die alternative Nutzung durch andere Dienste in den Mitgliedsländern und die dabei einzuhaltenden Regeln ("Schutz vor Interferenzen" ).

Das Problem bei einer gemeinsamen Nutzung sind v.a. die Bestandgeräte welche nicht dafür gebaut wurden, u. Signale vom Mobilfunk Empfangsstörungen bei vorhandenen Geräten verursachen können.

Zitat
Manfred Z
4) Die EU fordert eine effektive Nutzung aller Frequenzbereiche ("keine Frequenzhortung" ).

Das ist für mich nachvollziehbar.

Zitat
Manfred Z
6) Der Mobilfunk möchte weltweit einheitliche Frequenzbereiche. Dazu zählt vorzugsweise das 700-MHz-Band (wie in den USA schon zugeteilt).

Die Mobilfunkanbieter möchten das, die Realität sieht aber anders aus. Bereits bei GSM und UMTS werden in Europa und den USA unterschiedliche Frequenzbereiche genutzt.
Ich sehe nicht wie es zukünftig möglich sein soll die Frequenzbereiche für Mobilfunk weltweit zu Vereinheitlichen.

Zitat
Manfred Z
Deutschland ist in der EU Vorreiter bei der Nutzung des 800-MHz-Bandes (790-862 MHz) durch den Mobilfunk. Dabei ist dem Fernsehen nichts weggenommen worden. Denn es hat keine Nutzung dieses Bereiches durch das Analogfernsehen gegeben. Einzelne Kanäle im Bereich 64 bis 66 sind lediglich in einzelnen Bundesländern (NRW, Hessen, Bayern) während des Simulcast eingesetzt worden.

Das stimmt für Deutschland, aber nicht für Länder wie z.B. die Niederlande, Frankreich oder die Schweiz.

Zitat
Manfred Z
Ich gehe davon aus, dass Deutschland auch Vorreiter bei der Nutzung des 700-MHz-Bandes durch den Mobilfunk sein wird, begünstigt durch die ineffektive Nutzung des Fernsehbandes von 470-790 MHz durch DVB-T.

Bleibt v.a. die Frage wie die Sache mit den möglichen Empfangsstörungen bei DVB-T-Bestandsgeräten gelöst werden soll.

Zitat
Manfred Z
Da es außerhalb der Ballungszentren höchstens drei Bedeckungen gibt, ist die Abgabe weiterer Frequenzen in Deutschland problemlos durchführbar.

Nicht ohne Verlagerung der heutigen Sender im Bereich der Kanäle 50 bis 60 in niedrigere Frequenzbereiche. Was noch dazu kommt: Die Rundfunkproduktionstechnik nutzt diesen Frequenzbereich zusätzlich zu DVB-T, weiterhin wird dieser Frequenzbereich für drahtlose Mikrofone z.B. bei Konzertveranstaltungen genutzt.
So leer ist dieser Frequenzbereich also gar nicht. Das Problem ist eher das Stadt-Land-Gefälle. Während in ländlichen Gebieten viele UHF-Kanäle tatsächlich brachliegen, sind diese in Großstädten ziemlich ausgelastet.

Zitat
Manfred Z
HDTV wird dank DVB-T2 und MPEG-4 keine weiteren Frequenzen benötigen.

Mit DVB-T2 sind ohne aufwendigen Umbau des Rundfunk-Sendernetzes bestenfalls so um die 26 MBit/s möglich, damit auch die Leute mit Zimmerantenne einen stabilen Empfang haben.
Bei 4 TV-Programmen pro Bouquet bleiben dann rechnerisch (durchschnittlich) nur noch gut 6 MBit/s pro TV-Programm. Das reicht gerade so für die 720er Bildauflösung, aber nicht für mehr.

von Winnie2 - am 01.02.2012 14:17
Zitat
Winnie2
Was ist z.B. mit den ganzen älteren Bestandsgeräten? Die Notruf-GSM-Telefone für Senioren mit dem großen roten Knopf oder sonstige GSM-Telefone die lediglich im Handschuhfach herumliegen für den Fall der Fälle.
Für reine Notfallanrufe braucht es aber nicht vier GSM900 Netze. Da würde auch ein GSM900 Netz ausreichen. Weil für die 112 kann auch auf nicht erlaubte Netze zurückgegriffen werdne.

Uralttelefone als Notfallgeräte sind aber eigentlich eh nicht besonders ilfreich. Ein Akku der mehrere Monate im Auto rumliegt, dabei im Winter -20° C und im Sommer unter Sonneneinstrahlung 60° C abkriegt wird vielleicht gerade reichen um das Handy einzuschalten und die Nummer zu wählen, bevor es sich dann wieder abschaltet.

Sicher kann man nicht verlangen das sich alle Mobilfunkbenutzer alle 2-3 Jahre ein neues Handy kaufen. Aber UMTS2100 Handys gibt es ab etwa 30€ und UMTS900/UMTS2100 Handys ab etwa 80€ bei eBay. Nach 6 oder 7 Jahren kann man den Kunden so ein Investition durchaus zumuten.

Zitat
Winnie2
Oder die ganzen Mobilfunkmodems welche per GPRS/EDGE Daten von technischen Anlagen irgendwo in der Pampa übertragen?
Sowas wird eh nur von grösseren Unternehmen eingesetzt. Und denne kann man durchaus zumuten nach 6 oder 7 Jahren mal neue Hardware anzuschaffen.

Zitat
Winnie2
Naja. Neue Richtfunkstrecken und Anbindung per Glasfaserleitungen kosten eben auch Geld.
Bei Richtfunk braucht man keine neuen Richtfunkstrecken, sondern nur neue Hardware. Natürlich verursacht das auch Kosten, aber sie sind in einem vertretbaren Rahmen.

Zitat
Winnie2
Von der Flexibilität der Frequenznutzung wäre eine Kombination von GSM u. LTE vermutlich besser, bleibt allerdings die Frage ob LTE-Basisstationen bei GSM-Handys Störungen verursachen würden falls diese im gleichen Frequenzband arbeiten.

GSM/LTE ist eine ganz schlechte Kombination, weil LTE derzeit nur als stationärer und partabler DSL Ersatz, aber nicht als Mobilfunknetz taugt.

Es gibt einfach keine LTE 800/1800/2600 Handys, und das wird sich auch auf absehbare Zeit nicht ändern. Grund ist weil einerseits über LTE noch keine Sprachtelefonie möglich ist (was bei Handys unverzichtbar ist) und zweitens LTE 800/1800/2600 nur von ganz wenigen Ländern weltweit eingesetzt wird.

Bislang boomt LTE nur in den USA, weil es dort keine brauchbaren 3G Netze gibt.

Bei GSM/LTE Basisstationen hat der Kunde das Problem, das die Basstation zwar vielleicht bis zu 25 MBit/s könnte, aber wenn er mit seinem bis zu 21,6 MBit/s schnellen GSM/UMTS Handy davor steht, nur GSM/EDGE als kleinester gemeinsamer Nenner zur Verfügung steht. Und dann die Daten mit rund 80 KBit/s tröpfeln. Das ist für Notebookuser völlig unzumutbar, aber auch für moderne Smartphones nervend langsam.

Heute 2012 ist UMTS mit HSDPA/HSDPA+/HSUPA State of Art, und das wird noch mindestens fünf Jahre so bleiben.

von Martyn136 - am 02.02.2012 00:56
Zitat
Martyn136
Für reine Notfallanrufe braucht es aber nicht vier GSM900 Netze. Da würde auch ein GSM900 Netz ausreichen.

Es gibt im Prinzip ja "nur" drei GSM900 Netze, da eplus nicht als Betreiber eines GSM900 Netzes gezählt werden kann.
Die Frage ist doch welches GSM900 Netz für solche Notfallanrufe übrig bleiben soll. Wer soll das bestimmen? Soll das ausgelost werden welcher Betreiber weiterhin ein GSM900 Netz bereitstellen soll?

Zitat
Martyn136
Weil für die 112 kann auch auf nicht erlaubte Netze zurückgegriffen werdne.

Ich bin mir zwar nicht 100% sicher, aber meines Wissens nach laufen diese Senioren-Notrufe nicht zwangsläufig über die Notrufnummer 112, es gibt da auch andere Notrufnummern für Senioren. Es gibt extra Call-Center die Hilfe für Senioren koodinieren, z.B. für ältere Menschen die sich sprachlich nicht ausdrücken können. Die haben Datenbanken und können der Rufnummer die Person zuordnen.

Zitat
Martyn136
Uralttelefone als Notfallgeräte sind aber eigentlich eh nicht besonders ilfreich.

Stimmt. Es gibt allerdings mittlerweile spezielle Notrufhandys die mit ganz normalen Mignon-Batterien betrieben werden können + Batterien mit sehr niedriger Selbstentladung oder über Dynamos mit denen die Handy-Akkus soweit aufgeladen werden können dass ein Notruf möglich ist.

Zitat
Martyn136
...Nach 6 oder 7 Jahren kann man den Kunden so ein Investition durchaus zumuten.

Laufen 112 Notrufe bei Handys derzeit nicht sowieso automatisch über die GSM-Netze?

Zitat
Martyn136
Sowas wird eh nur von grösseren Unternehmen eingesetzt. Und denne kann man durchaus zumuten nach 6 oder 7 Jahren mal neue Hardware anzuschaffen.

Naja, vielleicht können die die Daten auch über das verbleibende GSM-Netz für Notrufe schicken, das würde ja sonst ohnehin die meiste Zeit nur auf Stand-by-Betrieb laufen, falls keine Notrufe übertragen werden.
Größere Unternehmen, so wie z.B. Toll-Collect. Die nutzen GPRS zur Übertragung der Mautdaten.

Zitat
Martyn136
Bei Richtfunk braucht man keine neuen Richtfunkstrecken, sondern nur neue Hardware. Natürlich verursacht das auch Kosten, aber sie sind in einem vertretbaren Rahmen.

Höhere Datenraten erfordert meist mehr Bandbreite u. mehr Bandbreite bedeutet meist dass ein Wechsel in einen höheren Frequenzbereich notwendig wird.
Bedeutet neue Anträge bei der BNetzA, neue Genehmigungen einholen.

Zitat
Martyn136
GSM/LTE ist eine ganz schlechte Kombination, weil LTE derzeit nur als stationärer und partabler DSL Ersatz, aber nicht als Mobilfunknetz taugt.

Die Mobilfunkanbieter planen ab 2016 allerdings die mobile Nutzung von LTE. Bei der Telekom ist es heute bereits möglich LTE mobil zu nutzen, jedenfalls bei den höherpreisigen Mobilfunkverträgen. LTE soll lediglich vorübergehend ein Ersatz für (nicht realisierbare) DSL-Anschlüsse sein, aber nicht für längere Zeit.

Zitat
Martyn136
Es gibt einfach keine LTE 800/1800/2600 Handys, und das wird sich auch auf absehbare Zeit nicht ändern. Grund ist weil einerseits über LTE noch keine Sprachtelefonie möglich ist

Was nicht ist kann noch werden. Ausserdem gibt es keine Handys welche nur LTE unterstützen und keine anderen Standards.
LTE wird vermutlich zunächst von Geschäftskunden gebucht werden weil die UMTS-Netze bereits zeitweise von Privatleuten stark ausgelastet sind u. die Geschwindigkeit der Datenübertragung für Geschäftsleute daher nicht immer zufriedenstellend ist.

Zitat
Martyn136
Bei GSM/LTE Basisstationen hat der Kunde das Problem, das die Basstation zwar vielleicht bis zu 25 MBit/s könnte, aber wenn er mit seinem bis zu 21,6 MBit/s schnellen GSM/UMTS Handy davor steht, nur GSM/EDGE als kleinester gemeinsamer Nenner zur Verfügung steht. Und dann die Daten mit rund 80 KBit/s tröpfeln.

LTE würde vermutlich zusätzlich zu GSM u. UMTS installiert werden, zumindest für eine gewisse Übergangszeit.
Die Sache ist ja. Da wo jetzt kein UMTS verfügbar ist wird auch kein UMTS im 2,1 GHz Band mehr aufgebaut, dort wird entweder UMTS 900 oder LTE 900 kommen, zusammen mit ein paar Kanälen GSM 900.

Zitat
Martyn136
Heute 2012 ist UMTS mit HSDPA/HSDPA+/HSUPA State of Art, und das wird noch mindestens fünf Jahre so bleiben.

Niemand hat behauptet dass UMTS durch LTE ersetzt wird, ich meinte dass GSM durch LTE ersetzt wird.

von Winnie2 - am 02.02.2012 15:02
Zitat
Winnie2
Ich bin mir zwar nicht 100% sicher, aber meines Wissens nach laufen diese Senioren-Notrufe nicht zwangsläufig über die Notrufnummer 112, es gibt da auch andere Notrufnummern für Senioren. Es gibt extra Call-Center die Hilfe für Senioren koodinieren, z.B. für ältere Menschen die sich sprachlich nicht ausdrücken können. Die haben Datenbanken und können der Rufnummer die Person zuordnen.
Auch wenn es jetzt nur reine GSM Seniorentelefonie gibt, könnte man problos GSM/UMTS Seniorentelefone bauen. Es wird ja niemand von heute auf morgen GSM abschalten. So 12-24 Monate Vorlaufzeit würden da problemlos ausreichen, um neuen Geräte zu bauen und in den Handel zu bringen.

Zitat
Winnie2
Stimmt. Es gibt allerdings mittlerweile spezielle Notrufhandys die mit ganz normalen Mignon-Batterien betrieben werden können + Batterien mit sehr niedriger Selbstentladung oder über Dynamos mit denen die Handy-Akkus soweit aufgeladen werden können dass ein Notruf möglich ist.
Im Notfall erst Battrien einsetzen oder kurbeln zu müssen ist aber auch nicht gerade das Optimum. Auch da könnte man GSM/UMTS Nachfolgegeräte anbieten.

Zitat
Winnie2
Laufen 112 Notrufe bei Handys derzeit nicht sowieso automatisch über die GSM-Netze?
UMTS kann genauso Notrufe wie GSM

Zitat
Winnie2
Die Mobilfunkanbieter planen ab 2016 allerdings die mobile Nutzung von LTE. Bei der Telekom ist es heute bereits möglich LTE mobil zu nutzen, jedenfalls bei den höherpreisigen Mobilfunkverträgen.

Was nicht ist kann noch werden. Ausserdem gibt es keine Handys welche nur LTE unterstützen und keine anderen Standards.

LTE wird vermutlich zunächst von Geschäftskunden gebucht werden weil die UMTS-Netze bereits zeitweise von Privatleuten stark ausgelastet sind u. die Geschwindigkeit der Datenübertragung für Geschäftsleute daher nicht immer zufriedenstellend ist.

Solange bei LTE keine Sprachtelefonie möglich ist, bleibt LTE für Handys prinzipiell ungeeignet.

Selbst wenn es ein GSM/UMTS/LTE Handy gäbe, könnte dieses ja immer nur in eins der drei Netze eingebucht werden.

Aber im LTE Netz wäre man dann nicht mehr für Anrufe erreichbar, da dieses Netz ja keine Anrufe handlen kann. Das heisst das die Anrufer dann nur auf der Mailbox landen würden.

Und wenn man in GSM oder UMTS eingebucht ist kann man nicht von schneller Datenübertragung profitieren.

LTE macht deshalb allenfalls für Geräte Sinn, die ohnehin nicht elefonieren können: USB Sticks, PC Card Cards, integrierte Modems in Notebooks und Pads.

von Martyn136 - am 02.02.2012 16:40
Zunächst mal, ist diese Thema dass wir hier diskutieren im Prinzip nur ein Nebenschauplatz, Martyn136. Im UHF-Band werden die Mobilfunkanbieter mit hoher Wahrscheinlichkeit LTE einsetzen.
Durch welchen Standard GSM ersetzt wird ist wieder ein anderes Thema, weil die durch GSM genutzten Frequenzen bereits den Mobilfunkern gehören. Diese müssen lediglich die Nutzungslizenzen verlängern.
Sicherlich wäre das möglich, allerdings müssten diese dann fälligen neuen Geräte von den Nutzern bezahlt werden.

Zitat
Martyn136
Auch wenn es jetzt nur reine GSM Seniorentelefonie gibt, könnte man problos GSM/UMTS Seniorentelefone bauen.

Natürlich ist das möglich. Allerdings fallen dann hohe Kosten für den Ersatz und Austausch der Bestandsgeräte an.

Zitat
Martyn136
Im Notfall erst Battrien einsetzen oder kurbeln zu müssen ist aber auch nicht gerade das Optimum. Auch da könnte man GSM/UMTS Nachfolgegeräte anbieten.

Der Standard ist im Prinzip egal. Natürlich könnten auch UMTS Notrufgeräte angeboten werden. Noch gibt es allerdings keine Hersteller die solche Geräte anbieten.

Zitat
Martyn136
UMTS kann genauso Notrufe wie GSM

Die Notrufgeräte nutzen ja lediglich GSM weil die Mobilfunkversorgung in der Fläche derzeit besser ist als mit UMTS. Bei UMTS gibt es Probleme mit Abschattungen und der Signaldämpfung weil hier Frequenzen oberhalb 2 GHz genutzt werden.

Zitat
Martyn136
Solange bei LTE keine Sprachtelefonie möglich ist, bleibt LTE für Handys prinzipiell ungeeignet.

An Sprachtelefonie über LTE-Netze wird bereits gearbeitet. Also keine Sorge, das wird kommen.

Zitat
Martyn136
Selbst wenn es ein GSM/UMTS/LTE Handy gäbe, könnte dieses ja immer nur in eins der drei Netze eingebucht werden.

Notrufe werden sicherlich in allen Mobilfunk-Netzen weitergeleitet werden müssen, unabhängig vom genutzten Standard.

Zitat
Martyn136
Aber im LTE Netz wäre man dann nicht mehr für Anrufe erreichbar, da dieses Netz ja keine Anrufe handlen kann.

Das ist der derzeitige Stand, aber in den nächsten vier Jahren kann noch viel geschehen.
Die Übertragung von Daten über LTE ist für die Betreiber günstiger als über GSM oder UMTS. Von daher rechne ich mit einem weiteren Ausbau von LTE.
Sprachtelefonie lässt sich bei LTE durch VoIP und ein paar weiteren Protokollen ergänzen.

Zitat
Martyn136
LTE macht deshalb allenfalls für Geräte Sinn, die ohnehin nicht elefonieren können: USB Sticks, PC Card Cards, integrierte Modems in Notebooks und Pads.

Das ist der derzeitige Stand.
UMTS ermöglich z.B. keine kooperierenden Basisstationen (ähnlich den Gleichwellennetzen bei DVB-T oder DAB), das ist bei LTE hingegen möglich, das verbessert die Qualität des Funksignals an den Rändern der Funkzellen deutlich.
Handover ist bei kooperierenden LTE-Basistationen für die Nutzer wirklich nahtlos möglich.

von Winnie2 - am 02.02.2012 19:39
Zitat
Spacelab
Durch einheitliche Standards verringern sich ja auch die Produktionskosten von Empfangsgeräten enorm.

Trotz einheitlicher Standards werden sich doch sicherlich Geräte bauen lassen die in unterschiedlichen Frequenzbereichen funktionieren.

Zitat
Rolf, der Frequenzenfänger
Wenn die Geräte softwareseitig auf ein bestimmtes Land abgeriegelt werden müssen, wird das Roaming unnötig verkompliziert, falls nicht überall die gleichen Frequenzen verwendet werden.

Das Thema Roaming ist wieder eine ganz andere Baustelle. Da interessiert mich eher das Thema "Roaming-Gebühren ausserhalb der EU" oder ob mein Mobilfunkanbieter überhaupt ein Roamingabkommen mit einem Mobilfunkanbieter in dem Land abgeschlossen hat in welches ich reise.

Zitat
Rolf, der Frequenzenfänger
Ich sehe es auch nicht unbedingt gerne, dass das terrestrische Fernsehen Frequenzen abgeben soll. Aber wenn wir die rosarote Radioforumsbrille mal absetzen, müssen wir eben doch erkennen, dass das gesellschaftliche Bedürfnis nach Antennenfernsehen bereits heute viel kleiner ist als dasjenige nach mobiler Internetkommunikation. Und dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren noch deutlich verstärken.

Da in Zukunft ohnehin kleinere Funkzellen benötigt werden spricht nichts dagegen höhere Frequenzen zu nutzen. Es müssen dafür nicht dem UHF-Band weitere Frequenzen entzogen werden, zumal diese ohnehin überwiegend in ländlichen Gebieten mit den größeren Mobilfunkzellen sinnvoll genutzt werden könnten.
Wozu man in Ballungsgebieten unbedingt Mobilfunk im UHF-Band benötigt dafür sehe ich keinen Grund.

Zitat
TerranusI
Aber gerade wenn man mehr mobiles Internet will, muss man doch eher die höhere Frequenzbereiche wie das L-Band gehen und kleinere Zellen aufbauen.

Sehe ich genau so. Mobilfunk hauptsächlich ins L- und S-Band. Wozu haben die Mobilfunkunternehmen 190 MHz Bandbreite im 2,6 GHz Band ersteigert? Um diese Frequenzen nur punktuell zu nutzen?
Ich bin dafür dass die Mobilfunkunternehmen erstmal selber nachweisen müssen dass diese ihnen bereits zugewiesene Frequenzen sinnvoll nutzen bevor diese neue Bandbreite fordern dürfen.

Zitat
TerranusI
Die Umwidmung des 790+ Bandes war doch nicht für Smartphones gedacht, sondern als Ersatz für leitungsgebundenes Internet auf dem Land !

Wobei das bereits jetzt schon gelockert ist. Es gibt bereits Mobilfunkverträge von der Telekom und demnächst auch von Vodafone die die mobile Nutzung von LTE im 800 MHz Band (z.B. mit Smartphones oder Notebooks) erlauben.
Die Einschränkung des Nutzers auf eine LTE-Funkzelle entfällt dann.

Zitat
TerranusI
Für eine Vielzahl von Kleingeräten die alle vor sich hin senden, sind doch die QRGs unter 800MHz eher kontraproduktiv.

Zumindest in dichter bevölkerten Gebieten, ja.

Zitat
Martyn136
Irgendwo in Skandinavien oder in der Nordafrika, mit sehr geringer Besiedlungsdichte kann der 700 MHz und 800 MHz Bereich aber schon Sinn machen.

Genau darum wird es bei den Ländern in Afrika gehen. Die Bevölkerungsdichte ist dort gebietsweise so gering dass die bei LTE mögliche Größe der Funkzellen voll ausgeschöpft werden soll.
Das wären dann Funkzellen von 25 bis 30 km Durchmesser. Deshalb auch die relativ niedrigen Frequenzen im UHF-Bereich für den Mobilfunk.

von Winnie2 - am 10.02.2012 22:11
Zitat
robiH
Es gibt ja zwei Kenngrößen zur effizienten Frequenzbewirtschaftung.

Es geht nicht nur um die Frequenzbewirtschaftung, sondern auch um die Kosten die notwendig sind für den Aufbau der Infrastruktur (Leitungen, Richtfunkstrecken, Masten, Basisstationen, etc.)

Eine effiziente Frequenzbewirtschaftung dürfte 100.000, wenn nicht sogar mehr LTE-Basisstationen in Deutschland notwendig machen. Derzeit sind etwa 1200 bis 1500 davon in Betrieb. Genaue Zahlen sind mir nicht bekannt. Die Mobilfunkanbieter geben auch keine genaue Anzahl ihrer Basisstationen bekannt.
Die notwendigen finanziellen Investitionen in das Funknetz ist der begrenzende Faktor.

Zitat
robiH
Die ab 2040 vorherrschende Nutzungsform wird m.E. Mobiler Gruppenvideochat in 1080p50 sein.

Echt? Nicht 3D mittels Projektion? Ich könnte mir schon denken dass bis dahin Videoübertragung in 3D eine größere Rolle spielen wird.

Zitat
robiH
1080p50 fähige Smartphones und Tablets gibt es bereits heute und Kommunikation per Text wird aussterben, weil es zu mühselig ist.

Auf kleinen Displays ist 1080p nicht sinnvoll darstellbar. In 30 Jahren wird uns die Evolution keine deutlich besseren Augen bescheren.
Ein Display mit 10 Zoll ist im Prinzip die sinnvolle Untergrenze für die 1080 Bildauflösung, denn besser wird das Bild mit noch mehr Bildpunkten für die Augen dann nicht mehr.

Zitat
robiH
Wenn jeder Einwohner der westlichen Welt dauerhaft, (so wie etliche heute schon ihr gesamtes Leben per Twitter oder per FB-Status verschlagworten) sein eigenes Leben in 1080p50 filmt und sendet, dann muß das Spektrum in der Lage sein, ca 1 Milliarde 1080p50 Upstreams zu verteilen.


Mal abgesehen dass ich den Sinn davon bzw. darin _nicht_ sehe. Dann brauchen wir keinen "Big Brother" mehr wenn wir unser eigenes Leben freiwillig preisgeben.
Mich kannst du schonmal von der Liste streichen, ich bin nicht daran interessiert jeden Schritt meines Lebens anderen Leuten unter die Nase zu reiben.
Ich halte Tätigkeiten wie Twitter-Meldungen und FB-Status posten heute schon für eine Form von Online-Exhibitionismus. Wers mag ok, aber ich werde mich nich daran beteiligen, ich poste keine Banalitäten, sondern nur Dinge die ich selbst für mitteilenswert halte.

Zitat
robiH
Wieviel Spektrum benötigt man dafür?

Da im Jahre 2040 sicherlich nicht jeder Videostreams verschicken wird... halte ich jede Antwort auf diese Frage für höchst spekulativ.
Bitte gehe mal von realistischen Schätzungen aus und übertrage nicht deine eigenen Wunschvorstellungen auf die Gesamtbevölkerung.

von Winnie2 - am 26.05.2012 11:55
Zitat
robiH
Eine eigenständige stationäre Nutzungsform wird verschwinden, da man ja alle seine mobilen Spielzeuge auch auf dem heimischen Sofa benutzen kann.

Du darfst aber nicht vergessen das eine "Daten über die Luft Übertragung" immer die teuerste Übertragungsform ist. Von der (technischen) Sicherheit möchte ich jetzt gar nicht erst reden. Das Ergebnis des ganzen würde nur sein das die Mobilfunker ihre Preise für mobile Datenversorgung noch weiter anheben. Denn das es das alles nicht gratis zu haben gibt und die Mobilfunker nicht die Wohlfahrt sind dürfte ja sogar unser allseits beliebter Forentroll verstehen.

Zitat
Winnie2
Die Mobilfunkanbieter rechnen mit großen Funkzellen. In großen Funkzellen befinden sich in dichter besiedelten Gebieten allerdings relativ viele Leute, und das führt zu niedrigen Datenraten für den einzelnen Nutzer.
Was nutzt es wenn da eine Funkzelle 400 bis 500 km² groß ist, selbst bei einer Bevölkerungsdichte von nur 100 Leuten/km² sollen dann also 40.000 bis 50.000 Leute mit einer LTE-Funkzelle versorgt werden. Wie realistisch ist das bitte?

Kleine leistungsschwache Zellen können aber auch nachteile haben. o2 hat hier beispielsweise auf das Prinzip der kleinen leistungsschwachen UMTS Zellen gesetzt. Der Vorteil ist das wenn man mal UMTS hat, dieses auch recht flott ist und man hat über den Tag auch kaum Geschwindigkeitsschwankungen. Die Zelle muss ja nur wenige Menschen versorgen. Der Nachteil ist aber das wenn man ein Gebäude betritt sofort der UMTS Empfang verschwindet und man nur noch gähnend lahmes GPRS hat. Außerdem ist das Netz löchrig wie ein Schweizer Käse. Da kann es schon mal vorkommen das ein paar Straßenzüge unversorgt sind und nur GPRS zur Verfügung steht weil die umliegenden UMTS Funzeln zu schwach sind. Wie klein so eine UMTS Zelle sein kann sieht man in Saarlouis. Der "Große Markt", ein nur wenige m² großes Gebiet, ist mit UMTS versorgt. Bewegt man sich nur 20 Meter davon entfernt schaltet das Handy sofort auf GPRS um. T-D1 und Vodafone arbeiten hier mit recht großen UMTS Zellen. Mit dem Nachteil das es über den Tag verteilt oft recht heftige Geschwindigkeitseinbrüche gibt und am Wochenende, wenn in Saarlouis in der Altstadt der Bär tobt und jeder Hempel mit seinem eiFön und Co bei Fäßbuuk rumsurfen will, das Netz gar keine Daten mehr von sich gibt. Dann funzen nur noch Telefonate und SMS. Mehr geht nicht mehr. Und das den ganzen Abend lang bis es sich in den frühen Morgenstunden wieder etwas entspannt.

von Spacelab - am 26.05.2012 13:08
OT:

@ PowerAM

Zitat

Nicht nur das Gesundheitswesen ist eine ureigene staatliche Aufgabe sondern auch der Strassenbau, die Energieversorgung und gaengige Kommunikationswege. Es spricht nichts gegeb private Komkurrenz, die ihrerseits aber gewinnorientiert denkt und handelt. Wohin z. B. ein rein privates Gesundheitssystem fuehrt kann man in den USA sehen. Sich von gewinnorientierten Monopolisten abhaengig zu machen ist dagegen dumm, wird aber trotzdem praktiziert und als politisch richtig bezeichnet.



Schön, daß sich mal ein Beamter dazu äußert. :-)

Ich sehe das auch so. Und deswegen kann ich es nicht verstehen, daß jemand der alten Bundespost mit ihrem Beamtenapparat (bitte nicht persönlich nehmen) und ihrer Monopolstellung, die keiner private Konkurrenz erlaubt, hinterherheult.

Sich generell von einem Monopolisten abhängig zu machen ist dumm - egal ob staatlich, privat oder sonstwas. Der Markt ist theoretisch offen, wird aber dennoch von einem ehemals staatlichen Monopolisten dominiert.

Und um mal wieder zum eigentlichen Thema zurück zu kommen. Die Crux an der Sache mit der digitalen Dividente ist ist ja, daß Kommunikationsunternehmen einen guten Frequenzbereich, d.h. ein Frequenzbereich, der ein großzelliges Netz, das problemlos durch bestehende Senderstandorte aufgebaut werden kann und für sie finanziell die günstigste Lösung bietet, besetzen wollen. Dieser Frequenzbereich ist aber doch sehr schmal, wenn man sich ausmalt, was an Bandbreite noch im GHz-Bereich möglich ist.

Klar, muß dann das Netz kleinzelliger sein. Dafür ist es aber frequenzökonomischer. Und mehr Bandbreite ermöglicht auch einen freieren Markt, der nicht von vornherein durch einige große Kommunikationsunternehmen besetzt wird. Zudem könnte man dieses Netz so aufbauen, daß nur die Bereiche einen drahtlosen Internetzugang bekommen, die dies auch benötigen.

Unbewohnte weite Felder mit LTE zu versorgen nur um irgendein Dorf in der Pampa zu erreichen ist Unsinn. Das wäre so, als würde man mitten in ein Feld Straßenlampen stellen. Dann doch lieber die Hauptverkehrswege sowie Dörfer und Städte mit einem kleinzelligen Netz im GHz-Bereich versorgen.

von Kay B - am 26.05.2012 16:15
Zitat
Kay B
OT:

@ PowerAM

Zitat

Nicht nur das Gesundheitswesen ist eine ureigene staatliche Aufgabe sondern auch der Strassenbau, die Energieversorgung und gaengige Kommunikationswege. Es spricht nichts gegeb private Komkurrenz, die ihrerseits aber gewinnorientiert denkt und handelt. Wohin z. B. ein rein privates Gesundheitssystem fuehrt kann man in den USA sehen. Sich von gewinnorientierten Monopolisten abhaengig zu machen ist dagegen dumm, wird aber trotzdem praktiziert und als politisch richtig bezeichnet.



Schön, daß sich mal ein Beamter dazu äußert. :-)

Ich sehe das auch so. Und deswegen kann ich es nicht verstehen, daß jemand der alten Bundespost mit ihrem Beamtenapparat (bitte nicht persönlich nehmen) und ihrer Monopolstellung, die keiner private Konkurrenz erlaubt, hinterherheult.

Sich generell von einem Monopolisten abhängig zu machen ist dumm - egal ob staatlich, privat oder sonstwas. Der Markt ist theoretisch offen, wird aber dennoch von einem ehemals staatlichen Monopolisten dominiert.

Wir hatten dieses Thema schonmal im OT-Forum ;-) . Meine Meinung dazu hat sich nicht geändert. Hinterherheulen tue ich ganz bestimmt nicht. Aber ich denke es ist wichtig, aufzuzeigen daß diese "Liberalisierung(en)" unausgegoren war(en) und ist(sind). Es ging damals auch niemals darum etwas zu überführen oder gar Beschäftigten einen Übergang, oder völlig upotisch eine Zukunft zu geben. Das waren eben bei Post und Bahn "Faule die der Allemeinheit auf der Tasche lagen und nie was geleistet haben" :sneg: :sneg: :sneg: . So wurden einerseits ganze Existenzen geschlachtet, andererseits Menschen direkt in den Ruhestand geschickt nur weil sie nicht mehr paßten, bzw. vor allem Kopfzahlen reduziert werden sollten. Wer zahlt das denn alles? Andererseits zeigen gerade mit den vom Regulierer auferlegte Preise für Post und Bahn das man wohl soviel Ahnung von Marktwirtschaft hat wie auch die Oberen damals im Sozialismus. Wird _etwas neues_ gebaut wird ebenso reguliert weil man eben im Markt eine Mehrheit hat. Wo sind denn die anderen die Infrasturktur schaffen? Im IT/TK-Markt fallen mir da nur löbliche Beispiele einiger (zu) weniger Lokalprovider ein. Wettbewerb zu gleichen Bedingungen, idealerweise bei einem neutralen, vielleicht weiterhin staatlichen, Netz, wollte man doch nie.
Was die Preise betrifft: Schau dir doch mal bitte z. B. Router an. Was konnte vor 15 Jahren ein Cisco 2500er und was kann heute ein Cisco aus der 800er Serie? Was kosten die im Vergleich? Wie sah es aus wenn man für 1000 Mark einen PC gekauft hatte und heute für 1000 € ? Und da lag ganz sicher nicht an einer Privatisierung! Schon mal mit Vermittlungstechnik auseinandergesetzt? Wie stellt man einen (! nur einen !) EMD-Wähler ein, welcher Aufwand steckt für eine VSt dahinter? Wie sah es dann schon Mitte der 90er z. B. mit EWSD oder S12 aus? Ich würde hier dann doch mal eher den technologischen Wandel als Hauptursache sehen.
Und dann sind wir nämlich auch da: Es ging und geht niemals darum die Bevölkerung sinnvoll zu versorgen (auch bitte über den aktuellen Bedarf hinaus, man will und muß ja zukunftsfähig bleiben). Man wollte und will nur Geld herausziehen. Und genau das sieht man jetzt bei den Frequenzen von DVB-T.
Anm.: Damit ist das Thema hier bitte durch. Weitere Diskussionen über Post/Bahn und sonstige Privatisierungen gerne weiter im OT-Forum.

von Thomas (Metal) - am 26.05.2012 20:00
Im Prinzip bewegen wir uns bei dieser Diskussion schon lange abseits vom ursprünglichen Thema.

Mein Statement zum eigentlichen Thema: DVB-T wird in Deutschland min. bis Ende dieses Jahrzehnts bleiben.

Es wurde das Thema Mobilfunk angesprochen. Vor 2016 kann der Mobilfunk gar keine weiteren Frequenzen als die derzeit zugeteilten erhalten. Weitere Frequenzen für den Mobilfunk im UHF-Band stehen deshalb – falls überhaupt – frühestens 2017, 2018 zur Verfügung.
Ab 2017 können die Mobilfunkanbieter allerdings auch die 900 MHz und weitere 1800 MHz Frequenzen für LTE (oder HSPA) nutzen.
Da muss sich dann erstmal (ab 2017) zeigen ob die Mobilfunkanbieter überhaupt weitere Frequenzen im UHF-Band benötigen.

Die Mobilfunker nutzen derzeit nicht mal alle ihnen zugeilten Frequenzen und schreien offenbar schon wieder nach mehr.

Fakt ist: Die Größe der Mobilfunkzellen sollte sich (bzw. muss sich) an der Bevölkerungsdichte orientieren.
UHF-Frequenzen unterhalb 880 MHz werden nur für die Versorgung von dünn besiedelten ländlichen Gebieten beim Mobilfunk benötigt.
Alle dichter besiedelten Gebiete sollten ausschliesslich mit Frequenzen oberhalb 880 MHz per Mobilfunk versorgt werden.
Und selbst in ländlichen Gebieten können Bereiche mit höheren Datendurchsatz (z.B. Urlaubs- u. Touristenorte) zusätzlich mittels LTE 1800 versorgt werden.

Zum Thema Monopol. Wie ich in einigen Gegenden selber feststellen konnte funktioniert der Ausbau von Breitbandinfrastruktur in ländlichen Gebieten nicht marktgetrieben über das Prinzip Angebot u. Nachfrage.

@Kay B
Es gibt schon Gründe für die Versorgung mit LTE in der Fläche, schliesslich soll LTE ja als _Mobilfunkdienst_ laufen, was bedeutet dass auch Landstraßen damit erreicht werden sollen. Und um das Straßennetz halbwegs vernünftig (mit Datendiensten) abdecken zu können werden zumindest ein paar MHz an Frequenzen im UHF-Band benötigt.
Die Datenraten die GSM heutzutage in die hintersten Winkel der Republik liefert sind echt nicht zeitgemäß. Und mit hinterste Winkel meine ich die Gebiete welche immer noch ohne Versorgung mit UMTS sind.

Aber ich stimme Thomas zu, Mobilfunk ist hier wirklich nicht das Thema sondern die Lebenserwartung von DVB-T.
DVB-T der ÖR bleibt min. bis 2017 u. vermutlich noch länger, oder es kommt die Umstellung auf DVB-T2.

Spekulieren können wir noch ob sich die Privaten von DVB-T verabschieden werden oder ihre Programme "grundverschlüsseln" werden.
Ob das von den Zuschauern angenommen wird oder nicht.
Etc. pp.

von Winnie2 - am 26.05.2012 20:48
@ Thomas (Metal)

Zitat

Hinterherheulen tue ich ganz bestimmt nicht.


Kommt hier aber so rüber, wenn du andauernd der alten Bundespost und der "Hoheitlichkeit des Postwesens" hinterhertrauerst.


Zitat

"Faule die der Allemeinheit auf der Tasche lagen und nie was geleistet haben"


Und genau das ist völliger Unsinn. Da gibt es sehr wohl Beamte, die sich für ihre Aufgaben förmlich den A**** aufreißen, aber auch nicht wenige, die freitags um 12:30 Uhr nicht mehr ansprechbar sind aus Angst, nicht pünktlich den Arbeitsplatz verlassen zu können. Das große Problem dabei ist, daß beide Gruppen gleich bezahlt werden bzw. nicht nach Leistung, sondern nach Alter und Dienstgrad. Und mit solchen Strukturen können wir in unserer heutigen globalen (Telekommunikations-) Wirtschaft einfach nicht mithalten.

Es ist schon der Wahnsinn, daß z.B. die Telekommunikationsunternehmen in Indien es schaffen, jedes letzte Kaff mit Breitbandinternet zu versorgen, hier in Deutschland aber manche Kleinstädte immer noch keinen Breitbandinternetanschluß haben, obwohl zahlreiche Unternehmen dies anbieten und die notwendigen Geräte installieren würden, durch die Blockadepolitik des einstigen Staatsunternehmens Telekom deren Leitungen aber erst nutzen dürfen, wenn die Telekom über ihre Leitungen selbst DSL anbietet.

Dann darf es niemanden wundern, wenn potentielle Konkurrenten so heiß auf LTE sind und an den Kapazitäten von DVB-T knabbern wollen. Denn die Alternative wäre dann eigentlich nur, wenn jeder Internetanbieter sein eigenes Kupferkabel legen würde.


Zitat

So wurden einerseits ganze Existenzen geschlachtet, andererseits Menschen direkt in den Ruhestand geschickt nur weil sie nicht mehr paßten, bzw. vor allem Kopfzahlen reduziert werden sollten. Wer zahlt das denn alles?


Das ist aber nunmal so, wenn man einen Beamtenapparat in ein auf dem Markt konkurrenzfähiges Unternehmen umwandeln will.


Zitat

Andererseits zeigen gerade mit den vom Regulierer auferlegte Preise für Post und Bahn das man wohl soviel Ahnung von Marktwirtschaft hat wie auch die Oberen damals im Sozialismus.


Was noch ein Argument dafür ist, daß sich der Staat da weitesgehend raushalten sollte.


Zitat

Wo sind denn die anderen die Infrasturktur schaffen?


Eben jene Konkurrenz-Unternehmen zur Telekom, die auf LTE setzen, da sie das vom Staat geerbte Kupferkabel- und Glasfasernetz der Telekom nur drittrangig und zu horrenden Preisen nutzen dürfen.

Da wäre es besser gewesen, der Staat hätte mit der Auflösung der Bundespost das Kabelnetz in ein separates Unternehmen ausgegliedert, das in keiner Beziehung zur Telekom steht (also keine Tochtergesellschaft oder ähnliches), nicht als Provider auftritt, sondern nichts anderes tut als seine Kapazitäten an Provider zu vermieten.


Zitat

Was die Preise betrifft: Schau dir doch mal bitte z. B. Router an.


Ich meinte nicht die Hardware, sondern die Gebühren für Telephon und Internet. Denn die waren (zumindest die Telephongebühr) zu Bundespost-Zeiten deutlich höher und sind erst mit der Privatisierung gefallen.


Zitat

Schon mal mit Vermittlungstechnik auseinandergesetzt?


Als ITler, ja! :D


Zitat

Damit ist das Thema hier bitte durch.


Nö, die Geschichte mit LTE ist doch ein schönes Beispiel dafür, wie sich der Markt entwickelt, wenn er von ehemaligen Staatsmonopolisten immer noch beherrscht wird.



@ Winnie2

Zitat

Es gibt schon Gründe für die Versorgung mit LTE in der Fläche, schliesslich soll LTE ja als _Mobilfunkdienst_ laufen, was bedeutet dass auch Landstraßen damit erreicht werden sollen.


Da muß man wohl erst mal eine Grundsatzentscheidung treffen, ob LTE als Mobilversorgung dienen soll oder als Alternative zum Telekomkabel.



@ Martyn136

Zitat

Was die Bandbreiten betrifft denke ich das der Bandbreitenhunger ohnehin bald ein Ende hat.


Sag das nicht. Als ISDN Ende der 1980er eingeführt wurde, hielt man die möglichen 128 kbit/s für astronomisch hoch.

Da der Trend im Internet immer weiter weg von "normalem" HTML hin zu Flash-basierten Seiten (bzw. mit Flash-Werbung zugemüllten Seiten) geht, ist das Ende des Bandbreitenhungers noch nicht absehbar.

von Kay B - am 27.05.2012 17:47
Zitat
Kay B
Zitat

Andererseits zeigen gerade mit den vom Regulierer auferlegte Preise für Post und Bahn das man wohl soviel Ahnung von Marktwirtschaft hat wie auch die Oberen damals im Sozialismus.

Was noch ein Argument dafür ist, daß sich der Staat da weitesgehend raushalten sollte.

Und? Glaubst du dann erhalten die ländlichen Gemeinden schneller einen Breitbandinternetzugang? Was sollte sie dazu bewegen auszubauen?
Zumal die Preise für die Anschlüsse stark steigen werden und es dann große Preisunterschiede für den Internetanschluß zwischen Stadt und Land geben würde.

Zitat
Kay B
Zitat

Wo sind denn die anderen die Infrasturktur schaffen?

Eben jene Konkurrenz-Unternehmen zur Telekom, die auf LTE setzen, da sie das vom Staat geerbte Kupferkabel- und Glasfasernetz der Telekom nur drittrangig und zu horrenden Preisen nutzen dürfen.

Das nutzt den Leuten die irgendwo in Dörfern abseits von Ballungsgebieten befinden wenig, denn gerade dort wurden keine Kabelnetze ausgebaut und die letzte Meile besteht rein aus Kupfertelefonleitungen.
Nix Glasfasernetz. Die Glasfaserleitungen müssen erstmal dorthin verlegt werden.
Und da die Anbieter selber entscheiden können wo diese ausbauen bauen diese für sie unrentable Gebiete nicht aus, einfach weil nicht sicher ist ob die in den Leitungsausbau investierten Gelder wieder über die Anschlussgebühren herein kommen werden.
Angenommen es baut ein Anbieter das Netz aus u. die Kunden wechseln zu günstigeren Alternativanbietern dann bleibt der Anbieter der in das Netz investiert hat auf den Kosten sitzen.
Von daher müsste der Ausbau der Netze doch wieder in die Hände eines Anbieters gelegt werden damit der Anbieter der ausbaut nicht auf den Kosten dafür sitzenbleibt. Das ist mit ein Hauptgrund weshalb der Ausbau so langsam vorangeht.

Zitat
Kay B
Da wäre es besser gewesen, der Staat hätte mit der Auflösung der Bundespost das Kabelnetz in ein separates Unternehmen ausgegliedert, das in keiner Beziehung zur Telekom steht (also keine Tochtergesellschaft oder ähnliches), nicht als Provider auftritt, sondern nichts anderes tut als seine Kapazitäten an Provider zu vermieten.

Ja, das wäre besser gewesen, meiner Ansicht nach.
Wettbewerb zwischen mehreren Unternehmen beim Ausbau von Infrastruktur ist nicht immer sinnvoll, denn es kann auch bedeuten dass sich diese gegenseitig blockieren u. dann keiner von denen in den weiteren Ausbau investiert.


Zitat
Kay B
...die Geschichte mit LTE ist doch ein schönes Beispiel dafür, wie sich der Markt entwickelt, wenn er von ehemaligen Staatsmonopolisten immer noch beherrscht wird.

Gerade bei LTE liegt Vodafone mit dem Ausbau leicht vor der Telekom.

Zitat
Kay B
Zitat

Es gibt schon Gründe für die Versorgung mit LTE in der Fläche, schliesslich soll LTE ja als _Mobilfunkdienst_ laufen, was bedeutet dass auch Landstraßen damit erreicht werden sollen.

Da muß man wohl erst mal eine Grundsatzentscheidung treffen, ob LTE als Mobilversorgung dienen soll oder als Alternative zum Telekomkabel.

Diese Entscheidung steht überhaupt nicht an, denn die Antwort auf die Frage im Falle von LTE 800 lautet schlicht: Beides!
Es gibt keine Bestimmung die die Nutzung von LTE 800 als Mobilfunkdienst verbietet.
Man kann heute bereits mit einem Notebook u. LTE-Stick sowie passendem Mobilfunktarif LTE 800 mobil nutzen. Es magelt lediglich an passenden Smartphones für LTE 800.

von Winnie2 - am 27.05.2012 20:14
@ Winnie2

Zitat

Und? Glaubst du dann erhalten die ländlichen Gemeinden schneller einen Breitbandinternetzugang? Was sollte sie dazu bewegen auszubauen?
Zumal die Preise für die Anschlüsse stark steigen werden und es dann große Preisunterschiede für den Internetanschluß zwischen Stadt und Land geben würde.


Das ist nunmal generell dieser Stadt-Land-Unterschied (und das sage ich als Landbewohner). Das ist nicht schön, aber ich hätte nicht erwartet, von einer Bundespost, die - wie die die Telekom später auch noch sehr lange - auf ISDN setzte, einen DSL-Anschluß zu bekommen.

Es ist einfach so, daß große und noch dazu staatliche Unternehmen (oder Einrichtungen) zu unflexibel für die schnelle Entwicklung des Telekommunikationsmarktes sind.

Dieser Stadt-Land-Unterschied hatte sich damals ja schon beim Breitbandkabel gezeigt. Dabei sollte ursprünglich ganz Deutschland ans Breitbandkabel angeschlossen werden. Daß soetwas nicht wirtschaftlich und nicht finanzierbar war, sah man glücklicherweise früh genug ein.


Zitat

Nix Glasfasernetz. Die Glasfaserleitungen müssen erstmal dorthin verlegt werden.


Was hier in den neuen Bundesländern ja gegeben ist. Hier hat die Telekom wahrscheinlich das am besten ausgebaute Glasfasernetz der Welt. Aber sie hütet es wie ein Neugeborenes. Da darf ja keiner ran. :-(


Zitat

Angenommen es baut ein Anbieter das Netz aus u. die Kunden wechseln zu günstigeren Alternativanbietern dann bleibt der Anbieter der in das Netz investiert hat auf den Kosten sitzen.


Das ist auch so. Deswegen sollten Netzinhaber und Provider nicht ein- und dasselbe Unternehmen sein. Statt die Bundespost in Unternehmen aufzuspalten - hier zum Beispiel in einen Netzanbieter und einen Provider - und diese dann zu privatisieren, hatte die Telekom alles vom Staat geerbt. Daß ein Unternehmen, das vom Netz bis zu den Providerleistungen alles inne hat, ungern Konkurrenten in seine Netze rein läßt, ist natürlich klar.


Zitat

Von daher müsste der Ausbau der Netze doch wieder in die Hände eines Anbieters gelegt werden damit der Anbieter der ausbaut nicht auf den Kosten dafür sitzenbleibt.


Das stimmt auch nicht so ganz. Denn jene günstigeren Drittanbieter, die das ausgebaute Netz der Telekom mieten, müssen auch nicht wenig dafür zahlen. Das wird seitens der Telekom nur so gerne hingestellt, daß sie die Netze ausbauen und dann auf den Kosten sitzenbleiben würden um so den Ausschluß von Konkurrenten zu rechtfertigen.


Zitat

Wettbewerb zwischen mehreren Unternehmen beim Ausbau von Infrastruktur ist nicht immer sinnvoll, denn es kann auch bedeuten dass sich diese gegenseitig blockieren u. dann keiner von denen in den weiteren Ausbau investiert.


Das hat natürlich auch Nachteile, ist aber immer noch besser, als sich von einem Monopolisten abhängig zu machen. Neue Netze aufzubauen ist natürlich ein für einzelne Unternehmen kaum stämmbarer Akt. Es ist halt aber leider so, daß ein großes Unternehmen das bestehende Netz vom Staat geerbt hat und gerne darauf hockt wie die Henne auf dem Ei.


Zitat

...die Geschichte mit LTE ist doch ein schönes Beispiel dafür, wie sich der Markt entwickelt, wenn er von ehemaligen Staatsmonopolisten immer noch beherrscht wird.

Gerade bei LTE liegt Vodafone mit dem Ausbau leicht vor der Telekom.


Das ist auch verständlich. Denn sie haben im Gegensatz zur Telekom kein Leitungsnetz geerbt. Der große Nachteil dabei ist halt, daß dadurch nun DVB-T eingeschränkt werden soll.

von Kay B - am 27.05.2012 22:12
Die Deutsche TV-Plattform hat heute eine PM zur Zukunft des terrestrischen Fernsehens in Deutschland herausgebracht:

Zitat

Digitales Antennenfernsehen in Deutschland braucht klare Zukunftsimpulse

Deutsche TV-Plattform plädiert für Weiterentwicklung von portablem Fernsehempfang -
Verkauf von DVB-T-Empfängern und neue Programmaufschaltungen belegen großes Potential der Fernsehterrestrik


Frankfurt am Main, 06.06.2012, Schon seit dreieinhalb Jahren ist die TV-Terrestrik in Deutschland vollständig digitalisiert. Doch wie geht es weiter mit der Antennentechnik? Die Deutsche TV-Plattform appelliert an die Branche, jetzt zusätzliche Impulse für die Weiterentwicklung des ÜberallFernsehens zu geben.

Das seit Ende 2008 in Deutschland flächendeckend und komplett digital verfügbare Antennenfernsehen DVB-T ist bei den Zuschauern nach wie vor sehr beliebt. Dies bestätigen aktuelle Verkaufszahlen der GfK Retail & Technology GmbH. So sind im vergangenen Jahr zum Beispiel für die Nutzung von DVB-T allein 690.000 Set-Top-Boxen und 720.000 USB-Empfänger verkauft worden. Letztere machen mit geringem Aufwand TV-Geräte oder PCs und Laptops fit für das digitale Antennenfernsehen. Selbst für Smartphones und Tablet PCs gibt es inzwischen solche preiswerten DVB-T-Lösungen.

Hervorzuheben ist auch das Engagement der Automobilindustrie, denn in hundertausenden PKW der Oberklasse gehört der Digitalfernsehempfang quasi zum Standard. DVB-T ist der einzige Verbreitungsweg, mit dem digitales Fernsehen unterwegs gesehen werden kann. Dieses einmalige Merkmal des terrestrischen TV-Empfangs erfüllt den Wunsch der Kunden, mobil und flexibel die Angebote des Rundfunks zu nutzen. Durch ein neuentwickeltes automatisches „Handover“ Verfahren konnte dabei der unterbrechungsfreie TV-Mobilempfang zusammen mit der Automobilindustrie weiter erheblich verbessert werden.

Das Potential der Terrestrik bietet auch den Programmveranstaltern die Chance zusätzlicher Verbreitung. So sind seit Jahresbeginn acht weitere Themensender in diversen Regionen wie Berlin-Brandenburg, Hannover-Braunschweig und im Rhein-Main-Ballungsraum aufgeschaltet worden. Kunden in diesen Gebieten sollten einen Sendersuchlauf an ihren Empfangsgeräten starten, um die zusätzlichen Angebote zu genießen. Dies gilt im Übrigen auch für Regionen, in denen Programme durch die Neubelegung von UHF-Frequenzen zu Gunsten des LTE-Mobilfunks auf andere Kanäle verlegt wurden.

Sogar interaktive HbbTV-Angebote sind heute schon über DVB-T nutzbar, wenn Zuschauer die smarten TV-Geräte zusätzlich zur Antenne auch per LAN oder WLAN mit dem Internet verbinden. Damit wächst die Inhalte- und Nutzungsvielfalt der terrestrisch versorgten Fernsehhaushalte – einfach per Knopfdruck auf der roten Taste der Fernbedienung.

Leider zeichnet sich seit Februar 2012 ab, dass die Zukunft der Terrestrik zunehmend in Frage gestellt wird. Auf der Weltfunkkonferenz WRC wurden die Weichen für die gleichberechtigte Nutzung von weiteren Rundfunkfrequenzen im UHF-Spektrum für Mobilfunk gestellt. Sollte dieses Modell auch für Deutschland greifen, könnte es erhebliche Einschränkungen für die Nutzung der Terrestrik durch die TV-Sender bedeuten. Nach der bereits erfolgten Umsetzung der Digitalen Dividende wäre eine weitere Frequenzumverteilung die Folge.

„Wer über den weiteren Abbau von Frequenzen bis in das 700 MHz-Spektrum diskutiert, verbaut dem Antennenfernsehen vitale Zukunfts-Chancen“, warnt Dr. Helmut Stein, Leiter der bisherigen AG Terrestrik und Vorstandsmitglied der Deutschen TV-Plattform: „Nötig sind jetzt klare Impulse durch konkrete Pläne aller Beteiligten zur Weiterentwicklung der digitalen Terrestrik sowie eine Unterstützung der Bundes- und Landespolitik“. Die Deutsche TV-Plattform appelliert daher an die Entscheidungsträger in der gesamten Wertschöpfungskette, die notwendigen Weichenstellungen zur Sicherung und für den weiteren Ausbau der Terrestrik vorzunehmen - besonders im Interesse der Zuschauer, die das Überallfernsehen schätzen und weiter in Empfangsgeräte investieren.


http://www.tv-plattform.de/images/stories/archiv/2012/pi-12-09_dvb-t_final.pdf

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Heute erschien auch eine gemeinsame Pressemitteilung von LfM und WDR zum selben Thema:

Zitat

WDR-Rundfunkrat und Medienkommission der LfM sorgen sich um Erhalt der Rundfunkfrequenzen

Die Medienkommission der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) und der Rundfunkrat des WDR sorgen sich darum, dass bei einer Umwidmung von Rundfunkfrequenzen für den Mobilfunk die Belange des Rundfunks als öffentliches Kulturgut zu stark vernachlässigt werden. Anlass ist die auf der World Radiocommunication Conference (WRC-12) im Februar 2012 in Genf getroffene Entscheidung, weitere Frequenzkapazitäten für die gleichberechtigte Nutzung von Rundfunk und Mobilfunk frei zu geben. Dieser möglicherweise in anderen Regionen der Welt sinnvolle Beschluss darf nach gemeinsamer Einschätzung von Rundfunkrat und Medienkommission in Deutschland nicht zur Anwendung kommen.

Beide Gremien haben die große Sorge, dass mit einer Umwidmung des Frequenzbandes der Rundfunk in seiner Aufgabenerfüllung eingeschränkt wird, weil die Entwicklungsmöglichkeiten der terrestrischen Verbreitung gekappt werden. So hat auch das renommierte Institut für Rundfunktechnik (IRT) in München im Zusammenhang der World Radiocommunication Conference 2012 vor einer weiteren Umwidmung von Rundfunkfrequenzen für den Mobilfunk gewarnt.

Die freie Zugänglichkeit sowie eine sichere, flächendeckende und für alle Bevölkerungsteile kostengünstige Möglichkeit zur Versorgung mit Rundfunkprogrammen wird auch künftig eine zentrale Grundlage der demokratischen Willensbildung sein. In jedem Fall müssen die Belange des Rundfunks als kulturelles Gut Berücksichtigung finden. Frequenzen sind ein öffentliches Gut, auch für die Sicherstellung des Medienpluralismus.

Die Rundfunkveranstalter müssen nun baldmöglichst klare Aussagen zu den Entwicklungsperspektiven des digitalen terrestrischen Rundfunkempfangs machen. Vor allem müssen Vertreter des Rundfunks an allen Beratungen und Verhandlungen über die Rundfunkfrequenzen angemessen beteiligt werden.

Beide Vorsitzende, Ruth Hieronymi für den WDR-Rundfunkrat und Dr. Frauke Gerlach für die Medienkommission der LfM, sprachen sich weiterhin nachdrücklich dafür aus, zunächst die bisherigen Erfahrungen mit der Umwidmung von Rundfunkfrequenzen für den Mobilfunk auszuwerten und Lehren aus diesem Verfahren zu ziehen.

Die vorbereitenden Beratungen fanden in den jeweiligen Ausschüssen statt; im Ausschuss für Rundfunkentwicklung des WDR-Rundfunkrats unter Vorsitz von Horst Schröder und im Ausschuss für Medienentwicklung der LfM-Medienkommission unter Vorsitz von Matthias Arkenstette. Beide Ausschüsse befassen sich in regelmäßig stattfindenden Treffen mit den aktuellen medientechnologischen Themenbereichen sowie deren Auswirkungen auf den Rundfunk und die Nutzer. In diesem Jahr fand dieser Austausch bereits zum siebten Mal statt.


von Manfred Z - am 06.06.2012 16:26
Meldung von DigiTAG vom 19. Juni:

Zitat

EC calls for more frequencies for wireless broadband

The Vice President of the European Commission, Neelie Kroes, delivered a speech in favour of the further allocation of frequencies in the UHF band for wireless broadband services.

This speech was given at the Spectrum Management Conference on 19 June.

According to Kroes, the currently harmonised spectrum will not be sufficient to match the growing demands of wireless broadband services and more spectrum will be necessary.

She also called for a spectrum inventory to take place at a European level to better understand how frequencies are currently being used. Kroes believes that spectrum could be sourced by making more efficient use of frequencies or re-allocating the under-used frequencies.

The "shared access" to spectrum was another solution presented by Kroes. She noted that the Radio Spectrum Policy Programme is currently preparing a communications on the topic.

Most controversially for broadcasters, Kroes called for a gradual shift in broadcasting from high-power networks to low-power Single Frequency Networks. However, she noted that the cost of doing so should not be borne by broadcasters.


http://www.digitag.org/

Text der Rede: http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=SPEECH/12/459&format=HTML&aged=0&language=EN&guiLanguage=en

Zitat

There are new ways to make use of mobile broadband – new devices, new apps, new services.

And overall, mobile data traffic more than doubled in one year. By 2016, such traffic in Europe could reach three trillion megabytes a month. [...]

Second, we have seen increasing freeing up of spectrum. Analogue TV signals in more and more countries have been switched off, as we prepare to get the huge benefits of the digital dividend in the 800 Megahertz band.

Third, we agreed and adopted our Radio Spectrum Policy Programme, ahead of schedule. A framework to help make spectrum available, enhance flexibility and efficiency, and promote competition, without fragmentation.

Bringing down the barriers to exponential mobile growth.

Fourth, we had the World Radio Conference – and in particular, developments on the 700 MHz band.

Today I'd like to talk to you about how we plan to take all these issues forward. How to respond to developments – how to use our new toolbox to deliver for the industries using spectrum – and how to boost our overall economy. [...]


Of course you'll all be aware of the results of the 2012 World Radio Conference, especially on the 700 Megahertz band.

The next conference in 2015 will now inevitably allocate this band for mobile services alongside broadcasting. [...]


So I want us to reach a consensus on the long-term use of the 700 Megahertz band.

And to do that we need to have a discussion on the spectrum needs for broadcasting as a whole.

Let me already share with you some of our thinking.

We need to balance interests from the two sectors, broadcasting and wireless broadband services. But there are tools to make it easier.

Let's look at spectrum-efficient technologies - for both sectors.

Let's look at sharing, not just spectrum, but infrastructure, between the two sectors. Including "passive infrastructure" like sites and masts.

And while we're doing this, let's move away from the old, sterile fight about Broadcasting versus Broadband, and examine more forward-looking scenarios.

Let's see how we can help convergence between the two so that every European has easy access to innovative and interactive content and services.

Let's look at a gradual shift for broadcasting: moving from high-power networks to low-power Single Frequency Networks. Even though I realise that this will involve coordination negotiations between Member States and with neighbouring countries.

And let's ensure that the costs incurred are not carried by the broadcasters. After all, spectrum below 1 Gigahertz is valuable. Mobile operators can hardly expect to get those amazing opportunities for free.


Of course changes in the 700 Megahertz band may also affect others in other ways: from wireless microphones to emergency services, as well as cable and TV receivers. We have to ensure transparency, find ways to mitigate such interference, and, over time, help them migrate. [...]


von Manfred Z - am 20.06.2012 12:51
Beim Institut für Europäisches Medienrecht (EMR) gab es am 26. Sept. ein Workshop zum Thema "Kultur funkt SOS: 'Save Our Spectrum' - Frequenzpolitik allein nach Marktrelevanz?". Es ging um UHF-Frequenzen für den Rundfunk (DVB-T) und vor allem um PSME (Funkmikrofone etc).

http://www.emr-sb.de/frame1.htm (nach 26.9.2012 suchen)

Inzwischen liegen die Präsentationen zu den meisten Vorträgen vor.

Zuerst ein Auszug aus der Einführung des Direktors des EMR, Dr. Norbert Holzer:

Zitat

Kultur – das ungeliebte Kind der Frequenzpolitik

Aktuell vollziehen sich im UHF-Band zwischen 470 und 862 MHz
bemerkenswerte Umwälzungen. Bis vor kurzem noch wurde dieser Teil des
Spektrums hauptsächlich vom terrestrischen Fernsehen (damals noch in
analoger Technik) genutzt, und zugleich - in sozusagen symbiotischer
Verflechtung - durch die drahtlose Produktions- und Veranstaltungstechnik
PMSE (Program Making and Special Events). Sie konnte in den zwischen den
Fernsehsignalen und den Kanälen verbleibenden Lücken von 1 MHz Breite
verlässlich arbeiten.

Die Digitalisierung des terrestrischen Fernsehens (also der Umstieg auf
den Übertragungsstandard DVB-T einschließlich Kompression des Signals)
führte zu dem gewünschten Effekt, dass Frequenzbereiche in diesem wegen
seiner physikalischen Eigenschaften für viele Anwendungen sehr attraktiven
Band frei geworden sind. Dass sie auch einen Nebeneffekt hatte, nämlich
das Verschwinden der Übertragungsmöglichkeiten für drahtlose Produktions-
mittel, wurde bisher kaum thematisiert.


Forciert und beschleunigt wurde die Digitalisierung nicht etwa dadurch,
dass das Publikum hörbar nach digitaler Übertragungstechnik verlangt
hätte, sondern durch den erhöhen Frequenzbedarf der Mobilfunkanbieter,
die die verfügbar werdenden Frequenzen - man spricht bekanntlich von der
Digitalen Dividende I - für neue drahtlose Kommunikationstechnologien
und namentlich für ortsungebundene breitbandige und schnelle Internet-
zugänge benötigten.

In der Tat ist ein großer Teil des Abschnitts oberhalb von 790 MHz, auf
den sich die sog. Digitale Dividende I bezieht, im Einklang mit einer Mit-
teilung der Europäischen Kommission von 2009 mittlerweile in den meisten
EU-Mitgliedstaaten für Mobilfunkanwendungen freigegeben. In Deutschland
sind diese Frequenzen für den Betrieb im neuen Mobilfunkstandard LTE
(Long Term Evolution) vorgesehen, der Datenübertragungsraten bis zu
300MBit/sec erreichen kann, entsprechende Kanalbreiten vorausgesetzt.

Auf der WRC-12 (World Radiocommunication Conference 2012) wurden die
Weichen für die Umwidmung weiterer Frequenzen gestellt. Schon auf der
Folgekonferenz WRC-15 könnte nach den Anfang dieses Jahres
abgesegneten Plänen beschlossen werden, den Bereich 694-790 MHz (aus
dem die sog. Digitale Dividende II erwirtschaftet werden soll)
in der I.T.U.-Region 1 (sie umfasst Afrika, die arabischen Länder und
Europa) für den Breitbandmobilfunk freizugeben.

Der für die ursprünglichen Nutzer des UHF-Bandes verfügbare Frequenz-
abschnitt würde damit auf 224 MHz schrumpfen. Der Beschluss war auf
Initiative vorwiegend der arabischen und afrikanischen Staaten zustande
gekommen, die geltend gemacht hatten, sie benötigten für die Entwicklung
ihrer Internet-Infrastruktur funkgestützte Zugänge in DIESEM Band, weil
sie das 800-Meter-Band für militärische Anwendungen einsetzten.

Betrachtet man die praktischen Konsequenzen dieser Bewegungen, die
sich ja nicht vage am Horizont wahrnehmen lassen, sondern schon sichtbar
auf den Weg gebracht sind, dann fallen das terrestrische Fernsehen in
Europa und --leider erst beim zweiten Hinschauen-- die drahtlosen
Kommunikations- und Produktionsmittel
ins Auge.

Für das terrestrische Fernsehen in Europa dürfte sich eine weitere
Beschneidung seines Frequenzspektrums als problematisch erweisen, da
(anders als bei der Digitalen Dividende I) nun Bereiche betroffen wären,
deren Verlust auch eine erhebliche Umstrukturierung der TV-Sender
erforderlich machen würde und eine Einschränkung der DVB-T-Kapazitäten
zur Folge hätte. Das wäre aus Sicht der Veranstalter unangenehm und für
das Publikum lästig, beträfe gleichwohl nur einen von mehreren
Übertragungswegen, und nicht einmal den wichtigsten, wäre somit für das
Fernsehen auch nicht im Ansatz existenziell.

Bedrohlicher stellt sich die Lage für die PMSE dar.
Ihnen gilt heute unsere Aufmerksamkeit.


von Manfred Z - am 06.10.2012 16:39
Präsentationen vom Workshop des EMR:


I. Frequenzen als wertvolles Gut (5 Vorträge)


3) Schnelles terrestrisches Internet als Universalnetz in Europa?
Der Frequenzbedarf des Mobilfunks (engl.)
Karl-Heinz Laudan, Deutsche Telekom AG


4) Der Entwicklungsbedarf des terrestrischen Fernsehens in Europa (engl.)
Darko Ratkaj, EBU

Zitat

Can we agree that
• Spectrum management is a means to an end.
• The benefit of the end user is paramount.
-- increasing choice, high quality, low cost
• Users care about services, not technology.
• Services can be accessed in many different ways.
• The radio spectrum cannot be manufactured.
• The available spectrum should be used to maximise the benefits for the end users:
-- maximum choice, maximum quality, minimum cost

The terrestrial broadcasting networks are a key delivery infrastructure
for public service media in Europe.

• Technically efficient
• Near-universal coverage
• Legacy receiving equipment
• Cost efficient
• Free-to-air
No other delivery platform combines all these features to the same degree as DTT.

BROADCASTING OR BROADBAND?
This is a false dilemma!
>>> BROADCASTING AND BROADBAND!

To be done
1. Include broadcasting receivers in mobile devices (smartphones and tablets)
2. Facilitate cooperation between terrestrial broadcasting and mobile broadband networks
3. Enable spectrum sharing
- broadcasting and PMSE
- broadcasting and mobile broadband
- PMSE and mobile broadband
4. Promote the use of technology that is optimal for a specific service to be delivered

Spectrum needs for broadcasting
... depend on the specific circumstances in each country.
• European countries are very different in terms of the size and diversity of terrestrial broadcast market.
• Spectrum allocations should encourage further development of technology and services.



II. Kultur als wertvolles Gut (2 Vorträge)


1) Kultur und Frequenzen – Die Position des EP-Kulturausschusses
Sabine Verheyen, Mitglied des Europäischen Parlaments

Zitat

Programm für die Frequenzpolitik (RSPP)
• TK-Paket
-- Berücksichtigung des kulturellen Wertes des Spektrums
-- Störungsfreier Fortbestand und Entwicklungsfähigkeit des Rundfunks
• Entschließung des Europäische Parlaments vom 15. November 2011 zur ITU-Weltfunkkonferenz 2012
-- Forderung für den mobilen Datenverkehr bis 2015 hinreichende und geeignete Funkfrequenzen
in einer Gesamtbandbreite von mindestens 1.200 MHz bereitzustellen
-- Überprüfung der Freigabe zusätzlicher Frequenzbänder?
Diskussion um 700-MHz/Digitale Dividende II
• Beschluss des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. März 2012
über ein Mehrjahresprogramm für Frequenzpolitik (RSPP)
--> Kerndiskussion Kulturausschuss:
--> Adäquater Ausgleich
--> Terrestrischer Rundfunk
--> Begünstigung von Mobilfunkanbietern
--> Öffnung 700 MHz-Band
--> Interferenzproblematik (Billigkeitsrichtlinie BRD 29.09.2011?
Bund erstattet knapp 380.000 Euro für Störungen bei drahtloser Produktionstechnik)

Diskussion über die Zuordnung von weiterem Spektrum an den Mobilfunk
• Die Bundesnetzagentur plant, neue Frequenzen für das mobile Internet
im Bereich von 900 MHz und 1.800 MHz freizugeben (ab dem 1. Januar 2017).
• Gibt es wirklich einen Bedarf an mehr Spektrum?
-- Je höher der Entwicklungsstand des LTE, desto größer die Effizienz beim Gebrauch des Spektrums.
-- Zurzeit ist dreimal so viel Spektrum vorhanden, als die Mobilfunkanbieter tatsächlich benutzen.
Es wird zudem noch mehr Spektrum frei, sobald das technisch überholte GSM ausscheidet.
-- Das Spektrum kann mit der Verdichtung des mobilen Netzes ausgebaut werden.

EU-Kommission drängt auf Förderung der funktechnischen Innovation durch gemeinsame
Nutzung von Funkfrequenzen
[KOM(2012) 478, 3.9.2012]
• Gemeinsame Nutzung bestimmter Frequenzen durch neue Technologien
• “White Spaces” könnten für mobile Breitbanddienste genutzt werden.
• Der Frequenzbereich 470-698 MHz für eine gemeinsame Nutzung angeregt.
• EU-weit abgestimmte Regulierungskonzepte für gemeinsame Nutzungsrechte sollen gefördert werden.

Neelie Kroes, EU-Kommission, 2012:
„Funkfrequenzen sind ökonomischer Sauerstoff, den alle Personen und Unternehmen brauchen.
Wenn uns die Frequenzen ausgehen, dann werden unsere Mobilfunk- und Breitbandnetze
zusammenbrechen. Dazu darf es nicht kommen. Deshalb müssen wir diese knappe Ressource
bestmöglich ausnutzen, indem wir sie wiederverwenden und einen Binnenmarkt daraus machen.
Wir brauchen einen Frequenzbinnenmarkt, um unsere weltweite industrielle Spitzenposition
in der Mobilfunk- und Datentechnik zurückzuerobern und damit in Europa wieder mehr in
Forschung und Entwicklung investiert wird.“



III. Welchen Wert muss Kultur bringen? (2 Vorträge)


Die zitierten EU-Papiere sind unten auf der Übersichtsseite verlinkt.
Man beachte das neueste Papier: Mitteilung der Kommission -
Förderung der gemeinsamen Nutzung von Funkfrequenzen im Binnenmarkt

[KOM(2012) 478, 3.9.2012]

Direkt bei der EU

von Manfred Z - am 06.10.2012 16:44
Die Deutsche TV-Plattform hat ein Positionspapier zum frequenzpolitischen Programm der Bundesregierung „Mobile Media 2020“ vorgelegt.

Dazu die Presseinformation der Deutschen TV-Plattform vom 13. November 2012:

Zitat

Experten warnen: Verknappung der Rundfunkfrequenzen gefährdet die Zukunft der Terrestrik

Positionspapier der Deutschen TV-Plattform zum frequenzpolitischen Programm der Bundesregierung „Mobile Media 2020“ vorgelegt

Berlin. Um die Entwicklungsmöglichkeiten des Rundfunks nicht zu beschneiden, muss von einer überhasteten Vergabe von terrestrischen Frequenzen, insbesondere an den Mobilfunk, abgesehen werden. Kooperative Lösungen sind im Dialog zu entwickeln – hierzu steht die Deutsche TV-Plattform zur Verfügung.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) erarbeitet im Nachgang der Weltfunkkonferenz (WRC) 2012 bzw. in Vorbereitung der WRC 2015 eine Strategie zur Nutzung von Funkfrequenzen im Bereich 470 bis 790 MHz. Das gegenwärtig vom terrestrischen Rundfunk und den drahtlosen Mikrofonen genutzte Spektrum ist bei den Anbietern verschiedener Dienste aufgrund seiner Eigenschaften besonders beliebt. So haben nicht nur Mobilfunkbetreiber, sondern auch Anbieter von Sicherheits- und militärischen Anwendungen ein Auge darauf geworfen. Für das BMWi gilt es, die verschiedenen Ansprüche zu vereinbaren, wofür das frequenzpolitische Programm „Mobile Media 2020“ erarbeitet wird.

Aus Sicht der Deutschen TV-Plattform steht der Erhalt bzw. die Weiterentwicklung der beliebten terrestrischen Rundfunkverbreitung an erster Stelle - z.B. mit dem Nachfolgestandard DVB-T2. Das erfordert den Erhalt des gesamten verbleibenden Spektrums. „Dieses Vorgehen ermöglicht Planungssicherheit für alle Beteiligten inklusive der Verbraucher“, sagt Dr. Ulrich Liebenow (MDR), Leiter der AG Infrastruktur und Vorstandsmitglied der Deutschen TV-Plattform.

Die Experten der Deutschen TV-Plattform verweisen in ihrem Positionspapier gegenüber dem BMWi darauf, dass der Kapazitätsbedarf des Mobilfunks mit den bereits zugewiesenen Frequenzen, u.a. aus der „digitalen Dividende“, mittelfristig gedeckt ist. Die Mitglieder der Deutschen TV-Plattform unterstreichen neben dem Bedarf des Rundfunks, dass eine Koexistenz der drahtlosen Produktionsmittel mit Mobilfunk-Diensten im gleichen Spektrum nahezu unmöglich ist. Die Funkmikrofone, die u.a. in zahlreichen öffentlichen Einrichtungen wie Theatern und bei Veranstaltungen zum Einsatz kommen, mussten bereits nach der letzten milliardenschweren Frequenzversteigerung umziehen, was erheblichen Entwicklungsaufwand seitens der Industrie und umfangreiche Kosten sowohl bei Herstellern als auch Nutzern verursachte.

Eine vom BMWi vorgeschlagene Option zur künftigen Nutzung des UHF-Spektrums zielt auf kooperative Ansätze von Rundfunk und Mobilfunk. Aus Sicht der Deutschen TV-Plattform könnte angesichts der zunehmenden Konvergenz eine Kombination von großzelligen Rundfunk- mit kleinzelligen Mobilfunknetzen eine Chance für die kombinierte Verbreitung multimedialer Inhalte darstellen. Ein solches Szenario ist jedoch sorgfältig und unter Einbeziehung aller Marktbeteiligten vorzubereiten.

„Wir als Rundfunk-Branche verschließen uns einer Zusammenarbeit mit dem Mobilfunk keinesfalls und begrüßen ausdrücklich konstruktive Gespräche miteinander“, so Dr. Liebenow. Ein geeignetes Forum des produktiven Dialogs sei die Deutsche TV-Plattform mit ihren Arbeitsgremien.


http://www.tv-plattform.de/de/oeffentlichkeitsarbeit/pressemitteilungen.html

Seite "Frequenzpolitik" des BMWi:

http://www.bmwi.de/DE/Themen/Digitale-Welt/Digitale-Infrastrukturen/frequenzpolitik.html

von Manfred Z - am 13.11.2012 17:40
In diesem Monat ist einiges passiert, was bei der Planung des TKLM-Symposiums so nicht vorauszusehen war.

Am 16. Januar ist die Absicht der RTL-Gruppe bekannt geworden, bis Ende 2014 aus DVB-T auszusteigen.

Siehe hier: http://radioforum.foren.mysnip.de/read.php?8773,1097847,page=1

So ist dies zu einem Thema auf dem Symposium geworden und hat sich in der Pressemitteilung der DLM widergespiegelt:

"Nach RTL-Ankündigung warnt DLM-Vorsitzender Jürgen Brautmeier auf dem TKLM-Symposium vor negativen Effekten."

Prof. Reimers, TU BS, konnte in seinem Vortrag schon den Plan B präsentieren.

Zur PM und zu den Vorträgen vom Symposium:

http://www.die-medienanstalten.de/service/veranstaltungen/veranstaltungsarchiv/tklm-symposium/tklm-symposium-2013.html

------------------------------------------------------------------------------

Aus einer Nachlese am 25. Januar in den VDI-Nachrichten:

Zitat

Tobias Schmid von der RTL Mediengruppe machte auf der TKLM-Tagung noch einmal deutlich, dass die Ausstiegsentscheidung „endgültig“ sei und dass es nun eine Chance für eine neue Technologie gäbe.

Dafür war Jürgen Brautmeier, Vorsitzender der TKLM [richtig: DLM], „RTL sogar dankbar, dass zu diesem Zeitpunkt eine solche deutliche Ansage gekommen ist, denn jetzt wissen wir, wie wir weitermachen können“. Nutzern und Veranstaltern sei nicht länger zuzumuten gewesen, in dieser Ungewissheit zu leben.

Auch Rainer Wegner vom Bundeswirtschaftsministerium bedankte sich artig beim RTL-Mann Schmid: „Gibt es doch aus dem Blickwinkel zukünftiger Frequenznutzungskonzepte deutlich mehr Klarheit, und wir können letztendlich unsere Entwicklungsarbeiten darauf aufsetzen.“

Doch diesen Punkt sehen gerade die Broadcaster anders, erinnerten wie Helwin Lesch vom Bayerischen Rundfunk „an die Versorgungsverpflichtung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“.

Andreas Bereczky, Produktionsdirektor des ZDF, ging noch einen Schritt weiter und machte klar, „dass die Terrestrik für uns der Erst-Verbreitungsweg ist, Kabel, Satellit und alle anderen sind Zweit-Verbreitungswege“. Und dann die für viele erlösende Botschaft: „Ich kann nur sagen, das ZDF wird nicht aufhören, terrestrisch auszustrahlen. Wir haben auch eine verfassungsmäßige Verpflichtung, auch in der zukünftigen Technologiewelt wiedergefunden zu werden.“

Bernd Kraus, CEO von Media Broadcast, kritisierte den „Wahnsinns-Gestaltungsdruck, der jetzt entstanden ist“, und befürchtet: „Am Schluss liegt eine Leiche auf dem Boden, die keiner haben wollte.“ Allerdings könnten die RTL-Sendeplätze auch von anderen Programmveranstaltern genutzt werden – die hätten dann den Vorteil, eher gefunden zu werden.


http://www.vdi-nachrichten.com/artikel/RTL-pfeift-kuenftig-auf-DVB-T-terrestrisches-Fernsehen-geraet-unter-Druck/62425/1

von Manfred Z - am 30.01.2013 21:23
Prof. Reimers hatte es auf dem TKLM-Symposium am 17. Januar (siehe die letzten zwei Beiträge auf der Vorseite) schon angekündigt:

Am 29. Januar ist ein Gutachten zur zukünftigen Nutzung des UHF-Bandes beim Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) abgegeben worden. Es trägt den Titel:

"Untersuchung der zukünftigen Frequenzbedarfe des terrestrischen Fernsehens und des Mobilfunkdienstes sowie weiterer Funknutzungen im Frequenzband 470-790 MHz sowie Bewertung von Optionen zur Verteilung der Frequenznutzungen unter sozio-ökonomischen und frequenztechnischen Gesichtspunkten insbesondere im Teilfrequenzband 694-790 MHz"

http://www.bmwi.de/DE/Mediathek/publikationen,did=548924.html

Aus der "Zusammenfassenden Darstellung" [Vorlaufseite i] des Gutachtens des IfN der TU BS (Profs Kürner & Reimers) im Auftrag des BMWi:

Zitat

Vor dem Hintergrund der Entscheidung der World Radiocommunication Conference (WRC) 2012 über die Tagesordnung der WRC 2015, bei der es unter anderem um Untersuchungen zur möglichen zukünftigen Nutzung des Frequenzbandes von 694 MHz bis 790 MHz für den Mobilfunkdienst gehen soll, analysiert das vorliegende Gutachten anfänglich die Perspektiven der bisher in diesem Frequenzband stattfindenden terrestrischen TV-Verteilung.

Es entwickelt drei mögliche Szenarien, von denen nur das Szenario „Umstieg von DVB-T auf DVB-T2“ und das Szenario „Ausstieg aus der terrestrischen TV-Verbreitung“ als realistisch angesehen werden. [Anmerkung MZ: Das Szenario "Fortführung der DVB-T-Ausstrahlung im Umfang des Jahres 2012" wird für unrealistisch gehalten.]

Sollte ein Umstieg von DVB-T auf DVB-T2 erfolgen, so kann ab ca. 2018 in den Ballungsräumen und ab ca. 2020 bundesweit ein Teil des 700-MHz-Bandes für andere Dienste genutzt werden, sofern eine Koordinierung mit dem Ausland erfolgreich verläuft. Im Zuge einer Umnutzung müssen hunderte TV-Sendeanlagen verändert werden. Die Belange der Kabelnetzbetreiber, in deren Netzen in dem betrachteten Frequenzbereich sowohl TV- als auch Internetdienste betrieben werden, sind zu berücksichtigen. Betreiber von PMSE-Systemen benötigen Frequenzzuweisungen außerhalb des UHF-Bandes. Das Gutachten schlägt für dieses Szenario Bandpläne unter Berücksichtigung von Mobilfunkdiensten und Diensten der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) vor, in denen insbesondere auch Koexistenz-Bedingungen zwischen unterschiedlichen Funknutzungen berücksichtigt werden.

Auch für den Fall eines Ausstieges aus der terrestrischen TV-Verteilung, der unter bestimmten Umständen bereits 2019 abgeschlossen sein könnte, stellt das Gutachten Bandpläne vor. Eine Vielzahl von offensichtlichen und weniger offensichtlichen Konsequenzen ist in einem solchen Fall zu bedenken. Neben der bereits erwähnten Koordinierung mit dem Ausland und der Berücksichtigung der Belange der Kabelnetzbetreiber müssen beispielsweise Finanzierungsmodelle für die Zukunft des privaten und des öffentlich-rechtlichen Hörfunks gefunden werden, da dieser die Mitbenutzungsmöglichkeiten von TV-Sendemasten etc. verliert. Die Betreiber von PMSE-Systemen benötigen in diesem Fall für sie reservierte Frequenzbereiche. Für die Übertragung von Live-Video zu portablen und mobilen, auch in Fahrzeuge fest verbauten, Empfangsgeräten müssen innovative Lösungen jenseits heutiger Mobilfunkstandards gefunden werden. Dabei sollte die Übertragung von Live-Video außerhalb der von Mobilfunknetzbetreibern in ihren Kunden-Verträgen vorgegebenen Daten-Volumen-Grenzen ermöglicht werden und evtl. mit einer Must-Carry-Verpflichtung verbunden sein u. v. a. m.


Falls es beim Ausstieg der RTL-Gruppe bleibt und ProSiebenSat.1 sich dem anschließt, rechnen die Gutachter mit dem Abschmelzen der DVB-T-Nutzung, sodass die KEF sich dann gezwungen sähe, die Wirtschaftlichkeit der Terrestrik in Frage zu stellen und keine weiteren Gelder für DVB-T(2) zu genehmigen. Es könnte dann schon Ende 2018 zur Abschaltung der Terrestrik kommen. [Seite 10,11]

--------------------------------------------------

Weiter erfährt man, dass MEDIA BROADCAST vorgeschlagen hat, im Frühjahr 2014 mit der Ausstrahlung von DVB-T2 in einem Kanal zu beginnen. Vermutlich handele es sich dabei um den Kanal, der ursprünglich für die Ausstrahlung von DVB-H (Handheld) vorgesehen war. Diese Ausstrahlung sollte in den Regionen erfolgen, in denen bereits derzeit sowohl öffentlich-rechtliche wie auch private Programmanbieter DVB-T ausstrahlen.

Die über DVB-T2 übertragenen Programme sollten aus dem Angebot der öffentlich-rechtlichen Programmanbieter stammen und in HDTV-Qualität angeboten werden. Im Verlauf des Jahres 2016 sollten entsprechend den Vorstellungen von Media Broadcast dann die bisherigen DVB-T-Angebote nach einer relativ kurzen Simulcast-Phase von DVB-T und DVB-T2 auf DVB-T2 umgestellt werden. [Seite 10 nach persönlicher Kommunikation mit MB]

Durch die RTL-Pläne wird dies nun konterkariert.

von Manfred Z - am 30.01.2013 21:35
Nun ja, das darf man nicht so schwarz sehen, war diese Senderreduzierung doch von Anfang an so gewünscht.

Im 17. Bericht schreibt die KEF bei ARD und ZDF Projekten:
Zitat

Die Kommission geht davon aus, dass das Projekt [DVB-T] mit dem Jahresende 2010 in den Bestand überführt wird [...] Die DVB-T Einführung sieht die Kommission als Beispiel für ein erfolgreiches Entwicklungsprojekt an, welches voraussichtlich bei nur geringer Abweichung von den ursprünglich geplanten Kosten und innerhalb der geplanten Periode beendet werden kann. Derzeit sind in Deutschland bereits etwa 16 Mio. DVB-T-Empfänger verkauft worden.


Im 18. Bericht heisst es weiter:
Zitat

Die Kosten der Programmverbreitung sinken seit Jahren kontinuierlich. Die Kostenminderungen haben vielfältige Gründe. Einen wichtigen Beitrag leistet die Digitalisierung der TV-Übertragungswege, der sich vor allem im Umstieg vom analogen terrestrischen Fernsehen auf DVB-T und in der Beendigung der Verbreitung analoger TV-Signale per Satellit widerspiegelt. Es ist der ARD und dem ZDF zu konzedieren, dass zur Realisierung der Minderungen durchaus mutige Entscheidungen beitrugen. Insbesondere der Umstieg vom analogen terrestrischen Fernsehen auf DVB-T und die Beendigung der Ausstrahlung analoger Satellitensignale waren bzw. sind Maßnahmen, die es in vergleichbarer Form in der Vergangenheit noch nie gab. Die Beendigung einer technisch überholten und teuren Form der Programmverbreitung zu Gunsten einer innovativen und kostengünstigeren Form ist in der Geschichte des Mediums Rundfunk absolutes Neuland. Parallel zur Verringerung der Kosten wächst das Angebot für die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler. Auf dem terrestrischen Verbreitungsweg konnte die Zahl der empfangbaren öffentlichrechtlichen Programme vervielfacht werden. High Definition Television (HDTV) wird Schritt um Schritt eingeführt, der Digitale Hörfunk (DAB+) wurde gestartet und im Internet sind vielfältige Programmangebote (Livestreams, Podcasts, Mediatheken) verfügbar.


Allerdings hat die KEF auch aufgefordert, LW und MW einzustellen, dennoch mit dem Ziel, die digitalen Übertragunswege zu nutzen. Von daher denke ich, dass es, gerade auch aufgrund der Ausfallsicherheit nicht soweit komen wird, dass DVB-T, bzw. die Fernsehterrestrik in Deutschland komplett eingestellt wird.

Sorry, ich weiss, das ist nicht undbeingt Deine Meinung, aber ich würde da nicht so schwarz sehen. Schließlich hätten ARD/ZDF auch die Chance, die Terrestrik für Dienste zu nutzen, die man über Sat nicht so ohne weiteres realisieren kann, vielleicht Regionalisierungen ohne gleich mit ganzen Transponderbelegungen das Bundesgebiet damit zu beglücken. Oder vielleicht die Nutzung des Zweikanaltons ohne die Rechteprobleme via Sat bei Filmen, Serien oder Dokumentationen aus dem Ausland.

Ich möchte das einfach nicht so pessimistisch sehen, nur weil ein Sender, der die besten Jahre schon lange hinter sich hat, sich entschied, nicht mehr frei via DVB-T zu senden. Wenn es soweit ist, dass RTL schon die Marschrichtung von Programmverbreitungen für alle in Deutschland vorgibt, kann man das deutsche Fernsehen gleich in die Tonne kloppen.

von CBS - am 31.01.2013 10:30
Zitat
CBS
Nun ja, das darf man nicht so schwarz sehen, war diese Senderreduzierung doch von Anfang an so gewünscht.

Selbstverständlich war das so gewünscht. So wie es beim Analog TV war konnte es ja auch nicht weiter gehen. Deshalb hat man DVB-T ja auch so schnell durchgedrückt. Allerdings wurden auch etliche DVB-T Sender gestrichen die man eigentlich betreiben wollte.

Zitat
CBS
Schließlich hätten ARD/ZDF auch die Chance, die Terrestrik für Dienste zu nutzen, die man über Sat nicht so ohne weiteres realisieren kann, vielleicht Regionalisierungen ohne gleich mit ganzen Transponderbelegungen das Bundesgebiet damit zu beglücken.

Die einzige Regionalisierung besteht mittlerweile nur noch aus unterschiedlichen Werbefenstern im Vorabendprogramm der ARD. Hier stellt sich ja jetzt bereits schon die Sinn frage.

Zitat
CBS
Oder vielleicht die Nutzung des Zweikanaltons ohne die Rechteprobleme via Sat bei Filmen, Serien oder Dokumentationen aus dem Ausland.

Gibt es kaum noch. Das Erste hat ja vor längerem bereits die zweite Tonspur über DVB-T eingestellt. 3sat und das ZDF haben zwar noch eine zweite Tonspur aber diese wird nur noch extremst selten genutzt.

Zitat
CBS
Wenn es soweit ist, dass RTL schon die Marschrichtung von Programmverbreitungen für alle in Deutschland vorgibt, kann man das deutsche Fernsehen gleich in die Tonne kloppen.

Natürlich sagt RTL nicht direkt was gemacht wird oder nicht. Aber indirekt schon. Denn wenn ein Sender mit derart hoher Einschaltquote und finanzieller Macht sagt das man auf die terrestrische Ausstrahlung einen feuchten gibt dann hat das ein ziemliches Gewicht und löst wie wir ja jetzt gerade sehen ein ziemliches Beben aus. Hätte RTL jetzt ganz euphorisch verkündet das man Bundesweit die DVB-T Ausstrahlung ausbauen möchte weil man es so gut findet dann hätten sicher etliche Private nachgezogen.

Ich hab es oben schon einmal geschrieben und schreib es jetzt wieder. Natürlich wird sich an der momentanen Situation bei DVB-T nichts ändern. Das mag zwar auf der einen Seite gut sein. Aber auf der anderen Seite bedeutet das auch das HD über Antenne erstmal in weite Ferne gerückt ist.

von Spacelab - am 31.01.2013 10:51
Heute hat sich die mabb (Berlin-Brandenburg) zum DVB-T-Ausstieg von RTL in einer PM zu Wort gemeldet. Der zweite Teil der PM passt eher zum Thema dieses Threads als zum RTL-Thread.

Zitat

Verbraucherfreundlichen TV-Zugang in Ballungsräumen erhalten und ausbauen.
Medienrat der mabb fordert RTL zur Fortführung von DVB-T auf, bis das Internet dessen Rolle übernehmen kann.


Berlin, 31. Januar 2013. Mit der Ankündigung, Ende 2014 die Verbreitung über DVB-T einzustellen, stellt RTL sein betriebswirtschaftliches Ziel der Einsparungen in den Vordergrund und hat dabei die Interessen seiner Zuschauer (noch) nicht genügend berücksichtigt. Diese haben in Ballungsräumen wie Berlin, anders als im ländlichen Raum, meist nicht die Alternative des Satellitenempfangs, für den RTL die unverschlüsselte Verbreitung für die nächsten zehn Jahre gegenüber dem Bundeskartellamt zugesagt hat. In Berlin empfängt gut jeder fünfte Haushalt sein Fernsehsignal über DVB-T. Für rund die Hälfte dieser Haushalte ist es der ausschließliche TV-Übertragungsweg.

Der Medienrat und der Direktor der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) haben sich in ihrer letzten Sitzung mit dem Thema befasst und fordern RTL nun auf, die Verbreitung über DVB-T so lange fortzuführen, bis das offene Internet bei der Versorgung innerhalb von Gebäuden seine Funktion übernehmen kann und Verbrauchern wie Inhalteanbietern neue Möglichkeiten bietet. Davon zu trennen ist die Versorgung mit Fernseh- und Videoinhalten für die portable und mobile Nutzung außerhalb von Gebäuden und damit zusammenhängend die künftige Nutzung der bisher für DVB-T in Anspruch genommenen Frequenzen.

Zum Hintergrund

Berlin hat vor zehn Jahren als erste Stadt weltweit das analoge Antennenfernsehen abgeschaltet. Heute ist absehbar, dass Deutschland als erstes Land aus der terrestrischen Rundfunkversorgung aussteigt. Dies darf nun aber nicht bedeuten, dass die Verbraucher in Ballungsräumen ausschließlich auf Kabel und IPTV mit ihren laufenden Entgelten angewiesen sein müssen. Es muss eine Alternative zu diesen Abonnementmodellen geben, darüber hinaus sind Geschäftsmodelle legitim, die auf zusätzliche Qualität abzielen.

RTL ist darin zuzustimmen, dass ein Umstieg auf DVB-T 2, der frühestens 2016 beginnen könnte und für den Verbraucher die Notwendigkeit bedeuten würde, neue Geräte zu beschaffen, in Deutschland wenig sinnvoll ist. Es ist zudem abzusehen, dass der besondere Rundfunkübertragungsweg der Terrestrik mittelfristig durch das Internet überholt sein wird. Schon heute werden Programme wie die von ARD und ARTE vollständig und in solcher Qualität über das offene Internet übertragen, dass sie bei einem leistungsfähigen Breitbandanschluss auf großen Bildschirmen genutzt werden können. Dabei sind diese Angebote mit den vielfältigen programmlichen Möglichkeiten des Internets verbunden. Dem Radio ist es bereits gelungen, sein Programm vollständig und mit Zusatzangeboten im offenen Internet anzubieten. Auch die Fernsehsender – sowohl öffentlich-rechtlich als auch privat – sollten sich dies zum Ziel setzen.

Im Umstieg auf das Internet liegt eine Herausforderung, aber auch eine Chance: den kostengünstigen und sozialverträglichen Zugang zu Medieninhalten als Grundlage der öffentlichen Meinungsbildung zu erhalten. Das stellt Anforderungen an den Netzausbau ebenso wie an Medien- und Netzpolitik. Das Thema der Netzneutralität gewinnt neue Aktualität, ebenso die Frage der Priorisierung des Rundfunks und der Medien generell.


von Manfred Z - am 31.01.2013 18:13
@ Martyn136

Zitat

Das würde ich anders sehen.


Das kannst du sehen wie du willst. Aber es ist nunmal so, wie mor_ geschrieben hat, daß RTL, P7S1 oder sonstige Privatsender keinerlei Versorgungsauftrag haben.


Zitat

Da ARD und ZDF anders als ORF und SRG kaum attraktive Unterhaltung für jüngere Zuschauer bieten, sondern dieses Feld kampflos den Privaten überlassen haben, finde ich das daraus dann schon sowas wie ein Versorgungsauftrag entstanden ist.


Das ist aber ein ganz anderes Problem. ARD, ZDF und die anderen öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramme hatten Anfang der 90er aus irgendwelchen Gründen entschieden, populäre US-Serien und Filme quasi komplett den Privatsender zu überlassen.

Die Öffentlich-Rechtlichen meinten damals offensichtlich, daß sie mit ihren Eigenproduktionen letztendlich mehr Zuschauer für sich gewinnen können als die Privatsender mit eingekauften Serien und Filmen. Das ganze ging aber nach hinten los und die Privatsender konnten mit ihrer eingekauften Ware bisher nie dagewesene Zuschauerzuwächse für sich verbuchen.

Die damalige Rechnung der Öffentlich-Rechtlichen ging nur im Hinblick auf die älteren Zuschauer auf, sodaß ARD, ZDF und die Dritten eigentlich im Unterhaltungsbereich heute nur noch Senioren bedienen.

Derweil kleckert man eigentlich nur umher und startet neue Angebote, die aber über die bestehenden Kanäle scheinbar ohne eine erkennbare Struktur verteilt sind, anstatt die bestehenden Kanäle - ähnlich wie der ORF und die SRG es machen - klar zu strukturieren:

ORF1 --> für eingekaufte, populäre Unterhaltung
ORF2 --> für Kulturinhalte und Senioren

SF1 --> für Kulturinhalte und Senioren
SF zwei --> für eingekaufte, populäre Unterhaltung

ARD, ZDF und die Dritten --> hauptsächlich Hausfrauen- und Seniorenberieselung; teilweise richtig gute Blockbuster, aber tief im Nachtprogramm versteckt. Also alle Sender irgendwie gleich.

Diese fehlende Profilierung der Öffentlich-Rechtlichen im Unterhaltungssektor ist also eine Schieflage, die von den Öffentlich-Rechtlichen s e l b s t zu beseitigen ist. Es ist aber n i c h t die Aufgabe der Privatsender, die fehlenden Inhalte der Öffentlich-Rechtlichen zu ersetzen.

von Kay B - am 03.02.2013 04:27
@ Spacelab

Zitat

Und auf die Idee mal bei den Öffis gegen ihr Programm zu demonstrieren statt hier jeden Fernsehthread damit voll zu schreiben und zu lamentieren seit ihr jetzt vor lauter unken nicht gekommen? :rolleyes:


Doch, aber die Haltung der Öffentlich-Rechtlichen ist da knallhart. Man will in den Hauptsendezeiten auf Eigenproduktionen setzen um die inländischen Produktionsfirmen und die deutsche Schauspielzunft zu unterstützen. Das ist ja grundsätzlich lobenswert. Aber die offensichtlich große Nachfrage an ausländischen Spielfilmen und Serien wird da halt nicht befriedigt. Und daß die Nachfrage an ausländischen Spielfilmen und Serien sehr groß ist beweisen die hohen Marktanteile der mit Dauerwerbung und Trailergeballere verseuchten Privatsender sowie die geringe Nutzung von DVB-T in "privatsenderfreien" Gebieten.



@ Winnie2

Zitat

Und ich bin dagegen dass private Anbieter Anteile aus der Rundfunkgebühr erhalten, weil das wäre Subvention von kommerziellen Unternehmen.


Ganz meine Meinung. :spos:



@ ulionken

Zitat

Nein, es ist mitnichten so, dass die öffentlich-rechtlichen Programme "ausschließlich Seniorenunterhaltung" senden.


Wenn man lange genug in der Fernsehzeitung nach Inhalten, die nicht auf Senioren ausgerichtet sind, sucht, wird man bei den Öffentlich-Rechtlichen auch fündig. Aber leider sind diese scheinbar wahllos auf diverse Spartensender verteilt oder laufen irgendwo versteckt im Nachtprogramm.

Das ist zwar jetzt subjektiv gesehen, aber immer wenn ich es mal wage, abends zur Hauptsendezeit die Glotze anzustellen, dann laufen auf ARD entweder irgendwelche Nonnen (soll jetzt nicht gegen die Anhänger dieser Glaubensgemeinschaft gerichtet sein), irgendwelche Pseudodokumentationen aus dem Zoo, wo "supersüße" Tiere gezeigt werden oder es läuft der Silbereisen. Und auf ZDF scheint generell immer irgendeine Serie, in der es um die "Probleme" irgendeiner reichen Sippschaft geht, zu laufen. So sieht die Hauptsendezeit der zwei größten TV-Sender für einen Staat mit über 80 Millionen Einwohnern aus! :-(


Zitat

Die sich im Kreis drehende Diskussion über Programminhalte der Öffis hilft nach meiner Meinung nach nicht, die Frage nach der Zukunft von DVB-T zu beantworten.


Wo willst du die Diskussion sonst ansetzen? DVB-T ist eine geniale Technik, die aber nicht dazu da ist, um uns Rundfunktechnikinteressierte zu begeistern, sondern um Menschen mit Fernsehen zu versorgen. Die Masse wird DVB-T aber nur annehmen, wenn auch die gewünschten Programminhalte geboten werden. Also um eine Diskussion über die Programminhalte kommt man da leider nicht drumherum.


Zitat

Die öffentlich-rechtlichen Programme wären gut beraten, die künftige Nutzung von DVB-T vorausblickend und mit konkreten technischen Ideen zu vertreten (...)


Meine persönliche Meinung: :spos:

Aber den Zuschauer interessieren halt die "technischen Ideen" einen Sch***dreck, wenn die gewünschten Programminhalte fehlen. Das wird hier in diesem Technikforum nur allzugerne ignoriert.

von Kay B - am 04.02.2013 05:40
Der Thread behandelt "DVB-T bald vor dem Aus?". Der Hintergrund ist die Ankündigung von RTL diesen terrestrischen Übertragungsweg ersatzlos aufzugeben. RTL, P7S1 und andere Privatsender sind -mit Ausnahme von so Bibel TV-, Tele 5- und QVC-Inseln- nur in den Ballungsräumen (ohne S,MA/HD/LU, L/HAL und DD) aktiv.
Meine Meinung:
Ohne die Privatsender kommt das Aus für den Übertragungsweg DVB-T. Eine nur-Öffi-Veranstaltung kann man sich schenken. Und zwar deshalb, da der Übertragungsweg für die normale Masse dann einfach zu unattraktiv wird. Die 4 % der DVB-Nutzer ergeben sich doch wohl aus einer recht hohen Anzahl aus den Ballungsräumen und teilweise gegen 0 % auf dem Land.

Etwas -aber nur etwas- OT
Zitat

aber immer wenn ich es mal wage, abends zur Hauptsendezeit die Glotze anzustellen, dann laufen auf ARD entweder irgendwelche Nonnen (soll jetzt nicht gegen die Anhänger dieser Glaubensgemeinschaft gerichtet sein), irgendwelche Pseudodokumentationen aus dem Zoo, wo "supersüße" Tiere gezeigt werden oder es läuft der Silbereisen. Und auf ZDF scheint generell immer irgendeine Serie, in der es um die "Probleme" irgendeiner reichen Sippschaft geht, zu laufen. So sieht die Hauptsendezeit der zwei größten TV-Sender für einen Staat mit über 80 Millionen Einwohnern aus!

:spos:
Das mit dem Programm der Öffis -und ja, es geht hier um DVB-T, denn da senden die auch darüber- generell etwas im Argen ist, dürfte niemand bestreiten. Dem Tiroler Seniorenfänger Hansi Hinterseher wurde zwar der Laufpass gegeben (was dann wieder unweigerlich das Thema "Jugendwahn" zur Folge haben wird), aber wie es oben geschrieben steht, ist es auch ohne dieses Tirol-Gejodel zum Jammern. Langweilige Hausfrauenserien wie das mit den Nonnen und das von dem sächsischen Krankenhaus. Oder Stasi Aktenzeichen XY und so ein Mist.
Das ZDF torpediert DVB-T mit der "genialen" Aufteilung KiKa/neo und den "tollen" Anfangszeiten der Primetime auf neo um 20.15.
Die ARD macht es nicht besser. Statt deutschlandweit die gleichen Digitalprogramme auszustrahlen und hier eine Marke zu etablieren, findet da ein Flickenteppich aus Eins Plus, Festival und tagesschau24 statt. Und dann ist z. B. das Programm Eins plus in sich dermaßen chaotisch bis stümperhaft (tagsüber Ratgebersendunge, ab 20.15 dann angebliches Jugend-TV als Widerholungs-Krawall im Stil eines Offenen Kanals).

DVB-T und DAB+ und Deutschland... :wall:

von Schwabinger - am 05.02.2013 17:01
Die MABB läutet in ihrer PM vom 31. Januar (Aufforderung an RTL, per DVB-T weiterzusenden) bereits fleißig die Totenglocke für die Terrestrik allgemein:

Zitat
MABB PM 31.01.2013
Zum Hintergrund

Berlin hat vor zehn Jahren als erste Stadt weltweit das analoge Antennenfernsehen abgeschaltet. Heute ist absehbar, dass Deutschland als erstes Land aus der terrestrischen Rundfunkversorgung aussteigt. Dies darf nun aber nicht bedeuten, dass die Verbraucher in Ballungsräumen ausschließlich auf Kabel und IPTV mit ihren laufenden Entgelten angewiesen sein müssen. Es muss eine Alternative zu diesen Abonnementmodellen geben, darüber hinaus sind Geschäftsmodelle legitim, die auf zusätzliche Qualität abzielen.

RTL ist darin zuzustimmen, dass ein Umstieg auf DVB-T 2, der frühestens 2016 beginnen könnte und für den Verbraucher die Notwendigkeit bedeuten würde, neue Geräte zu beschaffen, in Deutschland wenig sinnvoll ist. Es ist zudem abzusehen, dass der besondere Rundfunkübertragungsweg der Terrestrik mittelfristig durch das Internet überholt sein wird. Schon heute werden Programme wie die von ARD und ARTE vollständig und in solcher Qualität über das offene Internet übertragen, dass sie bei einem leistungsfähigen Breitbandanschluss auf großen Bildschirmen genutzt werden können. Dabei sind diese Angebote mit den vielfältigen programmlichen Möglichkeiten des Internets verbunden. Dem Radio ist es bereits gelungen, sein Programm vollständig und mit Zusatzangeboten im offenen Internet anzubieten. Auch die Fernsehsender – sowohl öffentlich-rechtlich als auch privat – sollten sich dies zum Ziel setzen.

Im Umstieg auf das Internet liegt eine Herausforderung, aber auch eine Chance: den kostengünstigen und sozialverträglichen Zugang zu Medieninhalten als Grundlage der öffentlichen Meinungsbildung zu erhalten. Das stellt Anforderungen an den Netzausbau ebenso wie an Medien- und Netzpolitik. Das Thema der Netzneutralität gewinnt neue Aktualität, ebenso die Frage der Priorisierung des Rundfunks und der Medien generell.


RTL wird also nicht per DVB-T2 senden. Ist DVB-T2 in DE überhaupt noch vorgesehen?

von Analog-Freak - am 06.02.2013 01:22
Zitat
DH0GHU
... da die ÖRs per Rundfunkstaatsvertrag auf 3 Bouquets limitiert sind!


Es gibt im RStV keine Beschränkung der ÖR auf 3 Multiplexe und hat es nie gegeben. Es gab aber damals (2003/04) die Forderung des VPRT auf gleichwertige Kapazitäten für die Privaten, was bei damals üblicherweise 6 möglichen Multiplexen zu einer 3+3-Aufteilung führte. Geregelt wurde das im zusätzlichen § 52a.

In RStV (Stand Oktober 2004) hieß es dazu:

Zitat

Vierter Abschnitt: Übertragungskapazitäten

§ 50 Grundsatz

Über die Zuordnung und Nutzung der Übertragungskapazitäten, die zur Verbreitung
von Rundfunk dienen, entscheiden die Länder nach Maßgabe dieses Staatsvertrages
und des jeweiligen Landesrechts.

§ 51 Zuordnung von Satellitenkanälen

§ 52 Weiterverbreitung

§ 52a Digitalisierung des Rundfunks

(1) Bei der erstmaligen Zuweisung digitaler terrestrischer Übertragungskapazitäten
im Fernsehen nach Landesrecht sind die Fernsehveranstalter mit denjenigen
Programmen vorrangig zu berücksichtigen, die in dem jeweils betroffenen
Verbreitungsgebiet analog verbreitet werden. Die technischen Übertragungskapazitäten
für diese Programme müssen im Verhältnis zu den übrigen Übertragungskapazitäten
gleichwertig sein.

(2) Die in der ARD zusammengeschlossenen Landesrundfunkanstalten, das ZDF und
das Deutschlandradio können ihrer Verpflichtung zur Versorgung der Bevölkerung mit
Rundfunk durch Nutzung aller Übertragungswege nachkommen. Sie sind berechtigt,
zu angemessenen Bedingungen die analoge terrestrische Versorgung schrittweise
einzustellen, um Zug um Zug den Ausbau und die Zuweisung digitaler terrestrischer
Übertragungskapazitäten zu ermöglichen. Die analoge terrestrische Fernsehversorgung
kann auch dann eingestellt werden, wenn der Empfang der Programme über
einen anderen Übertragungsweg gewährleistet ist.

§ 53 Zugangsfreiheit

§ 53a Überprüfungsklausel


In der Fassung des RStV vom Dezember 2007 ist § 52a aufgehoben worden und durch neue Regelungen für die erstmalige Zuordnung neuer Sendekapazitäten für bundesweite Versorgungsbedarfe ersetzt worden. Sie setzt hier auf einen Konsens zwischen Rundfunkanstalten und Landesmedienanstalten bei der Aufteilung neuer Kapazitäten. Ansonsten wird auf das Landesrecht verwiesen.

Rein theoretisch könnten die ARD-Anstalten und das ZDF also die für Private reservierten Kapazitäten erhalten, wenn sich keine privaten Nutzer mehr finden. Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit, zu denen ARD-Anstalten und ZDF verpflichtet sind, wird es dazu aber kaum kommen.

von Manfred Z - am 06.02.2013 21:16
Zitat
Winnie2
Zitat
Wiesbadener
Da haben Tranpsonder und ich mal wieder die gleichen Infos: Das ZDF wird wohl aus DVB-T aussteigen, um Kosten einzusparen.

Aus welcher Quelle stammen diese Infos? Aus offiziellen Quellen?

Nein. Das ZDF führt derzeit Gespräche mit Media Broadcast. Aus diesem Umfeld kamen die GERÜCHTE. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Lest euch die Studie aus dem Wirtschaftsministerium durch, die Manfred Z. verlinkt hat. Dort ist explizit dargelegt, dass nach einem Ausstieg der Privatsender aus der DVB-T Verbreitung ein Weiterbetrieb von ARD und ZDF ökonomisch nicht mehr zu rechtfertigen wäre. Sollten Anträge gestellt werden (ZDF stellt vermutlich nach momentaner Lage keinen solchen) würde die KEF diese eh ablehnen. Im BMWI geht man von einem Ende der terrestrischen TV-Verbreitung in Deutschland im Jahre 2018 aus.
Zitat
Dem Vernehmen nach haben die Verträge privater Programmanbieter mit der MediaBroadcast GmbH über die Ausstrahlung ihrer Programme per DVB-T eine Laufzeit bis zum Jahresende 2014. Verhandlungen zwischen den Vertragspartnern über eine Fortführung der Ausstrahlung über das Jahresende 2014 hinaus finden nach mündlicher Auskunft der Verhandlungspartner gegenüber den Autoren dieser Studie derzeit statt. Sollten diese nicht zu einer Verlängerung der Ausstrahlung führen, so ist davon auszugehen, dass bereits im Jahr 2015 die Akzeptanz von DVB-T auch in den Bundesländern erheblich zurückgehen wird, in denen nach Abbildung 2-3 DVB-T besonderen Anklang findet. Damit steht die Wirtschaftlichkeit der terrestrischen Fernsehverbreitung auch für die öffentlich-rechtlichen Programmanbieter in Frage. Sie werden im Frühjahr 2015 ihren Finanzbedarf für die Jahre 2017 bis 2020 bei der Kommission für die Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) anzumelden haben. Es ist zu bezweifeln, dass die KEF nach einem Ausstieg der privaten Programmanbieter einen Finanzbedarf für die Fortsetzung der DVB-T-Ausstrahlung für diesen gesamten Zeitraum als wirtschaftlich anerkennen können wird. Möglicherweise würde dies zu einer Beendigung der terrestrischen TV-Verbreitung z.B. zum Jahresende 2018 führen.


von transponder - am 22.02.2013 15:26
Zitat
TerranusI
Vor allem beim ZDF herrscht seit dem Weggang von Stolte Chaos. Der Sender hat keine klare Linie mehr - weder bei der Technik und auch nicht inhaltlich. Der Sender ist nur noch ein Schatten seiner selbst.

Da bin ich mir nicht so sicher, ob das ZDF unter CDU-Stolte so viel besser war als unter dem heutigen Intendanten. Immerhin haben Schächter und Bellut doch Einiges richtig gemacht, etwa die Kabarett/Satire-Schiene mit der Anstalt, Pelzig und der Heute-Show. Auch der Relaunch der Digitalkanäle ist insgesamt gelungen. Dass ZDF Kultur nun leider eingestellt wird, hat ja hauptsächlich finanzielle Gründe.

Und ob die Champions League im ZDF laufen muss, darüber kann man sich streiten. Immerhin läuft das Ganze dann auch in HD im Free-TV, während es bei den Privaten Pay-TV wäre. Aber klar, für jemanden, der sich nicht für Fußball interessiert, ist das ein Graus. Einen Kompromiss gibt es hier nicht - entweder man kauft die Rechte oder halt nicht.

Zitat
RADIO354
Ja,

Die Grundversorgung per SAT und Kabel reicht aus.

Wenn man sich mittelfristig von der Terrestrik komplett verabschieden sollte, muss endlich jetzt der großflächige Glasfaserausbau mal angegangen werden!

Zitat
PEQsche
Wenn ich mir vorstelle, dass wir alle gleichzeitig versuchen über unsere ohnehin schon "abgespeckte" Leitung noch TV bzw. HDTV laufen lassen würden, dann wäre das schlicht unmöglich. Daher kann TV über Internet zumindest in schlecht ausgebauten Gebieten niemals die Alternative sein, wenn man nicht das Glück hat, eine SAT-Anlage installieren zu dürfen.

Eben. IPTV ist im Prinzip nur eine Übergangstechnologie bis hin zu "richtigem" FTTH. Und da haperts leider hierzulande. Schaut euch mal diesen Artikel an, Deutschland ist da nichtmal in der Tabelle aufgeführt, weil weniger als 1% der Haushalte Glasfaseranschlüsse haben. Einfach nur peinlich.:rolleyes:

Zitat
Exidor
Der Gesetzgeber tut sich ja gleichzeitig noch immer schwer, den vernünftigen Netzausbau zwingend vorzuschreiben. Die tatsächlichen Gegebenheiten, dass ein schneller Internetanschluss heute genauso wichtig und selbstverständlich ist wie Strom und fließend Wasser, ist bei den senilen Internetausdruckern im Bundestag noch nocht angekommen. Oder die "überzeugenden Argumente" auf dem Bankkonto, gezahlt durch die Netzbetreiber, waren mal wieder stärker.

Richtig. Das Internet gehört zur Grundversorgung, aber die Politik ignoriert jegliche Verpflichtungen der Netzbetreiber, weil sie (v. a. die derzeitige Bundesregierung) noch an die "Heilkräfte" des Marktes glaubt, wie andere an die Unfehlbarkeit des Papstes. :mad:
Aber der Markt funktioniert hier nicht, weil es einen Monopolisten wie die Telekom überhaupt nicht interessiert, von sich aus ohne Fördergelder mal im ländlichen Raum Glasfasernetze zu verlegen. Stattdessen verrennt man sich mit "Vectoring" und anderem Mist.

Nein, wenn schon die privaten Großkonzerne nichts tun, dann sollte der Netzausbau öffentlich geschehen, etwa durch Stadtwerke oder andere kommunale Allianzen. Es gibt hier schon gute regionale Beispiele, warum wird es also nicht bundesweit angegangen?

Damit hätte man nämlich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Erstens die Breitbandversorgung von Regionen, die heute noch mit DSL-Light (oder schlechterem) herumgurken müssen und zweitens eine wirkliche Alternative bei der TV-Grundversorgung (und damit wieder zum Thema zurück). Zugleich sollte der Rundfunkstaatsvertrag dahingehend geändert werden, dass sämtliche Netzbetreiber die ÖR in Anzahl und Qualität unbeschnitten einspeisen müssen (SD wie HD), egal ob sie die KCC-Glasfasermuxe hernehmen oder Sat. Einspeisegebühren sollten verboten werden, damit so ein Desaster wie aktuell bei der KDG uns erspart bleibt. Dann hätten die ÖR mit Kabel und Sat zwei rechtlich abgesicherte freie Plattformen, wo sie direkt zum Zuschauer durchkämen.:)

Früher sollte man aber nicht über einen DVB-T-Ausstieg nachdenken...

von GLS - am 23.02.2013 12:41
Die Deutsche TV-Plattform hat am 27. Februar ein Symposium beim BR zum Thema "TV via Internet" veranstaltet.

Einen Bericht über die Veranstaltung mit weiteren Links zum Thema findet man hier.

Dazu auch ein Extra des Infoblattes "TV-Zukunft".

Hier die Pressemitteilung via Pressebox.

Auszüge:

Zitat

22. Symposium der Deutschen TV-Plattform: Das Internet verträgt noch mehr TV - wenn es breitbandig für mehr Endkunden ausgebaut wird

Über Chancen und Grenzen des Webs für die Verbreitung von audio-visuellen Inhalten diskutierten Experten mit rund 150 Teilnehmern der Fachtagung beim Bayerischen Rundfunk in München

(München, 27.02.2013) Die IP-basierte Verbreitung von Fernsehen und anderen Bewegtbild-Angeboten kann durch einen sinnvollen Ausbau der Breitbandnetze in Deutschland deutlich gesteigert werden. Durch eine intelligente Kombination mit den klassischen Rundfunkempfangswegen Satellit, Kabel und Antenne wächst für die Verbraucher die Vielfalt der Inhalte und die Freiheit der Nutzung, insbesondere für neuartige Endgeräte. Das ist das Fazit des 22. Symposiums der Deutschen TV-Plattform, das am 27. Februar 2013 mit rund 150 Teilnehmern beim BR in München stattfand.

Als eine "hochinteressante Fragestellung" bezeichnete Siegfried Schneider, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien (BLM) in seinem Grußwort die Tagung und gab seiner Erwartung Ausdruck, dass sie zu einem Ausgleich der Interessen von Inhalte-Anbietern und Netzbetreibern beiträgt. Mit Gerhard Schaas, Vorstandsvorsitzender der Deutschen TV-Plattform, stimmte er darin überein, dass es für Zukunftslösungen eines Dialogs aller Beteiligten bedarf.

Als "vierten" Verbreitungsweg für TV und Video sowie Ergänzung zu den klassischen Wegen bezeichnete Prof. Dr. Dr. Birgit Spanner-Ulmer, Direktorin Produktion und Technik des Bayerischer Rundfunks, das Internet. Die sich wandelnde Fernsehnutzung und die Konvergenz der Geräte erforderten, dass sich auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk umorientiere und an der Entwicklung teilhabe. [...]

Die rechtliche und medienpolitische Dimension der Konvergenz von Internet und TV sowie Fragen der Zugangs zu Endgeräten und Netzen standen im Mittelpunkt des Vortrags von Prof. Dr. Bernd Holznagel, Direktor des Instituts für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Er wies auf die derzeit ungeklärten Fragen in Bezug auf die Netzneutralität und die Notwendigkeit einer kohärenten Regelung von Telekommunikations- und Medienrecht durch Bund und Länder hin. [...]

Das vollständige Programm des 22. Symposiums und weitere Informationen zum Thema "Wie viel TV verträgt das Internet?" können unter www.tv-plattform.de abgerufen werden. In einem Web-Special stehen demnächst auch die Vorträge und die Podiumsdiskussion zur Verfügung.


von Manfred Z - am 01.03.2013 16:35
Hier nun die von Satnews zitierte Original-PM der LfM vom 14. März mit drei Links auf weitere Dokumente:

Zitat

LfM-Medienkommission setzt sich für den Fortbestand eines eigenständigen, terrestrischen Verbreitungswegs für Rundfunkinhalte ein

Seit der Umstellung des terrestrischen Fernsehempfangs auf den digitalen DVB-T-Standard vor rund acht Jahren hat sich die Technik in vielen europäischen Ländern als niederschwelliger und mobiler Zugang zu Rundfunkinhalten etabliert. Die Entscheidung auf der diesjährigen World Radiocommunication Conference 2012 (WRC-12), weiteres Frequenzspektrum für die gleichberechtigte Nutzung von Rundfunk und Mobilfunk frei zu geben, hat eine kontroverse Debatte über die Zukunft der terrestrischen Übertragung von Rundfunksignalen ausgelöst. Die Medienkommission begleitet diesen Diskurs von Beginn an und hat sich bereits im Juni 2012 in einer gemeinsamen Stellungnahme mit dem WDR-Rundfunkrat dafür ausgesprochen, die Belange des Rundfunks als kulturelles Gut zu berücksichtigen.

Die Bekanntgabe der Mediengruppe RTL, ihre Programm ab Ende 2014 nicht mehr über DVB-T auszustrahlen, wurde vom Gremium mit Sorge zur Kenntnis genommen. Prognosen zufolge werden in Nordrhein-Westfalen rund 18 Millionen Menschen über DVB-T erreicht – entweder über eine Zimmer- oder über eine Dachantenne. Laut Digitalisierungsbericht der Medienanstalten aus 2012 nutzen rund 19% der Einwohner des bevölkerungsreichsten deutschen Bundeslandes DVB-T, etwa drei Viertel davon am Erstgerät. Insbesondere in Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet oder der Region Düsseldorf/Köln kommt dem so genannten „Dritten Übertragungsweg“ von Rundfunksignalen neben Kabel und Satellit eine bedeutende Rolle zu, zumal auch die lokalen Hörfunksender die DVB-T-Sendemasten für die Verbreitung ihrer Signale nutzen.

Die Einstellung der DVB-Verbreitung wäre insofern mit weitreichenden, gesamtgesellschaftlichen Folgen für Nordrhein-Westfalen verbunden, deren Auswirkungen zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht absehbar sind. Die Medienkommission widerholt daher ihre Forderung, die freie Zugänglichkeit sowie eine sichere, flächendeckende und kostengünstige Möglichkeit zur Versorgung mit Rundfunkprogrammen für alle Bevölkerungsteile als zentrale Grundlage für eine demokratische Willensbildung sicherzustellen.

Eine Kompensation über die Kapazitäten des Mobilfunks auf gewohntem Niveau ist nach aktuellem Stand nicht möglich. Zudem ist fraglich, ob das mobile Internet auf absehbare Zeit diese Rolle übernehmen kann. Aufgrund der besonderen Bedeutung des Rundfunks für die gesellschaftliche Meinungsbildung bedarf es nach Ansicht der Medienkommission eines eigenständigen, terrestrischen Verbreitungsweges, über den sowohl die öffentlich-rechtlichen als auch die privaten Programme möglichst flächendeckend empfangbar sein sollten. Eine Weiterentwicklung des bestehenden Standards ist gleichsam unabdingbar, um die terrestrische Rundfunkverbreitung an die veränderten Bedingungen anzupassen und die vorhandenen Potentiale so weit wie möglich auszureizen. Hierzu gehört beispielsweise die Ermöglichung der Übertragung in HD-Qualität.

Um diese Ziele zu erreichen bedarf es des Zusammenspiels und der engen Abstimmung aller Beteiligten. Die LfM hat am 5. Dezember 2012 erstmals alle relevanten Akteure der nordrhein-westfälischen Medienlandschaft nach Düsseldorf eingeladen, mit dem Ziel, die unterschiedlichen Positionen miteinander in Einklang zu bringen (Tagungsbericht). Aus Sicht der Medienkommission wäre es wünschenswert, wenn die Medienpolitik diesen Ansatz aufgreifen und vor dem Hintergrund der veränderten Rahmenbedingungen ihrerseits zu einem „Runden Tisch“ einladen würde. Bei diesem Gespräch sollte die Absicht im Mittelpunkt stehen, größtmögliche Planungssicherheit für die Medienunternehmen ebenso wie die Regulierung zu schaffen. Darüber hinaus würde ein solches Vorgehen maßgeblich zu einer Koordinierung des weiteren Verfahrens sowie einer Bündelung der Anstrengungen beitragen, insbesondere was eine Abstimmung mit der Bundesebene anbelangt.

Die Medienkommission wird sich auch weiterhin intensiv mit der Zukunft der Terrestrik befassen, die das Gremium angesichts der aktuellen Entwicklungen zu einem Schwerpunkt in 2013 erklärt hat (Schwerpunktplanung der Medienkommission 2013). Außerdem wird sie sich auch künftig dafür einsetzen, dass die gesellschaftlichen Belange in dem gegenwärtigen Diskurs Beachtung finden.


von Manfred Z - am 15.03.2013 17:06
@ TerranusI

Zitat

Die können viel reden, wenn RTL nicht will, dann geht es nicht. Ganz einfach... oder man muss jede Forderung von RTL erfüllen. Verschlüsselung, Gängelung, PayTV.


Hoffentlich ist es auch nur Gerede. Denn wenn irgendein Politiker auf die Idee kommt, die DVB-T-Ausstrahlung der Privaten aus öffentlichen Mitteln mitzufinanzieren und sich dann noch als Wohltäter feiern läßt, dann hört der Spaß entgültig auf! :mad:



@ Optimierer

Zitat

Es ist jetzt dringend ein deutschlandweites Konzept gefragt, und da müßte Media Broadcast als Betreiberin der meisten Standorte mit einem ähnlichen Konzept wie die ORS mit Simpli TV auf den Plan treten und zwischen Öffis, Privaten und Landesmedienanstalten vermitteln und koordinieren; im eigenen Interesse, schließlich verdient MB ihr Geld damit, Sendekapazitäten zu vermieten!


Bei den ehemaligen Bundespost-Tochterunternehmen herrscht da teilweise noch Beamtenmentalität und man wartet auf eine Dienstanordnung von oben.



@ fatal error

Zitat

Die ÖRs werden die Verschlüsselung meiden wie der Teufel das Weihwasser, da sie ansonsten die Haushaltsabgabe de facto abschaffen könnten und zukünftig nur noch diejenigen Rundfunkgebühren zahlen müßten, welche die ÖRs entschlüsseln wollen. Ich denke das wäre das Horrorszenario schlecht hin für die öffentlich-rechtlichen, wenn man sich am Markt beweisen müßte und das Geld nicht mehr von alleine käme.


Ja, genau so ist es leider.



@ Nohab

Zitat

Übrigens, in Großbritannien regiert Schwarz-Gelb (Tories = CDU; Lib-Dems = FDP). Und diese
Doofköppe sind genauso unfähig wie die Vollidioten in Berlin.


Ich frage mich heute immer noch, wie es solche Chaoten an die Regierung schaffen. In Großbritannien dürfte da der Rupert ja kräftig nachhelfen. Erstrecht bei der Anti-DVB-T-Kampagne, da sein sky dadurch wohl kräftig Marktanteile gewinnen dürfte.


Es wäre schon interessant, wenn sich RTL und P7S1 so wie sky entwickelt und kurz nach dem Sendestart zu Pay TV geworden wären. Wie würde dann heute die DVB-T-Landschaft aussehen?

Wahrscheinlich gäbe es Free TV nur über DVB-T. Darüber gäbe es die Öffentlich-Rechtlichen und dann noch mehrere kleine Privatsender wie Tele 5, die bedeutend mehr Marktanteile hätten.

von Kay B - am 17.03.2013 03:50
Zitat

Bei den ehemaligen Bundespost-Tochterunternehmen herrscht da teilweise noch Beamtenmentalität und man wartet auf eine Dienstanordnung von oben.


Auch hier gilt: Das Posten von dumpfen Parolen ersetzt keine saubere Recherche. Schaust du in das UHF-Gutachten der Braunschweiger Professoren für das Bundeswirtschaftsministerium (ist hier bereits gepostet worden). Es werden drei mögliche Szenarien für die Zukunft entwickelt:

Zitat

2.3 Frequenzbedarf im Jahr 2020

[...]

2.3.1 Fortführung der DVB-T-Ausstrahlung im Umfang des Jahres 2012

[..., wird als unrealistisch bewertet]

2.3.2 Umstieg von DVB-T auf DVB-T2

In einer Pressemitteilung vom 12. September 2012 erklärt die ARD, dass mit DVB-T2
portabler und mobiler Empfang erreicht werden solle. Für die lineare Programmverbreitung
werde HDTV-Bildqualität angestrebt. Ein Einstieg in DVB-T2 komme frühestens 2016 bis
2018 in Betracht [10]. Es darf wohl davon ausgegangen werden, dass das ZDF eine ähnliche
Zielsetzung verfolgt. Von Seiten der privaten Programmanbieter gibt es zur Einführung von
DVB-T2 derzeit keine verbindlichen Aussagen. Die Media Broadcast GmbH schlägt vor, im
Frühjahr 2014 mit der Ausstrahlung von DVB-T2 in einem Kanal zu beginnen. Vermutlich
handelt es sich dabei um den Kanal, der ursprünglich für die Ausstrahlung von DVB-H
(Handheld) vorgesehen war. Diese Ausstrahlung soll in den Regionen erfolgen, in denen
bereits derzeit sowohl öffentlich-rechtliche wie auch private Programmanbieter DVB-T
ausstrahlen
[12]. Die über DVB-T2 übertragenen Programme sollen aus dem Angebot der
öffentlich-rechtlichen Programmanbieter stammen und in HDTV-Qualität angeboten werden.
Im Verlauf des Jahres 2016 sollen entsprechend den Vorstellungen von Media Broadcast
dann die bisherigen DVB-T-Angebote nach einer relativ kurzen Simulcast-Phase (Simulcast:
Simultaneous Broadcast) von DVB-T und DVB-T2 auf DVB-T2 umgestellt werden. Etwa ab
Mitte 2017 würden dann in sechs oder sieben Kanälen DVB-T2-Signale ausgestrahlt werden.
Der Frequenzbedarf entspräche damit dem, der bereits in Abschnitt 2.3.1 für den Fall der
weiteren Ausstrahlung von DVB-T identifiziert worden war.

Ein seit langem bekanntes Problem bei einer Einführung von DVB-T2 liegt darin, dass, wie in
Abschnitt 2.2 beschrieben, mit DVB-T2 unterschiedliche Ziele realisiert werden können. Es
gibt Protagonisten der Idee, DVB-T2 für die Übertragung von HDTV-Programmen zu nutzen.
Ginge man von vier HDTV-Programmen pro Kanal aus (Abschnitt 2.2, Szenario 3), so bliebe
der Frequenzbedarf gegenüber der heutigen DVB-T-Ausstrahlung in erster Näherung
unverändert. Es muss allerdings gefragt werden, ob alle heute per DVB-T ausgestrahlten
Programme zukünftig in HDTV-Qualität angeboten werden. Es ist außerdem davon
auszugehen, dass die privaten Programmanbieter das bereits bei der Satellitenübertragung
ihrer HDTV-Programme genutzte HD+-Konzept auch terrestrisch umsetzen werden. Die
Vielfalt der dann unverschlüsselt empfangbaren Programme wird dadurch auf die
Programmangebote der öffentlich-rechtlichen Programmanbieter reduziert. Zuschauerinnen
und Zuschauer würden also auch bei der Nutzung von DVB-T2 eine gewisse Gebühr zahlen
müssen, um die derzeit in den Ballungsräumen genutzte DVB-T-Programmvielfalt auch
weiter erleben zu können. Dazu kommt die Frage, ob nicht diejenigen Zuschauerinnen und
Zuschauer, die an HDTV interessiert sind, bis zu einer HDTV-Einführung per DVB-T2 auf
einen anderen Verbreitungsweg (Kabel, Satellit oder IPTV) umgestiegen sein werden (vgl.
die Prognose der Verkaufszahlen von HDTV-fähigen Fernsehempfängern in Abschnitt 2.3.1).

2.3.3 Ausstieg aus der terrestrischen TV-Verbreitung

[..., wird im Falle eines Ausstiegs der privaten Programmanbieter für realistsch gehalten]

2.4 Empfehlung zur Zukunft der terrestrischen TV-Verbreitung

In Anbetracht der zu Jahresende 2012 existierenden Ungewissheit bzgl. der Fortführung der
terrestrischen TV-Verbreitung seitens der privaten Programmanbieter stellt die nachfolgende
Empfehlung einen Versuch dar, aus den drei vorgestellten Szenarien diejenigen zu
identifizieren, welche die sinnvollste Nutzung des UHF-Spektrum bieten und dabei eine
terrestrische Verbreitung von Live-Video ermöglichen. Die dauerhafte Fortführung der DVB-T-
Ausstrahlung im Umfang des Jahres 2012 kann nicht empfohlen werden. Also ist von
einem Umstieg auf DVB-T2 oder, nach Beendigung einer klassischen terrestrischen TV-
Verbreitung, von innovativen Konzepten für die Übertragung von Live-Video speziell zu
mobilen und portablen Endgeräten auszugehen, wobei es allerdings den Programmanbietern
überlassen bleiben muss, zu entscheiden, ob im Fall des Umstiegs auf DVB-T2 dann HDTV
oder SDTV+ angeboten wird, und ob die Programme unverschlüsselt (die öffentlich-
rechtlichen Programmanbieter haben sich dazu entschlossen) oder verschlüsselt übertragen
werden. [...]


Mir scheint, dass einigen hier im Forum nicht klar ist, dass private Programmveranstalter keine Wohltätigkeitsveranstalter sind, sondern Geld verdienen müssen - je mehr, umso besser.

Verschlüsseltes öffentlich-rechtliches TV wird es auf keinen Fall geben, da es keine hinreichende Begründung dafür gibt. Ich verstehe nicht, warum das von einigen hier im Forum immer wieder aufgetischt wird - zum Teil mit an den Haaren herbeigezogenen Argumenten ohne Bezug zur Rechtslage.

von Manfred Z - am 17.03.2013 08:41
Digitale Dividende II

Zur Zeit wird in mehreren Kommittees an den Bedingungungen für die Digitale Dividende II (700-MHz-Band) gearbeitet. Einige Punkte, die ich einem Artikel in der tech-i 15 (März 2013) der EBU entnommen habe:

• Finland has been the first to announce officially, on 26 September 2012, that the 700 MHz band will be allocated to wireless broadband in 2017.

• The UK followed on 16 November 2012 with a decision to support the international process and seek to enable a harmonized release of the 700 MHz band for mobile broadband use, but no timeline was indicated.

• The ITU schedule sets the deadline for draft Conference Preparatory Meeting texts at mid-August 2014 [Die WRC-15 findet im November 2015 statt].

• The European Commission is preparing a draft mandate to CEPT asking for the preparation of minimal (least restrictive) technical conditions for the use of the 700 MHz band by mobile broadband. The main driver for this new mandate is the priority given to a global harmonized use of the 700 MHz band for mobile broadband.

• The first issue for Europe in releasing the 700 MHz band is timing. Referring to the experience of the coordination activities which were carried out to release the 800 MHz band, it is expected that releasing the 700 MHz band will require several years of intensive negotiations for cross border frequency coordination.

• In some parts of Europe, like the area around Belgium, extremely difficult negotiations are expected, especially considering that around 60% of the GE06 plan entries for the French community in Belgium are above 694 MHz.

• Another concern about timing is the necessary transition to new modulation and compression systems to be able to accommodate the same number of programmes into fewer multiplexes. The release of the 700 MHz band corresponds to a loss of two full coverage multiplexes.

• A migration to DVB-T2 and the introduction of HEVC would be required if all existing DTT programmes are to be retained and upgraded to HDTV.

• In a recent proposal to the French government, the French broadcasting regulatory authority recommended an enforced supported transition to MPEG4 by end 2015 and a future transition to DVB-T2 and HEVC at the earliest in 2020.

Im zweiten Teil des Artikels geht es um technische Fragen wie z.B. Interferenzen zwischen TV und Mobilfunk.
Im dritten Teil beschäftigt sich der Auor mit den Kosten für die Umstellung. Da geht es auch wieder um drahtlose Mikrofone u. ä. (PMSE).

Zusammenfassung:

• Releasing the 700 MHz band will require several years of intensive negotiations for cross border frequency coordination.

• A migration to DVB-T2 and the introduction of HEVC would be required, with associated transition periods.

• Possible interference from mobile terminals into DTT portable and fixed reception using active antennas will be an issue.

• The feasibility of DTT and IMT co-channel operation between southern Europe and North Africa for example (required due to significant differences in likely implementation timetables) is still to be verified.

• The cost of releasing the 700 MHz band in European countries is still to be assessed.

• Cable TV service channel plans will need to be reorganized locally and immunity of their installations and receivers will need to be improved.

• Solutions and related costs will be needed to accommodate PMSE applications which will lose access to the 700 MHz band.

• Quick decisions are required in Europe under external constraints. There is a lack of time to consider alternative solutions to satisfy wireless broadband requirements.

von Manfred Z - am 03.05.2013 21:38
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