Startbeitrag von margrit zirnam 07.04.2003 18:42

Wir haben bei einer Bauchwunde erfolgreich VW mit Kaltostat und Aquacel gemacht. Wundfläche ca. 1x2 cm keine Wundtiefe mehr. Im Gegenteil es entwickelt sich eine Hypergranulation und keine Epithelisation. Habe von Sicorten plus gelesen bei Hypergranulation hat jemand Erfahrung damit?
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Beiträge im Thema: 5
Erster Beitrag: vor 9 Jahren, 1 Monat
Letzter Beitrag: vor 8 Jahren, 9 Monaten
Beteiligte Autoren: margrit zirn, Friedmar Zimpfer, Hämmerle Gilbert, Dr. Thomas Eberlein

Antworten:
konnte beobachten daß es bei aquacel zu hypergranulation kommt
oft hilft aquacel ex und weiter mit schaumstoff
liebe grüße

von Hämmerle Gilbert - am 08.04.2003 12:04
Das Problem hat sich gelöst, indem wir jeden 2. Tag mit dem Silbernitratstift vom Wundrand her behandelt haben.

von margrit zirn - am 26.04.2003 16:48
Hypergranulationen sind ja gar nicht so selten ein Problem. Am effektivsten ist es natürlich, ihnen durch gezielten Verbandstoffdruck (=lokale Kompression) zu begegnen. An den Extremitäten geht das in aller Regel (cave arterielle Zirkulationsstörungen) sehr gut, am Bauch wohl eher nicht. Bewährt hat sich der lokale Einsatz von Glucocorticosteroiden (also "Cortisonpräparaten") in Form von Lösungen oder evtl. auch Cremes. Okklusion verstärkt den Effekt um ein mehrfaches. Sicorten wäre ein solches Produkt; Sicorten plus enthält allerdings noch Triclosan, wovon ich an Wunden abraten würde.
Bei massiver Ausprägung der Hypergranulationen hilft manchmal nur noch die Injektion von Steroiden oder die chirurgische Abtragung.

"Ätzungen" (i.d.R. mit Silbernitrat, als Höllensteinstift, AgNO3-Lösung oder -Stäbchen) ist ein sehr altes Mittel. Vorsicht, es werden Nekrosen gesetzt ! Ausschließlich gezielte, kleinflächige Anwendung nur durch den Erfahrerenen ! Anschließend keinesfalls Okklusivverbände anwenden.

von Dr. Thomas Eberlein - am 09.07.2003 11:33
Ich habe bei der Versorgung von offen Wunden folgende Erfahrung bzgl. Hypergranulationen gemacht:
Wenn ich den Eindruck hatte, dass das Granulationsgewebe zu Hypergranulation neigt und die Wunde ansonsten sauber war, habe ich einen eher sehr nassen Verbandsaufbau gewählt. Das war zum Beispiel in der Verbrennung bei Restdefekten das Aufbringen eines vielschichtigen Fettgazeverbandes (bis zu 8 Schichten), so dass ich nach 2 Tagen bei Verbandwechsel noch deutlich sehen konnte, dass die Wundfläche feucht-schmierig war. In diesem Fall ging die Neigung zu Hypergranulation wieder zurück oder wurde zumindest nicht stärker.
Ein anderes Mal nahm ich nur eine Polyurethanfolie auf ein mäßig nässendes, nur noch 0,5cm tiefes Dekubitalgeschwür. Ich ließ auf der Wunde eine Blase aus Wundexsudat mehrer TAge bestehen, bis die Flüssigkeit unter der Folie austrat. Meine Beobachtung war dies: Das Granulationsgewebe füllte innerhalb von ca. 2 Wochen den Wundgrund vollständig auf bis auf Hautniveau und war gänzlich glatt. Gleichzeit konnte ich deutlich den rosa Epithelrand erkennen. Ähnliches konnte ich wiederholt beobachten.

Meine Hypothese: in einem nassen Wundklima bilden sich keine / weniger Hypergranulationen als in einem feuchten Wundklima. Der Unterschied liegt in freien Flüssigkeitsmenge über der Wunde.

Haben andere "Wundbehandler" schon ähnliches beobachtet?

Wie kann man Hypergranulation entfernen?
Ebenfalls ein Tip aus der Verbrennung:
mit steriler Schere oder Skalpell einfach die Wärzchen kappen. Das blutet zwar, tut aber nicht weh. (Nicht bei Blutungsgefahr).
Oder: für 1-2 Tage eine Lage Corticotuelle auflegen. DAs ist eine sterioidhaltige Gaze (sofern man diese Gaze zur Verfügung hat.)
Gruß
Friedmar Zimpfer

von Friedmar Zimpfer - am 05.08.2003 18:12
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