Hi!
Nachdem Eddi ja wieder mal auf die Leute hingewiesen hat, die versuchen, mit unlauteren Mitteln ihre Wertungszahl auf dem Server zu erhöhen, möchte ich doch einmal dazu einladen, über einen Artikel von Rainer Grobbel und Rüdiger Wenski nachzudenken (der ganze Artikel mit dem Titel "Schachserver und Suchtgefahren" findet sich unter
http://web1.archive.org/web/19980222054406/http://hni.uni-paderborn.de/cim/privat/ruediger/ICS.frm.html ), in dem auch die Frage nach der Bedeutung von Wertungszahlen recht klar beschreiben wird (und das 1996).
Wertungszahlen sind sicher sinnvoll, um einen Gegner zu finden, der halbwegs von der Spelstärke zu einem passt, aber dieses Vergöttlichen von "Hurra, ich habe 20 Punkte mehr als Du!" ist m.E. ein totaler Quatsch, der außer einem Statusdenken wohl nichts bringt. Ich bin überzeugt, daß bei einer Abschaffung der Bestenlisten sich das ganze Problem lösen würde.
Viele Grüße und schönen Tag!
Peter
"Daneben werden im wesentlichen zwei Grundbedürfnisse des Menschens auf dem Server befriedigt. Zum einen ist es das Bedürfnis, zu lernen, zum anderen ist es das Bedürfnis nach Anerkennung. Das olympische Motto "höher, weiter, schneller`` gilt indirekt auch für das Schach, denn jeder möchte seine Spielstärke verbessern. Da hierzu die Praxis im Schach ein probates Mittel darstellt, ist ein Schachserver zum Lernen natürlich bestens geeignet. Das Lernen funktioniert um so besser, wenn gleich die entsprechende Rückkopplung erfolgt. Dies geschieht auf dem Schachserver durch die Ratingzahl. Zum einen reflektiert sie kurzfristige Erfolge, zum anderen lassen sich auch leicht Tendenzen in der Entwicklung der Zahl nachvollziehen.
Die Anerkennung erfolgt auf den Schachservern durch die Einschätzung der Spielstärke durch die anderen im Vergleich zur eigenen Einschätzung. Auch in der "realen" Schachwelt gibt es eine vergleichbare Wertungszahl, die aber durchschnittlich etwa 100 Punkte schlechter ausfällt als die Serverzahl. Dadurch bekommen die Spieler den Eindruck, daß sie stärker sind als sie in Wirklichkeit sind, was zusätzlich motivierend wirkt. Es erscheint zunächst etwas fragwürdig, ob die Anerkennung tatsächlich mit einer höheren Wertungszahl korreliert, jedoch scheinen die Spieler den Eindruck zu haben. Werden Punkte verloren wird alles drangesetzt, diese zurück zu bekommen, obwohl ja die Spielstärke dadurch nicht gesunken ist. Somit bekommt die Wertungszahl neben dem des Spielstärkeindikators noch einen Selbstzweck. Dies geht sogar soweit, daß unlautere Mittel eingesetzt werden, um Wertungspunkte zu erlangen, indem etwa Computer mit offensichtlichen Programmierfehlern punktemäßig gnadenlos ausgebeutet werden und im Spiel mit anderen, etwa bei einem Zusammenbruch der Verbindung, jegliches Fair-Play außer acht gelassen wird, nur um an Wertungspunkte zu gelangen.
Da die Wertungspunkte keine weitere Funktion außer der Indikation der Spielstärke haben, kann dieses Verhalten nur den Schluß zulassen, daß die eigene Stärke demonstriert werden soll. Dieses Verhalten zeigt sich in sämtlichen Spielstärkeklassen. Eine mögliche Erklärung wäre, daß der Rückschluß von Spielstärke auf Intelligenz gezogen wird, der jedoch mehr als zweifelhaft ist, da sich die Spielstärke aus einer Unmenge von Faktoren zusammensetzt, unter denen Intelligenz nur eine untergeordnete Rolle spielt."
Peter Ackermann schrieb:
Zitat:
Wertungszahlen sind sicher sinnvoll, um einen Gegner zu
finden, der halbwegs von der Spelstärke zu einem passt, aber
dieses Vergöttlichen von "Hurra, ich habe 20 Punkte mehr als
Du!" ist m.E. ein totaler Quatsch, der außer einem
Statusdenken wohl nichts bringt. Ich bin überzeugt, daß bei
einer Abschaffung der Bestenlisten sich das ganze Problem
lösen würde.
Da ich seit dem CCT4 mangels Motivation nicht an Hossa arbeite, nütze ich seit kurzer Zeit Hossas ICC online-Zeit für ein formula Experiment. Normalerweise akzeptiert Hossa im ICC Partieangebote von praktisch jedem. Nun habe ich die formula so gesetzt, dass nur noch Menschen als Gegner akzeptiert werden. Bob Hyatt hat ein ähnliches Langzeitexperiment mit seinem account Scrappy laufen.
Hossas rating schwankte bislang so um die 2550 mit peeks nach unten und oben. Seitdem ich das Experiment gestartet habe, hat sich Hossas blitz hiscore auf atemberaubende 3031 gesteigert und ich glaube sogar, dass es noch mehr wird!!! Man sieht also, dass eine kleine Änderung an der Auswahl der Gegner das rating inflationär nach oben treiben kann (hier bis zu 500 Punkte), wodurch klar wird, dass online ratings nur sehr schwer vergleichbar sind. Hierbei ist noch zu erwähnen, dass Hossa Code enthält, der speziell gegen Menschen aktiv ist und gegen Comps nutzlos wäre. Ich glaube, dass Hossa gegen Menschen im Vergleich zu einigen anderen Amateuren besser abschneidet. Spannend ist für mich natuerlich, dass ein derart hohes rating - wie auch immer es zustande kam - starke Menschen anzieht. In der bullet Rangliste vom ICC liegt Hossa im Augenblick sogar auf Rang 5 (von 6376!!) direkt hinter Hawkeye.
Ich als Mensch spiele im ICC übrigens am liebsten "1-minute" und "5-minute". Hierbei werden solche formula Effekte oder die Auswahl von "geeigneten" Gegnern eliminiert.
Gruesse,
Steffen.