Startbeitrag von rick_71am 30.04.2003 16:48
Hi,
mich würde mal interesieren, wo überall in der DDR ARD, ZDF und die Dritten dauerhaft zu empfangen waren und mit wechem Aufwand. Ich mach mal den Anfang: Zuhause war ich in einem kleinen Nest in der sächsischen Schweiz nicht weit weg von der tsch. Grenze. ARD war bei uns nicht immer gut empfangbar. Meistens war über Kanal 7 von Berlin. Wenn der nicht ging, klappte es dann mit E4 vom Ochsenkopf. ZDF und die Dritten waren höchstens 5 mal im Jahr gut empfangbar. Radio hingegen war Bayern 1-4 und SFB 1-4 dauerhaft in angerauschtem Stereo empfangbar, ab und an mit Schwundeinbrüchen. Ständig in Mono ging HR 3 vom Hohen Meißner aber auch nicht besonders stabil. Für Bayern/HR hatten wir 8*14Elemente UKW und 2*5Elemente E4. Berlin war mit einer 16er Gruppe Kanal 7 und 4*14Elemente UKW das aufwendigste. Interessanterweise konnten wir den Kanal 5 vom Berliner Fernsehturm ständig empfangen. Liegt offenbar am höheren Senderstandort.
mich würde mal interesieren, wo überall in der DDR ARD, ZDF und die Dritten dauerhaft zu empfangen waren und mit wechem Aufwand. Ich mach mal den Anfang: Zuhause war ich in einem kleinen Nest in der sächsischen Schweiz nicht weit weg von der tsch. Grenze. ARD war bei uns nicht immer gut empfangbar. Meistens war über Kanal 7 von Berlin. Wenn der nicht ging, klappte es dann mit E4 vom Ochsenkopf. ZDF und die Dritten waren höchstens 5 mal im Jahr gut empfangbar. Radio hingegen war Bayern 1-4 und SFB 1-4 dauerhaft in angerauschtem Stereo empfangbar, ab und an mit Schwundeinbrüchen. Ständig in Mono ging HR 3 vom Hohen Meißner aber auch nicht besonders stabil. Für Bayern/HR hatten wir 8*14Elemente UKW und 2*5Elemente E4. Berlin war mit einer 16er Gruppe Kanal 7 und 4*14Elemente UKW das aufwendigste. Interessanterweise konnten wir den Kanal 5 vom Berliner Fernsehturm ständig empfangen. Liegt offenbar am höheren Senderstandort.
Das Empfangsequipment wurde entweder über Ungarn geschmuggelt oder halboffiziell die russische Alternativtechnik eingesetzt.
Das hat man mir - wie gesagt - erzählt. Die Möglichkeit, mir sowas anzugucken hatte ich ja damals nicht.
Aber ist schon interessant, was die Leute im "Tal der Ahnungslosen" damals alles so auf die Beine gestellt haben. Macht das mal nach - Telekom, ish und Co!
In den 50er Jahren war ja der Empfang von "kapitalistischen" Programmen in der damaligen DDR streng verboten. Bei Lehren und Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes (oder wie man das damals genannt hat) soll man ja sogar auf die Dachböden gestiefelt sein und die Antennen gen Westen gekappt haben.
Selbige Leute sollen sich damit Abhilfe geschafft haben, indem sie vertikal polarisierte Band I - Antennen aus dünnem Draht für E4 vom Ochsenkopf eintapiziert haben und das Flachkabel dann an der Scheuerleiste zum Fernseher geführt haben.
Wer würde heute noch sowas tun?
von Kay Bartholomäus - am 30.04.2003 17:48
Aw: Westfernsehen in der DDR
Meine Eltern vermieteten damals unsere Laube an Urlauber aus Dresden, der Sächsischen Schweiz usw. die offensichtlich nur hier Urlaub machten um in Ruhe (und reichlich!) Westfernsehen zu gucken und in der Hauptstadt täglich (!) einkaufen zu gehen. Die kamen oft mit 'nem Trabi-Kombi und Anhänger. Immer dabei waren "Bestellzettel" der Daheimgebliebenen (Bekleidung, Nahrungsmittel, Werkzeug, ...), die äußerst gewissenhaft abgearbeitet wurden. Unser erster Farbfernseher (RFT Colorett) war mit einem PAL/SECAM-Dekoder ausgerüstet und brachte alles ordnungsgemäß in Farbe. Darauf sind meine Eltern offenbar nicht reingefallen...
Erwähnen möchte ich auch, daß ich in meiner Jugend auf einem Zeltplatz (Nähe Schwerin) mit 'nem Kofferradio fast problemlos RIAS 2 (94,30 MHz) hören konnte, wenn auch teilweise leicht gestört.
von PowerAM - am 30.04.2003 18:57
von rick_71 - am 30.04.2003 19:17
Sobald dies technisch möglich war (ich glaube ab 1984 mit SAT1 und RTL), wurden Satelittenempfangsanlagen hier eingesetzt. Da diese damals unheimlich teuer waren, dienten sie meist als Einspeisepunkte für Kabelanlagen. Die Kabelnetze wurden durch die Hausgemeinschaften selbst erstellt (vor allem Kabelgräben schachten und Antennekabel verlegen). Da eigentlich jeder Interesse am Westempfang hatte ging das unglaublich schnell. Der Baukostenzuschuß für den Anschluß meiner Eltern hat z.B. dann 2 DDR- Mark und 25 Arbeitsstunden gekostet. Dafür gab es dann aber glasklaren immer verfügbaren Westempfang von 4 Sendern (SAT1,RTL, Tele5, Teleclub).
DDR Fernsehen wurde nur dort geschaut wo es nicht anders ging oder verboten war (Z.B. bei der Armee - aber hier durfte man polnisches Fernsehen anschauen und die brachten manchmal einen Tatort im Original mit polnischen Untertiteln).
Mit den Kabelanlagen kam dann auch Radio. Vorher mußte man sich eben mit Mittelwelle begnügen.
von Frank - am 30.04.2003 20:17
Ich hatte noch eine 30 El. UHF-Selbstbau-Antenne nach Berlin, damit konnte ich bei Tropo ZDF und N3 sehen, bei stärkerer Tropo auch Sat1/RiasTV. Unter normalen Bedingungen war kein ZDF-Empfang damit möglich, das hätte mindestens eine 4er Gruppe erfordert, das war mir zu aufwendig und kompliziert, der Empfang von Berlin ist bei mir durch den Petersberg stark abgeschwächt.
Mein Nettoverdienst betrug bis zur Wende 720 Ostmark, ich hätte mir nie eine teure Satanlage aus dem Westen leisten können, die hier anfangs für 20.000 Ostmark angeboten wurden. Soviel war mir das Werstfernsehen auch wieder nicht wert ;-).
Eine Gemeinschaftsantennenanlage mit ZDF und Dritten und Satempfang im ganzen Wohngebiet hatten die Kommunisten hier erfolgreich verhindert, jeder musste seine eigene Antenne verwenden.
von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 30.04.2003 20:17
Die RiAS, SFB-Radio-Programme, BFBS, AFN, RFI, Hundert6 kamen über FM gut von Berlin rein. BR-Radio-Programme wurden mit gewissen Schwankungen über Ochsenkopf empfangen. Über Torfhaus kam das NDR-Radio und BFBS rein. Vom Hohen Meißner kamen alle drei HR-Radio-Programme mit starken Schwankungen rein. Das mit damals einem z.B. Rema-Toccata, Rema-Tonica oder RFT-Soltär- Yagi-FM-Antennen in die jeweilige Richtung.
Als Student in Dresden konnte man in den Wohnheimen, die höher gelegen waren, z.B. Wundtstraße oder Zellescher Weg, SFB 1 - 88,8 MHZ, 94,3 MHZ RiAS 2 und HR 3 89,5 MHZ u.a. mit kleiner FM-Yagiantenne Richtung Berlin oder Hohen Meißner empfangen. "Störsender" - FM-Überbelegung gab es damals noch nicht. Der Mittelwellenempfang wurde anfangs damals auf den RiAS-Sendern gestört. Dafür hörte man ohne hohen technischen Aufwand auf KW 6005 KHZ RiAS, 6190 KHZ SFB/RB, 566 KHZ später 567 KHZ SFB 1 - selbst damals in Prag und Budapest tagsüber gut zu empfangen - höhere Sendeleistungen wurden damals noch gefahren.
Heutzutage sind bei der Überbelegung des FM-Bereiches der gute Empfang bei Super-FM-Tunern- z.B. Onkyo T9990 oder Onkyo T-4970 derartige Empfänge nicht mehr möglich. Selbst der "Nahempfang" mit 100 KW-Sender - z.B. Berlin-Britz 89,6 MHZ D-Radio(eh.RiAS 1-Frequenz) wird seit einer Woche mit einem 1 KW-Sender auf 89,5 MHZ - Hohenleipisch RTL 104.6 gestört!
von GunterH - am 30.04.2003 21:45
Warum wurde denn seitens der Verantwortlichen für die Abstrahlung der Rundfunk-und Fernsehprogramme der BRD keine weiteren Möglichkeiten gesucht in vielfältiger Form,um allen ehemaligen Einwohnern der DDR den Empfang der Sender zu gewährleisten,war dies technisch nicht möglich,gewollt oder?
Denn für Devisen,sprich Westgeld soll hier alles gegangen sein!
Lebe hier immer schon in Dresden,leider hört man hier immer noch,ach ihr im Tal der Ahnungslosen und dies nach so einer langen Zeit seit1990!
Welche Form spielt denn unser Fernsehturm in Wachwitz,soll extra deswegen an diesem Standtort gebaut worden sein,Gerücht oder? Soll unter anderen dort viel rumgebaselt worden sein,wie war es denn nach dem 09.11.1989,Techniker der Deutschen Post hatten da was festes vor,auch Gerücht?
Bei einer Probevorführung im Januar 1990 wurde extra ein mieser Tag genommen,seht es geht nicht,aber kurze Zeit später gings doch!
Weiß jemand den genauen Ablauf dieser für Dresdner Verhältnisse historischen Tage?
von Manel - am 01.05.2003 09:02
Zu deiner Frage nach dem Farbfernseher: Zumindest mit zunehmender Popularität der Farbgeräte Mitte der 80er Jahre entstand natürlich auch der Wunsch, PAL und SECAM empfangen zu können. Fernsehgeräte im Laden gab es schon, die waren allerdings im Regelfall ohne PAL-Decoder. Wer ein Gerät mit PAL und SECAM wollte mußte es bestellen, die Lieferzeit wurde vorsichtshalber meinem Vater gegenüber nicht festgelegt. Es war von 9 Monaten bis 2 Jahren die Rede.
Irgendwie gab es aber in seinem damaligen Betrieb die Möglichkeit, genau dieses Gerät "vielleicht" zu kaufen. Für die ca. 1400 "Werktätigen" standen nach Aussage meines Vaters 12 Geräte zur Verteilung bereit. Insgesamt waren es 20 Stück gewesen, die ersten 8 gingen aber an "besondere Bedarfsträger" (Brigadeleiter, Parteisekretär, ...). Da man aber in diesem Betrieb einigermaßen demokratisch arbeitete durfte sich jeder Interessent bewerben. Aus den Bewerbungen wurden dann 12 Interessenten ausgewählt, die sich durch besondere Leistungen verdient gemacht haben. Dabei hatte er irgendwie Glück und bekam den Zuschlag. Damit "durfte" er eines dieser Geräte für ca. 6000 DDR-Mark kaufen. Es waren übrigens alles "Exportgeräte" für den Quelle-Versand die wegen optischer Mängel nicht exportiert werden konnten. Daher auch die Ausrüstung mit PAL- und SECAM-Decoder. Bei unserem Exemplar war die Möbelfolie auf dem Preßspan-Gehäuse schief und blasig verklebt was den Nutzwert des Gerätes aber in keiner Weise beeinflußte.
von PowerAM - am 01.05.2003 13:23
Wie gingen die "DDR-Oberen" damit um? Nun, es gab zum Start 1983 eine Rundschrift (wer die wohl wieder illegal kopiert hat, denn Kopierer gabs offiziell auch nicht...), in der auf die TV-Programme (UKW schien niemanden zu interessieren) hingewiesen wurde. Sinngemäß: "Kanal x DDR 1, Kanal y DDR 2. Auf den Kanälen ... existieren weitere Empfangsmöglichkeiten."
"Empfangsmöglichkeiten" waren das also. Und im Statut der Antennengemeinschaft stand "Die Mitglieder sind über das Gesetz zum Schutze des Friedens vom ... belehrt."
Das wars, mehr nicht. Und meine Musiklehrerin in der 7. Klasse prahlte damit, daß sie am liebsten RIAS 2 hörte...
von Radiowaves - am 01.05.2003 19:20
-Torfhaus K10 gut .Mit 13 Elem. Antenne und Vorverstärker
-ZDF Großer Waldstein ( Hof ) K23 Mit 4er Gruppen in Zeile wegen
Nachbarkanalstörungen vom Sender Leipzig K22 auch aus Südrichtung
mit Sperrkreisfilter und gutem Vorverstärker wetterabhängig mäßig bis
sehr gut
- Bayern 3 Großer Waldstein K57 mit 1 bis 4 Antennen gut bis sehr
gut auch wetterabhänig
- N3 Berlin K39 Mit 4er Gruppen , um Gleichkanalstörungen aus-
zublenden mäßig bis sehr gut auch wetterabhängig
- ZDF Berlin K33 mit gleichem Aufwand wie K39
Gleichkanalstörungen von Sonneberg,
- Hoher Meißner K55 HR3 Mäßig bis gut mit 1 bis 4 Antennen
An allen Gruppen Eigenbau - Verstärker mit KT Transistoren ( russ.
besser als MosFet ) und transformatorische Verteiler in umgekehrter Richtung
betrieben. Natürlich alle Empfangsergebnisse Je nach Stadtlage verschieden gut
Der Winkel zum Sender Leipzig K22 im Süden war im Zentrum 0 Grad , d.h.
es zog sich durch Leipzig ein Streifen , in dem K23 ZDF von Hof nicht lößbar
war. Auf Wohnhäusern ab 10 Etagen war immer Berlin oder Hof machbar.
-K32 ZDF Hoher Meißner war durch Chemnitz DDR2 K32 unmöglich.
-K4 ARD Ochsenkopf ist auch machbar gewesen aber Torfhaus K10
war der geringere Antennenaufwand und stabiler
UKW Torfhaus NDR1-3 mit 7elem. Antenne rauschfrei in Stereo
Hoher Meißner HR1-3 leicht verrauscht stereo . Ab 11 Etagen sauber
Die Berliner Sender etwas verrauscht in Stereo
BFBS 93,0 Drachenberg gut und stabil in mono rauschfrei
Eine Frage zum an die Norddeutschen aus MV. Ich habe gehört, daß Flensburg
Kanal 4 50KW in Wolgast und Umgebung empfangen wurde . Ging das und wie ??
von Klaus Schindler - am 02.05.2003 12:10
genau hinter dem Brockengipfel steht. Gibt es Einzüge in Richtung Brocken vom Telekommast ? Oder war das nur Abschattung ? Laut Senderdatenbank ist das ja leider so .
K 10 ging bei Hochdruckwetter morgens ein par Dezibel mehr und bei Tropo vielleicht 10 db mehr als im Durchschnitt.Der Nachbarkanal 9 vertikal aus Wiederau ddr1 100KW ( südl. von Leipzig ) brachte durch Seitenband-Reste der SECAM-Farbträger leichte Störungen ( schmaler Balken und Umrisse von farbigen Konturen ) rein . Je nach Stadtlage sehr leicht bis störend. Den gleichen Effekt auch auf ZDF K 23 vom Waldstein durch Wiederau K22 500 KW ddr2. Diese Störungen durch K22 auszublenden war nur mit 2 oder besser 4 Kanalantennen (ca. je 17db auf K23 ) in Zeile möglich. Extrem selektive Sperrkreise und großsignalfeste Kanalverstärker mit tranformatorischen Zusammenschaltgliedern waren Voraussetzung um da überhaupt was zu bekommen. Im Südwesten ( zB. Grünau mit 6 bis 11 Etagen , ein Traum waren 16 Geschosser ) war K23 rauschfrei mit wehnig störenden Farbträgerresten durch K22.Ich bin in 13 Jahren Antennenbau mit solchen Kopfstationen nie mit dem Staat angeeckt. Es wurde geduldet . Vieleicht habe ich eine Akte , na und. Die Nachbarkanalbelegung war sicher kein Zufall, konnte die DDR eigendlich sich die Frequenzen aussuchen, oder war das irgendwie koordiniert mit Europa? Wieso dann oft diese "Zufälle" mit Nachbarkanal und Richtung auch in anderen Gegenden?
Wie weit ging in Ostsachsen mit welchen Aufwand noch Ochsenkopf K4 ? 2 mal 5 Elem. Antennen vert. waren doch ein Traum von Anlage auf dem Dach !
von klaus schindler - am 02.05.2003 23:43
In Ostsachsen war Kanal 4 V lange Jahre belegt vom Umsetzer fürs DDR1 in Neustadt/Sachsen und K4 H aus Calau kam noch dazu. Anfang der 80er ist der Umsetzer abgeschalten worden, da beide Programme auch im UHF Bereich vom selben Standort kamen. Calau war nicht so sehr das Problem, da es mit anderer Polarisation und aus einem Winkel von etwa 90° kam. Beste Voraussetzungen, den Sender zu unterdrücken. Die ARD war ständig aus dem Rauschen wahrnehmbar mit etwa 20dB Rauschabstand. Abhängig vom Wetter kam Ochsenkopf mal fast rauschfrei, mal kam aber auch Calau als Jalousie durch.
Zwischen Görlitz und und Dresden wurde wenn überhaupt ausschließlich Berlin als Senderstandort gewählt. Einzig in Zittau habe ich noch Ochsenkopf-Antennen gesehen. Mit Radiomobile habe ich mir mal die Reichweite des Ochsenkopf angesehen. Auf der Lausche bei Zittau hätte man einen dauerhaften Empfang hinbekommen können.
von rick_71 - am 03.05.2003 04:07
Nach neuesten Meldungen in verschiedenen Medien wird im Norden sehr wohl Südfernsehen konsumiert, und zwar über Aufzeichnungen auf Videokassetten, die auf dem nordkoreanischen Schwarzmarkt kusieren. Ich glaube, die werden über China eingeschmuggelt. Äußern tut sich das u.a. dadurch, daß die momentanen Frisurentrends nordkoreanischer Jugendlicher von beliebten südkoreanischen Fernsehserien beeinflußt werden. Entsprechendes Empfangs- bzw Videoequipment scheint jedenfalls dazusein. Es wäre interessant, mehr über die (Süd-)Fernsehempfangspraxis in Nordkorea zu erfahren.
EDIT: quote-Tags richtig eingestellt
von Sebastian Fritzsche - am 15.04.2005 17:14
Tele 5 wurde meines Erachtens in Berlin niemals ausgestrahlt . Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, daß mir das entgangen sein sollte (ich komme ja aus Berlin).
K 22 wurde jedenfalls ausschließlich von FAB genutzt, K 47 von RTL2.
Es ist natürlich nicht auszuschließen, daß kurzzeitig zu Testzwecken irgendwas ausgestrahlt wurde, was mir entgangen ist. So habe ich z.B. einmal, Anfang der 90er, einen Abend lang 3sat auf UHF mit Zimmerantenne empfangen (Berlin-Mitte) . Bis heute weiß ich nicht, wo das Signal herkam, es war jedenfalls schwach und es handelte sich nicht um eine Übernahme von einem anderen Sender, das hatte ich ausgecheckt. Sah auch nicht nach Überreichweite aus.
von Sebastian Fritzsche - am 15.04.2005 18:16
Ich kenne ein Beispiel von Verwandten aus Seifersdorf, südlich von Dresden (das Nachbardorf meiner Großeltern). Dort gab es ca. 1988 ein 'Versuchsprojekt der TU Dresden'. Auf einem nahegelegenem Berg wurde ein Empfangsmast mit diversen VHF und UHF-Gruppen (wieviele genau weiß ich nicht), sowie Satellitenantennen errichtet. Die Programme sollten dann per Kabel in die umliegenden Dörfer geleitet werden, zu meinen Großeltern ist es leider bis zur Währungsunion niemals gekommen.
In Seifersdorf jedenfalls wurde es noch realisiert, ich habe es selbst gesehen. Da gab RTL, SAT1, TELE 5, Eurosport und MTV in gestochen scharfer Qualität auf dem Bauernhof. ARD und ZDF wurden allerdings über Berlin rangeholt und kamen dementprechend schlecht.
Woher die das Equipment genommen haben, weiß ich allerdings auch nicht, jedenfalls war alles höchst offiziell.
Ich muß noch dazusagen, daß man in der Gegend bis 1988 nur das 'Erste Ost' empfangen konnte, und zwar auch nur über einen Umsetzer (E3), weil ein Berg den Direktempfang aus Dresden verhinderte. Ab '88 gab es dann einen UHF-Umsetzer, der auch das Zweite ausstrahlte und heute noch arbeitet (ARD/ZDF/MDR).
Seit 1990 wird natürlich hauptsächlich auf Satellitenindividualempfang gesetzt, den gab es vereinzelt auch schon zu DDR-Zeiten. Auch hier weiß ich nichts genaueres, ich habe nur damals die Antennen gesehen (ca. 80-90er Schüsseln).
Im Gegensatz zu früher kann man heute auch Tschechensender ganz gut empfangen, wenn man 'DK' eingebaut hat (haben tatsächlich einige Geräte). Interessiert allerdings, damals wie heute, keinen.
von Sebastian Fritzsche - am 15.04.2005 18:54
Soweit ich weiß, hatten, zumindest seit den 80ern (ich sehe etwa seit '81 fern) die in der DDR verkauften Geräte alle PAL und SECAM regulär eingebaut (denn wer hätte schon ein Gerät gekauft, das nur 'Osten' in Farbe bringen konnte?). Ausnahmen gab es lediglich im Tal der Ahnungslosen sowie an Schulen (sowie wahrscheinlich an anderen öffentlichen Einrichtungen). So z.B. bei meinen Großeltern südl. von Dresden, die zu DDR-Zeiten niemals 'Westen' gekriegt haben. Die hatten einen CHROMAT, der nur SECAM konnte. Ende der 80er haben sie dann einen neuen gekauft, der auch PAL konnte (nutzen konnten sie dieses Feature allerdings erst ab ca. 1990, als sie sich eine Sat-EInzelanlage zulegten). Übrigens wurden mit der Abschaltung der terrestrischen SECAM-Ausstrahlung auf dem Gebiet der Ex-DDR (1991 ?) unzählige Geräte im Tal der Ahnungslosen über Nacht zu Schwarzweiß-Empfängern ! Dies sei nur am Rande erwähnt. Ein ähnliches Schicksal muß unzähligen Polen und Tschechen widerfahren sein, wo ähnlich rabiat verfahren wurde. In meiner Schule, die ich von 1981-1991 besuchte, wurden noch kurz vor der Wende nagelneue Farbfernseher angeschafft (vorher gab es nur Röhre mit Drehregler), natürlich nur mit SECAM. Auch diese wurden auf diese Art und Weise schnell zu S/W-Geräten.
Ich kenne jedenfalls keinen Privathaushalt mit Westempfang, der nur Osten in Farbe hatte. Selbst Linientreue, die ihren Kindern Westfernsehen verbaten, hatten Westantenne- und Farbe. Teilweise wurden sogar SANYO-Geräte verkauft (auch für Ostmark). Diese zu bekommen, war allerdings schon etwas schwieriger.
Was den Empfang von AFN angeht, das wurde ja in NTSC ausgestrahlt. Deshalb konnte man, selbst bei gutem Empfang, maximal ein gutes S/W-Bild haben (so wie bei mir zuhause), ohne Ton. TV-Geräte mit diesem Feature (NTSC) wurden m.E. im Osten gar nicht verkauft, vielleicht im Intershop. Ich kenne jedenfalls keinen, der sowas zu Ostzeiten hatte. Anders beim BFBS-TV, hier mußte ja 'nur' der Ton geknackt werden. Ich kenne zwar auch hier keinen, der das hatte. Gelegentlich konnte ich jedoch entsprechende Antennen für dieses Programm auf den Dächern entdecken, auch dort, wo (vermutlich) keine Diplomatenwohnungen waren. Diese Antennen waren leicht zu erkennen, da dieser Sender in Berlin als einzigster vertikal sendete (UHF E41, später von BBC World benutzt, allerdings horizontal vom Alexanderplatz, in PAL B/G). Der Empfang von BFBS (auch SSVC genannt) war übrigens miserabel, nicht nur wegen der Polarisation, sondern generell haben die sehr schwach gesendet. Jahrelang wußte ich gar nicht, daß es diesen Sender gibt.
Der Sender der Franzosen ( FRANCE2, ehem. ANTENNE 2, davor bis Mitte der 80er TV5, davor angeblich TF1 ? - wer weiß hier besser Bescheid als ich, das war vor meiner Zeit ? - , mit Regionalfenster 'tfb - television francaise a Berlin') auf Kanal E31, war zumindest im Zentrum Ostberlins sehr gut zu empfangen (mit Zimmerantenne bei mir in der Nähe des Alexanderplatzes sogar besser als die Westsender) und hat komischerweise in der gleichen Norm gesendet, wie das DDR-Fersehen, also in CCIR und SECAM-Ost, obwohl doch das französische SECAM andere Parameter hat, als das osteuropäische, oder ?-
Wer weiß, inwiefern man mit einem PAL/SECAM(-Ost) B/G-Gerät französisches Fernsehen an der französischen Grenze empfangen kann ?
Als das DDR-Fernsehen 1991 (?) in Landesanstalten umgewandelt und damit auf PAL umgestellt wurde, haben die Franzosen auf K31 sofort nachgezogen ! (Ich hatte damals bereits ein Nur-PAL.Gerät von einem Westbekannten geerbt, daher ist mir das sofort aufgefallen).
Da ja PAL / SECAM-Geräte ja in der Regel auf PAL-Basis arbeiten und das SECAM in PAL umsetzen, wäre es noch interessant zu wissen, ob die nur-SECAM-Geräte eine völlig andere Schaltung hatten (es waren ja eigentlich die gleichen Modelle, nur ohne PAL), oder ob auch die in PAL umgesetzt haben, aber den eigentlichen PAL-Empfang unterdrückten, was natürlich absurd, aber nicht unvorstellbar wäre.
von Sebastian Fritzsche - am 15.04.2005 20:06
In Jena, wo ich von 09/1988 bis 07/1991 lebte, war der "Westempfang" wegen der Tallage der Stadt ziemlich problematisch. Das Erste kam im Süden der 14 km langen Stadt recht gut über Torfhaus E-10 herein. Im Stadtzentrum gab es nur die Möglichkeit über den Ochsenkopf E-04, die Dächer waren vollgespickt mit selbstgebastelten Konstrukten für Band1. Trotzdem war die Qualität auch ohne Sporadik-E ziemlich dürftig.
Beim ZDF kamen sich die QTH Torfhaus und Hof auf K23 ins Gehege, der Heidelstein kam hier kaum herein. Ich vermute, das das ZDF in Jena nirgendwo ohne Querstreifen empfangbar war. N3 und Bayerisches FS kamen etwas vergrießt herein (S=3 bis 4), es war vermutlich vom Standort abhängig. Vielerorts waren auch in Jena lokale Kabelnetze im Einsatz, die Kopfstationen lagen meistens oberhalb der Wohngebiete. In der Regel wurden die UHF-Kanäle auf VHF umgesetzt, um Kabelverluste zu verringen. Ebenso war es mit der Wohnblockantenne im Studentenwohnheim in Lobeda, hier waren das ZDF auf E-03, Bayerisches FS auf E-12 und DDR2 auf E-08 umgesetzt. Dazu kamen noch die original eingespeisten Signale vom ARD (E-10) und DDR1 (E-06, QTH=Brocken?). In der Innenstadt waren für die beiden DDR-Px natürlich Füllsender in Betrieb.
In den 60er Jahren (weiß ich nur vom Hörensagen, das war vor meiner Zeit) war der UHF-Empfang in der DDR verboten, häufig wurden illegal Konverter gebastelt. Da diese ziemlich unvollkommenen Konverter auch Störsignale ausstrahlten, fuhren häufiger Messfahrzeuge durch die Straßen, um diese Geräte aufzuspüren. Erst mit der Eröffnung des "DDR 2" Oktober 1969 wurde der UHF-Empfang legalisiert,d.h. die Neugeräte waren mit UHF-Tunern ausgestattet (damals leider nur bis Kanal 39) bzw. es gab jetzt sog. "UHF-Konverter" ganz legal zu kaufen. Meine Großeltern hatten für ihren 60er-Jare TV (RFT "Stadion 8") so einen legal gekauften Konverter, der wandelte den eingestellten UHF-Kanal auf 2 Kanäle im Band 1 um (regulär auf E-03, Nachbarkanal etwa auf E-04. Auf E-02 kam aber nichts mehr durch). Immerhin ließ sich dieser Konverter bis Kanal 51 einstellen, der BFBS war kurz vom "Anschlag" des Drehknopfes.
Meine Eltern hatten in den 70ern bereits einen TV mit UHF (Typ "Staßfurt Stella"). Der ließ sich tatsächlich nur bis K41 einstellen, erst nach dem Entfernen einer Sperre und des mechanischen Skalenstriches konnte man den Tuner bis K60 durchstimmen, nach K52 ließ die Empfindlichkeit aber stark nach.
von Analog-Freak - am 16.04.2005 00:21
Ich habe mal von 'nem Bekannten gehört, daß er damals Ende der 80er bei einem Berlinbesuch Tele 5 empfangen konnte. Das wird dann aber wahrscheinlich Kabel gewesen sein, was damals noch relativ unbekannt war. Deshalb ging er wohl davon aus, daß es auch von der Antenne käme.
Bisher habe ich auch nichts weiter in Erfahrung bringen können, daß Tele 5 jemals in Berlin terrestrisch gesendet hat. Das ist wohl quasie eine Ente.
So toll war die Leistung auch nicht. Man sendete vom Sendemast am Olympiastadion mit 200 Watt. AFN TV sendete dagegen mit 4 000 Watt - allerdings vom Dach des damaligen US-Headquarters in Dahlem, was aber nicht so hoch sein dürfte, wie der Mast am Olympiastadion. Sind auf dem Dach des ehemaligen US-Headquarters eigentlich noch die Antennen drauf?
Stimmt. Das ist sehr komisch, daß die Franzosen in SECAM G und nicht in ihrer eigenen Norm - SECAM L - gesendet haben. Vielleicht wollte man damit die Leute in der damaligen DDR und Ost-Berlin besser versorgen.
Die Normen G und L unterscheiden im Bild-Ton-Abstand, in der Modulation des Tones (FM bei G und AM bei L) sowie der Modulation des Bildes (negativ bei G und positiv bei L) voneinander.
Mit einem SECAM-Empfänger, der (nur) für die Norm G ausgelegt ist empfängt man in Frankreich nur ein invertiertes (also negatives) Bild, das hin und her kippt, da die Synchronisationssignale ebenfalls invertiert sind und damit nicht ausgelesen werden können. Farbig ist das ganze aber trotzdem, nur halt invertiert. Das sieht dann so aus, wie RTL4, daß früher auf Astra in Luxcrypt verschlüsselte. Hören tut man auch nichts, da der Bild-Ton-Abstand und die Tonmodulation anders ist.
Umgekehrt (also beim Empfang von SECAM G mit einem SECAM-L-Empfänger) sieht's genau so aus.
Das mit der Umwandlung von SECAM nach PAL ist meines Wissens nur bei neueren Geräten üblich. Soweit mir bekannt wurden damals - falls zwei Normen gewünscht waren - auch zwei Farbdekoder eingebaut. Reine SECAM-Empfänger hatten auch einen SECAM-Farbdekoder drin.
Heutzutage stellt die Normwandlung von SECAM nach PAL auch bei weitem keinen so großen Aufwand wie vor 20 oder 30 Jahren dar. Damals hätte sowas schaltungstechnisch wohl einen größeren Mehraufwand als ein zusätzlicher SECAM-Dekoder bedeutet - und wäre bei reinen SECAM-Empfängern unsinnig gewesen. Heute hat man sowas auf 'nem Chip, der im Masseneinkauf höchstens ein paar Cent kostet und dann vor dem PAL-Dekoder geschaltet wird und bei Bedarf (also beim SECAM-Empfang) aktiv wird.
Seit den 90ern dürfte sich die Entwicklung für reine SECAM-Empfänger nicht mehr lohnen. Die Länder, welche SECAM noch im Einsatz haben, gehören meist zur zweiten oder dritten Welt (außer Frankreich) und sind sicherlich nicht der Hauptabsatzmarkt für die Hersteller von Heimelektronik. Selbst in diesen Ländern dürfte PAL mittlerweile bei Videorecordern, DVD-Playern und Spielkonsolen dominieren, sodaß die dortigen Fernseher unbeding auch PAL-fähig sein sollten.
Da diese SECAM-Länder aus meiner Sicht nur ein "Zweit-Markt" sind, spart man sich die Entwicklungskosten für eine PAL-SECAM-Version und setzt halt stattdessen diesen SECAM-PAL-Wandler davor.
Bei den Videorecordern ist's ähnlich. Auch hier entwicklet man kaum noch extra PAL-SECAM-Bandmaschinen sondern gibt den PAL-Recordern die Möglichkeit, SECAM aufzuzeichnen. Das nennt sich dann MESECAM (Middle East SECAM - soviel ich weiß). MESECAM-Aufzeichnungen sollen aber qualitativ schlechter als reine SECAM-Aufzeichnungen sein. Zudem lassen sich MESECAM-Aufzeichnungen nicht von reinen SECAM-Recordern (in Farbe) abspielen, sondern nur von MESECAM-Recordern.
von Kay B - am 16.04.2005 11:37
Tele5 in Berlin: Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich denke, der Streit Hege (MABB) vs. Ring (BLM) wegen der Umwandlung Tele5 ind DSF war gerade wegen einer terrestrischen Ausstrahlung so langwierig (die BLM hat ja dann DSF kurzerhand mitgeteilt, man hätte die Vollprogrammlizenz in eine Spartenprogrammlizenz umgewandelt, damit sie in Ruhe weitersenden können).
Farbfernseher: Ende 1980 hielt das Farbfernsehen in Form eines Colortron in den Haushalt meiner Eltern Einzug (Olympiade noch s/w gesehen, Sportrückblick in Farbe). Ich kann mich nicht erinnern, das jemand zu dieser Zeit (und später) einen Farbfernseher hatte, der kein PAL hatte.
Für so manchen Altbundi vielleicht nur bedingt nachvollziehbar: Kurz vor der Wende kam der Film "Zwei schräge Vögel", der sich vor allem mit den Problem der Un-Planwirtschaft auf sehr schräge Art auseinander setzte (wurde auch im Sommer verboten, und kurz vor Honeckers Absetzung wieder erlaubt und gespielt - das Audi Max war brechend voll, und ich saß auf dem Festerbrett). Die beiden Hauptdarsteller warteten zum Abschluß ihres Studiums vor der Absolventenvermittlung, wo ihnen gesagt wurde, in welchem Betrieb sie anfangen werden. Ein Kollege kommt heraus und verkündet, er wird nach Dresden geschickt. "Wer wil meinen Fernseher kaufen?" Woraufhin sich lautstark ein Sachse meldete, der nach Rostock gehen sollte ;)
von The Jazzman - am 16.04.2005 11:41
Keiner ging zur Demo, alle wollten West-TV
Rosswein
Vor 20 Jahren wurde die Antennengemeinschaft Roßwein gegründet.
Reinhard Kästner
Daran wird Vorsitzender Günter Winterlich auch auf der Wahlversammlung am 26. April erinnern.
Viele Episoden weiß er aus jener Zeit zu erzählen, in der fast alle Roßweiner Westfernsehen wollten, aber auf Grund der topografischen Lage nur 70 Prozent das erste DDR- und nur 30 Prozent das zweite DDR-Fernsehprogramm empfangen konnten. Dies zu verbessern, war der offizielle Grund, den Antrag auf Errichtung einer „Großgemeinschaftsanlage zum Fernsehempfang“ zu stellen. Schon 1984 fragte Winterlich beim Ministerium für Post- und Fernmeldewesen an, ob die Stadt nicht in den Satellitenempfang einbezogen werden könne. Antwort: Das ist nur in begrenztem Umfang für die in der DDR stationierten Sowjetsoldaten möglich.
Übrigens hatte Klaus Graf die Idee zur Schaffung einer Antennengemeinschaft, die vor allem durch den jetzigen Vorsitzenden Günter Winterlich mit weiteren Roßweinern vorangetrieben wurde. „Das größte Problem war die Beschaffung des Materials. Für das Erdkabel mussten wir beim Wirtschaftsrat der DDR die Dringlichkeitsstufe 1 beantragen. Doch auch dann hatten wir noch kein Kabel“, erzählt Winterlich. Erst als Minister Kleiber, der zum Schulfest bei seiner Schwiegermutter in Roßwein weilte, einbezogen wurde, ging es vorwärts.
Winterlich erinnert sich an den ersten Arbeitseinsatz der Mitglieder zum Schachten der Gräben. Dieser war am 1. Mai 1987. Da alle mit der Schaufel arbeiteten, fiel die Mai-Demonstration sehr spärlich aus. Für Winterlich gab es daraufhin eine Vorladung zur SED-Kreisleitung. Um das Vorhaben der Großanlage bekannt zu machen, wurden sogar Wahl-Versammlungen und Zusammenkünfte der Wohnbezirksausschüsse genutzt. So hatten sich bis zum 9. Juni 1986 genau 2086 Mitglieder eingeschrieben.
Der DDR-Staat unterstützte den Bau der Anlage mit einen Betrag von 900.000 Mark und bezuschusste die Gemeinschaft bis zur Wende mit jährlich 150.000 DDR-Mark. „Den Verantwortliche war schon klar, dass es dabei auch vor allem um den Westfernsehempfang ging. Doch sie sahen es als ein Ventil an, dass man durchaus öffnen könnte“, sagt Winterlich heute im Rückblick.
Als dann die Kopfstation gebaut und die technischen Ausstattung gekauft werden sollte, war Westgeld nötig, denn Reciver und Verstärker gab es nur gegen harte Währung. Winterlich musste auf abenteuerliche Weise Geld tauschen, um die Technik anschaffen zu können. Nach dem Probeempfang in Wohnblöcken der AWG ging es 1988 los: Fünf Fernsehprogramm, zwei der DDR, dazu das ARD, das Zweite und das Dritte aus Bayern bzw. Berlin waren in Farbe zu empfangen und die Freude bei den Roßweiner war groß. In der Dresdner Straße wurde das Büro der Antennengemeinschaft eingerichtet, in der Hanni Heinze und Sonni Liebe die Mitglieder der „Antenne“ betreute. Übrigens wurde die Anlage von der damaligen PGH Rundfunk und Fernsehen Döbeln aufgebaut.
von medientechniker - am 16.04.2005 16:34
Ja sicher haben die für die "Zone" mitgesendet.
Dazu folgende Geschichte, die mir ein Kollege mal erzählte. Im RIAS wurde berichtet, in Dresden gäbe es keine Marmelade zu kaufen. Ja, und eine Woche später war dem tatsächlich so. Fragen?
Das muß in den 50ern oder 60ern gewesen sein. Das witzige ist ja, das Dresden als Tal der Ahnungslosen galt, und der Empfang ja wegen der Entfernung schon nicht ganz leicht war.
Es wird ja heute immer so getan, als hätte es im Westen keinen kalten Krieg gegeben. Dabei hat doch im letzten Jahr der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Praxis der Berufsverbote als mit den Menschenrechten unvereinbar erklärt. Ein gewisser Gerhard Schröder war der Anwalt von einigen der Betroffenen, nur hat es bis heute keine Rehabilitation derer gegeben (wie auch der Wehrmachtsdesserteure, aber das wird jetzt OT).
Beliebt waren ja auch immer die "Grüße in die Zone" u.ä. Hans Rosenthal hat das ja auch immer sehr zelebriert (letztens kam ein Portrait mit Ausschnitten aus "Dalli dalli"). Ich selbst bin Baujahr 1970 und kenne diese "Grüße" auch noch. Auch wenn ich kein glühender Anhänger des Systems war, so empfand und empfinde ich dieses als herablassend/herabwürdigend, so als spricht man mit einem Baby in Babysprache, oder mit einem, der nicht mehr alle Kröten im Teich hat. Aber das setzt sich in vielen Ost-West-Diskussionen in denen Medien ja bis heute noch fort.
von The Jazzman - am 17.04.2005 08:38
Wie sah (bzw.) es denn aber mit dem Empfang an der deutsch-französischen Grenze aus? Mit den normalen deutschen Geräten scheint das ja nicht möglich gewesen zu sein. Gab es also, im Ggs. zu den anderen Nachbarländern gar keinen grenzüberschreitenden TV-Empfang mit Frankreich? Mußten die, die es interessiert hat, sich teure Multinormempfänger zulegen? In alten Quelle(usw.)-Katalogen habe ich entdecken können, daß es fast jedes Gerät für einen geringen Aufpreis auch mit 'DDR-Farbe' gab, nicht jedoch für Frankreich-Empfang. Sollte das Interesse so gering gewesen sein ?
Sollte es in Berlin und der DDR mehr Zuschauer des französischen Fernsehens gegeben haben als in Südwestdeutschland ?
Noch eine Frage: Wieso kann ich mit meinem alten DDR-Fernseher (also PAL/SECAM B/G) die französischen, über Satellit (also bei mir Atlantic Bird 5°West) in SECAM ausgestrahlten Programme einwandfrei empfangen (also Ton ist ja klar, aber Bild?). Ich dachte nämlich jahrelang, daß dies, wegen der sehr unterschiedlichen Norm, nicht möglich sei, bis ich es einmal probiert habe. Seitdem denke ich nämlich, daß es sich bei 'L' um eine nicht mehr gebräuchliche Variante handelt (so wie die alte 819-Zeilen Norm). Jetzt weiß ich eigentlich gar nicht mehr, was ich glauben soll.
Leider lassen sich SECAM-Kassetten aus Frankreich auch nicht auf MESECAM- Videogeräten (kombiniert mit PAL/SECAM B/G-TV-Gerät) farbig abspielen. Ich habe das mehrfach probiert (mit verschiedenen vorbespielten französischen Kaufvideos), und dachte, daß gerade dies unproblematisch sein sollte, jedenfalls nach meinen neuesten Erkenntnissen (s.o).
Komischerweise funktioniert es manchmal mit einem reinen Pal-Fernsehgerät, wenn ich den Videorecorder auf PAL/MESECAM-'AUTO' stelle. Zumindest habe ich dann, zu völlig willkürlich vom Fernsehgerät gewählten Zeitpunkten, ein farbiges Bild, nicht invertiert, jedoch mit s e h r grellen Farben (wenn ich den Farbregler am TV entsprechend zurücknehme, ist es jedoch ein erträgliches Bild). Auf dem PAL/SECAM -TV ist jedoch stets nur ein S/W-Bild zu erhalten.
Aufnahmen vom o.g. französischen Satelliten-TV sind jedoch ohne weiteres möglich. Die Qualität ist auch nicht schlechter als bei VHS üblich.
Es gab auch Sender des russischen 1. Fernsehprogramms in der DDR, die haben auch in der Norm SECAM B/G gesendet. und nicht in D/K., z.B. nördlich non Berlin auf K11 vertikal und südlich von Berlin auf K23, glaube ich (habe ich im Stadtzentrum leider nie reingekriegt, war auf höheren gebäuden jedoch möglich).
Mir ist noch folgendes Phänomen aufgefallen:
Ich habe einen tragbaren TFT-Fernseher (redstar CTV5 von real, 149 Euro, gefällt mir sehr gut), mit manuell umschaltbaren Tonnormen. Damit habe ich auch schon polnische und tschechische Sender empfangen. Wenn ich einen deutschen Sender empfange und den Ton auf OIRT-Norm stelle, höre ich stets nur ein unangenehmes Geräusch (logisch), ebenso wenn ich polnische o. tschechische empfange, und auf CCIR-Ton schalte (auch logisch). Bei m a n c h e n polnischen o. tschechischen Sendern kann ich jedoch den Ton auch noch empfangen, wenn ich auf CCIR umschalte, in schlechterer Qualität zwar (etwas höhenbetonter), aber immerhin. Dies funktioniert jedoch stets jedoch nur bei einem der jeweils empfangbaren 3-4 Sender (jedenfalls Ende letzten Sommers, als ich es probieren konnte), während bei den anderen Sendern nur das übliche unangenehme Rauschen zu hören war, der Fernsehton jedoch nicht ansatzweise. Ebenso ist bei deutschen Sendern und OIRT-Einstellung stets nur Rauschen zu hören.
Kann mir jemand erklären, woran das liegen könnte. Versuchen die vielleicht, mit einer größeren Ton-Bandbreite, auch CCIR-Geräte zu erreichen ?
von Sebastian Fritzsche - am 04.05.2005 15:33
Auch wenn es etwas OT ist: In den nordkoreanischen Medien wird, wie soll man sagen, richtig "Falschinformation" verbreitet. Beispiel: wenn irgendwo auf der Welt eine große Demo stattfindet, dann wird diese am Geburtstag des Führers Kim Il Sung (?) gezeigt und den Leuten erzählt, die Demonstranten dort in dem West-Land feiern den Geburtstag des nordkoreanischen Führers, den beliebtesten Mann auf Erden. Das ist schon krass. Als Kim Yong Il 1994 verstarb, der ja bis heute der Führer ist (sein Sohn ist ja nur "Nachfolger") sind die Leute Richtig in Extase ausgebrochen. Letztens gab's mal eine Reportage hierzu, da konnte man sehen, die Leute, die die Strasse gesäumt haben, auf der der Leichenwagen entlangfuhr, das waren schmerzerfüllte Gesichter, wie sie allerhöchstens auftreten, wenn ein nächster Familienangehöriger stirbt. So was habe ich wirklich noch nie gesehen und es ist schwierig, in Worten wiederzugeben. Desweiteren gibt es in Pjöngjang kaum Autos, es gab in dieser Reportage eine Polizistin zu sehen, die den Verkehr an einer Kreuzung regelte. Es gab aber nichts zu regeln, es passierte jede Minute mal ein Auto die Kreuzung. Die Strassen waren aber, für unsere westeuropäischen Vorstellungen, von immensen Dimensionen (sehr breit). Desweiteren soll es ja heute in Nordkorea noch üblich sein, daß Leute vom Militär umgebracht werden, wenn sie einen Popsong aus Südkorea vor sich hin pfeifen. Da muß man schon sagen, hatten es die Leute in der "DDR" "relativ gut"...
Gruss,
Klaus
von Klaus Wegener - am 04.05.2005 16:07
Über Analog-Sat wird nicht die L-Norm verwendet. Daher kann man dort das franz. TV mit jedem Analogreceiver gucken.
Also kurzum: Terrestrisch wird in Frankreich analog weiterhin L-Norm verwendet und ein dt. Zuschauer braucht dafür ein Multinormgerät.
Es war natürlich viel einfacher und billiger, einfach noch die Farbnorm Secam in nen TV einzubauen als die ganze Video- und Tonaufbereitung extra zu instalieren. Daher wurden die meisten TVs früher nur mit "Secam-Ost" verkauft und nicht "Secam -West".
von CBS - am 04.05.2005 16:09
Wie von CBS schon geschrieben braucht man zum Empfang der französischen Sender ein für die Norm L taugliches Fernsehgerät bzw. ein Multinormgerät. Ganz früher war sogar noch ein Gerät für die 819-Zeilen-Norm erforderlich. In den Kabelnetzen (zumindest denen der Telekom) werden die Sender in der Regel in PAL B/G konvertiert.
In der damaligen BRD war (und ist) PAL B/G im Einsatz während in der damaligen DDR SECAM B/G benutzt wurde. In Frankreich nutzt man SECAM L. Zum Empfang der DDR-Programme mußte nur ein zusätzlicher SECAM-Farbdekoder eingebaut werden. Wollte man ein PAL-B/G-Gerät SECAM-L-tauglich machen müßte man fast einen zweiten Tuner einbauen, der die unterschiedliche Bild- und Tonmodulation sowie den unterschiedlichen Bild-Ton-Abstand verarbeitet. Das wäre dann dementsprechend noch teurer geworden und man hätte schon fast 'nen Multinormfernseher gehat.
Zudem stellt sich die Frage, ob auf dem bundesdeutschen Markt die gesamte Nachfrage für fremdsprachige ausländische Programme so groß war wie für deutschsprachige ausländische Programme. Sicherlich war insgesamt das Interesse für das DDR-Fernsehen (abgesehen von Sendungen mit politischen Inhalten) größer.
Dann darf man auch nicht vergessen, daß das DDR-Fernsehen in der BRD eine weitaus größere Fläche als das fränzösische Fernsehen abgedeckt hat. Das französische Fernsehen war allerdings nur in der Rheinebene bzw. im südwestlichen Rheinland-Pfalz und im Saarland empfangbar.
Die Normen B, G ,H , L, M, N,... haben nichts mit der Satellitenübertragung zu tun sondern geben nur die Parameter für terrestrische TV-Sender an.
Bei der analogen Satellitenübertragung hat man sogenannte Transponder. In einem Transponder wird ein frequenzmoduliertes Bildsignal übertragen. Das Bild kann dabei ein NTSC-, ein PAL- oder ein SECAM-Signal sein. Neben diesem Bildträger gibt es noch unterschiedliche Tonträger, die meist in einem Abstand von 5,80 bis 8,10 MHz zum Bildträger liegen. Diese Tonträger ermöglichen die Übertragung von mehreren Kanälen (z. B. bei Eurosport einen deutschen Ton, einen französischen Ton, ...) oder die Übertragung von Radioprogrammen.
Egal, ob man per analogem Satellitenempfang nun deutsche oder französische Programme empfängt, man empfängt immer ein frequenzmoduliertes Bildsignal. Länderspezifisch wird's erst beim Satellitenreceiver. Dieser macht bei uns in Deutschland erst ein PAL-B/G-Signal daraus. Was du am Modulator deines Satellitenreceivers beim Empfang der französischen Sender auf 5° West erhälst ist das "DDR-SECAM", welches dein DDR-Fernseher entsprechend verarbeiten kann. Das hast du aber deinem Receiver zu verdanken.
Die Norm L ist schon noch gebräuchlich. Nur hat sie halt nichts mit dem Sat-Empfang zu tun sondern bezieht sich nur auf die terrestrische TV-Übertragung.
Wie gesagt, MESECAM ist ein komplett anderes SECAM-Aufzeichnungsverfahren. Du kannst mit einem MESECAM-Videorecorder nur MESECAM-Aufzeichnungen wiedergeben - wenn das Teil nicht zusätzlich das "echte" SECAM im Wiedergabemodus beherrscht.
Wann wird das Bild farbig? Wenn du eine SECAM-Kasette in deinem MESECAM-Rekorder abspielst?
Es ist möglich, das das Bild eines reinen PAL-Fernsehers farbig wird, wenn man ihn mit einem SECAM-Signal "füttert". Dann ist das aber nicht das Farbsignal, was zum Bildinhalt gehört sondern irgend ein Muster. Das entsteht dadurch, daß sich der Farbdekoder erst einschaltet, wenn er ein Träger bei 4,43 MHz oberhalb des Bildträgers findet. SECAM hat zwei Farbträger - einen bei 4,25 und einen bei 4,40625 MHz über dem Bildträger. Dadurch kann sich der PAL-Dekoder einschalten, zeigt aber nur ein Farbmuster, daß nicht zum Bild gehört.
Ja, das kann an der Tonbandbreite liegen. Oder der Bild-Ton-Abstand stimmt nicht ganz. Aber versuchen, CCIR-Geräte zu erreichen, werden sie sicherlich nicht.
Den Fernseher von B/G auf D/K umzustellen dürfte nicht so problematisch gewesen sein. Wenn da keine Keramikfilter sondern einstellbare Filter verbaut wurden mußte man im Tuner halt so lang rumdrehen bis man was gehört hat. Dürfte sowohl in der BRD wie auch in der DDR der gleiche Aufwand gewesen sein.
Bei AFN TV die Farbe noch zu empfangen dürfte nicht so einfach gewesen sein. Der Farbträger von NTSC liegt bei 3,58 MHz über dem Bildträger. Bei PAL sind's 4,43 MHz. Man mußte da also schon am Farbdekoder rumbasteln. Man müßte den PAL-Farbdekoder also auf 3,58 MHz abstimmen und die automatische Fehlerkorrektur deaktivieren. Dann könnte da was farbiges dabei rauskommen.
Dann stellt sich noch die Frage, ob sich das Gerät überhaupt auf 29,97 Hz synchronisieren kann und das Seitenverhältnis richtig darstellt.
von Kay B - am 05.05.2005 00:38
Was den Betrieb einer Satellitenantenne anmeldepflichtig machte, war u. a. die Tatsache, daß sie bis zum Februar 1991 ein aktives (und damit sendendes) Empfangsteil darstellte. Klingt lächerlich - vor Februar 1991 war 'ne Sat-Antenne was zum Senden und danach nicht mehr.
Aber so ganz ohne ist so 'ne Sat-Anlage auch nicht. In jedem LNB arbeitet ein Oszillator. Damals waren das meist 10 GHz. Das Signal wird vom Erreger empfangen und dann mit dem Signal vom Oszillator gemischt. Die Differenz beider Signale ergibt dann die 1. Zwischenfrequenz, die verstärkt und dann zum Satellitenreceiver geführt wird.
Das Problem liegt jedenfalls beim Mischen von Empfangssignal und Oszillatorfrequenz. Man muß dafür sorgen, daß das Empfangssignal vom Erreger zum Mischer gelangt, aber das Oszillatorsignal nicht vom Mischer zum Erreger. Ansonsten hat man wirklich 'nen Uplink. Dann fungiert der Erreger als Sendeantenne und der Spiegel sendet ein 10-GHz-Signal ins All.
Die dabei entstehenden Sendeleistungen dürften zwar nicht sehr hoch sein - aber auch nicht gerade niedrig. Viele ATV-Funker bauen sich alte LNBs um und bauen sich damit ihre Richtfunkstrecken auf.
So ein LNB - und damit die ganze Sat-Anlage - können also sehr wohl einen Sender darstellen. Die damalige Anmeldepflicht war schon gerchtfertigt. Man wollte halt sicher gehen, daß nur geprüfte Ware im Einsatz ist. Ungerechtfertigt waren meiner Meinung nach nur die Gebühren.
von Kay B - am 05.05.2005 00:39
Aha. Hab' ich noch nicht gewust. Danke für die Info.
@ Heiner W.
Die Bildmodulation in Frankreich ist positiv während sie im restlichen Europa negativ ist.
Die Einstellungen bei deinem Fernseher werden sicherlich folgendermaßen sein:
Euro
PAL B/G und SECAM B/G
E/Euro
PAL D/K und SECAM D/K
France
SECAM L
Frankreich hat sich halt mit seiner exotischen Fernsehnorm komplett von Europa abgeschottet. Man wollte damit früher den Zugang ausländischer Anbieter von Fernsehgeräten auf den französischen Markt erschwehren.
Deswegen hat man die für die Übertragung eher nachteilige positive Bildmodulation und amplitudenmodulierten Ton verwendet.
von Kay B - am 05.05.2005 09:44
Ich habe in meinem (DDR-) 'Antennen'-Buch von Eberhard Spindler, 11.Auflage 1988, das, glaub ich auch in der BRD verlegt wurde, nachgesehen: 'E' , ebenso wie 'F', bezeichnen 819-Zeilen-Normen, wobei 'E' die ehemals in Frankreich benutzte darstellt. Bei 'F' steht leider nicht dabei, wofür die sein soll. Die Parameter sind:
Zeilen (E) 819 / (F )819
Kanalbreite 14 / 7
Bandbreite Bild 10 / 5
Bild-Ton-Abstand +/- 11,15 / 5,5
Restseitenbandbreite 2 / 0,75
Bild-Modulation pos. / pos.
Ton-Modulation AM / AM
Farbhilfsträger - / -
Beim Abtippen der Parameter ist mir aufgefallen, daß es sich anscheinend um Schwarz-weiß-Normen handelt. Bei KATHREIN stehen die ja gar nicht mehr drin.
Ich habe auch noch eine Norm 'C' entdeckt, die angeblich in Luxemburg verwendet wird (/wurde), parallel zu L und G. Sie unterscheidet sich von B folgendermaßen:
Bildmodulation pos.
Tonmodulation AM
Also ein bißchen bei E/F/L abgekuckt.
von Sebastian Fritzsche - am 05.05.2005 19:37
Weiß eigentlich jemand, daß auch Japan ein eigenes UKW-Band hat? Es geht, glaube ich von 78-92 MHz. Ich habe das schon seit Jahren vermutet, nachdem ich mal eine japanische Zeitung durchgeblättert hab. Informationen darüber sind komischerweise sehr spärlich. In meinem DDR-Antennenbuch wird das gar nicht erwähnt, obwohl dort z.B. penibel erläutert wird, in welchen Ländern UKW bei 87, 87.5 bzw 88 MHz beginnt, was ich im Ggs. zu 78-92 relativ unerheblich finde. Neulich habe ich in einem Saturn- oder Media-Markt- Prospekt eine Werbung für einen Receiver gesehen, der war auf 82.00 eigestellt. Daraufhin habe ich mal im Internet nachgeforscht, und bin auf Foren von neuseeländischen und australischen Autofahrern gestoßen, die Gebrauchtwagen aus Japan importiert haben und dann Probleme mit den japanischen Radios hatten. Da das in der Gegend ein häufiges Problem zu sein scheint, gibt es dort Frequenzumsetzer zu kaufen, die man davorschaltet und die dann, je nach örtlichen Empfangsgegebenheiten, um 10 oder 12 MHz runtersetzen. Problematisch soll es wohl erst jetzt werden, weil sie in Neuseeland den Frequenzbereich von 104 auf 108 erweitert haben. Ich habe leider die entsprechenden Inetrnetadressen nicht mehr parat.
von Sebastian Fritzsche - am 05.05.2005 19:55
Ich bin mir darüber bewußt, daß auch Farbmuster erzeugt werden können, die nicht zum Bild gehören. Das hatte ich auch schon gehabt. Im speziellen Fall sah es jedoch schon so aus, als ob spezifische Farben auch spezifischen Flächen zugeordnet waren. Inwieweit diese der Realität entsprochen haben, kann ich nicht genau sagen, aber es war auf keinen Fall invertiert. Und wie gesagt verbirgt sich das ganze hinter einem starken Rotschleier, den es runterzuregeln gilt und tritt nur sporadisch auf, sodaß ich es nicht genauer untersuchen konnte.
Mir ist gerade noch ein unglaublicher Trick eingefallen, den ein Freund von mir (leider erst) Anfang der 90er Jahre rausgefunden hat, um bei AFN den Ton zu kriegen:
Wenn man ein eingeschaltetes UKW-Radio (jedenfalls mit einem RK670 von RFT hat es funktioniert) auf den Fernseher stellte (bei laufendem AFN-Betrieb) und am Kanalwähler des Radios die Skala abgesucht hat, dann gab es bei einer bestimmten UKW-Frequenz (auf dem Radio) ein Streifenmuster auf dem Fernsehbild, das dieses stark überlagerte. Gleichzeitig kam der Ton von AFN (und zwar aus dem Fernseher; um so unsauberer das Bild, desto besser der Ton). Mit etwas Fingerspitzengefühl konnte man es so einstellen, das das Muster fast verschwand und der Ton trotzdem noch gut zu hören war.
von Sebastian Fritzsche - am 09.05.2005 23:47
ch erlaube mir mal, Marcin Wilk zu zitieren :
Zum TV:
Norm : PAL (!) + NTSC (offenbar für die Propaganda Richtung Südkorea)
System D & K (wie Osteuropa) + M (wie Südkorea)
Nur 3 Sender sind "offiziell" bekannt:
Mansudae TV
Pyongyang Ch5 350kW(ERP)
Korean Educational & Cultural TV
Pyongyang Ch9 140 kW(ERP)
Kaesung Ch8 30 kW(ERP)
(Aus: http://forum.myphorum.de/read.php?f=8773&i=182764&t=182764)
von Sebastian Fritzsche - am 10.05.2005 15:42
Der französische Soldatensender für Berlin hieß 'tfb-télévision francaise à Berlin'. Der hat aber, glaube ich, nur 1x pro Woche oder so gesendet. Antenne2 / France2 lief sozusagen als Rahmenprogramm, in Secam G wohlgemerkt, nach Abschaltung des DDR-TV in PAL. Bis Mitte / Ende der 80er lief aber stattdessen TV5, das damals ungefähr so spannend war wie die ARD Dritten zu der Zeit. (Wahrscheinlich mußten sie es mit Antenne2 tauschen, weil sonst die Soldaten gemeutert hätten ). Noch früher soll angeblich TF1 gelaufen sein. Ich vermute, das sie es wegen der Privatisierung runtergenommen haben. Ich suche immer noch jemanden, der mir genaueres dazu sagen kann (also seit wann was in welcher Norm gesendet wurde)
.
In Teilen des Westberliner Kabels lief zusätzlich 'LA CINQ'.
Ich habe noch ein Testbild auf Video (so eins, wie es auch bei ARD/ZDF benutzt wurde): 'tfb - La suite de notre programme dans quelques secondes' . Bis jetzt konnte ich es noch nicht digitalisieren.
von Sebastian Fritzsche - am 12.05.2005 04:27
Warum eigentlich nicht ? Wenn sie so fortschrittlich waren, warum sollen sie dann nicht einfach Superchannel ausgestrahlt haben, war doch ein relativ unpolitischer Sender, oder? Ich habe es jedenfalls schon von verschiedenen Seiten gehört, und wenn es in Kabel oder über Sat gewesen wäre, wäre es ja nicht so eine Sensation gewesen (gab es ja sogar in der DDR). Vielleicht kann jemand eine alte Frequenzliste auftreiben. Ich kann leider kein Ungarisch.
Ich habe aber vielleicht eine Bestätigung für ein Gerücht gefunden, das ich schon vor vielen Jahren gehört habe, und zwar unter http://radiopolska.bydnet.pl/wykaz/archtv21.html, und zwar, daß in Krakau/Polen bis 1997 RAI UNO ausgestrahlt wurde. Leider fehlt in der Liste das Anfangsdatum. Soweit ich gehört habe, muß das schon zu Ostzeiten gewesen sein. Immerhin weiß ich jetzt, daß es nicht über Kabel war.
von Sebastian Fritzsche - am 12.05.2005 05:08
Na gut, ich gebe zu, daß die Frage, zumindest in diesem Rahmen, etwas unglücklich formuliert war. Ich bin auch nicht so der absolute Radio-DX-Profi.
Aber zumindest der Umstand, daß ich es jahrelang nur vermutet habe, und viele Veröffentlichungen (d.h., alle, die ich habe), wie das von mir erwähnte Buch, diese Tatsache einfach verschweigen, und ich erst aufgrund meiner eigenen Nachforschungen vor kurzem Gewißheit erlangen konnte (s.o), erweckt bei mir den Eindruck, das einem das mit dem japanischen UKW-Band nicht gerade auf die Nase gebunden wird (oder werden soll? ).
Also mal ganz unter uns: Gibt es vielleicht noch mehr UKW-Bänder auf der Welt oder sonstwo, außer CCIR, OIRT und Japan ???
von Sebastian Fritzsche - am 12.05.2005 05:35
Ich wollte noch sagen, das ich das sehr interessant finde, daß Ihr das tschechische TV mit Ton genutzt habt, und dann auch noch eine richtig tschechische Sendung. Bei Sportübertragungen gäbe es auch noch die Möglichkeit, daß Ihr einfach den Ton der Radioübertragung parallel dazugehört habt.
Ein (ehemaliger) Lehrer von mir war ein Fan von so einer Amerikanischen Trendsportart (ich glaube die, wo sie in gepanzerter Uniform einem eiförmigen Ball nachrennen), die bei uns nur selten übertragen wird bzw. wurde. Der hat das auf AFN TV gekuckt, und weil er den Ton nicht gekriegt hat, hat er die Übertragung im AFN Radio auf MW gehört.
von Sebastian Fritzsche - am 12.05.2005 05:54
Das wirft die Frage auf, seit wann Antenne 2 via Satellit verfügbar war. Seit 1988 war es auf TDF auf 19° West in D2-MAC aufgeschaltet. Stellt sich die Frage, ob es auf Telecom auf 5° West davor schon verfügbar war.
TV5 ist vom Status her ähnlich unserem 3sat - ein Programm, daß von Fernsehveranstaltern verschiedener gleichsprachiger Länder gemeinsam veranstaltet wird. Bei TV5 sind es (glaube ich) Frankreich, Schweiz, Kanada, Belgien und noch irgend eins.
Unmöglich ist es natürlich nicht. Dann stellt sich die Frage, ob das ganze offiziell (mit koordiniertem und in Frequenztabellen erfaßten Senderstandort) oder inoffiziell (also Piratensender) ausgestrahlt wurde. Ich weiß nicht, in wie weit in Ungarn TV- oder Rundfunkpiraterie oder die terrestrische Weiterverbreitung von westlichen Programmen gedulded oder gar gefördert wurde.
von Kay B - am 12.05.2005 06:19
Bevor es ganz in Vergessenheit gerät, möchte ich meine Erfahrungen aus dem Raum Dresden hier mitteilen.
1. Weinböhla 01689 (Hanglage):
ARD: - Kanal 4 (Ochsenkopf) - 2er Gruppe 5 Elemente Vertikal - je ein Vorverstärker in der Dipoldose
Empfang täglich gut bis sehr gut - selten Grieß und Rauschen - ab und zu Störungen durch Überreichweiten (Italien? - ist mir so in Erinnerung - war das möglich?)
ZDF: - Kanal 23 (Hof) - 4er Gruppe in Zeile + Vorverstärker - Probleme durch DDR2 (Kanal 22)
Empfang Wetter abhängig - aber noch durchaus brauchbar - meine Oma liebte die Serie Denver Clan und hat kaum eine Folge verpasst. ;-)
Bayern 3: - Kanal 57 (Hof) - 4er Gruppe + Vorverstärker
Empfang meist gut - am Tag mehr Grieß und Rauschen - Abends sehr gut
UKW: - 1 x 7 Elemente - Bayern 3 - 99,4 / Bayern 1 - 90,7 / Rias 2 Hof - 91,2 (danke hetietz für die Frequenz) / Antenne Bayern - 103,2 / HR3 - 89,5
2. Volkersdorf 01471
ARD: - Kanal 7 (West Berlin) - 2er Gruppe 13 Elemente - je ein Vorverstärker in der Dipoldose
Empfang täglich gut - am Tag etwas verrauscht - Abends, Nachts und am Morgen meist besser.
Ab und zu Störungen durch russischen Militärfunk - Abhilfe brachte der "Russentot" eine Kaffeedose aus Blech mit einer Spirale und einem "Regler?".
ZDF: - Kanal 33 (West Berlin) 2er Gruppe Mehrkanalantennen (K32-39? Blankenburg) - je ein Vorverstärker in der Dipoldose
Empfang Ton perfekt - Bild sehr schlecht, oft Bild vom tschechischen Fernsehsender welcher von Usti extrem stark auf dem gleichen Kanal sendete.
SFB3/N3: - Kanal 39 (West Berlin) - gleiche Antenne wie ZDF
Empfang täglich Abends, Nachts und am Morgen gut, teils sehr gut - am Tag öfter heftig verrauscht mit viel Grieß.
UKW: - 1 x 5 Elemente nach West Berlin - alle West Berliner UKW Sender in guter Qualität. - 1 x 5 Elemente nach Hessen - HR3 - 89,5 (Hoher Meißner) gut bis sehr gut - manchmal Bayern 3 - 96,3 (Kreuzberg?)
3. Moritzburg 01468 (am Schloßparkplatz - extrem schlechte Lage)
ARD: - Kanal 7 (West Berlin) 6er Gruppe je 13 Elemente mit je einem Vorverstärker in der Dipoldose. Jede Antenne wurde einzeln ausgemessen und entsprechend positioniert.
Empfang täglich mäßig bis gut manchmal auch sehr gut.
Die Tagesschau 20:00 Uhr konnte man jeden Tag ansehen. An dieser Anlage hingen 7 Haushalte.
ZDF und 3.Programme waren nicht zu empfangen.
UKW: 2er Gruppe je 7 Elemente nach West Berlin - alle West Berliner UKW Sender in guter Qualität.
von Staxe - am 25.10.2011 16:26
Meine Erfahrung zum Westfernsehn im Dresdner Raum sehen eher mau aus,bis ca 1987,als wir unsere Selbstbausatschüssel aufgebaut haben :D
Von meinem Vater weis ich daß er auf unserem Haus eine größere Ochsenkopfantenne montiert hatte,damals war einige Tage im Jahr der Empfang der ARD möglich,leider war das Ergebniss net wirklich befriedigend und nach einem Sturm der die Antenne vom Dach fegte wurde sie auch nicht wieder aufgebaut.
Anders sah es weiter oben im Dorf aus,da gelang der Ochsenkopfempfang recht problemlos,so daß er sich da die Mondlandung mit einem alten Schulfreund in guter Qualität ansehn konnte.
ZDF und Co konnte man auch vergessen.
Berlin lag zu abgeschattet,dfür hätte man einige km nördlicher sein müssen.
Dafür war der Empfang aus der CSSR problemlos möglich,das war wiederum interessant um die Motorradrennen und andere Rennsportübertragungen aus Brünn zu sehen :)
von Robert S. - am 27.10.2011 11:14
Ich bin so derart begeistert von dieser Sache, dass ich mir gestern bei Conrad Electronic einen kleinen 22" DVB-T TV, eine UHF-Yagi Antenne, eine 5 Elemente UKW-Antenne und einen DVB-T + UKW Verstärker gekauft habe.
Ich habe die Antennen in Weinböhla an der gleichen Stelle im Garten aufgestellt wo zur DDR Zeit unser UHF-Mast (Ochsenkopf K23 + K57) stand.
UKW Ochsenkopf (Bayern 1 - 90,7 / Bayern 2 - 96,00 / Bayern 3 - 99,4 / Antenne Bayern 103,2 kommen seit gestern bis jetzt nahezu perfekt - ab und zu mit leicht angerauschtem Stereo.
Die Antenne weiter westlich gedreht, hatte ich gestern auch Bayern 3 - 96,3 vom Kreuzberg und HR 3 - 89,5 vom Hohen Meißner.
Als ich dann die UHF Antenne (43 Elemente) montiert habe war ich etwas enttäuscht.
Am Nachmittag hatte ich nur Dresden, Chemnitz Geyer (K22, K25, K32) und viele tschechische Sender - vom Ochsenkopf kein Signal K23 - 0 %, K29 - nicht möglich da Dresden auf diesem Kanal sendet, K40 schwankte von 0 - 5 % ließ sich aber nicht empfangen.
Gegen 20 Uhr ich es dann noch mal probiert - was für eine Freude - fast voller Empfang (50-90 %) auf Kanal 40 (BR, BR alpha, MDR und HR) und auch Kanal 23 (ZDF, 3sat, KIKA) konnte ich mit 20-50 % empfangen. Bis in die Nacht blieb der Empfang konstant.
Heute früh wieder die Enttäuschung - Kanal 23 kein Signal und Kanal 40 nur noch stark gestört.
Gegen 10 Uhr war auch Kanal 40 nicht mehr zu empfangen.
Was mache ich falsch? Antenne zu klein - Verstärker schlecht?
UKW vom Ochsenkopf ist nach wie vor konstant zu empfangen.
Viele liebe Grüße und einen schönen Sonntag.
von Staxe - am 30.10.2011 15:05
Ja Lord Knud, der war immer lustig mit seinen Witzen. Sender Hof (Waldstein) ging bei mir (in Halle) auch am Besten. Ich kann mich noch an das das Jahr 1983 erinnern, es war ein herrlich langer Sommer und gingen in einer alten Kohlegrube baden, diese liegt in einer tiefen Senke und selbst dort hatte ich sehr guten Empfang mit meinen Babett-radio. Aber selbst 94,3 das Original aus Berlin ging hier mit den Recorder gut. Mitte der achtziger kam dann noch Radio 100 dazu. Meine absoluten Lieblingssendungen waren Studio89 und Partymusic auf SFB 2 (92,4 ) mit Jürgen Jürgens. Mensch waren das coole Zeiten.... AFN hatte ich auch öfters aus Berlin in Halle gehört. Ich hatte zwei Antennenanlagen die teilweise innerhalb drehbar waren mit einer 16 Element UKW Antenne für den SFB aus Berlin und noch ein paar kleinere für HR3 (Hitparade mit Werner Reincke).
Damit hatte ich drei Himmelrichtungen abzudecken. Süden: Bayern, Rias (Waldstein), Westen: HR3 (HM), NDR2 (Torfhaus), BFBS und aus Berlin kamen alle anderen Sender: SFB, Rias, AFN, Radio100. Das Gleiche hatte ich auch für das "Westfernsehen":D
Nachtrag: Nach Süd-Osten ging auch ne kleinere Antenne für das CSSR Fernsehen. In Halle gab es auch noch eine UDSSR-Kaserne. Die hatte einen kleinen Sender hier und da gab es öfters Hase und Igel im Original Russich :D
von Barry_Graves - am 30.10.2011 19:40
Es trifft auch zu, dass die Post sich bei ARD Sendern eingemietet hatte, um z.B. Private Programme von einem zugewiesenen Standort auszustrahlen. Es gab und gibt wohl noch recht interessante Konstellationen, beispielsweise wo die Post einen Platz in einem ARD Sender für ein Privatprogramm anmietete, die Frequenz später jedoch auf einen ARD Sender überging. Nun mietete die ARD Rundfunkanstalt den bei sich im Turm eingemieteten Sender wieder für die Programmabstrahlung zurück. Bei einem Fehler am Sender durfte ein anwesender ARD Techniker auch nicht auf einen Knopfan dem Postsender drücken, selbst wenn es nur der Reset- oder Neustartknopf war. Es musste offiziell ein Posttechniker machen, der auch erst anfahren musste. Ab und zu durfte jedoch der kleine Dienstweg beschritten werden.
Sorry, das war etwas OT. Bestätigt aber die Waldstein/Ochsenkopf-Beziehung. Abgesehen von den unterschiedlichen Standorten war natürlich die Frequenz ausschlaggebend für die jeweilige Reichweite. Nicht ohne Hintergedanken waren starke VHF Sender entlang der Zonengrenze aufgebaut worden.
von CBS - am 16.11.2011 20:56
Um das Problem zu verstehen, muss man folgendes wissen:
Vor dem Krieg wurden alle Senderanlagen von der Reichspost betrieben. Während der alliierten Besetzung (1945-49) gingen dann in den 3 Westzonen die Sendeanlagen in den Besitz der neu gegründeten Landesrundfunkanstalten über. Und auch nur diese durften (abgesehen von den Sendern der Allierten) in ihren jeweiligen Sendegebieten Senderanlagen betreiben und Radio- und TV-Programme verbreiten. In der Ostzone blieben die Senderanlagen im Besitz der Deutschen Post.
1950 schlossen sich die Landesrundfunkanstalten zur ARD zusammen und begannen mit dem Aufbau eines gemeinsamen Fernsehprogramms.
Als dann der Bund mit Hilfe der Bundespost versuchte ein zweites TV-Programm ("Adenauer-Fernsehen") aufzubauen, klagten einige Bundesländer beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, weil sie ihr Monopol als alleiniger Programmveranstalter und Senderbetreiber verletzt sahen. Das BVerfG entschied dann am 28.02.61 im berühmten "1. Rundfunkurteil" u.a. folgendes:
- Rundfunk ist Ländersache. Der Bund darf keine Radio- und TV-Programme veranstalten.
- Programmverbreitung (Senderanlagen) ist Sache der Bundespost; nicht der ARD-Anstalten.
Folglich durften nach diesem Urteil neue Programmveranstalter (ZDF, DLF, III. TV-Programme der ARD) nur noch von der Bundespost verbreitet werden. Die bereits existierenden Strukturen (ARD-Hörfunk, 1. ARD-Fernsehprogramm, Alliierte einschl. RIAS, Europe 1 im Saarland) erhielten aber Bestandsschutz; durften also weiterhin ihre Senderanlagen selbst betreiben.
von Manager. - am 17.11.2011 08:45
Interessant dennoch, daß man sich für die Einstrahlung in die DDR aus dem Raum Hof mit einem eher wenig exponierten Standort wie Gr. Waldstein zufrieden gab. Idealerweise hätte man dafür den GFK-Zylinder auf dem Radom des Schneebergs gestellt, wenn es schon ein alternativer Standort sein sollte ;-) . Sicherlich hätte es dann allerdings im Frankenwald weiterer Füllsender bedurft, aber wenn man die DDR doch versorgen will...
In diesem Zusammenhang fällt mir auch E37 vom Heidelstein ein. Warum wurde dort so spät (1980) erst das "hessische Fernsehprogramm" abgestrahlt, also zu einem Zeitpunkt, zu dem schon viele Fernsehumsetzer gebaut waren? War da vielleicht auch ausschlaggebend, daß man im Band IV sendete und damit von allen Ost-Fernsehern empfangen werden konnte?
von Thomas (Metal) - am 17.11.2011 09:12
Das ist interessant und dafür herzlichen Dank.
Ilsenburg ist nicht weit entfernt von Wernigerode und von dort stammte mein Vater. Anlässlich eines DDR-Besuches in den 60er-Jahren hatte ihm ein dort noch ansässiger ehemaliger Schulkamerad von seinen Problemen berichtet: Er war in leitender Stellung in einem VEB ( Volkseigenen Betrieb ) und hatte dort einen cleveren Mitarbeiter, der ( nach Zulieferung der benötigten Transistoren ) in kleinen Stückzahlen die zum Empfang des ZDF-Programmes geeigneten UHF-Tuner bastelte. Gern hätte nun der Schulfreund meines Vaters auch einen solchen UHF-Tuner bekommen und der Erbauer hatte es ihm wohl sogar angeboten, aber damit hätte er sich erpressbar gemacht, was bei Bekanntwerden im schlimmsten Fall sogar den Verlust seiner Stellung hätte bedeuten können. Na ja, diese Zeiten sind glücklicherweise inzwischen lange vorbei.
von klausklaus - am 17.11.2011 13:35
Das ist richtig. 3 Wochen nachdem die DDR durch den Mauerbau ihre Bürger in's eigene Land einsperrt hatte, begann das Vormittagsprogramm (10 bis 13 Uhr) der ARD für die Zuschauer in der DDR über alle Sender des NDR, des SFB und von RB sowie über die hr-Sender Hoher Meißner und Rimberg und über die BR-Sender Kreuzberg und Ochsenkopf.
Ähnliche Wiederholungen für Schichtarbeiter in der DDR gab es bis in die 80er-Jahre auch bei RIAS 2.
Ja, das war in späteren Jahren (1961 gab es ja noch kein ZDF) ein weiteres Motiv für diese Sendestrecke. Montags wurden deshalb manchmals die Samstagsabend-Unterhaltungsshows des ZDF gezeigt. Aber auch die politischen Magazine wie "Kennzeichen D" und "ZDF-Magazin" wurden tags darauf wiederholt. Genauso gab es Fußball-Länderspiele vom Vorabend zu sehen. In diesem Falle aber unabhängig davon, ob diese bei ARD oder ZDF zu sehen waren.
von Manager. - am 17.11.2011 13:57
Und welche Sender waren das? Es würde mich generell mal interessieren, wann denn welche ZDF-Grundnetzsender auf Sendung gingen. Oder waren die alle schon am 01.04.1963 auf Sendung?
Und gerade der zweite Beschluß, der der damaligen Bundespost ihre Monopolstellung gegenüber neuen Radio- und Fernsehprogrammen gab, ist für einen Staat mit einer Marktwirtschaft nicht nachvollziehbar.
@ Thomas (Metal)
Das kann ich auch nicht verstehen. Die hessische Rhön hatte man aber irgendwie schon immer vernachlässigt. Die ARD holte man sich dort meist vom Kreuzberg und damit die falsche Regionalversion.
@ klausklaus
Es gibt eine Dokumentation namens "Westfernsehen Marke Eigenbau". Das ist zwar eine Dokumentation, aber deine Beschreibung würde dazu passen.
@ Robert S.
Meine Fresse, das ist schon wieder dreieinhalb Jahre her, als ich das Photo geknipst hatte.
von Kay B - am 17.11.2011 21:49
[OT] Nein, ganz so war es nicht. Es wurden einige Umsetzer aufgebaut, Kreuzberg E3 wurde i. d. R. noch zusätzlich herangeholt, war aber selten der alleinige DasErste-Versorger. Aus hessischer Sicht ist da nicht viel zu versorgen. Es gibt nur das Ulstertal und Gersfeld wo wirklich Probleme auftreten können. Dann gibt es noch die Gemeinde Kalbach im Westen der Rhön, die aber noch von Norden her versorgt werden kann. Südlich davon beginnt eigentlich schon der Spessart (Kinzig-Sinn-Main) ;-) , vom Naturpark her sowieso (gesamter Teil des MKK = Naturpark Spessart vs FD = hessische Rhön).
von Thomas (Metal) - am 17.11.2011 22:45
Damals (etwa 1984) hatte ich damit immer Kanal 23 aus Hof (Waldstein) in den Kanal 4 umgesetzt, da DDR 2 auf Kanal 22 aus Leipzig so stark war, hatte auch super geklappt. Das Ergebnis war, dass der Kanal 23 sich wie auf Langwelle verhielt und es sich das Signal super Justieren lies. Das Signal hatte ich dann im ganzen Einfamilienhaus verteilt und alle waren Happy!
von Barry_Graves - am 24.11.2011 10:05
Band1 hat große Vorteile wegen der hohen Beugung im Gebirge die Täler zu erreichen, daher hat man wohl Ochsenkopf und Kreuzberg so gewählt. Für Empfang vielleicht noch mit Zimmerantenne im Nahbereich eignet sich Band3 und UHF natürlich besser. Deshalb wird das in Berlin so koordiniert worden sein, auch weil man für Band1 mit den nur 3 Kanälen einfach nicht genung Sender aufbauen konnte, da enorme Schutzabstände erforderlich sind. Berlin hätte so sehr weit nach Polen auch reingestrahlt.
Das war sicher auch der Grund, weshalb man nicht auf dem Bungsberg mehr im VHF senden konnte, das hätte zumindest im westlichen Teil von Rügen noch schwachen Westempfang ermöglicht. Es war sicher kein Kanal frei, mit dem man mit 100kW von dort hätte senden können. Man musste über die Ostsee ja mindestns mit 4-5 Staaten koordinieren, BRD, DDR, Dänemark, Schweden, Polen. Da ging sicher nichts mehr, daher leider nur noch UHF über die Ostsee möglich gewesen.
Vielleicht war das auch der Grund weshalb sogar Marlow den UHF- Grundnetz-Sender schon vertikal senden musste. In der ganzen DDR gabs sonst keinen vertikalen UHF-Grundnetztsender, ich weiß noch nicht mal einen im Westen. Bei Füllsendern und Sendern mit relativ geringer Leistung was vertikal auch auf UHF üblich, das weiß ich, aber bei Grundnetzsendern mit hoher Leistung?
von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 03.05.2012 06:03
VHF Kanal 6 DDR1( später ARD mit MDR regional)
Kanal10 ARD
UHF Kanal 23 ZDF
ab zirka 1988 Kanal 25 SAT.1 via Berlin in unsere Gemeinschaftsantennenanlage eingespeist
Kanal 34 DDR 2 (später MDR )
Kanal 53 NDR
wir hatten damals eigentlich nur Ostfernsehen an, wenn, ich glaube Mittwochs Wunschfilm auf DDR 2 lief,
wir hatten als Fernseher ( damals im Kinderzimmer) immer irgendwelche alten geräte die dann von meinen Opa repariert wurden oder aus zwei ein Heiler Fernseher zusammengebaut wurden.
Als Story, hatten wir damals einen Fernseher, den musste man einschalten, danach kam nach gefühlten 5 Minuten endlich das Bild, dann hatten wir einen Konverter ( wie heute einen Satrecciever) daneben zu stehen, diesen dann einschalten. Dieser hatte 4 Ebenen
1: VHF 2-4 dam kam nichts
2. VHF 5- 12 ( Auf diesen Kanälen war dann DDR 1 und ARD per kurbeln einzustellen
3 UHF 21- (glaube 42) Da war dann das ZDF und DDR 2 zu haben
wir wollten damals abends einen Film von DDR 2 gucken und musste damals von ZDF hochkurbeln und plötzlich lief da Abends noch Werbung, dann kammen die Bälle von oben( Werbeende nach nur zwei Spots) und es lief ein Film, darauf hin den Film zu ende geguckt um dann rauszufinden das dieser Sender SAT.1 war- kannten wir davor nicht
4. UHF 43- 69 da kam auf kanal 53 N3
Auchso, bei meiner Oma hatte damals die Nachbarin glaube Sonnabend morgen immer die Programmvorschau angeschaut und mitgeschrieben. Danach hatte Sie denn mittels Blaupapier und Ihrer Schreibmaschine eine Programmzeitung erstellt.
So hatten wir unsere Programmzeitung der " Westprogramme ARD, ZDF und vom 3. ( NDR )
von zausel001 - am 03.05.2012 07:01
<a href="http://www.mysnip.de/forum-archiv/thema/8773/35157/Westfernsehen+in+der+DDR.html">Westfernsehen in der DDR</a>