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vor 14 Jahren, 5 Monaten
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Lichtaloh

Der Junge mit den blauen Augen am Ende des Korridors I

Startbeitrag von Lichtaloh am 27.02.2004 14:49

Was für ein großes Haus, so dachte ich damals, als ich durch tausende Gänge ging. Es war kein Schloß, nein, eher so etwas, wie eine unendliche Kette von Räumen, die in einer U-Form von einem Ausgang auseinander gingen. Irgendwo war auch mein Zimmer, dass mir altvertraut war, aber zu weit, um dort jetzt zurückzugehen. Ich habe damals irgendwann aufgehört nach etwas in den Räumen zu suchen, denn ihr Ende schien mir ungewiss. Doch heute..
Meine Füße gingen wie von selbst den Linken Raumkorridor entlang, während das Licht sanft hineinfiel. Es war nicht beängstigend, es war nur alles sehr neu. Es wirkte auch nicht unbewohnt, sondern einfach nur ruhig. Und dann, als ich am Ende des Korridors ankam, war ein Raum, indem direkt vor mir ein Kanape war.
Darauf lag er...


Ein junger Mann, etwa meines Alters. Sein blondes Haar war etwas länger und reichte über die Ohren, leicht wellig in schlimmernden Weizenfarben. Seine Haut wirkte wie aus Porzellan und seine Augen richteten sich in ihrem strahlenden Blau direkt auf mich. Er trug ein weißes Hemd, das seine Blässe zu unterstreichen schien.
Und an seinem Hals zog sich eine lange, rote Narbe entlang...


Ich sank hernieder auf einen Stuhl, der dicht neben seinem Liegeplatz war, wo er halbaufgerichtet mich betrachtete mit einem wunderschönen, sanften Lächeln. Was für milchige Augen, dachte ich, denn sein Blick war wie etwas Wässriges, Veschmolzenes. Wunderschön...


Ich weiß nicht, wie lange wir so dasaßen, aber ich betrachtete ihn wirklich eine verdammt lange Zeit, so als wäre ein Ölgemälde. Sein Blick wandelte sich nicht, war immer noch ein sandtes Lächeln darin verborgen. Nur der Ausdurck wurde anders. Es kam mir vor, als würde ich ihn ewig kennen, und jede Sekunde länger spürte ich Vertrautheit, spürte ich Nähe..spürte ich Gefühle...

"Schön, dass du hier bist..." sagte er leise und seine Stimme war wie das Rauschen eines Windes, das mich sanft einhüllte. Mir wurde warm..
Irgendwann spürte ich eine Hand, die die meine berührte und ich hielt sie fest, leicht wie eine Feder auf meiner ruhend..
Die Zeit verging...


Die Stille war einfach wunderschön. Sie tat mir nicht weh, sie tat ihm nicht weh. Sie war einfach zwischen uns, wie etwas, was verbindet, jedoch nicht trennt. Wir atmeten leise in die Stille hinein, atmeten die gleiche Luft..

"Schön", flüsterte ich irgendwann geniert, obwohl doch nichts passiert war, außer das einfach die existenz weiter ihren lauf nahm...

Meine Augen hingen manchmal an dieser Narbe, die aussah, als wäre sie nicht wirklich eine. Sie war nicht genäht und sah so lebendig aus, wie die Augen von ihm. Sie atmete auch.


Sein Gesicht näherte sich dem meinen, als er sich leicht nach vorne beugte. Und immer noch sah ich seinen Himmel in den Augen.. Ich hielt immer noch seine Hand, als er leicht die Lippen auf die meinen drückte. Ganz vorsichtig, so, als wären wir beide aus Glas. Ich spürte seine trockenen Lippen, die nach Wärme rochen. Und ich spürte den Wunsch zu weinen, als ich seine Liebe in Empfang nahm...

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