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Dieter's Forum für Tabletopler
Beiträge im Thema:
6
Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 8 Monaten
Beteiligte Autoren:
Michi, Doc, Walter

Chicago, Illinois

Startbeitrag von Michi am 06.02.2006 12:05

Es sollten nur noch wenige Tage dauern.
Francesco Racletti wand sich auf seiner Pritsche.
Der Mond schien fahl durch die dünnen Wolken.
Rechts nebenan wälzte sich Michele Siciliano ebenso unruhig auf der dünnen Matratze. In der linken Nachbarzelle raschelte Waldriano Spumante nervös mit den Resten seiner letzten Zigarettenschachtel. Nur gegenüber schnarchte Don Bernardo.
Ihn brachte nichts aus der Ruhe.
Stille herrschte im Cook County Jail.
"He, Michele!" zischelte Waldriano plötzlich durch die Gitterstäbe, "Stimmt es eigentlich, dass der Don keine Angst vor dem hat, was MacMurdock aussagen kann?"
Der Sizilianer atmete tief ein und spuckte weit in den Gang hinaus. Dann Flüsterte er zurück: "Der verdammte Bastard wird unseren Don garantiert versuchen in die Pfanne zu hauen! So wie es aussieht, hat er sämtliche Anwälte, die in Frage kommen, geschmiert..."
"Cretino, Bastardo! Der elende Schuft wird uns alle an den Galgen bringen, wenn er singt!"
"Haltet die Klappe, bevor noch ein Wärter auftaucht!" murmelte Francesco Racletti, "Wir werden es noch früh genug mitkriegen. Bis Donnerstag sind es nur noch drei Tage."
Stille.

"Ich sitze hier doch nicht rum und warte, dass der Kartoffelfresser uns ans Messer liefert!"
"Waldriano, Du sollst still sein!"
Schweigen.

"Ich hau ab. Ich sitz´doch hier nicht rum..."
"Schnauze! Willst Du dass wir alle kein Frühstück kriegen?"
Racletti war jetzt außer sich und stand an seiner Gittertür.
"Ich polier´ Dir morgen im Hof die Fresse, wenn ich nichts zu beißen kriege! Ohne Frühstück bin ich unausstehlich..."
Ruhe.

In Waldriano reifte ein Plan heran.
Grinsend stand er von seiner Pritsche auf und ging ebenfalls zu seiner Zellentür.
Dann fing er an wie wild am Gitter zu rütteln und laut zu schreien:
"Du mieser Verräter, Racletti! Ich hätte es wissen müssen! Du liegst einfach hier und spielst den Eisberg. Und in Wahrheit machst Du Dir in die Hosen!
Der Don ist Dir scheißegal! Du willst uns alle hängen sehen!"

"Ruhe!" kam es aus fast allen Zellen.
Das Schnarchen aus Don Bernardos Zelle hatte aufgehört.
Das Licht ging an.

"Was ist hier los?" donnerten die herbeieilenden Wärter.

"Na warte, Spumante," dachte sich Francesco Racletti, " morgen hau´ ich Dir so richtig die Fresse voll..."

Waldriano Spumante zog sich immer noch grinsend auf sein Lager zurück und dachte zufrieden:
"Ja. Das könnte funktionieren..."

Antworten:

Konnte gestern abend noch recht viel schaffen. Bin daher am Do. dabei.
ETA 20.00 Uhr

von Walter - am 07.02.2006 07:18
@Don Waltoso
Sehr schön!

Das motiviert mich doch gleich noch einen Chinesen anzupinseln. Gestern wurde übrigens Nummero drei fertiggestellt (der einzige mit Thompson!).

Gruss,

Hong Doc Pfui

von Doc - am 07.02.2006 07:49
Prima, Walter! Ich freu mich auch schon... :)

von Michi - am 07.02.2006 10:02
Am nächsten Morgen beim Hofgang hielt sich Waldriano Spumante etwas abseits von seinen Mithäftlingen, als ihm plötzlich jemand von hinten auf die Schulter tippte. Er wand den Kopf herum und blickte in Francesco Raclettis grimmige Visage. „Mieses Stück Scheiße!“ giftete der und versenkte ohne Umschweife einen linken Aufwärtshaken in Spumantes Magengrube, der ihn wie ein Taschenmesser zusammenklappen ließ. Ungefähr bis auf Raclettis Hüfthöhe, denn dort traf ihn dessen Knie unter dem Kinn. Ein finaler Schlag von oben ins Genick beförderte ihn bewusstlos noch eine Etage tiefer, so dass er am Boden die Tritte seines Kumpels gar nicht mehr spürte.

Das Ganze hatte nur den Bruchteil einer Sekunde gedauert.
Als man Waldriano Spumante in einer Hofecke liegend bemerkte, war Francesco Racletti schon längst unbemerkt zwischen seinen Mithäftlingen untergetaucht.
Spumante wachte eine Stunde später in einem weißen Gitterbett wieder auf.
Drei Zähne fehlten und alles tat ihm weh, aber er hatte sein Ziel erreicht: Die Krankenstation!
Irgendwo hörte er den Pfleger hantieren. Zu sehen war niemand.
Er unterdrückte ein Stöhnen und richtete sich auf, um seine Umgebung in Augenschein zu nehmen.
Ohne sein Bett verlassen zu müssen, sah er sofort alles, was er benötigte.

Eine weitere halbe Stunde später hatte er im Nebenzimmer eine Reißleine am Auslöser des Feuerlöschers befestigt und diesen im Arzneischrank platziert, zwei Decken unter der Matratze eines zweiten anwesenden Bettes verstaut und es geschafft einen stinkenden Haufen im Bett abzudrücken und darin liegen zu bleiben und sich weiterhin bewusstlos zu stellen.

Vom penetranten Gestank herbeigelockt erschien der schimpfende Krankenpfleger im Zimmer und zog Waldrianos Decke weg. „Du dummes Schwein!“ fluchte er, „Jetzt muss ich den Dreck wegmachen.“ Er holte eine Schüssel mit warmem Wasser und wusch den versauten Mafioso. Dann trug er ihn in das andere Bett und machte sich daran das stinkende Laken abzuziehen.
Inzwischen hatte Spumante die zwei Decken unter der Matratze herausgezogen, zusammengerollt und an seiner Stelle unter der Bettdecke untergebracht. Auf den ersten Blick sah es so aus, als schliefe er dort. Dann schlich er hinter dem immer noch nörgelnden Pfleger vorbei ins Nebenzimmer mit dem Arzneischrank und nahm die Reißleine des Feuerlöschers auf. Er glitt zurück ins Krankenzimmer und verbarg sich hinter der Tür zum Nebenraum.
Dann zog er an der Leine.
Im Arzneischrank brach die Hölle los.
Überall flogen Fläschchen und Ampullen herum, die Glasscheiben des Schrankes barsten, der Feuerlöscher fiel mit einem dumpfen Schlag heraus und rollte noch immer wild um sich spritzend über den Boden.
Mit hochrotem Kopf schoss der Pfleger in den Nebenraum und brüllte wie am Spieß.
Waldriano schlüpfte hinter der Tür hervor und vergrub sich im einzigen Wäschebehälter auf Rädern unter der Schmutzwäsche.

Nachdem der gestresste Krankenpfleger das Chaos einigermaßen in den Griff und den Feuerlöscher zum Schweigen gebracht hatte, griff er triefend nass zum Telefon und rief in der Wäscherei an: „Schickt mir sofort einen her, der die Wäsche abholt! Ich habe hier eine beschissene Sauerei, die unbedingt weg muss!“
Dann warf er Spumantes dreckiges Laken und seine eigenen nassen Kleider in den Wäschebehälter und ging sich umziehen.
Zehn Minuten später rollte Waldriano Spumante unter seinen eigenen Exkrementen der Freiheit entgegen...

von Michi - am 07.02.2006 11:46

Waldriano Spumante war auf dem Weg zur Wäscherei in die nassen Klamotten des Pflegers geschlüpft und unbemerkt entkommen. Den Knast hatte er als Pfleger verkleidet ungehindert verlassen können.
Er hatte sich in einem Stundenhotel in der Nähe von SEARS ein Zimmer genommen und seinen Paten angerufen. Schließlich hatten dessen Leute ihn abgeholt und in einer billigen Absteige untergebracht, die sie zu ihrem Hauptquartier für die kommende Aktion gemacht hatten. Ein verwanztes Dreckloch war es zwar schon, aber Don Ricardo, der Neffe von Don Bernardo, war sich sicher, dass kein verdammter Schnüffler seine Nase hereinstrecken würde.

Gemeinsam planten sie die Ermordung von Michael MacMurdock, dem irischen Gangsterboss, der ihren Boss, Don Bernardo, anschwärzen wollte. Die Bullen würden den Iren auf dem Weg zur Vernehmung gewiss schützen. Das machte die Sache schwierig.
Einen Bullen umzulegen, hätte einen Krieg mit der Polizei heraufbeschwören können. Da wäre dann auch nichts mehr mit Bestechung zu machen gewesen.
Nicht mal die Chinesen hätten das riskiert, und die waren ziemlich rücksichtslos auf ihrem Weg in die Oberliga des Verbrechens in Chicago. Don Ricardo war sich sicher, dass die Schlitzaugen ebenfalls einen Killer auf MacMurdock angesetzt hatten.


In Chinatown versammelte der goldene Drache Doc Fu Man Shu im Hinterzimmer einer schäbigen Wäscherei seine Lakaien um sich:
“Hölt zu, Männel: Del kollupte ilische Bastald will molgen gegen uns aussagen. Nicht nul gegen uns, sondeln auch gegen alle andelen Bosse. Es ist eine Flage del Ehle, dass wil es sein welden, die das velhindeln!“
Die Unterdrachen standen gebeugt um ihren Chef herum und nickten zustimmend ohne ihn anzuschauen.
„Und dass Ihl mil ja keine Polizisten abknallt! Das könnte sonst mehl Älgel geben, als wil velklaften können. Und achtet auch dalauf, dass keine Unschuldigen zu Schaden kommen: Das sind alles mögliche Kunden von molgen!...Es gibt noch so viele Westen leinzuwaschen...“
Doc Fu Man Shu hörte sich einfach gerne reden, „Nicht das wil negative Schlagzeilen in del Plesse kliegen! Wil liegen beleits schon ziemlich weit voln im Lennen, abel wenn wil an die Spitze wollen, dülfen wil uns nicht in del Öffentlichkeit unbeliebt machen!“
Dann entließ er seine Unterdrachen und ließ sich von einer Rikscha am Hintereingang abholen, um durch enge verwinkelte Gassen, in denen sich der Unrat stapelte, Kinder spielten, Wäsche auf den Leinen hing und Hausfrauen mit Tongeschirr kochten zu seinem Lieblingsrestaurant zu fahren.


Gleichzeitig fand im Keller des Polizeihauptquartiers die Einsatzbesprechung des Federal Bureau of Investigation statt. Anwesend waren die Detectives Morgan, White und Miller, sowie ihr Boss, Captain Jordan. Er wandte das Wort an seine stahlharten Jungs:
„Hört zu, Männer: Der korrupte irische Bastard will morgen gegen die anderen Bosse aussagen. Eure Aufgabe ist es dafür zu sorgen, das MacMurdock seine Aussage morgen vor dem Richter zu Protokoll geben kann.“
Walt Jordan räusperte sich, “Well, machen wir uns nichts vor, Männer: Die Dons werden nicht dulden wollen, dass sie einer verpfeift. MacMurdock ist ein toter Mann. Keiner verlangt von Euch, dass er da unversehrt erscheint, aber seht zu, dass er´s zumindest bis in den Gerichtssaal überlebt. Wir wollen kein Aufsehen, deshalb werdet Ihr allein sein. Ihr bringt ihn rein, lasst ihn aussagen und unterschreiben und Euer Job ist erledigt. Ich empfehle Euch danach die Hintertür zu nehmen. Was die anderen Gangs hinterher mit ihm anstellen, soll nicht mehr Euer Bier sein...“
Er wandte sich zum Gehen, „Und Männer..., wenn Ihr tatsächlich angegriffen werdet, macht kurzen Prozess! Aber keine Unschuldigen abknallen, verstanden? Das Letzte was wir brauchen können ist negative Publicity! Nicht dass irgend ein Schmierfink von der Presse noch in den Straßen Sympathien für die Syndikate weckt...“

von Michi - am 08.02.2006 11:59
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