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Dieter's Forum für Tabletopler
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8
Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 8 Monaten
Beteiligte Autoren:
Michi, Doc, Walter

The good, the bad, the innocent & the drunken

Startbeitrag von Michi am 10.02.2006 12:24



Es sollten nur noch wenige Tage dauern.
Francesco Racletti wand sich auf seiner Pritsche.
Der Mond schien fahl durch die dünnen Wolken.
Rechts nebenan wälzte sich Michele Siciliano ebenso unruhig auf der dünnen Matratze. In der linken Nachbarzelle raschelte Waldriano Spumante nervös mit den Resten seiner letzten Zigarettenschachtel. Nur gegenüber schnarchte Don Bernardo.
Ihn brachte nichts aus der Ruhe.
Stille herrschte im Cook County Jail.
“He, Michele!“ zischelte Waldriano plötzlich durch die Gitterstäbe, „Stimmt es eigentlich, dass der Don keine Angst vor dem hat, was Don Di Mascarpone aussagen kann?“
Der Sizilianer atmete tief ein und spuckte weit in den Gang hinaus. Dann Flüsterte er zurück: „Der verdammte Bastard wird unseren Don garantiert versuchen in die Pfanne zu hauen! So wie es aussieht, hat er sämtliche Anwälte, die in Frage kommen, geschmiert...“
“Cretino, Bastardo! Der elende Schuft wird uns alle an den Galgen bringen, wenn er singt!“
“Haltet die Klappe, bevor noch ein Wärter auftaucht!“ murmelte Francesco Racletti, „Wir werden es noch früh genug mitkriegen. Bis Donnerstag sind es nur noch drei Tage.“
Stille.

“Ich sitze hier doch nicht rum und warte, dass der neapolitanische Spaghettifresser uns ans Messer liefert!“
“Waldriano, Du sollst still sein!“
Schweigen.

“Ich hau ab. Ich sitz´doch hier nicht rum...“
“Schnauze! Willst Du dass wir alle kein Frühstück kriegen?“
Racletti war jetzt außer sich und stand an seiner Gittertür.
“Ich polier´ Dir morgen im Hof die Fresse, wenn ich nichts zu beißen kriege! Ohne Frühstück bin ich unausstehlich...“
Ruhe.

In Waldriano reifte ein Plan heran.
Grinsend stand er von seiner Pritsche auf und ging ebenfalls zu seiner Zellentür.
Dann fing er an wie wild am Gitter zu rütteln und laut zu schreien:
“Du mieser Verräter, Racletti! Ich hätte es wissen müssen! Du liegst einfach hier und spielst den Eisberg. Und in Wahrheit machst Du Dir in die Hosen!
Der Don ist Dir scheißegal! Du willst uns alle hängen sehen!“

“Ruhe!“ kam es aus fast allen Zellen.
Das Schnarchen aus Don Bernardos Zelle hatte aufgehört.
Das Licht ging an.

“Was ist hier los?“ donnerten die herbeieilenden Wärter.

“Na warte, Spumante,“ dachte sich Francesco Racletti, „ morgen hau´ ich Dir so richtig die Fresse voll...“

Waldriano Spumante zog sich immer noch grinsend auf sein Lager zurück und dachte zufrieden:
“Ja. Das könnte funktionieren.“


Am nächsten Morgen beim Hofgang hielt sich Waldriano Spumante etwas abseits von seinen Mithäftlingen, als ihm plötzlich jemand von hinten auf die Schulter tippte. Er wand den Kopf herum und blickte in Francesco Raclettis grimmige Visage. „Mieses Stück Scheiße!“ giftete der und versenkte ohne Umschweife einen linken Aufwärtshaken in Spumantes Magengrube, der ihn wie ein Taschenmesser zusammenklappen ließ. Ungefähr bis auf Raclettis Hüfthöhe, denn dort traf ihn dessen Knie unter dem Kinn. Ein finaler Schlag von oben ins Genick beförderte ihn bewusstlos noch eine Etage tiefer, so dass er am Boden die Tritte seines Kumpels gar nicht mehr spürte.
Das Ganze hatte nur den Bruchteil einer Sekunde gedauert.
Als man Waldriano Spumante in einer Hofecke liegend bemerkte, war Francesco Racletti schon längst unbemerkt zwischen seinen Mithäftlingen untergetaucht.
Spumante wachte eine Stunde später in einem weißen Gitterbett wieder auf.
Drei Zähne fehlten und alles tat ihm weh, aber er hatte sein Ziel erreicht: Die Krankenstation!
Irgendwo hörte er den Pfleger hantieren. Zu sehen war niemand.
Er unterdrückte ein Stöhnen und richtete sich auf, um seine Umgebung in Augenschein zu nehmen.
Ohne sein Bett verlassen zu müssen, sah er sofort alles, was er benötigte.
Eine weitere halbe Stunde später hatte er im Nebenzimmer eine Reißleine am Auslöser des Feuerlöschers befestigt und diesen im Arzneischrank platziert, zwei Decken unter der Matratze eines zweiten anwesenden Bettes verstaut und es geschafft einen stinkenden Haufen im Bett abzudrücken und darin liegen zu bleiben und sich weiterhin bewusstlos zu stellen.
Vom penetranten Gestank herbeigelockt erschien der schimpfende Krankenpfleger im Zimmer und zog Waldrianos Decke weg. „Du dummes Schwein!“ fluchte er, „Jetzt muss ich den Dreck wegmachen.“ Er holte eine Schüssel mit warmem Wasser und wusch den versauten Mafioso. Dann trug er ihn in das andere Bett und machte sich daran das stinkende Laken abzuziehen.
Inzwischen hatte Spumante die zwei Decken unter der Matratze herausgezogen, zusammengerollt und an seiner Stelle unter der Bettdecke untergebracht. Auf den ersten Blick sah es so aus, als schliefe er dort. Dann schlich er hinter dem immer noch nörgelnden Pfleger vorbei ins Nebenzimmer mit dem Arzneischrank und nahm die Reißleine des Feuerlöschers auf. Er glitt zurück ins Krankenzimmer und verbarg sich hinter der Tür zum Nebenraum.
Dann zog er an der Leine.
Im Arzneischrank brach die Hölle los.
Überall flogen Fläschchen und Ampullen herum, die Glasscheiben des Schrankes barsten, der Feuerlöscher fiel mit einem dumpfen Schlag heraus und rollte noch immer wild um sich spritzend über den Boden.
Mit hochrotem Kopf schoss der Pfleger in den Nebenraum und brüllte wie am Spieß.
Waldriano schlüpfte hinter der Tür hervor und vergrub sich im einzigen Wäschebehälter auf Rädern unter der Schmutzwäsche.
Nachdem der gestresste Krankenpfleger das Chaos einigermaßen in den Griff und den Feuerlöscher zum Schweigen gebracht hatte, griff er triefend nass zum Telefon und rief in der Wäscherei an: „Schickt mir sofort einen her, der die Wäsche abholt! Ich habe hier eine beschissene Sauerei, die unbedingt weg muss!“
Dann warf er Spumantes dreckiges Laken und seine eigenen nassen Kleider in den Wäschebehälter und ging sich umziehen.
Zehn Minuten später rollte Waldriano Spumante unter seinen eigenen Exkrementen der Freiheit entgegen...

Waldriano Spumante war auf dem Weg zur Wäscherei in die nassen Klamotten des Pflegers geschlüpft und unbemerkt entkommen. Den Knast hatte er als Pfleger verkleidet ungehindert verlassen können.
Er hatte sich in einem Stundenhotel in der Nähe von SEARS ein Zimmer genommen und seinen Paten angerufen. Schließlich hatten dessen Leute ihn abgeholt und in einer billigen Absteige untergebracht, die sie zu ihrem Hauptquartier für die kommende Aktion gemacht hatten. Ein verwanztes Dreckloch war es zwar schon, aber Don Ricardo, der Neffe von Don Bernardo, war sich sicher, dass kein verdammter Schnüffler seine Nase hereinstrecken würde.
Gemeinsam planten sie die Ermordung von Don Francesco Di Mascarpone, dem neapolitanischen Gangsterboss, der ihren Boss, Don Bernardo, anschwärzen wollte. Die Bullen würden den Camorraboss auf dem Weg zur Vernehmung gewiss schützen. Das machte die Sache schwierig.
Einen Bullen umzulegen, hätte einen Krieg mit der Polizei heraufbeschwören können. Da wäre dann auch nichts mehr mit Bestechung zu machen gewesen.
Nicht mal die Chinesen hätten das riskiert, und die waren ziemlich rücksichtslos auf ihrem Weg in die Oberliga des Verbrechens in Chicago. Don Ricardo war sich sicher, dass die Schlitzaugen ebenfalls einen Killer auf Di Mascarpone angesetzt hatten.
Was Don Ricardo nicht wusste, war die Tatsache, dass Waldrianos Kumpel Racletti ein doppeltes Spiel gespielt hatte. Er saß im Knast und hielt brav die Füße still, während er heimlich für Don Francesco arbeitete. Er hatte Waldrianos Flucht sofort an Don Francescos Leute gemeldet und die hatten dafür gesorgt, dass man den Gangster nicht aus den Augen verlor. Die Männer blieben Spumante auf der Spur und erfuhren so vom geheimen Versteck von Don Ricardo. Es dauerte keine Stunde mehr bis der Laden in Flammen stand. Alle, die der Feuersbrunst zu entkommen versuchten, gingen beim Verlassen des Gebäudes im Kugelhagel von Don Francescos Di Mascarpones Männer unter.
Im Cook County Jail freute sich Francesco Racletti, dass er Waldriano Spumante vorher noch ein paar Zähne hatte ausschlagen können…

In Chinatown versammelte der goldene Drache Doc Fu Man Shu im Hinterzimmer einer schäbigen Wäscherei seine Lakaien um sich:
“Hölt zu, Männel: Del kollupte italienische Bastald will molgen gegen uns aussagen. Nicht nul gegen uns, sondeln auch gegen alle andelen Bosse. Es ist eine Flage del Ehle, dass wil es sein welden, die das velhindeln!“
Die Unterdrachen standen gebeugt um ihren Chef herum und nickten zustimmend ohne ihn anzuschauen.
„Und dass Ihl mil ja keine Polizisten abknallt! Das könnte sonst mehl Älgel geben, als wil velklaften können. Und achtet auch dalauf, dass keine Unschuldigen zu Schaden kommen: Das sind alles mögliche Kunden von molgen!...Es gibt noch so viele Westen leinzuwaschen...“
Doc Fu Man Shu hörte sich einfach gerne reden, „Nicht das wil negative Schlagzeilen in del Plesse kliegen! Wil liegen beleits schon ziemlich weit voln im Lennen, abel wenn wil an die Spitze wollen, dülfen wil uns nicht in del Öffentlichkeit unbeliebt machen!“
Dann entließ er seine Unterdrachen und ließ sich von einer Rikscha am Hintereingang abholen, um durch enge verwinkelte Gassen, in denen sich der Unrat stapelte, Kinder spielten, Wäsche auf den Leinen hing und Hausfrauen mit Tongeschirr kochten zu seinem Lieblingsrestaurant zu fahren.

Gleichzeitig fand im Keller des Polizeihauptquartiers die Einsatzbesprechung des Federal Bureau of Investigation statt. Anwesend waren die Detectives Delano, McCraig und Smith, sowie ihr Boss, Captain Mostner. Er wandte das Wort an seine stahlharten Jungs:
„Hört zu, Männer: Der korrupte italienische Bastard will morgen gegen die anderen Bosse aussagen. Eure Aufgabe ist es dafür zu sorgen, das der Maccaroni seine Aussage morgen vor dem Richter zu Protokoll geben kann.“
Der Captain räusperte sich, “Well, machen wir uns nichts vor, Männer: Die Dons werden nicht dulden wollen, dass sie einer verpfeift. Di Mascarpone ist ein toter Mann. Keiner verlangt von Euch, dass er da unversehrt erscheint, aber seht zu, dass er´s zumindest bis in den Gerichtssaal überlebt. Wir wollen kein Aufsehen, deshalb werden wir allein sein. Wir bringen ihn rein, lassen ihn aussagen und unterschreiben und unser Job ist erledigt. Ich empfehle Euch danach die Hintertür zu nehmen. Was die anderen Gangs hinterher mit ihm anstellen, soll nicht mehr unser Bier sein...“
Er wandte sich zum Gehen, „Und Männer..., wenn Ihr tatsächlich angegriffen werdet, macht kurzen Prozess! Aber keine Unschuldigen abknallen, verstanden? Das Letzte was wir brauchen können ist negative Publicity! Nicht dass irgend ein Schmierfink von der Presse noch in den Straßen Sympathien für die Syndikate weckt...“
Am nächsten Morgen zogen sie Don Di Mascarpone aus seiner Zelle, in der er in Schutzhaft saß. „Hoch mit Ihnen!“ donnerte Captain Mostner, “Zeit zu gehen...“ Er packte den Mafioso unter dem Arm und führte ihn zum Wagen.
Dort warteten seine standhaften Unbestechlichen, die handverlesene Elite der Bundespolizei:
Jimmy Delano, Oswald Smith und Hieronymus McCraig.
Mit ernsten Mienen stiegen sie alle in die Limousine und ließen sich schweigend von Oswald Smith ins Zentrum Chicagos chauffieren.
In einem durch Bretterzäune geschützten Hinterhof parkten sie den Wagen und stiegen aus. Oswald Smith sicherte den Hof und bildete die Vorhut, während der Captain den Gangster fest gepackt am Arm führte und die beiden anderen Agenten rundherum sichernd eng dabei blieben.
Als sie den Hof verließen, trat einen Häuserblock weiter Doc Fu Man Shu aus dem Hinterhof der Wäscherei auf die Straße. Vor sich trug er zur Tarnung einen Stapel Wäsche. Li Kling und Kurasawa folgten ihm ebenfalls mit Wäsche beladen auf dem Fuße.
Auf der anderen Seite des Platzes hatte sich Rocco Di Mascarpone, der älteste Sohn und designierte Nachfolger Don Francescos, an der Pizzeria vorbei bis ins irische Viertel vorgearbeitet.
Dort vertrat ihm Kenneth O´Hara den Weg: „Was willst Du hier, Spaghetti...?“
Vor dem Bauch des Iren sprang eine Messerklinge aus ihrem Griff in der Hand des Italieners. Das war Antwort genug. Kenneth zog seinen Totschläger durch die Luft, wo eben noch Roccos Kopf gewesen war. Dann versuchte er den kleinen Italiener wegzustoßen, aber stolperte dabei über dessen ausgestrecktes Bein und fiel auf die Nase.
Richtig sauer rappelte er sich wieder auf, entsicherte seine Thompson und gedachte den Giftzwerg gehörig voll Blei zu pumpen. Der wich abermals aus und die Kugeln zersiebten seinen jüngeren Bruder Sonny, der zwanzig Fuß hinter Rocco zuckend an der Mauer vor der Pizzeria herunterrutschte und tot im Rinnstein liegen blieb, während aus dem Ristorante Mario Lanza „O Sole mio“ vom Plattenteller schmetterte.
Das plötzliche Maschinenpistolenfeuer löste eine Kettenreaktion auf dem Platz aus:
Kurasawa ließ die Wäsche fallen und brachte darunter ebenfalls eine Tommygun zum Vorschein.
Detective Agent Oswald Smith, hatte beim Überqueren der Straße die ganze Zeit die suspekten Chinesen im Auge behalten und reagierte noch bevor Kurasawa seine Waffe in Anschlag bringen konnte: Mit seiner eigenen Thompson erledigte er den Asiaten, bevor der auch noch einen Mucks machen konnte. Sofort riss Doc Fu Man Shu seine Pistole „Kleiner Drache“ hoch, um Smith für Kurasawas Tod büßen zu lassen. Ihm war egal, ob das den Krieg mit der Polizei bedeuten würde. Beherzt drückte er ab und der „Kleine Drache“ spuckte seine Kugel dem Agenten entgegen - und an diesem vorbei...
Kurzerhand knipste Oswald Smith auch den Triadengünstling Doc Fu Man Shu mit einem weiteren Feuerstoß aus.
Durch das Ende seiner beiden Kollegen aus dem asiatischen Dienstleistungsgewerbe gewarnt, geht Li Kling hinter der niedrigen Parkmauer in Deckung und feuert von dort auf Oswald Smith. Durch die Aufregung geht der Schuss fehl und trifft stattdessen einen unbeteiligten irischen Kinobesitzer namens Peter Kelly. Dessen Tod sollte noch Jahrzehnte später Auswirkungen auf die europäische Musikszene haben, da sein Sohn wegen des traurigen Ende seines Vaters frustriert die vereinigten Staaten verlassen würde, um in einem Doppeldeckerbus eine Familie zu gründen ...

Im Schutze der Ablenkung durch das Feuergefecht mit den Chinesen stellte der bei der Triade angeheuerte chinesische Killer Yao Chen den Koffer eines Kontrabasses an die Mauer des Kinos und packte in aller Ruhe seine mit eingravierten Drachen verzierte vergoldete Thompson aus, lädt sie und ging mit ihr bis zur nächsten Straßenecke, um hinter einem geparkten Auto auf sein Opfer zu warten: Don Francesco Di Mascarpone.
Dessen ältester und Geschäftsführer Rocco rächte den Tod seines Bruders Sonny indem er das Springmesser mit dem Revolver vertauschte, ihn in O´Haras Bauch drückte und eine tödliche Kugel in dessen Eingeweiden versenkte. Dessen Partner James O´Sullivan wurde von einer Feuerleiter aus Zeuge des Geschehens und beharkte Rocco Di Mascarpone unten auf der Kreuzung mit einem Dauerfeuerstakkato aus seiner Maschinenpistole bis die Waffe klemmte. Rocco schoss zurück ohne getroffen worden zu sein oder selbst zu treffen.

Inzwischen hatte Li Kling dem Chef der FBI-Agenten Kelvin Mostner eine Kugel verpasst und ihn schwer verletzt. „Kümmert Euch nicht um mich, Männer!“ sagte er heldenhaft und scherte aus der Gruppe aus, „erledigt den Auftrag...“
Sofort übernahm Detective Jimmy Delano die Führung des Verbrechers Don Francesco, der sich mit fistelnder Stimme über das Blut des Captains auf seinem teuren Nadelstreifenanzug beschwerte. Luca Brasi, die rechte Hand Roccos hatte inzwischen Mitleid mit Captain Mostner und blies Li Kling, dem letzten Chinesen das Lebenslicht aus. Kelvin Mostner biss die Zähne zusammen und kletterte auf das Dach eines Lieferwagens, der hinter dem Auto parkte, wo der Triadenkiller auf den Don lauerte, um sich einen Überblick über die auf dem ganzen Platz entbrannte Schießerei zu verschaffen. Sofort fiel ihm der einen Wagen weiter vorn hinter der Motorhaube am Kinoeingang kauernde Chinese mit der goldenen Maschinenpistole auf. Ohne zu zögern schoss er ihm von oben in den Rücken und legte ihn eiskalt um.
Die Vorhut des FBI, Detective Oswald Smith, hatte inzwischen den Park mit dem Brunnen in der Mitte des Platzes durchquert und schoss auf James O´Sullivan, dem langsam dämmerte, dass die Bullen von der Mafia geschmiert waren, da Rocco für den Agenten ein viel näheres Ziel gewesen wäre. Der hatte bereits die Ladehemmung beseitigt: Frustriert schoss er auf den nächsten Italiener in Sichtweite, weil der flinke Rocco sich inzwischen hinter einen Pritschenlastwagen mit Zementsäcken gerettet hatte. Dann schwenkte er auf den Paten, der gerade um die Parkecke in Sichtweite kam. Von seiner erhöhten Position auf der Feuerleiter begann er aus maximaler Distanz den vor Don Francesco gehenden Agenten zu beharken. Anfangs konnte Jimmy Delano den Kugeln noch ausweichen, doch dann wurde er in ein Sieb verwandelt und hinterließ Don Franceso Di Mascarpone ungedeckt, der mit klagender Fistelstimme sein eigenes nahendes Ende betrauerte.

Sein Sohn Rocco erklomm derweil das Führerhaus des Lastwagens und unternahm einen Startversuch indem er die Zündkabel kurzschloss. Der Wagen sprang sofort an.
Seine rechte Hand Luca Brasi hatte die Gelegenheit genutzt, nachdem der Ire O´Sullivan von seiner verfluchten Feuerleiter aus das Feuer von ihm genommen und statt dessen auf den Don geschossen hatte, und war verletzt aus der Schusslinie entkommen. Jetzt hielt er auf den nächsten Iren zu, um sich zu rächen. Doch Patrick MacPatrick sah ihn kommen und pumte ihn voll Blei. Weißglühender Zorn packte Rocco der brutal den Schalthebel in den ersten Gang knüppelte, das Gaspedal bis zum Bodenblech durchtrat und MacPatrick überfuhr.
Der Ire blieb mit zerquetschten Beinen auf dem Pflaster liegen, während Rocco feixend nach hinten blickend aus dem Fenster schaute und immer noch mit Vollgas über die Uferbrüstung schoss. Mit ohrenbetäubendem Tosen durchbrach der schwere Lastwagen die Wasseroberfläche des Lago Michigano und versank in der Tiefe des dreckigen Hafenbeckens. Der geladene Schnellbinderzement tat sein Übriges, um Rocco eine angemessene sizilianische Bestattung mit den wohl größten Betonschuhen der Welt anzugedeihen. Sakrale Orgelmusik erklang aus der offenen Tür der nahe gelegenen Pizzeria.

Der finale Moment für den Abgang Don Francescos kurz nach dem tragischen Tod seiner beiden einzigen Söhne stand unmittelbar bevor: „Meine Jungs, meine Ragazzi! Was wird Mama sagen...? Ein tragischer Verkehrsunfall...“ tönte es heiser aus der Kehle des Paten. Dann zerpflückten ihn die Kugeln aus der Tommygun von James O´Sullivan Stück für Stück.
Ein besonders gnädiges Geschoss fand den Weg zwischen seine Augen und bohrte sich tief in seine Stirn....


Die Dynastie der Di Mascarpones hatte an diesem Vormittag ein für alle Mal ihr Ende gefunden. James O´Sullivan packte die Thompson, hechtete die Feuerleiter hinunter und sammelte den zerschundenen Patrick MacPatrick auf. Zusammen mit seinem Boss Michael MacMurdock brachte er den Verletzten in ihr Versteck, das durch den Tod des Paten geheim geblieben war. Die Zukunft gehörte Ihnen: Die Italiener und die Chinesen waren führungslos zurück geblieben. Das FBI tappte weiterhin im Dunkeln. Jetzt würde sich die Arbeit endlich auszahlen: Zeit die Desillen anzuwerfen und ein bisschen Whiskey auf den Schwarzmarkt zu werfen...

Slàin!

Antworten:

Re: The good, the bad, the innocent & the drunken

@Doc: Das wichtigste Wort im letzten Satz lautet natürlich "Destillen" - ich habe das T vergessen, bitte korrigieren!

von Michi - am 10.02.2006 12:28

Re: The good, the bad, the innocent & the drunken

....in Deckung und feuert von dort auf Oswald Smith. Durch die Aufregung geht der Schuss fehl und trifft stattdessen einen unbeteiligten irischen Kinobesitzer namens Peter Kelly. Dessen Tod sollte noch Jahrzehnte später Auswirkungen auf die europäische Musikszene haben, da sein Sohn wegen des traurigen Ende seines Vaters frustriert die vereinigten Staaten verlassen würde, um in einem Doppeldeckerbus eine Familie zu gründen ...

Buuaaahhh! ROFL! :D

von Walter - am 10.02.2006 12:55

Re: The good, the bad, the innocent & the drunken

Walter schrieb:

Zitat

um in einem Doppeldeckerbus eine
Familie zu gründen ...

Buuaaahhh! ROFL! :D


Ja, hier wird die Wahrheit ungeschönt erzählt:

Kauft den Chicago Mornin´ Star - unabhängig, unpateiisch und unbestechlich!

von Michi - am 10.02.2006 13:04

Re: The good, the bad, the innocent & the drunken

Michi schrieb:

Zitat

Kauft den Chicago Mornin´ Star - unabhängig,
unpateiisch und unbestechlich!


Jaja...und die Lohnschecks unterschreibt ein altersschwacher Don Francesco.

von Doc - am 10.02.2006 13:32

Re: The good, the bad, the innocent & the drunken

Doc schrieb:

Zitat

Jaja...und die Lohnschecks unterschreibt ein altersschwacher
Don Francesco.


Der hat das inzwischen das Zeitliche gesegnet. Den Laden hat ein gewisser Sclome S. Rothschild gekauft.
Also sieh lieber zu, dass Du die Negative auf die Platte bannst, die Druckerpresse anwirfst und den Bericht als Extrablatt unters Volk bringst, sonst wirst Du gefeuert!
Der neue Boss will morgen Don Micheles Visage auf der Titelseite an jedem Kiosk in der Stadt sehen...

von Michi - am 10.02.2006 13:40

Re: The good, the bad, the innocent & the drunken

Ich schaffe es frühestens am Sonntag, sorry.
Aber dafür wird es cool.

Gruss,

Doc

von Doc - am 10.02.2006 16:55

Re: The good, the bad, the innocent & the drunken

Doc schrieb:

Zitat

Aber dafür wird es cool.


Ich bin schon gespannt! Aber Deine Gewerkschaft wird was gegen Sonntagsarbeit haben... :D

von Michi - am 11.02.2006 14:51
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