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vor 11 Jahren, 7 Monaten
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Michi

Endlich: Der Spielbericht Chicago II

Startbeitrag von Michi am 08.03.2006 15:00

Heiße Tage in Chicago

Aus dem zerschundenen Rundfunkempfänger in der dunkelsten Ecke einer schmierigen Hinterhofspelunke des Hafenviertels dudelt träge ein Tango:

„Es war in einer schwülen Sommernacht,
im Ristorante von Al Carbonara,
dem Vater des organisierten Erbrechens:

In einer Pizzeria in Chicago-City
kaut ein dubioser Mafioso traurig seine calamari fritti.
Und im Kreise der Familie erzält dann der padrone
von der cosa nostra und von quanto costa und
vom Onkel Al Capone.

Die Nadelstreif-Signori
weinen bei der Story,
und ihnen wird's ums Herz ganz schwer,
und Gino sagt zur Mira:
"Rück deine Lira fiera,
der Chianti ist schon wieder leer!"

Der Padrone sagt zur Mira:
"Erinnerst dich an früher?
Die Camorra, der Herr Pfarrer, der Minister,
Wir war'n alle wie Geschwister!"
Drauf sagt die Mira zum Padrone:
"Bist blöd in der Melone?
Die Prozente und Präsente für die G'schwister
waren aber auch nicht ohne!

Mit den Carabinieris,
was gar nicht so lang her is',
war früher alles halb so schwer.
Doch die neuen Kommissare,
die kann man nicht pagare.
So wie damals, so wird's nie mehr!"


„Hallo liebe Hörer von Radio CWAB! Willkommen bei einer Sondersendung anlässlich der Verkündung des organisierten Verbrechens mit seinen Angelegenheiten an die Öffentlichkeit zu gehen, um mehr Sympathien bei der Bevölkerung zu gewinnen. Sie hören seltene Tonaufnahmen von Mitschnitten einer außergewöhnlichen Serie von Interviews, die unser Reporter „Fast“ Eddy Malone unlängst aufzeichnen konnte. Beginnen möchten wir unsere Sendung mit einem bislang im Schatten des großen Don Francesco DiMascarpone stehenden sympathischen jungen Mann aus Little Italy:

HEISSE NÄCHTE, HEISSE TAGE IN CHICAGO:
Eine Reihe von Interviews mit prominenten Bürgern“

„Mein Name ist Luca Brasi. Seit sie mir den Handkuss gegeben haben, nennen mich meine Leute „Don Luca“. Das ist noch gar nicht lange her. Die Erinnerung an den armen Don Francesco ist noch frisch. Zusammen mit seinen beiden Söhnen kam er bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben – die ganze Familie auf einen Schlag ausgelöscht, welch ein Unglück! Als seine rechte Hand habe ich die Ragazzi zusammengehalten und auf mich eingeschworen. In der „Windy City“ herrscht jetzt ein noch schärferer Wind, seit die Paddies das Regiment führen und den Schwarzmarkt kontrollieren. Der irische Bastard MacMurdock hat angefangen eigenen Whiskey brennen zu lassen. Wenn jemand welchen braucht, muss er ihn bei ihm kaufen oder vertrocknen. Leider müssen auch wir den einen oder anderen Doppelten in unseren Etablissements ausschenken und der verdammte Saft geht in diesen schweren Zeiten leider verflucht schnell zur Neige. Gut für uns. Aber noch besser für Boss MacMurdock...
Die Paddies wollen obendrein natürlich auch noch Schutzgelder haben. Lange geht das nicht mehr gut. Ich denke an ein Gipfeltreffen mit Don Michele. Lieber mache ich mit einem Sizilianer Halbe-Halbe, als an einen Iren zu blechen.
Was mich fast noch mehr stört, sind die verdammten Chinesen. Ich weiß nicht, aus welchen Löchern die immer gekrochen kommen. Gerade erst ist der goldene Drache samt seinen Vigos ausradiert worden, schon streckt das nächste Schlitzauge seine platte Nase in den Wind: Hong Doc Pfui will ganz groß in Chinatown ins Geschäft einsteigen. So lange er dort bleibt, soll es mir recht sein. Aber man hat ja so seine Ahnungen...
Auf jeden Fall geht es in erster Linie um den Stoff. Das Zeug wird morgen zum Festpreis auf den Markt geworfen. Blöderweise ist die Lieferung limitiert auf nur eine Wagenladung Flaschen in Kisten. Die Iren haben uns den Zeitpunkt und den Ort genannt: Morgen Mittag, Schlag zwölf in der alten Autowerkstatt in Downtown. Anscheinend wird der Schuppen als Umschlagslager für Schmuggelware missbraucht. Ich hoffe nur, dass die Schmierer noch nichts gerochen haben!
Don Micheles Sizilianer und meine Leute aus Bella Napoli werden garantiert pünktlich um Zwölf vor der Tür der Paddies stehen. Ob der Chinamann auch da sein wird, bleibt abzuwarten. Die Schlitzaugen vertragen sowieso nichts – ich frage mich, was der überhaupt mit dem Stoff will? Die Iren haben gesagt, dass der Erste, der mit der Kohle rüberkommt, die Ware sofort mitnehmen kann. Der Geldbote muss alleine und unbewaffnet kommen. Wir werden schon dafür sorgen, dass das unser Mann sein wird. Wir müssen ihn einen Häuserblock entfernt absetzen und zu Fuß los schicken. Er wird das Geld aushändigen, den Wagenschlüssel erhalten und mit dem Lastwagen zu uns aufschließen. Dann bringen wir die Ware in Sicherheit. So ist der Plan. Eigentlich ganz einfach...“


„HEISSE NÄCHTE, HEISSE TAGE IN CHICAGO:
Zweiter Teil der Interviews mit prominenten Bürgern“

„Bon Giorno, iche bin Michele, genannte „Siciliano“. Für meine Ragazzi bin „Don Michele“. Bin gerade gekomme ause Palermo und nichte lange in Chicago. Hier gibte es nix viele Spaß, weile irische Boss alles kontrolliere. Meine Famiglia in Sicilia hat miche geschickt, ume zu ändern. Aber erste mal musse ins Geschäft einsteige. Dazu kaufe Whiskey – fuchterliche Zeug, Amaretto isse viel besser – bei der Boss. Einzig Gute iche weiß uber die Ire, ist dasse sie auch katholische sind. Gibte auch Chinese, heißte sich Hong Doc Pfui. Und andere Italiano di Napoli, heißte sich Luca Brasi, iche weiß. Don Luca ise Padrone vone DiMascarpone-Famiglia. Wolle auch beide kaufe bei der Boss. Musse iche schneller sein! Morge isse Verkauf von Whiskey – furchterliche Zeug, gibte viele bessere Vini – in alte Werkestatt an Hafen. Musse da sein ume zwolf Uhre. Gibte dann Schlussel fur Fahrzeug mite Whiskey – furchterliche Zeug, iche weiß Grappa ise viel besser! Meine Ragazzi warte danne schon auf der Lastewage. Dann fahre zu unsere Lager und verkaufe schnell furchterliche Zeug, nixe zu vergleiche mite Chianti - an Ristorante...“


„HEISSE NÄCHTE, HEISSE TAGE IN CHICAGO: Dritter Teil der Interviews mit prominenten Bürgern“

„Ich heiße Michael MacMurdock und bin amerikanischer Ire in der dritten Generation. Mein Großvater stammte aus Cork und gründete in der neuen Welt eine Brennerei. Die riesigen Weizenfelder vor seiner Haustür hier oben im Norden legten das nahe. Unsere Familie konkurrierte eine zeitlang mit Mr. Daniels, aber der fing schließlich an den Markt zu beherrschen und drängte uns schließlich langsam aus dem Geschäft. Als die Prohibition kam, gab mein Vater das Brennen auf und übertrug mir die Verantwortung für das Wohlergehen der Familie. Viele irische Einwanderer in unserem Viertel sind nach wie vor von uns MacMurdocks abhängig. Manche sagen, ich sei ein Verbrecherboss. Ich sage Ihnen was: Das ist Blödsinn. Wollen Sie mich nicht verstehen? Ich singe Ihnen mal eine schöne Weise aus der Heimat meines Großvaters:

As I was going over The Kilmagenny mountain
I met with Captain Farrell, And his money he was counting
I first produced my pistol, and then I drew my rapier
Saying stand and deliver, For I am the bold deceiver
With me ring dum a doodle um dah
Whack for the daddy o
Whack for the daddy o
There´s whiskey in the jar

He counted out his money, And it made a pretty penny
I put it in my pocket, And I gave it to my Jenny
She sighed and she swore, That she never would betray me
But the devil take the women, For they never can be easy
With me ring dum a doodle um dah
Whack for the daddy o
Whack for the daddy o
There´s whiskey in the jar

I went into my chamber, All for to take a slumber
I dream’t of gold and jewels, And for sure it was no wonder
But Jenny drew my charges, And she filled them up with water
And she sent for Captain Farrell, To be ready for the slaughter
With me ring dum a doodle um dah
Whack for the daddy o
Whack for the daddy o
There´s whiskey in the jar

And ´twas early in the morning, Before I rose to travel
Up comes a band of footman, And likewise Captain Farrell
I then produced my pistol, For she had stole my sabre
But I couldn’t shoot the water, So a prisoner I was taken
With me ring dum a doodle um dah
Whack for the daddy o
Whack for the daddy o
There´s whiskey in the jar

And if anyone can aid me, Its my brother in the army
If I could learn his station, In Cork or Killarney
And if he'd come and join me, We'd go roving in Kilkenny
I’ll engage he’ll treat me fairer, Than my darling sporting Jenny
With me ring dum a doodle um dah
Whack for the daddy o
Whack for the daddy o
There´s whiskey in the jar

Manche singen auch die letzte Strophe auf eine andere Weise, aber mein Goßvater hat es immer so gehalten. Setzen Sie Chicago statt Kilkenny ein, denn meine Brüder sind schon bei mir.
Verstehen Sie, was ich meine?
Sie können einem Iren nicht seinen Stolz nehmen, selbst wenn er in Ihren Augen ein Verbrecher ist. Sie können einem Iren genauso wenig seinen Uisge vorenthalten, das Wasser seines Lebens. Und wenn die verdammte Regierung glaubt ein Gesetz erlassen zu müssen, um den Alkohol zu verbieten, dann brenne ich den Whiskey eben schwarz! Und weil alle etwas davon haben sollen – nicht nur die Iren – bin ich sogar so großzügig und verkaufe ihn! Und wenn sie mich dafür in Ketten legen und aufhängen sollten: Ich bin Ire und tue, was mir gefällt: Heute, morgen und übermorgen auch noch, so Gott will!
Slàin, bei Saint Patrick!
Möchten Sie auch einen Schluck...?“


„HEISSE NÄCHTE, HEISSE TAGE IN CHICAGO:
Vierter Teil der Interviews mit prominenten Bürgern“

„Gestatten: Hong Doc Pfui. Willkommen in meinel bescheidenen Wäschelei, die mil mein Volgängel, del gloße Doc Fu Man Shu aus del belühmten Doc-Familie, hintellassen hat. Als neues Familienobelhaupt müsste ich mich jetzt eigentlich Doc Hong Pfui nennen, abel ich habe mich noch nicht an diesen neuen Namen gewöhnt. Außeldem ist es fül mich eine Flage del Ehle, dass ich mil diesen gloßen Namen elst veldienen muss. So wie es aussieht, dalf ich molgen untel Beweis stellen, dass mein Vatel, del letzte goldene Dlache, lecht dalan getan hat mich zu seinem Nachfolgel zu bestimmen: Es geht dalum eine Wagenladung Wis-Ki zu elwelben, del sich sehl gut eignet, um Sake zu velschneiden. Del Tlanspolt von Sake aus Japan hielhel ist schlecklich teuel und außeldem nicht ellaubt. Also stlecken will die volhandenen Volläte mit Wis-Ki und können weitelhin liefelbeleit sein.
Leidel hat del ilische Geschäftsmann, del in Chicago das Monopol auf den Wis-Ki hält, eine Alt Wettlauf aus dem Geschäftsabschluss gemacht. Hoffentlich wild unsel Mann del schnellste sein, um als Elstel das Balgeld auf den Tisch des Velkäufels packen zu können! Es wäle katastlophal, wenn del Alkohol in unselen chinesischen Nachtclubs ausginge, denn in diesel Zeit wild viel getlunken. Und untel uns gesagt: Vom Opiumhandel allein kann niemand leben...“


„Liebe Hörer, wir danken für Ihr Interesse und wünschen eine gute Nacht. Hören Sie zum Abschluss unseres heutigen Programms die Nationalhymne: Bitte erheben Sie sich vor Ihren Rundfunkgeräten!“


Der nächste Tag,
Dowtntown Chicago,
12 Uhr mittags,
High Noon:

„HIER SPRICHT FAST EDDY MALONE VON RADIO CWAB LIVE AUS DOWNTON CHICAGO:
Wir werden heute Zeuge einer äußerst seltenen Gelegenheit, dem organisierten Verbrechen hautnah auf die Finger schauen zu können, während die schmutzigen Geschäfte erledigt werden, die der Stadt so viel Unbill bringen. Boss Michael McMurdock hat Radio CWAB exklusiv eingeladen bei einem spektakulären Wettlauf um eine Ladung Whiskey dabei zu sein, die heute Mittag verkauft werden soll. Das gab es noch nie. Liebe Hörer bleiben sie am Empfänger, wenn es heißt: Chicagos Unterwelt zieht in den Krieg! So wie es aussieht geht es gerade in diesem Moment los:

Vier Wagen halten fast gleichzeitig in der Nähe des Mermaid`s Memorial, einem kleinen Park am Hafen, dessen bronzenes Denkmal vor einigen Jahren den tapferen gefallenen Seeleuten aus dem großen Krieg errichtet wurde. Direkt am der Seite des Parks steigt der Neapolitaner Luca Brasi aus seiner Limousine und schaut sich um: Auf der anderen Seite der Kreuzung steigen gerade die Sizilianer aus einem Lieferwagen. Um die nächste Ecke herum hat er eben noch den chinesischen Wäschereilieferwagen fahren gesehen.
„Aha, alle scheinen pünktlich zu sein!“
murmelt er mit einem Blick auf die Uhr. Hinter dem Park hat eine nagelneue glänzend rote Edelkarosse gehalten, deren Insassen er nicht kennt.
„FBI?“
fragt er und reibt sich grübelnd das Kinn. Die Sonne steht hoch am Himmel und scheint heiß auf das Blech der Motorhauben. Die Hitze lässt das Metall knacken und klicken. Luca wirft einen Blick die Roper´s Rail hinab, an deren Ende sich die Lagerhalle der Iren befindet. Das Sonnenlicht glitzert malerisch im Hafenbecken. Auf der Kreuzung steht eine schwitzende Polizistin in ihrem Mantel und wartet auf Verkehr, den sie regeln kann. Aber im Hafenviertel ist um diese Zeit nichts los. Auf der linken Straßenseite langweilen sich zwei leichtbekleidete irische Straßenmädchen im Schatten des Odeon-Theatre. Irgendwo unten am Ufer laufen zwei bewaffnete Iren Streife um die Lagerhalle, wo das Geschäft abgewickelt werden soll. Gerade biegt der sizilianische Geldbote Rinaldo Pasqualino Rizzo in die Roper´s Rail ein. Für Don Luca das Zeichen auch nicht mehr länger zu warten. Er klopft zwei Mal ungeduldig auf das heiße Autodach. Seine Artillerie, Bruno Cannelloni steigt auf der Beifahrerseite aus und lädt seine Thompson-Maschinenpistole durch. Alfredo Pesto stellt die Tasche mit dem Geld auf den Beifahrersitz und lässt den Motor an. Langsam rollt er auf die Kreuzung zur Roper´s Rail zu. Er schaut nach rechts zum Hafen hinunter. Der Sizilianer passiert auf der linken Straßenseite gerade die nächste Kreuzung mit der nassgeschwitzten Polizistin und geht im kühlenden Schatten am Theater vorbei. Dort wird er von Dripping-wet-Molly O´Slippery, einer stadtbekannten Dirne angesprochen, die dabei nicht mit ihren Reizen geizt. Ganz Macho bleibt Rizzo seinem Ruf nichts schuldig und lässt sich in einen leidenschaftlichen Flirt mit der Rothaarigen verwickeln. Das gibt dem chinesischen Geldboten Yao Xing mit seinem Geigenkasten Zeit ihn in der Parallelstraße unbemerkt zu überholen. Die anderen Chinesen stehen inzwischen bei ihrem Auto direkt hinter der Straßenecke, wo auch Don Michele Siciliano und sein Getreuer Luigi Spinachi auf die Rückkehr ihres Boten mit dem Lastwagen voller Whiskey warten.

Rinaldo Pasqualino Rizzo kann sich auf Grund seines Pflichtbewusstseins gerade so kaum aufrecht gehend von seiner neuen Bekanntschaft lösen und geht verkrampft mit kneifendem Schritt weiter. Allerdings nicht besonders weit, denn Polly MacBuster hat nur darauf gewartet, dass er endlich von ihrer Konkurrentin ablässt und versucht nun ihrerseits ihr Glück bei dem adrett gekleideten Herrn im blauen Anzug. Auch diese Dame kann Rizzo natürlich nicht einfach stehen lassen und schmachtet sie mit heißen Beteuerungen voll. Sie lässt ihm wiederum sehr wohl etwas stehen und so quält er sich mit staksenden Schritten weiter. Die erneute Verzögerung hat jedoch den Chinesen inzwischen das Ufer des Hafenbeckens erreichen lassen. Rinaldo Pasqualino Rizzo sieht ihn gerade die Straße überqueren und auf das bewusste Lagerhaus zu gehen. Er beschleunigt seine Schritte und vergisst die beiden Schönheiten für einen Moment.

Auch Alfredo Pesto sieht Yao Xing am anderen Ende der Straße. Er gibt Gas und biegt rechts in die Roper´s Rail ein. Hinter dem Park fährt gleichzeitig der dubiose rote Luxusschlitten los.

„Mamma mia!”
schreit Don Michele,
“Die breche die Regel und fahre mit die Automobili zu die Lagerhaus! Dase gibte es nicht, Luigi – tu was!“
Luigi Spinachi reißt seine Thompson hoch und hämmert erfolglos mit blauen Bohnen auf Alfredo Pestos Wagen ein. Doch der ist schon außer Sicht und jagt auf die Polizistin zu, die glaubt endlich etwas Verkehr zum Regeln zu bekommen, bis sie gewahr wird, dass der grinsende Italiener am Steuer genau auf sie zu hält. In letzter Sekunde rettet sie sich vor dem heran nahenden Wagen mit einem Sprung von der Kreuzung. Schleudernd und mit rauchenden Reifen kommt der Wagen hinter der Kreuzung auf dem heißen Kopfsteinpflaster zum Stehen. Allerdings nicht wegen des schlechten Gewissens des Fahrers auf Grund der wie wild in ihre Trillerpfeife blasenden zu Tode erschrockenen Polizistin, sondern durch die am Straßenrand im Schatten wiegenden Hüften von Molly O´Slippery...
Aus dem offenen Fenster des Wagens feixend ruft Alfredo ihr schlüpfrige Bemerkungen zu und gibt wieder Vollgas. Der krasse Regelverstoß mit dem Auto in das irische Viertel einzufahren, ruft die bewaffnete Streife auf den Plan: Patrick O´Kelly zersiebt die hübsche cremefarben und grün lackierte Limousine Alfredo Pestos mit seiner stotternden Tommygun. Alfredo setzt den Dienstwagen seines Paten an den rechten Bordstein und bringt sich durch die Beifahrertür in Deckung.

Mittlerweile ist es dem Sizilianer Rinaldo Pasqualino Rizzo doch noch gelungen vor dem Chinesen Yao Xing in der Lagerhalle zu sein und den Inhalt seiner Tasche vor den Iren auszuleeren. Er erhält den Zündschlüssel, steigt in den bereits beladenen Lastwagen und zwei irische Hafenarbeiter machen das große Schiebetor auf. Einer von beiden wird von Yao Xing sofort in eine Messerstecherei verwickelt. Der Sizilianer rumpelt mit dem Lastwagen aus dem Tor heraus und biegt links in die Roper´s Rail ein, die von Alfredo Pestos Limousine blockiert wird. Rinaldo Pasqualino Rizzo gibt Vollgas und schiebt sie aus dem Weg. Durch den Frontalaufprall der massiven Lastwagenstoßstange platzt ihr der Motor und der Wagen wird fahruntüchtig.

An der andern Straßenecke bei den geparkten Autos entspinnt sich eine üble Schießerei: Don Michele zieht seine Automatik und schießt auf Li Ching, die rechte Hand des silbernen Drachen Hong Doc Pfui, als dieser um die Ecke schleicht. Er verfehlt ihn. Dafür durchlöchert der Asiate den sizilianischen Paten mit dreiunddreißig Kugeln aus seiner Tommygun. Luigi Spinachi schießt auf Bruno Canneloni, der wiederum auf ihn schießt. Dann schießt auch noch Li Ching aus der anderen Richtung auf Luigi Spinachi. Dieser fällt vor Don Luca Brasi auf die Knie und fleht um Gnade, als Li Ching eine Ladehemmung hat und das Feuer einstellt. Fluchend beginnt der Chinese an der Waffe zu werkeln, aber er bekommt sie nicht wieder in Gang.
Sehen wir dort auf dem Trommelmagazin etwa einen kleinen Stern? Ja, liebe Hörer, es scheint sich tatsächlich um ein Qualitätsprodukt zu handeln, wie wir an dem Stern mit den eingeprägten Initialen S.S.S. erkennen können, das eigentlich seinen Dienst niemals versagen dürfte. Die Firma Triple S., der auch unser Sender gehört, rüstet nicht umsonst sogar die Polizeikräfte Chicagos mit den besten und erlesensten Waffen und Ausrüstungsgegenständen aus und garantiert für erstklassige Qualität. Wahrscheinlich handelt es sich um ein Plagiat oder die Gangster haben minderwertige Munition in das Magazin eingefüllt...

Aber werfen wir wieder einen Blick auf das Geschehen jenseits der nächsten Kreuzung! Dort ist der rote Wagen vor dem Lastwagen Rinaldo Pasqualino Rizzos in der Roper´s Rail zum Stehen gekommen. Noch aus dem Wagen heraus schießt der Beifahrer auf Rizzo und trifft diesen durch die Windschutzscheibe. Wie es aussieht, handelt es sich um den Mexikaner Roberto Luigi Garcia, einen stadtbekannten Schläger aus Rotlichtkreisen. Damit dürfte erwiesen sein, dass sich die Insassen des Wagens nicht zu den Reihen der Bundespolizei zählen dürfen. Jetzt sehen wir, wie der Zuhälter Paul Trench sich aus dem Fenster lehnt und Rizzo den finalen Todesschuss verpasst. Der Lastwagen kommt schlingernd mit noch immer laufendem Motor zum Stehen. Offensichtlich wollen sich da ein paar Herren aus dem Milieu ein zweites Standbein im Whiskeyhandel schaffen und noch nicht mal für die Ware zahlen. Der irische Schütze Patrick O´Kelly will dagegen vorgehen, bleibt aber an der Oberweite seiner Landsmännin Polly MacBuster hängen, von der er den Blick nicht abwenden kann.
Der Fahrer der roten Luxuslimousine Joe McNullen erleidet ein ähnliches Schicksal, als er in der rothaarigen Molly O´Slippery ein renditeversprechendes Investitionsobjekt am Straßenrand entdeckt und auf ihrer Höhe beim Vorbeifahren den Wagen abwürgt. Das allerdings entgeht Patrick O´Kelly, der inzwischen eine Dame weiter am Baggern ist, nicht. Sofort reißt er seine Tommygun hoch und verwandelt den nagelneuen Wagen der Luden in ein Sieb. Roberto Luigi Garcia rettet sich ins Freie, wo er erst recht von den Garben des Iren getroffen wird und genauso perforiert wie der Wagen zu Boden stürzt. Durch den Tod seines mexikanischen Kollegen wieder von seinen monetären Zukunftsplänen mit der üppigen „Dripping-wet-Molly“ auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, lässt Joe McNullen den mittlerweile arg ramponierten Wagen wieder an und fährt mit dampfendem Kühler bis zum Lastkraftwagen des erschossenen Rinaldo Pasqualino Rizzo weiter. Dort steigt er aus, reißt den toten Sizilianer aus dem Fahrerhaus und schwingt sich selbst hinein. Dann gibt er Vollgas...

Li Ching wirft wutentbrannt die Magazintrommel der noch immer blockierten Thompson auf den Boden und springt schreiend darauf herum. Luigi Spinachi bekniet weiterhin Luca Brasi ihn doch in die Familie aufzunehmen. Endlich lässt sich der Pate erweichen und sagt generös:
„Luigi, irgendwann – vielleicht nie – werde ich Dich um einen Gefallen bitten...“
Dann hält er ihm die Hand mit Don Francescos Ring zum Kuss hin.
„Du heißt ab heute nicht mehr Luigi Spinachi, sondern Analo Penetratio!“
Nachdem er ihn als neues Familienmitglied begrüßt hat, wendet er sich zusammen mit Bruno Cannelloni dem weiteren Geschehen jenseits der Kreuzung zu.

Dort hat die schweißtriefende Polizistin ihren Revolver gezogen und schießt wie wahnsinnig in die Trillerpfeife blasend wild um sich, um die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen. In ihrem Kugelhagel geht ein unbeteiligter Neugieriger getroffen zu Boden und verstirbt blutend im Rinnstein. Als nächstes hämmert sie dem Halbweltler Paul Trench ein klaffendes Loch in den Rücken, als dieser versucht die zusammengeschossene rote Limousine als Letzter zu verlassen.

In diesem Augenblick schiebt sich Hong Doc Pfui um die Ecke und blickt an dem wildgewordenen Li Ching vorbei auf den frischgebackenen Mafioso der Brasi-Familie, Analo Penetratio. Hämisch grinsend hebt er den Revolver seines Vaters „Kleiner Drache“ und erschießt den Sizilianer von hinten. Dann schießt auch schon der Lastwagen mit Joe McNullen am Steuer über die Kreuzung und ist mitsamt dem Whiskey verschwunden...
Zufrieden schlägt der „Silberne Drache“ Hong Doc Pfui seinem wütenden Handlanger Li Ching auf den Kopf und sagt:
„Höl endlich auf mit diesem Gehüpfe auf dem billigen Magazin! Ich habe noch hundelt neue von dem selben fleundlichen Waffenhändlel aus dem nahen Osten. Da gibt es auch noch ein paal, die bestimmt bessel funtionielen! Das Ganze ist doch tlotzdem lecht zufliedenstellend vellaufen: Keine del gloßen Familien hat den Whiskey gekliegt, die Sizilianel sind vollständig aus dem Lennen und wil haben eine leine Weste bewahlt...jetzt dalf ich mich mit Fug und Lecht Doc Hong Pfui nennen, um meinen Vatel zu ehlen!“
Händereibend und unablässig grinsend macht er sich mit Li Ching aus dem Staub, um auf Yao Xings Rückkehr mit dem Geigenkoffer voller Dollars zu warten.“


„Liebe Hörer, wir danken für Ihre Aufmerksamkeit! Die Sondersendung unseres Reporters „Fast“ Eddy Malone lässt uns die Beklemmung in den Straßen Chicagos förmlich spüren. Wer heute Abend noch etwas erleben will, sollte sich ins Rotlichtviertel aufmachen. Da wird es heute Abend wohl einen guten Tropfen geben. Aber falls Sie jemand fragt: Von uns haben Sie diesen Tipp nicht!
Radio CWAB bedankt sich bei allen treuen Hörern und wünscht noch einen schönen Nachmittag! Bitte erheben Sie sich zur Nationalhymne vor Ihren Rundfunkgeräten...“

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