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Michi, Walter

Mal ein anderer Beitrag: USA drängen deutsche Firmen aus Iran

Startbeitrag von Walter am 11.01.2007 08:11

Ich fand es interessant.

Auszug aus Handelsblatt 11.1.07:

USA drängen deutsche Firmen aus Iran

Die USA setzen weltweit Unternehmen massiv unter Druck, ihre Geschäfte
mit dem Iran einzustellen. Mit dieser wirtschaftlichen Isolation wollen
sie das Land zwingen, sein umstrittenes Atomprogramm zu stoppen. Das
trifft besonders die deutschen Unternehmen hart, machen sie doch
traditionell gute Geschäfte in der Region. Der jüngste Fall kommt aus
der Bankenwelt.

BERLIN. Die Commerzbank hat nach massivem Druck der USA jetzt
angekündigt, die Abwicklung von Dollar-Geschäften für Iran Ende Januar
zu beenden. Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller hatte sich in seiner
Eigenschaft als Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken vor
wenigen Monaten bereits über den Druck der Amerikaner in Sachen Iran
öffentlich beschwert.

Die Commerzbank war die letzte große westliche Bank, die
Dollar-Geschäfte für Iran abgewickelt hatte. Nun bleiben nac h Angaben
aus iranischen Finanzkreisen nur noch drei Geldhäuser aus den
Vereinigten Arabischen Emiraten, die Teheran mit Dollar versorgen. Schon
vor der Commerzbank hatten andere Kreditinstitute wie Dresdner Bank,
Credit Suisse, UBS, HSBC und Barclays entsprechendem amerikanischem
Druck nachgegeben. "Jede einzelne Bank in der Region wird von
US-Vertretern angesprochen und gedrängt, ihr Geschäft einzustellen",
sagt der in Teheran ansässige Wiener Finanzmarktspezialist Albrecht
Frischenschlager von dem Finanzberater Middle East Strategies.

Um Teheran zur Aufgabe der Urananreicherung zu bringen, hat der
Uno-Sicherheitsrat Sanktionen verhängt, die aber nur die Lieferungen von
Raketentechnik und zum Betrieb für Schwerwasserreaktoren nötiger
Bauteile umfassen. Die USA haben hingegen einseitig eine
Wirtschaftsblockade gegen Iran verhängt.

Nun bangen auch deutsche Unternehmen aus anderen Branc hen um ihr
traditionell gutes Iran-Geschäft. Die Folgen des verschlechterten Klimas
sind schon deutlich spürbar: Die deutschen Ausfuhren nach Iran sanken
2006 deutlich - in den ersten drei Quartalen um 14 Prozent.

Deutsche Unternehmen versuchen jetzt, ihre mit Teheran abgeschlossenen
Verträge am besten gar nicht öffentlich werden zu lassen. "Alles, was
das US-Geschäft tangieren könnte, ist tödlich. Deshalb redet in Teheran
keiner über seine iranischen Aufträge", sagte ein deutscher
Unternehmensvertreter in Teheran unter der Bedingung, dass sein Name
nicht gedruckt wird. Vor allem an US-Börsen gelistete Unternehmen wie
Daimler-Chrysler seien betroffen und Firmen mit großem Amerika-Geschäft.
Siemens beispielsweise, das nach Handelsblatt-Informationen vor dem
konkreten Abschluss eines 450 Mill. Euro umfassenden
Lokomotiven-Liefervertrages mit Teheran steht, will dazu öffentlich
keine Komm entare abgeben. Auch andere Dax-Konzerne wie BASF oder Linde
bewegen sich mit ihrem Iran-Engagement auf heiklem Terrain. So hat BASF
gerade erst ein 304 Millionen Euro schweres Projekt, eine
Ammoniak-Harnstoff-Anlage im Shiraz Petrochemical Complex, unter Dach
und Fach gebracht. Lindes schon sicher geglaubter Auftrag einer
petrochemischen Anlage dagegen wurde von Teheran vorerst storniert.

Nicht nur die deutsche Wirtschaft spürt das Eingreifen der Amerikaner.
Um ein milliardenschweres Engagement des chinesischen Ölkonzerns CNOOC
in Iran zu verhindern, habe Washington bei der Regierung in Peking und
dem Unternehmen "unsere Sorgen" vorgebracht. Das berichtete die
Sprecherin der US-Botschaft in Peking. Zuvor schon hatten
US-Interventionen dazu geführt, dass Japan Projekt-Finanzierungen in
Iran im Umfang von zehn Mrd. Dollar vorerst gestoppt hat.

Die Bundesregierung verfolgt das US-Vorgehen mit Sorge. Zum einen ist es
die Berliner Strateg ie in den Iran-Verhandlungen, die Sanktionen gegen
Iran nur schrittweise zu verschärfen und dabei möglichst alle Länder,
also auch China und Russland, mitzunehmen. Dieses Ziel hat
Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch nach dem Treffen mit dem
japanischen Ministerpräsidenten Abe nochmals betont. Zum anderen lehnt
die Bundesregierung aber grundsätzlich den Versuch der US-Regierung ab,
amerikanisches Recht auch über die Landesgrenzen hinaus durchzusetzen.

Dieses wachsende Problem der so genannten "Extraterritorialität" wird
auch als Thema für die "transatlantische Wirtschaftsinitiative" genannt,
mit der Bundeskanzlerin Merkel die Wirtschaftsbeziehungen zwischen EU
und USA stärken will. "Ein direkter Zugriff von US-Behörden auf
europäische Unternehmen und Banken ist nicht akzeptabel", heißt es in
dem Grundsatzpapier des Kanzleramtes, das dem Handelsblatt vorliegt. In
dem Papier werden die Defizite der transatlantischen
Wirtschaftsbeziehungen und die Themen für die geplanten Gesprächsrunden
aufgelistet. Auch die Internationale Handelskammer hatte das aggressive
rechtliche Vorgehen der USA bereits öffentlich kritisiert.

Europäische Diplomaten in Teheran zeigten sich ebenfalls verärgert über
den US-Druck. "Damit sollen wir aus dem Geschäft gedrängt und soll das
Feld langfristig für US-Firmen bestellt werden", behauptet ein Diplomat.
Besonders merkwürdig sei in diesem Zusammenhang, dass etwa Coca-Cola
ausgerechnet an die islamische Stiftung Bouyad-e Imam Reza eine
Produktionslizenz vergeben habe, die eines der wichtigsten
Wirtschaftsunternehmen der Mullahs sei.

Geschäfte mit den Mullahs

Handel floriert: Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und
Iran sind traditionell gut. In den letzten Jahren hat vor allem der
steigende Ölpreis dem Handel zwischen den beiden Ländern wichtige
Impulse gegeben. Zwischen den Jahren 2000 und 2005 verdreifachten sich
die deutschen Exporte.

Politik belastet: Im vergangenen Jahr wirkte sich allerdings der Streit
über das iranische Atomprogramm negativ aus. Die Furcht vor
internationalen Sanktionen und amerikanischer Druck gegen Konzerne, die
mit Iran Geschäfte machen, belasteten die Wirtschaftsbeziehungen. Die
bisher verfügbaren Zahlen bis Ende Oktober 2006 zeigen bereits einen
deutlichen Abwärtstrend.

Antworten:

Wirklich interessant, Walter. Die Amis machen noch so lange, bis ihr Druck hoch genug ist, einen Eurasischen Zusammenschluss zum Wirtschaftsblock zu bewirken und stehen dann ganz alleine auf der Welt da.

von Michi - am 11.01.2007 08:31
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