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Schattentraum - Storyteller
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Erster Beitrag:
vor 8 Jahren, 4 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 8 Jahren, 3 Monaten
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Suchende Seele, der schwarze Schalk, suchende seele

Keine Ruhe

Startbeitrag von Suchende Seele am 12.08.2009 19:17

Neulich saß ich auf einer weiten Wiese. Der Horizont so weit, nur Gras vor mir, ab und an eine Blume, kein Vogelzwitschern, Wolken, ein Schmetterling... nur ein leichter Windhauch stört diese Ruhe und bringt kühle Kunde eines Wetterumschwunges. Erwartungsvoll warte ich die Kühle ab, nichts geschiecht, stattdessen scheint mir die Sonne auf die blasse Haut. Angenehm. Ich entspanne mich und schließe die Augen, das Gras kitzelt mir an den Füßen und ich lasse mich fallen. Die Hände nach hinten gestreckt, den Kopf auf die Brust gelegt, atme ich die reine Luft ein und wieder aus. Es ist schön hier.. ich fühle mich wohl. Keine Hektik, kein Stress.... Irgendwann öffne ich die Augen, gestört durch ein unangenehmes prickeln auf der Haut. Ich suche mich ab und stelle fest das eine Spinne auf meinem Bein krabbelt und gerade den Schmetterling tötet... die Ruhe ist zerstört, durch einen Mord.

Antworten:

Lächeln, würde ich, bei dem Anblick.
Ich wär sicherlich fasziniert vom Anblick, sicherlich in der Anatomie der beiden Krabbelviecher versunken. Würde gucken wollen ob der Schmetterling in seiner starre ebenfalls Ocellen besitzt,
Sehen wollen ob die Spinne vielleicht mehr sieht als ich. Warscheinlich würde ich sie beim Natürlichem Gang stören.

Die Sonne würd mich stören. WIRKLICH stören. Sie würde mir in meinen Nachtaugen brennen, sie ist mir schlicht zu hell.

aber so ein einfaches kleines unschuldiges Nahrungskettenmassaker...

von der schwarze Schalk - am 20.08.2009 11:12
Interessant war es wahrhaftig, Besonders, das die Spinne ihr Opfer nicht im Netz gefangen hatte sondern den Schmetterling sozusagen festgehalten hat und ihn dann getötet hatte.
Der Text geht weiter:

Ich schaue der unfreiwilligen Störung zu und denke mir, wie alltäglich es ist, das auf der Welt gemordet wird. Seltsame Gdanken fließen durch meinen Kopf. Klare, ausgeruhte Gedanken, werden durch schwere Bilder abgelöst. Krieg. Menschen verblutend, tot, gequält. Mir kommt der absurde Gedanke, ob sie es verdient hatten. Nun sehe ich ein Kind, welches mit einem kaputten Spielzeug mitten in den Trümmern steht. Gleichzeitig muss ich an die Soldaten denken. Was fühlen sie, was denken sie? Kampfmaschinen, die früher als Kinder, Indianer und Cowboy gespielt haben. Weiter noch... was denkt ein Mörder? Dieser war doch auch nur ein unschuldiges Kind vor langer Zeit. Erinnert sich denn kein Erwachsener mehr daran, das er selber einmal jung war? Vergisst man die sorglosen Tage mit der Zeit? Kinderprobleme werden von Erwachsenenproblemen abgelöst. Aber sind diese denn nicht auch so schwierig wie die Probleme der Kinder? Fragen über Fragen.... Kopfschüttelnd, verscheuche ich diese Gedanken und bin erschrocken darüber, worüber man sich alles Gedanken machen kann und alles nur wegen einer Spinne und einem Schmetterling...

von Suchende Seele - am 20.08.2009 22:37
In deinem Kopf renne ich. Ich trage ein Gewehr und eine Uniform. Das Hoheitsabzeichen auf der Schulter kennst du, du siehst es auf den Paraden und oft im Fernseher.

In deinem Kopf bin ich eine Killermaschine. Doch in mir selbst sieht es anders aus...


Ich sehe das Kind, das weinende Kind in den Trümmern stehen.
Ich sehe wie es sein Spielzeug fallen lässt, das weinen lässt etwas nach, und es sich nach etwas anderem in den Trümmern bückt. Etwas grell buntem...
Es ist keine Zeit mehr. Ich schreie eine Warnung, aber das Kind versteht mich nicht.
Es ist noch viel zu weit weg, ich kann nicht mehr rechtzeitig sein.
Wie wenige Meter in milisekunden zur Unendlichkeit werden...

Ich werfe mich auf den Boden.
Ein sehr kurzer erstickter Schrei ist noch wenige Momente zu hören, dann der Laute knall, dann gar nichts.
Eine Träne muss ich mir verkneifen, immerhin weiss niemand wann der nächste Kugelhagel beginnt, wann die nächste Artillerie feuert. Ich lausche in die kurze Stille hinein. Ich weiss dass...
Schüsse.
Etwas weiter weg. Schreie auf deutsch, aber die Schüsse scheinen von mir weg zu gehen, in die Richtung aus der die Schreie kommen, denn dort brechen hier und da einige Schreie aprupt ab.
Ich blicke über meine mehr als provisorische Deckung aus Schutt und Schrott.
Sehe meinen Kumpel der über 5 Dienstgrade höher als ich ist, aber trotzdem genauso dasselbe Wasser filtern muss, dieselbe Brotkruste kaut, wenn die Ration zur Neige geht, das gleiche Gewehr hält.
Ich sehe ich höchstens 2 Sekunden lang. Dann sehe ich nurnoch die Einzelteile seiner Schulter, seines Kopfes. Splitter seines Helmes.

Direkt 9 Meter vor mir liegen die Schützen mit MG im Möchtegerngraben.
Eine Stellung aus den Resten einer Häuserwand, Schutt und natürlich einigen Toten.
Halb Wahnsinnig, halb im kriegerischen Rausch in Erinnerung meiner Ausbildung,
tue ich das, was die Genfer Konvention mir erlaubt.
Ich schütze meine Kameraden.
Halb-gezielte Schüsse von mir, schräg hinter ihnen. Sie haben garnicht mehr genug Zeit zum reagieren, sind selbst zusehr im Lärm ihrer MG's gefangen und auf die Gegner vor ihnen fixiert.
Doch, der letze merkt etwas, kann sich noch beinahe ganz umdrehen, bevor ich ihm stark zitternd ein Projektil schräg durch den Brustkorb jage, dank seiner Drehung im richtigen Winkel, beide Lungenflügel und den Hauptbronchus durchfetzend.

Die Schützen sind alle tot. Ich kann sehen wie einige meiner Kameraden aus den Trümmern auf mich zukommen, mich in Deckung zerren, mir zuerst danken, mich danach prüfend ansehen...
merken dass ich nicht mehr ganz bei mir bin, mich anschreien, mir eine reinhauen.
Ich bin wieder klarer, verstehe wieder was sie schreien. 5 Sekunden war ich abwesend.
"Verdammt man! Scheiße! Reiss dich zusammen, 'Spitzel' wurd getroffen, flick ihn wieder zusammen! Wo sind die anderen Blaulitzen? Alter, Wo sind die anderen verdammten Sanis??"
"Granaten. Provisorische Minen. Ich weiss nicht wie ichs überstanden habe, die eine hatte einen Radius von ungefähr 30 Metern in Gesammtausfüllung. Ich glaub ich bin der einzige der Gruppe der nicht vollständig zerlegt wurde..." 'Spitzel' eigendlich... naja. Sein echter Name tut hier lang nichts mehr zur Sache. Auf jedenfall habe ich ihn, so gut ich konnte seinen Hand-durchschuß abgebunden. Er hat verdammtes Glück gehabt. Schon allein weil ihm der Name verpasst wurde. 'Zielscheibe' hätte besser gepasst wie er immer in der Gegend rumsteht und versucht alles zu sehen und den Überblick zu behalten.
Sein Gewehr ist hin, dieser Halbmetallische Plastikbausatz.
Der Funker gibt die Nachrichten durch.
Mehr hab ich auch nicht mehr zu tun ersteinmal. Sonst nur 3 andere getroffene, alle drei tot.
Kein schöner Anblick...

Krise nennen sie diesen Zustand. Krisengebiet die Region.
Wenn DAS nur eine Krise ist, dieser verdammte Alptraum aus dreckigen Methoden, Landsleuten die ihre eigenen 'Brüder', ihre eigenen Nachbarn nur wegen einer Denkdifferenz niederfetzen und Schmetterlingsbomben in den Familiengegenden verteilen...
Dann, Bitte Gott!, will ich niemals einen Krieg erleben!

Ein Projektil fetzt durch die Stille, trifft mein Bein, streift es nur.
Schreie, runtergezerre in den Explosionskrater.
Schlechter Scharfschütze. Warscheinlich nur einer der sich an den Waffen der Toten vergriffen hat.
Es blutet nicht viel, ist beinahe wörtlich nur ein Kratzer.
Sofort verbinde ich es. Mit dem Verbandszeug des Typen der bis gestern noch mit mir gelacht hat und dessen Kopf sich nun mehr oder minder überall um mich herrum befindet.
Ich will hier raus. Hier weg!
Und reisse mich zusammen um die anderen, die meine Hilfe brauchen, nicht im Stich zu lassen.

Wie gern würde ich jetzt auf einer Wiese liegen...
Die frische Luft atmen...


von der schwarze Schalk - am 21.08.2009 10:42
Es erinnert mich an einen Spielzeugsoldaten. Eine Willkür der Nachbarn. Jene die sich nichts daraus machen, das sie abertausende Menschen in den sicheren Tod schicken und die jenigen die es überleben, sind anderweitig geschädigt. Rennen.. gehen..laufen... ja die richtigen Worte.
So sinnlos, dieses abschlachten von jenen, die im Grunde gar nicht Kämpfen wollen und dazu gezwungen werden.

Ich gehe durch den Schutt, die Asche, die Trümmer, mein weißes Gewand streift den Dreck, das Blut, jener die hier ihr Leben gelassen haben. Vor mir ein Finger, ich sehe ihn an und frage mich wem er gehört hat. Es ist fast schon kriminell darüber nachzudenken. Dort hinten etwas leuchtet in der Sonne, die die Verwüstung offenbahrt. Was ist es? Ich gehe näher und sehe ein Stehtoskop auf dem Boden liegen. Die Membran zerstört, wie die Trommelfelle aller die Bomben und Schüsse zu nah miterlebt haben mussten. Knapp zwei Meter daneben, ein Kopf eines Spielzeugmannes. Der Spielzeugsoldat? Ich erinnere mich... die Wiese, der Gedanke an das Kind. Tränen erfüllen meine Augen, ich knie nieder und nehme die Überreste in die Hand. Salziges nass, wischt über den Dreck und reinigt den Helm des Spielzeugs. Nur mühsam stehe ich auf und setze meinen Weg fort. Wieso bin ich zu spät gekommen? Hätte man das alles nicht verhindern können? Mir wird bewusst, das ich mich schuldig fühle. Überall um mich herum tote Menschen, schreiende Stimmen von weit her, langsam verklingend. Die letzten Atemzüge von Menschen die ihre Kameraden neben sich sterben gesehen haben. Was müssen diese Männer für einen Hass gefühlt haben, oder waren sie leer? Wie die Patronenhülsen die längst verschossen wurden? Mein Blick fährt hoch als ich eine Person weiter hinten sehe, die Schlachtnarben erklimmend. Ein Sanitäter oder doch nur jemand der die Gefallenen zählen will? Ich gehe zu ihm und sehe ihm bei der Arbeit zu, es ist tatäschlich ein Sanitäter. Ich frage ihn "Wird es ein Ende haben?" Er schaut auf und nimtm die Brille vom Gesicht "Für diese Leute schon" Bedrückende Trauer macht sich breit... Während ich hinunter schaue, streift ein Schmetterling ein Blickfeld und fliegt weg... hinüber zur Blumenwiese, die sich unmittelbar hinter dem Schlachtfeld befindet... Stille... die Ruhe nach dem Sturm.. keine Panik.... nur eine Spinne lauert auf einer Blume...


Sehr schöner Text und tiefe Eindrücke.



von suchende seele - am 21.08.2009 11:15

Alptraum: Sur/Real

Ich weiss nicth wie lange ich hier schon wandere.

Eine Bewegung.
Halb-mechanisch heben sich meine Hände, das Gerät an.
Ein Schuß. Ein Treffer.
Absurd dieser Gedanke in den ... Momenten? die ich hier wandle.
Hirnmasse spritzt an die rostigen Reste des Schützenpanzers welche der Mensch bis eben noch als Deckung nutzte.
Deckung. Menschen.

Menschen... sind das Menschen? Kann man das Menschen nennen?
Babarsiche dreckige Bestien. 0ie einen haben keine andere Wahl, die anderen reden sich ein es wäre so.
Wieder eine Bewegung.
Arme heben. Feuern. Zielen. Feuern.
Unterarm, Oberarm, Hals, Kopf.

Ich selbst bin nicht mehr ganz real, bin eine Art 'Todesengel', eine Skurrile Antwort auf die Wünsche eines jungen Soldaten. Das Ergebniss seines Todes. Das Ergebniss seines Bestrebens...
Realität weich wie Butter.


Eine schreiende Mutter beugt sich in den Trümmern über ihren schwer verwundeten Sohn.
Er hält noch sein Gewehr in der Hand. Zuckt.
Sie kann mich nicht sehen. Die wenigstens von ihnen können mich sehen.
Ich knie mich nieder, berühre seine Stirn, den Punkt.
Augenblicklich weicht alles Leben aus seinen Augen, ich spüre seinen 'Atem' durch mich durchbranden.
Es ist besser dass sie mich nicht sieht. Nicht weiss was ihren Sohn mitgenommen hat.
Welches Monster gerade neben ihr kniete...

Aufstehen. Weitergehen.
Im Umkreis von 50 Metern scheint ersteinmal kein weiteres Leben mehr zu bestehen, ausgenommen die klagende Mutter.
Bei meinem Marsch blicke ich mich sehr aufmerksam um.
Egal welche Seite: jeder Soldat bei dem ich nicht das Gesuchte sehe, fällt vor mir,

In der Ferne flackert etwas Weisses auf...
Wir sind wohl nicht allein auf diesem Schlachtfeld.
Schon gebe ich die Information an die anderen weiter, mit der Order nicht auf das weisse Objekt zu schießen.
Zur Bestätigung kommt mir Stille entgegen. Sie haben verstanden.
Ganz selten ist ein leises Klingeln von mir zu vernehmen, aber im Lärm dieses Kampfes hören es nur diejenigen welche uns endweder fürchten müssen oder die wir suchen.
Ein Junge, kaum Älter als 16, östlicher Typ, liegt röchelnd 30 Meter vor mir, das Gewehr an der Schulter.
Mich direkt ansehend, scheint er keine Angst zu haben, wärend ich auf ihn zustapfe. Er hat wohl das klingeln gehört... und trotz meiner Totenmaske sieht er mir direkt in die Augen.
Wieder gebe ich die Information durch, dass ich einen gefunden habe.
Ich betrachte ihn aufmerksam, duche seinen Körper genau ab.
Durchschuß Oberschenkel, zerfetzter linker Lungenflügel, 'Blattschuß' Herz.
Dass er dennoch "lebt", ist das sicherste Zeichen.

Ich nehme die Maske ab und frage in der Sprache
"Möchtest du leben? Möchtest du es ändern? Möchtest du verstehen?"
Nurnoch ein schmerzerfülltes Nicken. Noch mehr Blut.
Ich hebe ihn auf und trage ihn zurück, dabei eine kleine Blume zertretend, welche neben ihm wohl ans wachsen dachte.
Für die Menschen wird er ersteinmal tot sein.
Aber in diesem 'Tod' sind wir keine Feinde mehr. Ist es egal auf welcher Seite wir wofür gekämpft haben.
Wer und dazu gezwungen hat. Dankbar versucht er mich anzulächerln, als er meine Gedanken wahrnahm, wärend die Kraft weiter aus seinem Körper troff; nicht aber sein Leben...
Dies alles muss ein Ende haben...

Wieder sehe ich das weisse Objekt in der Ferne.
Einen winzigen Moment halte ich inne...
Weiter.

Dem Jungen rutscht das Gewehr von der Schulter.
Fällt auf eine Schmetterlingsbombe, doch die Detonation bleibt aus.
Das Gewehr, aus dem nie ein Schuß abgegeben wurde von dem Jungen, reicht um die Substanzen im nichts verpuffen zu lassen...
Das Gewehr mit dem er den Tod seiner kleinen Schwester durch so ein Mordspielzeug rächen sollte.


von der schwarze Schalk - am 22.08.2009 17:17

Re: Alptraum: Sur/Real

Einst fragte man mich,
woher kommen all die Menschen?
Ich sagte, das ich es nicht wüsste.

Einst fragte man mich,
woher kommt das ganze Blut?
Ich sagte, das ich es nicht wüsste.

Einst fragte man mich,
woher kommen all die Tränen?
Ich sagte, das ich es nicht wüsste.

Einst fragte man mich,
was weißt du eigentlich?
ich sagte, das nur die Gefallenen die Antwort wüssten.

Und dann fragte man mich,
wo denkst du, wo du bist?
daraufhin antwortete ich: Auf dem dem Sterbebett der Soldaten. Dem Schlachtfeld.

von Suchende Seele - am 24.08.2009 10:43
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